vorgang,
m. ,
s.fürgang th. 4, 1, 1,
sp. 729;
mhd. vür-, vorganc
mhd. wb. 1, 476
b; Lexer 3, 598; 467; Jelinek 885; 907;
mnd. vorgank Schiller-Lübben 5, 352
b;
precessio forgang Diefenbach 452
a;
progressio foregang 463
c; Haltaus 551. vorgang jedes dinges,
praeludium Dasypodius (1537) v 2
b; vorgang, der,
antecessio Maaler 475
b; vorgang,
casus, accidens, factum Stieler 627; Adelung; Campe;
vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1652;
schweiz. idiot. 2, 346; ten Doornkaat-Koolman 1, 540
b;
in neuerer zeit ins dän. übernommen, foregang. —
der gebrauchsumfang des wortes hat seit dem 18.
jh. eine starke einschränkung erfahren, und eigenthümlich ist, dasz die beiden in der schriftsprache jetzt herrschenden bedeutungen in der älteren sprache zwar vorbereitet, aber nicht eigentlich ausgebildet sind. im folgenden muszten vereinzelte belege mit für-
aufgenommen werden, um die bedeutungsentwicklung darzulegen. 11)
die räumliche grundbedeutung, das vorwärtsgehen, hervorgehen, ist verloren gegangen; praecursio, vorlauffung, vorgang Calepinus
dict. XI ling. (1598) 1127
a;
als oberd. bezeichnet Adelung v.
oder hervorgang
den ersten ausgang der sechswöchnerinnen zur kirche: das einsegnen oder der v. mit dem kinde Grüner
d. ältesten sitten u. gebräuche d. Egerlandes (1901) 38; sô mit dem vorgange ze der kirchen zuo dem opfer Berthold v. Regensburg 1, 397
Pf.; schweiz. fürgang,
das weitergehen schweiz. idiot. 2, 346;
vorwärtsbewegung von etwas leblosem: das der gemessen perg nicht v. habe
quelle bei Jelinek 907;
indigestus sunder vorganck Diefenbach
gl. 294
c. 22)
übertragen: der ersten menschen besunder Abraham vorganck in das geschlecht Jhesu Cristi ist geschehen durch die beschneidung
d. erste dt. bibel 1, 2
K.; also ist Christus der v. zum vater Luther 1, 275
W. —
vorgehen im übertragenen sinne, in die wirklichkeit eintreten, stattfinden: als das auch furgank gehabt hat (
das gericht auch gehalten worden ist)
weist. 6, 106; man thu die kloster ab, und lasz sie alle in die ee kumen und kinder machen, damit die natur iren fürgang hab (
ihren lauf nehme) Hier. Gebweiler
beschirmung d. lobs Marie (1523) 33
a; und würde uff ein bestimpten tag die hochzeit ihren v. haben Frey
gartengesellsch. 143
Bolte. 33)
gewöhnlich aber fortgang haben in dem sinne des erstarkens, gedeihens, gelingens u. ä., vgl. schweiz. idiot. 2, 346;
successus, furgang
vel glucklich furgang Diefenbach
gl. 563
b; v. haben, gewinnen: die nottel (
vertrag) stunt mit vil me punten, aber sie gewan nit v.
dt. städtechron. 17, 335 (
Mainz); nicht alleine an geistlichen gütern der sehlen, sündern auch an zeitlichen gütern keinen v. gewinnen 27, 231 (
Magdeburg); uff das solcher unser spruch nichten zurucke gee, sunder v. habe (1466)
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 1, 451
Gr.-M.; imo ein v. haben gehabt sectae monachorum Luther 20, 317
W.; da hat die lug allweg cathedram besessen und das kindt der verderbung den v. ... gehabt S. Franck
chron., zeytb. (1531) 318
a; es hett sein meynung ein v. gehabt, wer nit ... die zwen zunfftmeister darwider gewesen Carbach
Livius (1551) 243
b; uff das yr got der bauch hab vorganck, sonderlich in guoter speysz und drangk
bei O. Clemen
reform.-flugschr. (1906
ff.) 2, 32; ach dasz dein recht kein vorgang hat, das thun wir dir, herr, klagen
bei Ph. Wackernagel
kirchenlied 5, 785;
verdeutlicht: der in allem thuon seins gefallens lebt und glücklichen v. hat Sleidanus
reden 33
Böhmer. andere wendungen: damit die salpetersieder nicht müszig gehen und ihr arbeit im v. sey Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) 123
b; nach der zeit hat man die stadt wieder angefangen zu bauen, wiewohl zuerst mit so langsamen forgange, dasz ... Dapper
Africa (1671) 68
a. v.
