lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

gebauer

nhd. bis sprichw. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
8 in 7 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
Verweise rein
17
Verweise raus
16

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gebauer m.

Bd. 4, Sp. 1657
gebauer, m. gleich bauer, nhd. zwar nur noch in spuren, aber wichtig, und hier nötig als ergänzung zu dem artikel bauer I, 1176. 11) die nhd. reste. 1@aa) schon im 15. jahrh. ist die volle form oberd. selten, fehlt z. b. im voc. inc. teut., im voc. th. 1482 neben gepaursman doch nur noch als schelte gepaur tillo (s. 4); aber md. bei Dief. 504c ein paarmal gebure, gebuer rusticus, dorfgebur villanus 619b (vgl. unter 2, a md. gebauwere plur. noch 1490), und selbst in einem tirol. voc. noch gebure ruricula nov. gl. 322b; alem. in des teufels netz ein cap. von den gepuren s. 392 (Schm.2 1, 188), im 14. jh. in Wittenweilers ring »fast immer gpaur, natürlich als 'paur auszusprechen« (das. 187, vgl. sp. 1606 fg.). nd. im 15. jahrh. gebûr, formelhaft borger unde gebûr als pl., s. Sch. u. L. 2, 25a. nl. noch bei Kil. ghebuer, aber nur für nachbar (s. 3, b). 1@bb) im 16. jh. noch im nordosten: es ist geschehen im 26. jare, das den gebauern aufm Werder ward geboten, das sie solten kaufhabern gen Marienburg bringen. Waissel chron. (1559) 161a. auch noch in starker form: wen sich die kerle und gebur vor daʒ Luckowische tor finden worden (als feinde erscheinen), so worde er Fredrich ... zu en uʒriten. Riedel cod. dipl. Brand. I. 20, 389, vom j. 1425, vgl. V, 583 fg. kerl als nd. standesname der bauern (auch in der Cölner gemma 1511 noch rusticus ein lantman off keirle T 1c). auch nrh. noch um 1500 die volle form, und zwar schwach und stark gemischt: he waert der Venecianer vyant, schickende den veytzbrief (fehdebrief) mit einem gebuyren .. balde mirkden die Venecianer die swindicheit (listigkeit) des gebuyrs .. sij behielten desen gebuyr u. s. w. Harf 52, 22 ff. aber auch oberd. noch, doch in besonderem sinne, gepawer, s. 3, c, γ. 1@cc) gegenwärtig noch voll in Siebenbürgen, gebaur bauer, landmann, gebäuresch bäurisch Haltrich plan 30a. sonst nur in dem namen Gebauer, der z. b. in Sachsen sich findet, aber misverständlich und falsch gesprochen Gébàuer, während richtig gesprochen wird Neugebauer gleich Neubauer (nd. Niebuhr), auch Niegebaur u. ä., d. h. eigentlich colonist, der ins land, ins dorf gekommen. Auszerdem auswärts noch, entlehnt, poln. gbur bauer, gburka bäuerin (wend. bur), von der deutschen niederlassung her; aus ältester zeit aber und noch gut ahd. in nordit. mundarten gaburo starker mann, auch schelm, s. mehr bei Diez 2, 31, Schneller südtir. mund. 1, 143. 22) ahd. hiesz es eben nur, in doppelform, gapûr und gapûro, gipûr und gipûro, wie alts. gibûr, ags. gibûr colonus Mones anz. 7, 137. noch mhd. ist die entschieden herschende form gebûr oder gebûre, nur allmälich stellt sich daneben bûr, bûre ein, ist aber fürs 13. jahrh. eigentlich noch nicht nachgewiesen (im arm. Heinrich 272 haben die hss. die volle form), s. wb. 1, 290a, Lexer 1, 395. die kurze form ist eben nur durch wegfall des ge- entstanden (s. dazu sp. 1608), am frühesten auf nd. gebiete erkennbar in nâbûr in der Freckenh. heberolle für nâgibûr. 33) auch der bedeutung ist das ge- von haus aus wesentlich. 3@aa) die gapûrâ oder gapûrun sind eigentlich solche die 'zusammen bauen', d. h. im ursprünglichen sinne von bauen: sich dauernd niederlassen und das land bauen (vgl. u. gebäude II, 1, a), daher noch lange für eine bestimmte bauerschaft, gebauerschaft (s. d.), die bauern eines bestimmten gaues, gebietes, dorfes, ursprünglich als politische gemeinde (ahd. gibiurida regio, provincia Graff 3, 20, md. gebûrde mhd. wb. 1, 291a). 3@a@aα) so im 16. jh. unter 1, b die gebauern aufm Werder; im 14. 