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vorfahr

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorfahr m.

Bd. 26, Sp. 1013
vorfahr, m. , vgl.nachfahr th. 7, sp. 47; dem fahr würde ein ahd. faro entsprechen. vgl. altn. -fari in Englands-, Jórsalafari; ebenso auch in fyrirfari, vorzeichen. mhd. vorvar mhd. wb. 3, 250a; Lexer 3, 483; predecessor fore-, vorfare, vorfar (15. jh.), Diefenbach gl. 453a; die vorfaren oder altvorderen, maiores, superiores Maaler 475a; die vorfahren, majores, antecessores, praedecessores, progenitores Stieler 410; vorfahre, der Steinbach 1, 403; der vorfahr Adelung; mnd. vorvare Schiller-Lübben 5, 485a; förfar ten Doornkaat-Koolman 1, 540a; plur. vörfaren Dähnert 530b. — das wort flectiert schwach, im nom. ist das auslautende e auch im nhd. fast immer apocopiert; vgl. aber oben Steinbach a. a. o.; ain vorfare üwer hochwirdigkait Niclas v. Wyle translat. 196 K.; Wigbert, sein vorfahre myth.4 1, 62. — st. formen kommen vereinzelt vor: ob er in der herauszalung an die erben des vorfars rath weis Hermes Sophiens reise 1 (1778), 45; zwischen seinem vorfahr und den unterthanen Jean Paul w. 7/10, 122 H.; seinen vor tausend jahren lebenden vorfahr Schopenhauer w. 1, 237 Gr.; o! so nahmst du gnädiglich deines vorfahrs amt auf dich Gottsched ged. 1, (1751) 49; dein ist des vorfahrs (später: der vorzeit) edler gesang Klopstock oden 1, 162 M.-P.; (hain,) der schon dem vorfahr dicht und alt mit eich und buch ehrfurcht gewallt Voss ged. (1802) 6, 217; ohn einen führer, ohne vorfahr blindlings Spitteler olymp. frühl. (1922) 2, 193. nom. sing. auf -en: dein vorfaren, der sälig Maximilian Eberlin v. Günzburg 1, 6 ndr.; dazu genit.: ewers leyplichen vorfarens J. v. Schwarzenberg d. teutsch Cicero (1535) 149b. — besondere form: solich dienst, die ire vordern unsern vorferen ... beweiset habin (15. jh.) lehns- u. besitzurk. Schlesiens (1881ff.) 2, 53. — vgl. unten vorfahrer und vorfahren 5 c. 11) in der sprache der gegenwart ist das wort fast nur in der eingeschränkten bedeutung erhalten, dasz es sich auf die menschen vorausgegangener geschlechter bezieht. es kann im engeren sinne die voreltern und ahnen einzelner bezeichnen, oder aber in umfassenderer weise gebraucht und auf gesamtheiten, völker bezogen werden: unsere vorfaren oder altforderen Maaler 475a; im engeren sinne: der seiner vorfahren werth ist Steinbach 1, 403; meine vorfahren waren alle bauern. — der sing. kommt im allgemeinen seltener vor als der plur.: wem der v. nicht warnung ist, der wirds dem nachkommen sein Klopstock w. (1823) 9, 254; pietas gravissimum et sanctissimum nomen, sagt ein edler v. Göthe 44, 2, 133 W.; der v. des herrn Götz W. Alexis d. hosen d. herrn v. Bredow (1846) 1, 100; ein v. hat es übers meer gebracht G. Keller w. (1889) 6, 90; (er) würde, wenn er soldat wäre, wie sein v. bei Prag fallen Bismarck ged. u. erinn. 1, 236 volksausg.; dâ sich unser vorvar an der kranken lîpnar hete mite beklûteret Heinrich v. Hesler apokal. 7969; der grosze vorfahr deines bluts, Richard (that great forerunner of thy blood) Shakespeare könig Johann 2, 1; als wär dein vorfahr Jonas wieder da Hebbel werke 2, 241 W.; nam mir aber für, zuo bliben in dem gesetz miner vorfarn A. v. Pforr buch d. beisp. 19 lit. ver.; (dasz man) sie bey irem regiment und wesen, wie es ire vorfaren gehalten, bleiben lasse 2. Macc. 11, 25; (damit du) in die fuoszstapfen deiner frummen elter und vorfaren drittest Murner an d. adel 6 ndr.; kürtzlich darnach der alt graf, auch die gräfin sich versambleten zu ihren vorfahren (starben) V. Schumann nachtbüchlein 162 B.; die alte gottselige sitten unser vorfahren Binhardus thüring. chron. (1613) vorr. 63; sprich nicht in deinem hertzen, also haben meine eltern und vorfahren auch gewandelt J. Böhme schr. (1620) 4, 154; unser einfeltige und redliche vorfahren Schill teutsch. spr. ehrenkranz (1644) 79; dasz die heutige Italianen so dapfere leute sollen seyn als ihre vorfahren, (glaub ich nicht) Zinkgref-Weidner teutscher nation weish. 