Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
hort stM.
1.1 eigentl.
1.2 übertr.
2 ‘große Menge, Fülle’ (offen zu 1.2 )
3 ‘Ort, an dem ein Schatz lagert, Schatzkammer’
1 ‘Schatz’ 1.1 eigentl.: ein man vant einen grozzen hort. / do wande er, daz er an ein ort [Ende] / siner armuͦt chomen wære StrKD 67,1; bî Nibelunges horde NibB 88,3; von silber und von golde / butens im grôzen hort UvZLanz 8327; rîchtuom, guot und grôzer hort RvEBarl 4966; der nach golde niht hinegie noh gedinget an des hortes schatze [interl. zu qui post aurum non abiit. nec sperauit in pecunie thesauris ] PsM Per 21,8; Wh 283,5; KvWWelt 203. – phras. etw. (guot, schaz o.ä.) ze ~ lëgen ‘etw. sparen’ Tandareis [...] / kunt niht daz guot ze horde legen, / ez gap sô willeclîch der degen / armen unde rîchen / sîn gâbe sô mildeclîchen PleierTand 18012; ez sol auch nieman dhein silber da chauffen, denn daz er ze hort legen welle, oder hintz marcht welle fveren UrbBayJ 529; LBarl 5839. – wohl hierher i.S.v. ‘Schmuckstück’ (oder Textverderbnis? vgl. Anm.z.St.): zu allen vier porten / junckfrawen mit reichen horten / peschlagen giengen außher do HvNstAp 13172 1.2 übertr.: si hânt der sælden meisten hort / an dirre werlte SM: JvR 1: 10,4; witz ist ein hort, der niht enkan / geroubet werden, noch verstoln KvWTroj 2052; der Mîssenær hât sanges hort in sînes herzen schrîne KvWLd 32,286; got lâze uns hie sô wol geleben / daz wir besitzen iemer dort / der êwiclichen fröuden hort KvWSchwanr 1642; [Gott ist] der beste hort [...] ob allen hörden PrBerth 1:467,27; sus teilet got siner genaden hort Vät 2747; der bezeichenunge hort [den ‘Bedeutungsschatz’ des spirituellen Wortsinns] / erkande er niht RvEBarl 1547; StrKD 61,220; LvRegFr 4948; SHort 73. – spez. ‘Wort-, Sprachschatz’ sam truog Boethius von kriechisch in lateines hort mit fleiz waz Aristotiles het in die kunst gedrungen BdN Reimvorr. 5,5. – von Personen (auch Gott): do er sach das sein hort, / ich main sein eliches weib, / hette geleget in unzucht iren leib HvNstAp 14659; vraw Tzucht di chlagt von hertzen / ir trautez lieb und irn hort Suchenw 11,113; nu chûm, herre, aller tugent hort, / erloͤse mich von den toͤden wider / in den ich lige von vorchten nider GvJudenb 970; dû, rehter hellehunt, / muost immer sîn des tiuvels hort Ottok 3457; Hawich 1016; WhvÖst 15894 2 ‘große Menge, Fülle’ (offen zu 1.2 ): daz ich des alles sî gewert, / des ich von worten hân gegert, / und habe des alles vollen hort Tr 4911; mit eim stecken er si [die Ziege] umbe treip / unt sluoc ir slege einen hort Bîspel (Pf) 11,27; der [der Steuereinnehmer] quam in Jerusalem dort / mit einer grozen rote hort [ cum turba magna I Mcc 1,30] Macc 1526 u.ö.; franzoyser sprâche kund er hort [er beherrschte sie ganz und gar, wörtl. ‘konnte er eine Menge’ ] Wh 192,12; durch preises hort [höchstes Lob] Suchenw 14,335; sünde und lasters hort SM: KvL 12: 4,8; jâmers hort Wh 306,6; Parz 683,25; SM:JvR 1: 2,1. – wohl auch ‘Sippe, Geschlecht’ (?), an offenbar verderbter Stelle (vgl. tschech. Vorlage): ich wil dich mid den deinen hort / als lange beschermin, als ich bin Dalimil (B) 45,46 3 ‘Ort, an dem ein Schatz lagert, Schatzkammer’ du hast den schatz der alden, / [...], / an eime horde vunden Vät 38639; dar were ein man gebunden, / der hette schatz gevunden / an vil grozen horden ebd. 38665
MWB 2 1699,54; Bearbeiter: Hansen