socke,
m. f.,
socken,
m. soccus. 11)
lehnwort aus dem lat. soccus,
welches bei den Römern eine niedrige leichte fuszbekleidung, in der haustracht und dann auch in der komödie verwendet, bezeichnete, auch als sinnbild der letzteren und ihrer ausdrucksweise diente: grande sonant Tragici; Tragicos decet ira cothurnos. usibus e mediis soccus habendus erit. Ovid.
remed. amor. 376;
geschildert ist der soccus
als um den knöchel reichender schuh ohne sohle, der nicht gebunden, und in den nur geschlüpft werde: talares calcei socci sunt, qui inde nominati videntur, quod ea figura sint, ut constringant talum ... socci non ligantur, sed tantum intromittantur. Isidor
etym. 19, 34;
aus der römischen tracht herübergenommen mit dem römischen namen, der (
wie in romanische sprachen)
ins hochdeutsche, angelsächsische, später auch ins altnordische als masc. eingang fand: soc, soch,
plur. socka Graff 6, 134;
ags. soccus, soc, slebescôh Wright-Wülcker
voc. 1, 47, 22 (soccus slypescôs 277, 29);
altnord. sokkr,
plur. sokkar Fritzner 3, 471
b.
die form soc
bleibt als masc. auch im mhd., nur bildet sich dazu die schwache form socke,
die so auch im älteren nhd. und zum theil, vornehmlich mundartlich, bis heute dauert: caligula soc Dief. 90
b;
fico, plur. ficones soche
l. schuhe. 233
b;
linipes soke, sack, sock an den voit. 331
c;
pedile sock, socke, sack, sog. 420
b;
pedulus ein socke. 421
a;
soccus sock, socke, suock, sugk, seche. 539
c; der sock,
soccus. Maaler 376
b; sokk,
m. calceolus, soccus, chausson. Schottel 1417;
plur. socke
und söcke,
aber auch die schwache form socken
kommt schon früh vor: vuoʒ gewête sîn socke und hosin.
Benedictiner regel in Haupts zeitschr. 16, 264;
pedales sockin.
glossen zu Heinrici summarium in der Germania 9, 28; und hat guott belz und rök, darzuo vilz warm und sök.
teufels netz 5310.
der geschlechtswechsel ist zuerst im 16.
jahrh. bezeugt, das fem. die socke,
plur. socken
wächst wol aus dem masculinen plural die socke
heraus: geh dahin, auff der socken ich folgen bin (
auf dem fusze). H. Sachs 5, 231
c,
vgl. auch unten 4,
a; und wird seit dem ende des 17.
jahrh. in den wörterbüchern fast allein angeführt: die socke,
calceolus, soccus. Stieler 1660; ein sockichter, der socken an hat oder auf socken gehet,
soccatus. ebenda; die socke,
plur. socken,
calceolus, soccus, pedule. Steinbach 2, 596; Adelung
und Campe
verzeichnen nur weibliches geschlecht, während Frisch 2, 283
b nach süddeutschem brauche socken
als subst. masc. gibt, wie dieser sich bis jetzt gehalten hat: in Tirol der socken Schöpf 678,
in Kärnthen der socke Lexer 234,
schweizerisch der sock Bühler
Davos 1, 282. 2, 34;
auch bei schriftstellern mit mundartlichem anklange: um das halbentblöszte bein hing ein gelblicher socken. Hauff 7, 37 (
mem. des satans); ein schatz ... welcher in einem zugebundenen socken steckte. G. Keller 4, 225; wirft einen socken über den hag. 9, 192;
aber auch im niederdeutschen gebiete haftet nach dem vorgange des mittelniederd. soc,
plur. socke: vurder schal hir nement vilthode edder socke veile edder to kope hebben. Rüdiger
hamburg. zunftrollen s. 112,
nr. 16,
das masculine geschlecht, wenigstens theilweise: sock,
masc. und socke,
fem. Woeste 248
c,
und daher wieder bei dichtern: dasz sie (
eine alte tante) einen strumpfsocken mit bankthalern in ihrem bettstroh aufbewahrte. Th. Storm
ges. schriften 14 (1882), 7; dicht über mir sah ich den hirten sitzen, er schwingt den faden und die nadeln blitzen, wie er bedächtig seinen socken strickt. Droste
ged. (1873)
s. 46 (=
werke 1, 101). 22)
die fuszbekleidung der socke
ist frauen wie männern eigen, wird theilweise über den bloszen fusz gezogen, und wie der strumpf behandelt, so mittellateinisch rubeos soccos
am manne. Ruodlieb 13, 118
Seiler; am weibe: calciamenta sua, quae iam fuerant nimis arta, cum soccis laxa. 14, 28;
aber die socke
ist auch als überzug über das schuhwerk verwendet: socke, pflegt man denjenigen überzug zu nennen, den man in gewissen fällen unten an die füsze ziehet, und der nicht weiter als wie höchstens der schuh gehet. es giebt derer zweyerley arten, gestrickte oder von leinwand zusammen genehete, welche letzten diejenigen, so einen schweiszigen fusz haben, auf die beine unter ordentliche strümpffe zu ziehen pflegen, und solche heiszen auch strumpff-socken; andere hergegen sind von haaren und grobwollenem garne so geraume gewürcket, dasz man zusamt dem schuh mit den füssen hinein treten kan, und dieses heissen filz-socken.
