unterschleif,
m. ,
receptus, receptaculum (
einfaches schleif in derselben bed. s. schleif 3).
ursprünglich zu schliefen
gehörig, doch haben sich angleichungen eingestellt, die bei schlaufen, schleifen, schliefen
üblich sind; vgl. unterschleich, -schlauf, -schleifung, -schlief, -schluf, -schlupf.
aus dem häufigen vorkommen in österr. weisthümern läszt sich schlieszen, dasz u. (-schleipf,
pf für f th. 9, 591)
im mhd. schon vorhanden gewesen ist (Lexer 2, 1802).
zum verhalten zu unterschlauf
in mundarten s. Staub-Tobler 9, 122; Fischer
schwäb. wb. 6, 248.
endungsloser plural: W. ... suchte seine heimliche unterschleiff bey fromen, unschuldigen predigern Alberus
widder Jörg Witzeln mammeluken (1539) G 7
a;
oder gab es ein f.? (
s. Mathesius
unter 4). 11)
mit noch erkennbarer verbalfunction, das unterschlüpfen; Campe;
synonym mit einzug (
s. d. 4): der vater hat einen einzug und u. von auswärtigem gesindel, und ich glaube, soviel ich merke, ist er ein diebshehler geworden G. Keller 4, 122.
unüblich. 22)
unterkunft, obdach, herberge, zuflucht: die glaubwürdige erforung gibt mit sich, das hin und wider in haimblichen winkeln allerlei verdechtig und unerbore sowol mans- als weibspersonen iren underschlaipf hoben
öst. weisth. 1, 134, 11;
s. die register 1, 425
a; Egger
glossar 940
a; 6, 657
b; 10, 375
a; 11, 720
b;
rechts- und geschäftssprachlich Sattler
phraseologey (1631) 100; er hat auch allen raubern ... bey im freien underschleiff geben S. Münster
cosmographei 583; und (
ich) braucht in meinem stegereiff an allen örten unterschleiff Ringwaldt
christl. warnung H 4
a; einem herberg und u., u. und wonung geben Hedio
Comines 34; Höniger
narrenschiff (1574) 296
a; sichern u. haben Lewenclaw
n. chronica türk. nation (1590) 62; u. vergönnen Micrälius
Pommerland (1640) 3, 500; also haben sie nichtswürdiger mich in ein haus geführet, wo man offenbaren dieben u. gibt? Petrasch
lustspiele (1765) 1, 692;
veraltet. blosz aufnahme, zuflucht u. dgl. (A.) wirt uns gern unterschleiff geben sambt allen dein sechshundert mannen H. Sachs 10, 269, 12
K.; Wickram 5, 229, 2204
B.; J. Ayrer
dramen 1, 85
K.; Jacob und seine kinder zu ihrer ankunfft auch u. und lebensmittel finden möchten Grimmelshausen 4, 711, 10
K.; sie gleichwohl ihren u. auff dem erdboden suchen solte
Simplicissimus 476
Kögel; umwege zu machen, um ... bei gelehrten u. und zehrung zu suchen, verboten ihm unablässig sich erneuernde krankheitsanfälle D. Fr. Strausz 7, 42;
von thieren: sonder suchen (
die hasen) ihren u. und list bey uns in den wassern
neues jägerbuch (1590) A
hb;
vom fieber: wo es bey euch ferner anklopffen oder u. und herberg begeren würde Hutten 1, 247
B.;
im wesentlichen veraltet. concret zufluchtsort, schlupfwinkel u. ä.: A. v. W. ... solte vielleicht mer dann ander Hannsen Thomanns untterschlaipf wissen haben
Thomas v. Absberg 27
lit. ver.; darzuo legt sich sein muotter auch darein und riet Gabino, das er ettlich ort und underschleiff gar zuo poden risz, damit sie fürhin kein ursach weren eins andern kriegs S. Franck
chronik (1531) 32
b; Petri
d. Teutschen weisheit S
r 4
b; auff gar zu blosem feldt vom abend übereilet ohn underschleiff und zelt Spee
trutznachtigall (1649) 131; also dasz wir noch vor tag bey unserem underschleiff wider wol angelangten Moscherosch
gesichte 2 (1666), 688; eine höle der wölffe und underschleiff der mörder
insomnis cura 137
ndr. veraltet, heute durch unterschlupf
ersetzt. 33)
commercium, societas, fractio; vgl. unterschlaufen b: der Turck hat von newem angehalten bey den Venedigern umb pasz, offnung und unterschlaiff Scheurl
briefb. 2, 192; freyen pas, wandel und u. haben Chemnitz
schwed. krieg 2, 227; hernach aber, nachdem ... der bösen mehr denn der frommen waren, auch welche was verwircket, iren anhang und u. hatten, hat got diese menschliche geselschaft uff ein ander weise fassen und verwaren müssen Menius
chron. Carionis (1566) 1, 41
b; ein jeder hatte seinen anhang und u. Mathesius
Syrach (1586) 2, 18
a; ich sagte, es käme mihr sehr fremd und verdächtig führ, dasz sie mit der Isabellen, meiner feindin, solch einen u. gepflogen Zesen
Ibrahim 1, 64; (
er) lihs ... dise arme ... in ihr zimmer verschlühszen, dasz si ja mit nimand unterschläuf pflägen möchte
adriat. Rosemund 216
ndr.; vielleicht ist nach dieser bed. auch eine von Lessing 11, 182
M. anders erklärte (»
etwas, das mit unter schleift, schlupfet«; '
die gesamtheit derer, die dort u.
gefunden' E. Schröder)
stelle von Scultetus
zu verstehen: hierauf erhebt er (
Christus) sich in gottes opferhaus und peitscht den unterschleif des kramervolkes aus. 44) unterschlauf 2
entsprechend, vorschubleistung österr. weisth. 11, 720
b;
förderung 1, 105, 10;
subministration, darreichung, vorschub, u. Sperander (1727) 694
b: L. wirt ein sacrilegus, und alle huoren und buoben finden bey ihm underschlaiff Nas
eins und hundert 5, 385
a; Christum und sein wort bey ihnen auffnemen und gnedige unterschleiff oder ein reumlein vergönnen Mathesius
Sarepta (1571)
vorr. 4
b; affecten soll man keinen u. geben Lehmann
florilegium 1, 8; als dabey der calvinismus, atheismus u. und vorschule zum besten hat Prätorius
winterflucht 440; der thäter machte sich alsobalden aus dem staub und unsichtbar, darzu die finstere nacht den u. gabe Abele
unordnung 3, 144;
von politischer, dienstlicher, amtlicher unterstützung Hahn
staats-, reichs- u. kayserhistorie (1721) 4, 138; v. Fleming
soldat (1726) 91. ich ... sage ihnen zum letzten mal, dasz sie sich betrügen, wann sie glauben, dasz ehrliche comödianten, wie wir seynd, dergleichen schwärmern einen u. (
vgl. 3) geben
sammlung v. schauspielen (1764
ff.) 5, 41;
zwischen bed. 3
und 4
stehend: u. und theilnahme an mordversuchsattentat Nestroy 12, 80.
concret: almosen Rompler
erstes gebüsch 38. 55)
zusammensetzungen (
bed. 2): unterschlaifgeber, -person Egger
glossar 940
a; unterschleifforth Moscherosch
gesichte 2 (1666), 627.