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kringel

mhd. bis Dial. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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16 in 15 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kringel m.

Bd. 11, Sp. 2315
kringel, m. altes demin. zum vorigen, mit beibehaltung des geschlechts vom mutterworte (doch s. unter 3, c ein n. und f.). das wort hat im ganzen denselben lebenskreis wie kring, hat aber dieses mehrfach in den hintergrund gedrängt. 11) kreis, ringel. 1@aa) so in mehrfacher verwendung: wo sie (die elfen) tanzten auf dem rasen, bleibt ein fahler kringel nur. Rückert 186, er kannte es aus seiner heimat, es ist nordfränk. (Schm. 2, 389), wie kring; die sonne blinkt von der schale rand, malt zitternde kringeln an die wand. Chamisso ged. (1852) 260; die vettern sprangen von stein zu stein, dasz ihre goldknöpfe aufblitzten und mit den silberkringeln der wellen wetteiferten. Keller grüner Heinr. 2, 59. hessisch z. b. kringel oder kringeln blasen, beim tabakrauchen Vilmar 227, stark und schwach, wie unter 2, a. 1@bb) ringförmiges kopfküssen, tragring, in Coblenz, Waldeck Curtze 479b, wie kringe 1, b. unsicher ist es als flur- und waldbezeichnung, hessisch Vilmar 227. 137, der in den meisten fällen grindel als echte form dafür annimmt, das als neutr. im 14. jahrh. so bezeugt ist, s. dens. s. 137; doch vgl. kring 1, c. 1@cc) auch von der bloszen kreisform: hess. z. b. die schlange lag in einem kringel, auch machte einen kringel; in der Ruhl im kringel (krengel) sitzen, einen kringel gehn, einen kreis abschreiten Regel 224; henneb. im kringel herum Reinw. 1, 90, vgl. unter kring 2, b; auch schlesisch, wenigstens früher, bei Weinhold 48a im kringel herumlaufen aus der schles. kernchron. 2, 722. 22) am verbreitetsten und bezeugtesten als gebäck. 2@aa) bezeugt seit dem 15. jh., md. und nd., aber sicher uralt: cringel, bretzel, artocopus. Mones anz. 7, 299 (das lat. wort wird auch mit rink erklärt Dief. 52a, vergl. ringel unter c); kringhel, artocreas. Dief. 52a; collirida, ein kringel ader weck ader kuche in dem oven oder in der aschen gebacken. voc. opt. Lpz. 1501 F 6a (jetzt in Leipzig unbekannt); spira, ein kringel. Chytraeus nom. lat.-sax. cap. 99; kringel im wein weichen. Stieler 1652; und als sie befunden, dasz aus einem scheffel weizenmehl 64 pfund wecken oder kringel werden. Micrälius altes Pommern 4, 29; zu dieser wurst hatten die kuchenbecker acht grosze strützel und sechs grosze runde kringel gebacken. Lichtenberg (1800) 5, 340 aus Lilienthal erläut. Preuszen, stark, während es im folg. schwach ist; ein gesell wirkte den teig, ein anderer formte, zog ihn zu kringlen .... er holte die kringlen, wie sie gar wurden, heraus. Göthe 28, 64 (it. reise, Neapel 19. märz 1787); wenns im dezember friert, so laufen wir nach der stadt, um einzukaufen fürs kleine volk, zum heilgen christ, was schmeckt und nicht so theuer ist: spinnjungfern, welsche nüss' und kringeln. Schmidt v. Wern., alm. 1798 s. 82. 