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vorfahren

nhd. bis sprichw. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorfahren verb.

Bd. 26, Sp. 1015
vorfahren, verb. , s.fürfahren th. 4, 1, 1, sp. 724; ahd. fora-, furifaran Graff 3, 570; mhd. vor-, vürvarn mhd. wb. 3, 246a; Lexer 3, 589; 617; antecedere vorwaren Diefenbach gl. 37a; precipitare vurfaren 452a; provectare furvaren 468b; provehere vorfarn 468b; vorfahren, anteire, praevehi, praetervehi Stieler 410; ich fahre vor, vehiculo praecurro Steinbach 1, 403; Adelung; Campe; Fischer schwäb. wb. 2, 1651; schweiz. idiot. 1, 899; die umschriebenen formen werden mit sein gebildet, ganz ungewöhnlich daher: der kutscher hat vorgefahren, der pudel steigt ein Hoffmann v. Fallersleben schr. (1890) 5, 110. ein vergleich mit dem artikel fürfahren zeigt, welche auszerordentliche einschränkung der gebrauch des verbums im entwickelten nhd. erfahren hat, indem es fast ausschlieszlich auf die bewegung von gefährten bezogen wird, wobei als subject das gefährt selbst oder der lenker, aber auch der im wagen sitzende gelten kann; auch auf die bewegung von schiffen kann das verbum bezogen werden. 11) vorfahren, voranfahren, navigare inanzi ò carriggiare Hulsius-Ravellus (1616) 388a; der brautwagen fährt vor, currus sponsae praecedit Steinbach 1, 403; er fuhr vor, die andern alle nach Campe; Hector durch einen vorfahrenden am graben gewarnt Göthe 47, 343 W. 22) gewöhnlich aber an einem vorausfahrenden vorbei fahren und sich im fahren vor ihn setzen, ihn überholen: man soll rechts ausweichen und links v.; so in verbindung mit dem dat.: der französische gesante ist dem spanischen vorgefahren Stieler 410; die bauern müssen den edelleuten nicht v. Kramer 1 (1700), 324b; einem v., 'ihm im geschwinden fahren zuvorkommen' Adelung; ihre ehre leidet z. b. dabei, wenn ihr wagen einem andern wagen von stande nicht vorfährt Jean Paul w. 7/10, 40 H.; liebe leuteln, haltet ein wenig auf, laszt mich vorfahren Anzengruber w. (1890) 2, 8; mit der eisenbahn: gleich darauf werf ich mich in die eisenbahn, fahre den truppen vor Töpfer dram. w. 1, 179. — freier in der alten sprache, an etwas vorüber sich bewegen: die zwen zolle Ernfels und Lanstein, da die burger zollfri vor furen dt. städtechron. 17, 8 (Mainz). 33) sehr oft im nhd. in prägnanter bedeutung, zum halten an eine bestimmte stelle fahren, entweder um dort auszusteigen: es versteht sich, dasz sie sogleich zu dem alten grenadier, wohnhaft hinterm dohm, bei ihrer ankunft v. Gleim briefw. 2, 8 Körte.; als sie bei dem gerichtshalter vorfuhren Göthe 23, 35 W.; dasz er bei dem prinzen noch v. und ihm seine vermählung kundmachen soll Engel schr. (1801) 1, 152; wer vorfährt oder sich melden läszt, wird nicht angenommen Iffland theatr. w. (1827) 1, 198; (wirth:) still! — es fährt wahrhaftig ein wagen vor. — sogar eine extrapost Tieck schr. (1828) 5, 321; bis die gäste zum thé dansant vorfahren Grabbe w. 4, 20 Bl.; die krügersleute muszten ... das v. des schlittens ... überhört haben Fontane I 1, 7; frei: ein solcher prospectus darf nur bei den kapitalisten v., die zimmerthüren fliegen auf Gutzkow w. (1872) 8, 133 —, oder aber, damit man einsteigt: ei, es ist schon vorgefahren, ... geschwind lasz uns einsteigen Brentano schr. (1852) 5, 140; endlich fuhr unten der wagen vor, es war alles bereit Eichendorff w. (1864) 3, 374; mit gewohnter verspätung fuhr der eilwagen gegen 10 uhr vor H. v. Barth Kalkalpen 364. — den wagen v. lassen: lasz den wagen v. Lessing Minna v. Barnhelm 4, 6; lasz meine karriole v. Schiller Fiesko 2, 4; der kaiser liesz sogleich seine sechsspännige kutsche v. Tieck schr. (1828) 9, 330. — v. lassen wird in der umgangssprache auch in scherzhafter übertragung gebraucht: er hat hellisch v. lassen, essen und trinken überreichlich auftischen lassen H. Meyer d. richtige Berliner 148a. 44) in älterer sprache ist die allgemeinere bedeutung von fahren, bewegung jeder art bezeichnend, auch bei v. vorhanden; von personen: ante eas vadit, verit er in vora Tat. 133, 7; mit dem acc.: praecedit vos in Galileam, forafuor iuuih in Galileam 218, 5; 'ir vart mir nâch', vor fûr er, er was der êrste, der sîn sper dâ ritterlîcher tjost verbrach Ludwigs kreuzf. 