in diesem sinne ist längst veraltet, ganz vereinzelt daher folgendes vorkommen: (
wie der kultus) sich nach und nach gelockert und erst im 6.ten jahrhundert ... v. genommen
Hall. lit. zt. 1846,
nr. 227, 659. 44)
quasi praeteriens, gleych als in einem fürgang Frisius
dict. (1556) 1049
b;
übertragen: obiter in einem fürgang, darzwüschen, mithin,
oben anhin 892
a;
vgl. schweiz. idiot. 2, 346. 55)
das vorangehen vor andern, zunächst ganz neutral: mein v. (
vorangehen), die trübe nacht und das grosze geräusche des stromes machte, dasz wir unvermerckt überkamen Lohenstein
Armin. (1689) 1, 492
b; Tamiro passirte nach anweisung und v. einer magd gleich auff die stube J. Riemer
d. polit. maulaffe (1679) 185; v.,
die der braut im hochzeitszuge vorangehenden Fischer
schwäb. wb. 2, 1652. 66)
auf unbelebtes bezogen: der v. und die folge doppelter ziffern ist mehrentheils in diesem falle ein zeichen, dasz das accompagnament dreystimmig seyn soll Ph. E. Bach
art d. clavier zu spielen (1759
ff.) 2, 52; dann erst verkünden
unter v. der melodie alle stimmen Chrysander
Händel (1858
ff.) 1, 35.
dinglich genommen: preambulum vorganck Diefenbach
nov. gl. 300
a;
preludium vorganck
gl. 454
c; vorgang iedes dings,
praeludium Dasypodius v 3
b;
vgl. eingang. —
der im folgenden behandelten bedeutung sich nähernd; schiffe im wettrudern: ein jedes schiff wolt zu der zeit dem anderen fürtreffen weit, etwan hett Pristis den vorgang, etwan Centaurus ihm fürtrang Spreng
Äneis (1610) 87
a (5, 156). 77)
das vorangehen als zeichen höherer wertschätzung, höheren ranges u. ä., vorangehen im eigentlichen, räumlichen oder zeitlichen und uneigentlichen sinne genommen; noch Campe
nimmt diese bedeutung aus Adelung
ohne bemerkung auf (sich um den v. streiten),
indessen ist sie jetzt veraltert und vortritt
wird vorgezogen. präcedenz, vorgang, vorrang, vorzug Kinderling
reinigk. d. dt. spr. (1795) 315.
da dieses recht des vorganges
ein charakteristisches zeichen der höheren wertung ist, wird v.
geradezu auf diese selbst bezogen, und es läszt sich nicht immer ausmachen, ob v.
