verwandeln,
v. ,
ahd. farwantalon Graff 1, 765;
mhd. wb. 3, 701; Lexer 3, 293; Haltaus 1908;
in den älteren nhd. wbb. allgemein, z. b. Diefenbach 21
b; 136
b; 288
a; 374
a; 379
a; 428
a; 592
c; 593
a b;
voc. (1482) k k 1
b; 3
b; Er. Alberus 55
b; Frisius 295
b; 1364
b; Stieler
stammb. 2501; Steinbach, Adelung, Voigtel, Campe.
mnd. Schiller-Lübben 5, 495;
mndl. Verwijs-Verdam 9, 270;
in mundartwbb. selten gebucht: schwäb. Fischer 2, 1400; Sartorius
Würzburg 131;
lux. ma. 468;
ostfries. Doornkaat-Koolman 1, 470;
nordfries. Jensen 118.
der gebrauch ist durchweg transitiv. nur im mhd. begegnen verbindungen mit dem genitiv: e daz ich dises libes ferwandele
diutisca 2, 290; wand ich der werlde verwandelt habe Ebernand v. Erfurt 3901,
vgl. das leben v. (
s. u. 4). II.
veraltete gebrauchsweisen: I@11)
ahd. farwantalom
mutuor, '
leihe, entlehne' Graff 1, 765. I@22)
mhd. v.,
hin- und herbewegen: als in (
den vanen) der wint hette verwandelot, so luhte dar ane daz golt rot
Rother 3534
F.-K. I@33)
zerstören, aufheben: ubir vierzig tage dô wirt verwandelt Ninive
speculum ecclesiae 70
K.; vor leide hete Hagene vil nâch verwandelt den sin
Nib. C 452
Z. ähnlich reflexiv: wann das im die kraft entgee und die sinne sich anfahen zuo v. H. Braunschweig
chirurgia 74
b; diesen zweyen ward ihre hoffnung auch bald verwandelet und entzwey gespalten
buch der liebe (1587) 106
a.
rückgängig machen: daz er di gift nicht vorwandelt hât
d. alte kulmische recht 4, 13.
ungeschehen machen, wieder gutmachen: den schaden, den flust v. Lexer; sundet ein mensch wider den andern, daz mag er lîhte verwandeln Heinrich v. Melk
priesterleben 331
H. I@44)
mhd. sehr häufig den lîp, daz leben v.,
sterben, s. mhd. wb., Lexer,
vgl. u. 5. I@55)
vertauschen. mhd.: diu kleider ir beider wâren verwandelt under in Gottfried v. Straszburg 12595. v.
als rechtshandlung: einen weingarten v. oder verkoufen (1335), daz wir auz dem selben hof icht verwandelten oder enphremedeten (1378)
bei Lexer; gleichwie die eintzeln heusser und ecker in den stetten vorwandelt und vorkauft von einem herrn zum andern kommen Luther 10, 1, 1, 550
W. vgl. ähnlichen gebrauch u. III.
hierher wohl auch: man sagt, wie ir so schlecht seien zuo der pfar, die ir haben; ir müssen permutieren und die verwandlen Pauli
schimpf u. ernst 61
Ö. in älterer zeit nicht selten v. mit etwas: die linde het alle ir pleter verwandelt mit morgenstern
nonne von Engelthal 16, 28; sie den spyndelkorp, die kunckel und die wybische übung mit den geschossen ... verwandlen thet
Terenz deutsch (1499) 81
b; nit lang darnach ... verwandlet er daz leben in einer kutten mit dem todt Seb. Franck
zeytb. (1531) 170
a; Stumpf
Schweizerchronik 261
a;
vereinzelt noch im 18.
jahrh.: so hat er den adelstand mit dem bauerstand verwandelt
Leipziger avanturieur 2, 166. I@66)
frühnhd., etwas an einen andern ort bringen, versetzen, verlegen: transferre Diefenbach; das ... bisthum ... ist gleich erstlich von D. von Windisch gen Costentz verwandlet worden Stumpf
Schweizerchronik 401
a; den keyserlichen sitz nach Damasco zu v. S. v. Birken
verm. Donaustrand 170.