öcon. lex. (1731) 2289,
vgl. dazu filzsocke
oben th. 3, 1637; leinsocke: dei bein ne bedechent inhosen noch die linsoche.
himetriche 264;
von socken
der ersteren art (
vgl. dazu auch fuszsocke
th. 4, 1, 1042): 2 bar socken. Paumgartner
briefwechsel s. 60
Steinhausen; die socken und solen her (
für einen kranken).
Garg. (1590) 132; ein neuw par socken. 294; auf den socken gehen,
auf bloszen strümpfen. Adelung; die sohle seiner stiefeln nennt er (
der Deutsche) mit lateinischem wort, ebenso die socke darin. Freytag
bilder aus d. d. vergangenheit 1 (1882)
s. 282; er .. hatte nur einen pantoffel und eine socke
an. Bechstein
märchenbuch 131
Hendel; der (
Germane) mag wohl die braune wolljacke mit dem goldgeschmückten kleide eines römischen patriciers vertauschen und seinen bundschuh von rinderhaut mit einer purpursocke.
s. 174; es waren ein paar socken, die sie ausbesserte. Ludwig 2 (1891), 307; die schuh warn sehr zerbrochen ... da lief ich auf den socken.
wunderhorn 2, 275
Boxberger; bin ich das schön Dännerl im thal, strick socken. 354; schwärmerin, willst du auf socken hinabgehn? ziehe die schuh' an! Voss 1, 114 (
Luise 2, 336);
von socken
der letzteren art: soccus, integumentum, eine gattung stifel oder schuh, sock. Dentzler 1, 713
a,
vgl. dazu das ahd. ficon soc-schôh Steinmeyer
ahd. gloss. 4, 229, 36 (
fico genus calceamenti monachici, vel forte rusticorum. Du Cange 3, 483
b);
fico, plur. ficones soche
l. schuhe, soc-scuha, sochscua, sovchschova, socscuche. Dief. 233
b; nachtsocken der mönchen in den klöstern,
sotulares, nocturnales. Frisch 2, 283
c;
holsteinisch sokken, fuszüberzüge, wie die von eggen, tuchecken rände, die man im winter über schuh und stiefel zur warmhaltung der füsze zieht. Schütze 4, 155;
kranke füsze haben, nennt man up sokken sitten.
ebenda; sock (
bündnerisch)
warmer, wollener, oder besonders von tuchenden gefertigter schuh ohne absatz, und meist ungesohlt. Bühler
Davos 1, 282; sock,
grober tuchschuh ohne ledersohle. 2, 34; do geinc men sniden deklaichen, kogelen und socke daraf maichen, die manlich over sine schoin vor dat gelisteren (
ausgleiten) soilde doin.
d. städtechron. 12, 75,
v. 1852; Göthe
meint wol diese art überschuhe in folgendem: setz dir perrücken auf von millionen locken, setz deinen fusz auf ellenhohe socken, du bleibst doch immer was du bist. 12, 90;
und in einer andern wendung: welch ein zierliches gewand flieszt dir von schultern zu den socken. 41, 43;
auch nach vorbild des lateinischen (
s. oben 1)
als sinnbild der niedrigen ausdrucksweise wie in der komödie gebraucht: statt der socken gehn auf stelzen. Wernike 233.
dergleichen socken
in einer besonders ausgebildeten art: socken von filz die über die knie berauf gehen,
ocreœ laneœ, müssen die hutmacher im Anspachischen zum meister-stück machen. Frisch 2, 283
c. 33) socken
geben einen leichten und leisen gang: die socken leits an die füeʒe,die schuoh s'in buosen stieʒ. nu hœrt, war umb diu frouwedie schuoh von den füeʒen lieʒ: drumb daʒ man sie niht hôrte,sô sie gienc über den sal.
