Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
immer Adv.
1.1 Wiederkehr oder Zeitdauer eines Sachverhaltes/ einer Handlung ausdrückend (sowohl im Haupt- als auch Nebensatz; iterativ und durativ nicht immer unterscheidbar) ‘(für) immer, die ganze Zeit; jedesmal’
1.1.1 i. d. R. mit Präd. im Präs. (der andauernde Vorgang erstreckt sich in der Regel auch in die Zukunft)
1.1.2 seltener mit Präd. in Vergangenheitsform (es kann sich dabei um einen bereits abgeschlossenen oder noch andauernden Vorgang handeln)
1.2 einen unbestimmten Zeitpunkt kennzeichnend (meist in Fragesätzen, negierten Haupt- oder Nebensätzen sowie in Nebensätzen, deren übergeordneter Satz eine Negation oder einen mit einer verneinenden Vorstellung verbundenen Ausdruck aufweist) ‘je, jemals’
1.2.1 mit Präd. im Präs. (der andauernde Vorgang kann sich dabei auch in die Zukunft erstrecken)
1.2.2 mit Präd. in Vergangenheitsform (es kann sich dabei um einen bereits abgeschlossenen oder noch andauernden Vorgang handeln)
1.3 im abh. Nebensatz mit Konjunktiv auch neg. ‘nie, niemals’
2 modal, verstärkend oder verallgemeinernd (nicht immer deutlich von 1 zu trennen) ‘überhaupt, auch nur’
1 temporal (für eine detaillierte, syntaktische Analyse vgl. Wiktorowicz, Temporaladv., S. 47ff.; Burger, Zeit, S. 299ff.); häufig mit verstärkendem mêr(e) (spätmhd. wohl bereits univerbiert; vgl. FWB 8,42f.) 1.1 Wiederkehr oder Zeitdauer eines Sachverhaltes/ einer Handlung ausdrückend (sowohl im Haupt- als auch Nebensatz; iterativ und durativ nicht immer unterscheidbar) ‘(für) immer, die ganze Zeit; jedesmal’ 1.1.1 i. d. R. mit Präd. im Präs. (der andauernde Vorgang erstreckt sich in der Regel auch in die Zukunft): so vert er in die hella; / da muoz er iemer inne wesen MemMori 73; wie cumet daz der himel iemer loufet? Lucid 11,5; wil diu sældenrîche, / daz ich iemer mich gelîche / zuo dien, die ungelüke hânt SM: Had 26: 2,2; daz disev rede [...] also stet sei vnd immer vestichait hab UrkCorp (WMU) 1618,6; het ichs niht immer schande, ir soldet vliesen daz leben NibB 2312,4; ich sal iͤmer zuͦ dinen vuͤzen ligen, / niͤmer ^$’n sal min herz geswigen MarlbRh 41,7; sô [...] loket [ er ] sein undertânen ümmer in daz êwig leben BdN 214,22; Parz 254,24; Iw 6912; Mechth 7: 48,90; MarldA 324. – daz ich mit bedachtem mvͤte min hoͤf [...] han geben ze Wihenberc vf vnserre vrowen sante Marien alter [...] ewecliche ze habenne vnd ze niezenne vmmer vnd vmmer UrkCorp (WMU) 2129,6. – ane liep sô manic leit / wer möhte daz erlîden iemer mê! Walth 90,16; lob unde ere / nu unde iemir mere / sage wir dir, heilige Crist Rol 776; Er 5392; Eckh 5: 246,1; Eilh St,7178. – subst.: sa wil ich ummer sin mit dir / in ummer werndes ummer: / von dir gescheide ich nummer Elis 5327; din ewic immer Frl 7:1,1; JTit 1,3. – für die Verbindung mit ie, welches in Bezug auf Vergangenes gebraucht wird, vgl. ie 1.1.1 – mit Konj. swenne ‘jedesmal wenn’ immer swenn si kumt, ir mûl dort stêt, / dâ der brunne ûzem velse gêt Parz 442,19. 391,1. – iemer tac ‘fortwährend, immerfort’ swer sich dur sînen herren sûmet iemer tag, / daz er sîn selbes ding niht schaffet, obe er mag, / der effet sich KLD: Schulm 4:8; JMeissn A1:12,18. – iemer wërnde ‘fort-, immerwährend, ewig’ (spätmhd. wohl bereits als Part.-Adj. univerbiert, vgl. FWB 8,44f.): Krist / [...] / der dir mit endelôser zît / ein iemer werndez leben gît RvEBarl 12110; so wurt ein solich unlidelich ewig iemerwerende unfride, von dem alle menschen erbiben súllent Tauler 392,9; daz [von Gott Gegebene] mag wol komen / ze trôste der sêle und vristen vor dien iemer wernden grôzen starken leiden SM: JvR 1: 9,6; Elis 5327; Frl 5,52,19 1.1.2 seltener mit Präd. in Vergangenheitsform (es kann sich dabei um einen bereits abgeschlossenen oder noch andauernden Vorgang handeln): du hast mich iemir gwunnen Rol 2538. 3650; dâ wart sumelîcher wunt, / daz er ûf die erden saz / unde strîtes immer vergâz LivlChr 6212; daz diz zergänclîche guot / iemer wer, des doch niht ist RvEBarl 355; Tr 6529; Lanc 563,20; swâ der pflaster deheinez lac, / dâ was immer süezer smac Wh 451,24; die sint imer sît gewesen / durch ir willen âne man UvZLanz 9155. 