geil ,
hilaris, petulans, lascivus. II.
Form, verbreitung, verwandtschaft. I@aa)
goth. gails
fröhlich blickt aus gailjan
εὐφραίνειν,
ahd. keil, gail
elatus, petulans Graff 4, 182,
mhd. geil,
auch geile (
wäre ahd. geili);
ags. gâl
lustig, ausgelassen, übermütig, noch in engl. gole (
s. II, 5,
b);
alts. gêl
ebenso, mnd. mnl. geil,
nrh. gheil
Teuth. 101
b,
nnl. geil (
volksmäszig auch geel
und gail)
wb. III, 904;
altn. mangelnd, aber dän. geil,
schwed. in mundarten gail, gäl, gel, gil
lustig, toll, geil, brünstig, s. Rietz 189
a,
das letzte vielleicht mit norw. gilda
freude, gildast
lustig sein, dän. dial. gield
brünstig (
das. 189
b)
davon zu sondern (
s. u.gall n. 3). I@bb)
auch auf roman. boden lebt es noch, ganz ein und weiter gewachsen, in anknüpfung an die erste bedeutung, von da auch wieder zu uns gekommen, denn gala
und damit galant
stammen wahrscheinlich von geil,
s. schon Frisch 1, 335
c, Diefenbach
goth. wb. 1, 381,
dann Diez
wb.2 1, 197
fg.; vgl. besonders altfranz. gale
f. lust, freudenfest, schmaus u. ähnl. (
s. geile
f.), galer
feste feiern, lustig schwärmen (
s. geilen 3),
ital. di gala
munter, lustig, '
ein deutsches geilhart (
vgl. z. b. gebhart)
liegt zu grunde bei mlat. galliardus, goliardus
joculator, scurra, prov. galhart,
franz. gaillard,
it. gagliardo'
u. s. w. munter, frisch u. ähnl. Diefenbach 1, 382,
vgl. älter nl. geilaard
m. übermütiger mensch, s. wb. III, 907 (
vgl. unten geilart). I@cc)
urverwandt stimmt, wie Benfey
bemerkte, lat. hilaris
mit seinem stamme hil,
der auch altind. überliefert ist für lustig sein, tändeln, hêlâ
lust, übermut (Böhtl.-Roth 7, 1659).
bei uns aber kommt noch eine andere form in frage: oberd. gegel geil, osnabr. geggel
ebenso, ags. gägl,
die doch bei einem andern stamme guten anhalt finden (
s.gegel 3);
aber das verhältnis zwischen gegel
und geil
erinnert zugleich an das merkwürdige verhältnis zwischen kegel
und keil, kugel
und kaule,
s. dazu u. kegel 12.
weiter ausgreifende erwägungen und anklänge s. bei Diefenbach
a. a. o., vgl. auch unter 5,
f. I@dd)
auffallend im 15.
jahrh. auch mit i, y,
in einem voc. peculanter gilich,
peculantia gilichkeit,
in einem andern gylich, gylkeit,
auch peculari gylen Dief. 419
a.
das kann keine gewaltsame kürzung durch massenhaften gebrauch sein, wie bei alem. helig, hellig,
nd. hillig
für heilig,
es scheint vielmehr nur einwirkung des zweiten geilen (
d. i. gîlen),
s. dort unter 3,
eigentlich vom übermut des jungen viehes (
s. II, 2,
e und kälbern),
wie in peculari
das eigentliche petulari
an pecus
angelehnt erscheint. auch nl. bei Kil. ghijl
gleich gheyl,
procax, lascivus. IIII.
Entwickelung der bedeutung. II@11)
der ursprüngliche harmlose begriff fröhlich, lustig, besonders aus der maszen lustig, der so entarten sollte, tritt noch nhd. deutlich auf. II@1@aa)
ahd. zwar nicht bezeugt (
vgl. ags. unter c, α a. e.),
doch mhd. noch deutlich in vrô und geil, vrœlich unde geil (geilichen frô Wolkenst. 80, 2),
auch von bloszer fröhlichkeit wie sie als regel gedacht ist, im gegensatz zu trûric,
z. b.: im was ein ander (
zweites, neues) leben gegeben .. er was dô geil unde frô.
Trist. 8319; swer dirre selben hervart in dem lande über wart (
überhoben), der was es (
darüber) herzeclîche geil.
Barl. 264, 27; sô sage mir, vrouwe, durch dîn heil, wes du von gote sîst sô geil, daʒ du in lobest sô sêre? 146, 38; wer wære geil (
ohne dich, Maria) enzwischen himel und erde? Haupt 4, 540; sô mich sende nôt bestât, sô schîne ich geil und trœste (
ermutige) selben mich. Walther 116, 36; wiltu (
die geliebte), sô wird ich an stæten vröuden geil.
MSH. 1, 26
b.
und so noch nhd., im 15. 16.
jh.: das ich wider werde geyl und entladen werd myner not.
