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graupe

nhd. bis sprichw. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

graupe f.

Bd. 8, Sp. 2168
graupe, f. , korn und kornartiges, durchweg in bestimmten stofflich gebundenen anwendungen. das wort ist vermutlich slav. herkunft, nach abg. krupa 'krümchen, körnchen', obersorb., poln. krupa, tschech. kroupa usw. 'getreidegraupe, hagelschlosze' (mit anltd. g aus k entlehnter wörter, nach Paul dt. gramm. 1, 302), vgl. Kluge-Götze 15 278b. auch die frühesten deutschen bezeugungen im schles. des 15. jhs., in zwei der hauptanwendungen des wortes (s. u. 1; 2), sprechen für entlehnung aus dem slav.; im 15. jh. grupe, dann graupe, apokopiert graup Scheibel d. witterungen (1752) 89; in der schreibung grauppen Kepler opera omnia 7, 650 Frisch. mundartl. ist das wort, meist als grupe, grube, auch grupp, nur in (besonders östl.) teilen des md. und nd. bekannt, nicht im obd., von randgebieten abgesehen, vgl. Schmeller-Fr. bair. 1, 1006 (oberpfälz.). — die grundbedeutung meint das, was form und gestalt eines korns, eines kleinen stückes hat; die anwendung aber konzentriert sich fast ausschlieszlich auf bestimmte sachgebiete, in denen das wort dann jeweils prägnante eigenbedeutung gewinnt. 11) in mühlen enthülstes und gerundetes korn des weizens oder der gerste, auch des spelts oder dinkels, lat. (h)alica, ptisana: 'graupen ... bestehen aus dem von der schale und den spitzen befreiten inhalte von getreidekörnern, und zwar so, dasz entweder ein einzelnes korn nur eine graupe liefert, oder dasz der kern erst in mehrere stückchen zerbrochen und diese zu feineren graupen gerundet worden sind' Merck warenlex. (1919) 146a. zufrühest in abrechnungen aus oberschlesischen akten des frühen 15. jhs., vgl. noch unten graupelwerk, graupengasse: vor grys 14 gr.; vor grutze; vor grupen, gerste etc. 14 gr.; vor cleyne keze 1 sch. 18 gr.; item vor heringe ½ sch. (1421) cod. dipl. Lusatiae sup. 2, 58; dazu gruppen-, grisvasse ebda 59; gib geld (für) ... graupen (haushaltsabrechnung) Luther br. 9, 584 W.; wer gerstene grobe graupen machen will Colerus hausbuch (1645) 2, 16b; er (der emmer) liefert weit wohlschmeckendere graupen als die gerste Schlechtendal flora v. Deutschl. (1880) 8, 168. als derbe hausmannskost in form von grütze und suppe: der erbar mann ... dörret sein gerstene graupen oder weitzene grützen, das gehöret zur hauszspeisz Mathesius ausgew. w. 2, 130 Loesche; was soll man brot zu brot brocken, mit viel ... gsathaber, graupen vnd heidelbrei den magen verwollstopffen Fischart Garg. 64 ndr.; tägliches gericht ist linsensuppe mit graupen und eingebrocktem brot Ritter erdkde (1822) 15, 671; du bekommst dort (im waisenhaus) alle tage nur graupen, wie die groszmutter sie gekocht hat, und das brot wird dir vorgezählt El. Langgässer märk. Argonautenfahrt (1950) 373. im vergleich: (alle urteile Lavaters) sind durch die form des ihm eignen typus perceptionum gegangen, und daher auf einerley art abgerundet wie die graupen Musäus physiogn. reisen (1778) 2, 203. 22) etwa gleichartig mit 1 in der bedeutung 'kleineres hagelkorn, schlosze', wofür heute meist graupel (s. d.), vgl. das kompositum eysgrûpe aus einem hymnar des 15. jhs. bei Weinhold schles. 29b und graupen ein hagel, schlossen, granula, species grandinis, interiori parte mollior, exterius durior Henisch (1616) 1735: mit donnern, plitzern, schlagen, hageln, schlossen, graupen, steinregen etc. Irenäus wasserspiegel (1566) B 3a; früh sehr wenig graupen, hierauf helle, frost Bresl. slg. v. natur- u. medic. gesch. (1718) 3, 494; an einem wüsten apriltag, der ... vom winter die letzten graupen, vom sommer hagel und regen lieh Dörfler Apollonias sommer (1932) 335. 