sudeln,
vb. ,
aus 1sudel
hergeleitet, '
mit schmutz umgeben, beschmutzen, schmutzige arbeit verrichten, unsauber arbeiten'
; etymologie s. o. 1sudel;
ob das isolierte suden '
beschmutzen'
directe bildung ist oder erst aus 2sudeln
secundär rückentwickelt, ist fraglich: ich bi dem selben meine di blindekeit der juden, di sich mit wucher suden Tilo v. Kulm
siben inges. 1822
Koch, es bestätigt aber, dasz 2sudeln
alte und selbständige bildung ist, die mit 1sudeln
in keinem zusammenhange stehen kann; neben sudeln, sudlen
tritt im älteren nhd. und nd. auch suddeln bzw. soddelen,
im obd. suttlen,
vgl. Staub-Tobler 7, 327,
Fischer schwäb. 5, 1951;
mit umlaut südlen Staub-Tobler
a. a. o., südelen 329
und südele Berger
s. Galler Rheintal 106 (
neben sudlə 66);
vgl.sodlen (
beleg v. j. 1398)
bei Staub-Tobler 7, 324. 11)
im eigentlichen sinne '
beschmutzen, mit schmutz umgeben'. 1@aa)
transitiver gebrauch '
beschmutzen, verunreinigen',
vgl.sudeln defedare, difformare, maculare voc. inc. teuth. (1471) ee 7
b, sudlen, verunreinigen
sporcare Hulsius
t.-it. (1605) 137, sudlen
inquinare, contaminare, polluere, sordidare foedere Schönsleder
prompt. (1618) 2, Hh 4, sudlen
oder sudelen, unrein machen
souiller, salir, gâter Frisch
nouv. dict. (1730) 543;
in neuerer sprache in dieser bedeutung fast ganz zugunsten von besudeln
zurückgetreten, aber noch mundartlich bewahrt, vgl. sudln '
versudeln' Wipf
Visperterm. 64, sudeln Zingerle
lusern. 54
a, sūdln '
beschmutzen' Bacher
Lusern 399, sûdeln Hintner
tirol. 202, sudeln Neubauer
Egerld. 102, sudlen '
schmutzig machen durch verschütten' Follmann
lothr. 512
a, sudeln '
etw. unrein machen' Stendal
schles. 137, sudelen Leuthäuser
Barm. 154
b,
vgl.süddeln
einschmutzen Mi
mecklenb. 89
a: du sudlest mich wie ein äschensack
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 1, 115
Bächtold; doch sihe drauff, ich wil dyr hynfurt nit schweygen und nit gestatten, die heylige schrifft mit deynem bockrussel zu suddeln, wie du angefangen hast Luther 7, 264
W.; aber nit (
steht dir zu) die göttliche lehre zu sudlen H. Fabricius
bew. hist. (1599) 7; der hund springt an ihm auf und sudelt sein gewand Harsdörfer
frauenz.-gesprächspiele 8, 177; ein hertz von lastern rein, und hände, welche nicht mit blut gesudelt seyn Rachel
sat. 59
ndr.; poetisch: dasz mir kein giftiger duft sudle das blut! H. v. Kleist 4, 304
Schm.; '
etw. im schmutz herumziehen': samir box luss, ich wil dich schlahen, tretten und sudlen (
v. j. 1437)
nach Staub-Tobler 7, 328; wie dann der frome keiser, Fridericus 1. do in der bapst Alexander 3. wol an der erden gesudelt, und mit füszen getretten, hat thun müssen A. Musculus
v. jüngst. tag (1557) k 7
a;
besonders mit präp. in '
eine sache in etw. beschmutzen': itzo da die noth den soldaten zu exorbitiren antriebe, were unbarmhertzig und im gewissen nicht zuverantworten, wan man die hände im blute sudeln wolte B. Ph. v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 72; denn das ist desz teuffels eigen art unnd ampt, dasz er seinen rüssel in der armen menschen sünden suddelt, wület und rüttelt Conr. Porta
laster- u. lügenteuffel in: theatr. diabol. 2, 145
b; haben sie ihm denselben (
rock) ausgezogen, aus zorn ... zerrissen, und in dem blut eines jungen zigenböckleins, so sie zu dem end geschlachtet, herum gesudelt J. v. Hirschfeld
Joseph (1671) 37; er sudelt nimmer seines schwertes spitze im kranken herzen kriegsgefangner blutig
M. Waldau
o diese zeit (1850) 51;
bildlich '
mit schmutz bewerfen, beschimpfen': stüende ir meister K. an den weg und südlote sy (
v. j. 1483)
nach Staub-Tobler 7, 328;
neutraler '
mit etw. bestreichen, bepflastern',
vgl.soddeln
linere (
voc. d. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 331
a, sudlen
collinire Maaler 395
b;
rotwelsch für '
färben' Anton
gauner- u. diebsspr.3 71. 1@bb)
reflexiv sich sudeln '
sich beschmutzen',
wie heutiges sich besudeln,
vgl. ich hab mich gesudlet und beschissen
concavi me Frisius 275
a; si südle
conspurcare se Schmidt
