gogeln,
vb. ,
flattern, sich (
schwankend)
hin und her bewegen, gaukelei treiben, gesticulari. zur herkunft vgl. gogel,
adj., und gaukeln,
vb.; in fast allen mundarten verbreitet, literarisch bis ins 17.
jh. bezeugt; s. auch gugeln und gageln. 11)
flattern, hin und her schwanken, kindliche (
tölpelhafte)
bewegungen machen, mutwillen treiben: man sach dâ wunder gogelen von tieren und von vogelen ûf manegem helme veste Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 403, 23; wie nun das kündt mit beiden füeszen goglet
Zimmerische chronik2 3, 105
Barack; 'gebt mir doch mein eier wider!' 'ja, morgen früh leg dich nider und
gogel mit deim bein darfür!' A. J. Widmann
Peter Leu 1583,
s. Weimar. jb. 6, 473;
im compositum aufgogeln: den grosten adel und die hochsten art hon ich vor allen vogeln, es darff sich keiner uff der vart hie uber mich uffgogeln Michael Beheim
bei Schmeller-Fr. 1, 880;
vgl.: gockeln oder gesten machen
gesticulari (15.
jh.)
bei Diefenbach
gl. 261
c;
dagegen gehört niederrhein. gokelen (
mit ô) blijde sijn, vroeliche gesten machen
gesticulari gemma gemmarum (
Köln 1495) j 8
b wohl zu gaukeln,
vgl.gaucklen oder frolich ding driben
gemma gemmarum (
Hagenau 1510) l 4
b.
im bairischen und ostfränkischen begegnet auch gögeln (
vgl.gögel,
adj., bei Hans Sachs,
sp. 672
f.): des maien wint der gögelt in dem loup
minneburg (
um 1340)
bei Lexer 3, 215; das weiberspienzeln, das kögeln und gögeln Selhamer (1694)
bei Schmeller-Fr. 1, 880.
in den heutigen mundarten reicht diese form bis in den obd. westen, vgl. gögeln '
sich wie ein laffe betragen, läppisch tun'
und vergögeln '
etwas aus unachtsamkeit verlegen, verlieren oder weggeben'
bei Stalder
schweiz. idiot. 1, 462 (
zu gögel,
m., ebda); gög(e)le
n '
mutwillen treiben, närrisch tun, sich lustig machen', '
dumm handeln'
bei Staub-Tobler
schweiz. idiot. 2, 154.
mit r -
ableitung gögern '
herumfuchteln' Schöpf
tirol. 199.
daneben kennt die mundart auch ein nicht-umgelautetes gôgeln
in gleicher bedeutung, s. Schöpf 167; Staub-Tobler 2, 153;
auch rheinisch, s. rhein. wb. 2, 1294.
die grenze zu gaukeln,
das mundartlich auch als gögeln, gö(c)keln, go(c)keln
erscheint, ist naturgemäsz schwer zu ziehen, vgl. oben. zu gaukeln (gäukeln)
rechnet wohl nd. gögeln,
s. Mensing
schlesw.-holst. wb. 2, 451,
ferner Jensen
Wiedingharde 161,
dagegen zu gogeln, gögeln
mundartliches go(c)keln, gö(c)keln
überall dort, wo lautgesetzlich vor l
eine verhärtung des g
eintritt, so im moselfränkischen und obersächsischen, s. Kisch Nösner wörter 56; Müller-Fraureuth 1, 372;
hierher vielleicht auch: gockle
n sich kindisch betragen Fischer
schwäb. 3, 734; gock
eln
hin und her schwanken Heinzerling-Reuter
Siegerländ. wb. 93 (
dagegen gök
eln '
unruhig sitzen'
zu gaukeln
ebda 79); gockeln
hin und her wanken; schwanken, müszig gehen rhein. wb. 2, 1294; gokeln
unsicher gehen, wackeln Stauf v.
d. March
nordmähr. maa. 45. 22)
unter bedeutungsmäszigem einflusz von gaukeln '
zaubern'
im sinne von '
zauberei treiben, kunststückchen machen': wann frawen oder anders ymand her în gêt und gegockelt haben, in das zu nemen mit secken und mit all (
v. j. 1436)
im Frankfurter bürgermeisterbuch bei Lexer 1, 1060; den lûden das guckeln verbieden (
v. j. 1442)
ebda; im compositum vergogeln '
verzaubern (
verspotten?)': so müszt ir bekennen, dasz er (
Christus) vergogelet werd, und nach lotterbübischer art verschwind wie der wind Joh. Spreter
von d. alten christl. mesz (1532)
bei Fischer
schwäb. 2, 1151.
als nomen agentis, vgl. iocularius gogler
voc. alphab. (
s. l. e. a.)
bei Diefenbach
gl. 307
c;
phito (
fito) ein gockler oder ein tufel
vocab. ex quo (15.
jh.)
ebda 237
b;
desultorius (
i. e. ioculator) gockler
voc. alphab. (
s. l. e. a.)
ebda 177
a: darumb ich si in der segi (
netz) han. schellenslaher, gogler und affer sind mir all nit unmær
des teufels netz 13336
Barack.