sprachhaus,
n. haus für versammlungen (
s.sprache 4,
c),
rathaus, abtritt. altwestgerm. zusammensetzung, ags. sprǽ
Chús
auditorium, úþwitena sprǽchús
curia vel senatus. Bosworth-Toller 904
b (
daneben sprǽc-ærn,
praetorium. ebenda);
as. sprâkhûs
pretorium, curia, sella curulis. Wadstein 223
b,
mnd. sprâkhûs (
cloaca) Schiller - Lübben 4, 342
a;
ahd. sprâhhûs
curia, consistorium, praetorium, secretarium, oracula. Graff 4, 1057,
mhd. sprâchhûs (
häufig els. sprôchhûs) Lexer
handwb. 2, 1110.
im 16.
jahrh. ist sprachhaus
noch sehr gewöhnlich, dann erlischt es auffallend plötzlich. nur im luxemb. hat es sich noch heute als sprochhaus,
abtritt, gehalten. Gangler 428. 11)
die ursprüngliche bedeutung, haus, wo sprachen (4,
c)
abgehalten werden, herrscht in den altgerm. dialecten (
ags., as., ahd.),
s. oben: curia ... dînch
vel sprach, sprac hus.
ahd. gl. 3, 124, 43—46;
curia dinchus
vel sprahus. 209, 51,
s. auch zeitschr. f. d. alterth. 3, 126
b. 469
b;
consistorium richt-, sprachhus. Dief.
nov. gl. 109
b; sprachhus,
protorium (
l. pret.) Twinger
voc. lat. germ. bei Scherz-Oberlin 1541; sprachhus,
curia vel consistorium, bei Herrad v. Landsberg,
s. Ch. Schmidt
hist. wb. der els. mundart 333
b; yrforahta sih thô hartoPilatus thero uuorto, giang mit Kriste er thô fon inin thaʒ sprâhhûs in. Otfrid 4, 27, 30.
schon mhd. begegnet diese bedeutung nur noch in vereinzelten glossen; im nhd. ist sie ganz erloschen. Haltaus 1707 (
domus publici colloquii et conventus)
kennt sie nur aus alten quellen. 22)
dagegen hat sprâchhûs
später die bedeutung '
abtritt, heimliches gemach'
angenommen. sie findet sich vereinzelt schon ahd.: latrina sprachus
ahd. gl. 3, 628, 19,
s. Heyne
hausaltert. 1, 97,
und herrscht im mhd. (
und mnd., s. oben)
sowie im frühnhd. (16.
jahrh.),
s. Lexer
handwb. 2, 1110. Schm. 2, 696. Haltaus 1707
f. Scherz - Oberlin 1541. Schmid 503. (
heute noch luxemburgisch, s. oben.)
s. ferner sprachhäuslein
und sprachkammer:
cloaca ... sprachhus Dief.
gl. 128
a; sprauch husz
nov. gl. 97
a,
s. auch Dief.-Wülcker 859; gemein spraachhausz (das)
forica. Maaler 381
d;
latrina. voc. v. 1618
bei Schm.
a. a. o.; sprach-haus, bey den alten, ...
latrina. Frisch 2, 306
a,
danach Campe.
die grundvorstellung ist wol '
heimliches gemach',
indem die sprachen
ebenfalls geheim, d. h. unter ausschlusz der öffentlichkeit in geschlossener sitzung stattfanden. sprachhaus
würde dann in privet
bezw. profei (
theil 7, 2140. 2159)
und sekret (3,
sp. 404)
parallelen haben. doch spielt wol auch eine andre vorstellung mit hinein, die Haltaus 1707
andeutet: sprach-haus
item sprach-kammer,
facete veterum vocavit pudor latrinam, q. d. domunculam ventriloquentiae, und die sich noch heute aus kinderversen belegen läszt. belege sind sehr zahlreich, vgl. Ch. Schmidt
hist. wb. der els. mundart 334
a.
zeitschr. f. d. wortf. 4, 209: der henker sol auch ellu sprachhuser fürben da mans bedarf.
Augsburger stadtb. bei Schmid 503; haben müssen hergeben zu den cloacken und sprach-bäusern von diesen hufen.
Erfurter urk. von 1332
bei Haltaus 1708; wir clagten auch hinz ihn von ihr sprach-heuser wegen, da gescheh uns unlust von.
urk. von 1371,
s. ebenda 1707; von unflots wegen, der in Knebelins haus durch ein mur tringet von eim sprochhus, das in meister Hermans hus stet.
urk. von 1421
bei Scherz-Oberlin 1545; item wer kain sprachhus hat, der mag nachts inn den bach tragen, was sunst in den winkel keme, unnd nit by tag.
Stuttgarter stadtordn. von 1492
bei Schmid 503; do viel der abt durch sin sprâchhus yn den Ryn, und swam über und entran. Kuchemeister
s. 12 (
danach Vadian
schr. 1, 320
Götzinger); hette dich morne ein mensche geladden das dirs wol solte biethen, und ginge der mensche der und beslüsse dich in ein stinkende sprochhuos, sage mir, wie wol woltest du das für guot han? Merswin 9
felsen (1352)
s. 48
Schmidt; do kam der von Hasenburg in ein sprachhus.
