gezimmer,
n. ,
verstärktes zimmer (
s. d.;
vgl. zimmern, gezimmert
sp. 7158),
früh bezeugt und kräftig entwickelt, in der neueren sprache aber sehr eingeengt. in einzelnen verwendungen wird es durch zusammensetzungen wie zimmerholz
verdrängt, andere sind nur noch aus gebrauchsformen des einfachen zimmer (
s. d.)
zu erschlieszen. allgemeinere bedeutungen wie die von machina, fabrica
sind der sippe ganz abgestorben oder haben sich in übertragungen des begriffes zimmern
verloren. nur im bergbau hat das neutrum seine alte geltung erhalten und in der verbindung gezimmer der erde
ist noch ein rest älteren gebrauchs bewahrt. 11)
zum gebrauch und zur bedeutungsentwicklung 1@aa)
ist das substantiv im rahmen der sonstigen bildungen gleicher sippe zu betrachten, gegen die sich die germanischen dialecte, soweit die überlieferung reicht, sehr verschieden verhalten. bemerkenswerth ist eine sprödigkeit in den sprachdenkmälern, die von lat.-griechischem einflusz weniger berührt erscheinen. während die gothische bibelübersetzung, die althochdeutschen zeugnisse zur bibel und die jüngeren angelsächsischen quellen reiche belege für die ganze sippe bieten, ist der angels. Beowulf und ebenso der altsächs. Heliand ganz spärlich bedacht. der bedeutungsumfang, der engere und weitere sinnliche verwendungen, von den ältesten belegen an auch übertragungen, in sich schlieszt, legt als den kern der ganzen gruppe die beziehung auf den hausbau blosz. bei diesem hauptbegriff des bauens
fragt es sich, welcher grundbedeutung er entspringt. vielleicht ist auf die urform eines flechtwerks zurückzugehen, zu dem das stammverwandte δέμω (
vgl. lat. domus)
mit der viel angenommenen grundbedeutung von zusammenfügen
wohl stimmte, und wofür auch die gleichung zimmer,
lignamen sp. 7149
und timbrium, fasciculus sp. 7150
stützen sind. sicher und vor allem durch deutsche zeugnisse veranschaulicht ist die bedeutungsgemeinschaft von bauen
und zimmern.
hier ist in den fällen, die das zum bau verwendete material erkennen lassen, durchaus der holzbau bevorzugt, wobei jedoch auch andere formen wie die verarbeitung von steinen, ja auch metallen nicht ausgeschlossen ist. zum holzbau würde auch die gleiche bedeutungsrichtung an lat. materia, materies
stimmen, das Osthoff (
festgrusz an R. Roth 126)
ebenfalls zur sippe zählt (
aus d'materies)
und das in den glossenbelegen für althochd. zimpar
im besondern eine rolle spielt (
s. u.).
diese engere bindung an den holzbau braucht nicht im grundbegriff von zimmern
zu liegen, sie kann sich zu einer zeit, und an orten, wo der hausbau ganz zum holzwerk übergegangen war, durch bedeutungsverengerung entwickelt haben. die gebrauchsformen, die aus alten gleichungen mit fabricare, machina, metallum
und aus beziehungen zum schmiedewerk zu erschlieszen sind, würden zu einer umfassenden grundbedeutung, die sich später erst verengerte, ungezwungener stimmen als zur entgegengesetzten, die die grundbedeutung von zimmer, zimmern
in der engeren beziehung auf ein material (
das holzwerk)
sucht, das erst einem späteren sprachgebrauch näher lag. die verarbeitung von steinen, die zudem in deutschen belegen für die sippe meist durch auszerdeutsche vorbilder (
den tempelbau zu Jerusalem u. a.)
veranlaszt war, läszt sich aus beiden annahmen gleichermaszen rechtfertigen; für ihre werthung fällt ins gewicht, dasz sie im lauf der entwicklung bald wieder ausgestoszen wurde. 1@a@aα)
bei solchem spielraum von möglichkeiten ist zunächst das verhältnisz der germanischen glieder unserer sippe zu den biblischen vorbildern, vor allem dem lat. aedificium, aedificare
ins auge zu fassen. 1@a@a@11))
die gleiche bedeutung (
im anschlusz an οἰκία, οἰκοδομεῖν)
überwiegt schon in der gothischen bibel, in der freilich einige der bemerkenswerthesten stellen (
zum tempelbau in Jerusalem)
verloren sind, die aber noch immer —
namentlich bei gleichnissen —
gelegenheit giebt, nachzuprüfen, wie gebrauchsbereit die sippe dem übersetzer in die hände spielt. für den eigentlichen baubegriff überwiegen verbalformen, auch mit praefix (
vgl. auch sp. 7146),
wobei der biblische text mehrfach die richtung auf das material, holz und stein, bestimmt. das substantiv schlägt in der persönlichen fassung eines nomen agentis die gleiche richtung ein; unpersönlich ist es mehr nur in übertragungen bezeugt, die dem griech. οἰκοδομῆ,
lat. aedificatio
nachgebildet und von späteren deutschen übersetzern mit bauung
nachgeahmt wurden (
vgl. späteres erbauung)
vgl. auch Singer
zeitschr. dtsch. wortf. 3, 225. 1@a@a@1@aa)) galeiks ist mann timrjandin raʒn, saei grob jah gadiupida jah gasatida grunduwaddjau ana staina Ulfilas
Luc. 6, 48 (
οἰκοδομοῦντι οἰκίαν; der ein haus bawete und grub tieff und legete den grund auff den fels Luther; der
da paut
schon cod. Tepl.);
dazu vgl. saei gatimrida
Matth. 7, 24; hwas raihtis wiljands kelikn timbrjan
Luc. 14, 28 (
πύργον οἰκοδομῆσαι, der einen thurm bauen wil Luther; bauen
schon cod. Tepl.); jah synagogein is gatimrida unsis
Luc. 7, 5 (
ᾠκοδόμησεν; die schule hat er uns erbaut Luther; paut
cod. Tepl.); gatimrida varþ so baurgsvaddjus
Nehemia 7, 1 (da wir nu die mauren gebawet hatten Luther); ana þammei so baurg iʒe gatimrida was
Lucas 4, 29 (
ᾠκοδόμητο; was gepawet
cod. Tepl.; darauff jre stad gepawet war Luther;
vgl.ufan then iro burg war gizimbrotiu,
civitas illorum erat aedificata Tatian 78, 9).
die biblische vorlage giebt dem baubegriff hier die richtung auf den steinbau; ebenso an der bibelstelle, die das nomen agentis belegen läszt: stains þammei uskusan timrjans
Luc. 20, 17 (
οἱ οἰκοδομοῦντες die pawer
cod. Tepl.; bawleute Luther;
vgl. dagegen: stein then si widarcurun zimboronte
Tatian 124, 5; den Judei zimboronde ferchuren Notker
psalm 117, 22 [
reprobaverunt aedificantes] die wirkinde
Trebnitzer psalmen);
desgl. Marc. 12, 10.
ein anderes zeugnis zu timrja ist besonders kennzeichnend für die verwendungen, die von dem begriff des bauens
aus auch zur verarbeitung von metallen führen: niu þata ist sa timrja, sa sunus Marjins Ulfilas
Marc. 6, 3 (
ὁ τέκτων der smit
cod. Tepl.; der zimmermann Luther;
vgl. nomen hic est fabri filius, eno nist these wercmeistares sun?