33) bergmännisch und mineralogisch in verschiedener anwendung, seit dem mittleren 16. jh., zunächst im obersächsischen (vgl. auch tschech. kroupa 'bleikügelchen, schrot' Kott 6, 747). allgemein für erz- oder mineralkörner gröberen oder feineren vorkommens: ein fleck ligt in Westfalen, Khurbach genandt, da etlich einwoner jr reuten oder graupen oder schlichhauffen haben. der sie je inn vier jaren einen arbeiten vnnd gold drausz wachsen Mathesius Sarepta (1571) 35a; eisen graupen, eisenstein Henisch (1616) 1735; hierher wohl auch: lapilli nigri maiusculi graupen M. Ruland lex. alchem. (1612) 283. ferner: graupen heiszen in den bergwerken stükke metall, die noch in der erde stekken Hennig pr. wb. (1785) 88; graupen ... die benennung einer vorkommenden fossiliengestalt, welche man sonst zu dem vorkommen in körnern gerechnet hat Zappe miner. hdlex. (1817) 1, 408; graupen ... metallkörner, welche sich in lockerem gestein befinden Mothes ill. baulex. 2 (1882) 519; graupen ... die gröszeren steine unter dem kiessand ebda. speziell für körnerförmiges zinnerz: dise zwey die fürnemmsten seindt, als nemlich schürffenn, vnd wäschenn, dann ausz disen werdenn offt goldtschlich gesamlet, oder graupen, ausz welchen man zin machet, oder auch edelgestein Ph. Bech Agricolas bergwerckb. (1557) 21; vgl. noch Mathesius Sarepta (1571) vorr. )( 3b; graupe ... ein stück zinnerz Veith bergwb. (1870) 249. daneben für die körnerförmigen zerkleinerungsprodukte, die bei der künstlichen bearbeitung der erze, dem pochen, rösten usw. abfallen oder gewonnen werden: was von graupen (bein wismut) zu letzt bleiben ... dauon pflegt man zepherfarb ... zu machen Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 120b; bergmänn. wb. (1778) 241; graupen nennet man, was im puchen am gröbsten, und zu nechst am puchwerk liegen bleibet Schönberg berginform. (1693) anh. 14b; bey pochwerken heiszt das grobzerstoszene gestein graupen Zappe mineral. hdlex. (1817) 1, 408; den reingewaschenen vorrath (der manganerze) separirt man ... in krotzen, graupen, gräupchen und setzgut Muspratt chemie 5 (1896) 1100. 44) vereinzelt in anderer und freierer sachbeziehung: ein zu lockeres blatt gibt allemal graupen (bei der karde in der weberei) Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 4, 675. vgl. noch: eine grosse muschel, ausen mit gold- und silbergraupen ganz überkleidet Birken Guelfis (1669) 171. singulär, möglicherweise zu einem anderen wort gehörig, für eine artilleristische waffe: mörser, haubitzen, feldschlangen, zwölf- und vierundzwanzigpfünder, lange gezogene röhre, kartätschenbüchsen, graupen und was sonst im zeughause oder auf den wällen zu bewundern ist J. G. Forster s. schr. (1843) 3, 10. 55) übertragen in der redensart graupen im kopf haben, wohl in anlehnung an nd. grappe (s. 1grappe) und an raupe (s. d. 4): früher hatte ich ja allerlei graupen im kopf, besonders Kalifornien hat mir lange in den gliedern gelegen Frenssen Jörn Uhl (1902) 101; vgl. Albrecht Leipzig 125b. 66) zahlreiche zusammensetzungen schlieszen sich an die bedeutungen 1—3 an, fast durchweg mit dem pl. graupen- in der fuge, doch vgl. graupstein (s. u.b), graupstreichen (s. u. c). 6@aa) von 1 'enthülstes getreidekorn' aus. 6@a@aα) auf die herstellung der graupen bezüglich: graupenfabrik allg. dt. bibl. (1765) 25, 277,
6930 Zeichen · 173 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Graupe

