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vordringen

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vordringen verb.

Bd. 26, Sp. 985
vordringen, verb. , s. fürdringen th. 4, 1, 1, sp. 722; Lexer 3, 585; praevalere, supplantare, anteoccupare, antevenire, anticipare aliquem Stieler 337; für- et vorgedrungen, ich dringe vor, praeoccupo Steinbach 1, 302; Adelung; Campe; über die formen des prät. s. dringen th. 2, sp. 1413. 11) intransitiv, im eigentlichen räumlichen sinne; gewöhnlich mit der vorstellung verbunden, dasz dabei ein widerstand oder ein hindernis zu überwinden ist; das hindernis kann auch eine menge voranstehender sein: wer bey einer austheilung die kräften nicht hat, vorzudringen, der kriegt nichts Kramer 1 (1700), 244b; alleinstehend oder mit adverb. bestimmungen: (im bilde) sein (des Archilochos) jambus ... dringt wie ein kriegsheer vor Herder 27, 185 S.; hier konnte man in masse v. Göthe 7, 170 W.; die feinde dringen vor — unsere vorposten sind geworfen Iffland theatr. w. (1827 ff.) 1, 112; die vorgedrungenen barbaren wieder zurückzujagen Ranke (1867 ff.) 4, 172; um dem weiteren v. der Sertorianer ein ziel zu setzen Mommsen m. gesch.4 3, 19; wenn eine armee siegreich bei uns vordränge Bismarck polit. reden 4, 130; unwiderstehlich dringt das mädchen vor Schiller jungfrau v. Orleans 3, 6. verstärkt: wie tief sie vorgedrungen Göthe 24, 62 W.; auch wir fanden es unmöglich, weiter vorzudringen G. Forster (1843) 2, 65; die durchfahrt nur hab ich umsonst gesucht, wieweit ich vordrang durch die klippenbucht Rückert (1867 ff.) 10, 613. mit bestimmteren ortsangaben, besonders auch der erreichten stelle: asiatische horden ... waren schon bis Schlesien vorgedrungen Göthe gespr. 1, 127 Castle; je weiter er nach süden vordrang Arnim 8, 333 Gr.; es schien fast unmöglich, bis zum gouvernementsgebäude vorzudringen Immermann 18, 47 B.; York und Winzingerode über Chalons und Rheims vordringend J. u. W. Grimm briefw. (1881) 241; je weiter er im gewühl (der groszstadt) vordrang Raabe d. hungerpastor (1864) 126; eine unmöglichkeit, auf dem kamme selbst vorzudringen, sehe ich nicht H. v. Barth Kalkalpen (1874) 42; nichts hielt ihn auf, bis in das herz von Östreich vorzudringen Schiller d. Piccolomini 1, 2; durch sumpf und büsche drang sie vor Pfeffel poet. versuche (1812 ff.) 2, 15. selten in allgemeinerer, nur die vorwärtsbewegung bezeichnender bedeutung: herrn John, welcher, den hut in der hand, mit vielen bücklingen vordrang G. Keller (1889 ff.) 5, 73. 22) in räumlicher bedeutung von unpersönlichem; es kann sich dabei auch um eine gedachte bewegung handeln: diese blühende wange, diesen hoffenden blick, diese vordringende stirn Lavater physiogn. fragmente (1775 ff.) 1, 140; der ackersmann ist von denen immer wieder vordringenden kieseln geplagt Göthe III 1, 187 W.; ströme kalten meereswassers, welche vom Feuerlande bis gegen Peru hin nördlich vordringen A. v. Humboldt ansichten d. natur (1808) 1, 14; das weite v. tropischer pflanzenformen in die gemäszigte südliche zone kosmos (1845) 1, 29; (arterie, die) unverästelt bis in die markhöhle vordringt Sömmerring vom baue d. menschl. körpers (1839 ff.) 6, 818; da sah er endlich, wie quellend wasser zwischen ihnen (den fingern) vordrang Stifter (1901 ff.) 1, 29; tief unter uns dehnt sich noch der gewölbte rücken des immer vordringenden gletschers v. Scheffel (1907) 3, 108; wie der rauch in die lüffte vordringet A. Gryphius trauersp. 