Amor l 1; sie sprach (
frau Ehre): Unmuot, nu wich! wir wöllen geil und gemelich sin. Altswert 42, 29; so geb dir got gelück und hail und bewar dir dein leben gail.
klopfan, weim. jahrb. 2, 95 (
fastn. 1355),
als neujahrwunsch; und ist mein frowe mit allem heil (
meldet ein bote) gesunt, frisch, frölich unde geil. Büheler
königst. von Frankr. 1620; und saget in (
den freunden), mir seind frölich und gesund und gail von den genaden gottes.
Flersh. chr. 25, 4,
als grusz aus der ferne. II@1@bb)
besonders auch naturfrisch u. ä., von frischem lebensmute, der aus besonderer kraft, strotzender kraftfülle flieszt und von dieser selber, z. b.: vor jugende geil
Parz. 181, 10; die wîl (
so lange) ich was an kreften geil.
Lieders. 2, 179,
vgl. vorher ich bin ze krank und ouch ze swach; sô wart er ûʒ der ahte (
überaus) starc, küene unde geil.
Lanz. 3969,
von einem helden, der seine kraft durch den duft gewisser kräuter stärkt; daher noch nhd. als beiwort eines heldenjünglings: darumb macht er sich auf die fart, zuo versuochen sein glück und heil an herr Tewrdank, dem jüngling geil.
Teuerd. 10, 6,
ähnlich wie sonst gemeint (
auch noch im Teuerd.),
gewiss schon in früheren verwandten dichtungen; vgl. auch unter 3,
a. frisch und geil (
vgl. unter c, β),
wol auch wie gemeit: ein thumherr war ir günstig, er daucht sie frisch und geil.
Ambr. lb. 220, 27,
er gefiel ihr, sie war stolz auf ihn. ähnlich in bezug auf liebe: der nam in seinem alter ain junge gaile grefin, aber das ochsen- und kalbflaisch mocht bei ainandren nit gesieden.
Zimm. chron. III, 130, 26.
dazu die ahd. namen Gailo (Galo, Gelo),
fem. Gaila
u. ä., wol auch schon vandal. Gailamir
u. ä., s. Förstemann
nam. 1, 458
ff. auch von thieren, z. b. von einem pferde, das verkauft wird: der wirt sprach, er ist resch und geil, nur das er hat ein kleinen feil. Waldis
Es. IV, 83, 95. ochsen, die wâren wilde und sô geil, daʒ si nieman enmochte an ein joch gevâ
n. pass. H. 222, 33.
vgl. vom falken, der feindlich in ein volk vögel stöszt durch sîne geilheit
gr. Rud. Fb, 18. II@1@cc)
dann aber auch von besonderer fröhlichkeit bei besonderen gelegenheiten. II@1@c@aα)
daher geil werden (
mhd. sich geilen), einen geil machen: ich gibe im solcher minne teil, dâ von sîn herze wirdet geil.
Wigal. 225, 17; der (
vögel) bleip dâ lebendic ein teil, die sît mit sange wurden geil.
Parz. 119, 8; würd uns der edlen minne spil, so süllen wir all werden gail.
fastn. sp. 404, 22; wiltu (
geliebte), so machst du mich geil. Altswert 72, 24.
natürlich besonders bei festen, beim gelage, beim becher: daʒ her Swantopolc besît in einiʒ sîner dorfir quam durch kurze wîle unde nam darzû sîner rittir ein teil, mit den er wolde wesin geil unde in wirtschaft goidin. Jeroschin 7866,
ein lustiges fest und schmaus halten (
s. geuden); ich hoff, es werd noch manger gail, so sich der schimpf (
lust) wird heben dort. Herm. v. Sachs.
Mörin 5604,
von einer bevorstehenden hochzeit; der acht von trinken wirt so gail, das im sein er, guot, weib und kind ist alles vail. Wolkensteiner xxiii, 2, 14.
und so gewiss schon in alter zeit, das verrät ags. ealogâl, medugâl, wîngâl,
bier- meth- weinfroh, trunken, symbelgâl,
schmausfroh, '
heiter',
d. i. trunken. s. auch noch nhd. geil
m. 2,
d. II@1@c@bβ)
besonders auch von der fasnacht: seit fort all fasnacht frisch und geil.
fastn. sp. 389, 26; nu sagt, ir lieben narren gail .. 121, 26;
daher der geile montag,
der montag vor der hauptfasten (Scherz 505. 465): wan man doch uberein dy leichtfertigkeit thun wolt, so sol man es doch nit eben uf den tag thun, uf das haupt der fasten. worumb thut man es nit morn, so es on das heiszet der geil montag. Keisersberg
emeisz 10; da iszt man den teufel im rauch am geilen montag.