in eigentlichem oder freierem sinne gemeint ist. — des koninges van Palen und des kon. van Dennem. gesanten hebben wegen des vorganges (
bei einer trauung) ein sanck (
zank) geholden
quelle bei Schiller-Lübben 5, 352
b; hê hed de vörgang ten Doornkaat-Koolman 1, 540
b;
contendere per l'honore, umb die ehr und v. mit einem zancken Hulsius (1618) 2, 104
b; den v. prätendiren, einem disputirlich machen,
pretendere, disputare la precendenza Kramer
teutsch-ital. dict. 1 (1700) 492
b; musz die pfaffenhuor alweg den v. haben (
hier: zuerst gegrüszt werden) Vogelgesang-Cochläus
gespr. von d. trag. Joh. Hussen 25
ndr.; ich erzeigte ihm reverentz und bot ihm den v. zum händwaschen Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 817; (
sobald) sie den schönen und köstlichen zeug und zierd der ehren, der praelatur, desz vorgangs und embter erlangt und angelegt haben Äg. Albertinus
Lucifers königreich 38 (
nat.-lit.); bey der kaiserl. proposition den vorsitz als auch der königl. krönung und speisung den v. erhalten Harsdörffer
t. secretarius (1656
ff.) 2, 269; (
so) enträumte Arpus auch allen andern deutschen fürsten als wirth in seinem gebiete den v. Lohenstein
Arminius (1689ff.) 2, 744
a; der wirt sol setzen seine gest; nyemant waisz, wer da ist der pest. wann man nach zucht wolt leben, frummen, erbern solt man geben den vorgang und oben haben
liederb. d. Cl. Hätzlerin s. 276, 31; mein frau, das zimpt uns nit wol an, das ir ie wolt den vorgank han (
hier: zuerst den zaubermantel anlegen)
fastnachtsp. 2, 666
K.; (
er soll) den alten lassen den vorgang H. Sachs 19, 135
K.-G. auf thiere bezogen: dann die hundt gemeint, die katzen solten den hunden in allen dingen, es wer mit essen eim und dem andern den v. lassen Montanus
schwankbücher 35
B. —
im rechtlichen sinne: zum andern hat eine frau wegen ihres heuratsguts ... bey ihres manns gütern den v. vor vielen glaubigern, und diese freyheit heiszet die freyheit des vorgangs Hohberg
georg. curios. 3 (1716) 28
b. 88)
in freierer anwendung, höheren rang (
der den vorgang
im sinne von 7
einschlieszt),
gröszere macht, einfluszreichere stellung, dann mehr innerlich gewendet, höhere würde, edlere art, vorzug u. ä.; die freiere anwendung wird da deutlich, wo von einem vortritt
nicht die rede sein kann, vor allem auch bei der beziehung auf unpersönliches; auch diese anwendung des wortes ist veraltet: '
der vorgang
für vorzug
in übertragenem sinne ist bei guten schriftstellern nicht gewöhnlich' Heynatz
antibarbarus 2 (1796) 598 (
er führt noch einen beleg an). —
antesto, praesto, antecello den vortrab oder v. haben, fürtreffen Calepinus
dict. XI ling. (1598) 96
b; sy (
die teufel) sein Cristo umb sein v. allweg neydig Berthold v. Chiemsee 162
R.; niemand solde den forgangk odder furzug haben denn ehr Luther 17, 1, 78
W.; ein lang zeit hat der adel daselbs regiert, aber durch ir tiranney und bösz regiment davon kommen, das jetzt die bürgerschaft den v. hat S. Franck
chron. Germ. (1538) 281
b; in irer pollicey haben die priester den v. und ersten statt
weltb. (1534) 188
a; so demütigt sie (
ziege) sich doch, wann unter der herd eyn bock vileicht ist, dan alsdan laset sie dem bock den v. gutwillig Fischart 3, 224
H.; weilen ihm jedoch die erst geburt den v. vergunt Fr. A. v. Brandis
des tirol. adlers ehrenkränzel (1678) 159; wer under euch den vorgang haben wolt und vermaindt zu sein der merer, der selbig soll sein eur diener
altdt. passionssp. aus Tirol 375
W.; daraus gar gütlich wirdt geglaubt, das der man ye hab den vorgang (
vor dem weibe) H. Sachs 9, 303
K.; als die ich hab den vorgang weit ausz den harpiis jederzeit Spreng
Äneis (1610) 49
a; habt lust an Christo, dem reinen, last ihm den vorgang
bei Ph. Wackernagel
dt. kirchenlied 3, 239 (
nach Col. 1, 18: auff das er in allen dingen den furgang habe),
vgl. vorgänger 4 c.
mit kühnheit in persönlichem sinne gebraucht: alle leibliche creatur, der v. und herrscher ain mensch ist Berthold v. Chiemsee
t. theologey 554
R.; der (
der Christen) leyden ist so gar gemain, das all ir zal nit nennlich ist, der haypt und vorgangk (
hier zugleich vorbild) Jesu Christ J. v. Schwarzenberg
Cicero (1535) 156
v.
