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sprache

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

sprache f.

Bd. 16, Sp. 2718
sprache, f. ausdruck von gedanken in worten. eine westgermanische bildung zu sprechen, vgl. das., ags. sprǽc, spréc und spǽc Bosworth - Toller 903b f., mittelengl. speche, neuengl. speech, s. Skeat 579a; altfries. spreke, spretse, spre(t)ze, sprake Richthofen 1043, in den heutigen mundarten: westfries. spraeck, nordfries. sprêk, spriak, wang. sprôk, s. ten Doornkaat Koolman 3, 287a; alts. altnfr. sprâka, mnd. sprake Schiller-Lübben 4, 341, ebenso mnl., spraecke, sermo, locutio, oratio, lingua, idioma: et fama, rumor, sermo vulgi. Kilian, holl. spraak, vgl. Franck 944; ahd. sprâhha, lingua, loquela, sermo, sermocinatio, locutus, colloquium, eloquium, elogium, eloquentia, ratio, momentum, judicium, consilium, senatus, deliberatio, fabula, oracula, labium. Graff 6, 382; fabula sprâha ahd. gl. 1, 84, 35; mhd. sprâche Lexer handwb. 2, 1109 f. nachtr. 368: idioma eygene sproche, lant sprache, hd. eyn sprache, sprach, sproch, sprauch, spraich, sprake, spraeck. Dief. gloss. 284a; sprake, also eyn gans lant hefft, ydeoma sprauch. nov. gl. 208a; lingwagium sprache, sprake. gl. 331b; locutio rede, saghe, sprake. nov. gl. 238b; loquium, loquela hd. sprach, nd. sprake. gl. 336b; vgl. Dief.-Wülcker 859. wesentliche abweichungen formaler art finden sich auch im nhd. nicht. im spätmhd. und ältern nhd. (16. jahrh.) überwiegt apokopiertes sprach. doch findet sich sprache zuweilen unterschiedslos daneben: der den mund aller menschen geschaffen und gemacht hat, kan auch die sprach und stymme machen ... also ist die sprache, rede und stym eine gabe gottes wie andere gaben ... der nu den mund geschaffen hat und legt die sprach darein, kan auch die sprach machen, obschön kein mund fürhanden ist. Luther 24, 4, 26—31 Weim. ausg. wenn dafür einmal sparch erscheint, so liegt offenbar ein druckfehler vor: Ptolemeum Philadelphum der die propheten in grekische sparch erstlich gebracht hatt. Melanchthon anricht. der lat. schul (Bonn 1543) a 4b. auch bei dem ebenso vereinzelten masc. gebrauche wird nur ein versehen anzunehmen sein: ich (Judas) gee vor, ir volgt mir nach und habt mit ainander kainen sprach. Tiroler passionssp. 806. die flexion ist ursprünglich die starke; später kommt schwache daneben vor. sie findet sich auch noch im ältern nhd., z. b.: wenn disz in unser deutschen sprachen unser frösch nicht so zierlich machen. froschm. A 4b; daneben: so lang Deutschland sein sprach verstehet. 5b. sogar noch: die pallästen der wissenschafften, und der lateinischen sprachen (scientiarum et latinitatis palatia). Comenius sprachenth. (1657) 992. ganz vereinzelt im nhd. der plur. sprach, s. Alberus unter 7, n. in den lebenden mundarten ziemlich allgemein: sprache Schmid 503. Albrecht 214b; sprâch Schm. 2, 695 (spràhh). Schöpf 691. Schröer 207a; vielfach mit übergang des â in ô: šproch (pl. šproche) Hunziker 248, sproox Lenz 67a, sprôch Gangler 428; (schwäb. und) oberpfälz. sprâuch Schm. 2, 695. nd. sprake, sprâk brem. wb. 4, 965. ten Doornkaat Koolman 3, 286b, sprâke Dähnert 453b. Schambach 206a, sprak Mi 85a, spraok Danneil 205a ('nur in der redensart: he will nich rût mit d' spraok'), šprk(e) Bauer - Collitz 98a. (im dithmars. dafür die abweichende bildung sprick: he hett keen sprick, spricht kein wort. Richey 424. brem. wb. 4, 972.) aus dem deutschen stammen wol auchn. sprog, schwed. sprk (beide neutr.). vgl. zum ganzen Wachter 1569. Fick3 3, 355. Weigand 2, 774. Kluge6 372a. — die zusammensetzungen mit sprache als erstem theil zeigen die kurze form sprach-, nur bei einigen finden sich, wenn der begriff der mehrheit besonders ausgedrückt werden soll, bildungen mit sprachen- daneben. nur letztere sind bezeugt bei sprachenaff, -gemisch, -joch, -kampf, -legung, -mischmasch, -ocean, -schaum, -schlüssel, -streit, -thür, -trennung, -zwiespalt. sie sind nicht selten im 17. jahrh., später besonders beliebt bei Herder, der sie auch zuweilen miszbräuchlich ohne pluralischen sinn des 1. gliedes anwendet, s. sprachenbilder, -gefühl, -philosoph, -philosophie, -verbesserer, -verbesserung, ferner sprachenverderber. 11) sprache bezeichnet im allgemeinen die thätigkeit des sprechens und das vermögen dazu: sprach, red, dialogus. Dasypodius; spraach (die) red, sermo, lingua, oratio. Maaler 381d; spraach, rede, f. langage, parolle, langue. Hulsius 304a; sprach, f. favella, parlata, parola, loquela. Kramer dict. 2, 879a; sprache, die, loquela, sermo, lingua, oratio, vox, locutio. Stieler 2101. 1@aa) definitionen: sprache. das wort hat zweyerley bedeutung. einmahl wird dadurch verstanden das vermögen welches der mensch hat, seine gedancken durch eine vernemliche stimme zu erkennen zu geben. solch vermögen ist ein vorzug, dessen sich das vernünfftige geschöpff allein zu rühmen hat, und wird betrachtet als innerlich wie sie in dem verstand empfangen, oder als äusserlich, wie sie durch den mund verrichtet wird. und in diesem letzten verstand bedeutet es die vernemliche stimme selbst, durch welche ein mensch dem andern seine gedancken mittheilet. Jablonski 740a; im engern und gewöhnlichern verstande ist die sprache das vermögen seine gedanken durch worte, d. i. articulierte ... töne auszudrucken, das vermögen worte als zeichen der gedanken zu gebrauchen. Adelung (1, 1, b). 1@bb) die sprache ist der unterscheidende vorzug des menschen vor den thieren: die rede und sprach des menschen edleste gabe. Kirchhof wendunm. 3, 136 Österley (4, 147); wann nun der mensch umb seiner vernünfftigen sprach willen allen thiern vorzuziehen. Simpl. schr. 4, 352, 16 Kurz (t. Michel 1); wir sind nur menschen durch die sprache und halten uns nur einer zum andern durchs wort. Bode Montaigne 1, 63; das ihm der menschheit wundervolles erbteil, die sprache, übermittelte. E. v. Wildenbruch Harold s. 116. s. ferner Herder 5, 21 unter sprachgeschöpf. vgl. auch: die aglaster auch sich oft pricht nach menschen sprach. renner 3689. thieren wird sprache in der fabel und im märchen beigelegt; doch werden zuweilen auch die von ihnen hervorgebrachten laute als sprache bezeichnet, s. unter 10, a.die sprache eignet nur dem lebendigen menschen. daher sagt man von einem lebensvollen werke der malerei oder plastik, von einem wolgetroffenen porträt u. dergl.: es fehlt ihm nichts als die sprache. Jacobsson 4, 233b. 1@cc) die alte zeit bezeichnet die sprache als ein geschenk gottes: er gab jnen vernunfft, sprache, augen, ohren, und verstand. Syr. 17, 5. Luther 24, 4, s. oben.in neuerer zeit sind zahlreiche hypothesen aufgestellt über den ursprung der sprache, s. z. b. Herder 5, 1 ff. Suphan (abhandlung über den ursprung der sprache. 1772, preisschr. v. 1770). Hamann 4, 1 ff. (zwo recensionen nebst einer beylage, betreffend den ursprung der sprache. 1772). Fichte werke 8, 301 ff. (s. sprachfähigkeit). J. Grimm kl. schr. 1, 256 ff. (gelesen in der akad. der wiss. am 9. jan. 1851). W. Wackernagel kl. schr. 3, 1 ff. (über den ursprung und die entwickelung der sprache, festrede vom 8. nov. 1866). Laz. Geiger, ursprung und entwicklung der menschlichen sprache und vernunft (1, 1868); der ursprung der sprache (1869). H. Steinthal, der ursprung der sprache (4 Berlin 1888). mit professor Martius, der vier jahre in Indien gewesen ist, gerieth ich in ein gespräch über den ursprung der sprache. wenn ich ihn recht verstanden habe, so glaubte er hier noch die kindheit der menschheit gefunden zu haben, indem er ihre art sich untereinander zu verständigen, durch bloszen laut und körperliche bewegung, unsrer musik entgegensetzte und daraus zu schlieszen schien: dasz die sprache älter sey als das singen. Zelter an Göthe 4, 392. 1@dd) die sprache als erzeugnis des menschlichen geistes: als höchstes wunder, das der geist vollbrachte, preis' ich die sprache, die er, sonst verloren in tiefste einsamkeit, aus sich geboren, weil sie allein die andern möglich machte. Hebbel 6, 323 Werner. sie ist zugleich sein werkzeug, zum ausdruck der gedanken: insonderheit mangelt es den thieren an dem vornehmsten werckzeuge der vernunfft, nehmlich der sprache, welche das einige mittel ist, so wohl seine gedancken zu entdecken, als von andern zu vernehmen. Lohenstein Armin. 1, 609b; diese allmacht der menschlichen sprache zu den gedanken der cherubim und seraphim. Hamann 1, 108; abbilden soll die sprache des geistes innersten gedanken, seine höchste anschauung, seine geheimste betrachtung des eignen handelns soll sie wiedergeben. Schleiermacher monol. 95; mit einem bilde: es ist bekandt, dass die sprach ein spiegel des verstandes. Leibniz unvorgreifl. ged. 1 Schmarsow; alle gedanken entfliehn; auch die selbst, welche der sprache rauschendes kleid schon halb deckte, die werfen es hin. Stolberg 1, 326. die sprache ist dem menschen gegeben, um seine gedanken zu verbergen. s. Büchmann20 509. mit anderm, häufigem bilde: die sprachen sind die scheyden, darynn dis messer des geysts stickt. Luther 15, 38, 8 Weim. ausg. — instrument der sprache, vgl.sprachorgan, -werkzeug: es kan einem auch wol ein flusz ausz dem haupt herunter auff die instrument der sprach fallen. Coler 2 (hauszartzn.), 142a. 22) die fähigkeit zu sprechen, im einzelnen falle; so schon ahd.