Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
geile stswF.
2 ‘Übermut, Hochmut’
3 ‘Begierde, Zügellosigkeit’
4 ‘Fruchtbarkeit, üppiges Wachstum’
5 ‘Hoden’
1 ‘(ausgelassene) Freude, Fröhlichkeit’ mit grôzer geile / was daz ezzen ergangen Flore(S) 7602. – hierher, falls nicht zu geil stNM.: alsô sprach ein altiu in ir geile Neidh SL 9:4,6. SL 1:3,1 2 ‘Übermut, Hochmut’ si quâdin, daz her durch sîni geile / haviti virlorin des heris ein michil deil Anno 24,3 (vgl.: daz er durch sîn gail [oder stN.?] / ir heres hête verlorn ain michel tal Kchr 457); got ist ein ungeschaffen wesen, / der tüfel nit, daz red ich nit in geile FrlSuppl 7:215A,19 3 ‘Begierde, Zügellosigkeit’ swer wol got dienen wil, / der sol niht vasten sô vil / daz er kome von dem lîp [...], / er sol von sîner geile komen / niht von sîm lîbe WälGa 10352; kawm pracht sy in [die Seele den Leib] darzu / das er dy gail wold lon / und ir wurde undertan HvBurg 4679. 5137; nym die mirren der puͦzz, da mit du die vͤppigen gayl deinez lebens prittelst [zügelst] vnd zæmest GestRom 44 4 ‘Fruchtbarkeit, üppiges Wachstum’ ouch deret des boumes gäile / in dem sumer der chalt rîffe Priesterl 234. – übertr. ‘fruchtbarer Boden, Ackerland’, als Bezeichnung eines Ortes: diser brief ist gegeben bei der geile in dem dorf datz wechschaide vnder dem Chrainperge UrkCorp (WMU) 2290,1; in der Gail ist er gesezzen, / ain muͤller wol vermezzen Teichn 586,31. 586,50. 586,137 5 ‘Hoden’ sine [des Bibers] geil ist nuzze unde guot, ze erzenie man si tuot MillPhys 112,3; der biber muoz vil hôhe geben / sîne geilen für sîn leben Freid 139,6; BdN 127,8. 153,29; dô zeprach ez [das Pferd] im selber sein gailn und ertôt sich selber ebd. 137,25
MWB 2 287,37; Bearbeiter: Tao