gleichfalls,
adv. ,
älter auch gleichesfalls, gleichsfalls. adverbiale genetivverbindung, seit dem 16.
jh. bezeugt. im 16.
und 17.
jh. gelegentlich auch getrennt als gleiches falls, gleiches falles
sp. 7979
und gleiches fahls
sp. 7984.
als ausgangsformen zu betrachtendes gleichesfalls
und gleichsfalls
herrschen im 16.
jh. noch vor, treten aber schon im 17.
jh. zugunsten von gleichfalls
als einer scheinbar echten komposition zurück und verschwinden noch vor 1700
endgültig, vgl. z. b. noch gleichesfalls J. Prätorius
winterfl. der sommervögel (1678) 8; Hohberg
georg. cur. 2 (1687) 779
b; gleichsfalls Butschky
Pathmos (1677) 720; J. Riemer
d. polit. maulaffe (1679) 40.
seltener sind sonderformen wie gelikesvalles
städtechron. 36, 472, gleichesfalles Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 4 (1644) 165, gleichfalles Rist
Parnasz (1652)
zuschr. a 4
b, gleichesfal D. Federman
sechs triumpf (1578) 85, gleichfal Spangenberg-Fröreisen
griech. dram. 2, 181; 241
Dähnhardt; ebenso auf dehnung deutende schreibungen wie gleichsfahls Lindener
rastbüchl. 11
lit. ver., gleichszfahls Schweickhart graf zu Helfenstein
Basilius Magnus (1591) 911, gleichfahls L. Zubler
kurtzer u. gründl. bericht (1607) a 4
a.
vereinzelt bleibt ein schwach flektiertes gleichenfalls
bei Göthe I 2, 157
W. 11)
seit alters vorwiegend und später ausschlieszlich in der bedeutung '
ebenfalls',
in ausdrücklicher rückbeziehung, um einer voraufgehenden aussage einen neuen fall völlig gleichzustellen. versuche neuerer synonymiken, ebenfalls
und gleichfalls
bedeutungs- oder doch gradmäszig zu unterscheiden, widersprechen einander und finden im lebendigen sprachgebrauch keinen rückhalt, vgl. etwa Heynatz
synononym. wb. 2 (1798) 127
a; Maasz-Eberhard
synonymik (1818) 2, 2; Sanders
synon. (1871) 162. 1@aa)
allgemein: ick ... stillede de oversten uprörer ... und gink up den market. dar vant ick etlicke, de orer wachteden. desulven sprack ick gelikesvalles tofreden myt guden worden to stillende (
Lüneburg 1533)
dtsche städtechron. 36, 472; die bonen wachssen etwan vmb den fünffzehenden ... zwibeln gleichsfals vmb den fünffzehenden Sebiz
feldbau (1579) 52; wer weisz durch was für mittel er erfahren hat, dasz ich die Argenis gleichsfals liebe? Opitz
Argenis (1644) 1, 355; so ratet denn! eh lasz ichs euch nicht wissen, weil ich es gleichfalls raten müssen
bei Weichmann
poesie d. Niedersachs. (1721) 1, 127; die königinn ist von dem landgute zurückgekommen; und Essex gleichfalls Lessing 10, 47
M.; man sang (
in Bayern) von Gudrun, von könig Rother, vom sterbenden Roland; und die kaiserchronik ist gleichfalls ein baierisches product Scherer
lit.-gesch. 103.
auch andern satzteilen als dem prädikat zugeordnet: jetzund besitzet er nach vielem ungemach ein häuszlein ohne thür, und gleichfals ohne dach Rachel
satyr. ged. 44
ndr.; zwei andre kammerfrauen der Maria, gleichfalls in trauerkleidern Schiller 12, 553
G.; einen schönen jungen kerl mit seinem gleichfalls nicht häszlichen jungen weib Grimmelshausen 2, 443
Keller; ein bejahrter edelmann ... mit seiner gleichfalls verblühten, nachgerade vierzigjährigen tochter Immermann 1, 52
Boxb.; wir bringen daher auf die vier oben benannten vierecke helle und dunkle kleine bilder, gleichfalls vierecke ... an Göthe II 2, 39
W. in älterer sprache manchmal tautologisch neben auch
oder wiederum: (
sie wurde) dahin bewegt, dasz sie mit vngleublicher vnd höchster liebe vmbfast, vnd er gleichsfals mit selbiger auch begriffen ... ward
Amadis 16
Keller; ein hertze voller pein macht gold und geld nicht gut. so ist es gleichfals auch beschaffen mit den ehren Opitz
op. (1690) 3, 285; die du erkendt als trew und frumb, vnd sie dich gleichsfals wiederumb Eyering
proverb. copia (1601) 1, 34.