auch übertragen, auf einen andern beziehen: Marie psalter, darinn alle psalmen, so sonst auf gott und seinen gesalbten oder Christum gericht, durchausz auf Mariam verwandelt und gestellt worden Fischart
binenkorb (1588) 29
b. IIII.
gewöhnlich in ähnlicher bedeutung wie verändern,
aber nur selten von geringfügiger veränderung: und begreift clima ein solich breite spacium ..., das der tag von anfang des clima bisz zuo seinem auszgang sich verwandlet auf eine halbe stund Seb. Münster
cosmographey 37.
meist von veränderungen, die so erheblich sind, dasz ihr object zu etwas anderem wird oder zu werden scheint; in den ältern wbb. mit alterare, traducere, transfigurare, transformare, mutare, com-, de-, per-, transmutare, variare, vertere, con-, invertere wiedergegeben. II@11)
ohne ergänzung. II@1@aa)
transitiv. II@1@a@aα)
von personen: ich bin herr und wirt nit verwandelt Berthold v. Chiemsee 262; und dieser (
Simon von Cyrene) sey ... gekreutziget und von ihm verwandelt worden, dasz man ihn vor Jesum angesehen Arnold
kirchen- und ketzerhist. (1699) 66
b; staunen ergreift mich, da dich der zaubertrank nicht verwandelt J. H. Vosz
Odyssee 182
B. von innerer verwandlung: die aber noch im leben sind, die wil ich (
Jesus) in eim nu geschwind verwandeln und vernewen Ringwaldt
evangelia C 1
a; bis in das 16. jahrhundert hinein, wo hasz und zwietracht von innen und neid und hinterlist von auszen die Deutschen zu v. anfingen E.
M. Arndt
schriften für u. an s. l. Deutschen 1, 233. II@1@a@bβ)
von sachen; sinnlich: unt Cayn wart groslich erzurnt, und sein antlitz wart verwandelt 1.
deutsche bibel 3, 55
K.; ir farb thät sie verwandeln, ir äuglein sie verkehrt Mittler
volkslieder 395; (
wer wein probieren will,) soll auch nichts essen, das scharpf oder versaltzen sey, dann alle solche ding verwandlen den geschmack im mund
M. Herr
feldbau 101
b; jedoch ein wapenbrief, den man so hoch erhandelt, hat auch die kräfte schon, dasz er das blut verwandelt Benj. Neukirch
gedichte 137.
vorgänge in der natur: Virgilius will, daz sye (
die toten bienen) widerkummen usz eins abgestorbenen farren cOerpel, gleichwie die wespen und hornussen von den rossen, die schrOeter von den eselen, das also die natur ye eins durch das ander verwandel Eppendorf
Plinius 11, 187,
besonders klimatische vorgänge: das der luft verwandelt wirt und mAenig unwetter birt Mone
schauspiele d. mittelalters 1, 165; wenn sie (
die schönheiten der natur) nicht ... durch den wechsel der jahreszeiten verwandelt würden
F. Th. v. Schubert
verm. schr. 1, 4.
von der transsubstantiation: das die substantz des brotz verwandelt werde Vogelgesang-Cochläus
trag. Joh. Hussen 21
ndr.; 'trink des brantweins einen becher, heilger!' flehte Jacopone. 'gib ihn mir, ich will zur messe ihn verwandeln!' spricht Benone Brentano
ges. schr. 3, 234.
von wort und schrift: do er (
gott) ine die sprach verwandelte 1.
deutsche bibel 3, 463
K.; das wir die lange predigte ... verwandelt und geendert haben Luther 28, 201
W.; das er (
Luther) ... aus seynen schriften nicht die wenigsten silben v. wölle
bei Luther 15, 266
W. von wesensart und eigenschaften: das erklang also sszeklich in sinen oren, daz ellú sin natur verwandlet ward Seuse 69
B.; so ein herr sin besten und wysesten diener und rät verlürt, und das er sine guoten sitten an inen verwandelt
buch der beispiele 39; mir aber hast du den sinn verwandelt, und unter den wilden thieren will ich lieber hausen als hier G. Freytag
ges. w. 9, 131.
