kribbeln ,
ablautend zu krabbeln,
dem vocal entsprechend mehr ein kleines '
krabbeln',
haupts. nordd. und md., wie krabbeln
eben auch. daneben kriebeln (
so Frisch, Adelung),
wie krâbeln
neben krabbeln (
s. d. I,
b),
es mag gleich mit hierher gezogen werden, da in dem ältern kribeln
länge oder kürze nicht zu unterscheiden ist und beide vielleicht auch erst nhd. sich schieden; kriebeln
gibt z. b. Kehrein
aus Nassau. schon im passional erscheint kribeln: swie daʒ kribelt in der brust. 667, 24
K., vom kitzel der sinnenlust (
wie krabbeln 3,
d).
nd. kribeln, kribbeln, kriweln,
nl. bei Kil. kribbelen (
und kribben), krevelen,
vgl. kribbel kitzel. Die schreibung krübeln lehnt sich an grübeln
an, das auch erscheint und allerdings schon mhd. gleich jucken vorkommt (
s.krabbeln I,
f). 11)
wimmeln u. dgl. 1@aa) kribeln
allein: ich kribel, moveor, utcunque repo, idem fere wibbel. Alberus y 1
a; (
gott) erbarme sich über uns alle, die kriebbeln gehn in sündenfalle.
alter druck des Renner 122,
die wimmelnd, in haufen in die falle gehn? in der Bamb. ausg. 24546 waibende,
wol schwindelnd; haben die grafen auch bauern? 'je da zappelt und kriebelt alles vor unterthanen'. Chr. Weise
comöd. 299; alles kriebelt dar und hier. Czepko
Coridon u. Phyllis (
hdschr.); da das ganze land von mönchen und nonnen
grübelte. Knauth
beschr. des klosters Altenzelle 3, 320,
ebenso Thümmel
unter 2,
a. 1@bb)
in ablautender formel mit krabbeln: wie das kribbelt und krabbelt von zweigen und blättern. G. Keller
gr. Heinr. 4, 314. 2, 22. 1@cc)
meist aber kribbeln und wibbeln
u. ä. (
vgl. schon Alberus
u. 1,
a): es kriebelt und wiebelt von fischen. Steinb. 1, 921; alls wibbelt, kribbelt, sich bereget (
von verfolgern). Wolffs
hist. volksl. 656.
wunderh. 3, 235, alles kribbelte und wibbelte um die kirche herum von groszen und kleinen menschlichen creaturen.
Felsenb. 4, 38; im walde von feinden alles kribbelte und wibbelte.
westph. Rob. 144; ich weisz dasz solch ein haufen kavalierchens und dämchens in der welt weiter nichts sagen will als ein schwarm spanische fliegen am rheinweidenstocke, sie glänzen, sie kriebeln, wiebeln und fressen. Kretschman
fam. Eichenkron 68; es kriebelt und wiebelt schon in den feindlichen linien.
ders. belagerung 111;
s. auch krimmeln und wimmeln. 1@dd)
sich kribbelnd, krabbelnd regen: entfiel ihn bald der grosze muth, die hahr kribelten unterm hut.
froschm. Dd 2
b,
regten sich sträubend; in unserer armee ist ein ganz herrlicher geist, selbst in den russischen körpern (
corps) fängt an so ein ding zu kribbeln, was am ende enthusiasmus .. werden könnte.
general Müffling
an Knesebeck 1814,
bei Häusser
d. gesch. 4, 475,
sich prickelnd zu regen, zugleich nach 2. 1@ee)
nd. braucht man kribbeln
von bier, das '
bouteilliret',
von wasser das eben zu kochen anfängt, s. brem. wb. 2, 872 (
hannöv. krimmeln
das.), Strodtmann 115;
auch md.: lasz ihn mit sieden, doch nicht zu sehr, dasz er nur kriebelt. Colerus
hausb. (1640) 84. 22)
wimmelnd jucken, prickeln. 2@aa)
von gewissen körperlichen empfindungen: usch usch usch, wie kriebbelt mir das in den zeenen. Luther 5, 196
a,
graut mir '
anzubeiszen',
aber es ist bildlich gebraucht von einer frage die er sich scheut zu berühren; ei ei, wie krübelt mir der leib nach einem schönen jungen weib! Gryphius
Squenz 22; so krübelt mirs schon um die dicke bein. Chr. Weise
comöd. 283; so grübelte es mich doch bei dem letzten kapitel immer in der nase. Thümmel 6, 48,
hier vor rührung, aber ebenso bei Rädlein 413
a 'grübeln,
wie das bier, auf die höhe steigen, in die nase stoszen'; das warmbier, das schon von der küche herauf in die nase kribbelte. Gutzkow
ritter 2, 137. 2@bb)
mehr geistig oder seelisch, wie von der empfindung, wenn man sich geschmeichelt fühlt: Jos. Lehmann krübelte es, wenn ihn Lovelace ... so oft einen ehrlichen kerl nannte. Chr. H. Schmid
theaterchronik (
Gieszen 1772) 165. 2@cc)
von der wirkung eines rausches: wenn der wein und das bier .. ihnen in die höhe gestiegen ist (
vgl. u. a Rädlein) und im kopf krübelt.
rockenphil. 1, 268, 2.
hund. 50.
cap.; ich hab der possen so viel getrieben, dasz es mir thut im kopf sehr kriebeln.
weim. jahrb. 5, 224,
schles. (
angeblich 16. jh.),
von den folgen einer zecherei; er wüste ordentlich (
genau), wenn er genug wein getrunken hätte, denn es fange ihm an der stirn an wie zu kribeln.
gewissenh. beichtvater 158. 2@dd)
von zorn, verdrusz, sorgen: das entflammte den zorn, das kribbelte und krabbelte ihm in dem kopfe.
könig Artus und Wieduwilt (1786) 121; dasz mir das ding im kopf gekribbelt hat ... das will ich nicht läugnen. Hermes
Soph. r. 6, 573; dat kribbelt mi im koppe,
verdrieszt, reizt mich Br. wb. 2, 872;
vgl. kribbelkopf,
und kribbisch.