gluckhenne,
f. , '
glucke, bruthenne, henne'.
selten gluckshenne (
z. b. Jer. Gotthelf
ges. schr. [1855] 20, 368)
oder glockhenne (
z. b. im 16.
jh. bei Wicel,
s. Kehrein
nass. volksspr. 167; Hulsius [1618] 139
a; glokkhänn Rompler v. Löwenhalt,
s. u. 2 a)
neben dem besonders norddeutschen kluckhenne (
s. teil 5, 1260),
das schriftsprachlich seit dem 17.
jh. zurücktritt. während die bildung auch den verwandten sprachen geläufig ist (
engl. dialekt. cluckhen Wright 1, 666
a; [
engl. cluckinghen];
holl. klokhen [
bei Kilian (1623) 2, r 2
a: klockhinne];
dän. klukhøne;
älterschwed. [18.
jh.] kluckhöna,
letzteres-unter nd. einflusz),
ist sie den deutschen mundarten nur z. t. geläufig (
mnd. kluckhenne),
und zwar mit anlautendem k: Berghaus
Sassen 2, 163
a; Doornkaat-Koolman
ostfries. 2, 285
b; Mensing
schlesw.-holst. 3, 183 (
neben kluckhen
auch klunkhen);
korrespond.-blatt f. nd. sprachf. 17, 5 (
Recklinghausen);
rhein. wb. 4, 785;
mit anlautendem g: Fischer
schwäb. wb. 3, 713; Martin-Lienhart
elsäss. maa. 1, 341 (
wenig gebräuchlich); Staub-Tobler
schweiz. id. 2, 1313;
cimbr. kluckarhenna Schmeller 129;
vgl. tirol. glutschhenni
bei Frommann
dtsche maa. 5, 487. gluckhenne
gilt, besonders im 18.
jh., gegenüber dem '
niedrigeren'
glucke als '
feinere sprechweise',
s. Krünitz
öconom. encyclop. (1780) 17, 204.
s. u. auch gluckhuhn. 11)
die brütige, brütende oder ihre jungen führende henne; gelegentliche ältere definitionen wollen den begriff auf die ihre jungen führende henne einschränken, vgl. z. b. gluckhenne,
oder glucke,
heiszet eine alte henne, welche, wenn sie gebrütet hat, und ihre küchlein führet, eine neue gluchsende stimme annimmt, und dieselben damit locket; von diesem gluchsen wird sie eine gluckhenne
genennet Noel Chomel (1750) 4, 1172.
dem widerspricht aber der sprachgebrauch: so offt man aber ein glughennen setzen wil (
sie zum brüten bringen will) Heuszlin
Gesners vogelbuch (1557) 90
b; wenn es in der bruot donnert, so verterben die eyer; auch beschi ht ihnen schade, so die gluckhenne des weihen geschrey höret J. Heyden
Plinius (1565) 481; wann man ein gluckhenne, eier zu pruoten, gesetzt hat Sebiz
feldbau (1580) 104 (
ebda 1579: kluckhennen); ein junges hünlein leufft und tzschipet so lange, bis es zur gluckhennen kömpt Lucas Pollio
v. ewigen leben (1583) 14
b; die gluckhenn führt ihr völklein aus Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 398; kluckhän, die scharn alles vor ihr glücklin Lehman
floril. polit. (1662) 1, 193; die gluckhännen ... denen die erziehung ihrer kleinen ans hertz gewachsen Er. Francisci
lust. schaubühne (1697) 3, 305; (
eine) gluckhenne, die auf ihren eyern sitzet Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 804; und in deinem (
der mutter natur) strahle piept das küchlein unter der gluckhenne fittich Schubart
s. ged. (1825) 2, 304; vor der gluckhenne, die mit wuth ihre küchlein vertheidigte, hielt er (
der hund) nicht stand G. Parthey
jugenderinnerungen (1907) 1, 117. 22)
gern im vergleich. 2@aa)
in religiösen vergleichen. häufig im anschlusz an Matth. 23, 37
und Luk. 13, 34: wie offt hab ich wöllen deine kinder versamlen, wie ein kluckhenn ire hünlin versamlet O. Brunnfels
pandektenbüchlin (1528) 54
b; damit er unss unter Christo behellt, wie die jungen hunlin unter der gluckhennen Luther 10, 1, 1, 121
W.; er (
gott) will die klüklein däkken als wie die glokkhänn thut, wer will sie dann erschrökken? Jes. Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647) 31.
von den küchlein: darumb mussen wyr unss unter dieser gluckhennen flugel schmucken unnd nit ynn eygens glawbenss vormessenheytt ausflihen Luther 18, 125
W.; (
der teufel) reisset dich hin wie der weihe das kuchle ausser der gluckhenne flugel
ders. 28, 13
W.; ein küchlein, das sich nicht zu seiner gluckhenne halten will, geräth endlich dem stoszvogel in die klauen P.