-altnd. (von Zacharias): uuard ald gumo sprâca bilôsit. Hel. 173; habda im eft is sprâca giuuald. 238; theru sprâha er bilemit was. Otfrid 1, 4, 76; daʒ erʒ dô niht geloubt, des wart er sô betoubt siner red und sîner sprâch. Ottokar reimchron. 1879. besonders: die sprach verlieren, perdere la favella (parola). Kramer dict. 2, 879a; der geheiʒes zwîvelunde oberest verlôs gereite stimme der sprâche (ille promissi dubius superni perdidit promptae modulos loquelae). Kehrein kirchenl. 74, 3 (12. jahrh.); wann einer sein sprach verlohren hat. Coler 2 (hauszartzn.), 142a; für die verlohrne sprach. nimm roszmarin-wasser u. s. w. Hohberg 3, 1, 231b; wer die sprach durch einen schlagflusz verlohren. 1, 265a; hê hed sîn sprâk ferloren. ten Doornkaat Koolman 3, 286b; zahlreich sind die wendungen mit sprache als subj., so schon mhd.: hie mite was ouch im gelegen diu sprâche und des herzen kraft. Hartmann v. Aue Gregor. 267. erlegene sprach 'sprachlähmung, wobei das vermögen zum reden oder die zunge gleichsam schwerer ist, darniederliegt.' Höfler 665a: labander bluomen mit zimmet rörlin, negelin ... bringt die erlegene sprach wider. Bock kreütterb. (1539) 1, 15a; disz taugt nicht allein zur unsinnigkeit, sondern wo die sprach verfallen ist. Wirsung artzneyb. 136 B; wo die sprach verfallen, oder hart geschwächt were, wie sie wider gebracht oder gebessert wirt, darzu taugt das meyenblumenwasser. 171 B; wann einem die sprach entfält. Carl de Gogler hausz-apothec (1667, bei Coler) 72b; die sprache ist ihm entfallen. Steinbach 2, 639; sprach, für die krafft zu reden und wörter vorzubringen. die sprach ist ihm in dieser krankheit verfallen, vox eum defecit. Frisch 2, 306a; die sprache ist ihm vergangen. Adelung (1, 1, b). diese und ähnliche ausdrücke auch, wo es sich nicht um dauernde lähmung der sprachfähigkeit infolge von krankheit, sondern um vorübergehendes aussetzen bei schreck oder andern heftigen affecten handelt: ir sprâche lange gelac: sô sêre sî der nœte erschrac. Alexius 114, 797; ach, ach, wie geh wird mir so weh, kann reden mehr noch dichten! die sprach besteht (stockt). Spee trutzn. 25, 142 Balke; für wunder schier ich bleibe stumm, die sprach ist fast ersessen. 69, 132; sein angesicht war blasz, sein auge wild, er schien reden zu wollen, die sprache versagte ihm. Göthe 20, 294. ferner: kraftsammlung, tiefes brüten, sollt' man glauben, bewegung ihm und sprache müsse rauben. A. v. Droste-Hülshoff 343 (des arztes verm.). uneigentlicher, wenn einer verstummt, weil er nichts mehr zu sagen weisz oder nicht sprechen mag: hier entfiel dem halbtodten liebhaber die sprache, und kunte sich Gelan. kaum enthalten, dasz er nicht dem gärtner geruffet, dasz er nachgegraben hätte, ob die sprache wäre in ein hamsterloch gekrochen. Weise erzn. s. 76 neudr.; ich würde ... gern mit ihnen reden, wenn ihre einfälle nicht so stark wären. sie benehmen mir gleich die sprache; so durchdringend und nachdrücklich sind sie. Gellert 3, 299; eer is wol de sprake vergaan, sie spricht wol aus verdrusz nicht. Dähnert 453b. — mhd. die sprâche legen, schweigen: des wart er alsô zwîvelhaft, daʒ er die sprâche legete. gesamtabent. 3, 67, 899. der schrecken benam ihm die sprach, lo spavento gli tolse, impedì la favella. Kramer dict. 2, 879a; der schlaganfall hat ihm die sprache benommen, geraubt; (scherzhaft bildlich:) inzwischen weil er nichts zu reden hatte, spielte er mit den johanniszbeer-blättern ..., dasz die jungfer nicht anderst meinte, er wolte den meykäfer suchen, der ihm die sprache entführet hätte. Weise erzn. s. 75 neudr. — ohne sprache (sprachlos) daligen, die sprach verloren haben, haver perduto la favella. Kramer dict. 2, 879a: mangel an der sprach haben, leiden, haver mancamento alla favella. ebenda. — die sprache hat sich bey ihm wieder gefunden, vocem recepit. Steinbach 2, 639; die sprach hat sich wieder gefunden. Frisch 2, 306a; giesz ihm ein löffelein voll in den mund, ist bewährt, dasz die sprache wieder kommet. Hohberg 3, 1, 232a; die sprache wieder bekommen. Adelung (1, 1, b). meyenbluomenwasser, das etlich mal distilliert, und mit guotem starckem wein eingebeyst ist, bringt die sprach wider. Bock kreütterb. (1539) 1, 170a; disz ist gewisz weisz kirssenwasser, es bringt mir die sprach wider. Garg. 102a (cap. 8); willst du die wahrheit sagen ..., so will ich deinen mund öffnen und dir die sprache wieder geben. Grimm märchen 10 (nr. 3); (Jesus,) der mit sîner meisterschaft den stummen gab ir sprâche wider. Konr. v. Würzburg Silv. 4885. in anderm sinne: jedem sprecher fehlt die sprache, fehlt dem hörenden das ohr. Grillparzer4 6, 134 (traum ein leb. 1). 33) nicht häufig bezeichnet sprache das thatsächliche sprechen (im einzelnen falle): 3@aa) zi sîneru sprâchu druhtîn fiang, ... thes nahtes er in zaltareda managfalta. Otfrid 4, 13, 1; wer er siben gantze tag on sprach und one [alle] sag, so verlur [he] nit das leben sin. Keller altd. ged. 33, 1; en franzoys was ir sprâche. Parz. 779, 11. in neuerer litteratur zuweilen einen zur sprache bringen, zum sprechen: tisch-musik bringt die menschen zur sprache, wie vögel zum gesang. J. Paul Katzenb. 2, 49. prägnanter, zur aussprache, zur mittheilung von etwas, das man verschwiegen hat (vgl. b und 5): nach tische ward unser gespräch lebhafter und vertraulicher, aber eben deszhalb konnte ich mehr empfinden und bemerken dasz sie etwas zurückhielt ... nachdem ich hin und her versucht sie zur sprache zu bringen, so gestand ich aufrichtig, dasz ich ihr ... einen ausdruck von sorge anzusehen glaubte, ... sie solle sich mir eröffnen. Göthe 23, 187 (wanderj. 3, 13). unbestimmter und allgemeiner: dasz die sprache ein sprechen ist und die rede von munde zu munde über alles lesen stehe. Zelter an Göthe 6, 414. — gewöhnlich hat sprache diesen sinn in vielen zusammensetzungen wie an-, ein-, für-, vor-, rücksprache. 3@bb) auszerdem ist sprache sehr gebräuchlich in gewissen festen redeweisen; so besonders mit der sprache nicht heraus wollen, parlare frà denti, non voler cantare. Kramer dict. 2, 879a; er will mit der sprache nicht heraus, mussat, mussitat. Stieler 2101; in neuerer zeit meist nicht in dem sinne eines undeutlichen sprechens, sondern, wenn einer sich weigert, zögert zu sprechen, oder wenn er in einer nichtssagenden weise spricht, um die sache herumgeht, oder nicht richtige aussagen macht (dann also mit bezug auf den inhalt, vgl. unten 5): mit der sprache nicht heraus wollen, non admodum sincere loqui. Steinbach 2, 639; sprach, die bekänntnüsz. er will mit der sprache nicht heraus, ad silentium obstinatus est; non sincere loqui vult. Frisch 2, 306a; das wort sprache wird für eine meynung, für ein bekenntnisz genommen. z. e. er will mit der sprache nicht heraus. Schönaich ästh. in e. nusz 336, 35—37 Köster; er will mit dr sproch nid use. Hunziker 249; he will nig mit de sprake herut. Dähnert 453b, s. auch Wander 4, 736, 25; nur heraus mit der sprache, frau schwägerinn! nur gleich gestanden! wie viel hat meine frau in die lotterie gelegt? Gellert 3, 236; nun! was bedarfs des langen geplauders? wenns ein gescheider begreifen ... kann — heraus mit der sprache. Schiller 2, 231 (räuber 1, 6 trauersp.); heraus mit der sprache! lasz mich alles wissen. 14, 142 (d. neffe als onkel 1, 7); heraus mit der sprache! was hast du geträumt? C. F. Meyer Jürg Jenatsch 66. mit zusätzen, wobei die beziehung auf den inhalt noch deutlicher heraustritt: frei, offen, gerade, ehrlich, rund, ganz, ohne rückhalt mit der sprache herausgehen; mit der sprach recht herausgehen, parlare apertamente, spiattellatamente e senza barbozzale. Kramer dict. 2, 879a; ganz geschwiegen, oder ganz mit der sprache heraus. Lessing 1, 542 (Minna 2, 9); er blieb tete a tete mit seinen beiden leuten, die nun mit der sprache weiter herausgiengen. Schiller 4, 331. 3@cc) in andern, heute ebenfalls sehr gewöhnlichen redeweisen geht sprache auf die besprechung einer sache. 3@c@aα) so besonders zur sprache kommen. 'nach einer andern figur kommt eine sache zur sprache, wenn ernstlich darüber gesprochen oder gehandelt wird.' Adelung (1, 1, c). seit Göthe häufig bezeugt: die sache war schon früher zur sprache gekommen. 17, 85; bei dieser gelegenheit kamen alle mährchen zur sprache, die man von unsern wassern zu erzählen pflegt. 20, 273 (W. Meisters lehrj. 8, 9); die staats- und erbschaftsverhältnisse, ob man sie gleich so wenig als möglich zu berühren suchte, kamen doch manchmal zur sprache. 23, 138 (wanderj. 3, 10); dasz nach unsrer neulichen unterhaltung, wo die rede war, wie ein jeder sich in der welt wolle geltend machen, auch unter ihnen zur sprache gekommen. auf welche art ein weibliches wesen seine talente ... vortheilhaft anwenden könne. 