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grappen

mhd. bis Dial. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
13 in 10 Wb.
Sprachstufen
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9

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grappen vb.

Bd. 8, Sp. 1893
grappen, grapen, vb. zu grappen, nd. grabben (s. 1grabben) stellen sich als iterativbildungen grappeln (s. 1grappeln), nd. grabbeln (s. 1grabbeln), hd. und nd. grapschen, grapsen (s. d.), md. gratschen (s. d.), als nasalierte bildungen der mundart auszerdem grammeln, grampeln (s. 1grappeln), 1grampen (s. d.) u. ä. [] zugrunde liegt die idg. wurzel *ghrebh-, gherbh- 'ergreifen, erraffen'; zu ihr stellt sich auszergermanisch ai. grabh-, grah- 'ergreifen', lit. grabóti 'tasten, nach etwas greifen' und gróbti 'ergreifen, an sich reiszen, rauben' und in den germ. sprachen anord. grāpa 'grapsen, an sich reiszen' (das auffällige p nach grīpa oder aus pp, s. Wissmann nom. postverb. 1, 123), ags. græppian (nur in ndh. gegræppiga) 'ergreifen', engl. to grapple und to grasp 'festhalten, ergreifen', schwed. grabba 'packen', vgl. Walde-Pokorny 1, 652 f.; Pokorny idg. etymol. wb. 1 (1951) 455; Kluge-Götze 15277b. zur gleichen wurzel stellt sich garbe (s. d. 2 a, teil 4, 1, 1, sp. 1335; Pokorny a. a. o.; Kluge-Götze 15240a). die nicht urverwandte wortsippe krabbeln mischt sich infolge ihrer laut- und sinnnähe vielfach, besonders in md. und obd. mundart, mit der sippe grappen, grappeln, von der sie aber grundsätzlich fernzuhalten ist und im nd. auch deutlich unterschieden wird.neben grappen steht von einer parallelwurzel *ghreib- oder mit ablautneubildung (vgl. grips graps, ferner kritzen-kratzen, zwicken-zwacken u. dergl.) grippen (s. d. und unter krippen 4) und als seitenform groppen (s. 1groppen), vgl. auch s. v. grüppeln. mhd. als grâpen und grappen (s. u. 1), wie auch sonst zwei verschiedene stämme, ein lang- und ein kurzvokalischer, nebeneinanderstehen, vgl. grâpeln, grappeln unter 1grappeln, grâbeln, grabbeln unter 2grabbeln, krâbeln unter krabbeln 1 b, zâbeln unter zabeln 1; für grapen in den literarischen belegen wird, wenigstens im obd., meist länge des vokals anzusetzen sein, wie ihn die obd. mundart (s. u. 2) bis heute bewahrt. literarisch lebt das wort vor allem im hd. des 16. jhs., um sich dann mehr und mehr in die mundart zurückzuziehen; auch mnl. nl. grapen ist veraltet, vgl. Verwijs-Verdam 2, 2105; woordenboek 5, 575. 11) 'heftig, hastig, gierig greifen, ergreifen, erhaschen, an sich reiszen': die knaben wurden grapen nach den tiuren tocken (d. i. hauben) Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 14 718 Regel; ein kunic creftic, mechtic, der den sic grappit vor allen vursten Daniel 5913 Hübner; vnnd (ihr) grappt nach falschem schein geistlicher erbarkeit fur den menschen M. Risch paraphrasis Erasmi (1524) N 4a; ach wie ein knappen vnd ein schnappen, ein sappen, grappen vnd erdappen Fischart flöhhatz 46 ndr.; vnd wirff es (den angenagten bissen) wider in die platten, wirt er (der andere tischgast) darnach behende grappen W. Hellbach Grobianus (1572) 59a; stümpff jhm sein schwerdt, sein spies vnd kars, das er uns nicht dein wort hinrap, und nach unsern kindern grap W. Bütner epitome hist. (1596) 192b. auch 'wegnehmen': dasz ein tapfferer wolgemutter vnd vnuerzagter reyttersmann, den ... kürisser ... nicht allein kan schlagen oder vmbringen, sondern auch sein pferdt nehmen, vnnd mit sich hinweghführen soll. dann sie (die reiter) müssen stettigs ettwas zu grappen haben Reutter v. Speir kriegsordn. (1594) 82. mit dem beisinn 'nachstellen, fahnden': ich gläube auch weiter, wo sie Ludewigen Raben zu Halle hätten, wie e. c. h. zu Leipzig haben nach ihm grappen lassen, er wäre vielleicht auch längest gehenkt Luther briefw. 7, 218 W.; vgl. tischr. 6, 20. als ergrappen soviel wie 'packen', auch 'wegnehmen, entwenden': wo wir uns mit jnen vergliechen (den papisten) und sie uns ergrappen kündten (1542) Luther 53, 409 W.; ist auch bis aüff diesen tag nicht auff gehoret wegzuschleiffen kannen, schusseln, bratspies, groppen (tiegel) vnd was yderman hat ergrappen konnen, das meine mit zu ders., br. 9, 580 W. lexikalisch wird das wort in dieser bedeutung im 17. jh. und vereinzelt auch jünger noch gebucht: grappen herzuziehen, zucken, tangere, apprehendere Henisch (1616) 1730; grabelen und grappen rapere, prehendere, avide attrahere, contrectare, [] manu tentare Stieler stammb. (1691) 688; vgl. 699 (dazu grapper, m. correptor, raptor, rapax ebda); die soldaten grappen, grappen weg, was sie kriegen können Kramer t.-ital. 1 (1700) 556b; grappen, grapen (gerapen), grappeln, grapsen prendre; atrapper, gripper Schrader dt.-frz. wb. 1, 569. grappen als 'hastig, gierig greifen' kennen vor allem md. mundarten, vgl. z. b. Gangler Luxemburg 187; Crecelius oberhess. 431; Vilmar Kurhessen 134; Hertei Thür. 109; rhein. wb. 2, 1354; dazu substantivisch grapp, m., 'griff' Jungandreas schles. zeitwortbildung 47; Rovenhagen Aachen 47; grappe, f., 'eine handvoll' Schmitz Eifel 225. vereinzelt und wohl kaum sprachläufig ist nd. grappen, grâpen (neben grapsen) 'greifen, reiszen, raffen' bei Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 674b. 22) daneben in der sonst mehr 1grappeln zukommenden bedeutung 'fingernd umhergreifen, tastend suchen', vorwiegend wohl obd.; hierher auch ein mhd. grape, f.: dâ trîbt er keine grapen tastet nicht umher Hugo v. Montfort bei Lexer 1, 1070; sie suochtent und grapten nach einer handthab Keisersberg postill (1522) 2, 106; manus cautas prœferre mit den henden hüpschlich voranhin tapen, oder grapen und greyffen, wenn man nüt sicht Frisius dict. (1556) 199b s. v. cautus; vgl. 135b s. v. attrectatus; zu nacht grappet er an den wänden ..., kroch solang vmb, bisz dasz er ein klägliche stimm eines weibes horte buch d. liebe (1587) 198d. vereinzelt bei einem md. und einem nd. autor: das (kind) hatte ein sehr liebliches gegickel und gespiele, und grappete mit den händlin Herberger hertzpostilla (1613) 2, 467; sie grapten und tapten so lange nach der tühr, bisz sie ganz ermüdet, endlich mit schimpf und spott musten ablassen Rist d. verschmähete eitelkeit (1658) 63. lexikalisch, als veraltet, bei Wachter gloss. (1737) 609. mundartlich in dieser bedeutung vor allem obd.: an dem paternoster grappen (Tirol 1819) bei Schmeller-Fr. bair. 1, 1006. in schweizer. u. schwäb. grapen (mit länge) tritt, soweit die obige bedeutung überschritten wird, die für die ganze wortsippe stets naheliegende mischung mit krabbeln, krappeln ein, s. schweiz. id. 2, 786; 3, 841; Fischer 3, 792.
6387 Zeichen · 163 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    grappensw. V.