Tatian 78, 2);
vgl. schmide heiszt im ebreischen nicht nur schmide, sondern allerlei bawleute, die zu bauen gehören Luther
der prophet Sacharja (1528) H 1 j
b. 1@a@a@1@bb))
verbalthätigkeit kommt am gothischen substantiv nur in der oben angedeuteten übertragung zum ausdruck: psalmon habaiþ, laisein habaiþ ... allata du timreinai wairþai Ulfilas
1 Kor. 14, 26 (
πρὸς οἰκοδομὴν γινέσθω; lasset es alles geschehen zur besserung Luther; zu der pawung
cod. Tepl.);
desgl. Römer 14, 19;
2 Kor. 10, 8
u. a. genau so mit praefix (in iʒwaraiʒos gatimreinais)
2 Kor. 12, 19.
das ergebnisz der verbalthätigkeit spiegelt sich in sachbedeutungen wider, die nicht so weit von der sinnlichen grundbedeutung entfernt sind: wisandin auhumistin waihstasteina silbin Christau Jesu, in þammai alla gatimrjo gagatiloda wahseiþ Ulfilas
Ephes. 2, 20 (
πᾶσα οἰκοδομὴ;
cod. Tepl. pawung; Luther bau;
vgl. der minnenkliche stein ... uf dem alle gezimmer gebuwen sint Tauler
predigten 95).
dazu vgl. in gegenüberstellung des sinnlichen und des übertragenen begriffes: jabai sa airþeina unsar gards þiʒos hleiþros gatairada, ei gatimron us guda habam
2 Kor. 5, 1 (
οἰκία ... οἰκοδομὴν ἐκ θεοῦ ... haus ... pauung
cod. Tepl.; so unser irdisch haus dieser hütten zubrochen wird, das wir einen bau haben von gott erbawet Luther). 1@a@a@22))
in der althochdeutschen überlieferung nehmen neben dem allgemeinen begriff von aedificare, aedificium
die besonderen spielarten in der beziehung auf ein bestimmtes material breiteren raum ein, während die übertragungen verhältniszmäszig zurücktreten. 1@a@a@2@aa))
an die umfassende lat. begriffsbestimmung knüpfen die glossen an, deren älteste schon für unsere sippe zeugen: edificia, cimbro, zimprida
Hrab. Keron. glossen s. Steinmeyer-Sievers 1, 24;
edificia, cymbrunka 207; kiʒimbaritha 209.
bemerkenswerth ist die frühe gleichsetzung von zimbron
und werchon
im rahmen von aedificare 1, 42;
andererseits vgl. aedificavit, cacimbrot, kicimbrit 1, 62.
im literarischen gebrauch ist diese bedeutungsrichtung zumeist an die engere verbindung mit dem hause gebunden, die durch biblische texte gestützt ist: ther ist gilih tumbemo man thie thar gezimbrota sin hus ubar sant
Tatian 43, 2 (
qui aedificavit domum suam super harenam Matth. 7, 26);
vgl. dazu den einzigen beleg aus dem Heliand: the im be watares staðe an sande wili seli-hûs wirkean, ... ak wirðid teworpan than, tefallan an themu flôde, hwand it an fastoro ni was erðu getimbrô
d. Heliand 1825.
am ergiebigsten ist Notker,
der in der psalmenübersetzung nicht nur im anschlusz an den bibeltext, sondern noch häufiger im commentar das verbum pflegt: nisi dominus aedificaverit domum, in vanum laboraverunt aedificantes eam, unser truhtin ne zimberôe daʒ huos, ferlorne arbeite sint dero diê iʒ îlton zimberon Notker
psalm 126, 1 (iʒ inbuwe unse herre daʒ hus, vorgebins erbeiten si di daʒ buwent
Trebnitzer psalmen; bawet ... bauen Luther);
Hattemer 2, 461
a; sîd daʒ hûs kezimberot ist furder stât iʒ
zu psalm 95, 11 (2, 344);
desgl. zu ps. 95, 1 (2, 344)
u. a.; vgl. ein hûs zimmern
mhd. wb. 3, 893,
ebenda auch absolute wendungen, die hierauf zurückgehen; weitere zeugnisse Lexer 3, 1118. 1@a@a@2@bb))
von der engeren beziehung auf das haus gottes gehen erweiterungen in bezug auf das baumaterial aus. übertragungen setzen an der vorstellung an, dasz das walten gottes an bestimmten wohnstätten hafte, in der form des aufbauens sich darstelle. unserer sippe steht hier innerhalb der bibelverdeutschung nicht nur die sippe von bauen
sondern auch die von wirken
gegenüber. 1@a@a@2@b@aα)) thero jaro was iu wannein themo zimboronne (thiu zala ist uns giwissu)fiarzug inti sehsu. biheizist thih niwihtesthaʒ thu thaʒ irrihtes, sar in theru notiin thrio dago ziti. Otfrid 2, 11, 37.
ähnl. 4, 19, 38; (in thrin dagon tar irzimboron iʒ) 4, 19, 32; in fiarzug inti in sehs iaron gizimbrot was thiʒ tempal (
aedificatum est Joh. 2, 20.,
cod. Tepl. gepawen)
Tatian 147, 5; der daʒ gotes hus stôrit unde iʒ in drîn tagin also gezimberot Notker
zu psalm 87, 9
s. Hattemer 2, 313. 1@a@a@2@b@bβ)) Petrus scalt thu heiʒan, thaʒ thu in giloubu, ih sagen thir ein, sis so festi io so stein; thar ih oba willethie mine liobon alle, gizimboron thaʒ min hus. Otfrid 3, 12, 34.
vgl.ubar thesan stein gizimbron mina kirichun (
aedificabo ecclesiam meam Math. 16, 17; pawe ich mein kirchen
cod. Tepl.)
Tatian 90, 3;
vgl. gazimbriu
St. Augustins serm. s. Hench 63.
vgl. aber: obar themu stêne skal man mînan seli wirkean.
Heliand 3070.
quoniam aedificabit dominus Syon, wanda selber truhten zimberot sîa Notker
psalm. 101, 16 (wen gezimmert hot unse herr Syon
Trebnitzer psalmen 101, 17
; das der herr Zion bawet Luther ps. 102, 17
) Hattemer 2, 361; die himeliscun Jerusalem zimberondo ps. 146, 2
(aedificans, buende Trebnitz. ps., bauet Luther
) Hatt. 2, 493; diu himilsca Jerusalem diu in burge wîs kezimberôt wirt ps. 121, 3
(aedificatur; die geworcht wirt Trebnitzer ps., ist gebawet Luther
) Hattemer 2, 456. zur übertragung auf den bau der welt s. sp. 7157. 1@a@a@2@b@gγ))
in manchen solcher übertragungen tritt die besondere form des steinbaus in unserer sippe zu tage, der überdiesz auch durch die sinnliche verwendung in bezug auf den tempel zu Jerusalem nahe gelegt wird, vgl.: ongtun sie imo innan thesgizimbri thes huses. quader: 'giwisso ih sagen iu,thie steinu werdent noh zi thiu'. Otfrid 4, 7, 2
u. a. gegen gotes tempel ist heilic ... ir glichet den lebenden steinen die dar in sin gezimmert. H. v. Hesler
apokalypse 6277
Helm (
vgl. 1. Petri 2, 5);
vgl. auch altd. predigten 2, 5, 45
Wackernagel s. Lexer 3, 1117. 1@a@a@2@cc))
denn ein weiter spielraum ist für das bearbeitete material aus der beziehung auf einzelne bauwerke gegeben, wie sie —
zumeist an der hand lateinischer verbindungen —
über den hausbau selbst hinausgreifen: ther wolle turra zimbron
Tatian 67, 12 (
volens turrem aedificare Luc. 14, 28; bauen ein turem
cod. Tepl.); so ist diu burg gezimbert Notker
zu psalm 146, 2
s. Hattemer 2, 493;
vgl. eine stat, mûre zimmern
mhd. wb. 3, 893,
dazu vgl. Lexer 3, 1118 kirchen, turn z.
ebenda; ir zimbrot grebir
Tatian 141, 26 (
aedificatis sepulchra Matth. 23, 29 zimbrit grabir
althochd. Matth. s. Hench 29 pawet
cod. Tepl.);
vgl. schon: geworhton þaWedra leóde hlaew on hliðe,se wäs heáh and brâd waeg-lîðendumwîde gesŷne, and betimbredonon tyn dagum beadu-rôfes bêcn.
Beowulf 3161.
dazu vgl.: qui edificant super fundamentum ligna, fenum, stipulam, die dir zimbront uber fundament holzir, howe, stroh Notker
zu psalm 80, 16
s. Hattemer 2, 294. 1@a@a@2@dd))
so erklären sich auch gleichungen mit lateinischen verbis, die über den baubegriff hinausreichen: exstrue machinas, kizimbri karusti
Reichenauer glossen zu 5 Mos. 20, 2. (bewme ... soltu ... ausrotten, und bolwerg draus bawen Luther) Steinmeyer-Sievers 1, 374,
desgl. (
exstrue, zimbari, wurchi
Oxforder glossen) 1, 278.
super dorsum meum fabricaverunt peccatores, ûfen mînemo rukke zimberotun sie Notker
psalm 128, 3 (smitten die sunder
Trebnitzer psalmen; haben auff meinem rücken geackert [
var. gepflüget] Luther)
Hattemer 2, 463
b.
vgl. zimmer,
fabrica. vocab. rer. prompt. Leipzig 1517
s. Diefenbach-Wülcker 914.
