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Kleīnōd

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Kleīnōd

Bd. 2, Sp. 1622
Das Kleīnōd, des -s, plur. die -e, ein kleines, zartes Ding, im Gegensatze größerer Dinge seiner Art. 1) Überhaupt, wo dieses Wort noch in verschiedenen einzelnen Fällen des gemeinen Lebens vorkommt. So nennen die Fleischer die Nebentheile des geschlachteten Viehes, welche als eine Zulage mit verkauft werden, die Füße, den Kopf, die Kaldaunen und das Geschlinge, die Kleinode, oder Kleinodien. In der Leipziger Ordnung[] für die Landfleischer von 1774 heißt es: es soll kein Fleischer die Kleinod bey der Bank feil haben, bey Verlust der Kleinod. Im Erzgebirge werden die Gartengewächse das Kleinet, oder das Kleinod genannt, wo das Wort ein Collectivum ist; und in andern Gegenden Obersachsens sind die Kleinete, oder Kleinedgärten, Kleinedstücken, diejenigen Felder oder Stücken Felder, welche mit Gartenfrüchten bestellet werden. In noch weiterer Bedeutung wurden ehedem Eyer, Würste, Fleisch und allerley Eßwaaren Kleinet genannt, wovon Halraus im Gloss. nachgesehen werden kann. 2) * In engerer Bedeutung, kleiner Hausrath, kleine häusliche Werkzeuge; eine veraltete Bedeutung, in welcher in dem Sachsenspiegel Bürsten, Scheren, Spiegel, Kämme, Kleinode genannt werden. In einem andern alten Schriftsteller bey dem Frisch kommen silberne Schüsseln unter dem Nahmen der silbernen Kleinote vor. 3) In noch engerer Bedeutung, ein jedes kostbares kleines Stück dieser Art, so fern es zum Schmucke oder Putze dienet; eine größten Theils gleichfalls veraltete Bedeutung. In der Wapenkunst werden die Helmzierathen, als Kronen, Hüte, Wülste, Küssen, Thiere u. s. f. Kleinode oder Helmkleinode genannt. Bey den ehemahligen Kampf- und Wettspielen führete der ausgesetzte Preis den Nahmen des Kleinods, er mochte nun bestehen worin er wollte. Die so in den Schranken laufen, die laufen alle, aber Einer erlanget das Kleinod, 1 Cor. 9, 24. Jage nach dem vorgestecktem Ziel, nach dem Kleinod, Phil. 3, 14. 4) In der engsten Bedeutung werden Edelsteine und aus Edelsteinen oder edlen Metallen verfertigte und zum Schmucke dienende Dinge, das Geschmeide, Kleinode, und im gemeinen Leben Kleinodien genannt. Abrahams Knecht zog hervor güldene und silberne Kleinod und Kleider, 1 Mos. 24, 53. Die güldene Kleinod, die ihr dem Herrn zum Schuldopfer gebt, 1 Sam. 6, 8, 15. Ihr Töchter Israel, weinet über Saul, der euch schmückte mit güldnen Kleinodien an euren Kleidern, 2 Sam. 1, 24. Die Reichs-Kleinodien, die goldene Krone, Zepter u. s. f. Im figürlichen Verstande auch eine kostbare, sehr schätzbare Sache, welche man mit aller Sorgfalt zu erhalten bemühet ist, oder bemühet seyn sollte. Anm. Ehedem nur Kleinet, Kleinatt, mit dem Tone auf der ersten Sylbe, im Schwed. Kleinod, im Böhm. Klenot, im mittlern Lat. Clenodium, und im mittlern Griech. κλεινωδιον. Wachter und Frisch glauben, daß die letzte Hälfte die Ableitungssylbe heit sey, welches mit der Zeit in et, im Latein. in odium, und aus diesem im Deutschen wieder in od verwandelt worden. Allein da die Alten wirklich eine Ableitungssylbe ode hatten, welche die Stelle des heit vertrat, indem Bettelode bey dem Notker mendicitas ist: so ist es wahrscheinlicher, daß aus Kleinod mit der Zeit Kleinet geworden. Od ist ein sehr altes, fast in allen Europäischen Sprachen befindliches Wort, welches überhaupt ein Gut, eine Sache, welche man besitzet, als ein Gut betrachtet, bedeutete, und mit seinen Ableitungen otag, reich, odagan, begabt u. a. m. bey unsern ältesten Schriftstellern häufig vorkommt. Heriotum, Hereotum, bedeutet im mittlern Lat. Kriegsgeräth, Waffen, eigentlich Heergut, Allodium, ein eigenthümliches angeerbtes Gut, Od, Öde, aber im ältern Schwedischen sehr oft den Schatz. Kleinod ist also überhaupt ein jedes kleineres Ding, als ein Gut, eine Waare betrachtet, und in engerer Bedeutung der kleinere Schatz.
3777 Zeichen · 47 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kleīnōd

