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kreide

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kreide f.

Bd. 11, Sp. 2137
kreide, f. schlachtruf, losung, wie das zweite krei; wie jenes aus altfr. crie, musz diesz stammen aus ital. grida, mundartl. noch crida (auch altspan.), s. Diez 182, 2. ausg. 1, 225; neuit. heiszt das feldgeschrei grido m. es scheint hd. neben krei erst im 15. jh. aufgekommen. aber merkwürdig erscheint nrh. schon im Karlm. 272, 34 dazu sogar ein starkes krîden, praet. pl. kreden (Bartsch 300). 11) feldgeschrei. 1@aa) im genauen sinne, schlachtruf: und hielten sich die Porteninger gar ritterlichen, und schrien allwegen Lusinien, das war ihr kreid. buch d. liebe 269a (in gleichem sinne geschrei u. losung 266d); und war die kryd des heres die dem babst beistunden 'hie Welp', aber des hers Fridrichs kryd war in dem streiten 'hie Gibling', und ward die kryd Gibling genomen von einem weiler, darin die seugam Fridrichs war. Steinhöwels chron., vermehrt durch Köbel, Frkf. 1531 27a (vergl. die stelle aus Scherz unter dem 2. krei sp. 2136); nun steet auf, schlagt drein mit freuden, der gott im himel sei ewr kreiden. Schmelzl Saul 29b. 1@bb) losung, das losungswort, parole: kreiden und losung geben. Reutter 99; so under seinem kriegsvolk kreiden und losung gegeben. Fronsp. 1, 133b; die kreyd und merkzeichen. Stettler ann. helv. 83. so in den wbb.: kreyd, das losz, tessera, der die kreyden gibt, tesserarius. Frischlin nom. 469 (552b); kraid, losung, feldzeichen, symbolum. Golius on. 168, das ai scheint anlehnung an alem. kraien schreien (s. das zweite krei 6). 1@cc) bildlich, wie krei 3 sp. 2136: vor augen halt dein got, dein losung und dein kreyden, dein waffen (wappen) und dein gschmeide (s unter 4, b), so hats mit dir kein not. lied von 1592, Stöbers Alsatia 1862 s. 100. 22) auch das zeichen zum angriffe (schon in den angaben der wbb. u. 1, b mit gemeint), das nach altdeutscher weise in anstimmung des schlachtrufs bestand: gab er erst die kreide, fiel sie an und übersiegets. Tacius Front. b. Fronsp. 3, 243a, nach signum dedit bei Frontin; hett die lärmenblaser ein groszes wesen erheben und (d)schlachtkreiden geben lassen. 3, 238b, Front. 1, 9, 2 clamorem tolli, signa canere. 33) verabredetes signal überhaupt, einerlei in welcher form: gaben die uf den hohen türnen waren, kryden, dasz die haiden mit aller macht da her zugen. Ehingen 22; so sol er etlich mal blasen und die trommeten mit dem fahnen etlich mal zu eim zeichen oder für ein kreiden umb den kopf schwingen. Fronsp. 1, 42b; blasen sie ein helles horn, auf welches ihre losung oder kreiden gericht ist, dardurch sie zusammen kommen und einander kennen. 3, 142a; sie haben denen in der statt (Pavia, die entsetzt werden soll) mit dreien schüssen aus groszen stücken die kreiden und das wortzeichen (s. u. krei 2 Maaler) geben, dasz sie jetzt wöllen angreifen. hist. der von Frundsberg z. j. 1525; im aufbruch haben si der statt zwaier schüsz ausz groszen stucken kreiden geben .... als die kaiserischen zu dem thiergarten seind einkomen, haben si der stat des (davon) kreiden geben, das si in dem thiergarten .. zusamm komen. flieg. bl., bericht von der Pavier schlacht, L. Bechsteins d. mus. 1, 121, Frundsberg in seinem eignen bericht das. 126. 127 nennt es nur warzeichen. vgl. kreidenfeuer. 44) abzeichen an der kleidung, erkennungszeichen der zusammengehörenden, zuerst im kriege, dann überhaupt. 4@aa) im kriege: der bundschuch ist die kreiden und geschrei gewesen (der aufrühr. bauern). Aventin chr. 1566 336b, 1580 289a, der zusammenhang (s. 2, 523) zeigt dasz es neben der bed. 1 zugleich so gemeint ist, 'geschrei' begleitete das entsprechende fremdwort in seiner entwickelung (s. z. b. 4, 207 gegen unten). 4@bb) im besonderen musz das helmzeichen so geheiszen haben, s. 5, a; auch das geschmeid unter 1, c meint dasselbe. s. weiter kreier. 4@cc) erkennungszeichen auszer dem kriege: ein fürst hat etwann ein liberei, losz, kreid und zeichen. kriegb. des frid. 51. bildlich: an disen zweien stucken, kreiden, losz und hoffarben werde man erkennen, das sie seine (gottes) kinder seien. das. 31; welches der gottlosen kreid und gewiss zeichen. 