id. Bern. 65: besser sey, sich halten zun herrn, ... denn dasz man sich mit bauren hudel und an iren mistwagen sudel Rollenhagen
froschm. (1621) k 1
a; ist das der dank zuletzt? wer sich mit solchen kleyen vermengt, der sudelt sich Rachel
sat. 86
ndr.; bildlich '
sich mit unangenehmen dingen abplagen': wenn du ja gesinnt bist, etwas reali in kurtzer zeit zu erlangen, so sudel dich nicht mit geringen metallen J. R. Glauber
lib. dial. (1663) 43; er sudelt sich den tag mit groszen sorgen, hat kein verdientes brod, musz leihen, borgen G. Treuer
deutsch. Dädalus (1675) 1, 186;
namentlich mit präp. in '
sich im schmutz wälzen',
entsprechend sich suhlen: den gantzen langen weg, wo es nur pfitzig und katecht ist gewesen, (
haben) solche verwundte wölf sich darin gewült und darum darinn gesudellt ..., damit sie ... das bluten möchten stellen Sebiz
feldb. (1579) 615;
besonders vom schwein, in vergleichen: die da sich begeren in sünden mutwillig sich zu süddeln wie ein sau im kot Luther 28, 580
W.; solche schwyn, die muosz ich mesten wol mündt sich sudlen in dreck und kot
schweiz. schausp. d. 16. jh. 2, 194
Bächtold; saufft ihr euch voll, so ligt ihr do und sudelt euch wie sonst ein schwein B. Krüger
v. d. bäur. richtern 66
ndr.; denn die seue hetten sich so voll gesoffen, das sie sich im rinnstein gesudelt hatten C. Hennenberger
preusz. landtaffel (1595) 485; aber toll und voll seyn, ist, den bösen esel vollend in den misphuhl werfen, da er sich doch genug ... sudelt J. Böhme
schr. (1620) 4, 42;
im bilde: wer ist, der sich nit südel in der katlachen und in dem unflat Geiler v. Keisersberg
emeis (1516) 21
a; (
der kaiser) sudelt sich in schand und laster grob J. Ayrer 2, 802
K.; denjenigen, welche ... noch würcklich sich in diesem laster der hurerei herumb sudeln und weltzen
schädl. hurenliebe (1692) 116;
noch mundartlich: chlei maideli hudle di, gang in d bach unn sudle di
bei Martin-Lienhart 2, 328. 1@cc)
intransitiv '(
im schmutz)
wühlen, sich wälzen',
in der regel mit präp. in: keyne säu ... soll man auf wisen treiben, dann sie sudlen sehr im grund Sebiz
feldb. (1579) 458;
bildlich: disre kotlach unkeuschait gefalt im so wol, in ir zu sudelen Geiler v. Keisersberg
siben hauptsünd (1510) ff 4
a; ich mag nicht mehr in dem ... teufelsdreck und stank suddeln Luther 8, 232
a Jen. ausg.; (
den) gerechten ... nicht alleine todten, sondern nach yhrem mutwillen ynn yhm wülen und suddeln 19, 559
W.; wo den ungelerten laien in der bibel irem gefallen und fürwitz nach zuo wülen und zuo sudlen soll zuogelassen werden
F. Staphylus
christl. gegenber. (1561) m 1
b;
nach 3
übergreifend: will einer im glauben sudlen, strauchen und sich selbst aufwerfen, so ermisz die zeichen Paracelsus
op. (1616) 2, 172
b;
ohne lokalangabe tropisch '
sich im staube wälzen, schön tun': da musz ein armer gesell zu füszen liegen ..., musz paulen und sudeln wie ein esel und der freundschaft fuszhader ... sein H. Decimator
hochzeitpred. (1601) r 3
a;
mit 2
vermischt '
schmutzige arbeit tun': er muost im wuost gon, in dem erdtreich sudlen Geiler v. Keisersberg
evang. (1517) 118
b. 22)
aus 1 c
entwickelt intransitiv '
sich mit schmutzigen dingen abgeben',
besonders bezüglich der arbeiten, vgl. sudelen,
allerhand sudelichte arbeit oder sudelarbeit thun Kramer
niderhocht. (1719) 210; sudelen
sordes tractare Frisch
t.-lat. 355, sudelen und brudelen, geringe küchenarbeit und andere schmutzige arbeit thun müssen
ebda, sudlen
squalidas res tractare Schmidt
idiot. Bern. 7, 327;
vgl.suddeln schmutzen, im unreinen arbeiten Dähnert 472
b: hausz keren und winkel waschen und südeln und prüdeln in der aschen
fastnachtsp. 1336
K.; und so sie (
die gefangenen) ... zu alt werden, alsdann braucht man sie in das fremdenzimmer oder müssen ... in der kuchen sudlen S. Münster
cosmogr. (1550) 1581; andere sollen ihre sclaven sein; die sollen vor sie suddelen, sich placken, arbeiten, kochen und braten und ihnen zutragen J. G. Reinbeck
nachricht von Gichtels lebenslauf (1732) 67.