vorrang, vorzug von unpersönlichem ausgesagt: damit das Zenoniesch und Socratisch ernsthafftig angesicht nit allwegen in dergleichen frölichen zeiten den v. habe Frey
gartenges. 4
B.; ehr und tugendt neben der gottesforht ... billich den v. haben soll Dannhawer
catech.-milch (1657
ff.) 3, 368; so mus doch dis, was uns gebeut der herr, den vorgang haben hier Zesen
verm. Helikon (1656) 3, 51. 99)
das vorausgehen in der zeit, auch das, was vorausgeht: on vorganng fleiszigs gebet thuoe nicht, das radt ich dir Eberlin v. Günzburg 2, 128
ndr.; (
die eigentliche bedeutung von gang
betonend:) wir machen hier nur einen v. zum ewigen leben Abr. a
s. Clara
etwas f. alle (1699ff.) 2, 74; zeiterscheinung, ohne v. und ohne eigentliche folge Fichte (1845
ff.) 5, 478; sie haben der zeit nach den v. — nicht der trefflichkeit nach den vorrang Rückert (1867
ff.) 11, 255; ohn allen vorgang dort, ohn alle nachfolg hier Warnecke
poet. versuch (1704) 122; es mag vorangehn. vorgang in der zeit ist noch kein vorrang Fr. Th. Vischer
dicht. w. (1917) 4, 201.
in den folgenden stellen bezeichnet der plur. nicht vorgänge
im sinne der modernen sprache (
s. unter 11),
sondern vorhergehendes, vorbereitendes, einleitendes: nach allen disen vorgengen, die schwinde und starcke seind gewesen Tauler
sermones (1508) 186
b; das sie (
die das sacrament des altars empfangen wollen) sich mit fasten, rewen der sundt, beichten und dergleychen vorgeng bereytten Eck
des concilii tzu Costenz entschuldigung (1520) a 2
a; es erscheint warlich nirgends die weiszheit mehr, als in zeitiger erwehlung der anfäng und vorgäng der geschäfften Schupp (1663) 753. —
im sinne von präcedenzfall: es würde als ein vorgang angeführt ('
t will be recorded for a precedent), und mancher fehltritt nach demselben beispiel griff um sich in dem statt
Shakespeare kaufm. v. Venedig 4, 1. 1010)
in diesem zeitlichen sinne wird eine der gebrauchsweisen des wortes in der neueren sprache entwickelt; es bezeichnet dann ein zeitlich vorausgehendes beispiel (
s. die eben angeführte stelle aus Shakespeare),
muster, vorbild: nach deinem vorgange; sich nach jemandes vorgange richten Adelung;
so auch schon in älterer sprache: mit dem gebt ir beyde allem ewrem lande v., beyspil und ebenpild Hartlieb
d. histori von d. groszen Alexander (1473) 3
b; nach guotem ebenpild und vorganck
dial. mirac. d. Cäsarius v. Heisterbach 370
Drescher. —
zu beachten ist, dasz der gebrauch des wortes doch eine gewisse beschränkung erleidet; es wird fast immer nur auf personen oder collectiva, die persönliche auffassung zulassen (nach dem vorgange Englands, Berlins, der curie),
nur selten auf unpersönliches bezogen und ist vor allem im allgemeinen an bestimmte wendungen gebunden. übrigens braucht die vorstellung des musters, vorbildes nicht immer betont zu sein, es kann auch nur zeitliches vorausgehen gemeint sein, selbst ein solches, bei dem der nachfolgende sich anders verhält. besonders häufig sind mit präpositionen, vor allem mit nach
eingeleitete wendungen: nach dem groszen v. mächtigster potentaten Heppe
aufricht. lehrprinz (1751) 3; nach dem vorgange eines ausländers, Tissot, fingen nunmehr auch die ärzte mit eifer an, auf die allgemeine bildung zu wirken Göthe 27, 100
W.; nach dem v. älterer philosophen und theologen D. Fr. Strausz (1876
ff.) 6, 78; nach dem herzhaften vorgange einzelner herren (
wurde applaudiert) Mörike (1905) 3, 127; die verständigen liberalen begannen schon, nach Dahlmanns v., ihre ideale den gegebenen zuständen anzupassen Treitschke
dt. gesch. (1879) 5, 88; worin nach vorgang früherer gemeinden die bauerschaft gesondert in vier chöre ... sich zusammen hat gethan zu strenger übung der gottseligkeit Rückert (1867
ff.) 10, 169.