2@bb) es gilt noch in einem groszen, wol dem gröszten theile des md. und nd. gebietes, mrh. Kehrein 247 (in Coblenz auch weckkringel), wetterauisch, hessisch, schlesisch Weinh. 48a; dann ostfries. Stürenb. 123b, oldenb. (pl. kringels) Fromm. 6, 282 nr. 689, holst. Schütze 2, 350, der mancherlei besondere arten nennt, ditm., pomm., altmärk., auch ostpreusz. Hennig 135 (butterkringel von butterteig, gründonnerstagskringel), livl. Hupel 128, in der form zwei in einander geschlungene ringe darstellend (s. z. b. Hennig, Danneil, Vilmar), also gleich bretzel, das in Thüringen und Sachsen für kringel gilt, vgl. Voss unter butterkringel. 2@cc) die urspr. gleichheit des wortes mit ring tritt auch hier heraus; denn ein voc. des 15. jh. nennt das gebäck rink, artocopus (s. u. a) Dief. 52a, schon ahd. ring 'torta' (daher torte) Graff 4, 1166, auch ringila tortus panis 1169 (vgl. 3, c); in der Ruhl heiszt es noch ringel (gesprochen rengel), und nur so, während krengel für kreis gilt, s. Regel 224. Übrigens ist es auch nordisch,n. kringle bretzel, schwed. norw. aber kringla f. (s. 3, c), es rückt damit in die germanische urzeit zurück, gegenüber dem rom. fremdworte bretzel. entlehnt ehstn. kringel (ringel). 33) nebenformen. 3@aa) gringel, z. b.: da zündet der Bartelmä ein feuer an, heiszt uns alle im gringel herumsitzen ... Auerbach neues leben (1862) 3, 109, also schwäbisch, wol durch fränk. einwirkung. in O. Ludwigs Heiterethei ein gringelwirt 268 fg., sein wirtshaus heiszt der gringel 265. 270, die gäste des gringels 272. aber das gr- stammt nur von falscher auslegung, als sei es eig. geringel, von ringel (so schon Stieler 1652), s. das schwäb. 'g'ring ring' unter kring 2, a. 3@bb) wichtiger ist krengel, das ist z. b. die ruhlische form (s. 2, c), und schon im 16. jh. bei Trochus P 6b md. krengel circulus (als gebäck), ja schon im 14. jh. bei Jeroschin 1236 ir mûrin ummekrengil (: engil), umkreis, wie der mûre cranc 27373; danach könnte auch krang das mutterwort von solchem krengel sein (s. kring 3, c), obwol auch getrübte aussprache von kringel z. b. in dem ruhlischen worte vorliegt, da dort ebenso rengel für ringel gilt (2, c); s. auch unter kringelchen, kringeln 2, vgl.krenge dat. neben kringe schon im 16. und 13. jh. unter kring 2, a. 3@cc) auch das geschlecht ist manigfaltig. neben dem vorherschenden masc. gilt auch ein n., so das kringel bretzel, in Schlesien Weinhold 48a, in Posen Bernd 144. und noch wichtiger ein fem., z. b. im niederd. der fürstenthümer Göttingen und Grubenhagen, krengel Schamb. 112a, wie das ahd. ringila unter 2, c; auch das altn. wort ist fem., kringla, in der allgemeinen bed. ring, kreis. aber wiederum ist nord., wie bei uns, auch ein masc. da, norw. kringjel Aasen 238a, schwed. kringel Rietz 355a neben kringla, gewiss von jeher, eben wie kring m. selbst schon ein fem. neben sich hatte (s. dort 3, b).
5699 Zeichen · 174 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    kringelstmn.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    kringel stmn. kreis, md. krengel, s. umbekringel; cringel, bretzel, artocopus Mone 7, 299 ;