Garg. 153
b (
Sch. 283);
vgl. städtechron. 1, 487
b. 3, 428
a. 10, 836
a. II@1@c@gγ)
noch jetzt schwäb. geil
überfroh, z. b. auf einem Tübinger studentenballe sagte ein mädchen, das der tanzherr zur mutter zurückbrachte: ach mutter, ich bin so geil; narr! denk ich wieder, du hast dein theil! willt du noch jetzo werden geil? Mörike
der alte thurmhahn. II@1@dd)
auch von freudigkeit in besondern beziehungen, mhd. z. b. geil zuo
etwas, froh bereit, mit freuden willig: sî wâren darzû harte geil.
pass. K. 473, 82,
d. h. zum feuertode als märtyrer. so ze strîte geil,
kampffreudig, wie dort todesfreudig (
vgl. gemeit
kampffreudig Uhland
volksl. 405): dâkegin ouch vorgîngin (
kamen um) Littouwin wol sibinzic man, die dâ wâpin hattin an und zu strîte wârin geil. Jeroschin 20458;
vergl. in vocc. des 15.
jh. vafer geil (
neben hochvertig, dapfer) Dief. 604
c,
mnd. Sch.
u. L. 2, 35
b, 29,
und schon ahd. für ferox, geila muot,
feroces animos Graff 4, 182,
eigentlich wol von tollkühnem kampfmute. ähnlich nhd. von einer bärin, die in wut versetzt ist, weil man ihr die jungen (welflein)
genommen: der held tette ein trit hindan .. und stach damit das thier geil mit seinem perenspiesz zuotodt.
Teuerd. 14, 38.
vgl. mhd. hirngeil,
tobsüchtig. II@1@ee)
die linie, die zum heute herschenden begriffe führte, betritt es in zu geil werden,
also ein überschreiben der alten mahnung, in zühten gemeit
zu sein (Haupt
Neidhart s. 113,
vgl. ehrenfreudig);
so schon mhd.: dar umbe lât uns got gebresten haben hie in allen dingen .. daʒ wir iht ze geil werden und ze übermüetic.
myst. 1, 338, 11; und haben den rüden, daʒ ist unserm leib gar ze guotlichen getan und ze vast gemest, daʒ er zuo tOerisch wart und ze gayl.
gesta Rom. 166; uf erden solt nit sin zuo geil mit dinem swachen erbeteil. Muscatbl. 84, 2; da findens auch wol ihren teil (
die bauern im narrenschiff), auf das sie werden nit zuo geil. Zarnckes
Brant 130
b,
vergl. von den bauern unter 2,
b; wir haben lange zeit friede gehabt und gute tage, bis wir zu geil und kutzel worden, nicht (
mehr) wusten was fried und gute tage waren. Luther 3, 147
b; die christen wil er mit solchem unglück im zaum halten, das sie nicht von gott weichen, nicht lecken (
ausschlagen) und zu geil werden.
ders. bei Dietz 2, 50
a.
s. auch von pflanzen 5,
c. II@22)
dann aber bloszes geil,
wo es eigentlich zu geil
meint vor lust oder lebenskraft, also ausgelassen, übermütig, mutwillig, üppig u. ähnl. II@2@aa)
und so zwar schon ahd. petulans, elatus, sodasz die vorgeführte entwickelung, die noch mhd. nhd. als nachwirkend zu erkennen ist, doch auch in ahd. zeit schon vollzogen war, wie auch alts., ags. schon (
s. auch unter e);
mhd. z. b. von übermütigem bauerntanze (
vgl. unter geil
m. 1): Diethôch, Uolant und Iedunc spranc dâ mangen geilen sprunc. Neidhart 31, 38 (
var. hôhen); er muoʒ mich sîne geile sprünge lêren. 21, 26,
d. h. zugleich eine art kunst des tanzens (
daher var. sînen treiros,
ein tanzname); owê, sprach ein geiliu magt, ich bin behuot! ine getar vrô gesîn niht offenbâr (
vor der mutter). 14, 31.
wie das gedacht war, zeigt der vergleich mit jungen ziegen (
s. u. e): ein altiu diu begunde springen hôhe alsam ein kitze enbor ... dô sprach ein alte in ir geile (
f.) 'trûtgespil, wol dan mit mir (
zum tanze)!' 3, 1. 15. II@2@bb)
nhd. ist das (
und die bedeutung 4)
dann vorwiegend, der begriff entwickelte sich eben in der richtung der übertreibung: geyler, gayler, oder frischer (
s. a), oder unkeuscher (
s. 4),
lascivus. voc. 1482 k 6
a,
vgl. Dief.
unter lascivus, petulans; ein ritter meint vom wachsenden übermut der bauern: solt es allweg frid beleiben, die paurn würden den adel vertreiben, sie würden hinten nach so gail, sie machten uns pürg und stet fail.
fastn. sp. 646, 13 (
vgl. Luther
unter c); auf diese zeit verdrosz den babst und die Walhen, dasz die streitbarn Teutschen hinder das römisch reich warent komen und warfen welisch künig auf. wann die bebst warent gail und lebten gar freies lebens. Meisterlin
Nürnb. chron. 3, 66,
mehr politisch gemeint; von leuten die zu jung und unreif ins kloster gethan werden und zuchtlos bleiben: solch klosterkatzen sint gar geyl, das schafft, man bindt sy nit an seyl (
sind '
ungebunden'). Brant
narr. 73, 91; do er sinen bruoder Mithon straft (
tadelt), das er im hat sinen son uppig gekleidt und geil gezogen. Gengenbach 118 (44),
in kleidung und zucht zu übermütig werden lassen; die sibent eigenschaft des lewen ist, das er ist ein geil mutwilligs thier. Keisersberg
brös. 1, 55
a; dieweil der leib geil ist, so wirt er dem geist nimer (
nicht mehr) undertänig.
pred. 41
b; du bist ein msziggenger, solt vil vasten, vil abbrechen die spysen die dich geyl machen, dem arbeiter vergat der gammel wol .. im feld. Zwingli
von speisen c 3
b; da er (
Jacob) aber fett und satt ward, ward er geil.