andere wendungen; man beachte die verschiedenen färbungen der bedeutung: aber eurer musz diese obererkenntnisz bleiben; und ohne deren v. musz niemand befugt sein, seine willkür in ein recht zu verwandeln Möser (1842
ff.) 2, 276; durch ihren v. angeregt soll es diesen sommer an fleisziger arbeit nicht fehlen Göthe IV 29, 154
W.; billig werden die gröszeren städte mit ihrem beispiel zum v. aufgefordert Görres (1854
ff.) 3, 78; Carl Borromeo liesz sich sein (
Gibertis) bildnisz malen, um sich fortwährend an seinen v. zu erinnern Ranke (1867
ff.) 37, 237; dasz nach dem vorgange der staatsbeamten (
die hier selbst nichts thun) auch die pensionen der offiziere künftig ... wachsen sollen Moltke (1892) 7, 91; sie (
die Piccolomini) beherrschen die meynung, und entscheidend ist ihr vorgang Schiller
Wallensteins tod 3, 2.
ungewöhnlich auf unpersönliches bezogen: wozu ohne zweifel der v. der lateinischen sprache anlasz gegeben Adelung
umständl. lehrgeb. d. dt. spr. 2, 450. —
ausgeschlossen wäre in der sprache der jetztzeit der gebrauch des plurals im sinne von muster, vorbilder: wohl dem, der anderer leute vorgänge zu seinem vorteil richtet Butschky
Pathmos (1677) 202. 1111)
ganz besonders häufig ist in der neueren sprache eine anwendung, die der bedeutung des lat. processus nachgebildet ist, vgl. ztschr. f. dt. wortf. 4, 132,
wo procedur
verglichen wird: in beiden fällen bedeutet prozesz dasselbe, nämlich zu deutsch: vorgang Rossmässler
d. mensch im spiegel der natur (1859) 131.
die vorstellung einer bewegung, eines verlaufs liegt zu grunde und kann betont werden, man sagt daher: ein v. spielt sich ab; v. im körper, in der seele, in der natur; dieser v. (
der verdauung) ist nun wesentlich ein chemischer Sömmerring
vom baue d. menschl. körpers (1839
ff.) 5, 21; wenn ein fester körper eine verbindung mit einem flüssigen eingeht und das product ist flüssig, so nennt man den v. eine auflösung Liebig
hdb. d. chemie (1843) 1, 12; wenn ich auf einen v. in der natur stosze, dem etwas analoges im menschlichen leben entspricht W. Weigand
d. gärten gottes (1930) 302. —
der handlung gegenübergestellt: dasz sie (
die verbalformen) durch sich selbst nichts als den bloszen allgemeinen und unbestimmten begriff einer handlung oder eines vorganges enthalten W. v. Humboldt (1903
ff.) 4, 380; man glaubt nicht, wie viel handlung und v. sich ... in den raum eines bühnenstückes unterbringen läszt O. Ludwig (1891
ff.) 5, 330. —
verlauf dem beginn entgegengesetzt: weil ich bereits einen anlauf und v. solchen unternehmens kenne G. Keller (1889
ff.) 6, 50. —
gewöhnlich wird v.