in ungewöhnlicher stellung: wir ... glauben eine person gleichfalls betrügen zu dürfen, die uns zu betrügen glaubt Hippel
über d. ehe (1774) 128. 1@bb)
in der konjunktionalen verknüpfung gleichgeordneter sätze, '
ebenfalls'
im sinne von '
ebenso, desgleichen'
oder auch nur '
ferner': dasz wir durch ordentliche vernünfftige mittel sein tyrannischen grimm zu besänfftigen nichts haben unterlassen: gleichsfalls vns gegen ihm alles dessen was zu glimpflicher begütigung ... dienstlich ... erboten Fischart
Gargantua 333
ndr.; gleichfahls kan man mit disem instrument in einem stand auff ebenem feld etlich hundert schuch messen L. Zubler
kurtzer u. gründtl. bericht (1607) a 4
a; gleichsfals musz der poet in vorstellung der personen ihre gemütsmeinung meisterlich zu beherrschen wissen Harsdörffer
poet. trichter (1647) 1, 10; der glückswechsel kann sich mitten in dem stücke eräugnen ... gleichfalls kann das leiden mitten in dem stücke zur vollziehung gelangen sollen Lessing 9, 345
M.; gleichfalls scheinen uns die eigentlichen nebenkronen den namen der nektarien ... zu verdienen Göthe II 6, 53
W. 1@cc)
in jüngerer sprache häufig elliptisch in der erwiderung eines wunsches: Götz: noch eins! gute verrichtung!
Martin: gleichfalls! Göthe I 8, 14
W.; die baronin: nun, ich wünsche wohl zu schlafen!
der graf: gleichfalls, ihro gnaden! Gotter
Jeanette in: Fr. L. Schröder
Hamb. theater 2 (1777) 203.
so namentlich in der umgangssprachlichen wendung danke gleichfalls!
von hier aus auch mundartlich, s. schweiz. idiot. 1, 745; Weinhold
schlesisch 28
a. 22)
im 16.
jh., vereinzelt im 17.
jh. auch '
ebenso'
in dem volleren sinne von '
in derselben art und weise',
rückbezüglich wie 1,
s. auch gleiches falles
unter gleich III D 5 d: thom achteinden, schall idt ock geliekesfals geholden werden (1572)
seerecht d. Hansa in: J.
M. Pardessus
collect. de lois maritimes 2, 503; nach dem sie drey jm die reuerentz, vnd er gegen jhnen gleichesfals gethan
Amadis 306
Keller. in korrespondierendem satzgefüge: wu einer syne olderen holt vp erden, gelickfals syne kinder holden werden Husemann
spruchsamml. (1575)
nr. 98
Weinkauff; Lehman
floril. polit. (1662) 3, 174; (
er) rennet auff das ehest so er mocht, wider den Amadis. gleichesfalls er wider jn
Amadis 196
Keller. 33)
vereinzelt in verschiedenen der zu gleich IV
gehörenden gebrauchsweisen, auszerhalb rückweisender beziehung. 3@aa) gleichfalls wie '
ebenso wie',
s. gleich wie
unter gleich IV A 2 d: nun der student ... wider zuo der fräuwen kam, die ine gleichsfahls wie zum ersten empfieng und mit ime zu betth gienge
M. Lindener
rastbüchl. 11
lit. ver. 3@bb)
als teil einer konjunktionalen verbindung oder als selbständige konjunktion an der spitze von hypothetischen nebensätzen, s. gleich IV C: du thuest gleichfals, als wann du mich bettest
similiter facis, ac si me roges Aler
dict. (1727) 1, 953
a; mit groszer sorg rusten sie all jr macht zur gegenwehr, gleychfals weren die feynd albereit vor der statt Stumpf
Schweizerchron. (1606) 162
a. 3@cc)
wie älteres gleich
unter IV D
bzw. V B 5
im sinne von '
gleichsam',
ein gebrauch, der von Adelung
wb. 2 (1796) 713
und Heynatz
antibarb. 2, 65
als oberdeutsch ausgegeben wird, literarisch aber nur ganz vereinzelt zu belegen ist: dasz ... Voltaire, bei vorlesung seiner eigenen stücke, in einen ausdruckslosen, eintönigen, gleichfalls psalmodirenden bombast verfiel Göthe I 45, 184
W. 44)
ganz singulär gleichfalls ... oder
in konjunktivischem satz, '
gleichviel ob ... oder',
wie gleich ... oder
unter gleich II C 2: weiss wol, dasz ich kein ruow nit hab, es syge glychfals nacht old tag (
um 1600)
in: schweiz. idiot. 1, 745.