5 Mos. 32, 15; hilf gott, wie leckt er, wie geil ist er, wie tanzt er in seinem dünkel. Luther
bei Dietz, wobei an thiere gedacht ist, s. unter e; effoeminare, geil machen. Dasyp. 77
c; die leute werden geil (luxuriant).
Rihels Livius 19; wenn man alle tag fett und satt ist, so wird man geil und vergisset gottes. Henisch 1442, 66,
vgl. das. geilen,
geil sein, scherz und vorwitz treiben. auch von angeborner übermütiger art oder unart,
von Achilles und seinem erzieher, der entwänt in also mit der weil von seiner unart, so war geyl. Fischart
ehz. N 7
a (3, 291
Kz.). II@2@cc)
oft gesellt mit sinnverwandten wörtern, wie gämlich, kützel, fürwitz, frech,
feig, ausgelassen
u. ä.: da was der apoteker ouch etwas (
einigermaszen) geil und gemlich und gab Ulenspiegeln ein scharf purgatz.
Ulensp. hist. 90,
d. h. zu übermütigen späszen geneigt wie Eulenspiegel selber (
vergl. geil
und gammel
vorhin Zwingli); es ist unseglich, wie geil und kutzel die bawrn itzt worden sind durch diese friedreiche zeit etliche jar daher, es jucket sie die haut so fast wie einer saw zur schlachtung gemestet. Luther 5, 465
b (
vgl. dens. unter 1,
e); junge witwen, wenn sie geil und fürwitz worden sind, dasz sie das futter sticht, so wollen sie freyen.
tischr. 214
a,
nach 1
Tim. 5, 11,
wo blosz geil
steht, in der glosse erklärt: weil sie von dem gemeinen almosen wolleben, müszig gehen und faul werden; vielleicht aber möcht er (
der sohn) nach art der jugend
frech und geil ungehorsamen. Kirchhof
wend. 168
b;
Hippolyt von seiner stiefmutter: mit ihr werd ich in unglück kommen, weil ich mit warheit gerne sprech, sie wer meim vatter zu gail und frech. Ayrer 1284, 30; beschert gott glück und heil, so werden wir frech und geil. Henisch 1442, 61.
und ebenso feig und geil: also ist dein leib feig und geil, leg im ein zaum an und zeum in. Keisersberg
brös. 2, 67
a,
mit gedanken an ein wildes füllen o. ä. (
s. e); ist sie (
die frau) aber leichtfertig, faig oder gail, ein gaffelstirn, will ainem ieden red und antwort geben.
schif der pen. 30
a,
übermütig, ausgelassen, s. feig 3,
z. b. von einem pferde das seinen reiter abwirft, es galt auch von helden, vom höchsten mute im kampfe (
eigentlich todesmutig): do ward der held Seifride so grimmig und so feig ..
hürn. Seifr. 143, 2.
noch im 17.
jh. schwäb., wie bei Keisersberg: (
gib) dasz ich nicht werd faig, gail noch träg. Weckherlin 56 (
ps. 17, 6),
nicht zu viel noch zu wenig mut gewinne. so auch geil und ausgelassen
noch im 17.
jh.: ob nun gleich dieser krieg und streit, den ich mit mir selber führte, mich greulich quälte, so war ich doch geil und ausgelassen darbei, ja von einer solchen natur, dasz mir weder mein innerlichs anliegen (
was mir quälend am herzen lag) noch die äuszerliche arbeit und kriegsunruhe etwas zu schaffen gab.
Simpl. 3, 18, 17
Kurz (
Courage 3). II@2@dd)
der begriff steigert sich da oft auch von mutwillig, übermütig zu anmaszend, unverschämt, z. b. in dem frech und geil (
vgl.freche geilheit),
in dem geil und kutzel
von den bauern, und auch diesz schon ahd., insolens, arrogans Schm. 2, 30,
bestätigt durch geilî
f. (
s. geile)
adrogantia, jactantia, superbia, geilên
insolescere Graff 4, 183. II@2@ee)
von thieren, an die im vorigen oft schon mit gedacht ist, vergl. mhd. unter a von jungen ziegen, überhaupt besonders von jungen thieren (
vgl. geilen 3,
a): etlich meinen, er (
Jesus) hab zuerst auf dem füllen gesessen, aber dieweil es noch geil und ungezemet gewesen, hab er darnach auf die esellin gesessen. Luther
post. 1528 18
b; du hast mich gezüchtigt .. wie ein geil kalb.
Jerem. 31, 18; und lecket wie die geilen kelber. 50, 11; das geile gewäsche der hupfenden frösche sagt, dasz uns der wechsel den frühling gebracht. Chr. Mylius
verm. schr. (1754) 413.
noch jetzt landschaftlich, z. b. schles. von pferden und rindvieh, lustig, ausgelassen Weinhold 26
b,
wie geilheit
ebenda auch von menschen. II@33)
noch einige besondere schattierungen der ursprünglichen bedeutung, hauptsächlich als beweis, wie vielseitig der begriff sich ursprünglich ausbilden wollte, um doch in dem einen unter 4
auszulaufen (
s. schon 1,
d). II@3@aa)
merkwürdig mhd. an tugenden geil,
im preis eines fürsten, nach aufzählung seiner tugenden: sît ich niht lebende an tugenden weiʒ sô geiles.