24, 284 (dicht. u. wahrh. 5); hier gab es nun sogleich gelegenheit von der, seitdem wir in feindesland eingetreten, immer wieder zur sprache kommenden vergiftung zu reden. 30, 34; die zweifel gegen ein solches unternehmen waren vielfach zur sprache gekommen. 31, 135; jede alte beschwerde kommt da (auf dem reichstage) zur sprache. Schiller 8, 60; da kommt, ich versichr' euch, so viel zur sprache was uns beschäftigt auf lange tage. Göthe 3, 266. auch mundartlich: es chunt z'sproch. Hunziker 249; dat moot nog to'r sprake kamen, die sache musz noch untersucht werden. Dähnert 453b. (mit einem zur sprache kommen. s. 4.) dazu: nun will ich, was mich angeht, zur sprache kommen lassen. Schiller 6, 192 (Iphig. in Aulis 4, 1, 980). vgl. auch: nehmen sie ein gelübde von mir, das ... durch die rührung, die sie mir einflöszten, sich bei mir zur sprache und form bestimmt. Göthe 19, 133. 3@c@bβ) etwas zur sprache bringen: sie nimmt sich vor die sache gegen das gute kind zur sprache zu bringen; aber sie vermag es nicht. Göthe 17, 148 (wahlverw. 1, 13); unter andern gab ihm eines tags ein junger rechtsgelehrter viel zu schaffen, der von einem benachbarten edelmann gesendet eine sache zur sprache brachte, die ... Charlotten dennoch innig berührte. 200 (2, 1); wenn Kircher auch wenig probleme auflös't, so bringt er sie doch zur sprache und betastet sie auf seine weise. 53, 208; das bedeutende darunter, die wirkung farbiger beleuchtung betreffend, welche Herschel wieder zur sprache gebracht. 54, 318. ungewöhnlich: selbst dauerte es eine zeit lang, bis die buchdruckerkunst durch alle fächer des wissens durchwirkte und das wissenswerthe durchaus zur sprache förderte. 53, 147. 3@c@gγ) von etwas ist die sprache (wie sonst die rede): weil ... auch der Gottfried, von dem die sprache war, nicht herauskommen wollte. Göthe 18, 37 (W. Meister 1, 7); es war eben die sprache davon. Albrecht 214b. mit andrer nuance: es ist die sprache davon, dass eine neue bahn gebaut werden soll; davon is gar keene sprache, das behauptet niemand. ebenda; dâr kan gên sprâk fan wesen. ten Doornkaat Koolman 3, 286b (das ist ganz ausgeschlossen). 44) sprache wird in der ältern sprache vielfach gesagt für eine feierlichere und offizielle art der rede. 4@aa) von der rede des einzelnen, in besonders feierlicher weise: des sy (Maria) genas, magt vor und nâch von ainer sprâch avê ân mail empfing, gepar. Oswald v. Wolkenstein 107, 1, 8. ansprache eines heerführers: mit einer sprâche er sîn her irwegete, daʒ sie ze Lankparten tâten eine vart. Albertus Ulrichs leben 695 (generale colloquium cum suis habens). besonders von der rede und gegenrede der parteien vor gericht: wen ainer den andern anspricht umb ain pfunt pfenning oder minner, daʒ ir yetweder nur ain sprach haben soll, ist aber mer, so sol yetweder tail zwo sprach haben, ist es aber umb erb und aigen, sol yetweder tail drey sprach haben. Münchner stadtb. v. 1396, art. 56 bei Schm. 2, 696; und als die drei gesellen für recht gefürt wurden, hat man über sie verlesen ir verjehung, da begerten die armen ainer sprach (verlangten das wort). d. städtechron. 22, 205, 11; eyn yslyk drengede syk to bysunder, up dat se horden syne sprake unde wo he antworde to der sake. Reinke de vos 4292; is hir to hove yennich man, de my de sake overtüghen kan, de kome myt den tüghen tor sprake. 5513. auch umfassender, die führung einer sache: der ist ze Kärlingen komn und hât die sprâche an sich genomn. Parz. 87, 22. vgl. unten (b). 4@bb) häufiger steht sprache von einer unterredung mehrerer. Adelung (2, 3), und zwar in der regel von einer offiziellen besprechung, beratung, oder einer zusammenkunft zu diesem zwecke: sprache, conventus colloquii causa. v. morgen-sprache, item bauer-sprache. legitur etiam de conventibus electorum, it. de conventibus solennibus imperii curiisque imperatorum. Haltaus 1707; gemeiniglich führen dergleichen innungsabschiede den namen von sprachen oder abreden, und sind die bauersprachen. bauergerichte, heckensprachen und andre bekannt. Möser Osnabr. gesch. 1, 20; dergleichen zusammenkünfte hieszen sprachen, bauersprachen, weil sämmtliche hofbesitzer einer bauerschaft, um sich zu besprechen, zusammenkamen. Immermann Münchh. 1, 155. vgl. die zusammensetzungen: aftersprache (theil 1, 188), bauersprache (theil 1, 1184), bürgersprache (theil 2, 542), hofsprache (theil 4, 2, 1700), kirchensprache (theil 5, 811), koppelsprache (theil 5, 1789), morgensprache (theil 6, 2581). diese bedeutung gehört der ältern sprache an und findet sich bereits ahd.-altnd. 4@cc) so zumeist von beratenden versammlungen, hof- und reichstagen, vgl. Frensdorff histor. aufs. f. Waitz s. 446 f. Schröder d. rechtsgesch.2 493: thêm the hê te theru sprâcu tharod Krist alouualdogecoran habda. Hel. 1296; thie biscofâ bi nôtijoh al thaʒ hêrôti thuruh thesa rachadâtun eina sprâcha. Otfrid 3, 25, 2; tunc stetit al thiu sprâkhasub firmo Heinrîche. de Heinrico 22 (vgl. denkm.3 2, 101); damidi si (die Sachsen) die Duringe sluogin mit untrûwin ceiner (bei einer) sprâchin. Annolied 341; mit untriwe kômen si in aine sprâche. kaiserchron. 339; Ottô lohete ain sprâche hin zuo Âche. 15858; t' einre sprâken sî hen nâmen. Eneit 4116; er kom zuo der sprâchean einem morgen fruo. Nib. 1440, 1; wir sîn an manege sprâche komen. Trist. 6212; die sâʒen ze sprâche an der stet. Albertus Ulrichs leben 671 (in synodali colloquio sedentem); wande sie wâren ze Frankrîche ze der sprâche al gelîche. 1453 (ad regale in Francia colloquium); die bat er zeiner sprâche sâ komen ûf den palas. Biterolf 9428; alsus zerfuor die sprâche. Heinr. u. Kun. 2686; diu zît was komen und ouch der tac an dem der fürsten sprâche lac. Ulrich v. Liechenstein 64, 18; die herren giengen an ein sprâch. Ottokar reimchron. 5843; auss deinem lant nym in den rat, die weis sind und diemüttig in deiner sprach. Suchenwirt 38, 23. vgl. auch: Conradus dux duxit colloquium vulgariter dictum sprach cum principibus apud Herbipolim. quelle bei Schm. 2, 695. mnd.: van der bischope rade so bot he (Heinr. V.) ene gemene samenunge an des rikes stat, dat men dar redede van der tucht der stadecheit der godeshuse ... in der selven sprake ward gelesen dat recht der alden herren. d. chron. 2, 183, 13; se enkemen to Werle to der sprake aller vorsten. d. städtechron. 7, 74, 7; mit synonymen verbunden: dar umme makede de keiser to unser vruwen dage krudwihunge einen hof und eine sprake to Wormes. 55, 19; dha hatte her (Otto IV.) rat unte sprache umb al dhes riches sache mit dhen vursten und dhen herren. Braunschw. reimchron. 5139. von der einzelnen verhandlung: vermerkt das panntaiding zu Münichvelt. die erst sprach. steir. taid. 107, 5. — von der gerichtlichen verhandlung, vgl. Grimm rechtsalterth. 746: so mues man offt an dy sprach geen und vill taiding und tag haben. quelle bei Schm. 2, 695. vgl. oben a. 4@dd) sprache in diesem sinne findet sich häufig in einer reihe fester verbaler fügungen. eine sprache gebieten von dem fürsten oder herren, der sie einberuft: wir komen nach ime (dem kaiser) zuo Ache. da gebiete er sine sprache mit vunf hundert helden. Rolandslied 17, 8; Constantinus umbot siner muoder Helenen ..: 'ich wille iedoch durch dinen willen an de stat to Rome en sprake gebeiden, dar saltu komen mit den Joden jegen Silvestrum'. deutsche chron. 2, 120, 1. seltner: dar na in sunte Katherinen avende makede de bischop Diderik ein sprake up dem moshuse mit sinen underbischopen. d. städtechron. 7, 236, 23 (auch 55, 19, s. o.). andre ausdrücke sowol von dem einberufer wie auch von denen, die auf eigne verabredung zusammenkommen: de keiser, dô he hôrde ... (dat) de vorsten ôc êne sprâke tô Wurzeborch geleget hadden, dar he tô antwurde komen solde. (Eike) v. Repgow zeitb. 539 Maszmann; de borgere nemen eine sprake kortlik. d. städtechron. 7, 244, 9; eine sprâche dô nam, der ûf der burc was herre. Ottokar reimchron. 4606. eine sprache haben: unde de borgere van Scheninge ne mosten neyne sprake mid us hebben, he en stoyde dar by. d. städtechron. 6, 58, 19; in dem negenhundert und 83 jare hadde keiser Otto ein sprake mit den vorsten. 7, 65, 22; von mehr privater, vertraulicher unterredung: wir suln rîten dâ wir hân sprâche heimlîche. Biterolf 7923. sprache halten: das ... keinem fürsten erloubet ist gemeine sprache zuo halten oder sunderlich sprache. gold. bulle c. 12 bei Scherz-Oberlin 1541; dâvon sich ouch zusamin dî bestin alle nâmin unde hîldin sprâche darûf, wî sî mit râche mochtin widirtûn daʒ leit. Nic. v. Jeroschin 16165; se mosten noch holden sprake van weghen ytliker sake. d. städtechron. 16, 195 (Braunschw. schichtsp. 2934). 