verzeigen,
vb. 11) '(
bei gericht)
anzeigen, verraten'
; zuerst in dieser bedeutung im schweizerischen bezeugt und dort bis in die gegenwart gebräuchlich: verzeigen
indicare Maaler
teutsch spr. (1561) 439
c; verzeigen einen
prodere Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 2, 317
a; das ein amman unnd die sechtzig ... woll söllent unnd mögent vollen gwallt han, wen sy allso (
des diebstahls) argwenig habent, oder inen verzöigt wirtt (1416)
landbuch v. Schwyz 75
Kothing; und sind namlich etlich von Münsingen ... heimkommen, dero uns nit mer dann einer ... verzöigt ist. darumb wellend die andern erkunden, damit sy nach írem verdíenen gestraft werdind (1529)
aktenslg. z. gesch. d. Berner reformation 1089
St.-T.; und überfielend die beder, in welchen inen etlich verzaigt warend, die da lägend als verborgen J. v. Watt
dt. hist. schr. 1, 449
Götzinger; batend den selbigen burger und hauszvatter durch gott, das er si niemand wOelte verzeigen
[] Stumpf
keiser Heinrichs des vierten hist. (1556) 71
a; aber in der eidgnoschafft hatt er sich nichts vnderfangen, (so ist uns wissen) domitt er nitt, wo er solliches gethon, verzeigt werden möchte
die warhafft. u. grausame hist. David Georgen ausz Holand (1560) B 2
a; kumm weydlich har, und lasz uns forth, sonst möchtend wir in diesen sachen uns verzeigt und argwönisch (
verdächtig) machen
ein geistl. spiel v. S. Meinrads leben u. sterben (
hs. Einsiedeln 1570) 29; als sie nun inn dise mOerderische gesellschafft tAeglich vil unbehtsamlich auffnamen, wurden sie verzeigt, unnd von welchen disz laster kundtbar war, gefangen und hingerichtet Wurstisen
Paulii Ämilii u. Arnoldi Ferroni hist. (1572) 1, 110; ward er zuo letzt durch ein torechten menschen ... dem Belli verzeiget und gefangen in Franckreych gefertiget Stumpf
Schweizerchron. (1606) 751
b; der unterzeichnete hat sämtlichen diesjähren beerenertrag gepachtet und wird jedes unerlaubte beerensammeln ... als entwendung bei zuständigem gerichte verzeigen
amtsblatt d. kantons Graubünden v. 19. 7. 1895; und wenn ich euch verzeige ... sagte Marianne, ihr wiszt doch, dasz ein kindsvater pflichtig ist, zu zahlen? E. Zahn
die da kommen (1918) 90. '
bloszstellen, öffentlich tadeln': sie (
Th. Storm) wissen also, wie's gemeint ist, liebster freund, wenn der mann mich bei ihnen etwa mit dieser äuszerung verzeigt haben sollte, wie er erst vorhatte, mich in der vorrede zu verzeigen (1881) G. Keller
br. u. tageb. 3, 341
Ermat. auch allgemeiner '
von etwas berichten, es kundmachen': jn (
den erschlagenen herzog) habe seiner camerjungen einer ... verzeiget, der ... gesehen, wie und wo sein herr erschlagen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 741
a. 22) '
zuweisen, anweisen, bestimmen',
ebenfalls vorwiegend im schweizerischen gebräuchlich: hie zwischen sol er seine knecht ... heimlich ausz dem lAeger schicken, vnd jhnen befehlen, mit allen bAerden stechen, hauwen, schreyen, schiessen, ... doch on schaden an verzeigter statt vnd zeit Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) g 3
b; es brachten auch beyde meine ausgeschickte herren bericht, wie man ihnen ein haus in der statt vor mich verzeiget (1715)
in: blätter f. bernische gesch. (1914) 300, 1; auch weiber nahm man zu jeder stunde auf (
in den klöstern des Pachomius), ... man verzeigte ... den weibern eine besondere wohnung Zimmermann
über d. einsamk. (1784) 1, 209; aus dem holze trat der amman mit noch einem, die axt im arm; sie hatten holz verzeigt (
zum fällen angewiesen) Gotthelf
s. schr. (1856) 5, 320;
vgl. schweiz. id. 6, 1737
s. v. rietem. 33)
in einigen anderen, nur vereinzelt bezeugten verwendungen auch im weiteren bereich des obd. '
anzeigen, zum ausdruck bringen': der menschlich leib soll dem herren dienen, mit eüsserlichen und leiblichen dingen: durch wOelche er gleich als mit etlichen zaichen, seinen glauben, hoffnung, unnd liebe, so ehr zu gott habe, verzaigen mOege J. zu Wege
confession (1555) C 4
a.
mit betont sinnlichem vorstellungsgehalt '
zeigen, hinweisen auf': er ists, so Johannes der teufer mit dem finger verzeigt hat
satiren u. pasquille 3, 3
Schade. ähnlich, doch in abschätzigem sinne: und ob villeicht einer also ist, der wird als bald verzeigt, verspottet und verlachet, als ein esel unter den affen J. Adelphus
enchiridion (1520) v 4
a. —
reflexiv im schwäbischen, besonders von visionären erscheinungen, vorzeichen, von unglücks- oder todesfällen u. dgl., s. Fischer
schwäb. 2, 1423. —