dagegen wird im folgenden geziemiert
zu lesen sein statt gezimmert: sin wol gezimmerter helm wart im da gebrochen abe. Rudolf v. Ems
Willehalm 6660
Junk; (
vgl. ainen geziemierten helm 7313). 1@a@a@2@ee)) Notker
ahmt alle —
auch die persönlich gewendeten —
übertragungen des lat. aedificare
nach, worin ihm die späteren übersetzer nicht immer folgen: mîn genâda wirt kezimberot in êwa Notker
psalm 88, 3 (
aedificabitur; ewiclich ... gemacht werden
Trebnitzer ps.; auffgehen Luther [
anfangs erbawet werden])
Hattemer 2, 315; stôre sîe unde furder ne zimbero sie
psalm 27, 5 (
destrue illos et non aedificabis, zimmern
Trebnitzer psalmen; bawen Luther)
Hattemer 2, 93;
desgl. (
zu ps. 59, 3) 203.
vgl.: o tu virgo et mater pei dir vom geist und durch sich selbs geczimert Hans Folz 34, 115
A. L. Mayer. 1@a@bβ)
die sonderbedeutung des holzwerks
und seiner bearbeitung, die sich in der ganzen sippe mehr und mehr durchsetzt, läszt sich ungezwungen aus einer verengerung des allgemeineren begriffes bauen, errichten
in der gewohnheitsmäszigen beziehung auf landes- oder ortsübliche holzbauten erklären. 1@a@b@11))
hierher gehört wohl der andere der beiden belege aus dem Beowulf: oð sät hy säl timbred geatolîc and gold-fâh ongytan mihton. 307.
ganz ähnlich: der Guntheres sal wart vil wol bezimbertdurch manegen fremden man.
Nibel. 527, 3; zweinzig starke kielezimbern er do hieʒ.
Gudrun 669, 1; got Nôê gebôt, daʒ er die archen zimberôt.
genesis 27, 1
Diemer; dazu vgl. Königshofen
dtsch. städtechron. 8, 243; die do ... boume in den welden hiewent ... und zimbertent 8, 271; wer zimert von des gotshaus holz und stam
Tirol. weisth. 1, 67;
ähnlich 2, 26
u. a.; pauen ... es sei mauren oder zimmern 2, 287. 1@a@b@22))
auch das nomen agentis, dessen gelegentliche beziehung auf steinmetzen nur in der anlehnung an biblische texte erscheint (
s. o.; vgl. dazu: die zimberliut. die da stain ... füegend ... an ze legen an die mur der himelischen Jerusalem
altdtsch. predigten nr. 27, 45
Wackernagel u. a.; ain zimberman ... der ain hus wol gezimbren oder gemuren kunde
St. Georgener pred. 255),
zeigt in anderen wendungen wieder umfassendere und allgemeinere bedeutung: unmuglich ist ... daʒ ain zimberman werde sin selbes werch
St. Georgener prediger 203;
desgl. vom bau der welt Hesler
apokalypse 6309
Helm u. a. als hauptverwendung aber setzt sich mehr und mehr die richtung auf den holzbau durch, vgl. cementarius, murari ...
lignarius, cimberman
Heinrici summarium s. Steinmeyer-Sievers 3, 139; das ... holcze ... mag der ... ruogen ... dem zimpermann under der axe (
Rinspach, ende 14.
jahrh.)
weisth. 4, 5
Grimm; mit einem gesworn zimmerman ... buweholtze tun houwen (
Dieburg 1429) 4, 534; steinmetzen und zimmerleut (
Wetterau 1611) 3, 465; maurern, zimmerleuten und tagwerchen
Tiroler weisthümer (
Stertzing) 4, 432;
vgl. carpentarius, zimmer, zimberman
in vocabularien s. Diefenbach 102;
vgl. faber, ein jedlicher werckmann.
faber lignarius, ein zimmermann Dasypodius
lat. dtsch. L 5
a u. a. 1@a@gγ)
vor allem ist das einfache substantiv zimmer,
dessen verhältnisz zu gezimmer
noch besonders zu untersuchen ist (
s. u.),
und von dem das verbum in seinen schwachen formen abgeleitet erscheint (zimbarjan und zimbarôn),
von der engeren beziehung auf den holzbau getragen. 1@a@g@11))
hiefür ist schon eine der ersten festsetzungen im vocabular des heiligen Gallus bemerkenswerth, das mit ausdrücken zum bauwesen beginnt und unmittelbar auf domus, huus
folgen läszt: materia, zimpar
s. Steinmeyer-Sievers 3, 1;
vgl. auch materia, cimbar, zimpar
Hrabanisch - Keronische glossen ebenda 1, 206.
die bedeutung des lat. materia, das in andern stellen (
s. u.; vgl. auch scaffelosa zimber =
informis materia bei Notker,
s. Graff
a. a. o. besprochen schon von Goldast. Gottsched, Stieler
s. dort)
mit übertragungen bezeugt ist, weist hier jedenfalls auf den grundbegriff zurück (
vgl. omnis materia
et culta et silvestris Cicero);
vgl. dazu angels. timber (
material for constructing a house, ship) Bosworth - Toller 986;
vgl. auch lignamina czymmir, czymmerholz Diefenbach 329;
vgl. si suollen ouch ungemoutt füren gezimber, daʒ si mit beʒʒern ir hOef, ob si verbrunnen oder so foul werden, daʒ si zimbers bedurfften
urk. v. 1284
s. urk. buch des landes ob der Ensz 17; 8
gr. vor 4 kleine zimmer gehawen am Spieszberga
Tenneberger amtsrechnung von 1534 (
die zimmer
als weniger theuer in gegensatz gestellt zu den groben bewmen)
s. Diefenbach - Wülcker 914; drei tausent zieglstain, auch zimmer zu dem dach
eintrag in Wessobrunn 1516
s. oberbayr. archiv 48, 295;
desgl. 297. 1@a@g@22))
wie hier aus den verbindungen oder zusammenhängen des subst. mit begriffen wie verbrennen (
vgl. auch dtsch. städtechron. 11, 613), faul werden, hauen
die engere beziehung auf das holz erschlossen wird, so auch aus dem vorwiegen entsprechender substantiva in zusammensetzungen des substantivs; vgl. zimmeraxt, -hacke, -îsen, -meʒʒer
s. Lexer 3, 1117.
auch die beherrschende stellung, die die lat. sippe von carpentum,
carpentarium in den zeugnissen der vocabularien für zimmernisse, zimmerunge, zimmer, zimmern
einnimmt, gehört hierher, vgl. Diefenbach 102
f. 1@a@g@33))
zu beachten ist in solcher annäherung von zimmer
an holz,
dasz beide worte doch nie gleichbedeutend werden. zimmer
tritt zwar für lignamen
in den vocabularien ein, nicht aber für lignum (Diefenbach 329);
vgl. dazu: weder nach holtz weder nach zimer weder nach stein
dtsch. städtechron. 1, 172;
vgl.pawm die nit gut sint zu einem zimmer ... sullen die purger ... hacken zu prenholtz
monum. Boica 10, 371;
dasz es sich bei zimmer
um bearbeitetes holz
handelt, zeigt die stelle: ein schaffer ... hat sein wonung ... dartzu holtz und spen, das ab geet von dem zimmer ... zu prennen in seinem hause Tucher
baumeisterrechnungen 33.
zweck und ziel der bearbeitung erschlieszt sich aber in der verknüpfung des subst. mit dem verbum abbinden,
in dem das präfix wie bei abplatten, -schrägen, -stumpfen, -weissen (
s. Paul
wb.2 s. 2)
und anderen handwerksausdrücken die vollendete durchführung der thätigkeit zum ausdruck bringt (abbinden ... auflösen und absondern ... von zimmerleuten gebraucht, wenn sie die balcken zu einem hause und dergleichen auf einem geraumen platz vorhero zusammenfügen, auf einander schneiden und lochen, damit solche hernach ... an dem ort des hauses ... aufgesetzt werden können Zedler 1, 66,
in neueren wörterbüchern nicht angemerkt; vgl. auch bind - axt
ebenda 3, 1868);
vgl.(
pferde) die haben gefurt pretter von der sege auf die peunt, der zimmergesellen zimmer, das sie abpunden hetten und aufrichten Tucher 65; haben holtz gezimmert auf der peunt oder das zimmer zu werck gezogen oder abpunden 63. 1@a@g@44))
also nicht so wohl bearbeitetes als vielmehr zum ineinanderfügen zugerichtetes oder in einander gefügtes holz
ist der wesentliche kern der bedeutung von zimmer
auch in solcher besonderen beziehung auf holzarbeit: hackten sie unsern bawern ire hölczer ab und fürten daʒ holcz auf ire güter ... brachen sie in ire heuser und stedel ab ... und fürten daʒ zimer auf ire güter
dtsch. städtechron. (
Nürnberg) 2, 200; wolt man Hohenzoler wider pawen und het holtz dar gefrt, da zuogen die stet gemainklich wider darfr und ... zuogen ausz ... und verpranten das zimmer und das holtz alles, was man dar het gefrt 479 (
anonyme chron.) 22, 479;
vgl. 22, 72
u. a. hieraus ergeben sich manigfache abzweigungen. 1@a@g@4@aa)) das die burger ... zu Nuremberg dieselbe mre nimmer ... hoer muren, noch mit dheinerlei czimmer hoer buwen sullen, dann alleine ein dach von czweien spannen
urkunde Karls IV. v. 1376
s. monum. Zoll. 4
nr. 341; czimmer oder vestungen sust uff dieselben mure tun
ebenda; vgl. auch dtsch. städtechron. 10 (
Nürnberg) 296;
desgl. 287; ein neues zimmer auf dem galgen 11, 467; hieltzin überzimer am galgen 23 (
Augsburg), 332. zwo hofstat ... die wir aufgeleget haben ein presse und ander zimmer