4@ee) diese letztere verbindung ist auch im ältern nhd. überaus gewöhnlich, allerdings meist in etwas abweichenden bedeutungen: sprâch halten mit einem, colloqui. voc. v. 1618 bei Schm. 2, 695; spraach halten, haver colloquio, parlare, ragionare con alcuno. Hulsius (1618) 236a; sprach halten mit jemand, favellare, ragionare, abboccarsi, trattenersi con uno. v. sprechen. reden etc. schwätzen. Kramer dict. 2, 879a; mit einem sprache halten, in collocutionem cum aliquo venire. Stieler 2102. so auch nl.: spraecke houden, colloqui, miscere colloquia. Kilian (in der anm. aus der ältern litteratur belegt). die wendung wird schon im 17. jahrh. seltner und findet sich seit mitte des 18. jahrh. nur noch in bewuszt archaisierender sprache oder gleichsam als technischer ausdruck in bezug auf die alte zeit. 4@e@aα) häufig von unterhandlungen zwischen zwei feindlichen (kriegführenden) parteien oder herrschern: so bald nuhn die Lütticher verme[r]ckten, das der könig und hertzog miteinander sprach hielten. Hedion Cominis (1551) 47b (sonst immer: gesprech); item es sol auch keiner mit den feinden, es sey im läger oder im zug, noch in besatzungen, sprach halten oder bottschafft thun. Fronsperger kriegsb. 1, 20a; sie befahl auch, man solt auszschreyen, dasz die fürnemmesten hauptleut und obersten solten näher zu der mawr kommen, sprach zu halten, da solchs die feind vernamen, erwehlten sie Thiamidem und Theagenem von dem hauffen zu gehen, und sprach mit jhnen zu halten. buch d. liebe 207d; es soll keiner sprach mid dem feindt halten, ohn wissen und willen des obristen. Reutter von Speir kriegsordn. s. 13, 14; niemandt, ohne der oberst, oder wer von jhm darzu abgesendet, soll mit den feinden heimlich oder öffentlich sprach halten. Kirchhof discipl. milit. (1602) 35; sprach halten, wiewol biszweilen, geschicht doch von den obersten haüptern und feldherrn selten in der person: mehrer theils durch jhre verordnete rähte und leutenampten. 204; mit denen hieaussen im läger sprach und unterredung begehren. ebenda; die kriegsleut aber, die in Nanse lagen, waren schon auffm sprung mit hertzog Carol sprach zu halten, sich zu ergeben. wendunm. 3, 54 Österley (4, 46); brachtens derhalben dahin, dasz beide fürsten in ihren küriszen zusammen giengen auff einem hügel, der zwischen beiden lägern war, und mit einander sprach hielten. 69 (4, 64); nach solcher bestellung der wachen, kommen ihrer drei geritten, haben einen trommer mit, lieszen blasen und begehrten mit dem hrn. bürgermeister sprach zu halten. Schweinichen 2, 104; dasz ... der Don Juan de Silves in einem kleinen boote einen abermahligen trompeter an uns schickte, und von uns verlangte, dasz 3. personen der unsern als deputirte auf die grosse sand-banck zu ihm kommen möchten, indem er in eigener person mit ihnen sprache zu halten gewillet sey. Felsenb. 4, 295. von andern verhandlungen: er (des bapsts legat) begerte mit dem landgraffen sprach zu halten; der sagte er hette nicht der weil. Nigrinus papist. inquisition (1589) 640; so gäbe es zwar ifg. zu brüderlicher unterredung wenig lust, könnten also zur zeit, ohne personen, so dabei wären, keine unterredung halten. ... mit meiner person hätten sie wohl sprache zu halten ursache. Schweinichen 1, 371; von den beratungen öffentlicher körperschaften (s. oben b und c): da wird der köng mit jung und alten der gmein, und mit dem senat halten ein sprach von dem gemeinen nutz. H. Sachs 20, 180, 6 Götze (alte ausg. 5, 257d: ein red). so erneuert: jetzt dachten unsre freien männer nicht an hub- und haingericht und markgeding, wo man um esch und holzteil sprache hält. Uhland Ernst v. Schwaben 2. 4@e@bβ) von privatem gespräch, sich unterreden, unterhalten: nach dem ainer dem Socrati, als er mit ainem andern sprache hielt, verkündiget, dasz sein sone gestorben were. Frölich Stob. 507; ich wil zu hause gehen, da habe ich mehr zuthun, als das ich mit dir viel sprache halten sol. Heinr. Julius v. Braunschweig 42 Holland; wenn ich nicht nur mit menschen, sondern auch mit engelzungen reden köndte auff solche weise, wie sie in dem stande der unschuld und in dem paradeisz mit unserm ersten vatter Adam sprach gehalten. Meyfart d. himml. Jerus. (1630) 2, 269; als er zu Florentz mit etlichen Italienern sprach hielte, und diese under andern fürbrachten, dasz jhnen die Teutschen und Tramontaner viel zu einfältig weren. Zinkgref apophthegm. 2, 48; sie ... kunten nicht leiden dasz junge leutlein ein wort reden ... solten: und wo sie nur sahen, dasz zwey mit einander sprach hielten ..., so war es bey jhnen ein gewisser schlusz, und musten die zwey gehuret haben. Philander 1, 137; es wurde ... ein boot ... ausgesetzt, worinnen sich 3. männer befanden, die allerhand zeichen von sich gaben, dasz sie gern sprache mit uns halten möchten. Felsenb. 4, 250; ich (Belial) mach manigen menschen wolgemuet, das er maint, er hab des kaysers guet; dar nach las ich si haben mit ein nander sprach, so gedenckhen si gar wunderlicher sach. Tiroler passionssp. s. 262, 1214; ich kenn sie wol das los gesind, wirst bald erfaren wer sie sind, sie wollen mit dir sprache haltn. Dedekind christl. ritter (1590) J 8b; und als mein lieber herr vornam, das solches jhm zu nutze kam, erkant er mich vor seinen rath ... ich mocht frey gehn in sein gemach, hielt offt mit jm alleine sprach. Ringwald trew. Eckart H 1b. 4@e@gγ) aber auch einfach, über etwas sprechen, reden, etwas besprechen u. ähnl.: as ich dick ind vil van geistlichen personen gehoirt have, die alzo innichlich ind dapperlich van geistlichen dingen spraich hielden. d. städtechron. 14, 794, 23; der muond des gerechten wird von weishait sprach-halten. Melissus ps. Q 2a (37, 30); dieweil wir dann von der mesz und dem sacrament des altars genug gehandelt haben ..., so folgt nun billich dasz wir von der genugthuung und satisfaction für die sünde ... auch ein wenig sprach halten. bienenk. 94a. 4@ff) die wendung mit einem zur sprache kommen findet sich besonders im ältern nd.: thô uuard sân aftar thiu uualdandes, godes engil cumenJôsêpe te sprâcun. Hel. 700; thu ni salt io furthur cuman te thînes hêrron sprâko, uueslean thâr mid uuorðon thînon. gen. 77; he is myt syner medderen to sprake. Reinke de vos 3033; ik hope, yd schal my noch vromen, mach ick myt eme to sprake komen. 3622. in neuerer zeit auch im hd. bezeugt: wir können, denke ich, wenn es dazu komt, mit einander kriegen, aber auch bald wieder mit einander zur sprache kommen, und uns vergleichen. Heilmann Thuc. 538 (ξυγχωρησόμεθά γε πάλιν καθ' ἡμᾶς αὐτοὺς λόγοις κοινοῖς χρώμενοι. 4, 64, Jacobi: nach gemeinschaftlicher rücksprache). schweiz. mit eim z' sproch chó über öpis. Hunziker 248. 55, 5@aa) zuweilen geht sprache auf den inhalt der rede, das gesprochene, ausspruch, aussage. 5@a@aα) solche fälle finden sich in allen ältern dialecten: manege giloubtun in inan thero Samaritanorum thuruh uuort thes uuîbes ... inti michilu menigiron giloubtun thuruh sîn uuort inti themo uuîbe quâdun: bidiu uuir iû nalles thuruh dîno sprâcha (propter tuam loquelam) giloubemês. Tat. 87, 9 (vgl. 131, 18); in uuesan solon that gelîcun sulun sprâkon mundis mînis (eloquia oris mei). altnfr. ps. 18, 15; bethiu ni uuelde he thurh thero mauno sprâka hebbian ênigan hêrdômhêlag drohtîn. Hel. 2891; ther liut thia sprâcha al firdruag,unz sîn wort thô thes giwuag. Otfrid 3, 22, 33 (vgl. 3, 25, 30); er in thâr ouh zaltasprâcha managfalta. 5, 16, 17; vgl. auch: (die kinder) uuôhsun uuanlîko,geuuitt lînodun, spâha sprâka. as. gen. 106. in der sprâke mit den worten: men got vorbôt it eme in der sprâke: 'underwindes dî nicht tô dônde, sone'. van d. holte des h. cruzes 508. 5@a@bβ) von überlieferten aussprüchen: hiirumme up dessen sondach is rechte war gheworden de sprake des propheten amme salmeboke. d. städtechron. 16, 522, 23; Sibillen sprâche rîchet: diu wirde hinne wîchet. Frauenlob 329, 1; vgl. auch: thêm ni seggean gî iuuuoro lêron uuiht, that gî thea sprâca godesendi spel managu ne farleosan an thêm liudiun. Hel. 1732. 5@a@gγ) als gerichtlicher ausdruck: wende sie mit einander sweren sullen, ab si mit einander nachsprechen iklicher sine sprache, alse man den eit vorsprichet. Freiburger stadtr. c. 19, § 14. pronuntiatum arbitrorum, sententia: und uns dieselben empfolen hant, in der kundtschafft zu erfaren und zu entscheiden ... und geben dieselbe unser sprache und ausrichtung. urk. v. 1360 bei Haltaus 1707. im mnd. auch in der bedeutung 'anspruch, klage': stoende aver tusschen uns off unsen undersaissen an die eyne, und die van Dorpmunde an die ander syde eyniche spraich up ... die vier sullen zusamen komen und hoiren spraiche und antwerde. quelle bei Schiller-Lübben 4, 341b. 5@bb) diese anwendung findet sich auch im neueren nhd., doch gehört sie nicht dem allgemeinen sprachgebrauch an. sprache wird stets mit einem gewissen nachdruck gesagt: herr Damis, verändern sie die sprache bey Julchen etwas. fangen sie nach und nach an, ihr in den gedanken von der freyheit recht zu geben. Gellert 3, 12; an W** bin ich mit 1200 mk. hängen geblieben, wofür mein schwager haftet, und der hat, nach seiner sprache, nun gute aussichten bey dem Ulmer lotto. E. König bei Lessing 13, 336 (19. dec. 1771); sechsundzwanzig, wie ich gesagt habe, und keinen stüber darunter. ihr ... solltet daher wissen, dasz das dringen und feilschen bei mir nicht verschlägt, weil ich nie von meiner sprache abgehe. Immermann Münchh. 