glucke,
f. ,
bruthenne. wie klucke (
s. teil 5, 1258)
späte postverbale bildung zu klucken, glucken,
die in den übrigen germ. sprachen (
auszer holländ. klok, kloek,
das noch bei Kilian
fehlt, und engl. dial. clutch
neben dem gleichlautenden verb clutch '
brüten, brüten wollen',
das seit dem 18.
jh. bezeugt ist, s. Wright 1, 670
b, Murray 2, 541)
ohne parallele bleibt (
entsprechende romanische bildungen s. teil 5, 1258).
mit anlautendem g
gegenüber spätmhd. klucke
erst seit dem 16.
jh. belegt. die sich ergänzenden formen klucke, glucke
sind auf nahezu dem gesamten deutschen sprachgebiet heimisch, nur der überwiegende teil des schweiz. hat stattdessen die bildung gluckerin (
s. d.),
das auch sonst daneben begegnet, während das wort für das bairische nicht verzeichnet wird. nach ausweis der mundartenwörterbücher herrscht die form kluck(e)
durchgehends im nd. (
vereinzelt glucke Berghaus 2, 163
a),
ferner in einem teil des westmd., so im köln., aach., luxemb.; im übrigen md. sowie im obd. (
ausnahmen s. oben)
wiegt glucke (
mit mundartlichen spielformen wie trier. glugk,
lothr. gluck,
niederhess. glug
ə,
nordthür. glucken,
schweiz. glugge
n, gluggi
u. s. w.)
durchaus vor (
gelegentlich neben klucke: Bernd
Posen 76
u. 129; Lambert
pennsylv. 66). 11) glucke
bleibt (
abweichend von seinem herkunftsverb glucken)
auf das brütige, brütende oder seine jungen führende huhn beschränkt. in älterer zeit vorzugsweise von der henne nach vollendetem brutgeschäft: das freundliche locken vnd mütterliche stimme der glucken, damit sie ihre hünlin oder küchlin zu sich locket Er. Alberus
vom basilisken zu Magdeburg b 1
a; nachdem aber die hünlin auszgeschloffen sind, sol man einer muoter zweyer oder dreyer glucken hünlin geben zuo erneren P. Heuszlin
Gesners vogelbuch (1557) 92
a; die glucke führt ihr völcklein aus Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
evangel. kirchenlied 3, 398
a; die glucke ... ist eine henne, so junge hüner führet Gueintz
deutsche rechtschreib. (1666) 75; wann die hüner ausgebrütet sind, heiszet die alte, so sie führet, die glucke, die jungen aber küchlein Amaranthes
frauenz.-lex. (1715) 907; liebender tauben geseufz, und der gluck anlockendes schmeicheln Voss
Luise (1857) 195; da kam eine glucke heraus (
aus einem wunderei) mit zwölf küchlein ganz von gold brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 14; die küchlein laufen der glucke nach Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 461
b; wenn die glucke mit jungen hinkelchen ging W. Holzamer
vor jahr u. tag (1908) 288.
besonders in neuerer zeit ebenso gern auf die brütende oder brütige henne bezogen: die glucke hätte schon 20 tage auf den eiern gesessen und noch wäre keins ausgekommen Göthe I 46, 257
W.; das ... raugraf Gockelsche erbhühnernest, in welchem die glucke Gallina über den dreiszig eiern brütete Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 21; was kostet es vor müh, wenn wir nur wollten im backofen ein kleines hünchen ausbrüten ohne glucke Bettine
dies buch gehört d. könig (1843) 1, 83; nun geht die glucke von den eyern W. Körte
sprichw. (1837) 161; glucken, die nicht sitzen wollten Helene Voigt-Diederichs
auf Marienhoff (1925) 102;
lothr. e gluck setzen '
einer henne bruteier unterlegen, sie brüten lassen' Follmann 209 (
auch schriftsprachlich). 22)
in vergleichen: und, unter einer fichte eng die häupter aneinander drückend, stand, einer glucke gleich, die rotte der rebellen und brütete, die waffen plusternd, gott weisz, welch eine untat aus H. v. Kleist 2, 425
E. Schm. besonders beliebt ist der vergleich mit der fürsorglichkeit der glucke
für ihre küchlein und mit deren zutrauen zum mütterlichen schutz: wie ... das hünlein unter den fittichen seiner glucken, so nimmt der glaube seine ruhe in den wunden Jesu Heinrich Müller
geistl. erquickstunden (1667) 65; er strafte sie nicht im zorn! er wollte sie sammeln, so sammelt die glucke unter ihre flügel die jungen Lavater
ausgew. schr. 1, 125
Orelli; ich will dich hüten wie der jungen schar die glucke schützt Grillparzer
s. w. 7, 88
Sauer; sie (
die kinder) drückten sich an die mutter wie küchlein um die glucke H. Zillich
zw. grenzen u. zeiten (1936) 407.