mehr '
grobe arbeit tun': sonst findt man etliche aufm land die haben ihr tegliches brot, doch prudeln und sudeln ohn not: wolln lieber pferd und ochsen treibn dann beten, singen, lesen, schreibn Hollonius
somn. vit. hum. 64
Sp.; ähnlich '
über schwere arbeit klagen',
vgl.sudeln und prudeln
cum homines de gravitate laborum conqueruntur Besold
thes. (1697) 2, 572
a;
aufs unsittliche handeln übertragen: (
er hat) benamen durch die nacht nit gar ein süberlichs leben gehept, sondern wüest gesudlet (
v. j. 1534)
bei Staub-Tobler 7, 89;
namentlich vom hantieren mit (
schmutzigen)
flüssigkeiten, der entsprechenden bedeutung von 1sudel
folgend: das sie ... der arbeit des feuwers, russes und lutirens, wachens (
l. waschens?) und sudlens nicht gewohnt L. Thurneyszer
alchym. (1583)
vorr. 3; '
abspülen': soll niemant ... bei dem obern prunnen ... sein gesind weder fleisch noch anders waschen noch sudlen lassen
österr. weist. 5, 460;
verächtlich '
herumplantschen': die mehrern (
doctoren) auch nach völligem abzug der kranckheiten mit ihren artzneyen sudlen und prudlen Guarinonius
greuel (1610) 966; das kind war bald beim brunnen, bald beim weiher, denn sudle und dreckele ist allen kindern angetan J. Gotthelf
ges. schr. 19, 39; das mischen, sudlen und manschen ist dem menschen angeboren Göthe II 3, xxii
W.; vgl. mundartlich sudla
unordentlich waschen, mit waschen spielen und beschmutzen Bühler
Davos 2, 35; sudlen
viel im, mit wasser arbeiten, das wasser trüben, im wasser plätschern Fischer
schwäb. 5, 1951; su'ln
im wasser arbeiten, schmutzige arbeit verrichten, plansə su'ln
die wurzeln von setzlingen in einen erdbrei tauchen Lenz
Handschuhsh. 70
a; sudlen
flüssigkeiten verschütten, geschirr spülen Follmann
lothr. 512
a; sudelen
mit den händen im wasser herumspielen Christa
Trierer ma. 208;
entsprechend 1sudel '
jauche' sudln
mit jauche düngen Göpfert
erzgeb. 40,
vgl. Müller-Fraur. 2, 588
a; sudlen (
von kühen)
eine zähe, schmutzige masse entleeren Staub-Tobler 7, 327;
pejorativ vom regnen, so vom unwillkommenen regen ebda; '
in strömen regnen' Unger-Khull 599
b, '
sachte regnen' Jungandreas
schles. zeitw. 75, '
anhaltend leicht regnen' Fischer
schwäb. 5, 1951;
ob hierher sudeln '
branntwein schenken'
? ostfries. in: Frommann
d. dtsch. maa. 4, 28,
vgl. aber sudeln '
aushökern, verkaufen' Stürenburg
ostfries. 272
a;
allgemeiner '
unsauber sein, unreinlich verfahren',
vgl.suddeln '
unreinlich seyn' Schütze
holst. 4, 221, söddeln '
unrein zu werke gehen' Strodtmann
Osnabr. 220;
mit präpositionaler fügung, namentlich mit: sudeln mit etwas, sudelhaft damit umgehen
to soil, sully a thing Ludwig
t.-engl. (1716),
vgl. Staub-Tobler 7, 327;
ebenso in,
bildlich: wer so häufig und so arg in der sprache sudelt, der muszte sich doch einen wohlgeschulten spiritus familiaris halten zum aussäubern J. H. Voss
antisymb. 1, 128. 33)
aus 2sudeln 2
entwickelt sich bereits im frühnhd. sowohl trans. wie intrans. verwendet, vielleicht unter mitwirkung von 1sudeln 2
und namentlich des beide begriffe vereinigenden subst. 1sudler,
die bedeutung '
unreinlich, unsauber, nachlässig, schlecht, stümperhaft arbeiten',
vgl.sudelen
trattar le cose sporramente, lordamente, fretten, stümpelen Kramer
wortbuch (1678) 1032
a; sudelen '