94 P.; unter traurigster vermischung vorgedrungner thränenströme und erbärmlichen getöns gr. v. Zinzendorf teutsche ged. (1766) 171; und durch und durch hin, zwischen blas und hüftbein, drang die spitze vor Bürger 159b Bohtz (Il. 5, 67); (wo) dort rothschwellend der keim aus dem lockeren vordrang Voss ged. (1802) 2, 4; (der strom, der) durch länder und durch reiche lief und bis zum meere vorgedrungen Freiligrath ges. ged. (1871) 1, 21. von hörbar werdendem: einen vordringenden seufzer Göthe 21, 123 W.; auf den fittichen einer vordringenden melodie getragen 21, 205; (mädchenstimmen) drangen zwischen den stämmen vor Stifter (1901 ff.) 1, 235. 33) weiter dann in mannigfaltiger übertragener anwendung mit persönlichem und unpersönlichem subject. zu beachten ist hierbei, dasz die ältere sprache dem worte eine besondere färbung geben kann: v. erscheint hier auch in dem sinne, der später durch sich vordrängen bezeichnet wird, oder in der gemilderten bedeutung von besonders wirksam, herrschend werden, das übergewicht erlangen vor andern, andere übertreffen, ihnen vorgehen u. ä. (Adelung bezeichnet diesen gebrauch als oberdeutsch). diese anwendung wirkt dann nach und kann sich auch mit der sonst üblichen, die sich ganz an die eigentliche bedeutung (1) anschlieszt, verbinden (s. im übrigen fürdringen 4, th. 4, 1, 1, sp. 722): alszdenn wurden die falsen lerer für dringen Berth. v. Chiemsee t. theologey 106 R.; stechen sie mich mit 'weyden', szo stech ich sie vil herter mit 'lieben', lasz sehen, wilchs fur dringe Luther 6, 321 W.; wiewol sie auch mannlich waren, doch drunge der junger für Schumann nachtbüchl. 330 B.; in euren wercken soll allzeit fürtringen die pietet und gütigkeit Äg. Albertinus zeitkürtzer (1603) 49b; ausz fürtringender forcht der straff Dannhauer catechismusmilch (1657 ff.) 1, 256; all ihr v. habe einen schein der gottesfurcht Schupp schr. (1663) 37; weil aber Bagassaces durch meine vermittelung vordrunge (im range) A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 174; weilen aber das verlangen zu dem frieden bei den meisten vorgedrungen Leibniz dt. schr. (1838 ff.) 1, 345; das talent kann vergraben seyn, weil es keine gelegenheit hat, vorzudringen Gerstenberg schlesw. lit.-br. 220 (lit.-denkm.); dahingegen dringt die farbe der gewänder allzublendend vor Sturz schr. (1779) 1, 34; dies ungeduldige v. entzweit ihn mit seinem herrn und gönner Göthe 41, 1, 197 W.; so dringen die pflichten der patrioten bei ihm vor Schiller kabale u. liebe 3, 1; so weit man in der geschichte vordringt K. L. v. Haller restaur. d. staatswiss. (1816 ff.) 1, 2; auch in Stuttgart war bald diese nachricht vorgedrungen Hauff (1890) 1, 253; jeder schauspieler, der in einer unbedeutenden rolle die bedeutung des ersten helden affectirt und durch sein v. das ensemble stört (hier ganz in der alterthümlichen anwendung) Vischer ästhetik (1846 ff.) 3, 1, 29; durch dieses v. des gemüths und idealer empfindungen erhalten die charaktere ... ein weniger einfaches gefüge Freytag (1887) 14, 251; schon berührt von der vordringenden kirchlichen neuerung Ranke (1867 ff.) 4, 19; wenn wir andern mit unsern gedanken rücksichtslos vordrangen G. Hauptmann eins. menschen (1891) 52; trotz des wachsenden vordringens der eisenbahnen hwb. d. staatsw. (1898 ff.) 6, 156; nimm gnädig an den olympischen chorgesang, vordringender tapferkeit ein zeiten-überdauernd licht Herder 26, 199 S.; du aber, jung, von allen banden frei, gestoszen in das weite, dringe vor Göthe 10, 376 W.; in das reich des unerkannten strebt er rastlos vorzudringen Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 238. das part. präs. geist oder seelische haltung charakterisierend: ein vordringendes leidenschaftliches gemüth Göthe II 4, 4 W.; sein leicht beweglicher, rasch vordringender geist Mörike (1905) 3, 144; (Jacob Grimm) ungeduldig und vordringend Scherer kl. schr. 1, 7. 