von sonstigen abstracten: daz ewig gesatz, das ouch nimmer mag abgethon noch verwandlet werden Zwingli
d. schr. 1, 311; wurde also der lombardische vater späterhin priester, so verwandelte er zwar sein eigenes recht, aber nicht auch das der kinder Savigny
gesch. d. röm. rechts 1, 115; das vorurtheil des volks verwandeln ist nicht so leicht als um zehntausend opfer handeln J. R.
M. Lenz
gedichte 247
W.; er ist geboren, die welt zu seinen füszen zu verwandeln Göthe 9, 288
W. (
Mahomet 285).
im modernen sportjargon eine günstige gelegenheit zu einem treffer ausnützen: (
ein sportclub) konnte einen ... zugesprochenen elfmeter nicht verwandeln
der kicker (1930) 342; dasz der halblinke J. durch einen schönen kopfball und eine forsch verwandelte flanke zwei einwandfreie tore einbringen konnte 559. II@1@bb)
sehr oft reflexiv; von personen, mhd.: dî engel wîlen durh dih dî verwandelôten sih Hartman
glaube 2567
v. d. L.; hât er (
der ungerechte) sich verwandelôt, sô verchiuset ez got, alsô mag er werden gotes chneht Waag
kleinere d. ged.2 72; got ist ein unde verwandelt sich niht meister Eckhart
mystiker 2, 321
Pf. nhd.: wer wolt den mann erfinden wohl, der sich gar nicht verwandeln soll, wann er thun kann alles, was er will, und ihm die ehr geschicht zu viel Lehmann
florileg. polit. (1662) 1, 226.
von veränderung der gesichtsfarbe: do verwandelt sich ir farbe vor freuden und ward rot Warbeck
Magelone 22
B. von der sprache: nicht allmählich verwandelten sich die sprachen Herder 5, 132
S. von geistigen werthen: dise evangelische warhait aber hat sich gar bald verwandelt Nas
antipapistisch eins und hundert 1, 160
b; ich het gemeint, wer stet vereint, das lieb nit solt verwandeln sich Forster
frische liedlein 58
ndr.; aber wie gänzlich hatte sich inzwischen der protestantismus verwandelt! Treitschke
hist. u. pol. aufs. 1, 53.
von sonstigen abstracten begriffen: doch hat das glück sich bald verwandlet
welsch gattung 1248; die zeit hat sich verwandelt, die menschen haben sich gebösert Pauli
schimpf und ernst 20
Ö.; im universum der poesie selbst aber ruht nichts, alles wird und verwandelt sich
F. Schlegel
pros. jugendschr. 2, 285
M. sehr oft von der verwandlung auf dem theater: der schauplatz Chr. Reuter
d. ehrl. frau Schlampampe krankheit u. tod 135
ndr., die scene verwandelt sich Schiller 14, 287
G.; dann verwandelte sich das theater zur vorstellung eines allegorischen ballets
F. M. Klinger
w. 3, 28. II@1@b@gγ)
sehr häufig ist das part. prät., namentlich von innerer umwandlung, die mit menschen oder mit allgemeinen verhältnissen vor sich gegangen ist: was kunt meer umbgekart oder verwandelter sein, dann du bist, Erasme?
bei Hutten 2, 241
B.; Rebekka, was ist mit dir vorgegangen? du bist ja wie verwandelt Holtei
erz. schr. 18, 214; der knabe war seitdem wie v., das träumerische wesen gänzlich von ihm gewichen A. v. Droste-Hülshoff 2, 278
Sch.; o wie ist mein gemüt verwandelt H. Sachs 1, 39
K.; sein verwandelt herz Schiller 14, 39
G.; die verwandelte welt Scherer
literaturgesch. 53; sein verwandeltes vaterland 198; der verwandelten zeit Treitschke
histor. u. polit. aufs.5 2, 271.
seltener vom äuszern: wie siehe ich euch so gar entferbt und v.