Klosterneuburger urk. v. 1320
s. fontes rer. Austr. 2, 10
nr. 189. dar in er leit hie an des kreuczes zimer. Hans Folz 66, 50
A. L. Meyer. dazu vgl.: diu gruobe waere în gevallen. dar zuo muost er zimer haben.
maere v, feldtbauer s. Germania 1, 350;
vgl. auch Lori
bergr. 107. 1@a@g@4@bb)) der windt hat an der kirchen das tach, tachstuol und gantz zimer frei in die höchin auffgehept C. Sender
s. dtsch. städtechron. 23, 39; ist auff den kirchenthuren ... das zimer gesetzt worden 49; tach und zimer abzuprechen 201;
vgl. auch s. 40;
desgl. 11, 477; das zimer und dachwerch auf Lienʒer clausen (16.
jahrh.)
Tiroler weisth. 4, 620
u. a.; abbrechung der zimmer ob des h. doctor Mörmanns ... ingehabten behausungen 1613
s. Schmeller 2
2, 1124; von dem alten zimmer ... ob dem stocke
ebenda; den 28. darauf am dachstuhl angefangen aufzurichten ... solches zimmer ... bis 14 august ... vollendet worden E. Holl
selbstbiogr. 42. 1@a@g@4@cc)) dasz sie ... einen kranken pauman, der auf ainem weiten urbar sitzt, ze nötten hat auf ain minders guet, und denselben ... sol volgen, was si besunder gemacht und gezimert haben, ob das ist dasz die gemäch aus frömbden wälden gezimert habent, die zu den gütern nicht gehörent; wär aber, daʒ sie es aus dem wald gezimert hieten, zu den gütern gehörent, so sullen si die zimer bei den gütern laszen
öfnung i. d. Leuchental s. Tirol. weisth. 1, 86;
desgl. 2, 40; daʒ niemant kein haws noch zimer daselben in dem dorf nicht abprech
monumenta Boica 11, 540
z. jahr 1388; die haüser, städl, stäl und andere zimmer zergeen und zerfallen lassen
bayr. landr. v. 1588
s. 16
s. Schmeller 2
2, 1128; dasz der markt (Falkenstein) ganz ausgebrannt war bis an zwei zimmer
bayr. landtagshdl. 2, 188 (
zu 1458)
Krenner: ûf daʒ zimber hoert von erz ein dach.
Wartburgkrieg 39, 9;
dazu vgl.: timber ... a structure, building, edifice Bosworth-Toller 986/7.
die umfassende bedeutung eines wohnbaus liegt auch im 'frauenzimmer'
vor, vgl. mhd. wb. 3, 892. 1@a@g@4@dd))
verengert und vereinzelnd im neueren sinn: Angliana ... befalch Lewfriden, irem kamerknaben, er solt alles hoffgesind auff ein bestimpte stund zu ihr in das zimmer heissen kommen und das newjahr von ihr empfahen Wickram (
goltfaden cap. 9) 2, 288
Bolte. 1@a@g@55))
die bedeutung eines gefüges,
wie sie eben entgegentrat, braucht nicht erst aus dem holz- und dachwerk abstrahiert zu werden, sie kann den grundstock dieser verwendung gebildet haben und würde dann die gleichung fabrica czymmer, tzimmer;
fabricare zimmern, timmern (Diefenbach)
leicht erklären. ebenso stimmten hiezu die übertragungen: des getihtes zimmer, ob daʒ nâch winkelmeʒʒe sî niht gschicket noch nâch mûrers meisters blî, daʒ nemt vür guot.
Lohengrin 7647
u. a. s. Lexer
3 1116.
besonders nahe gelegt wird diese auffassung aber durch die gleichung zimmer, strues ...
collectio pellicularum, vgl. Schmeller 2
2, 1124;
vgl. timbrium,
fasciculus Du Cange 8, 107;
unum cimber
mercaturarum vel 10
libras franz. urk. v. 1207;
ebenda 2, 328; 8 zimber ... belge zu gerben
Marienb. treszlerb. 22
Joachim; ähnl. handelsrechn. 19
Sattler; 75 zobel, das zimmer als 40 für 75 fl. A. Riese
rechenb. 33
a; zimmer zobeln A. Olearius
verm. reisebeschr. 27;
desgl. 128;
vgl. auch Stieler 2351; Unger - Khull 652. 1@bb)
diesen verwendungen und bedeutungsrichtungen von zimber, zimmer
scheint die form mit praefix gezimber, gezimmer
zunächst kaum unterschiede des gebrauches entgegenzustellen, wie auch die beiden formen in varianten der überlieferung sich ablösen: der magetlîche zimmer in zuckersüeʒem smackes bradem ... mit geistekeit gewidemet. Frauenlob
s. 134
Ettmüller (
var.: ewiclich gezimmer). 1@b@aα)
die formen mit praefix heben sich gegen das einfache subst. nicht so sehr durch ihren bedeutungswerth als nach äuszeren bedingungen ihres gebrauches ab. wenn auch früh bezeugt, werden sie doch erst in später zeit begünstigt, als gewisse suffixerweiterungen, die am einfachen subst. zu beobachten sind, verkümmern. das gleiche lautbild, wie althochd. gezimbere (kizimbri
vgl. goth. gatimrjo),
zeigen auch belege für das einfache substantiv, in denen ausschlieszlich der begriff des bauwerkes herrscht; vgl. in dirro structura (zimbirrûn) Notker
zu psalm 101, 17 (
Hattemer 2, 361)
u. a. s. Graff 5, 670.
es ist also schon am einfachen subst. mit zweierlei formen zu rechnen, deren unterschiede nur nicht in allen casus gleich deutlich zu tage treten, wie sie sich später ganz verflüchtigten. in den bildungen mit vollerem auslaut sind nun vor allem die bedeutungen vertreten, die ebenso an dem mit praefix ge
gebildeten substantiv vorherrschen. bemerkenswerth in dieser richtung ist namentlich: sarta tecta ubarzimbri
Reichenauer glossen zu 4 könige 12, 5; Steinmeyer - Sievers 1, 457;
neben kizimbri des cadachis 1, 458 (
vgl. gipuoztiu, cislifaniu dach 1, 453).
ebenso ist die für gezimmer
so kennzeichnende gleichung mit lat. contignatio (
s. u.; vgl. contignatio, gesperre, gaden, boden, büne, söller, zusamenhefftung Diefenbach 583; — zesamenwettung Cholinus-Frisius [1541] 216; — ein zusammenfügung einer büne in einem hausz Calepinus 337)
schon in den Junischen glossen auch für dieses subst. ohne das ge
praefix bezeugt: contignatio, ubarzimbri Steinmeyer-Sievers
zum prediger Salomo 10, 18 (ubar cimbri, ubartimbri 1, 546; giravoti
ebenda; balken Luther). 1@b@a@11))
andererseits ist die bedeutung bauholz, zimmerholz,
die am einfachen zimbar, zimmer
so früh und so reich bezeugt erscheint, an der zusammengesetzten form erst spät beobachtet: materies, gizimpiri
Tegernseer glossen 11.
jahrh. zu Vergil (
Aeneis 11, 328: was nöthig zum bau [
der schiffe] Vosz) Steinmeyer-Sievers 2, 668 (
zu materia = zimpar
s. o.).
neben zimber
in der österr. urkunde von 1284 (
s. o.)
vgl.: gezimber ... daʒ si mit beʒʒern ir höf
ebenda; von des cimmerholtzes slege schatze. swelich man kouffet ein fuoder gecimmers, daʒ zu der barten gehOeret, daʒ sol er kouffinn mit nuwen phennigen
Erfurter weisth. v. 1289
s. Kirchhoff 14; swaʒ man gezimmers hawet
Nürnberger polizeiordnungen 302
Baader. 1@b@a@22))
collectivkraft liegt schon im einfachen zimbri, zimber
gemäsz der grundbedeutung. das praefix bringt den verblaszten begriff noch einmal und stärker zur geltung, namentlich in jüngerer zeit. doch auch hier lassen sich ansätze zur individualisierung nicht hindern, die gelegentlich sogar den pluralgebrauch ermöglichen. 1@b@a@2@aa))
die reinste ausprägung des collectivbegriffes, wie sie in den glossen struges, gezimbere (
Münchner u. Wiener handschr. 12.