33. nicht auch für die partei selbst, wie krei 5? 55) übertragen auf thiere. 5@aa) der kamm auf einem schlangenkopfe: die schlang hat ein kreid oder cron auf irem kopf. Heuslin Gesners vogelb. 1557 77a (bei Horst nur eine kron). das erklärt sich, wie das folg., nur aus einer bed. helmzeichen, helmzimier. so galt umgekehrt kamm, helmkamm auch vom helmzeichen (s. sp. 103) und lat. crista von beiden, wie vom hahnenkamm. 5@bb) der hahnenkamm: der han sol haben ein hohe blutfarbe kreide oder kamb. Heuslin a. a. o. 79a; welche krumme schnäbel haben .. rote kryden oder kämm .. dise seind die besten hanen. Herr feldbau 127a. das wort lebt noch im Rheinlande: kreide f., in Caub der kamm der hühner Kehrein nachtr. 31; in Luxemburg kreit f., plur. kreiten, hahnenkamm Gangler 253 (ebend. der schlüssel oder stempel am faszhahne). auch 'crait der vogel' im Teuth. 59b wird crista sein. 5@cc) luxemb. heiszt selbst die pflanze hahnenkamm hoinekreit Gangler 208, und so erklärt sich wol 'crista, kreidt, herba' Dief. 158c aus dem kräuterbuche von Rösslin Frkf. 1533. 66) verabredetes erkennungs- oder parteizeichen überhaupt, symbolum: das erhort ein junger krab, eilet heimelich zum burgermeister, offnet im alle sach, auch der feinden heimliche kryd und wortzeichen. Stumpf Schweizerchron. 158; darzu haben wir ein grosze und lange reise zu thun .. deshalben wöllen wir ein heimliche kreid mit einander machen und anschlagen, dasz wir einander auch zu abwesen und wann wir von einander getheilt (würden) und (von ein.) kommen solten, dasz doch eins möchte erfahren wo das ander hin kommen were. buch d. liebe 199b, wie es scheint zugleich für die verabredung selbst. vgl. kreidenring. 77) mehrfach bildlich und in redensarten, s. schon unter 1, c. 7@aa) gleich losung, erkennungszeichen, motto: ir (der leitenden personen) kreiden und reim ist 'nur vil in mich, wenig in meinen gesellen'. Avent. chron. 3a; neid ist des teufels kreid. S. Frank spr. 1, 28a; leid und meid der christen kreid. ders. sprichw.; das ein gwiss glück und kreid ist des evang. und der wahrheit. Matth. X. ders. chron. 1531 336a; leid und meid, das ist die kreid. Simrock spr. 6310. 7@bb) auch wie unser 'symbol' oder 'typus': den esel halten die rabinschen doctores für ain losz und kreid der groszmütigkait und hohen sterk. S. Frank ... 2, 82. 7@cc) die kreide merken u. ä., etwas verstecktes, eine geheime absicht anderer, nach 6 oder auch nach 1: der herr was beschib und merkte die kreid wol, was sie meint (einen liebeswink). Keisersb. post. 2, 41, s. 1, 1550; die kreiden verstehen Katziporus g 6; der (andere weg) ist sehr lustig, nit unstät, ir vil han in gebant mit freuden. vermerket ir nun hie die kreyden? Heros ird. pilger 1562 21b, im munde des Cupido, der vom tugendpfade abrät, auf dem Hercules umgekommen sei; da das die andern wurden inn und merkten ihre kreide, verdrosz es sie. Ringwald ev. Bb 7b; als aber der junge geselle die kreiden merkete und das er einem andern zum besten den klöpper auf der streu halten solte, schlug er solchen heurat ganz ab. Schütz Preuszen 114; sie merkte bald die kreyd' und nahm ihn zu sich ein. Schwieger geharn. Venus 237; ich vermerkte bald die kreide. 261; wie dasz doch die Pierinnen nicht wo Mars ist, bleiben künnen? ... darum dasz er nicht kan leiden, wann jemand kennt seine kreiden. Logau 1, 4, 44; ich kenne deine kreide schon! D. Stoppe ged., 2. samml. s. 27. 7@dd) einem seine kreide zeigen, seine wahre natur blicken lassen, 'farbe bekennen': das wolten nicht die andern leiden und zeigten in auch ire kreiden, wie das sie gar tyrannisch weren. Fischart S. Domin. F 2a. 7@ee) zuweilen scheint unsicher, ob nicht das folg. kreide gemeint sei, z. b.: ewer gebet ist erhört, Witzel ist bekert, wie gefellt euch die kreid? Alberus wider Witzel K 7a. auch bei Stoppe, Logau, Schwieger vorhin liegt kreide creta nicht fern, zumal die eigentliche bed. des wortes in ihren landen vergessen oder von jeher fremd war, obwol Stieler sie noch mit anführt, aber nur beiläufig unter dem folg.
8193 Zeichen · 211 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kreide