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    kringelM., F.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    kringel , M., F. nhd. Kringel, Kreis, kreisförmiger Streifen (M.), Ring, rundes Gebäck, Brezel, Festtagsgebäck, milde Ga…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kringel

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    * Der Kringel , des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in den gemeinen Sprecharten, besonders Niedersachsens, übliches Wort…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kringel

    Goethe-Wörterbuch

    Kringel pl -len ringförmiges Gebäckstück, Krapfen [ mBez auf das Fest des Heiligen Joseph in Neapel ] Ein Gesell wirkte …

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kringel

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Kringel ( Krengel , Diminutiv vom alten Kring , Kreis), soviel wie Brezel (s. d.).

  6. modern
    Dialekt
    Kringel

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    Kringel [Krel Ingw. Lobs. Betschd. Lauterbg.; Krìl Altw. Dehli. ] m. Kreis; nur: im K. h erum ge h n Betschd. , laufe …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kringel

45 Bildungen · 42 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von kringel 2 Komponenten

kri+n+gel

kringel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kringel‑ als Erstglied (30 von 42)

Kringelabend

MeckWB

kringel·abend

Kringelabend m. Fest der Seeleute in Wi am Heiligendreikönigs-Tag Wo. Seem. 2, 76.

Kringelbiten

MeckWB

kringel·biten

Kringelbiten n. Pfingstspiel, bei dem die Mädchen mit verbundenen Augen Stücke von einem aufgehängten Kringel abbeißen mußten Schö Kuhlr . M…

Kringelbohre

RhWB

Kringel-bohre Altk , Siegld f.: Schlangenbohrer, in der Bergmspr.

Kringelboors

MeckWBN

Wossidia Kringelboors m. ganz kleiner Barsch Wa.

kringelchen

DWB

kringel·chen

kringelchen , n. kleiner kringel: meister Hans Saulepech gabe seinen schuknechten in B. zum morgenbrod ein halb pfenningkringlichen, als 16.…

kringeleht

MWB

kringel·eht

kringeleht Adj. ‘gedreht’ der liz buwyn [...] czwene turme von steyne x schrete ho unde woren in der hoe kryngelecht, und czu obirst hattin …

Kringelfaut

MeckWB

kringel·faut

Kringelfaut m. hat ein Mädchen, dem die Strümpfe herabgleiten Ha Red ; oder ist ein Mädchen, dem dies geschieht Gü Mühlengeez ; du geihst bi…

Kringelfräter

MeckWB

Kringelfräter m. Name beim Abobibo spiel Ro Warn ; Gü Laage .

kringelhälsig

MeckWB

kringelhälsig mit ringförmigem Streifen um den Hals: 'n kringelhälsigen Buck im Schäfergruß Wa GGiev .

kringelig

Pfeifer_etym

Kring(e) m. (selten f.) ‘Ring, Kreis, rundes Tragekissen für Kopflasten’, mhd. krinc, kringe ‘Kreis, Ring, Bezirk’, mnd. crinc, anord. kring…

Kringelkollschal

MeckWB

kringel·kollschal

Kringelkollschal f. Bierkaltschale, worein Kringel gebrockt waren Bri. 2, 125; Fromm Meckl. 96; zusammen mit Bottermelksalat zum Frühstück i…

Kringelkopf

RhWB

kringel·kopf

Kringel-kopf -kǫp Neuw , Altk m.: K. mit Locken u. ein Mensch mit Locken. Ze Frankfurt of de Judegass guckt en Frau rus, die hiess Gret; die…

kringelkranz

DWB

kringel·kranz

kringelkranz , m. ringelreihen der kinder, nordd., kringelkrans Dähnert 255 b : der dichter sang es wie die kinder den kringelkranz oder den…

Kringelkraus

RhWB

kringel·kraus

Kringel-kraus -ələkrūs m.: im Rätsel vom Eiszapfen, Schnee: Hinger osem Hus steht ene Kr.; wenn de Sonn (all miəh) schingt (scheint), Kr. (a…

kringel als Zweitglied (2 von 2)

houbetkringel

KöblerMhd

houbet·kringel

houbetkringel , st. N. nhd. „Hauptkringel“ Q.: Martina (um 1293) E.: s. houbet, kringel W.: nhd. DW- L.: LexerN 3, 247 (houbetkrengel)

Ableitungen von kringel (1 von 1)

kringel(e)

MNWB

kringel(e) , krengel(e) , m. , f. , Kringel, 1. Kreis, kreisförmiger Streifen. 2. rundes Gebäck, Brezel, bes. als Festtagsgebäck, milde Gabe…

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APA
Cotta, M. (2026). „kringel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kringel/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „kringel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kringel/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „kringel". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kringel/dwb.
BibTeX
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