mehr vom optischen eindruck: und das dorf, die unscheinbaren kathen vom stattlichen herrenhause bewacht wie hühnchen von der glucke W. v. Polenz
Grabenhäger (1897) 2, 66; wie die kücken um die glucke, so gruppieren sich die alten häuser um das verwitterte münster J. Goebbels
Michael (1931) 15.
vergleich mit der glucke,
die enten ausgebrütet hat: was ich für ein wunderliches und schwaches werkzeug von vater bin, läszt sich gar nicht denken. eine wahre glucke, der man enteneyer untergelegt Hamann
schr. 6, 125
Roth. 33)
übertragen auf menschen. 3@aa)
zunächst von der schützenden fürsorge aus. von Matth. 23, 37
und Luk. 13, 34 (
beidemal ὄρνις,
vulgata gallina
und avis, Luther
beidemal henne)
angewandt auf Christus: er nennet Herodem einen fuchs, ... sich eine glucke, einen guten hirten Rollenhagen
froschmeuseler (1595) a 8
b; du (
Jesus) wilst noch heute locken, du holde glucke du. drum lasz uns nicht verstocken, und führ uns selbst herzu, dasz unter deinen flügeln wir stets versammlet stehn B. Schmolck
s. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 453. —
von fürsorglichen frauen, besonders müttern, vgl. glukke
eine familienmutter in scherzhafter rede Berghaus
Sassen 1, 579;
älteres mädchen, das gern mit kleinen kindern spielt Hofmann
niederhess. 108;
mutter, um die viele kinder herumlaufen Dähnert
pomm.-rüg. ma. 238: ich umarme dich herzlich, liebe glucke Bürger
an Anna Elderhorst, briefe 3, 174
Strodtmann. —
aber auch als spottname für (
alte)
frauen: alte kluck Betcke
Königsberger ma. 38; Frischbier
preusz. wb. 1, 382; alta gluck Ruckert
unterfränk. ma. 62; eine alberne klucke
alberne mutter ihren kindern gegenüber Gutzeit
Livland 2, 55
b. 3@bb)
vulgär, vom stillsitzen der brütenden henne aus übertragen. für einen stubenhocker, z. b. ein Göttinger junge zum andern: na so komm doch mal runter, du alte glucke, wir spielen herrn und damen
mündlich; für ein weib, das gerne hocken bleibt rhein. wb. 4, 786.
auch stärker für einen faulpelz, vgl. altmärk. oll kluck '
faulpelz' Danneil 106. 44)
die plejaden, das siebengestirn; übertragen vom bild der um die henne dichtgedrängten küchlein; so auch in mundarten, vgl. Follmann
lothr. 209; Schön
Saarbrücken 284;
rhein. wb. 4, 786; Kehrein
Nassau 167.
häufiger gluckhenne (
s. d.),
vgl. auch gluckerin: er macht den wagen am himel vnd Orion, vnd die glucken vnd die stern gegen mittag (
dazu marginalie die glucken oder die henne sind die sieben kleine gestirne)
Hiob 9, 9; die glucken vnd Orion
Amos 5, 8; in teutscher sprache nennet man sie die glucken oder die henne oder die küchlein mit der henne Prätorius
reform. astrologia (1665) 144.
bildlich: (
bei betrachtung der reize einer frau) er schauet nach der glucken, besieht den angelstern, merkt, wo der milchweg geht und wo das helle licht der jungferähre steht P. Fleming
dtsche ged. 1, 71
lit. ver. 55)
bombyx pini, zur gattung phalaena gehöriger nachtfalter; benannt danach, dasz der schmetterling im sitzen die flügel so herunterhängen läszt wie eine brütende henne, vgl. Ratzeburg
die forstinsecten (1839) 2, 138; Behlen
forst- u. jagdkde (1840) 3, 464. 66)
gaunersprachlich glucke mit küken '
der suppenlöffel mit den eszlöffeln zusammen' Avé-Lallemant 4, 545;
vgl. auch Ostwald
rinnsteinsprache 60. 77) '
tannenzapfen, kiefernapfel',
wegen der ähnlichkeit der schuppendecke mit dem aufgeplusterten gefieder der henne (
mosel- u. rheinfränk.)
rhein. wb. 4, 786; Scholl
Ottweiler 109; Schön
Saarbrücker land (
21928) 84. 88)
im rhein. die herbstzeitlose,
colchium autumnale, sowie der dachlauch,
sedum sempervivum rhein. wb. 4, 786. 99)
luxemb. kluck
haufen von 12
garben (
nach dem aussehen)
luxemburg. wb. 231
a. 1010)
luxemb. kluck '
krug, krucke',
besonders für lase, engster,
krug mit engem halse, vom gluckenden ausströmen des wassers luxemburg. wb. 231
a; Gangler
luxemburg. umgangssprache 242.