1, 137; jetzt komme ich auf meine letzte sprache (den letzten punkt meiner rede). 4, 132. vgl. Adelung 1, 2, e und unten 8, e. zweierlei sprache sprechen, nicht bei einerlei aussage bleiben. Wander 4, 736, 28. doch auch: weil einerley sprache bey widersprechenden meynungen, und umgekehrt, mehr als zu oft statt findet. Hamann 1, 121. 5@cc) mehr oder weniger deutlich liegt diese bedeutung oft auch in den unter 3, b. c behandelten redeweisen vor. ebenso findet sich vereinzelt etwas sprache haben für das gewöhnliche wort haben: wie das heiszt, braucht nicht gesagt zu werden, das ist etwas von allgemeiner umgangssprache, die von allem, was sie nicht sprache haben will, umgang nimmt. Anzengruber3 5, 18. 66) gewöhnlich geht sprache, zumal in neuerer zeit, auf die art, wie einer spricht, und zwar 6@aa) auf die physische seite der sprache, zunächst in bezug auf die hervorbringung: (sprache) 'in rücksicht auf das vermögen zu sprechen, wo es doch seltener gebraucht wird. eine schwere, eine leichte sprache haben'. Adelung (1, 2, a): eine schwere, leichte etc. sprach haben, haver la parlata difficile, leggiera, disinvolta. v. aussprach. Kramer dict. 2, 879a; schwere sprache, vitium linguae, infacundior, et impromtus linguâ. Stieler 2101; denn ich hab eine schwere sprache, und eine schwere zungen. 2 Mos. 4, 10. so ferner: stotternde sprache, vgl. Krünitz 161, 286; stamlende sprache, balbutiens. Stieler 2102; er ist von leufiger sprache, multi sermonis est. ebenda; gebrechliche sprache, schwere sprache. J. J. Woyt abh. aller krankh. (1735) 32; sie sind behend in sprache und bewegung der glieder. Freytag 8, 125. 6@bb) in bezug auf die akustische wirkung, den klang der sprache: eyner der eyn grobe rauhe sprach hat, barbarus. Dasypodius; er redt eine kleine, sive helle sprache, sermone fritinnit. Stieler 2101; leise sprache, vox submissa. ebenda; eine grobe, eine klare sprache haben. Adelung (1, 2, b); ferner eine klangvolle, wolklingende, angenehme, unangenehme, heisere, schreiende, kreischende, unverständliche sprache u. ähnl., wofür stumme üblicher ist. so auch: das frauenzimmer hat eine männliche sprache. Adelung; sie hat eine mannssprach. ella ha un parlare etc. da huomo ò homesco. Kramer dict. 2, 879a; mannes- sive grobe sprache, sermo robustus, oratio mascula, valida, fortis, gravis. Stieler 2102; sprach, dem geschlecht oder dem alter nach, und dem laut desselben, als: sie hat eine rechte manns-sprach, more virorum graviore tono loquitur. Frisch 2, 306a. 6@cc) das sprechen des einzelnen in bezug auf die linguistische zugehörigkeit oder mundartliche eigenthümlichkeit (vgl. 7 und 8): obgleich er nach geburt und sprache ein echter Sachse war. Freytag 1, 160; du bist kein Alemanne, .. du bist nach deiner sprache von den kindern unseres gottes, die fern im osten wohnen 8, 14; na sîn sprake is hê 'n ûtlander. ten Doornkaat Koolman 3, 286b; etslîcher mag ein Anschevîn mit sîner sprâche iedoch wol sîn. Parz. 62, 6; von der sprauch bistu ein Galilees man. Alsfelder passionssp. 3523. daher: ich kennen dich bi der sprauch din. 3525; bi der sprache er si bechande. genes. 89, 20 Diemer; einen an der sprache erkennen, ... sermone cognoscere aliquem. Stieler 2102 (auch in der bedeutung b); man hört es ihm an der sprache an, ex sermone cognosci potest. Steinbach 2, 638. sprach, für aussprach der buchstaben, dialectus, pronunciatio, accentus. die sprach verräthet dich, Galileus es, sibilo cognosceris. Frisch 2, 306a; seine sprach verräht ihn, man kennt ihn an der sprach, il suo linguaggio lo tradisce. Kramer dict. 2, 879b; thîn sprâha offanôt thih, thaʒ sîs Galileus. Tat. 188, 2; deine sprache verrhet dich. Matth. 26, 73; vgl.: denn du bist ein Galileer, und deine sprache lautet gleich also. Marc. 14, 70; thîn sprâcha scal thih ougen. Otfrid 4, 18, 27. 6@dd) in bezug auf die art, wie der inhalt in worte gefaszt wird, wahl der ausdrücke, stil der rede: eine ernste, feierliche, rührende sprache. eine gesuchte, eine natürliche, eine gekünstelte, gezierte, geschraubte, eine einfache, kunstlose sprache. Campe; eine schöne, edle, gewählte, vornehme, blühende, gespreizte, zierliche, gewandte, unbeholfene, klare, verständliche, lichtvolle, verwirrte sprache u. a. so schon mnd.: desse man was vul kunst unde hillicheit, ... van gans guder sprake. Detmar Lüb. chron. 1, 431. solche ausdrücke nicht nur von der eigentlichen, mündlichen rede, sondern auch von schriftlichem vortrage, besonders von schriftstellerischen erzeugnissen: die schöne, kräftige sprache in diesem buche. die leichte, flieszende sprache dieses schriftstellers ist bekannt. Campe; 'sprache (schlüpfrige), uneigentlich, ausdrücke in jeder gebildeten sprache, welche auf eine oft feine, versteckte ... weise zur wollust reizen, ... man findet diese sprache in romanen, novellen und kleinen erzählungen.' Krünitz 161, 153; wiewol dis evangelium ein ungewonlich predigt sit fur die einfeltigen und wir hie seltzame wort hören, weils aber die zeit bringt, geburt uns davon zu reden, das wir auch dieser sprach gewonen und lernen, die Johannes hie füret. Luther 15, 798, 16 Weim. ausg.; die ganze behandlung einer sache, und die zu deren vortrag gewidmete sprache wird dadurch entweder zu scharf bestimmt oder zu mannigfaltig. Möser patr. phant. 3, 259; so manche Homische erfahrungen, die unsre Deutsche wieder für neu aufnahmen, hatte ich lange bei ihm in einer genauern sprache gekannt. Herder 4, 16 Suphan; wenn sie diese zeitschrift nicht kennen, so werden sie eine idee davon durch Görres anzeige im katholiken erhalten. ... es hat vielleicht nie eine klarere relation ... aller zweige der entwickelung eines volkes gegeben ..., als es hier von Deutschland vor Frankreich geschieht, in der schönsten, klarsten, lebendigsten sprache. Brentano 9, 174; schöne sprache übergleiszt den oft gezierten hohlen ausdruck. deutsches museum 1 (1851), 1, 128; vor allem fesselte ihn (Jul. Schmidt) originelle zeichnung der charaktere, nächstdem die grazie in schilderung und sprache. Freytag 1, 163; immer hat mich gerührt, wie er (Tacitus) das schwerflüssige seiner sprache, das vieldeutige des ausdrucks mit der scheu und vorsicht entschuldigt, welche unter der herrschaft des scheusals Domitian auch in die seelen der besten geschlagen wurden. 6, 16 (verl. handschr. 1, 1); kurz nachher aber kam mir eine gedruckte buszpredigt von ihm zu gesichte, worin er ... in der derbsten sprache behauptet, der bergsturz sei ein warnendes gericht. C. F. Meyer Jürg Jenatsch 70; er, dessen feurige gesänge du hier in kältrer sprache nachsangst. Ramler 2, 41. vgl. auch: der (betrug) hüllt sich täuschend ein in grosze worte, und in der sprache rednerischen schmuck. Schiller Demetr. 1, v. 296. 6@ee) in andern fällen geht sprache nicht auf die stilistische seite, sondern auf das eigenthümliche ethos der rede (meist der gesprochenen), die art, wie sich der charakter oder die stimmung des sprechenden darin ausdrückt, und zwar theils wiederum in der wahl der wörter, theils in dem ton, der miene u. s. w., womit sie ausgesprochen werden. hierbei kommt es übrigens ebensosehr auf den inhalt wie auf die form der rede an. eine freie, offene, kühne, trotzige, drohende, sanfte, freundliche, zärtliche, versteckte, hinterhaltige, bissige, ironische sprache u. a.: her (Ludwig v. Thüringen) hatte eine libliche sprache unde suze wort, gelimphliche setin. Ködiz 18, 26; vil süeʒe sunder lougen wart wider in diu sprâche sîn. Konr. v. Würzburg Silv. 1398; vergisz diese gezwungene sprache bey mir. Weisze bei Adelung; kannst du mir's verdenken, versetzte Eduard, der die offne reine sprache seiner gattin nicht zu erwiedern vermochte. Göthe 17, 167 (wahlverw. 1, 16); Eduard schauderte; er hielt sich für verrathen und die liebevolle sprache seiner frau für ausgedacht, künstlich und planmäszig. 169; glücklicher war er (Oxenstierna) bey dem herzoge von Braunschweig, gegen den er sich eine kühnere sprache erlaubte. Schiller 8, 310; unglücklicher, (weiszt du,) dasz es die königin, dasz es die mutter ist, an die sich diese verwegne sprache richtet? 5, 1, 35 (dom Karlos 2, 5); stets ist die sprache kecker als die that. 12, 80 (Piccol. 1, 2). so auch (der bedeutung 5 nahe kommend): was ist das für eine sprache? seyd ihr vom hizigen fieber aufgesprungen. 2, 142 (räuber 4, 3 schausp.); nichts mehr davon — hinweg mit dieser sprache. 5, 1, 37 (dom Karlos 2, 5); 'ir redent übel', sprach Pârîs, ... sit ir mich z'einem diebe zelt. an disen worten ûf entwelt und mâʒent iuch der sprâche! troj. krieg 34413. häufig eine sprache führen: die unirten stände, einzeln muthlos und wenig gefürchtet, führten nach geschlossener vereinigung eine kühnere sprache. Schiller 8, 50; dieses schreiben, in welchem man mit vergnügen die sprache nicht wieder findet, welche ein herzog von Alba zehen jahre vorher in ähnlichen fällen zu führen pflegte, beantwortete die stadt in einem anständigen und bescheidenen ton. 9, 48; welch andre sprache führt sie jetzt als damals, da sie das wappen Englands angenommen. 