MSH. 3, 170
a,
vielleicht gleichfalls wie gemeit (
s. unter 1,
b),
das auch zuweilen wie alle tugenden einigend oder zusammenfassend erscheint; denn die bedeutung fruchtbar unter 5,
a scheint weniger passend. II@3@bb) geil werden
auch vom erwachenden selbstgefühl der kraft, z. b. bei der jugend: ferocire dicuntur iuvenes Ovid., freidig und muotig oder geyl werden und ein herz gewünnen, sich selbs empfinden. Frisius 555
b,
daher Maaler 101
d,
aus diesem Henisch 1442, 35. II@3@cc)
eigen ahd. auch keiliu ougun,
elati oculi Graff 4, 182,
wol solche die stolze entschlossenheit aussprechen. diesz auch nhd.: sie hatte ihn mit geylen, unbeweglichen, schamparen augen angesehen.
b. d. liebe 210
c,
wol noch nicht nach 4 (
das durch schampar
vertreten ist),
sondern vielleicht von gleichsam strotzendem, starrem blick. eigen mnd. geyl,
clangorosus vel sonorosus sicut campana Dief.
nov. gl. 95
a,
von vollem klange. II@3@dd)
auch geiles kalb
noch anders als u. 2,
d; der würgengel sagt (
von pest und seuche)
u. a.: das geile kalb ist fett zu letzter opfersschlacht. A. Gryphius 2, 261 (
kirchenl. 18),
in der anmerk. aber wird auf Jerem. 46, 20
verwiesen: Egypten ist ein seer schönes kalb, aber es kompt von mitternacht der schlechter,
also wol fett und schön, als lob. II@3@ee)
auch für gierig, wie ein übermütiger, auch schon mhd. âʒgeil,
eszgierig (
vgl. das zweite geilen 3,
gierig sein): mit pfenning mach ich dich reich und schüt sie dir in dein kappen und füll dir vol dein geilen (
hs. geil) rachen.
fastn. sp. 605, 30,
vergl. mnd. vom geilen hals
einer trinkerin Sch.
u. L. 2, 35
b,
genuszgierig, wie geiles gelüste,
zügelloses begehren u. ä.: dann überflusz, schleck, gail gelüst die sinn verwüstet und vertüst. Fischart
flöhh. 3493 (895
Sch.).
so noch im 18.
jh. geiles feuer,
gefräsziges: als dort nach zehn belagrungsjahren der Dardaner verwünschtes haus in geilem feuer aufgefahren. Günther 129,
auch geile neider
das. 168
meint wol lüsterne, gierige. auch nl. z. b. geil op oesters,
gierig auf austern (
wie geil op die meid),
s. wb. III, 905. II@44)
im vordergrunde aber blieb die bedeutung gierig nach geschlechtslust, brünstig, wie auch im nl. II@4@aa)
mhd. noch nicht angesetzt und nicht geläufig (unkiusche
ist das herschende wort),
ist es doch auch da schon als vorhanden anzunehmen, schon nach dem geil huon
nachher im 14.
jh. und geil
n. hode schon im 13.
jh., ja schon ahd. nach keilî
petulantia carnis Graff 4, 183;
wenn z. b. Hugo von Trimberg
die sünden der welt aus einer vertheilung des alten slangen
erklärt: den pfaffen wart daʒ mittel teil, daʒ machte si fræʒic unde geil.
Renner 3108,
so kann da gefräszig nicht noch einmal, aber eine gier im allgemeinen (
s. 3,
e)
auch nicht gemeint sein. die entstehung aus der ursprünglichen bedeutung zeigt ungefähr folgendes: ain schons jungs gails weib, die under der gurtel ist hungerig und geitig. Keller
alte g. schwänke 7,
wo es noch wesentlich die bedeutung lebensfrisch hat; auch im folgenden hat es noch bei weitem nicht den starken begriff von heute (
eher gleich üppig),
wenn eine bäuerin ihrem manne, der auf der gauchmatt in die stricke der Venus gefallen ist, den text list: nun ler (
lerne) ich dich erst kennen recht, und han dich doch wol xl jor ghan, hast nie also zuo mir gethan, bist nie so geyl by mir gewesen. Gengenbach 149.
doch auch im 15.
jahrh. schon: gailer oder unkeuscher,
petus, lascivus, gail sein oder unkeuschen,
peculiare. voc. 1482 k 1
a;
salax, geil, unkusch. Dief. 508
a.
im 16.
jh.: (
die) durch ungeschaffne gemeld oder geile geberd verderben die herzen der unschuldigen. Keisersb.
eschengr. d 4
b; geil unzüchtig sein. Luther
post. 1528 5
a,
vergl. bei Dietz 2, 50
a,
z. b. von unsrer natur, die itzt verterbet und viel geiler ist (
als im urzustande); den ehebrechern, unkeuschen und geilen leuten. Fischart
ehz. 73; geil,
unverschampt, schampar, unkünsch, petulans, salax. Maaler 164
b; heiszt das nit geil gestorben?