6165 N. im nhd. kann v. auf personen und gegenstände bezogen werden, wenn es sich um eine plötzliche heftige bewegung handelt; gestützt durch zurückfahren: wird sie gewahr, fährt vor, fährt zurück Schiller Fiesko 5, 11; hastich vel vurfarende, praeceps Diefenbach gl. 451c; übertragen: wenn dieser rasche geist meines königs nicht schnell vorführe Klinger w. (1809) 1, 240. von gegenständen etwa im sinne von vorschnellen, z. b. bei theilen einer maschine u. ä.; vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1651. — in der bergmannsspr. hält sich v. in allgemeiner bedeutung, vgl. an-, einfahren; die wetterleute (s. vorfahrer) fahren den andern vor an die arbeitsstätte, um zu sehen, ob sie gefahrlos sind Veith bergwb. 547. 55) der in alter sprache weiter ausgebildete gebrauch des verbums hält sich z. th. im älteren nhd., später nur spurweise; berücksichtigt ist nur die zusammensetzung mit vor. 5@aa) mit dem dativ, jemandem zuvorkommen, im eigentlichen und übertragenen sinne: einem v. in die schüssel, precedere uno al piatto Kramer 1 (1700), 324b; der sagt, wie dasz er (ein anderer) yn woldt haben ermort, do het ym got das glück geben, das er ym vorgefaren wär Fortunatus 28 ndr.; jeder theil forcht, der ander, wölte im in eynnemmung Gallierlandes vorfaren Stumpf Schweizerchron. (1606) 308a; vgl. schweiz. idiot. 1, 899. 5@bb) den vortritt haben: so söllend unser herren der bischof ... v. und bezalt werden vor allen botten quelle im schweiz. idiot. a. a. o. 5@cc) zeitlich vorangehen (vgl. vorfahr und vorfahrer), in diesem sinne wird das part. präs. gebraucht, vgl. schweiz. idiot. a. a. o.; Schiller-Lübben 5, 485; die vorfarenden bäpst Franck chron. zeitb. (1531) 313b; (hof,) den die genant unsere vorfarende bischoffe denselben thumherren one rächt entzogen Tschudi chron. helvet. (1734) 1, 23. — das part. substantiviert: vorfar oder vorfarnder, predecessor voc. 1482 m m 2a; unsire eltern und vorvarende henneberg. urkundenb. 3, 50 (1364); unser eltern, vater und muoter und all unser vorfarenden Tauler sermones (1508) 221b; die heiligen väter und all unser vorfarenden müssend geirrt han Zwingli dt. schr. (1828) 1, 128; unser vorfarendt haben ire versammlung und zeit gmaynen handlung genant mess Eberlin v. Günzburg schr. 2, 186 ndr.; ein jeglich zeichen, das ein newe geburt anzeigt, begreift auch die zerstörung der vorfahrenden Paracelsus opera (1616) 2, 637 B.
6504 Zeichen · 144 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vorfahren

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Vorfahren , verb. irreg. neutr. (S. Adelung Fahren ,) welches das Hülfswort seyn erfordert. 1. Einem vorfahren, ihm in g…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vorfahren

    Goethe-Wörterbuch

    vorfahren [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Vorfahren

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Vorfahren , die Personen, von denen jemand abstammt, Verwandte in aufsteigender Linie (Aszendenten).

  4. modern
    Dialekt
    vorfahren

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    vorfa h re n 1. von Strecke zu Strecke vorfahren, weiterfahren, beim Aufladen der Garben, die auf Haufen zusammengesetzt…

  5. Sprichwörter
    Vorfahren

    Wander (Sprichwörter)

    Vorfahren 1. Seine Vorfahren kennt niemand. Holl. : Zijne voorvaders kent niemand. ( Harrebomée, II, 405 a . ) 2. Unsere…

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Wortbildung

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Zerlegung von vorfahren 2 Komponenten

vor+fahren

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Cotta, M. (2026). „vorfahren". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vorfahren/dwb
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Cotta, Marcel. „vorfahren". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vorfahren/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
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Cotta, Marcel. „vorfahren". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vorfahren/dwb.
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