grappen,
grapen,
vb. zu grappen,
nd. grabben (
s. 1grabben)
stellen sich als iterativbildungen grappeln (
s. 1grappeln),
nd. grabbeln (
s. 1grabbeln),
hd. und nd. grapschen, grapsen (
s. d.),
md. gratschen (
s. d.),
als nasalierte bildungen der mundart auszerdem grammeln, grampeln (
s. 1grappeln),
1grampen (
s. d.)
u. ä. [] zugrunde liegt die idg. wurzel *ghrebh-, gherbh- '
ergreifen, erraffen'
; zu ihr stellt sich auszergermanisch ai. grabh-, grah- '
ergreifen',
lit. grabóti '
tasten, nach etwas greifen'
und gróbti '
ergreifen, an sich reiszen, rauben'
und in den germ. sprachen anord. grāpa '
grapsen, an sich reiszen' (
das auffällige p
nach grīpa
oder aus pp,
s. Wissmann
nom. postverb. 1, 123),
ags. græppian (
nur in ndh. gegræppiga) '
ergreifen',
engl. to grapple
und to grasp '
festhalten, ergreifen',
schwed. grabba '
packen',
vgl. Walde-Pokorny 1, 652
f.; Pokorny
idg. etymol. wb. 1 (1951) 455; Kluge-Götze
15277
b.
zur gleichen wurzel stellt sich garbe (
s. d. 2 a,
teil 4, 1, 1,
sp. 1335; Pokorny
a. a. o.; Kluge-Götze
15240
a).
die nicht urverwandte wortsippe krabbeln
mischt sich infolge ihrer laut- und sinnnähe vielfach, besonders in md. und obd. mundart, mit der sippe grappen, grappeln,
von der sie aber grundsätzlich fernzuhalten ist und im nd. auch deutlich unterschieden wird. —
neben grappen
steht von einer parallelwurzel *ghreib-
oder mit ablautneubildung (
vgl. grips graps,
ferner kritzen-kratzen, zwicken-zwacken
u. dergl.) grippen (
s. d. und unter krippen 4)
und als seitenform groppen (
s. 1groppen),
vgl. auch s. v. grüppeln.
mhd. als grâpen
und grappen (
s. u. 1),
wie auch sonst zwei verschiedene stämme, ein lang- und ein kurzvokalischer, nebeneinanderstehen, vgl. grâpeln, grappeln
unter 1grappeln, grâbeln, grabbeln
unter 2grabbeln, krâbeln
unter krabbeln 1 b, zâbeln
unter zabeln 1;
für grapen
in den literarischen belegen wird, wenigstens im obd., meist länge des vokals anzusetzen sein, wie ihn die obd. mundart (
s. u. 2)
bis heute bewahrt. literarisch lebt das wort vor allem im hd. des 16.
jhs., um sich dann mehr und mehr in die mundart zurückzuziehen; auch mnl. nl. grapen
ist veraltet, vgl. Verwijs-Verdam 2, 2105;
woordenboek 5, 575. 11) '
heftig, hastig, gierig greifen, ergreifen, erhaschen, an sich reiszen': die knaben wurden grapen nach den tiuren tocken (
d. i. hauben) Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 14 718
Regel; ein kunic creftic, mechtic, der den sic grappit vor allen vursten
Daniel 5913
Hübner; vnnd (
ihr) grappt nach falschem schein geistlicher erbarkeit fur den menschen
M. Risch
paraphrasis Erasmi (1524) N 4
a; ach wie ein knappen vnd ein schnappen, ein sappen, grappen vnd erdappen Fischart
flöhhatz 46
ndr.; vnd wirff es (
den angenagten bissen) wider in die platten, wirt er (
der andere tischgast) darnach behende grappen W. Hellbach
Grobianus (1572) 59
a; stümpff jhm sein schwerdt, sein spies vnd kars, das er uns nicht dein wort hinrap, und nach unsern kindern grap W. Bütner
epitome hist. (1596) 192
b.