Garg. 241
a (
Sch. 453),
wo doch noch lustig mit gemeint scheint. von thieren: das geile huon.
lieders. 1, 260 (
von begattung),
Diut. 3, 86; die geilen hennen.
Garg. 85
a (
Sch. 146),
aber auch von ihrem zustande beim legen (
s. u.kluck 1,
auch hinnebrittend,
d. h. hennebrütend): das etwann ein geile henn in ein überzäunig gebiet stobert und allda eier legt. 195
b (362),
vgl. dazu geile 5,
c vom pips der vögel; der han ist also geil, dasz er um eines eys willen die hennen oft voglet, und so er deren nit vil hat, mag er eine mit seiner vilfaltigen geilheit ertödten. Heuslin
Gesners vogelb. 78
a. II@4@bb)
seine höhe erreichte es im 17.
jh. bis ins 18.
hinein, wo in der sprache, auch der gewähltesten, das wort, wie im leben die sache mit schamloser offenheit oder öffentlichkeit auftritt, doch auch mit abstufungen von wollust bis zu versteckter lüsternheit, z. b.: solte einer erst hören, wie solche teutsche Franzosen aufschneiden, wann sie zu jungfrawen kommen und ihre teutsche und keusche herzen mit französischen gaylen worten bereden wollen ...
teutscher sprachverderber bei R. Bechstein
d. museum n. f. 1, 304; (
der fürst) als ihn auf sein blut die geile frau verhetzet, die mutter, die ihr kind (
den sohn), nicht mütterlich, geliebt .. A. Gryphius 1, 32,
nachher auch die brandstätt toller brunst
genannt; pfui euch, die ihr euch rühmt der geilen buhlerlügen des frechen Amadis. Logau 2, 3, 59 (
Amadis-jungfern); so viel erlernt der sinn vom meister geiler lüsten.
das. (
s. 66); ich weisz mich nicht so auszusprechen, wie jetzt die geile jugend thut. S.
Dach 423
Öst.; die geile Venus .. pflegt durch falscher wollust wahn auf uns zu bringen leid und plagen. 469; der blosz vermeint aus geilen sinnen der liebsten ehre zugewinnen. Neumarks
lustwäldchen 75; gott weisz, dasz keine hand hier blumen hat gebrochen und dasz kein geiler wind durch meine blätter blies. Riemer
polit. stockf. 356; wenn ohngefehr ein wort, das blut und nier durchdringet, ein weiches hasenfleisch zur auferstehung bringet, da heiszts ein geiler scherz, der christen nicht geziemt. Günther 452,
beschwerde des dichters, dasz man ihm zoten dieser art verargte, in denen er meister war; geile liebesbrunst.
Felsenb. 1, 54.
ein nachklang davon noch in der kraftsprache des jungen Schiller,
während das wort nachher möglichst, jetzt entschieden gemieden wird: wenn er dem geilen kitzel eines augenblicks zehn jahre eures lebens aufopfert.
räuber 1, 1; dieser stahl soll deine geile brust mitten durchrennen. 3, 1. Adelung
bezeichnet es als »
ein harter ausdruck, der so widrig ist als die sache selbst, daher man ihn auch nur gebraucht, wenn man von dieser gemüthsverfassung mit nachdruck zu reden genöthiget ist«.
wie sehr aber der begriff von dem worte überhaupt besitz genommen hatte, zeigt z. b. folgendes, wo auch der alte begriff übermütig nach castriren
in dieser farbe gefaszt wird: Nemesis .. welche durch veränderung das gar zu geile und stolze glück castriret und demütiget. Butschky
Pathmos 24;
so wird im nl. wörterb. III, 906
die folgende bedeutung (5)
von dieser abgeleitet. II@4@cc)
selbst im engeren kreise der kunst- und dichterbegriffe hatte es sich eingenistet, es wurde geil
gedichtet, geile lieder (
diesz noch bei Adelung)
u. ähnl., geile reden, schriften, gemählde Frisch 1, 335
a: weiteres, was etliche gaile stücke, die leyder! in diesem büchlein hin und her mitlaufen betriffet .. Weckherlin
vorr. zu d. weltl. ged.; Hofmannswaldau und Lohenstein aber sind auch in diesem stücke (
in verliebten gedichten) in die fusztapfen der geilen Italiener getreten, die ihrer feder so wenig als ihren begierden ein masz zu setzen wissen. Gottsched
dichtk. (1751) 111; das unglück risz mich fort, und meinem dichterrohre vergieng der geile klang, wie mir der holde muth. ich sang und spielte zwar, doch nichts als klagelieder .. Günther 580,
wie in der bildenden kunst gleichfalls geile kunst: Secundus wird bereits vor Wolffen eingehandelt, und bilder geiler kunst bekleiden tisch und bank. 582.
ein nachklang davon beim jungen Göthe, die geilen grazien,
von Heinses Laidion: es ist mit der blühendsten schwärmerei der geilen grazien geschrieben. 60, 227 (
der j. Göthe 3, 26).