F. Sperling
Nicodemus quaerens (1718) 1, 401. 2@bb)
in sonstigen vergleichen mit der fürsorglichen und zuflucht gewährenden gluckhenne: wie eine gluckhenne ... ihre küchlein in den sicheren hühnerkorb lockt Musäus
volksmärchen 1, 44
H.; da fuhr Mädi wie eine gluckhenne auf ihn ein Jer. Gotthelf
ges. schr. (1855) 21, 94; o liebe mutter! weinte er wieder, ... dein armer Peter geht nun allein in der welt betteln, wie ein armes küchlein, das seine gluckhenne verloren hat L. Steub
drei sommer in Tirol (1895) 1, 222. 2@cc)
vergleiche auf grund bildlichen gesichtseindrucks: (
der) kamp ..., aus dem schlosz Westerhof wie eine alte gluckhenne heraussieht K. Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 3, 273; die kirche da im busch wie die gluckhenne mitten unter den häuschen O. Ludwig
ges. schr. (1891) 3, 483. 2@dd)
vergleich mit der ratlosen henne, die enten ausgebrütet hat: sie lieffen zwar umb den rand, besahens wasser und das land, als wenn ein gluckhenn sich erschreckt, die junge entlein hat geheckt Rollenhagen
froschmeuseler (1621) N n 5
b; mein leiblicher vater hat nix für mich z thun gwuszt, als dasz er oben afm steg hrumschieszt wie a gluckhenn, dö ihr ausbrut'te enten im wasser schwimmen sieht Anzengruber
ges. w. (1890) 8, 326. 33)
übertragen auf menschen. 3@aa)
im anschlusz an Matth. 23, 37
und Luk. 13, 34
übertragen auf Christus, vgl. 2 a: wer an ihn gleubet und seine zuflucht setzet undter die gluckhenne, der sol selig sein Luther 33, 522
W.; ein gluckhenn, wier die jungen sein, da samlest uns, die christlich gmein, undter den schutz und schirme dein H. Sachs 1, 333
K.; ach ja mein Jesu, ... du bist mein hirte, ich bin dein schäfflein ... du bist meine gluckhenne, ich bin dein hünlein Heinr. Müller
geistl. erquickstunden (1667) 243;
vgl. 262. 3@bb)
übertragen auf fürsorgliche menschen, besonders frauen: die Toni, die ... die gluckhenne zu machen hat, hat ihre sorge, die küchlein immer auf trocknen weg zu leiten Görres
ges. briefe (1858) 3, 605; so du willst gute pflege genieszen auf deine letzteren tage ..., so nimm das junge hähnel (
den kaplan Christel) auf deinen pfarrhof und die alte gluckhenne (
dessen mutter) balde mit dazu! Holtei
erz. schr. (1861) 16, 7; jetzt seid ihr meine küchlein, ich bin die bekümmerte gluckhenne, welche über eurem wohl brütet G. Freytag
ges. w. (1886) 2, 33; er that, als ob er die eigentliche gluckshenne aller Vehfreudiger sei, ohne ihn nichts gemacht würde Jer. Gotthelf
ges. schr. (1855) 20, 368.
vereinzelt freier: dieser dichter ist in der that die gluckhenne der zeit H. Steffens
was ich erlebte (1843) 8, 400. 3@cc)
schweiz. '
delikate reizbare person' Staub-Tobler 2, 1313;
daher als schimpfwort Pansner
schimpfwb. 23
b;
vgl. auch glucke 2 b. 44)
die plejaden, das siebengestirn, vgl. glucke 3
und gluckerin 3.
nl. klokhen met de kuikens.
lexikalisch seit dem 16.
jh.: plejades ein gestirn, das man nennet die glughenn mit jren jungen Frisius-Cholinus (1541) 665
b; glockhenne
gestirn, plejades Hulsius (1618) 139
a; Adelung.
vereinzelt mundartlich, z. b. schwäb. gluckhenn Fischer 3, 713;
schlesw.-holst. kluckhen un küken Mensing 3, 183: von der gluckhänn am gestirn, so vmm den zehenden des brachmonats am abend erscheint Sebiz
feldbau (1579) 6; die gluckhenne (
und) der haas am himmel Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 3, 11; gluckhänn sind die sieben sterne in tergo tauri J. Saubert
almanach u. prognosticon (1626) 44; der leser selber kennt ja einige dieser sternbilder ..., die gluckhenne oder das siebengestirn Hebel
w. 2, 209
Behaghel; das gestirn der gluckhenne scheint mir in unser alterthum verwachsen J. Grimm
deutsche mythologie (
41876) 2, 607. —
mit dem schwanken der bezeichnung '
siebengestirn'
auch auf andere sternbilder bezogen: gluckhenne
für polarstern Frisch
teutsch-lat. wb. (1741) 1, 357
c; gluckhenne
der kleine bär, polarstern, das siebengestirn J. H. Kaltschmidt
gesammtwb. (
31851) 345
b.