Aymont g 5
b.
in botanischer terminologie: 'v.,
mutatus, wenn ein pflanzengebilde sich so umwandelt, dasz es als ein ganz anderes erscheint, z. b. der fruchtkelch der eicheln Behlen
forst- u. jagdkunde' 6, 144; Bischoff
wb. d. beschreib. botanik 46; 127. II@22)
viel häufiger in verbindung mit präpositionalen wendungen; selten zu etw. v.,
mhd.: mit dir diu vinstere wart zuo dem liehte verwandelôt Waag
kleinere d. gedichte2 149;
nhd.: dem bildhauer verwandelt sich alles zu gestalten Hegel 10, 1, 55.
gewöhnlich in etwas v.:
mhd: sîn bilde in engelvarwen schîn verkêret und verwandelt Konrad v. Würzburg
Alexius 1176
G. nhd. auch aus etwas in etwas anderes v.: ebenso verwandelte sich unter den händen des Corneille der streit der Horazier aus der historie in ein gedicht Ramler
einleit. in d. schön. wissensch. 1, 29; so dasz dasselbe aus einem römischen clientelstaat in eine römische provinz verwandelt werden konnte Mommsen
röm. gesch.4 3, 60; ich (
war) kurze zeit darauf aus einem unbedeutenden klosterzögling in ihre excellenz frau gräfin H., ministersgattin verwandelt v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 311. II@2@aa)
verwandlung durch übernatürliche kraft; durch göttliche wirksamkeit: zugleich als das brot in seinen warhaftigen, naturlichen leichnam und der wein in sein naturlich, warhaftig blut vorwandelt wirt Luther 2, 749
W.; als da er wasser in wein verwandlet Ferdinand II. v. Tirol
speculum vitae hum. 18
ndr.; o Wien! ... sihe, wie dich der allerhOechste so bald kan in ein bestrtztes Egypten v. Abraham a
s. Clara
mercks Wien (1680) 116; wann ich mit gott durch gott in gott verwandelt bin Angelus Silesius
cherub. wandersmann 23
ndr. durch zauber: das ir die vogel in die visch verwandelt hie auf dissem tisch
pfarrer von Kalenberg 39
ndr.; (
Arachne wurde) durch die neidische Minerva in eine spinne verwandelt Göthe 24, 308
W.; das sind deine zwölf brüder, die sind nun alle in raben verwandelt worden und sind verloren auf ewig
kinder- und hausmärchen 1, 28; eine durch zauberers spruch erstarrte, in stein verwandelte, wilde, brausende see Arent-Conradi-Henckell
mod. dichtercharaktere 131.
auch bildlich: die königin, wie in stein verwandelt, stand immer noch vor der brandstätte G. Freytag
ges. w. 8, 206.
oft reflexiv: gar schwind er sich verwandeln was in einen ungehewren trachen H. Sachs 7, 407
K.; wie die schönste nymphe in den umschlingenden armen in lispelnden schilf sich verwandelte Sal. Geszner
schr. 1, 47; bei pferden übrigens fällt mir gleich ein: reiten muszt du, und wenn ich mich selbst in ein pferd v. sollte, um dich zu tragen Bismarck
briefe an braut u. gattin 32.
vom teufel: wann er selb Sathanas verwandelt sich in einen engel des liechts 1.
deutsche bibel 2, 134
K.; Agricola 750
teutscher sprichwörter (1534) C 3
a; Fischart
binenkorb (1588) 8
b; Moscherosch
insomnis cura parentum 107
ndr.; Klopstock
Messias (1780) 274; als sich aber der teuffel in die gestalt desz frommen ritters verwandelte
buch der liebe (1587) 118
d; da er sich in ein schlang verwandelt Lehman
florileg. polit. (1662) 1, 360. II@2@bb)
verwandlung durch physiologische vorgänge in der natur: die ader ausz der rechten seiten der hOele desz hertzens fhrt das subtilest blut herausz, welches in das fleisch der lungen verwandlet wird Ruoff
hebammenbuch 22; weil in dem magen eine heftige säure und schärffe ist, welche ... die eingenommene speise stracks in eine schädliche materiam verwandelt J. G. Schmidt
rockenphilosophia 1, 116; wenn ... ein ... frost die wasser in ... eis verwandelte E.