15. jh. z. b. in der Leipziger pflege, in dem stadtbuche, in den mitth. der deutschen ges. im 1. bd. abgedruckt, ist von den leistungen der benachbarten dörfer zum brücken- und wegebau nach der stadt zu die rede, und immer heiszt es s. 120 ff. z. b. die gebure von Golusch (Gohlis) de sollen machen de Schottenbrucken, die gebure von Mökerene, de gebure von Lindenow u. s. w. (nie bure oder buren), einmal auch kurz die von Stosen s. 124, wo aber alle zusammenzufassen sind: de selbin 'gebure unde dorfer' 120, wo denn gebûre gleichsam pl. vom pl. ist, die bauerschaften (îtlich dorfschaft das.). noch im j. 1490 heiszt es: die dorfere und gebauwere im ampte zu Delitzsch haben sich erboten s. 124 (etwas früher das. die gebuwere), die volle form und in starker flexion neben bauer, plur. bauern offenbar fortgeführt in der standesmäszigen bedeutung, wie jetzt die gemeinde, oder dem älteren näher die nachbarn. vergl.gebauerschaft, besonders gebauersleute. 3@a@bβ) es ist zugleich der ausdruck der rechtsbücher, z. b. im Sachsensp. steht in gewissen dingen die letzte entscheidung bei der gebûre kore, kure I, 20, 2. II, 53 (vgl. unter kur II, 3), im niederd. texte schon der bûre kore. von gründung einer neuen gebauerschaft: swâ gebûre ein nûwe dorf besezzen von wilder wurzeln. III, 79, 1 (auch nd. gebûre). es steht auch ausdrücklich gebûrschaft dafür: zû der selben wîs beʒʒert ein gebûrschaft der anderen. III, 86, 2, in der überschrift dafür: wer .. 'andere gebûre' gemeine ab eret (vom gemeindegrund abackert), einer andern dorfschaft. 3@a@gγ) im sing., vom einzelnen gebraucht, gewann gebûr, urspr. eben durch das ge-, die volle bedeutung des gemeindemitglieds mit seinen rechten und pflichten, z. b.: der bûrmeister ist wol gezûg (kann als zeuge gelten, auftreten) über den gebûr binnen sîme gerichte u. s. w. Ssp. I, 13, 2, auch nd. over den gebûr, aber mit var. over sîne gebûre, um zu sichern, dasz es nur seiner eignen dorfschaft gelte. das ist denn die ursprüngliche bedeutung des namens Gebauer. 3@bb) diesz sîne gebûre zeigt eine andere seite des begriffes, das verhältnis der gebauern unter einander oder auch des einzelnen zur gemeinde (was aber auch schon ursprünglich in ge- liegt, s. sp. 1610 fg.), z. b.: swer sîner gebûre gemeine ab eret oder grebet oder zûnet .. mûʒ den gebûren mit drîʒic schillingen gebûʒen. Ssp. III, 86 (in der überschrift auch hier schon sîner bûre, die überschr. sind von späterer abfassung). singularisch, mîn gebûr, z. b.: der man enmissetût nicht, ab her sînes gebûres vihe mit sîme în trîbet und des morgens ûʒ trîbet. III, 37, 3, was später mein nachbar heiszt im gleichen gemeindesinn wie die nachbarn unter a, α, denn nâchgebûr ist urspr. nur eine begriffsverstärkung von gebûr mit seinem verblassenden ge- durch nâch nahe, wie sie sich zumal bei dem zusammenwohnen in dörfern und städten nötig machte; öfter, z. b. in der letztern stelle, setzen denn auch die späteren hss. des Sachsensp. sînes nâkebûres oder nâbûres, merkwürdig auch genâbûres (s. Homeyers var.), das letztere ein weiteres wertvolles zeugnis für die bewegliche stellung des ge- aus alter zeit her (s. sp. 1624 unter e). auch der name Gegenbaur gehört hierher, eigentlich wol für gegengebaur, der nachbar gegenüber. 3@cc) erwähnenswert ist endlich noch eine seite des begriffes, die aus ältester zeit her bis an die nhd. zeit heran spielt. 3@c@aα) in Schlesien hiesz im 13. jh. gebûrdinc auch die städtische bürgerversammlung z. b. in Breslau: hec sunt pene in geburdinc facte. cod. dipl. Sil. 3, 151; ebenso noch später in Magdeburger rechtssprache, aus der es dorthin kam, z. b. ist in den Magdeb. fragen vom städtischen gebuerdinge die rede s. 28, mit variante buerding, wie bûrkor bürgerwillkür, bûrmâl bürgerrecht, bûrmeister bürgermeister, s. Behrend s. 252 (und dazu das mnd. wb. 1, 453 ff., Frisch 1, 72, Haltaus 107 ff.); es tritt aber auch schon burgerding dafür ein s. 66. 