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Graupe , plur. die -n, Diminut. das Gräupchen, Oberd. das Gräuplein, und zusammen gezogen das Gräupel, überhaupt zer…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Graupe

    Goethe-Wörterbuch

    Graupe nur Pl kleines Hagelkorn bei stark ziehenden Wolken, Regen, Nebel, Reif, G-n, Hagel, Schnee wird Electricität fre…

  3. modern
    Dialekt
    Graupe

    Westfälisches Wb.

    Graupe → Grūpe .

  4. Sprichwörter
    Graupe

    Wander (Sprichwörter)

    Graupe Graupen kochen. Beim Schlafen schnarchen.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit graupe

50 Bildungen · 40 Erstglied · 10 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von graupe

graupeln + -e

graupe leitet sich vom Lemma graupeln ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

graupe‑ als Erstglied (30 von 40)

graupelkorn

DWB

graupel·korn

graupelkorn , n. , hagelkorn, zu graupeln, pl.: es brauchen nur die ... eiskrystalle sich zum graupelkorn zusammenzulegen Muspratt chemie 5 …

graupeln

DWB

graupeln , pl. ' hagelkörner, schloszen '. vielleicht nicht, wie gräupel ( s. gräuplein), dim. zu 1 graupe ( obwohl in diesem wort die beide…

graupelregen

DWB

graupel·regen

graupelregen , m. : die Dänen und Holsteiner fochten gegen feinen scharfen graupelregen Liliencron s. w. (1896) 3, 57 . —

graupelschauer

DWB

graupel·schauer

graupelschauer , m. : ( die wolken ) lösten sich ... bald da bald dort in graupelschauer auf Göthe II 12, 23 W.; ein graupelschauer klappert…

graupelwerk

DWB

graupel·werk

graupelwerk , n. , vereinzelt frühnhd. im schlesischen: Petir Stoll ( bezahlt ) 1 sch. wegen graupilwerg (1418) cod. dipl. Lusatiae super. 3…

graupelz

DWB

grau·pelz

-pelz ( für einen kater ) E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 128 Grisebach; ( in Norddeutschland f. d. wolf ) zs. f. dt. wortf. 9, 54,

graupenerz

DWB

graupe·nerz

-erz : graupenertz J. Hübner cur. u. reales lex. (1714) 713 ; J. Fr. Zöllner br. üb. Schlesien (1792) 1, 375 ,

graupengasse

DWB

graupen·gasse

graupengasse , f. : grupingasse ( Breslau 1403) bei Volckmann alte gewerbe (1921) 17 , später in gräupnergasse ( s. d. ) umbenannt. früheste…

graupenkorn

DWB

graupen·korn

graupenkorn , n. , zu 1 graupe 3, körnerförmig vorkommendes mineral, gestein, erz u. ä. von bestimmter grösze: vom ansehn werden auch die di…

graupe als Zweitglied (10 von 10)

Bleygraupe

Adelung

bley·graupe

Die Bleygraupe , plur. die -n, in den Naturalien-Cabinetten, kleine weiße Steine, welche bleyhaltig sind. S. Adelung Graupe .

eisengraupe

DWB

eisen·graupe

eisengraupe , f. metallum calciforme, wolfram, körniger thoneisenstein, eisenkern, kerneisen.

gerstengraupe

DWB

gersten·graupe

gerstengraupe , f. die enthülste und gerundete gerstenfrucht: gerstengraupen vocabula rei num. ( Wittenberg 1558) J 7 b ; feine gerstengraup…

perlgraupe

DWB

perl·graupe

perlgraupe , f. was perlgerste Zedler 27, 508 . Nemnich 2, 174 ( franz. orge perlé).

seifengraupe

DWB

seifen·graupe

seifengraupe , f. bergmännisch zinngraupe, zinnzwitter, stannum granulatum. Jacobsson 8, 299 b .

stangengraupe

DWB

stangen·graupe

stangengraupe , f. ' in den hessischen bergwerken zu Frankenberg, eine art in den dasigen schiefern brechenden fahlerzes, welches ein mit er…

Weitzengraupe

Adelung

Die Weitzengraupe , plur. die -n, Graupen, welche aus Weitzenkörnern gestampfet werden.

Wißmuthgraupe

Adelung

wissmuth·graupe

Die Wißmuthgraupe , plur. die -n, im Hüttenwerke, Stücke Wißmutherz, von welchen der Wißmuth abgeseigert worden, und nur noch der Kobald übr…

zinngraupe

DWB

zinn·graupe

zinngraupe , f. , kristallinisches zinnoxyd, kristallisierter zinnstein: ziengraupen ' ist gantz reine zienertz, und hält über die helffte z…