3 (1653), 59; unsere vorfahren, die alten Deutschen Prätorius saturnalia (1663) 153; eurer majestät durchlauchtigste vorfahren v. Besser schr. (1732) 1, 100; unsere vorfahren um Zesens zeiten Gottsched d. sprachk. (1748) 48; unsere alte deutsche vorfahren v. Heppe aufr. lehrprinz (1751) 225; wir denken in einer sprache, die unsere vorfahren erfanden Herder w. 16, 34 S.; familien, die ihren vorfahren vieles schuldig sind Göthe 20, 294 W.; ihre vorfahren haben uns dem vieh auf unsern feldern gleich gehalten Schiller schr. 6, 296 G.; das product mehrerer kräfte, das vielleicht durch eine lange reihe von vorfahren auf ihn fortgepflanzt worden Fichte w. (1845) 6, 180; ihre eltern, ihre vorfahren waren brave leute M. v. Ebner-Eschenbach schr. (1893) 4, 235; dasz die vorfahren der menschen sich abzweigten von längst ausgestorbenen (affen-)arten Peschel völkerk. (1874) 5; daz wundert mich ouch harte vil, daz dehein vrumman wil durch sîner vorvarn guot und durch ir adel hân übermuot Thomasin v. Zirclaria 3875; gedenckt ir denn gar nicht daran, wie ewre vorfarn gleubet han Dedekind papista conversus (1596) f 1b; kann ich von dir verlangen, dasz du deine vorfahren lügen strafst? Lessing Nathan 3, 7; ein könig sah im traum einst seiner alten vorfahren einen Herder werke 26, 393 S. 22) die allgemeine bedeutung von vorgänger stellt Adelung noch voraus ('der vor uns in unserm amte oder in unserm gegenwärtigen verhältnisse gewesen, er lebe noch, oder sey bereits gestorben'), während Campe bezeichnender weise schon die hier befolgte ordnung hat. im 18. jh. wird vorfahr in diesem sinne noch oft genug gebraucht (vgl. ztschr. f. d. wf. 12, 64), ist aber dann immer seltener geworden. dagegen ist v. in diesem sinne neben vorfahrer mundartlich erhalten Fischer 2, 1651; schweiz. idiot. 1, 887; Dähnert 530b; es kann das wort beide bedeutungen umfassen, z. b. bei fürsten, wenn eben die vorgänger im amte, in der lebensstellung zugleich väter und ahnen sind: he (Bonifacius VIII.) brachte sinen vorvaren darto, dat he gaf up dat pavesdom quelle bei Schiller-Lübben 5, 485a; von unsern vorfarn, den bischoffen und dem stift, her dt. städtechron. 23, 372 (Augsburg); unser vorfaren am reiche urk. z. gesch. Maximilians 50 lit. ver.; obrigkeiten sollen im regiment ihren vorfahren in dem nachfolgen, was den unterthanen lieb und angenehm gewesen Lehman floril. polit. (1662) 2, 591; der nachfolger, ungebessert durch das beispiel seines vorfahren, macht es gemeiniglich noch ärger Wieland w. (1794) 8, 149; man liebt den nachfolger niemals, wenn man den vorfahren geliebt hat; platzfolge ist immer eine art von vertreibung Göthe IV 1, 130 W.; keiner meiner vorfahren im amte seit dem siebenjährigen kriege W. Raabe Horacker (1876) 21; mein geistlicher v. Watzlik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 43; er was sîm vorvarn unmære, dem künege Saul Thomasin v. Zirclaria 6974; als ewer vorfahrn (päbste) haben gethan fastnachtsp. 2, 922 K.; dein vorfahr (als schatzmeister) war mir viel zu kalt Lessing Nathan 1, 3. auf eine frau bezogen: wie die spanische Maria war, mein vorfahr auf dem thron Schiller Maria Stuart 4, 10. mit bezug auf besondere lebensverhältnisse, leistungen, thätigkeiten u. ä.; dann auch vorgänger im besitz: aber es wirt ... diszen (irr-)lerern begegen, das yhren vorfaren, der selben oder ander ketzereyen meystern begegenet ist Luther w. 11, 352 W.; meiner vorfahren in der artzney Paracelsus opera (1616) 1, 477 C.; er hätte ein bauerguth vor der stadt gekauft, welches er habe renoviren wollen, weil seine vorfahren solches gar baufällig hätten lassen werden Prätorius winterflucht d. sommervögel (1678) 36; diesen folgten Buffardin und Blavet, brachten es aber in der ausübung viel weiter als ihre vorfahren Quantz anweisung d. flöte zu spielen (1789) 24; bin ich doch nur ein v. von künftigen andern, im leben wie auf der reise Göthe 31, 123; in dem ursprünglichen milden sinne unserer kirchlichen vorfahren Schleiermacher w. (1834) I 5, 431; obschon wir nicht wie unsere vorfahren, die weiland fahrenden schüler 'heischen' (betteln) gingen Hoffmann v. Fallersleben schr. (1890) 7, 53; sie (missionare) kamen als vorfahren der heutigen touristen Scheffel w. (1907) 1, 115; (ihr) thuondt als üwer vorfar (dechant) thet Murner narrenbeschw. 72, 83 ndr. vorgänger in der ehe: der man macht seine vorfarn fromm, das ist, er helt sich so übel, dasz die fraw den vorigen ausz der erden kratzet sprichwörter (1548) 23a (anders gedeutet bei Seb. Franck sprüchw. [1541] 2, 64a). — in der folgenden stelle ist der gemeint, der in der reihenfolge der schützen beim vogelschieszen vorher zum schusz kommt: ein schlimmer v. ... hatte zum schusse angelegt Jean Paul w. (1826) 12, 103. — übertragen: heute ist der erste februar. gebe der himmel, dasz er ein eben so milder regent sey, wie sein v. Hebbel br. 2, 199 W.
8812 Zeichen · 188 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vorfahr