12, 463 (M. Stuart 2, 4). in etwas anderm sinne, auf inhalt und formulierung bezogen: ob sie mich hier reden hören an diesem entfernten winkel der welt, oder in der gröszten hauptstadt in einem entferntesten lande, den ungeschicktesten oder den fähigsten; alle werden éine sprache führen, ein katholischer christ wird immer dasselbige hören, überall auf dieselbe weise unterrichtet und erbauet werden. Göthe 16, 295. — statt eines adj. wird sprache durch den gen. eines abstractums bestimmt: Marwood (hastig). was ist das wieder für eine sprache? Meltefont. die sprache der wahrheit und des unwillens. Marwood. nur gemach, Mellefont, oder auch ich werde diese sprache sprechen. Lessing 2, 28 (Sara Sampson 2, 6), wer willkühr und phantasie den schönen künsten entziehen will, ... versteht keine andere sprache der leidenschaften, als der heuchler ihre. Hamann 2, 402; dasz er die parrhesie seiner meynungen in der sprache einer jungfräulichen zierlichkeit so zu errathen und so zu verstehen giebt. 513; nur jezzo, da euer vortheil in rechnung komt, führet ihr die sprache der billigkeit. Heilmann Thuc. 90 (1, 76); dann wärst du geschikt, die sprache meines grams zu verstehen. Schiller 3, 82 (Fiesko 3, 1). so auch sprache des herzens, die aus dem herzen kommt (vgl. 9, c): was ist das herr major? Ferdinand (gelassen). die sprache meines herzens — meines wappens — und dieses degens. 398 (kab. u. liebe 2, 3); des herzens sprache wurde nicht vernommen gleich als wär ich stumm geblieben. Schleiermacher monol. 63. ferner: du schreckst mich nicht; diesz ist die sprache deiner pflicht, dasz das dein mund verneint, was doch dein herz verspricht. Gellert 3, 357. dafür dann auch: das ist die sprache eines biedermanns, helden, liebhabers, schmeichlers, höflings; eine diplomatische sprache oder die sprache eines diplomaten u. ähnl.; weil sie in der sprache der liebhaber reden: so musz ich ihnen in der sprache der schönen antworten. Gellert 3, 57; alle diese schritte geschahen zur aufrechthaltung der königlichen macht und der gesetze — die sprache aller rebellen. Schiller 8, 70. hieran schlieszen sich die unter 8, d. e behandelten wendungen. 6@ff) die sprache jemandes oft für die dem einzelnen eigenthümliche und ihn kennzeichnende art zu sprechen, worunter gedankenschatz, wortwahl, stil, ton u. s. w. zusammengefaszt werden können: warumb kennet jr denn meine sprache nicht? Joh. 8, 43; als ich nun zu bethe gieng, leuchtete mir ein fein mägdlein zu bethe, und im abgehen, sprach sie auf ihre sprache. Ettner unw. doctor 399; es sagen's aller orten alle herzen unter dem himmlischen tage, jedes in seiner sprache; warum nicht ich in der meinen? Göthe 12, 181; es bilde nur jeder seine sprache sich zum eigenthum und zum kunstreichen ganzen, dass ableitung und übergang, zusammenhang und folge der bauart seines geistes genau entsprechen. Schleiermacher monol. 96. so auch: im buntesten gewühl von allen weltlichen verschiedenheiten lernt ich den schein vernichtend in jeder pracht die gleiche natur erkennen und die mancherlei sprachen übertragen, die sie in jedem kreise lernt. 109. vgl. noch: Galathea ... sein herz redt allemal, so oft sein mund nur spricht. Sylvia. drum pflegt Damöt des tags auch nur einmal zu sprechen; die sprache, die er redt, musz doch den geist sehr schwächen. Gellert 3, 361. 77) sprache bezeichnet ferner die gesamtheit der ausdrucksmöglichkeiten (wörter, wortformen, wortfügungen), die dem sprechenden zur verfügung stehen. diese gehören nicht ihm allein an, sondern, da das sprechen nur als eine beziehung zwischen mehreren möglich ist, einem kreise von menschen, die eben dadurch eine sprachliche gemeinschaft bilden. sprache ist also der schatz von ausdrucksweisen, der innerhalb eines solchen kreises allgemein gebraucht und verstanden wird. diese bedeutung begegnet schon ahd. (bei Notker, s. n), ist jedoch erst im nhd. recht häufig geworden und jetzt die üblichste von allen. vgl. Adelung (2, 2). 7@aa) das lateinische und romanische hat für diese bedeutung besondere wörter, lingua und ital. linguaggio, franz. langue, langage: linguae, ... die sprachen. Corvinus fons lat. 364b; sprach, sprachen, plur. lingua, linguaggio, idioma, dialetto. Kramer dict. 2, 879a; sprache, lingua, die ein ganzes volk redet. Frisch 2, 305c. im ältern deutsch wird entsprechend zunge als synonymer ausdruck gebraucht: nehêine zunga noh sprâcha nesint (non sunt loquele neque sermones). Notker ps. 18, 4; ebenso steht unmittelbar hinter einander zungon und sprâchon als glosse zu linguarum bezw. linguis, ps. 44, 10 (s. 171, 17 f. Piper). vgl. auch: die sprache dirre zunge vernam er nicht in der stat. pass. 350, 48. als gewählter und alterthümlicher ausdruck kommt zunge noch jetzt vor (vgl. das.). ungewöhnlicher ist die zusammenstellung: es ist kein sprache noch rede. ps. 19, 4. 7@bb) der kreis, innerhalb dessen diese sprachliche gemeinschaft besteht, ist in der regel das volk. jedes volk hat im allgemeinen seine besondere sprache, die denselben namen führt wie das volk: die hebreische, chaldeische, syrische, arabische, griechische etc. sprache, la lingua hebraica, caldaica, siriaca, arabica, greca etc. Kramer dict. 2, 879a; die lateinische, italiänische (welsche), frantzösische, spanische etc. sprache. 879b; hebräische, griechische, lateinische, welsche, französische, spanische, englische, niederländische sprache, lingua hebraica u. s. w. Stieler 2101. belege: unde nâch dem selben sternen (Jupiter) heiʒet ouch der fünfte tac in latînischer zungen oder sprâche und franzischer sprâche und in welscher sprâche. Berthold v. Regensburg 1, 57, 32; wider in si jach in latînischer sprâch. Ottokar reimchron. 75348; zu lernen chaldeische schrifft und sprache. Dan. 1, 4; es war geschrieben auff ebreisch, griechisch, und latinische sprach. Joh. 19, 20; in ansehung das er der latinischen sprach perfect und zum thail der wälschen sprach auch erfarn. Zimm. chron.2 1, 569, 9; ritterbücher uss französischer, pikardischer sprach transferirt und in deutsche reimen gestellt. 2, 194, 27; wie die böhemische sprach auffkommen. Kirchhof wendunm. 1, 299 Österley (1, 246); wer da sagen wolte, dasz die frantzösische, italianische und hispanische iren anfang und grund nicht ausz der lateinischen sprache hetten ..., der ... verstehet keine überall. 3, 147 (4, 153); ob schon unsere teutsche sprach an der menge auszerlesene wörter, ... auch gantzer reden zierlichkeit einiger anderer sprach nicht weichet. Zinkgref apophthegm. 1, 294; war nicht die königin Elisabetha in Engelland fürtrefflich gelehrt? sie gab offt in einem tage drey königlichen legaten, dem einen in lateinischer, dem andern in frantzösischer, dem dritten in italiänischer sprache audienz. ... sie verstund auch die spanische und griechische sprache. P. F. Sperling Nicodemus quaerens 2, 1039; man bediente sich auf diesen conventen der teutschen sprache. Hahn hist. 4, 121; nach der lateinischen, ist die frantzö[s]ische sprache einen jungen menschen, der sein glück in der welt machen will, zu recommandiren. Fleming t. soldat 21a; allmählich wird diese verbindung der mittelmeervölker fester, sie gewöhnen sich im verkehr die hellenische sprache zu gebrauchen. Freytag 17 (bilder 1), 57; das älteste schriftdenkmal deutscher sprache, die gotische bibelübersetzung. 115. die sprache wird auch durch das blosze neutr. des adj. bezeichnet, theils durch die gewöhnliche substantivierung mit dem artikel (das deutsche), theils ohne artikel und flexion (deutsch): so hat er auch das deutsch ... mit recht lernen künden, ... so hat er doch kain sprach recht geredt. Zimm. chron.2 2, 565, 2; weil die lateinische sprache den Deutschen wie allen völckern kundig wäre, zu Rom aber fast niemand deutsch könte. Lohenstein Armin. 2, 389a; wand nie dhein sprâche wart den Ungern sô gemeine sam welhisch aleine. Ottokar reimchron. 40914—6; franzoisch, mOerisch, katlônisch und kastiliân, teutsch, latein, windisch, lampartisch, reuschisch, und român, die zehen sprâch hab ich gepraucht. Oswald v. Wolkenstein 1, 2, 7; ut hebreesch unde grêkscher sprake in dat latîn gewent. des dodes danz 1580 Bäthcke. ungewöhnlich: der ain lantsman sei und die sprach in welsch kunt. tirol. weisth. 2, 317, 36. auch mit dem genitiv des volks- oder ländernamens: zu der zeit werden fünff stedte in Egyptenlande reden nach der sprach Canaan. Jes. 19, 18; die nichts anders wissen, als ein wenig der sprach Græcorum. Paracelsus chirurg. schr. (1618) 160 B. mit zusammensetzung: der edlen teutsch-sprach eigenthum ... soll dieses zwölfft capitel weisen. Simpl. 1116 Keller. 7@cc) jedes volk hat seine eigne, besondere sprache, daher: jre kinder ... kundten nicht jüdisch reden, sondern nach der sprach eines jglichen volcks. Nehem. 