Wolfdietrich d viii, 9; doch duont wir vor zwen socken an, das uns die herschafft nit hOer gan. Brant
narrensch. 81, 27; wer etwas stehlen will, der musz auf socken gehn. Rachel
bei Steinbach 2, 596; besinnt euch, ersteht und erwacht! feuer! der frevel zog auf socken durchs thor! H. v. Kleist
Käthchen 3, 7; auch er kam in seinen socken an die thür geschlichen. Immermann
Münchh. 4, 101; (
das podagra) schleicht mit pelzen socken herein, schlächt aber mit pleien händen drein. Fischart
dicht. 3, 222, 16
Kurz; daher die leise socke,
die diesen gang ermöglicht, dichterisch: auf leisen socken einschleichend, wie ein dieb. Göckingk
lieder zweier lieb. 40; jetzt wolt' er auf leisen sokken heim sich schleichen. Langbein
im Göttinger musenalm. 1782,
s. 8; schon fühl ich an des herbstes reichem tisch den kargen winter nahn auf leichten socken, Droste
ged. (1873) 67 (=
werke 1, 124). 44)
bildlich wird dem fliehenden der gebrauch der socken
beigelegt, welche die flucht leicht und geräuschlos machen; in festen wendungen. 4@aa) einem auf den socken sein,
wie sonst auf den fersen sein (
th. 3, 1544)
unmittelbar hinter einem sein, folgen: Petosiris war noch nicht gefangen, und war doch nicht weit davon, denn er (
der verfolger) ware jhm allweg nahend auff den socken.
b. d. liebe 208
c; einem auf die socken stechen,
in gleichem sinne: also gab bischoff Dietrich von Cöln c. tausent guldin für sein investitur und bestätigung, und muost sich das lassen kosten, welt ers behalten, dann der bischoff von Palborn, stach yhm auff die sock, und wolte etlich zeit alle wochen hundert ducaten geben, aber er kame zuo spat, er hett sunst mitt disem geschosz fürtruckt, unnd bischoff Dietrich hett mit sein hundert tausent gulden neben hin müssen geen. S. Franck
chronica 1531 517
a; auf den socken folgen, nachgehen, nachrücken,
auf der spur folgen, unmittelbar: dasz jm die armut auff socken nachgehet. Petr. (1551) 28
a; wie der teüfel Christi aff ist, der jm auff den socken nachgeet, und alles nach wil thuon. S. Franck
chronica 1531 469
b; ja dem der heylig geyst folgt auff den socken.
weltb. 224
a; der herr geht auff der socken nach. H. Sachs 3, 1, 95
a; und auszschlossen den feind davor (
vor der stadt) der auff der socken jn nachruckt. 4, 2, 64
b; ihr wirde (
der bremen könig) auff die reisz sich macht, sasz auf dem kefer, strich dahin, nach Muscäa stund jr der sinn. auff der socken folgte geschwindt der gantz hell hauff das hoffgesindt. Fuchs
mückenkrieg 1, 333 (
s. 47
Genthe). 4@bb) sich auf die socken machen,
sich auf die füsze machen, d. h. fortgehen, fortlaufen. Campe
als niedriges, in der umgangssprache gebräuchliches wort; als solches der studentensprache 1795: sich auf die socken machen,
leise und schnell davon gehen. Kluge
studentensprache (1895) 126
b; einen auf die socken bringen,
zum schnellen laufen antreiben, beine machen; dazu niederd. aus Mecklenburg up de söcken, slarpen bringen
im allgemeineren sinne des verweisens. korrespondenzblatt für nd. sprachforschung 9 (1884)
s. 75. 55) socke
vom fusz gewisser tiere: und werdens (
sie, die geiszen) klimmen ohn gefahr auf ihren hörnen socken. Spee
trutznachtigall s. 152, 120
Balke; noch hat der fuchs die rechte seite, gelassen trabt er, schleppt den schweif, zieht in dem thaue dunklen streif und zeigt verächtlich seine socken. Droste
ged. (1873) 36 (=
werke 1, 85).