28 var. (wie bürgermahl für bûrmâl Haltaus 109), oder auch burgding 172 var., wie burgkor für bûrkor 252b, vgl. im Ssp. z. b. I, 68, 1 die var. burgeren für bûren; aber nur noch so in zusammensetzungen, wie sie aus alter zeit sich fortschleppten. denn auch für die gebûre ist in den Magd. fragen eingetreten die meteburger z. b. 172 fg., nicht im heutigen sinn auf den begriff unter b beschränkt, sondern mit voller vertretung des alten ge- durch mit- (vgl. vicinus mitburger Dief. 618a), s. dazu sp. 1611. in norddeutschen städten haben hie und da bauerding, bauermeister, bauersprache bis in nhd. zeit geltung gehabt (sie sind im 1. band unrichtig ausgelegt). 3@c@bβ) das alles war aber nur das ausklingen des uralten sachverhältnisses, das für die ahd. zeit die glossen für gipûr erkennen lassen, denn es steht bei Graff 3, 19 nur je einmal für rusticus, colonus, öfter im pl. für vicini, auch affines, also in der bed. unter b (gibûrâ nachbarn in der stadt Tat. 110, 4), am häufigsten für municeps, municipes, dafür auch civis und contribules (mitburger Dief. 147c), d. h. die städter ohne allen unterschied von den dorfleuten mit altem gesamtnamen als zusammenwohner bezeichnet. auch für civilis im juristischen sinne heiszt es: (quaestiones) civiles, taʒ chît purglîche alde gebûrlîche. Boeth. 77 (85), das erste wort schon stimmend zu dem späteren burgding, burgkor (vgl. burgemeister) unter α, vgl. giburclîch und kipûrlîch municipalis Graff 3, 183 und 19. 3@c@gγ) zugleich erklärt sich daraus als eine nachwirkung, dasz der adel noch im 16. jahrh. und länger die bürger nur als bauern wollte gelten lassen, z. b.: si (die städte) bdunkt, es sei nit ir geleich, und nennen sich das römisch reich, nun sind si doch nur pauren. Uhland volksl. 427; dasz wir die paurn bezwingen, die uns da welln verdringen. 365; schelk, schelmeshäls und luren heiszt billich disz geschlecht (des kleinen adels), so nennent sie uns buren, domit sind wir nit gschmächt. 372; vgl. aus dem 15. jahrh. in adlichem zorn die städter als pauern, die fleiszigen gelehrten als der pauern kinder (gleich schneider- und schuesters söne nachher) Wilw. v. Schaumb. 2, im 14. jh. pûre für bürger und bauer zusammen im heldenb. 1, cxiii, 66 Hagen, 2, 33 Keller, aus dem 12. jh. gebiurinne von städterinnen Heinr. v. Melk erinn. 330, beides aus adelichen kreisen, und noch im 17. jh. des reichs bauren höhnisch für die reichsstädte, Köln wird angeredet: den ruhm sie führt von alters her, dasz sie in ihren mauren geblieben und gewachsen sehr über all des reiches bauren .... wie hastu dann, du werther baur, deinr jetzt so gar vergessen u. s. w. Opel u. Cohn 30jähr. krieg 313, zu des reichs bauren vergl. übrigens aus dem 16. jh. die vier gepawren im reich, d. h. die städte Regensburg, Costnitz, Salzburg, Münster Soltau 2, 189, auch die vier dörfer des rychs Harf 6, 13, es ist ein stück aus dem aufbau des reiches nach vierungen, worüber näheres aus den bildwerken des Überlinger rathaussaales im anz. des germ. mus. 1856 sp. 141 (hier auch die vier einfachen grafen wieder, die III, 168 erwähnt sind, s. mehr Zimm. chr. 1, 246 ff.) und bei Lepsius, die quaternionen der deutschen reichsverf. in s. kleinen schr. bd. 3 nr. 11; s. auch die nachbarschaft im heil. röm. reich Schm.2 1, 187. 44) eigen ist im voc. 1482 l 7b gepaur tillo, ebenso in einem älteren voc. tillo gebure Dief. n. gl. 364b; es scheint ein scheltwort, Dief. 118c vergleicht cillo ketzerbube, spitzkopf u. ähnl., ketzerbube aber ist ein ketzer (2) päderast u. ä., vgl. auch folg. 55) merkwürdig auch folg., zugleich adjectivisch: ungeschaffen, narrecht oder alt, gepaur oder unzüchtig. Amor G vj, schwerlich für gebäurisch; bei Graff 3, 19 stehen spuren eines ahd. adj. gebûr domesticus, das aber vielmehr zu bûr wohnung zu ziehen wäre (s. folg.) und mit gebûr bauer nichts zu thun hat. es mag mit dem vor. zusammengehören, beide aber, zumal nach dem unzüchtig zu urtheilen, zu dem merkwürdigen bauer von wollust, das J. Grimm I, 1175 fg. bespricht und dem es ältere begründung verleihen würde.
11593 Zeichen · 342 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gebauer