13, 24; da wurden brieve ausgesand in alle lender des königes, ... zu jglichem volck nach seiner sprach. Esther 1, 22; Karl (V.) endlich war in den Niederlanden geboren und liebte die nation. ... er redete ihre sprache. Schiller 7, 56; sie (die Deutschen) waren die eingeborenen, die 'thiuda', das volk, ihre sprache im gegensatz zu jeder fremden die thiudisca, volksprache. Frrytag bilder 1, 38; denn da sie (die Skythen) sehr gemischt sind, bedienen sie sich auszer ihrer eigenen barbarischen sprache entweder der hunnischen oder der gotischen oder auch der italischen. 159. dagegen kann ein land mehrere sprachen haben: hier ist allerdings die Schweiz mit ihren drei stämmen und sprachen im nachtheile. C. F. Meyer Jürg Jenatsch 157. 7@dd) bedeutung der sprache für das volksthum: in der sprache jedes volkes finden wir die geschichte desselben. Hamann 1, 449; die sprache bestimmt die abgrenzung eines volkes, daher: so weit die deutsche sprache reichte. Freytag bilder 1, 103. vgl. J. Grimm kl. schr. 7, 557. sie ist ein wesentliches stück des volksthums, an ihr hängt die erhaltung des volkes, vgl.: er fragt sich wohl, wie in diesem gewirr doch noch viele wandernde völker dauern, sprache, recht, sitte, heimisches wesen bewahren konnten. Freytag bilder 109. ferner: die sprache ist der spiegel einer nation. Schiller 11, 412; nur noch ein einziges band ist euch (Deutschen) geblieben, das ist die sprache, die ihr sonst verachtet. Rückert (1882) 1, 5 (geharn. son. 5). 7@ee) daher wird zuweilen, namentlich in früherer zeit, sprache auch geradezu für volk, nation gesagt, vgl. Adelung (2, 2): von vil maneger sprâchesach man ûf den wegen vor Etzelen rîtenmanegen küenen degen. Nib. 1278, 1; so ... byn ich noch gantz in wyllen dese tzwae pylgrymmacien in kortz zo versuechen, die wylche ich dan ouch urre furstlicher gden schryftlich van steden zo steden van dorffer zo dorffer van spraichen zo spraichen hantreychen wyll hynder an dyt boich laissen zo settzen. Arnold v. Harff pilgerf. 3, 34 Groote; und bis auff diesen tag die griechisch und viel anderer sprachen kirchen, noch nie unter dem bapst gewest. Luther 6, 514b; das sind die kinder Ham in jren geschlechten, sprachen, lendern, und leuten. 1 Mos. 10, 20; zu der zeit, werden zehen menner aus allerley sprachen der heiden, einen jüdischen man bey dem zipffel ergreiffen. Sacharja 8, 23; eine grosse schaar, welche niemand zelen kund, aus allen heiden und völckern und sprachen. offenb. 7, 9; du must aber mal weissagen den völckern, und heiden, und sprachen. 10, 11; und jm ward gegeben macht uber alle geschlecht, und sprachen, und heiden. 13, 7, s. ferner 11, 9. 14, 6. 17, 15; nicht mit einem spagürlin ist Griechen mehr begabet, dann die Walseer in den hohen bürgen, die doch auch nit anders meynen, jr sprach sey die gantz welt. Paracelsus chirurg. schr. (1618) 160 B; darauf versammelt er vier deputirte von jeder sprache, oder wie man sie nannte, die nationen. Schiller 7, 238. 7@ff) für den einzelnen ist seine sprache die sprache des volkes, wozu er gehört, die er als kind gelernt hat: er aber antwortet auff seine sprach, und sagte, ich wils nicht thun. 2 Macc. 7, 8; da erhub sich ein gros geschrey und jauchzen, und lobten gott auff jre sprach. 15, 29; und es ist kund worden allen, die zu Jerusalem wonen, also, das derselbige acker genennet wird auff jre sprache, hakeldama, das ist, ein blutacker. apostelgesch. 1, 19; denn es höret ein jglicher, das sie mit seiner sprache redten. 2, 6; so gediehen die meisten zu einem grad von verstand dasz sie ihre sprache reden ... und auf ihre kinder bringen konten. Lichtenberg nachlasz 16. so häufig unsere sprache: die nit unserer spraach sind, barbari. Maaler 381d; nach dem geschach die viert schlacht zwischen den Römern und Carthago bei einem flecken, Cannae genant (wär auf unser sprach 'rör'). Aventinus chron. 1, 453, 12; dasz der Cäsar seine siege allein den volksgenossen verdankt, welche unsere sprache reden. Freytag 8, 50; vielem, was mit unserer sprache im volke selbst als alte überlieferung ... lebendig blieb. 17, 29. 7@gg) verstärkte ausdrücke dafür: iewelk man den man sculdeget mach wol wegeren to antwerdene, man ne scüldege ine an der sprake, die ime angeboren is. ... scüldeget man ine denne an siner sprake, so mut he antwerden Sachsensp. 3, 71; ich mein, min sprach, die mit mir ufgewachsen ist, sy mir wäger dann ein andere; dann die angeborne sprach ist allwegen beherziger. schweiz. flugschr. von 1522 bei Kluge von Luther bis Lessing s. 18; wie hören wir denn, ein jglicher seine sprache, darinnen wir geboren sind? apostelgesch. 2, 8; nichts als seine natürliche, angeborne sprach (mutter-sprach) können, reden. Kramer dict. 2, 879a; die einheimische sprache nicht reden wollen. Steinbach 2, 639; die gröszere hälfte (der Germanen) hat sich in Italien, Gallien, Hispanien zu den alten landesbewohnern und fremden einwanderern gesellt, die heimische sprache verloren und ein neues volksthum gefördert. Freytag 17, 36. sehr gewöhnlich in diesem sinne die zusammensetzung muttersprache, s. theil 6, 2827 f. das wort ist zuerst nd. nachgewiesen in der 'deutschen chronik' des Einbeckers Dietrich Engelhus von 1424: nu de lude orer modersprake so sere eret unde vorteyt, dat beyde gheistlike unde wertlike, cappittele unde stichte dudissches landes ore breve scrivet, utgevet unde innomet in dudisscher sprake, s. nd. korrespondenzbl. 12, 56; daneben modertale Schiller-Lübben 3, 107b. nhd. muttersprach, f. langue maternelle. Hulsius 329a; lingua materna, natia naturale. Kramer dict. 2, 879c; die mutter-sprach, vernacula. Frisch 2, 305c; item, solt in offentlichen predigten nicht ebreisch, griechisch, oder frembde sprache brauchen, denn in der kirche oder gemeine sol man reden, wie im hause daheim, die einfeltige muttersprache. Luther tischr. 186b; also hat gott ... auch einen Teutschen (Ciceronem), der unser mutter sprach in eine standthaffte gewisze regel und ordnung ... gefaszet, ... erweckt. Kirchhof wendunm. 3, 149 Österley (4, 155); als die teutsche sprachkunst ... von mir heraus gegeben und darin zu tage gebracht worden, wie ... diese unsere angeborne mutter-sprache ... künne in richtige formam artis gebracht ... werden. Schottel 2; dafür mit launiger förmlichkeit: ich hatte meine frau mutter sprache in der frembde gantz verreden gelernet, denn ich parlirte meist engeländisch und holländisch mit unter das teutsche. Schelmuffsky 2, 6 (s. 89 neudr.); s. auch muttersprache. selten getrennt: dasz einem drumb an der vollkommenheit nothwendig nichts abgehen müsse, wann er gleich nur seiner mutter sprach redet und verstehet. Simpl. schr. 4, 356, 4 Kurz (t. Michel 2, überschr.). 7@hh) der gegensatz dazu fremde sprachen: eine fremde, ausländische sprach; fremde sprachen lernen. eine fremde sprache können, reden, sapere, parlare, possedere un linguaggio straniere, esotico, pellegrino. Kramer dict. 2, 879a; eine fremde sprache, lingua peregrina. Steinbach 2, 638; da sie aus Egyptenland zogen, und frembde sprache gehöret hatten. ps. 81, 6; wie frembde götter heissen diejenigen, denen man nicht dienen soll; fremde sprachen, die man nicht reden noch verstehen kan. Sperling Nicodemus quaerens 1 (1718), 1381; ihrer viele bekümmern sich mehr um die ausländischen denn um ihre eigene mutter-sprache. sie können nicht drey worte reden, sie müssen ein wörtgen von einer fremden sprache mit einflicken. Fleming t. soldat 20b; so sollte die erlernung der fremden sprachen als ein hülfsmittel, die muttersprache besser zu verstehen ... gebraucht werden. Hamann 1, 160; als der drommetenstosz erscholl, mochte der kleine besuch das tönende wort für die in einer fremden sprache an ihn ergehende aufforderung zum eintritte nehmen. C. F. Meyer Jenatsch 14. sprichwörtlich: fremde sprache, fremde sitte. Simrock 2684. Wander 4, 735, 11; eine fremde sprache lernt sich besser in der küche als auf der schulbank. Gutzkow Hohenschwangau 1, 109, vgl. Wander 4, 735, 7. gleichbedeutende ausdrücke: ausländische sprachen, peregrinae, exoticae linguae. Stieler 2102; eine unbekannte sprache, lingua ignota. Steinbach 2, 638; denn ich sende dich ja nicht zum volck, das eine frembde rede und unbekandte sprache habe, sondern zum hause Israel, ja freilich nicht zu grossen völckern, die frembde rede und unbekandte sprache haben, welcher wort du nicht vernemen kündtest. Hesek. 3, 5 f.; ein grewlich volck, und einer unbekandten sprache. Bar. 4, 15; dannenhero .. nicht zuverstehen, als ob wir die Teutschen allein zu jhrer muttersprach verdammen wolten, unnd keiner auszländischen nation sprach lernen solten. der teutschen sprach ehren-krantz 197; man musz ja auszländische sprachen verstehen, und reden lernen. 206. 