M. Arndt 1, 26
R.-M. reflexiv: dasz dieser ... blattstiel gleichfalls eine neigung habe, sich in blättergestalt zu v. Göthe II 6, 35
W.; wenn ... bewegung sich in wärme verwandelt D. Fr. Strausz
schr. 6, 139; dasz die insekten erst eier, dann larven, dann puppen seien und sich dann erst in das vollkommene insekt v. Roszmäszler
der mensch im spiegel d. natur2 92.
von der verwandlung des körpers durch den tod: der wurm der verwesung, der meinen leib nun bald in staub verwandelt Ch.
F. Schubart
sämtl. ged. 1, 143. II@2@cc)
verwandlung durch menschliches thun, durch geschehnisse innerhalb der menschlichen gesellschaft: II@2@c@aα)
von personen; durch verkleidung: das er ... sich antüg und verwandle in ain gestalt ains karchers Nic. v. Wyle
translationen 47
K.; die ganze gesellschaft sasz da, verwandelt in possierliche masken einer tollen faschingsnacht
F. M. Klinger
werke 3, 80.
durch veränderung sozialer verhältnisse: (
damit ich) vermögend wär, im hui den reichsten bettler in einen armen reichen zu verwandeln Lessing 3, 23
M. (
Nathan); einige ... nachbarn, welche ihre leibeigene ... in erbpächter verwandelt haben Just. Möser
sämtl. w. 3, 233; wie viele gesellen konnten sich in meister verwandeln? Holtei
erz. schr. 18, 62.
durch veränderung des verhaltens, der handlungsweise: so haben auch diese (
die dominikaner) viel giftige sünder in buszfertige verwandelt Abraham a
s. Clara
mercks Wien (1680) 35; der blosze name hätte mich in einen tugendpriester v. können Fontane I 4, 329;
reflexiv: wenn der gute, wie gewöhnlich, nun in den bösen sich verwandelt
F. M. Klinger
neues theater 1, 186; schon im nächsten augenblick verwandelte sich das junge, nach freundschaft schmachtende mädchen in die vornehme, in selbstzufriedener ... unnahbarkeit ruhende gesellschaftsdame Spielhagen 2, 189.
durch veränderung der beziehung zu andern: ein hübsches mädchen ... findet zuverlässig einen liebhaber, welcher lust hat, sich in einen ehemann v. zu lassen Hippel
über die ehe 15; einen nützlichen freund in einen gefährlichen feind zu v. Schiller 8, 22
G. II@2@c@bβ)
ebenso von begriffen, die metonymisch für personen stehen oder etwas von personen aussagen: ach, dasz sich nicht die seel in dich verwandeln kan! Lohenstein
Sophonisbe (1680) 32; verwandelt ihr euer leben so in einen ... reinen gottesdienst Miller
predigten fürs landvolk 1, 82; meinen adel in den freyherrnstand zu v.
theater d. Deutschen 12, 274.
von gefühlen, empfindungen und deren äuszerungen: owe wie ist min grosze freid so gar verwandlet in pin und leid! Mone
schausp. d. mittelalters 2, 327; wann du hast verwandelt mein klag in ein reyengesang den tag H. Sachs 18, 130
G.; P. Gerhard
bei Fischer - Tümpel
kirchenlied 3, 350; Gottsched
gedichte 1, 338; grosze angst in schimpf (Steinhöwel
Äsop 116), ruhm in klage (Luther
bibel 5, 146
Bindseil), zorn in mitleid (Knigge
roman meines lebens 2, 124), hochachtung in liebe (Lessing 2, 115
M.), sanftmuth und liebe in raserey und blutdurst (maler Müller 1, 306), aufregung in ohnmacht ( v. Ebner-Eschenbach 4, 47) verwandeln.