    Köbler Mhd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    grappen , sw. V. nhd. tasten, greifen, ergreifen, an sich nehmen Hw.: s. grāpen Q.: BDan (FB grappen), WvÖst (1314) E.: …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grappen

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    Х † Grappen , s. Campe Grapsen .

  3. modern
    Dialekt
    grappen

    Schweizerisches Idiotikon · +7 Parallelbelege

    grappen Band 2, Spalte 786 grappen 2,786

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grappen

11 Bildungen · 2 Erstglied · 7 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von grappen 2 Komponenten

grap+pen

grappen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

grappen‑ als Erstglied (2 von 2)

Grappenmeªker

WWB

Grappen-meªker m. [WMünsterl] Witzbold, Person, die Scherze, Faxen macht.

grappen als Zweitglied (7 von 7)

abgrappen

RhWB

ab-grappen: einem etwas a., hastig wegnehmen, stehlen Allg.

ergrappen

DWB

ergrappen , prehendere, erhaschen, erwischen: wo wir uns mit inen verglichen und sie uns ergrappen könden. Luther 8, 39 b ; so er auch gleic…

œwergrappen

MeckWB

ow·ergrappen

Wossidia œwergrappen übergreifen, in die Hand nehmen Ma Malchin@Gnoien Gnoi ; mit der Hand übers Gesicht streichen: se grappen em œwer Ro Ro…

vergrappen

RhWB

ver·grappen

ver-grappen: sich v., sich den Magen an einer Speise verderben; ich han mich an de Komkommere (Gurken) vergrapp Schleid , Eusk , Rheinb .

weingrappen

DWB

wein·grappen

-grappen , plur. ' grappes de raisin ', die ausgepreszten traubenkämme, wie sie aus der kelter kommen, als viehfutter Sebiz feldb. (1579) 12…

zugrappen

DWB

zug·rappen

zugrappen , v. : der hockete .. zu uns nieder, asz was ihm gefiel und grabte mit der hand zu, was ihm zu anderer zeit zu essen beliebete, un…

Ableitungen von grappen (2 von 2)

ergrappen

DWB

ergrappen , prehendere, erhaschen, erwischen: wo wir uns mit inen verglichen und sie uns ergrappen könden. Luther 8, 39 b ; so er auch gleic…

vergrappen

RhWB

ver-grappen: sich v., sich den Magen an einer Speise verderben; ich han mich an de Komkommere (Gurken) vergrapp Schleid , Eusk , Rheinb .