44) schärfer tritt die bedeutung, die unter 3 als alterthümlich bezeichnet ist, hervor, wenn sich das verbum mit einem dativ verbindet: das wohl des reiches seinem eigenen nutzen weit vordringen lassen Adelung; übel gehets zu, wo die ansehung der person dem gemeinen nutzen vortringt Äg. Albertinus hirnschleifer (1664) 275; nach dessen tod aber drang ihme Jagello, der fürst in Littauen, mit hülf der reichsstände vor (kam ihm zuvor) S. v. Birken östl. lorbeerhain (1657) 139; (person,) die auch denen von höherem stande v. will Möser 3, 23 A.; unbändig drangen seine geheimen wünsche den begebenheiten vor Göthe 20, 163 W.; jeder strebt, dem andern aus allen kräften vorzudringen Klinger (1809 ff.) 6, 144; so suchte dis gespenst durch dienst und guten rath dem geisterpöbel vorzudringen Lichtwer äsopische fabeln (1748) 141; diesz röschen, in der knospe noch verhüllt, ... eilt, seinen schwestern vorzudringen Gotter ged. (1787) 1, 117; nun drängen andre sich den andern nach, und jedem sucht jedweder vorzudringen Rückert (1867 ff.) 10, 227. 55) selten transitiv für drängen: sie öfnet ihre knospen, sie dringt die arme vor und kleidet sie mit blättern Dusch verm. w. (1754) 52. reflexiv: sich v. Schwan nouveau dict. (1783) 2, 966a; nie drang er sich vor Herder 23, 431 S.; die wahrheit drang sich hitzig vor Günther bei Steinbach 1, 302; machen ein gezwatzer als wie die staaren, dringt einer sich dem andern vor Göthe 16, 3 W. 66) hierzu vordringlich, adj., von Campe verzeichnet, durchaus in übertragener anwendung; besonders hervortretend, sich geltend machend (s. unter 3): um so vordringlicher machte sich bei ihm (Fr. List) der gedanke an die deutsche heimat geltend hwb. d. staatsw. (1898 ff.) 5, 621. — häufiger in verschlechtertem sinne, sich vordrängend: (man) hätte den schönen zustand reichlicher glücksgüter durch ein vordringliches leben und treiben, wo nicht zerstört, doch erschüttert Göthe 20, 177 W.; einem solchen vor- und zudringlichen einmischen des indischen in alles Schelling 2, 1, 22; er nannte ihn roh, ungraziös, v. Laube (1875 ff.) 16, 175; nur die vordringliche dreistigkeit erinnerte an die orientalische abstammung Treitschke dt. gesch. im 19. jh. 5, 139. —
9447 Zeichen · 178 Sätze

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    vordringenst. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    vordringen , st. V. Vw.: s. vördringen*

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vordringen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Vordringen , verb. irregul. neutr. (S. Adelung Dringen ), welches das Hülfswort seyn erfordert, vorwärts, nach dem vorde…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vordringen

    Goethe-Wörterbuch

    vordringen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. Spezial
    Vordringenn

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Vordringen , n проникновение , ср

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Zerlegung von vordringen 2 Komponenten

vord+ringen

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Cotta, M. (2026). „vordringen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vordringen/dwb
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Cotta, Marcel. „vordringen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vordringen/dwb. Abgerufen 15. May 2026.
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Cotta, Marcel. „vordringen". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vordringen/dwb.
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