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Das Kleīnōd , des -s, plur. die -e, ein kleines, zartes Ding, im Gegensatze größerer Dinge seiner Art. 1) Überhaupt, wo …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kleinod

    Goethe-Wörterbuch

    Kleinod pl -ode od -odien 1 kostbarer (zierlich, fein gearbeiteter kleiner) Gegenstand, Schmuckstück; vereinzelt (im Ver…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kleinod

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Kleinod , ursprünglich soviel wie etwas Kleines, Kleinigkeit; dann eine sein und zierlich gearbeitete Sache, ein zierlic…

  4. modern
    Dialekt
    Kleinodn.

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Kleinod n. 'Kleinod', oft in a. Spr., eig. feine, zierliche Sache, wertvolles Geschenk, bes. feine Goldschmiedearbeit, G…

  5. Sprichwörter
    Kleinod

    Wander (Sprichwörter)

    Kleinod 1. Das beste Kleinod, so mich ziert; der beste Geleitsmann, der mich führt; der beste Platz, den ich erhalten; d…

  6. Spezial
    Kleinod

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Klein|od n. (-[e]s,-e) 1 (Schmuckstück) pera preziosa f. , iuvel (-ei) m. 2 (Kostbarkeit) preziosité (-s) f. , tesur (-s…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kleinod

15 Bildungen · 9 Erstglied · 4 Zweitglied · 2 Ableitungen

kleinod‑ als Erstglied (9 von 9)

kleinod(e)

FWB

1. ›einzelnes Schmuckstück‹; (Kollektiv): ›Geschmeide, Wertgegenstände, Kostbarkeiten (als Teil des fahrenden Gutes)‹.; 2. Wertgegenstände m…

kleinodde

KöblerMnd

kleinodde , N. Vw.: s. klēnȫde

kleinodhaus

DWB

kleinod·haus

kleinodhaus , n. zur bewahrung der kirchenkleinodien: in stiften und klöstern .. da sind nicht predigerheuser, sondern messeheuser ... goldh…

kleinodlein

DWB

kleinod·lein

kleinodlein , n. kleines kleinod, als geschenk, minnegabe: hat er dir nur ain klainatlin geben, ei dʒ kanstu nit gnuog behalten, als wär es …

kleinod als Zweitglied (4 von 4)

helmkleinod

DWB

helm·kleinod

helmkleinod , n. zierrat auf dem helme; in der heraldik jeder schmuck des helmes mit kronen, wülsten, thieren u. s. w. Eggers kriegslex. 1, …

Majestätkleinod

DRW

majestät·kleinod

Majestätkleinod, hier pl. zu Kleinod (II 2) die Reichsinsignien vgl. Apfel (II), Lehngewand, Mantel (II 1) 2. Hälfte 15. Jh. NürnbChr. IV 31…

Reichskleinod

Adelung

reich·s·kleinod

Das Reichskleinod , des -es, plur. die -e, oder -dien, ein Kleinod, so fern es ein symbolisches Zeichen der höchsten Gewalt und Würde eines …

Schützenkleinod

DRW

schützen·kleinod

Schützenkleinod, n. (wertvoller) Ehrenpreis für den besten ³Schützen (IV) des (jährlichen) Wettschießens seiner Schützengesellschaft (I) bdv…

Ableitungen von kleinod (2 von 2)

bekleinoden

DWB

bekleinoden , gemmis ornare: ob ich jeder wissenschaft ihren glanz gleich lasse, so ist es doch die poeterei alleine, womit der andren ihre …

kleinode

KöblerMnd

kleinode , N. Vw.: s. klēnȫde

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Cotta, M. (2026). „kleinod". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kleinod/adelung
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Cotta, Marcel. „kleinod". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kleinod/adelung. Abgerufen 10. May 2026.
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Cotta, Marcel. „kleinod". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kleinod/adelung.
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