in unbestimmterem sinne gebraucht; Stieler
verzeichnet zuerst diese anwendung, s. oben zu anfang, beachte unten den beleg aus Butschky; '
eine begebenheit, ohne zu bestimmen, ob sie wichtig oder nicht, schädlich oder nützlich u. s. f. ist; es unterscheidet sich dadurch von vorfall,
dasz dieses eigentlich von plötzlich sich ereignenden umständen, vorgang
aber ohne diesen nebenbegriff ... gebraucht wird' Adelung;
in der folgenden stelle z. b. würde die sprache der gegenwart vorfall
vorziehen: unwissend, wie bey Karl mein handel sich verschlimmert, verfolg ich meinen weg, des vorgangs (
Hüon hat Karls sohn getötet) unbekümmert Wieland
Oberon 1, 38; sobald er aber von ihm den ganzen v. erfahren hatte Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 68; (
ich) war also ein augenzeuge von diesem vorgange Hippel
lebensläufe (1778
ff.) 1, 181; wir wurden nur spät von diesem vorgange benachrichtigt Göthe 23, 283
W.; den ganzen v. geheim zu halten Schiller
kabale u. liebe 3, 1; ich will den v. kurz erzählen A. v. Arnim (1853
ff.) 8, 239; man hat aus diesem anlasz an einen früheren v. erinnert Mörike 3, 138
Göschen; begierig auf eine abwechslung, ein ereignis, einen v., dem sie sich ohne rückhalt hingaben G. Keller (1889
ff.) 5, 29; leibhaftig vielmehr tritt der v. vor uns hin, wie Alkmene in der dämmerung am rocken sasz Treitschke
hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 91; was wunderbares liegt im ganzen vorgang Tieck (1828
ff.) 2, 83.
mit charakterisierenden attributen: ein angenehmer, unangenehmer, trauriger v. Adelung; dieser unbegreifliche v. Göthe 49, 114
W.; den staunenswerten v. A. v. Arnim (1853
ff.) 1, 321; selbst im schrecklichsten vorgange O. Ludwig (1891
ff.) 5, 104. —
bei dieser anwendung wird nun auch in der entwickelten nhd. schriftsprache der plural gebraucht: also sihet ein ... gottergebenes gemütte alle ungleiche vorgänge ... an Butschky
Pathmos (1677)
einführung 3
b; die bisherigen vorgänge zwischen den kaisern und päbsten
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 3, 71; dasz man von zuständen und vorgängen früher als sonst entschieden unterrichtet wird Göthe IV 38, 129
W.; seine vorliebe für grosze, weitläufige vorgänge der menschenwelt Immermann 19, 23
B.; die seelischen vorgänge eines unter schwerer last ringenden menschen Freytag (1886
ff.) 14, 53; unter diesen vorgängen ... waren alle vier in den schloszflur eingetreten Fontane I 4, 277; die vorgänge dieser dichtung geschehen in einem landhause zu Friedrichshagen G. Hauptmann
einsame menschen (1891) 1. 1212)
einzelnes. 12@aa)
in technischer sprache wie vorlauf, -lasz, -sprung
der erste aus den ungepreszten trauben von selbst auslaufende traubensaft, und beim branntweinbrennen der erste durch die blase gewonnene Hübner
zeitungslex. (1824ff.) 4, 838
b. 12@bb)
saum, rand in verschied. anwendung, z. b.: waldgrenze; vorgänge, waldgräntzen
limites saltus Frisch 1, 317
b. —
von den enden eines balkens: verband dessen euszerste vorgänge mit festen riegeln Lohenstein
Armin. 1 (1689) 1014
b. —
schweiz. fürgang,
saum, streifen von anderem (
soliderem),
auch andersfarbigem stoffe am frauenkleide, ansatz an einem frauenkleide schweiz. idiot. 2, 346. 12@cc)
länglicher raum (gang)
vor einem andern: preambulum furganck an einem husz Diefenbach
gl. 451
b; vorgang,
procestrium Stieler 623;
corridor Campe;
anders: dat schap steid in de för gang (
vordertheil eines hausdurchganges) un nich in de achtergang ten Doornkaat-Koolman 1, 540
b. — unser lieber herr ist einmahl, als es kirchweyhe war, in dem vorhoff oder v. desz Salomonischen tempels hin und her spatzieren gangen Abr. a
s. Clara
Judas 4 (1695) 386; je nachdem eins lust hat, schlägt es sein nachtlager auf dem v. ... auf Bettine
Göthes briefw. mit einem kinde (1835) 1, 322; dann schlich er die stiege hinan, den v. entlang Rosegger I 12, 74. 1313)
als erstes glied von zusammensetzungen: jedenfalls war es erstaunlich, die ... instrumentalmusik unter anleitung eines dramatischen