7092; iemer hôrt ich gerne sîniu maere MF: Reinm 55: 2,11; Ägidius 721; Rol 7945. – si minten alle gotliche lere / unt lobeten in imir mere / daz er diu wunder zu in hete getan Rol 356; der künic und diu künigîn / besâzen dâ ir eigen lant, / dâ man sît immer mêre vant / vreude nâch des herzen gir Wig 11608; UvLFrd 30,17; KvHeimHinv 1051; Frl 5:104,7 1.2 einen unbestimmten Zeitpunkt kennzeichnend (meist in Fragesätzen, negierten Haupt- oder Nebensätzen sowie in Nebensätzen, deren übergeordneter Satz eine Negation oder einen mit einer verneinenden Vorstellung verbundenen Ausdruck aufweist) ‘je, jemals’ 1.2.1 mit Präd. im Präs. (der andauernde Vorgang kann sich dabei auch in die Zukunft erstrecken): si negerent durh den durst iemer metes noch wines Himmelr 9,15; ez ist ungelouplîch, / [...], / daz immer mensche erstê / dar an der tôt sîn reht begê KvHeimUrst 953; owê, daz iemer wîb ir êr engentzet / dur valscher minne girde SM: Tu 1: 2,5; Hetele der enruochte, ob si immer ûf daz mer / mit ir kriuze kœmen Kudr 844,1; dû enwirbest niemer daz, / daz dû iemer werdest âne haz Tr 8410; um si begunde sorgen wîb unde man, / ob si immer komen solden heim wider in daz lant NibB 67,3; Lanc 385,26; Priesterl 520. – wohl hierher (anders BMZ 2,1:149b,49ff. sowie Komm. z. St.): solt iemer man beliben sîn / durch liebe oder durch der minne rât, / sô waere ich noch alumbe den Rîn MF: Hausen 7:1,2. – he hatte keine trachtunge me daz he Doringenlant ummer mer solde gesee Köditz 56,25; ‘ouwê’, sprach er, ‘sun mîn. / sol ich dich immer mêr gesehen? Wh 421,3; MF:Mor 30: 1,2; Parz 536,5; Volmar 1001 1.2.2 mit Präd. in Vergangenheitsform (es kann sich dabei um einen bereits abgeschlossenen oder noch andauernden Vorgang handeln): wie mohte mich sin hulde / iemer sanfter ane chomen? StrKD 59,127; din vil reinu scam / irscrach von deme mære, / wie magit ane man / iemir chint gibare MarseqM 27; got müeze si vellen / die dem immer swert gegeben / der daz rîterlîche leben / niht behalten künne Wig 2340; iz was von im ungehôret, / daz er sich iemer hête gekêret / an sô getâne trugehait Kchr 8221; der selbe gotis bote, der was der mildeste man, der immir mochte werdin PrMd (J) 341,24; Tr 10982; Georg 1313. – ez was diu leste gâbe, die sît immer mêr / gebôt deheinem degene von Bechelâren Rüedegêr NibB 2197,3; swer deheinen eit zebrach, / swâ man den immer mê gesach, / der was ungenæme, / den liuten widerzæme Wig 2149 1.3 im abh. Nebensatz mit Konjunktiv auch neg. ‘nie, niemals’ der künic hiez die sîne gar, / [...], / daz sie sîn huoten ûf dem wege, / daz er iemer gesæhe / dekeine sache smæhe / und niemer vür in kæme, / swaz wære widerzæme RvEBarl 1155; bisnîdet iweriv oͮgin uon unsalichlichem gesûni, [...], iwer hente uon ubeln griffen, daz der ubele tôt imer chomen mêgi zvͦ unser sêle Spec 17,16; si wânden, soltens einen tac / von einander sîn gewesen, / daz si iemer möhten genesen GFrau 100; Parz 810,16; Tr 7354. – waenent ir, ob ir mich toetet, / daz ich iuch iemer mêr beschouwe? MF: Mor 34: 6; herre, blende ir herze sin, / daz sie niht sehn, daz ich an in / mîne erbärmede iht begê / und daz ich sie iemer mê / an mich lâze wider komen RvEBarl 2810; NibB 669,4; in Sperrstellung: dô wânde ich sie ze gote alsô bestaeten, / daz si iemer vuoz ûz sîme dienste mêr getraeten MF: Reinm 31: 1,6 2 modal, verstärkend oder verallgemeinernd (nicht immer deutlich von 1 zu trennen) ‘überhaupt, auch nur’ wie mohte die selbe wile iemer heiliger werden, wen an der selben wile brach vnser herre die helle vnde nam dar uz alle sine holden Lucid 82,8; daz ichz immer einen tac / sol gevristen, deist ein klage, diu mir ie bî dem herzen lac Walth 114,15; hettich nu sigen in gvt / des dir immir wurde not Roth 2814; VAlex 380; Tr 12742. – am Satzanfang, das zuvor Gesagte fortführend oder zusammenfassend ‘so, also’ iemer dar nach als wir hie rich sint an heiligen tugenden, also sint únser dienstman edele Mechth 4: 14,47
MWB 2 1847,43; Bearbeiter: Luxner