merkwürdig selbst geile höflichkeit,
galanterie (
in welchem franz. worte selbst unser geil
versteckt ist, s. I,
b): kam meine Sylvia, die schon liegt in der erden und nichts mehr von mir weisz: die sittsamen geberden, die geile höfligkeit, der abgeführte sinn, und was mich sonsten hielt, ist alles mit ihr hin. Opitz 2, 178 (
poet. w. 4.
buch, an Nüszlern). II@55)
aber auch noch auf anderm gebiete, von pflanzenwuchs, ackergrund, auch geschmack und geruch. vergl. geilfeist, geilheit 3. II@5@aa) geil
fruchtbar, auch befruchtend (
γ). II@5@a@aα)
der voc. theut. 1482
gibt: geyl oder fruchtig als acker oder tyer die gar fruchtsam sind,
fertilis. k 6
b;
diese erstreckung auch auf thiere wird gestützt durch gleichen gebrauch von frauen im 15.
jh., si get geil,
ist schwanger Lexer 1, 795,
es mag aber erst vom acker übertragen sein, ein nd. voc. des 15.
jh. gibt es nur von diesem: fertilis, geyl, also de acker dede (
die da) vruchtbar sint edder vet. Dief.
nov. gl. 171
b,
nrh. auch von bäumen: gheyl, vruchtber als ein acker off boem.
Teuth. 101
b,
auch gheyl, vruchtber maken
das., vom baume aber auch schon mhd. nach dem subst. geile 4,
a, von land nach diu Gaile
ebend.; so wird Gailnow
am Bodensee Mones
zeitschr. 19, 8 (15.
jahrh.)
fette aue meinen, wie Geilnau
im Lahnthal, vgl. auch Gelenau,
dann Geilinhûsen
im 13.
jh. für Gelnhausen (Wyss
hess. urk. 1, 20), Geilingen Förstemann
nam. 2, 605,
bair. Gailenreuth, Gailthal, Gaildorf
u. ähnl. II@5@a@bβ)
es ist der begriff der heitern kraft- und lebensfülle 1,
b von mensch und thier auf acker und pflanzen übertragen, wie man ja auch von saat spricht, die fröhlich grünt,
von lachenden fluren.
auch bei Stieler 618
noch geiler acker,
ager opimus, solum pingue, bei Frisch 1, 335
b ein acker der geil und gar ist,
gut gedüngt (
s. geile und gare
sp. 2593 4,
c),
bei Adelung geiler boden,
der sehr stark treibt (
s. c),
aber auch, als obersächsisch, die alten felder aufreiszen und zu geilem felde machen,
also noch für fruchtbar überhaupt. auch nl. vom ackergrund, doch besonders wenn er zu stark gedüngt ist. II@5@a@gγ)
auch geil
für befruchtend (
s. geile 3,
c vom dünger): weil es ein schöne und lustige awe war, die am gebirge Libano lag, da (
wo) vom gebirge die geile fettigkeit und feuchtigkeit in grund zu sinken pfleget, trug und gabe es was es tragen und geben solte. Mathesius
Sar. 2
a. II@5@bb)
ebenso von gras und pflanzen, üppig wachsend, wuchernd: bald wird dein grabmahl bedeckt werden, und das gras geil auf deinem grabe emporwachsen. Göthe
an Jacobi 36,
vergl. geilbewachsen; geile flecke
im getreide, stark und fett bewachsen (
auch mastflecke
meisznisch, anderwärts geilhorste) Adelung,
nl. geile plakken (
vgl. u. f),
nd. geilbulten, geilhullen,
stellen mit langem gras, wo ein vieh seinen mist hat fallen lassen Brem. wb. 2, 493,
vgl. geilhaufe, geilhorst.
vom weinstock (
vgl. u. c): er stehet in eim geilen fruchtbaren weinstock. Luther
bei Dietz 2, 50
a.
so wol von üppigem grün, vermutlich einem parke, im folgenden: Wermd, von groszer anmuth geil, deckt noch jetzt mit grünen zweigen, was für lieb ich damals sang. S. Dach 825.
aber vorwiegend doch in tadelndem sinne (
s. c),
von übermasz: er (
der musterbauer Kleinjogg) findet nun, dasz dieser mergelkies die erde erwärmet, den geilen graswuchs verhindert und insonderheit das schädliche klapperkraut ausrottet. Becker
noth- u. hülfsb. 276.
so hessisch geil, '
gesprochen gêl' Vilmar 120,
auch nl. geil,
engl. dial. gole (goal),
rank as grass, florid, full, big Halliwell 408
b. II@5@cc)
auch hier nämlich überwog der begriff zu geil (
wie 1,
e): die saat wächst zu geil,
zu schnell und dick Adelung; bäume, die zu geil treiben,
quae luxuriantur. Frisch 1, 335
a; ein weinstock, der zu geil wächst, die gar zu geil gewachsene saat
luxuries segetum das., dann auch blosz geil,
d. i. gar zu dick gewachsen das. (
vergl. so geilen 3,
e);
auch vom ackergrund: freche, fruchtbare, gaile oder auch harte und lettichte erden. Hohberg 1, 343
b u. o.; und so schon im 16.