jahrh. zu Heinrici summe Steinmeyer-Sievers 3, 260)
zu tage tritt, unterscheidet sich nicht von obigen gleichungen für das einfache subst. dasselbe gilt für die gleichungen mit materies
und andere belege, in denen die bedeutung bauholz
kenntlich wird. ebenso ist die formel gezûne
und gezimber
unter landschaftlicher abstufung auch in formen ohne praefix belegt: so mac er geben sinem wibe ze morgengabe ... zune und gezimmere ob der erden
schwabenspiegel landr. cap. 19
Gengler; wâ ich iu erwete zoun unde gecimbere ... nâch Swâbe rehte
schwäb. trauformel 12.
jahrh. bei Müllenhoff u. Scherer 1
3, 320; sô mac her ir geben enen knecht oder eine magit ... und gezûne und gezimbere
sachsenspiegel 1.
b. art. 20 § 1
Leipziger handschr. Weiske (tünete unde timber
Homeyer; gezeune unde zimmer
Augsburger ausgaben); gezeune und zimmer ist aufgehawen holtz als beume oder stemme zu einem dorffgebeude oder hoff zugleich ... nicht aufgericht noch ein vollbaut haus ...
glosse bei Zobel (1561)
s. 67 (
s. oben sp. 6916);
vgl. dazu geczûne und gezimmerde
Eisenacher rechtsbuch 687.
dasz aber auch die collectivkraft des praefixes vielfach ins gewicht fällt, zeigt die glosse metallum zimbar (Steinmeyer-Sievers 1, 284)
gegen metalla gizimpri 1, 332.
dazu vgl.: beidiu gezimber unde gemûre.
fundgr. 120, 35 (
s. u.); alle boume und alleʒ krût von blûte lâʒent einen sweiʒ: alle mûren sâ ʒuhant und al geʒimmer fallen sol.
erlösung 6204
Bartsch; sin manlich eln im gebot das er die súle geʒuhte, von stat so sere geruhte das der hohe palas und swas daran gezimbirs was, vil gar zirviel und zirbrast dú mure und des gezimbirʒ last Sampsonen sluog und al die schar. Rud. v. Ems
weltchronik 21169
Ehrismann; dis wunder von geschefte und von steter unmuossen die die welt tribet ... so vil ist des wunders an kleidern, an spisen, an gezimbere, und vil des man zweiteil nüt bedarf Tauler
predigten 400
Vetter; daʒ er sin gezimmer, damit er sin hofstat buen wölt, niht möht ûf gerichten
Augsb. urk. v. 1337
s. H. Fischer
schwäb. wb. 3, 645; den burgern dehainen schaden tuot an irem gezimmer uff törnen uff aergern
Memminger rechtsbuch 35
s. ebenda. in den wörterbüchern (
s. u.)
wird später als wesentliches merkmal für die formen mit praefix die collectivbedeutung angegeben: gezimmer, das,
plur. zimmer ... gezimmer
quaelibet fabricatio & quod vis aedificium Stieler 2531;
noch deutlicher: zimmer,
conclave ... gezimmer, zimmerwerk, holzwerk, so der zimmermann gemacht und gebauet Frisch 2, 477; gezimmer ... ein collectivum Adelung 2, 674;
desgl. Campe. 1@b@a@2@bb))
der begriff des bearbeiteten materials, in dem die collectivbedeutung wurzelt, wird in manchen verwendungen durch die anschauung des werkes verdrängt, das in solcher verarbeitung entsteht und als ganzes erfaszt wird. in solchem gebrauch strebt auch das mit praefix gebildete subst. wieder der individualisierung zu: ich han ein gezimmer hie dû gesaehe schôner werc nie. Herbort v. Fritzlar
troj. krieg 16040;
vgl. auch marienleben 2316: swie eʒ den andern wol behagt, eʒ gevelt in allen nimmer. nu kan einr in sîm gezimmer nimmer leben manigen tag, daʒ eʒ in allen wol behag. Der Teichner (
vgl. die anmerkung 125
bei Karajan).
in der älteren zeit, die die meisten belege stellt, ist solcher gebrauch des plurals schon durch lat. vorbild begünstigt; er lehnt sich an lat. aedificationes
an, so Tatian 144, 1
u. a. aber die auffassung des gezimbers
als eines organisch zusammengefügten ganzen, eines werkes, läszt den plural auch frei entstehen, ohne anlehnung an lat. vorlage: dîn hals ist samo Davîdis wîghûs, da diu were obena ane geworht ist ... daʒ wîghûs ubertriffet andere gezimbere ... an demo wîghûse ist diu were gemachot Williram
hohes lied 58, 15
Seemüller. vgl. auch: der grosze wint, der tet groszen schaiden, der warf grosze huis, gezimmer unde torne umb
Limburger chron. 25, 3. 1@b@a@33))
der sachbedeutung treten gelegentlich zeugnisse entgegen, in denen die verbalhandlung ausdruck gewinnt; gezimber
wird als verbalsubstantiv zu zimbern
erfaszt; Gotes hûs ... wird mit caritate (
mit minno) gezimberot. an dero structura (gezimbere) werdint alle steina ... ein steîn Notker
zu psalm 95, 1
s. Hattemer 2, 344
b: vile harte si zewurfen, nieht mere si ne worhten des gezimberes was ente.
genesis (
v. turmbau zu Babel)
s. fundgr. 29, 34;
in beiden fällen mit beziehung auf den steinbau (
s. u.).
dazu vgl.: er wânde daʒ si blîben solden und daʒ si mit gezimber wolden die selben stat dâ mêren. Lamprecht v. Regensburg
St. Franzisken leben 1884. da was so menic rich gezelt uf geslagen als ob ain stat uf das gevilde wAere gsat diu michel und mAere von gezimber wAere. Rudolf v. Ems
Willehalm 5976;
diese anlehnung von gezimmer
an das verbum (
vgl. aber auch: ain zimer tuen
Tiroler weisth. 4, 517)
ist in späteren wörterbüchern zwar meist nicht ausdrücklich anerkannt, übt aber auf die gleichungen vielfach einflusz aus: bei Henisch
und Stieler aedificatio
neben aedificium,
bei Frisch zimmerung
gleichbedeutend mit gez.
bei Campe
ist gez.
als das zimmern, ein anhaltendes zimmern
erklärt. 1@b@bβ)
in anlehnung an lat. parallelen läszt sich für die älteren belege der umfang des sachbegriffes von gezimmer
feststellen und auch in frei gebildetem gebrauche gliedern: 1@b@b@11))
edificium gecimbere
glossen zu Heinrici summarium s. Steinmeyer-Sievers 3, 127;
vgl. edificium gecimbert 3, 210; gezimmer,
edificium vocab. ex quo (15.
jahrh.)
s. Diefenbach-Wülcker 620
vgl. 914. 1@b@b@1@aa)) thaʒ sie imo zougitin thiu gizimbri thes temples
Tatian 144, 1 (
aedificationes templi Matth. 24, 1 daʒ gepeud
cod. Tepl. des tempels gebew Luther);
vgl. gizimbri thes huses Otfrid 4, 7, 2,
vgl. dagegen: die bigunnun im thô umbi thena wîh sprekan, thie gumon umbi that godes hûs, quâðun that ni wâri gôdlîkoro alah oBar erðu thurh erlô hand thurh mannes giwerk.
Heliand 4276
ff. 1@b@b@1@bb)) wuoliche steina inti welichu gizimbriu!
Tatian 144, 1 (
Marcus 13, 1
quales lapides et quales structure Marc. 13, 2 gepewe
cod. Tepl., bau ( Luther). ein bethûs ze Rôme was ... daʒ was gemachet alsô veste daʒ man wol vür wâr daʒ weste daʒ eʒ nimmer möht zergên ... alsô stark was daʒ gezimber daʒ eʒ gevallen mohte nimmer. bruder Philipp
marienleben 2316; 1@b@b@1@cc)) ze Wormʒ bî dem münster ein gezimber man ir slôʒ, wît und vil michel rîch unde grôʒ.