grob, plump, ungeschickt arbeiten'
hochnidert. (1719) 2, 210
b; sudeln '
etwas nachlässiger traktieren, obenhin thun wie man einen teller oder schüssel abwäscht' Frisch
t.-lat. (1741) 355;
ebenso mundartlich verbreitet, vgl. sudlen '
unordentlich, obenhin arbeiten' Staub-Tobler 7, 327; sudlen '
eilig und schlecht arbeiten' Fischer
schwäb. 5, 1951; sudelen '
schlecht und leichtfertig arbeiten' Martin-Lienhart 2, 328
a; sułłn '
schmutzig, schlecht, nachlässig arbeiten' Crecelius
oberhess. 827; suddeln
von nachlässigen arbeiten gebraucht Danneil 216
a, zuudn '
ungeschickt hantieren' Teuchert
neumärk. 216. 3@aa)
in allgemeinster verwendung vom arbeiten aller art, das oberflächlich und nachlässig verrichtet wird, '
pfuschen',
vgl. hinsudeln: (
sie) duont doch nit arbeyt als man sol, dann man hyen sudelt yetz all ding, das man sie geben mög gering ('
billig') Seb. Brant
narrensch. 50
Z.; wann sie nur waidlich hudlen und sudlen Wickram
w. 2, 122
B.; wenn gott nicht geyt ('
gibt'), so hilft kein arbeit und hümpelt und sudelt mancher hümpler so lang an einem werck, ... das er sich selber seines eygen wercks schemen musz Mathesius
ausgew. w. 179
L.; uf die gütter achtung zu geben, ob die ieder arth recht gebawen und da ein art unterlassen oder sonst gesudelt und nicht recht gebawen (
wäre) Mader
reichsrittersch. mag. 10, 560 (
v. j. 1590)
nach Fischer
schwäb. 5, 1951; mit der wäsche nur sudelen
lavacciare Kramer
t.-it. 2, 1037
b; heut vor acht tage schickt mir der kerl ein paar (
ringe), so gehudelt und gesudelt. marsch, er soll neue machen! Göthe IV 2, 72
W.; mundartliche weiterbildungen: sud'ln '
langsam tun, womit nicht vorwärtskommen' Schöpf
tirol. 727; sudlen '
kleinigkeiten waschen' Staub-Tobler 7, 327. 3@bb)
in besonderer anwendung der bedeutung 1 a
nahe bleibend früh auf das nachlässige, schlechte, flüchtige und daher unreinlich aussehende schreiben übertragen, s. schmieren,
auch scherzhaft oder verächtlich für schreiben überhaupt; schriftsprachlich ebenso verbreitet wie dialektisch, vgl. sudelen,
schmieren, stümpelen, mit schreiben ... nur sudlen
male scribere Duez
quat. ling. (1664) 505
a; sudeln '
liederlich hinschmieren als die übereilenden, nachlässigen, ungeübten schreiber' Frisch
t.-lat. (1741) 355,
s. Fischer
schwäb. 5, 1950, Staub - Tobler 7, 327, Martin - Lienhart 2, 328
a, Hügel
Wien. 161
u. s. w.: alles in yl gesudlet (
unter einem brief v. j. 1542)
nach Fischer
a. a. o.; ich mein, das sige gsudlet ein mall gnuog (
v. j. 1554) Th. Platter
bei Staub-Tobler
a. a. o.; (
diese handschrift ist) von mir — wenn ich sudle Lavater
physiogn. fragm. 3, 118; ich bin froh, wenn ich mir so viel (
zeit) gewinnen kann, an meine freunde ... ein wenig zu sudeln Wieland
in: ausw. denkw. br. 1, 291; du sieszt an meiner hand, dasz ich nicht so strudele und sudele wie sonst Göthe 19, 119
W.; hinterdrein einen brief zu sudeln IV 3, 7; ein kerl wie der mit dem degen mehr auf die gesichter geschrieben hat als drei schreiber in einem schaltjahr ins befehlsbuch sudeln Schiller 2, 225
G.; verzeihen sie diesen nach form und inhalt gesudelten brief, die post brennt mir auf den nägeln Bismarck
an Gerlach, briefwechsel 299;
etwas anders '
kleckse machen': die feder sudelte, der stift blieb stecken Immermann 19, 211