oft reflexiv: mein unglück ... hat sich wiederumb in frewden verwandelt
engl. comedien u. tragedien (1624) Q 5
b; hasz verwandelt sich in verwunderung (Lohenstein
Arminius 1, 6
b), liebe in hasz (Bräker
sämtl. schr. 1, 104), freude in widerwillen (G. Hauptmann
bahnwärter Thiel 29).
von eigenschaften: dardurch (
wird) der unersAetlich geitz verwandelt werden in einen gebrlichen gengen H. v. Cronberg
schr. 3
ndr.; da leget obbenanter bischof Niclaus von ihm alle kargheit und verwandlet den anerbornen geitz in ein sOelche miltigkeit Stumpf
Schweizerchronik 403
a; seine gemeinnützigkeit verwandelte sich in egoismus fürst Pückler
briefwechsel u. tageb. 1, 128.
von der sprache: in Frankreich, Spanien und Italien verwandelte sie (
die römische sprache) sich nach und nach in drey neue sprachen
bibl. ält. schriftw. d. Schweiz II 3, 30. II@2@c@gγ)
durch verarbeitung, künstlerische oder sonstige geistige thätigkeit v.:
alchimia, kunst zu v. ein metal in das ander
gemma gemmarum (1508) a 6
b; als ... Torricelli ... metalle in kalk und diesen wiederum in metall verwandelte Kant 3, 10
akad. ausg.; es ist leicht, gerste in spiritus zu v. O. Ludwig 5, 38; kälber ..., die alsbald in braten und suppe ... verwandelt werden muszten E.
M. Arndt 1, 190
R.-M.; von geistigem: wer nun einen lateinischen ... autorem lieset und dem verstande nachsinnet, der verwandelt solches gleichsam in seine gedancken Ch. Weise
polit. redner (1677) 17; eine gute sprachlehre ..., die den itzigen besten gebrauch im reden in regeln verwandelt und den nachkommen anpreiset Gottsched
sprachkunst (1748) 13; von dem kleinen geiste der galanterie, der ... die tragödie in eine folge von verliebten gesprächen verwandelte Lessing 10, 124
M.; die erscheinungen in begriffe v. Göthe 47, 302
W.; er verwandelt allen für ihn brauchbaren stoff in drastische momente G. Freytag
ges. w. 14, 16;
reflexiv: so haben sich die kurzen erzählungen und poetischen novellen in strophische balladen verwandelt Scherer
litteraturgesch. 257. II@2@c@dδ)
inneres in äuszeres v.: wo sie ihre überzeugung in that und wirkung v. wollen Göthe 46, 54
W.; kann er seine besten fähigkeiten nicht in that v.