Nibel. 1042, 1; eʒ rageten für die zinnen türne von quadern grôʒ ... dâ enzwischen was diu stat gezimbers niht laere. dâ sâʒen die burgaere nâch grôʒer ir werdekeit. Hartmann
Erec 7858;
vgl. auch welscher gast 1205
u. a., nicht das gotteshauss ... abbrechen auch nimmer kein gezimmer dahin bawen Schorer
chron. 3
s. H. Fischer
schwäb. wb. 3, 645. 1@b@b@22))
moeniis, gizimprin
Freisinger glossen 9.
jahrh. zu Gregors cura pastor. Steinmeyer-Sievers 2, 168; (
menia ... kizimbaritha
Hrab. Keron. glossen ebenda 1, 209);
moenia, gezimbere
glossen zu Heinrici summarium Steinmeyer-Sievers 3, 124
desgl. 209; in dem 12. jair so dede Adrianus der keiser die stuck van der statmuiren ind ander gezimmer van der stat Jerusalem ... gantz mit ein afbrechen
Koelhoffsche chron. s. dtsch. städtchr. 2, 331;
urbs, kizimbri purgisc
Junische glossen s. Steinmeyer-Sievers 4, 24;
pavimentum, kizimpari
glossen zu 2 könige 16, 17 (das steinern pflaster Luther) Steinmeyer-Sievers 1, 456; das man gemachet het ... in dem münster zu baiden seiten ein geczimmer hoch do kerczen auffstünden und brunnent Richental 34
b. 1@b@b@33))
fabrorum malleum, smido kazimbri
Reichenauer glossen zu richter 5, 26 (schmidhammer Luther) Steinmeyer-Sievers 1, 387;
vgl. auch die glossen zu metallum (
s. o.)
u. a. 1@b@gγ)
an dem material, dessen verarbeitung das subst. kennzeichnet, war mehrfach auch hier der gegensatz von holz und stein entgegengetreten. 1@b@g@11))
zum holzbau vgl. noch: sarta tecta, kizimbri des cadaches
Reichenauer glossen zu 2 könige 12, 5
s. Steinmeyer-Sievers 1, 457 (
s. o.). der künic einen palas gebiuwen hete nâhe dran ... von zêderholze reine waʒ alleʒ sîn gezimber. Konrad
troj. krieg 17507; swaʒ man gezimmers hawet, da mit man die stat peʒʒern wil unde vesten, da sol kain vorster umb pfenden
Nürnberg polizeiordn. 302. der stete daʒ dritteil beide gezimber und gemure daʒ zervellit vil ungehure.
Entecrist s. fundgr. 2, 120
vgl. apocalypse 11, 13; unʒ daʒ daʒ fîwer rêrt ein grôʒeʒ gezimmer nider, daʒ viel für daʒ tôr nider ... daʒ dâvon dem fiur nieman entran. Ottokar 95624;
gerade bei der betonung der holztechnik werden auch andere werke als die des eigentlichen bauwesens angezogen, so das troj. pferd vgl. gezimmer, gezimmerde
bei Herbort 15934; 16040;
ebenso das im festungskrieg verwendete angriffs- oder verteidigungswerk: dô sâhens ûzen vor den graben mit gezimber hôhe ûf erhaben pheteraere und mangen.
Biterolf 5822.
endlich jegliches kunsthandwerk zum friedens- oder kriegsgebrauch: sus füllet ich den schacht und worhte ein rîch gezimmer. ich bin künec Salomônes trô
n. Frowenlobes tougen hort v. 182
s. Colmarer meisterlieder nr. 201
Bartsch. anders: von holze guot gezimber an schilten wart verschertet. Konr. v. Würzburg
troj. kr. 162
a;
die spätere einseitige berücksichtigung der holztechnik kommt am stärksten in den wörterbüchern zum ausdruck; am deutlichsten bei Frisch. 1@b@g@22))
der steinbau ist zunächst in belegen für das nomen actionis vertreten, so bei Notker
zu psalm 95, 1
und in dem zeugnisz aus der genesis (so einer den stein wolte, so wente diser daʒ er den chalk bringen solte);
doch auch für sachbedeutung, wie in der glosse zu pavimentum 2
könige 16, 17
u. a. vgl. auch: do Got ime selben eine pfalce zinberte, der viel ein want do die engele vielen ... unde sante sinen sun daʒ er lebinde steine zuo dem zinbere samenete ... die wurdent von dem oberesten murer gewirket ... unde ... gemaht ze steinen ... sumeliche steine die wurdent ... gebrant ze eime kalke, unde wurdent da mite die muren ... gevestent ... daʒ sint die ubelen, die von dem himeleschen gezinbere verworfen sint
Lucidarius 78, 10
Heidlau. 1@b@dδ)
mehrfach gliedern sich die übertragungen, die stark unter dem einflusz biblischer vorbilder stehen —
ganz abgesehen von der bloszen nachahmung lateinischen sprachgebrauches, vgl.: ordinationis materia, kesezzida kezimbri
Benediktinerregel 65. 1@b@d@11))
hieher gehört schon die verallgemeinerung im begriff des aufbaus gegenüber der grundlage, von der er sich abhebt: das wir uns sullen demtigen. das ist der grunt do alles das gezimmer des menschen leben und alle sine werk uf gebuwen mssent werden Tauler
predigten 322
Vetter (
var.: gezimmet);
ganz ebenso 95 (
var.: geschimbert,
vgl. Ephes. 2, 20); demtkeit sol unser grunt sin und minne sol unser gezimber sin ... uf den grunt ... gebuwen 328. 1@b@d@22))
damit verbindet sich der begriff des wohnbaus, wie er in der bibel mit beziehung auf gott festgelegt ist: die gotes mûre zimberte er wider und der stete, die gevallen nider wâren von des fiuwers kraft ... wand er wîse meister gewan die daʒ ûʒer gezimber griffen an; des innern zimbers er selbe phlac. Kristus, diu gruntveste dû under lac, dar ûf gezimbert ... von sîner predigâte manec gotes hûs der sêle ûf irstuont. Albertus
verdeutsch. des lebens sancti Ulrici v. 369
ff. Schmeller; (
materialibus quidem aedificiis prudentes ac idoneos magistros praefecit, ipse vero ... Christum fundamentum posuit, super quo aedificavit ... sanctarum animarum aedificat.) 1@b@d@2@aa))
mit anlehnung an die bibel und in geistlicher deutung: got. der wolte haben ein hû
s. da er inne wonete ... so wolt er ime ein ewige stat. cimberen. daʒ sin gecimbre ewic. staete un diu gruntveste ewic wurde
spec. eccles. 161
Kelle; dannan sprach
s. Paulus:
dei sumus adjutores. dei edificatio estis ... wir sîn gotes helfare. ir sît gotes gecimbare 162; weliʒ aber das gecimbere si, da man mime trehtine mite cimberet
altdtsch. predigten 1, 327
Schönbach (
handschr. B: welich gebwede gote gezeme). 1@b@d@2@bb))
entwicklung in weltlicher richtung: zwîvel bûwet selten guot gesaeze zwîvel riet mir, daʒ ich niht enmaeze weder hovestat noch gezimmer. Reinmar v. Zweter 172, 9
Roetho; alsêrst wart den heiden rehtiu klage geben, dô in der tôt heim nam in sîn gezimmer.
Lohengrin 5700
vgl. oben γ) 1));
s. auch sp. 7157; 1@b@d@33))
der allgemeine begriff des werkes: so starc werdint die ertbibe ... an dem einst kein menslich werc noch cheines menskin lîst, swaʒ ouch gezimbers ist daʒ in mac lenger gestan, zu eim stuppe muʒ iʒ zirgâ
n. entecrist s. fundgruben 2, 128; des guoden mortereres gelichenisse hat die otmuodicheit, want si dat gecimbere der duogede ze samene hangen deit; so dat gecimbere mere were, it cevile ane den mortere.
die lilie 46, 11
Wüst; wa adel arkeit vil begat, verhouwet guot gezimmer. Suezkint v. Trimberg
s. minnes. v. d. Hagen 2, 258
b; des sibenden tages alleʒ daʒ gezimbere daʒ da ist so wiet so die werlt ist daʒ sol alleʒ zuovarn
dtsch. predigten des 14.
jahrh. 61
Leyser (
in die pasch. 7).
aus verschiedenen richtungen wird die übertragung auf den menschlichen körper gelenkt, wo sie namentlich beim verbum, im besondern dem particip (
s. u.)
begünstigt ist: muoʒ ich diner lieb gelt an ende clagen immer sit daʒ din schOen gezimmer schol ain anderr trüten. Joh. v. Würzburg
Wilhelm v. Oesterreich 10036
Regel; vgl. (
s. sp. 7150) Frauenlob. 1@cc)
im gegensatz zu den vocabularien verhalten sich die gedruckten wörterbücher anfangs zu der form mit praefix ganz ablehnend, schenken auch den einfachen formen wenig beachtung. das vereinzelte zeugnisz Luthers
für die vollform (
1 Könige 7, 3)
giebt Henisch
anlasz, diese zu buchen, er merkt kurz, aber aufschluszreich an: gezimmer,
aedificium, aedificatio, tabulatum 1612.