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Kreide , plur. inus. eine weiße, kalkartige, leichte, feste Erde mit abfärbende Theilen, welche zuweilen in der Gest…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kreide

    Goethe-Wörterbuch

    Kreide 1 fossiler weiß- bzw gelbfärbender Kalkstein a als natürliches Mineralvorkommen; auch hinsichtlich seiner Qualitä…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kreide

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Kreide (soll von Kreta den Namen haben), bekanntes Mineral, kohlensaurer Kalk, abfärbend, in der Technik mehrfach benutz…

  4. modern
    Dialekt
    Kreidef.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Kreide f. : 1. 'Kreidestück zum Malen, Schreiben', Kreid (graid) [allg., außer lothr. SWPf, auch Penns Don Gal], Kridd (…

  5. Sprichwörter
    Kreide

    Wander (Sprichwörter)

    Kreide 1. Eine Kreide gilt im Leben: leide, meide, gottergeben. 2. A wink schworze Kreide hâr, doss ma amôl sitt. ( Schl…

  6. Spezial
    Kreide

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Krei|de f. (-,-n) 1 crëda (-des) f. 2 (Schreibkreide) crëda (-des) f. ▬ Kreide fressen ‹fig› mangé crëda; bei jdm. in de…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kreide

67 Bildungen · 66 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von kreide

kreideln + -e

kreide leitet sich vom Lemma kreideln ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von kreide 2 Komponenten

kre+ide

kreide setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kreide‑ als Erstglied (30 von 66)

kreideweiß

SHW

kreide-weiß Band 3, Spalte 1803-1804

Kreidebildung

GWB

kreide·bildung

Kreidebildung zu Kreide 1a [ Farbgebung der geognost Karte Kefersteins ] dem Muschelkalk blieb das reine Blau .. und zuletzt ein kaum zu bem…

kreidebleich

Pfeifer_etym

kreide·bleich

Kreide f. Die Bezeichnung für den feinkörnigen, weißfärbenden Kalkstein ahd. (11. Jh.), asächs. krīda, mhd. krīde ist über vlat. *crēda aus …

kreidechtig

DWB

kreidechtig , kreidig. Dasypod., krydachtig Maaler, nl. krytägtig Kil., dän. kridagtig.

kreidefarbe

DWB

kreide·farbe

kreidefarbe , f. die cretinen in der Schweiz haben eine kreidefarbe. hann. mag. 1846 s. 781.

kreidefleck

DWB

kreide·fleck

kreidefleck , m. fleck von kreide. Hermes 3, 206 ( s. bohnern ). besser kreidenfleck Göthe 18, 225 .

Kreideformation

Meyers

kreide·formation

Kreideformation ( Quadersandsteinformation, Grünsandformation, Glaukonitformation, cretazische oder cretazeïsche Formation ; hierzu Tafel »K…

kreidegesicht

DWB

kreide·gesicht

kreidegesicht , n. gesicht das kreideweisz geworden, z. b. vor schrecken. Felder sonderl. 1, 221 .

kreidegrund

DWB

kreide·grund

kreidegrund , m. grundierung mit kreide, in der malerei, z. b. Göthe 38, 224 , bei vergoldern. besser kreidengrund Frisch, Adelung.

Kreidekeller

PfWB

kreide·keller

Kreide-keller m. : FlN, Weinlage in NW-Kallstdt, mda. Kreidkelleʳ , benannt nach den hier vorkommenden weißen Kalksteinen.

kreideln

DWB

kreideln , cretâ maculare, bekreideln ( Frisch ): briefumschlag der rothgekreidelt und fünffach besiegelt war. Auerbach gevattersm. 48 , von…

kreidenartig

DWB

kreiden·artig

kreidenartig , cretaceus. M. Kramer 1787 : sie ( die wirte ) haben .. den Bellarmin .. in die kreidenartigen hände bekommen. J. Paul teuf. p…

kreidenberg

DWB

kreiden·berg

kreidenberg , m. mons cretatus. Stieler 160 . nl. krijtberg ist kreidengrube. bei Würzburg ein Kreidenberg, s. myth. 1004.

kreidenei

DWB

kreide·nei

kreidenei , n. kugeliger feuerstein mit kreidiger rinde. Nemnich.

kreidenfahne

DWB

kreiden·fahne

kreidenfahne , f. ein zeichen in der rechnung des wirts, bierfahne, zechfahne u. a. Stieler 399 , s. fahne 11.

kreidenfarbig

GWB

kreiden·farbig

kreidenfarbig wohl für mattweiß 45,367 Diderot,Malerei Var [>kreidenhaft 45,304,12 ] Katherina Mittendorf K.M.

kreide als Zweitglied (1 von 1)

Wirthskreide

Wander

wirth·s·kreide

Wirthskreide Mit der Wirthskreide schreiben (rechnen). – Eiselein, 645. It. : La creta degl' hosti non è sempre discreta. ( Pazzaglia, 92, 4…

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APA
Cotta, M. (2026). „kreide". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kreide/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „kreide". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kreide/dwb. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „kreide". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kreide/dwb.
BibTeX
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