F. H. Jacobi 1, 14; ich hoff und harre des tages, wo in erfreuende that sich scham und kummer verwandelt Hölderlin 1, 129
L. II@2@c@eε)
von sonstigen abstracten begriffen: viel nutzes (
ist) ... durch ungleiche rahtschläge ... in unwiderbringlichen schaden verwandelt worden Kirchhof
militaris disciplina 92; fluch in segen (Zinkgref
apophthegmata 26), segen in fluch (Hohberg
georg. cur. 1, 46; Seume
gedichte 184), elend in segen (Ramler
fabellese 1, 116), streit in freundschaft (Bucholtz
Herculiscus 25), etwas blos mögliches in ein würkliches (Herder 5, 33
S.), das lebendige in ein todtes (Göthe II 1, 303
W.), das wirkliche in schein (
F. Schlegel
in Athenäum 1, 2, 43), unrecht in recht (Raupach
dram. w. ernster gattung 5, 260), betrug in wahrheit (Justi
Winckelmann 1, 323) verwandeln. II@2@c@zζ)
von vorgängen und zuständen: die offne fehde verwandelte sich bald in eine feinere
F. M. Klinger
w. 3, 11; sie (
Kriemhild) ladet die schuldigen zu einem feste und verwandelt das fest in ein blutbad Scherer
litteraturgesch. 110; in eine anklage, wie man sieht, verwandelt sich die ablehnung Ranke
s. w. 1, 219; die feste zucht der legionare und ... die ... siegesgewiszheit der Deutschen verwandelten die drohende niederlage in einen glänzenden sieg Mommsen
röm. gesch. 5, 26; gott als ein vater handelt, er nimmt hinweg die straf und euren tod verwandelt in einen süszen schlaf J. Maukisch
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 120; sein schlummer verwandelte sich in den schlaf des todes Ranke
s. w. 31/32, 190; ein brustweh, das sich fast in herzweh verwandelt hätte Göthe IV 26, 84
W. besonders von der änderung staatlicher und rechtlicher verhältnisse: habend wir ... die marck Österrich in ein herzogthumb verwandelt Tschudi
chron. helv. 1, 78; Frankreich in ein wahlreich zu v. Ranke
s. w. 8, 19; die abhängigkeit eines bischofs in völlige unterthanenschaft zu v. 1, 135. II@2@c@hη)
örtlichkeiten, gebäude, anlagen v.;
durch veränderung ihres zustandes: Augustus liesz ihn (
den pontinischen morast) zum andernmal in brauchbar land v. Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 16; wo ... felder und gärten in straszen verwandelt werden Archenholz
England u. Italien 1, 1, 127; dasz ... Schweden, Franzosen und Deutsche Deutschland auf mehr als ein jahrhundert in eine wüste verwandelt haben Moltke
ges. schr. u. denkwürd. 7, 130.
durch veränderung ihrer verwendung, ihrer function: der (
ehrentempel) sich aber ... in einen zypressenhain und grabmahl verwandelt S. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn 8
a; alle heydnische götzentempel im römischen reich solten in christliche kirchen verwandelt werden Schupp
schr. (1663) 70; die friedliche stadt war in ein feldlager verwandelt G. Freytag
ges. w. 11, 91; ein bloszes fischerhaus, das sich erst sehr allmählich ... in ein gasthaus verwandelt hatte Fontane I 5, 187.
von örtlichkeiten auf dem theater: der schauplatz verwandelt sich ins kAeysers gemach Lohenstein
Ibrahim sultan 33; in dem augenblicke als sich die scene in wald verwandelt Göthe 17, 22
W. II@33)
oft wird v.
in dem ausgesprochen subjectiven sinne gebraucht, dasz nicht der gegenstand selbst verändert wird, sondern eindruck, meinung, vorstellung, die jemand von ihm hat; nicht selten von religiösen vorstellungen: mit unserm sinn v. wir gott und machen ein frembden gott ausz im Eberlin v. Günzburg 3, 91
ndr.; ir ... habt verwandelt die herligkeit desz unvergencklichen gottes Güttel
von evang. warheyt A 3
b; dasz sie (
die abgefallenen engel) ... die unsichtbare herrlichkeit dessen, der sie gemachet hatte, in das bild eines vernunftlosen thiers verwandelten Bodmer
samml. crit. poet. schr. 1, 24; scheint hiemit die auferstehung Jesu ... in ein zufälliges natürliches ereignis verwandelt D. Fr. Strausz
ges. schr. 3, 15; es wird doch wohl eine epoche voll schönheitssinn und frauenverehrung gewesen sein, welche den arischen sonnengott in eine göttin verwandelte Scherer
litteraturgesch. 11.
von irdischem: wie verwandelt sich diese welt unter meinen bliken, wenn sich das licht deiner allgegenwart über sie ergieszt! Wieland I 2, 363
akad. ausg.; der ... sinnliche genusz verwandelt in sich ... den gegenstand, nach dem wir begehrten Herder 15, 307
S.; wenn du dem dreiszigsten dich nähern wirst, ist diese welt verwandelt Schiller 5, 86
G. von der änderung der bedeutung, des symbolgehaltes: dasz diese trauerfahne sich bald in Polens freiheitsfahne v. möge G. Büchner
nachgel. schr. 238; die lilien Frankreichs v. sich in todtenblumen Bauernfeld
ges. schr. 6, 118. IIIIII.