Boxb. 3@cc)
nahe an der eigentlichen bedeutung 1 a
bleibt auch die übertragung auf pfuscherhaftes, schlechtes oder flüchtiges malen oder zeichnen, vgl. schmieren,
klecksen,
mit ... mahlen nur sudlen
male pingere Duez
quat. ling. (1664) 505
a; sudeln wie die ungeschickten mahler Frisch
nouv. dict. (1730) 543: ... auch ist bey euch in gunst die schwester der natur, die schöne mahlerkunst; urtheilet recht und wol, was gute meister heiszen und was gesudelt sey Opitz
t. poem. 234
ndr.; wann die jugend in den schulen, wie ingemein geschiehet, zuweilen auf ihr papier männlein, thiere, städte, schiffe und dergleichen sudlet, und auch wol mit farben zu klecken begierig ist, nehmen hiervon die eltern ursach zu sagen: mein kind kan und sol mir ein maler werden! v. Sandrart
academie (1675) 3, 58; eine so schöne gruppe, als jemals von einem mahler in Athen, Paris oder Peking gezeichnet, gemahlt oder gesudelt worden sein mag Wieland
s. w. (1794) 7, 130; wäre der junge mann ... der sohn eines mahlers, hätte er von jugend auf gekritzelt und gezeichnet, angestrichen und gepinselt, gesudelt und gemahlt Göthe IV 40, 20
W.; gesudelte coulissen I 37, 226; es hängt zur seite dicht dabei elend gesudeltes conterfei Gaudy
s. w. 4, 14; er meint es gut, aber gesudelt ist nicht gemalt A. Ruge
briefw. u. tagebuchbl. 2, 347
Nerrlich. 3@dd)
analogisch im bereich des künstlerischen schaffens weitergeführt in anwendung auf das nachlässige, schlechte, flüchtige spielen des schauspielers: eine rolle ..., die er, möchte man sagen um einen ausdruck vom mahler zu borgen, nur sudelte Tieck
schr. 5, 464; es (
das lustspiel) ist mit vieler guter laune gespielt worden, ob es gleich nicht zum besten einstudiert war, und unsere schauspieler, wie sie wissen, gern sudeln, wenn sie nicht durch den vers in respekt erhalten werden Schiller
briefe 7, 41
Jon.; kann etwas abscheulicher sein, als in den proben zu sudeln? Göthe 22, 22
W. 3@ee)
abgezogener und wohl von 3 b
her entwickelt (
vielleicht unter einflusz von 1sudeln 2
bei der vorstellung des schmutzigen [
vgl.sudelkoch],
unfertigen oder chaotischen)
im sinne '
mangelhafte, unverständige oder oberflächliche arbeit tun in bezug auf geistiges schaffen'
; wo es den literaten angeht, ist auch übertragung von 3 c
her möglich; vgl. sudelen,
zusammenschreiben ohne ordnung Kramer
wortbuch (1678) 1032
a: was jüden, Mahmet und andere hie suddeln mit iren glosen, achten wir nichts Luther 8, 157
a Jen. ausg.; die grosze schwürigkeit macht, dasz der dichter sudelt Chr. Günther
ged. (1735) 1097; das ist doch unleidlich, was die kerle in Halle sudeln! und in was für einem tone Lessing 17, 243
L.-M.; dasz gerade die schriftsteller, die als menschen einen bösen geruch haben und verschrien sind, sich aufwerfen, das menschliche geschlecht zu bessern und allerlei satyren zu sudeln
M. Claudius
Sethos (1777) 1, 95; nur schmerzt es mich dasz mancher mann (
als tragödiendichter) gesudelt Platen
w. 2, 321
R.; übrigens sind die märchen sehr obenhin gesudelt Cl. Brentano 9, 142; denn kurz, das ist ein kerl, der bücherurtheil sudelt J. H. Voss
s. ged. 6, 113; suddle auch kritiken und andere aufsätze hin. so wie du sie suddlest, so sind sie immer noch besser wie die von krethi und plethi Lepel
vierz. jahre 195.