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geile

ahd. bis Dial. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

geile f. subst.

Bd. 5, Sp. 2592
geile, f. subst. zu geil, mhd. geile, ahd. geilî und geilîn, wie noch nhd. auch geilen u. 2 neben geile; vgl. auch geil m. und geilheit. 11) ursprünglich fröhlichkeit, lust, besonders ausgelassene (s. das adj.) und geil m., daher altfranz. gale f. festlust (s. geil I, b); so noch mhd.: dô er an sîner geile spranc (beim tanze). Neidhart 90, 20. dann besonders übermut, mutwille, schon ahd. petulantia, elatio, auch superbia, jactantia, pompa (s. das adj. 2, d): nim die mirren der puoʒ, da mit du die üppigen gayl deines lebens prittelst (zügelst) und zämest. gesta Rom. 44, mit der vorstellung eines füllens (s. geil 2, e), lehre an einen könig; die geisel ie dem ross gehört, damit man im sin geile wert. Eckstein reichstag, kloster 8, 858; also tödtet man das kalbfleisch freiheit und den gammel oder geile. Keisersb. eschengr. a 5a (nachher böse neigungen); geile des libs. chr. bilg. 107c; leit dir die geile. 107d, vergl.wenn dir der gammel geleit ist ders. unter gammel 1, a; ich gelege dir die sprüng und geile. Steinhöwel Es. 55a. 22) zu geil 4, auch noch in der form geilen, dem ahd. geilîn entsprechend (vgl. keltin unter kälte, ebenin unter ebene), wie noch bair. gailen f. neben gaile Schm. 2, 30: als mein weib ausz dem kintpet ging, erhart ich kaum pisz esz wart nacht, also die geilen mich anfacht. H. Folz in d. fastn. 1205, doch nicht mit dem rohen klange von jetzt, es hatte vielmehr den klang ärztlich wissenschaftlicher fassung, wie deutlich in folg. stelle (s. dazu u. geil m. 2, b): der lust und die geile regirt die entpfengnus, nit die gebürlich zeit. Paracelsus 1, 599c; ward mit solcher tiefen einbrünstiger unkeuschheit und geyle gegen dem jüngling entzündet, dasz sie voriger geylheit, mit andern gehabt, aller vergasz. buch d. l. 209b. unsicher ob nicht zu 3: man sol im auswerfen sein niern ... man losz die mait die niern praten und geb sie dem Molkenfrosz zu essen (dem eigenthümer), so wirt er seiner gailen vergessen. fastn. sp. 100, 29. 33) die geilen, hoden, schon mhd., wahrscheinlich gleichfalls ursprünglich ein ärztlicher ausdruck (vgl. geil m. 3, a): der biber muoʒ vil hôhe geben sîne geilen vür sîn leben. Freid. 139, 6, die form mit -en begreift sich leicht nach dem sg. geilen vorhin, ahd. geilîn; der pfaff lief haim und liesz sich hailn (d. h. castrieren), man must im ausschneiden sein gailn. Rosenblut vom edelmann und dem hasengeier, noch bei Frisch 1, 335a einem die geilen ausschneiden, castrare, nl. gheil uitsnyden Kil.; aber es gehet im, wie im buch der weisen stehet, da er (der affe) einen bawrn hatte sehen ein grosz holz spalten, gehet er hin und setzt sich auch reitlings drauf und spaltet mit der axt. er hatte aber kein badhembd an und die geilen fielen im in die spalten (sg.), und vergisset einen keil ein zu schlahen. so zeucht er die axt aus, klemmt und zuquitscht die geilen, das er sein lebtag ein ongeil oder eunuchus bleiben muszte. Luther 6, 141b (urspr. geylhen Dietz 2, 50b), vgl. bei Lehman flor. 1, 32 die nacherzählung; so man einem ross die geilen oder hoden ausgeworfen hat .. Tabernaemont. 596; seine (des hasen) nieren, seine geilen sollen in den arzeneyen manchem kranken hülf' ertheilen. Brockes 9, 254. weidmännisch von den hoden des hirsches (öcon. lex. 789), bei Frisch 1, 335b aber auch geilin einer stute, vulva, vgl. geburtsgeilen (auch vom eierstock), dazu geilenförmig. s. auch geilniere, geilen 4, b, castrare. 44) von pflanzen und land, fruchtbarkeit, üppiges wachsthum u. ä., s. geil 5, vgl. geilheit 3. 4@aa) mhd. z. b. geile des boumes, frisches wachsthum: ouch derret des boumes gäile in dem sumer der chalt rîfe. Heinr. v. Melk priesterleben 234, s. u. geil 5, a. in dem stück in Laszbergs liedersaal nr. 145 musz es der name einer gegend sein, bauern in der Gaile geseʒʒen v. 31. 50. 137, also geile fruchtbare gegend oder strecke, vgl. Geilnau u. dergl. sp. 2587 m. 4@bb) vom boden, erdreich: der basilico von ... der gaile des erdrichs .. on masz schön und wolschmeckent (riechend) war. Steinh. Bocc. 95a (35), it. grassezza della terra. im 18. jahrh. »diejenige güte eines angebauten erdreiches, vermittelst dessen es fruchtbar gemacht wird, dasz es schöne und vollkommene früchte bringe« öcon. lex. (Leipzig 1731) 789 aus der landwirtschaftlichen sprache (zu güte vergl. das heutige bonitirung), bei Adelung von überflüssiger fettigkeit und dem allzu starken triebe der gewächse davon, s. dazu geil 5, c. 4@cc) auch vom düngen oder dem dünger selber: wenn die bethe die quere gemacht sein, so kan die geile nicht wegschwimmen. Colerus hausb. 177; ain ieder soll gemelte sein gail (vorher: mit seinem reverendo mist) ausfüern, ehe man an das pan fahrn thuet. österr. weisth. 1, 21, 11; geile und gare dünger und mist Adelung, nd. dat land in gêr un geile erhalen (erhalten), auch erste, zweite, dritte geile Schambach 61a. auch oberd. der geil, md. das geil (s. geil m. 2, e), vgl. im 16. jahrh. geil adj. 5, a, γ für befruchtend. s. auch geilung. 55) und noch anders. 5@aa) bei Schmeller bair. gaile auch für fettigkeit überhaupt, s. dazu geilig und unter geil 5, e, α geil widrig fett, von fleisch u. ä. 5@bb) von salz: das also das salz in ein geile geht, das ist in ein ander wesen. Parac. 1, 127, vgl. dens. unter geil 5, d. 5@cc) bairisch die gál, geile, krankheit der singvögel, der pips, s. Schm.2 1, 891, vielleicht von den hennen hergenommen, s. von diesen unter geil 4, a. 5@dd) baumwanze: geilen, vulgo gartenwentelen, cimices hortenses. Schwenkfeld theriotr. 524 (Frommann 4, 168), von ihrem üblen geruch? vgl. geil 5, e, γ.
5633 Zeichen · 168 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    geile