jh., gewiss früher: vitis luxuriosa, geyle oder wtige weinräb, die zevil holz scheüszt. Frisius 789
b,
vgl. das. von bäumen luxuriantur, sind wtig, wenn sy überflssig schieszend; ein geyl zwey oder böumli, so er zuo mächtig zholz legt und ausschieszt,
lasciviens. Maaler 181
b; die frechen und geilen weinstöcke. Hohberg 1, 338
b; sie (
die natur) schränkt nur ein, beschneidet die geilen reben. Göthe 16, 18,
auf menschen angewandt, wie im folg.: wo faulheit der gärtner sie geil aufschieszen läszt (die früchte in unsern schulen, die doch pflanzgärten sein solten!). Hermes
Soph. reise 3, 682. geiler weizen,
der zu sehr in die halme treibt und wenig körner gibt, wie der geile weinstock
wenig trauben: damit die ubermasz (
der aussaat) nicht dem acker die kraft entziehe, der waitz gail, ligerhaft und unkörnig werde. Hohberg 2, 35
b.
so geht es, als fruchtbar begonnen ('gar fruchtsam'
voc. 1482),
eigentlich in unfruchtbar aus: er glich einer markigen pflanze, die nur wasser und mageres erdreich bedarf, um wol zu gedeihen, in allzu fettem boden aber geilen überwuchs treibt, ohne frucht und genusz. Musäus
volksm. 434.
bildlich, überfruchtbar: und die geile, hungrige zeit, immer kinder gebärend, immer kinder verschlingend. Schubart 2, 65 (
d. ewige jude). II@5@dd)
so auch von anderem ähnlichen, z. b. geiles fleisch,
wildes, das nicht wachsen sollte, schon bei Mynsinger 76 (Lex. 1, 795): wer ehs sach, das faul oder gail flaisch in der wunden wchs. Braunschweig 45; es nimmt auch hinweg das übrige (
überflüssige) geil fleisch in den frischen wunden und schäden. Tabern. 168;
vergl. geilfleisch.
ähnlich: zu viel geiles blut. Paracelsus 1589 1, 127; als ein acker, der zu geil ist.
das.; sobald die ding zu geil werden, so mag das salz sich nit erhalten in seinem wesen.
das. (
vgl. geile 5,
b). II@5@ee)
endlich auch von geschmack und geruch. II@5@e@aα) geil schmecken,
widrig süsz Adelung, geile süsze: die frucht vergleichet sich fast den feigen, ist inwendig blutroth und einer geilen süsze. Hohberg 1, 614
b von den opuntia oder indianischen feigen; gail dem geschmack nach,
dulcis sine voluptate, gaile feigen,
languide dulces. Schönsl. S 1
c.
noch tirol. unangenehm süszlich, fade, abgeschmackt Schöpf 168,
vergl. geilig 3 (
östr.).
aber auch nordd., z. b. kaufmännisch in Bremen vom fettigen geschmack des kaffees (
gegensatz reinschmeckend).
bei Adelung fleisch, fett schmeckt zu geil,
widrig fett; so z. b. ostpreuszisch einen geilen,
widrigen geschmack haben Hennig 325.
ebenso nl., zu fett, doch auch lobend von butter, austern, fischen u. ä. II@5@e@bβ)
ebenso von entsprechendem geruche Adelung, geil riechen,
fragrantia luxuriare, nimio odore molestum esse Frisch 1, 335
b;
z. b. von honig, meth: an etlichen orten wird der meet in den zugespündeten tonnen eine zeitlang in die erde vergraben, damit er den geilen geruch und geschmack des honigs und wachses verliere.
öcon. lex. 1579.
auch nl. II@5@e@gγ)
aber auch das ist zur bedeutung 4
gezogen worden: geil riechen, stinken
hircum olere Henisch 1442, 28,
daher Stieler 618,
bei jenem aber nach Kilians
nl. gheyl stinken,
it. gael riecken (
s. dazu u. f),
olere hircum, mal sentir, vom bocksgeruch (
vergl. geile 5,
d).
der kern des begriffes ist aber auch dort noch blosz die überkraft des eigensten wesens. II@5@ff)
übrigens streift da ein nahverwandtes wort an das gebiet von geil
und mischt sich damit; die nl. geilen plakken
unter b heiszen nd. neben geilplacken
auch gëlplacken,
im getraide gëlhost Schambach,
wie gähl
gut gewässerter grund Brem. wb., westerw. gal
fett, von äckern u. ä., vgl. nl. gael
unter γ vorhin, gaelsch
ingratus sapore aut odore Kil.,
s. dazu u. gall
n. 4,
wo auch nd. gæl
gleich geil 4
u. a., vgl. auch unter gall 3
das schwed. gäl
lustig, gjäl
brünstig u. s. w., dazu altn. gäla
delectare Egilss. 232
a;
es musz da eben nächste stammverwandtschaft vorliegen; s. auch u. galsterig
ranzig und gaulig
widerlich, zu gall
aber auch u. galle 2,
c sp. 1188
fg., zu gäl
aber gel
bei Murner.