in zahlreichen der oben besprochenen fälle ist es zweifelhaft, ob im sprachbewusztsein die vorstellung lebendig ist, dasz mit einem object eine veränderung vorgeht, oder dasz etwas anderes an seine stelle gesetzt wird. zuweilen tritt die zweite bedeutung klar zu tage; manchmal liegt der oben unter I 6
behandelte gebrauch nahe: seinen aufenthaltsort v.: er sitzet swar er wirt gesat, daz er verwandelt niht die stat Rudolf v. Ems
Barlaam 210, 36; der sagt die seel unsterblich sein, far doch in andre cOerper hin, allein ir statt verwandlen thuo Scheit
Grobianus 2225
ndr. die kleider v.,
andere kleider anziehen oder einem zum anziehen geben: ste auf und verwandel das gewande, daz du nit werdest derkant 1.
deutsche bibel 5, 304
K.; sy zugend Joseph von dem kerkar, sy bescharen in, sy verwandelten die gewande 3, 183.
ein wort, einen ausdruck durch einen andern ersetzen, besonders den namen: transnomino, den namen v. Calepinus
XI ling. 1483; do enpfieng in der bapst ... und toufte in und verwandlet im sinen namen und nampte in Theodricum
bibl. ält. schriftw. d. Schweiz I 1, 5.
auch v. in
kommt in diesem sinne vor: lassend uns ... den eerlichen namen Christi nit verwandelet werden in den namen des Luters Zwingli
d. schr. 1, 256;
sonstiges: dasz du uns lehrest, wie der titel hochfürstl. gnaden in hochfürstl. durchlauchtigkeit verwandelt ... werde Liscow
samml. satir. u. ernsth. schr. 348; in den aufgeregten habe ich in der octavausgabe ... ein 'mir' in 'nur' verwandelt Göthe 18, 393
W. einen buchstaben statt eines andern aussprechen oder schreiben: wie die Italiener ..., die das lateinische 'ph' allezeit in ein 'f' v. Gueintz
rechtschreibung (1666) 15; wie einige das lange o in au und das kurze in u v., wenn sie sprechen Gottsched
sprachkunst (1748) 20.
einen gegenstand durch kauf oder verkauf in einen andern v.: du kanst, o Dieterich, im grunde künstlich handeln, gold, silber, zinn und erz in feuchten wein verwandeln Grob
dicht. versuchgabe 58; wären wir in der stadt, wo alles zu finden ist, so hätte man diese kleine summe in eine uhr, einen ring oder sonst etwas verwandelt Göthe 22, 5
W. eine handlung statt einer andern begehen: aber ein gut werck ist biszweilen ausz noth und liebe desz nechsten zu unterlassen oder in ein bessers zu v. Joh. Arnd
Thomas a Kempis 18; irr ich mich nicht, so wirst du bald, o fürst, den tadel in ein frohes lob verwandeln Göthe 10, 115
W. (
Tasso 1, 2).
eine strafe durch eine andere ersetzen: dieselb (
die gerechtigkeit) verwandelt ewige straf in zeitliche pein oder gnuogthuoung Berthold v. Chiemsee 32; wenn man dem gefangenen die todesstrafe in ewiges gefängnis verwandle Ranke
s. w. 4, 380;
ebenso eine verpflichtung: der plan, die wegelast in eine geldabgabe zu v. Dahlmann
französ. revol. 30.
vertauschen, ersetzen, einen gegenstand statt eines andern gebrauchen: (
die leichen) wurden ... in höltzerne kästen oder särge geleget, die in denen folgenden zeiten in küpferne und zinnerne verwandelt wurden v. Fleming
teutsche soldat (1726) 374.