Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
geil Adj.
1.1 ohne weitere Erg.
1.2 mit einer weiteren Erg.: ‘froh, erfreut über etw.; freudig bereit zu etw., begierig auf etw.’
1.2.1 mit Gen.d.S.
1.2.2 mit Präp.-Erg.
2 ‘übermütig, leichtsinnig, den (leiblichen) Begierden nachgebend, gierig’
3 ‘kräftig, stark, wild’
4 ‘(vom Land:) fruchtbar; (von Pflanzen:) stark wachsend; (von Früchten:) üppig’
1 ‘fröhlich, lustig, ausgelassen’, mit fließendem Übergang zu 2 1.1 ohne weitere Erg.: sô mich sende nôt bestât, / sô schîne ich geil und trœste selben mich Walth 116,36; ich [...] gibe im solher minne teil / dâ von sîn herze wirdet geil Wig 8801; so wirt mîn sendez hertze geil SM:Tu 6: 6,6; guͦt ist ane mazen schade ze dem eweclichen heile [...]: / da von wende drabe den muͦt, wellestu dort [im Himmelreich] sin geile Kirchenl 237,5; owê, sprach ein geiliu magt, ich bin behuot. / ine getar / vrô gesîn niht offenbâr Neidh SL 13:4,4; der [Vögel] bleip dâ lebendic ein teil, / die sît mit sange wurden geil Parz 119,8; seht wie kint ûf schocken varn, / die man schockes niht wil sparn: / sus fuor [schaukelte] diu brücke âne seil: / diun was vor jugende niht sô geil [d.h. die Brücke war alt] ebd. 181,10. – mit ze: der frouwen [Gen.] trûrec, niht ze geil [litotisch für ‘sehr traurig’] Parz 257,5; daz wir iht ze geil werden und ze übermüetic von disem trôste DvASchr 338,11. – in Verbindung mit vrô, vrœlich, vruot u.ä.: er was dô geil unde vrô Tr 8315; UvZLanz 6681; StrDan 5289; frœlich unde geil KvWTroj 1010; fruot unde geil Flore(G) 4930; frutig und gail HvNstAp 19769. – vom Bauerntanz: êrelôsiu vrouwe, wê [...] daz ich iu ze dienest ie sô mangen geilen trit getrat, / daz ist mînes heiles, mîner sêle ungewin Neidh WL 30:5,5; er muoz mich sîne geile sprünge lêren ebd. SL 18:4,7. SL 27:7,4; dô huob sich der tanz von dem rûzze: / [...] hôhe sprunge, geile baggenknûzze SM:Go 2: 7,4. – subst.: Arnîve wart diu geile, / wand [...] Parz 652,26; der trûrege, niht der geile ebd. 491,18; daz er sît wart vil selten der geile Tit 154,3 1.2 mit einer weiteren Erg.: ‘froh, erfreut über etw.; freudig bereit zu etw., begierig auf etw.’ 1.2.1 mit Gen.d.S.: er enphienc nie wîbes minnen teil, / ern wære al ir vröuden geil: / in müete wîbes riuwe Parz 110,6; sît dû diz wilt, ich bin es geil RvEBarl 13431; sie warn bede der verte geil Rennew 13326; zum Kompositium übergehend: der ern gail Teichn 668,30. – selten mit Gen.d.P.: diu frouwe was ir gastes geil Parz 33,12. – subst.: dâ lac inne veile, / daz ichs wære der geile, / het ich alsô rîche habe Parz 562,26. 598,25 1.2.2 mit Präp.-Erg.: wilt du [Frau minne oder Geliebte] , sô wird ich an stæten fröiden geil, / daz mîn herze alsô iht von dir brinne KLD:KvK 6:3,7; ich wil, daz man mir wize, / wirt sin lob niht gar geseit, / sit ich niht lebende an tugenden weiz so geiles Damen 6,3; si waren darzu harte geil PassIII 473,82; wis ouch dabi niht zu geil / uf dines nehesten urteil [deinen Nächsten zu richten] Vät 19549 2 ‘übermütig, leichtsinnig, den (leiblichen) Begierden nachgebend, gierig’ Rôme zwô tohtern gap ze man, / Megenze unde Kölne: dâ ist ir niht gelungen an: / nû sint der tohtern man [gemeint: die beiden Erzbischöfe] ein teil ze tump unt da bî al ze geil RvZw 224,3; also ist der tumen puezz / dw von reichait sind zu gail Teichn 184,17; da vacht in der teuffel mit / in eins viͤrharter [eines falschen Spielers] sit: / der fleust mit willen den ersten tail, / da mit macht er enen gail / daz er ye lenger ye mer auf setzt ebd. 203,12; sist [die Minne ist] worden sô geile, swer sich ir wil nieten, / dem ist sie veile KLD:TSchreiber 3:1,5; vort schob di geile babe [Eva] / di schult und di missetat / uf den valschen losen rat [...] der slangen TvKulm 302. 279; do der alte slange mit sînen genôzen / von himel wart herab gestôzen, / sînes lîbes wesen teilte er in driu: / [...] den leien daz houbt ze teile wart: / daz houbt bezeichent die hôchfart; / den pfaffen wart daz mittel teil: / daz machet si frêzic unde geil Renner 3062; er [ der geischlich mentsche ] sol och sinen lip mit discipline, mit vastenn, mit wachenne, [...] kestigen und nit ze zart haben, daz er nit werde ze gaile PrGeorg 333,25; so ist er als poz sam e, / ist chaez und ayr fuͤr sich dar, / hat an sunten chainen spar / mit trunchenhait, mit weiben gail Teichn 57,17. – von Tieren: ‘brünstig’ die sien [Weibchen der Schwalben] werdent fruhtbær allain von dem trahten des gailn gelustes BdN 201,12 3 ‘kräftig, stark, wild’ sô wart er ûz der ahte [über die Maßen] / starc, küene unde geil UvZLanz 3969; Crane der junge forste geil Crane 3078; an chreften gail Suchenw 34,67. – daz phert [...], / daz was geil unde snel Eracl 3883; ez [das Ross] waz freudig [l. freidig ] und geil HvNstGZ 919; ochsen, die waren wilde / vnde so geil, daz si nieman / enmochte an ein ioch gevan PassI/II 222,33 4 ‘(vom Land:) fruchtbar; (von Pflanzen:) stark wachsend; (von Früchten:) üppig’ so vruchtber was daz teil / des ertriches und so geil, / daz Aser alda besaz HistAE 952; vnd ab her [der Weinstock] czu geyl ist, so sal man den stok vmme grabin vnde sal di grube vullin mit sande Pelzb 130,20; die [Bäume] tragent alles wurmessig obs, und das obs oder die oͤphel die stont und schinent als recht geil und als schoͤn, etwenne vil geiler und vil schoͤner wan die guͦten Tauler 188,15
MWB 2 285,52; Bearbeiter: Tao