    Althochdeutsches Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    geile Gl 3,479,14 s. geili st. n.

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    geile

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +13 Parallelbelege

    geile ? eine geräthschaft, um fische zu fangen, oder sie zu ködern? niemandts soll fischen mit ungewönlîchen gezauwe, mi…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    geile

    Mnd. Handwb. (Lübben/Walther) · +2 Parallelbelege

    geile, f. die Düngung des Ackers.

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    2. Geile

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    2. Die Geile , plur. car. das Abstractum von dem Bey- und Nebenworte geil, welches ehedem in dessen sämmtlichen Bedeutun…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Geile

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Geile , s. Geilung .

  6. modern
    Dialekt
    Geile

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Geile f. Geilheit. ‘den gammel oder geile’ Geiler J. Sch. a V.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit geile

27 Bildungen · 22 Erstglied · 4 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von geile

ge- + ile

geile leitet sich vom Lemma ile ab mit Präfix ge-.

geile‑ als Erstglied (22 von 22)

geilecheit

Lexer

geilec-heit stf. petulantia Dfg. 419 a . vgl. geilheit;

geilenförmig

DWB

geilen·foermig

geilenförmig , in der form von geilen, testiculi ( sp. 2593): lauft gählings zwischen den geburtsgeilnförmigen trüslin hin. Uffenbach rossb.…

geilen I

RhWB

geilen I = gelten (s. d.) ;

geilen II

RhWB

geilen II = mit dem Geil Fische fangen s. Geil II;

geilen III

RhWB

geilen III = schlecht schneiden s. geigen.

geilen IV

RhWB

geilen IV gę·i.lən Saar von Saarl-Pachten Piccard an, Trier , Wittl , Bitb , Daun , Prüm bis Malm-Meyerode [ -E- Wend-Oberth ; -E:- Bitb-Spe…

Geilenkirchen

Meyers

geilen·kirchen

Geilenkirchen , Kreisstadt im preuß. Regbez. Aachen, an der Worm, Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Aachen-Rheydt und der Geilenkirchener Klei…

geilen V

RhWBN

geilen V schw.: anhaltend bitten (auch begierig zusehen), noch Gummb-Hesselb , Erk-OKrüchten .

Geilerroll

SHW

Geiler-roll Band 2, Spalte 1185-1186

geilerei

DWB

geile·rei

geilerei , f. mendicitas, ghylery. Teuth. 20 b ; s. geiler.

geilerisch

DWB

geile·risch

geilerisch , adj. zu geiler: die minn ist mächtig, gylerisch ... das sy yme zuo gylet, und gilet wie ein hund, was sie sicht das wil sie hab…

geilern

DWB

geil·ern

geilern , frequentativum zu geilen, mutwillige possen treiben sp. 2594: als etliche weiber und medlin hinaus ins felt zugrasen gangen und wi…

Geiler von Kaisersberg

Meyers

Geiler von Kaisersberg , Johannes , berühmter deutscher Kanzelredner, geb. 16. März 1445 in Schaffhausen, gest. 10. März 1510 in Straßburg, …

geilesen

KöblerMhd

geil·esen

geilesen , sw. V. nhd. strotzen, schwellen, sich aufblähen, fröhlich sein (V.), sich freuen über Q.: Martina (um 1293) E.: ahd. geilisōn* 2,…

geilesk

WWB

geil·esk

geilesk Adj. cheilsk asthmatisch (Frbg.) ( Bür He).

geilesunge

KöblerMhd

gei·lesunge

geilesunge , st. F. nhd. Üppigkeit, Geilheit, Schwelgerei, Genusssucht, sexuelle Gier, Wollust ÜG.: lat. luxuria Gl Q.: BambGlB (1070/1080),…

geile als Zweitglied (4 von 4)

geburtsgeile

DWB

geburt·s·geile

geburtsgeile , f. , pl. geburtsgeilen, die hoden, auch die eierstöcke. Adelung, als ausdruck der ' zergliederungskunst '.

Ableitungen von geile (1 von 1)

ergeile

BMZ

ergeile swv. 1. mache kräftig, er wart an allen dingen gejunget und ergeilet troj. 11000. 2. erfreue. solhen trôst der noch mîn herze ergeil…

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APA
Cotta, M. (2026). „geile". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/geile/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „geile". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/geile/dwb. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „geile". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/geile/dwb.
BibTeX
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