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Vorfahr , des -s, plur. die -en. 1. Der vor uns in unserm Amte oder in unserm gegenwärtigen Verhältnisse gewesen, er…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Vorfahr

    Goethe-Wörterbuch

    Vorfahr [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Vorfahrm.

    Pfälzisches Wb.

    Vor-fahr m. : wie schd., Voʳfahʳ [ FR-Bockh ]; meist Pl. Voʳfahre [verbr.]; vgl. Voreltern . Unser Voʳfohre ware aach ne…

  4. Spezial
    Vorfahrm

    Dt.-Russ. phil. Termini

    Vorfahr , m предок , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vorfahr

11 Bildungen · 8 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von vorfahr 2 Komponenten

vor+fahr

vorfahr setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vorfahr‑ als Erstglied (8 von 8)

vorfahren

DWB

vor·fahren

vorfahren , verb. , s. fürfahren th. 4, 1, 1, sp. 724; ahd. fora-, furifaran Graff 3, 570 ; mhd. vor-, vürvarn mhd. wb. 3, 246 a ; Lexer 3, …

vorfahrer

DWB

vor·fahrer

vorfahrer , m. , an das zum verb. gebildete nomen actionis hat sich eine erweiterte form von vorfahr angeschlossen. 1 1) in deutlicher anleh…

vorfahrin

DWB

vorfahrin , f. , zu vorfahr gebildet, als selten von Adelung angeführt; in den beiden bedeutungen von vorfahr, ahnin, vorgängerin in den leb…

vorfahrvisite

DWB

vorfahr·visite

vorfahrvisite , f. , besuch, zu dem man mit dem wagen vorfährt: und nun denken sie sich, schwägerin, Charlotte und ich im wagen und unsre vo…

vorfahr als Zweitglied (1 von 1)

Ableitungen von vorfahr (2 von 2)

urvorfahr

DWB

urvorfahr , m. (ur- C 4 c), als neubildung bei Campe : unsere urvorfahren Göthe 35, 56 W. —

Vorfahre

DERW

Vorfahre, M., ›vorhergehender Verwand- ter‹, mhd. vorvare, vorvar, M., ›Vorgänger, Vorfahr‹, vgl. ahd. forafaro (A. 9. Jh.), M., ›Herold, Au…