die späteren, soweit sie die formen mit praefix beachten, suchen diese der bedeutung nach gegen die einfachen abzugrenzen (
vgl. auch oben sp. 7151),
oder sie verfolgen ihr fortleben in berufssprachen wie der des bergwerks. dem entsprechend nehmen namentlich fachwörterbücher von gezimmer
kenntnisz, ebenso die zusammenstellungen, die aus der älteren sprache schöpfen, so Scherz-Oberlin 549 (
bei Wachter
nur zimmer
als stichwort)
; vgl. auch gezimmer, gezimber, hölzerne, von blossen balken zusammen gesetzte gebäude Westenrieder
gloss. germ. lat. 207. 1@c@aα) Stieler,
der für das einfache zimmer
wie Gottsched
und Goldast
auf den gebrauch Notkers
zurückgeht und die bedeutungsverengerung von aedificium integrum
bis zu pars solum domus (conclave)
verfolgt, sucht in der form gezimmer
das umfassende und verallgemeinernde der alten bedeutung: quodvis aedificium (
zum nomen actionis s. u.).
die gleiche auffassung wird von Frisch (2, 477)
in eine formel gebracht, während Steinbach
nur das einfache zimmer
bucht. bei Adelung
ist zuerst auf den bergmännischen gebrauch bezug genommen 2, 674. Campe
stellt vor die function des sammelwortes (das sämtliche zimmerholz an einem gebäude)
die anlehnung an das verbum vgl. oben sp. 7152.
vgl. auch: gezimmer ist bei den berg-leuten eben so viel als zimmern Chomel 4, 1072;
desgl. G. R. Lichtenstein 1, 71; Zedler 10, 1412;
dagegen vgl. gezimmer,
la charpente, charpenterie Schwan 1 (1783) 752
a; gezimmer, für sämtliches zimmerwerk in einem gebäude, oder für alle von dem zimmermann gefertigte arbeiten Helfft
wb. d. landbaukunst (1836)
s. 148; gezimmer, 1) das holzwerk an einem gebäude, 2) ... beim bergbau Thiel 4, 436
a. 1@c@bβ)
zum bergmännischen gebrauch sind die buchungen früh beobachtet und gehen in ziemlich gleichlautender überlieferung vom 17.
bis ins 19.
jahrh. (
zum literar. gebrauch s. sp. 7157/8). 1@c@b@11))
der bedeutungsinhalt wird bestimmt: gezimmer in schächten sind tragstempel, jöcher, einstrich-spreitzen A. v. Schönberg
bergmänn. redensarten (1693)
s. 44.
dasselbe G. R. Lichtenstein
kunstwörter bei bergwerken (1) s. 71; Chomel 4, 1072; Minerophilos, Hübner, Zedler, Adelung. Jacobsson
fügt dazu noch: kunstrad, gerinne, göpel ... thürstöcke, kappen ... tonnlatten, haspel, kasten 2, 87.
andererseits vgl. gezimmer eines schachtes,
boisage, cuvelage, lining of a schaft Beil
technol. wb. 243. 1@c@b@22))
als feste verbindungen werden gebucht: gezimmer hat einen festen fusz im gestein; hat ein gut fundament Schönberg
s. 44 (guten stand) Chomel;
desgl Zedler;
dazu —
gestützt auch durch litterar. gebrauch (
s. u.) — flüchtig gezimmer ... dasjenige, so auf keinem festen grund ruht Chomel 4, 1072 (
nicht bei Zedler); halbes gezimmer, diejenigen pfähle, womit die stallrösche bei der verzimmerung der stollen versehen sind, welche von stelle zu stelle kürzer werden und sich mit der sole des gebirges verliert, damit das gestein nicht in den zwischenraum zwischen den thürstöcken und den kappen der zimmerung hereinbreche Jacobsson 2, 87.
desgl. (verlieren) Campe 2, 372. 1@dd)
zu den formen ist 1@d@aα)
das ableitungssuffix, mit dem sich das präfigierte subst. gegen das einfache zimber
abhebt, schon oben berührt; es verliert sich im flexionssystem, vor allem in der oft gebrauchten dativform vgl. gezimbere Tauler 400.
immerhin ist noch aus dem spec. eccles., den altdtsch. predigten und der lilie der nom. gezimbere
zu belegen. zu der mitteldeutschen form gezimmerde
vgl. Herbort
u. Eisenacher rechtsbuch s. sp. 7151. 53.
desgl. niederdtsch.: dat sloth ... heerlyken met getymmerte versyreth
Münster chr. s. Schiller-Lübben 2, 89;
vgl.: en hus ... oder ienigherlei andere ghetimmerte
Visby stadslag 3, 1, 10
Schlyter. 1@d@bβ)
der übergangslaut von der labialen zur palatalen liquida wird lange festgehalten, am längsten in bayrischösterr. (
vgl. gezimber
urkunde von 1284)
und schwäb. denkmälern: 1@d@b@11)) gezimber
in den glossen bis über das 12.
jahrh., desgl. in der geistlichen dichtung Österreichs, bei Albertus,
ebenso noch im Biterolf, bei Rudolf v. Ems
und Konrad v. Würzburg.
bei Tauler
kämpfen im text und in den varianten gezimber
u. a. und gezimmer
gegen einander. vgl. auch gezimbere
der schwäb. trauformel gegen gezimmere
im schwabenspiegel. gezimber
ist sogar noch bei Wyle 334
belegt. 1@d@b@22)) gezimmer
zeigt schon Herbort v. Fritzlar,
desgl. der Lohengrin, die erlösung, Reinmar v. Zweter, Frauenlob, Joh. v. Würzburg;
dazu vgl. Nürnberger polizeiordnungen, Erfurter weisthum v. 1289
u. a. bemerkenswerth, dasz der Steiermärker Ottokar
auch schon gezimmer
aufweist. 22)
im neueren gebrauch hält sich das substantiv zäher und mit mehr verzweigungen als die buchungen dies erkennen lassen. am frühesten stirbt der besondere begriff des wohnbaus
ab, dessen engste fassung bald ganz auf das einfache zimmer
beschränkt blieb. dagegen ist der allmeinere begriff eines zusammengefügten in der besondern richtung auf die holztechnik viel länger ergiebig, er lebt im bergmännischen gebrauch vor allen fort. auch die übertragungen gehen wohl zunächst von dem holzgefüge
aus, wenn auch hier noch manche unterströmungen älterer umfassender bedeutung mitwirken mögen. 2@aa)
letzte zeugnisse für den wohnbau. 2@a@aα)
bezogen auf eine mehrheit von gelassen: ir genAvd hAvt mir ain tochter in irem gezimber zuo hofe also gezogen Niclas von Wyle
translationen 334.
dazu in späterer auffrischung früheren gebrauches: (
unsere vorfahren) erlaubten zum höchsten nur zwei gezimmer auf jedem erbe J. Möser
patriot. phantasien 1, 292 (gezimmer,
nebenbau vgl. auch R. Hofmann
zeitschr. dtsch. wortforsch. 13, 50;
vgl. zimmer Wickram (
goldfaden) 2, 300. 2@a@bβ)
beschränkung auf ein gelasz, so weit dies aus dem zusammenhang sicher zu stellen: den andern tag aber als er in dem zimmer seines amptes warten solt ... Angliana, als sie jetzund allein bei Lewfriden in dem gezimmer war Wickram (
goldfaden) 2, 289; (belib die allein in irem gemach 292; ein lied ... in dem frawenzimmer zu singen 291). euch sei diese gunst und macht, dass ihr mögt bei tag und nacht frei betreten mein gezimmer dieses recht das bleib euch immer.
Reineke fuchs (
Rostock 1650) 413 (3.
cap. 21;
vgl.dat gi vro unde spade komen to mineme hemeliken rade
Reinke de vos 4, 11
Lübben; meinen geheimen rath zu besuchen Göthe 40, 225); Argenis hatte sich in ihr geheimes gezimmer begeben, ihren schmerzen ein genügen zu thun Opitz
verdeutsch. v. Barclays Argenis (2, 1, 4) 2, 20. 2@bb)
für den begriff des gefüges (
vgl. dagegen: obergezimmer hoch oder staMholz
schwäb. wb. 549
nach Sanders). 2@b@aα)
in der sinnlichen grundbedeutung ist durchaus die beziehung auf holzarbeit gesichert. 2@b@a@11))
unter den älteren belegen steht hier das mehrfach berührte zeugnisz Luthers
zu der bibelübersetzung voran: auff das selbige gevierde leget er den boden von cedern brettern, auff cedern seulen nach den riegen hin und oben drauff ein gezimer von cedern, auff dieselben seulen Luther
1 könige 7, 3 (
von 1523—27: teffelt die decke oben an auch mit cedern); deszgleichen legten sie uberzwerche sparren nit wit von den ussern wenden da sie daʒ gezimmer anhengten Ringmann
verdeutsch. des Caesar (
bell. civ. 2,
cap. 9)
Straszburg 1507
s. 89
b (geschosz
Leipzig 1682
u. a. den boden J.