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Das Gebauer , des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Oberdeutschen Gegenden, ein Bauer, d. i. ein Käfich, ein Behältniß …

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gebauer

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Gebauer , Jan, tschech. Sprachforscher, geb. 8. Okt. 1838 zu Auslauf in Böhmen, studierte in Prag, bekleidete seit 1866 …

  3. modern
    Dialekt
    Gebauer

    Bayerisches Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Gebauer Band 1, Spalte 1,1387

  4. Sprichwörter
    Gebauer

    Wander (Sprichwörter)

    Gebauer Erst das Gebauer, dann den Vogel.

Verweisungsnetz

2480 Knoten, 5989 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 2 Hub 10 Kompositum 2462 Sackgasse 6

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gebauer

5 Bildungen · 5 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von gebauer 3 Analysen

ge- + bauer

gebauer leitet sich vom Lemma bauer ab mit Präfix ge-.

Alternativen: ge-+bau+-er gebau+-er

Zerlegung von gebauer 2 Komponenten

geba+uer

gebauer setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gebauer‑ als Erstglied (5 von 5)

gebauersame

DWB

gebau·ersame

gebauersame , f. gleich dem folg., alem.: wenn ein ( d. h. der ) meier das geding verbannen hat, so sol er iegklicher gepursame gepieten u. …

gebauerschaft

DWB

gebauer·schaft

gebauerschaft , f. bauerschaft, 1 1) im gemeindlichen sinne, die bauern eines dorfes mit ihren rechten und pflichten ( s. gebauer 3, a ), ge…

gebauersleute

DWB

gebauer·s·leute

gebauersleute , pl. zu gebauersmann, im 14. jh., und gewiss länger, von den bauern im amtlichen stil: darumb so gebieten wir allen fürsten, …

gebauersmann

DWB

gebauer·s·mann

gebauersmann , m. zu gebauer, wie bauersmann zu bauer; im 15. jh.: gepaursman, calcitro rusticus. voc. 1482 l 8 a (pawersman y 4 a ); auch o…

gebauersvolk

DWB

gebauer·s·volk

gebauersvolk , n. wie bauersvolk ( s. d. ): Stumpf 311 a . 312 b . auch ohne das -s, wie bauervolk: geldschulde die von dem gebawervolke .. …