auch '
wegnehmen': dasz ein tapfferer wolgemutter vnd vnuerzagter reyttersmann, den ... kürisser ... nicht allein kan schlagen oder vmbringen, sondern auch sein pferdt nehmen, vnnd mit sich hinweghführen soll. dann sie (
die reiter) müssen stettigs ettwas zu grappen haben Reutter v. Speir
kriegsordn. (1594) 82.
mit dem beisinn '
nachstellen, fahnden': ich gläube auch weiter, wo sie Ludewigen Raben zu Halle hätten, wie e. c. h. zu Leipzig haben nach ihm grappen lassen, er wäre vielleicht auch längest gehenkt Luther
briefw. 7, 218
W.; vgl. tischr. 6, 20.
als ergrappen
soviel wie '
packen',
auch '
wegnehmen, entwenden': wo wir uns mit jnen vergliechen (
den papisten) und sie uns ergrappen kündten (1542) Luther 53, 409
W.; ist auch bis aüff diesen tag nicht auff gehoret wegzuschleiffen kannen, schusseln, bratspies, groppen (
tiegel) vnd was yderman hat ergrappen konnen, das meine mit zu
ders., br. 9, 580
W. lexikalisch wird das wort in dieser bedeutung im 17.
jh. und vereinzelt auch jünger noch gebucht: grappen
herzuziehen, zucken, tangere, apprehendere Henisch (1616) 1730; grabelen
und grappen
rapere, prehendere, avide attrahere, contrectare, [] manu tentare Stieler
stammb. (1691) 688;
vgl. 699 (
dazu grapper,
m. correptor, raptor, rapax ebda); die soldaten grappen, grappen weg, was sie kriegen können Kramer
t.-ital. 1 (1700) 556
b; grappen, grapen (gerapen), grappeln, grapsen
prendre; atrapper, gripper Schrader
dt.-frz. wb. 1, 569. grappen
als '
hastig, gierig greifen'
kennen vor allem md. mundarten, vgl. z. b. Gangler
Luxemburg 187; Crecelius
oberhess. 431; Vilmar
Kurhessen 134; Hertei
Thür. 109;
rhein. wb. 2, 1354;
dazu substantivisch grapp, m., '
griff' Jungandreas
schles. zeitwortbildung 47; Rovenhagen
Aachen 47;
grappe, f., '
eine handvoll' Schmitz
Eifel 225.
vereinzelt und wohl kaum sprachläufig ist nd. grappen, grâpen (
neben grapsen) '
greifen, reiszen, raffen'
bei Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 674
b. 22)
daneben in der sonst mehr 1grappeln
zukommenden bedeutung '
fingernd umhergreifen, tastend suchen',
vorwiegend wohl obd.; hierher auch ein mhd. grape,
f.: dâ trîbt er keine grapen
tastet nicht umher Hugo v. Montfort
bei Lexer 1, 1070; sie suochtent und grapten nach einer handthab Keisersberg
postill (1522) 2, 106;
manus cautas prœferre mit den henden hüpschlich voranhin tapen, oder grapen und greyffen, wenn man nüt sicht Frisius
dict. (1556) 199
b s. v. cautus; vgl. 135
b s. v. attrectatus; zu nacht grappet er an den wänden ..., kroch solang vmb, bisz dasz er ein klägliche stimm eines weibes horte
buch d. liebe (1587) 198
d.
vereinzelt bei einem md. und einem nd. autor: das (
kind) hatte ein sehr liebliches gegickel und gespiele, und grappete mit den händlin Herberger
hertzpostilla (1613) 2, 467; sie grapten und tapten so lange nach der tühr, bisz sie ganz ermüdet, endlich mit schimpf und spott musten ablassen Rist
d. verschmähete eitelkeit (1658) 63.
lexikalisch, als veraltet, bei Wachter
gloss. (1737) 609.
mundartlich in dieser bedeutung vor allem obd.: an dem paternoster grappen (
Tirol 1819)
bei Schmeller-Fr.
bair. 1, 1006.
in schweizer. u. schwäb. grape
n (
mit länge)
tritt, soweit die obige bedeutung überschritten wird, die für die ganze wortsippe stets naheliegende mischung mit krabbeln, krappeln
ein, s. schweiz. id. 2, 786; 3, 841; Fischer 3, 792.