F. Wagner 1765;
quibus suspenderent eam contignationem); die wend zwischen dem gezimmer
ebenda (geschoss,
infra eam contignationem u. a.; vgl. aber getäfel,
tabulata Ringmann
ebenda); an wendgemewr, von stein oder holtzwerck, nach aller notturfft zuo probieren und bestechen lassen, ob solches ordentlichen an holtz und gezimmer gestelt, gelegt sei L. Fronsperger
bauordnung (3.
buch cap. 9) 99
b (1564). 2@b@a@22)) auf einem schwachen gezimmer von balken und brettern den ... wogen ... preisgegeben
F. Hoffmann
waldm. 37; Locksley hall! ... mag stürzen ... dein dachgezimmer. Freiligrath
s. w. 4, 128; ich und mein fläschlein wir scheiden uns nimmer, bis mir der lustbach des lebens verrinnt, und in des schreiners verhasstem gezimmer schreckbar ein ewiges dursten beginnt. A.
F. E. Langbein (
ich und mein fläschchen)
dtsch. liederkranz 1820
s. 184; walzmühlen ... die läufer werden ... zum theil aus einem starken hölzernen gezimmer mit einem schweren bronzenen ringe ... gemacht Karmarsch 3, 108; die möbel (
in den palästen von Chaldaea) sind hölzerne gezimmer mit metallblech beschlagen Justi
s. allgem. weltgesch. (
Grote) I (1884) 1, 138. 2@b@bβ)
zum bergmännischen gebrauch vgl. auszer den eigentlichen buchungen (
s. o.)
noch weitere feststellungen: Berward im
interpres phras. metall. (1673) 13/14
zählt unter gezimmer in den geschächten und gruben
auf: rüstbaüme, gefier, tragstempel, jöcher oder kocher, strichholz, verpändt, wandruthen, tannhöltzer, anfälle, spreitzen, schachtstempel, zapffen, schaar, schachtlatten, schuszbühne, schachthölzer, bünen im schacht, fahrten (leitern)
u. a., wobei die beschreibung durchweg hervorhebt, dasz sie aus holz gearbeitet sind. ebendort auch formelhafte verbindungen: schacht auszwechseln ... an statt faulen gezimmers frisches setzen 15; untersteiger ist ein beaidigter bergmann, so absonderlich auff das gezimmer achtung hat, das baufällige abwechselet, und in der pose schiesset 20; ferner musz er die auf die zechen geschaffte berg - baumaterialien in augenschein nehmen, über die berggebäude und gezimmer nöthige aufsicht führen Oettl
historien v. Eybenstock 237; wo nun die weiten der gebäude nicht grosz, dasz hangendes und liegendes nicht weit von einander seind, so ist ein gezimmer leicht zu verführen ... erstlich umb viel besser und leichter zu führen, denn hernach wieder auszuwechseln Rössler
und Goldberg
berg-bau-spiegel (1700)
s. 57.
zu den in den buchungen schon angemerkten attributiven verbindungen vgl. noch: derowegen die ersäuffte zechen ... liegen blieben ... denn das vorhin an theil orten sehr flüchtige gezimmer ist hiedurch an unterschiedlichen struppeln ins faule gedruckt G. C. Kirchmaier
institut. metall. (
wolgemeintes bedencken) 105 (1687); wenn aber eine schacht im gestein feste hAelt, so wird nur ein strich mit seiten-brettern versehen, sonderlich wird auf der seite, wo es nOethig, öffters in schAechten nur halb gezimmer gebrauchet
der vollkommene teutsche jäger 1 (1719) 65
a. 2@cc)
für die übertragung ist neuerdings nur noch die beziehung auf das innere gefüge der erde ergiebig: andere wendungen sterben rasch ab. 2@c@aα)
in Luthers
predigten findet sich vereinzelt noch die biblische verwendung im sinne eines bollwerks zu angriff oder vertheidigung wie im festungskrieg (
s. o.): so wil er (
Christus) uns dazu brauchen und dem zornigen geist eine schalkeit thun, das er widder in stellet und fur werffet ein solch arm, schwach gezimer die gegen im seind als funcklein gegen einem starcken wind Luther 34 ii 380.
die alte beziehung des subst. auf den menschen taucht erst spät vereinzelt wieder auf: blieb für immer voller grimm er euch, ihr schurken mannsgezimmer, aber zärtlich war er traun uns den frauen! Droysen
übers. des Aristophanes (
Lysistrata v. 819) 3, 194. 2@c@bβ)
die übertragung auf die innere gliederung (
structur)
der erde liegt nahe. sie ist schon von Notker
für das verbum durchgeführt an einer stelle, die über die lateinische wendung hinausweist: prophetae ... ûfen dîen disiû werlt ... gezimberot wurde,
at revelata sunt fundamenta orbis terrarum Notker
psalm 17, 16
s. Hattemer 2, 64.
neu aufgenommen wurde sie, in anlehnung an franz. terminologie, nach Ritters
zeugnisz durch Alexander v. Humboldt,
der aber in seinen '
ansichten der natur'
fremdworte gebraucht wie innere structur des bodens 1 (1808) 16; die konstruktion des erdkörpers 96;
vgl.: die aüssere gestalt von der inneren, oder der structur zu unterscheiden J.
F. L. Hausmann
handb. d. mineralogie 1
2, 26
u. a. die ältere litteratur gebrauchte deutsche bildungen, die meist noch nicht auf das bauwesen zielten: cörper der erd-kugel Cluvier
geologia (1700)
s. 151; innerliche gestalt oder bewandnüs der erden 136; von der innerlichen beschaffenheit
ebenda; desgl. J. G. Lehmann
vers. einer gesch. der flötzgebirge (1756)
vorrede a 4
b.
näher kommt schon: zusammenfügung der erde Cluvier
s. 178;
noch mehr bau des erdbodens Lehmann
vorr. a 6
a.
dagegen vgl.: wenn wir den ausdruck gezimmer der erde zuweilen gebrauchen, so soll er ... einen wink geben, dass der aüsseren form eine innere construction doch wohl zum grunde liegt, die erst erforscht werden musz ... schon Büache führt diesen ausdruck charpente du globe in die erdbeschreibung ein, und Desmarest veränderte ihn in ossature du globe, woraus man ein gerippe oder knochengerüste gemacht hat. Scheuchzer nannte die berge ... das gebaüde der erde ...; mit ... gebirge der erde verbindet man einen engeren begriff, mit dem von gezimmer der erde will man auf eine innere und aüssere anordnung hindeuten, und in dieser hinsicht scheint Alexander v. Humboldt diesz wort von neuem eingeführt zu haben Ritter
erdkunde 1, 74
anm. (1822); genauer betrachtet verschwindet freilich jene symmetrische anordnung im gezimmer ðes hochlandes 2, 14; wir suchen das ganze des erdkörpers zu umfassen, das gezimmer desselben zu ergründen Hausmann
handbuch der mineralogie 1
2 (1828)
s. 4 (
fehlt in der 1.
auflage); der forscher ... wird an der Bergstrasse wie am Schwarzwalde ... durch die grosze mannigfaltigkeit des felsgebäudes gefesselt, dessen gezimmer durch die zahlreichen, gegen den Rhein geöffneten thäler, in den lehrreichsten durchschnitten aufgeschlossen erscheint
Gött. gel. anz. (1845)
s. 1661; wie im gezimmer der erde vor allem die bodenerhebungen ... die aufmerksamkeit auf sich ziehen Ranke
engl. gesch. 1,
s. IX; der alpenbänke feenhaft gezimmer umschlieszt den see, die buntbelebte bühne. rot flammt die Ufenau im abendschimmer. Karl Bleibtreu
kosmische lieder (1890). 2@c@gγ)
ganz jung scheint die übertragung des theilbegriffes innerhalb der vorstellung des bauwerkes: den bau zu vollenden, zu welchem der verf. das grobe gezimmer liefert Fallmerayer
gesch. v. Morea 1, xiii
s. Sanders.