Basler chron. 5, 121, 4 (
zu 1376); do er (
Caracalla) ... eines moles ginc über daz sprochhus, sin notdurft der naturen tuon.
d. städtechron. 8, 352, 20 (Königshofen); untz in den graben der ignote heisset der Snydergrabe, do die sprochhüser ingont. 9, 716, 25; also füert der schuester das kind an ain haimlich statt in dem haus und erwürgt das kind an einer hantzwehl und warf es in ain sprachhaus in den Lech. 5, 71, 20 (B. Zink
zu 1425); nun was des selbenn tages ein sprachhausz geraumpt und in derselben gruoben eine getragen worden.
decamerone 530. 30
Keller (8, 9); und verwüsten das haus Baal und macheten dafür sprachheuser unz an disen tag.
bibel 1483 175
a (
et fecerunt pro eo latrinas. 4 kön. 10, 27. Luther: und machten ein heimlich gemach draus); Gabrinus Cremonensis ertodt syben syner herren und als die in stinckenden sprachhüsern vergraben wurden, nam und besasz er ir aller herschafften. Nicl. Wyle
transl. (1510)
frau glück (
in der ausg. von 1478: priveten,
s. 237, 6
Keller); ain dieb gehört an den galgen, unnd ain morder auff das rad, unnd ayn bauren veiel in die privett oder sprach hausz. Keisersberg
trostsp. (1510) gg 3
b (= l 3
a); die dotengreber die die sprochhüser leren, und die schelmen schinden, die sint des gestancks und des wuosts also vol, das sie nit schmecken das sie stincken.
bilg. 172
d; du sihest wie in einem hoff etwan ein gruob ist, da flüszt aller wuost yn und wasser wz von dechern flüszt, dz lauffet als in die selb gruob, lasz ein sprachhusz sein.
emeis (1516) 25
b; ein hübsch mensch ist ein tempel gebauwen uff ein sprachhusz.
menschl. baum (1521) 139
b; was sol ich erst do sagen von den wüsten vollen krügen? ... wenn sye das wyb wellend küssen, so stinckt jn das mul übeler weder ein sproch husz, kotzend das bett vol.
post. (1522) 3, 47
a; der bader sagt, die reinikeit pflegt man uff dem sprachhusz. daz ist ein husz der reinikeit von schwitzen, und du machst darus ein scheiszhusz.
Eulensp. 69 (
s. 109
neudr.): uf ein mal kam ein iud uff ein samstag in eins iuden husz, und wie er es uber sahe das er in ein sprachhusz fiel oder in ein prophei, wie man es dan nent. Pauli
schimpf s. 237
Österley (389); sie haltens (
die geistlichen) schnöder denn das bret an gemeinem sprachhause, da die bauren die unlustigen zollen über werfen. Schade
sat. u. pasqu. 2, 254, 32 (= Manuel 219, 17
Bächtold); ich besorge, wir gewinnen auch als vil ere an diser erbeit als der honig im sprachhause sucht: des lon seind beschiszene hende. 257, 10; ich mein, du machest geren usz bapsts recht ein sprachhus. es heiszt nit secret, sonder decret. 3, 171, 20 (278, 6
dafür: ein scheiszhaus); Andreützo falt in ain sprachhausz, da er vermaint sein notturfft zuo verbringen. Montanus
schwankb. 152, 28
Bolte (
Andr. 7;
s. auch 173, 1); item soll auch ein jeder sein besuch unnd gemach helffen rein und sauber, mit sprachheussern, und dergleichen, halten. Fronsberger
kriegsb. 1, 119
a; anno domini 1270 fiel zuo Magdenburg ein jud am samstag in ein sprachhausz. Kirchhof
wendunm. 1, 483
Österley (1, 2, 33); es hatte der käiser ... seinen auffenthalt in einem saal, welches ein sehr alter bau, und unter demselben der münchen gemein latrin oder sprachhausz war. L. Gottfrid
histor. chronica (1674) 546
a; (
ich will) mine unnützen büecher zerrissen ze fetzen ... vast hinder hin, zum sprachhus mit! sie zerkretzend eim den hindren nit. Manuel 184
Bächtold (
Barbali 1423); und liesz nach dem jre leichnam durch die gantz stadt auszschleiffen schentlich und in ein sprachhausz werffen entlich. H. Sachs 2, 3, 159
a; man wol 2000. mann im grundt der stinckenden sprachhewser fundt. 3, 1, 231
c; wenn man in (
den bisam) [in] ein sprachhausz beschleust als denn streitt er mit dem gestanck. 4, 2, 118
c; sie truegen in mit grosem grauos, stuoerzten in in ein gmain sprachauos.
darin det er im dreck umb zablen so lang, pis er herauos det krablen, kam haim stinckent, vol menschen kot.
fab. u. schw. 3,
s. 350 (181, 54, =
werke 22, 320, 27
Götze); ich sasz auff dem heimlichn sprachhausz. Ayrer 1789, 22
Keller; nein, ich sasz drinn auff dem sprachhausz. 2908, 18.
dazu: do gar vil mist gruben warn do etliche pauern den mist und
sprachheüser raumung darein schütten ire felder zuo düngen.
decam. 530, 28
Keller. 33)
daher scheint sprachhaus
vereinzelt auch den hintern zu bezeichnen: sie stinken, und wer sie küsset, so wer es eben als da einer ein sprachhusz küsset. Keisersberg
brösaml. 1, 54
b (4.
löwengeschrei).
so vielleicht auch zu verstehen (?): wiewol sie (
die nase) ist högricht und krumb und sicht auch nach dem sprach hausz umb. H. Sachs 3, 3, 15
c (scheishaus
fastn. sp. 2, 84
neudr.). 44)
ungewöhnlich ist sprachhaus
für sprachzimmer
in klöstern: sprach-hausz,
n. parlatorio di monache, it. di frati. Kramer
dict. 2, 878
c;
locus colloquii apud monachos. Frisch 2, 306
a.