7@ii) gleiche sprach macht gleichheit der gemüter. Lehmann bei Wander 4, 735, 12; diese Griechen nun, wie sie in den verschiedenen städten sich anfänglich durch eine gemeinschaftliche sprache ... unterschieden. Heilmann Thuc. 5 (1, 3); sie reden einerley sprache, societate linguae conjuncti sunt. völker, so nicht einerley sprachen können, gentes linguis divisae. Stieler 2102; einsi gesell seyn von wägen der spraach, eiusdem linguae societate coniunctum alicui esse. Maaler 381d. vgl. auch q zu anfang. ungleichheyt der sprach, varietas linguarum. Dasypodius. 7@kk) sprachen sind verwandt, wenn sie aus einer gemeinsamen grundform abgeleitet und daher in wesentlichen stücken ähnlich sind. verwandte sprachen bilden eine sprachfamilie, einen sprachstamm u. s. w. (s. das.) und haben in der regel eine zusammenfassende bezeichnung, die zugleich von den entsprechenden völkern gilt: germanische, slavische, indogermanische, semitische sprachen u. s. w.; bis nach den kreuzzügen stand dort (in Norditalien) unter romanischer sprache das germanische wesen überall obenan. Freytag 17, 131. die verhältnisse verwandter sprachen unter einander und zu ihrer grundform werden nach analogie menschlicher verwandtschaft bezeichnet: schwestersprache (theil 9, 2607, nicht häufig), tochtersprache (theil 11, 537), muttersprache (s. das. 2, verschieden von der unter g besprochenen bedeutung): dann zubetrachten dasz unsere teutsche sprach ein rechte haupt und mutter-sprach, als die viel töchter gezeuget, nemblichen die niederländische, englische, scotische, dennemärckische, schwedische etc. der teutschen sprach ehrenkrantz 208; tochtersprache, eine sprache, welche unmittelbar von einer andern abstammt, ohne jedoch blosz mundart zu seyn. Krünitz 161, 319. für die sprachen, die selbst nicht abgeleitet sind, von denen aber die andern abstammen, sagt das ältere nhd. hauptsprache, s. theil 4, 2, 630 f.: die sclavonische sprache ist eine haupt sprache, aus welcher unterschiedliche morgenländische ihre abkunfft herleiten. Fleming t. soldat 22a; Anton ... ich kann wendisch; und das können sie nicht. Damis ... mein bedienter soll eine sprache verstehen, die ich nicht verstehe? und noch dazu eine hauptsprache? ich erinnere mich, dasz ihre verwandtschaft mit der hebräischen sehr grosz seyn soll. Lessing 1, 217 (der junge gel. 1, 1). vgl.: auf diesem grund ruhet der unterscheid, den man unter haupt- und neben- oder ursprüngliche, und abgeleitete sprachen zu machen pfleget, und darin ziemlich einig ist, dasz die haupt-sprachen ihren anfang von der verwirrung herleiten, über die anzahl derselben aber sich nicht vergleichen kan. ... in unserm Europa zählet man nur vier hauptsprachen, die griechische, lateinische, alt-teutsche und slavonische, von welchen alle die übrigen gezeuget werden. Jablonski 740b. andre, heute üblichere ausdrücke für hauptsprache sind: grundsprach, haubt-sprach, ur-sprach, lingua originale, radicale. Kramer dict. 2, 879c; stammsprache, eine benennung der ursprachen, von denen die übrigen abstammen. Krünitz 161, 281. 7@ll) andre gruppierungen der sprachen. 7@l@aα) rein geographisch: 'die abendländischen sprachen, zum unterschiede von den morgenländischen.' Adelung (2, 2); bei dem groszen unterschiede der östlichen und westlichen sprache, hält es schwer für die alphabete jener bei uns reine äquivalente zu finden. da nun ferner die europäischen sprachen unter sich ... dem eignen alphabet verschiedenen werth ... beilegen, so wird eine übereinstimmung noch schwieriger. Göthe 6, 255. 7@l@bβ) nach der zeit: alte, neue sprachen; um sich von der allerurältesten sprache einen begriff machen zu können. Hamann 4, 62. vorzugsweise versteht man unter alte sprachen griechisch und latein: dasz man ganz richtig bemerkt hat, es werde zur schönen kunst in ihrer ganzen vollkommenheit viel wissenschaft, als z. b. kenntnisz alter sprachen ... erfordert. Kant 7, 165. indessen, da sich die sprache im laufe der zeit stetig ändert, so kann man auch bei derselben sprache alt und neu unterscheiden, und zuweilen, wenn der unterschied besonders deutlich ausgeprägt ist und eine klare abgrenzung gestattet, rechnet man die alte und die neue stufe auch als verschiedene sprachen: alt- und neugriechisch, alt-, mittel- und neuhochdeutsch. ähnlich: dasz die frühere sprache ihre wurzeln bekleide .., während sie die spätere häufig nackt aufstellt, bestätigt gleichfalls das sanskrit. J. Grimm gramm. 2, s. vii. 7@l@gγ) alte sprachen, die heute nicht mehr gesprochen werden, nennt man tote, im gegensatz dazu die andern lebende: eine annoch übliche (lebende) sprach, una lingua vivente, cioè usitata, parlata. eine nicht mehr übliche (todte) sprach, lingua morta cioè non più usitata che ne' libri e frà eruditi, lingua scientifica. Kramer dict. 2, 879b; 'die alten sprachen, die der völker des alterthums, welche zugleich todte sprachen sind; in gegensatz der neuen, worunter man die lebenden sprachen verstehet, welche meist aus den alten geschöpft oder entstanden sind.' Campe. der unterschied kann also mit β ganz gleichbedeutend genommen werden; man kann ihn aber auch etwas anders fassen, vgl.: die sprache der früheren jahrhunderte ist bestimmt untergegangen, wiewohl aus ihr die jetzige entstanden und sie mithin in beziehung darauf keine todte heissen kann. W. Grimm kl. schr. 2, 43. todte sprachen sind z. b. die bebräische, griechische und lateinische, die nur noch in schriften erhalten und dadurch in sich abgeschlossen und durchaus unveränderlich sind. sie heiszen zugleich gelehrte sprachen. Heyse schul-gramm.7 1; sprache (todte), eine ausgestorbene sprache, welche von einem volke als muttersprache nicht mehr geredet wird. Krünitz 161, 320; was haben aber nicht meynungen in die grammatiken ausgestorbener und lebender sprachen für einflusz gehabt? Hamann 2, 127; todte sprachen nennt ihr die sprache des Flaccus und Pindar, und von beiden nur kommt, was in der unsrigen lebt? Göthe 3, 255 Hempel. 7@l@dδ) heilige sprache, worin die urkunden und kanonischen schriften einer religion abgefaszt sind und die manchmal auch im gottesdienst verwendet wird: die heilige sprache meiner väter (sagt ein Chinese). Hamann 4, 90. innerhalb des christlichen culturkreises gelten als solche hebräisch, griechisch und (bei den katholiken) latein. vgl.: daʒ diu heilige messe von drin sprâchen ist; unde die selben drîe sprâchen sint die aller edelsten under den zwein unde sibenzic sprâchen. daʒ ist hebrêisch, kriechisch unde latîn. Berthold v. Regensburg 1, 496, 21; denn gott hat seine schrifft nicht umbsonst alleyn ynn die zwo sprachen schreiben lassen, das allte testament ynn die ebreische, das new ynn die kriechische. ... daher auch die ebreische sprach heylig heysset. Luther 15, 37, 18. 38, 1 Weim. ausg. unbestimmter werden die drei sprachen als hauptsprachen bezeichnet: also hat gott ... die drey fürneme hauptsprachen hebraisch, griechisch und lateinisch ... offenbaret und ausz denen die fröliche bottschafft seines heiligen evangelii kundt gethan. Kirchhof wendunm. 3, 149 Österley (4, 155). 7@l@eε) seit dem 18. jahrh. wird besonders den beiden 'alten' sprachen, griechisch und latein, eine vorzugsstellung eingeräumt, wegen der mustergiltigkeit und vorbildlichkeit ihrer grammatisch-stilistischen ausbildung und der in ihnen verfaszten litteratur. sie heiszen deswegen klassische sprachen. auch als beide sprachen, die sprachen κατ' ἐξοχήν bezeichnet: linguae, ... die sprachen, meton. sic graeca, latina lingua. doctus sermonis utriusque linguae, beyder sprachen erfahren. Corvinus fons latinit. 364b. — die andern nennt man zuweilen, antikem sprachgebrauch folgend, barbarisch: wer demnach ... in den geschichten der Lateiner unnd Griechen unbewandert, in mancherley sprachen, auch denjenigen, die wir barbarisch heissen, als da sind die welsche, frantzösische, unnd hispanische ungeübet ... ist, der enthalte sich nur kühnlich desz teutschen verszschreibens. der teutschen sprach ehren-krantz 196. sonst mehr als charakterisierendes beiwort: eine barbarische sprach, un linguaggio, un parlare barbaro. Kramer dict. 2, 879b. der neueren zeit angemessener ist die allgemeine unterscheidung: man kann daher alle sprachen des erdbodens in gebildete und ungebildete — oder richtiger in sprachen gebildeter und ungebildeter völker — eintheilen. Heyse d. schul-gramm.7 1; weil ein vers dir gelingt in einer gebildeten sprache, die für dich dichtet und denkt, glaubst du schon dichter zu seyn. Schiller 11, 179 (tab. vot. 87). nur ehrenname ist der besonders im 17. jahrh. beliebte ausdruck heldensprache von der deutschen, s. theil 4, 2, 945: ein einfältiger frommer mensch, kan mit seiner edlen teutschen einfachen helden-sprache, ja so klug und witzig seyn, als der, so zehen .. verstehet. Simpl. 1058 Keller. 7@mm) wie die sprechweise des einzelnen (s. oben 6), so kann auch sprache in diesem sinne durch attribute charakterisiert werden: eine rauhe, barbarische, zierliche sprache. Adelung (2, 2). mit bezug auf den klang: eine schwere, harte, knirrende ò knartzende sprach, un linguaggio difficile, duro, aspro, stridulo. Kramer dict. 2, 879c; dasz die rauhe, harte unnd knarrende sprach der Teutschen gar keine liebliche art an sich nemmen könne. der teutschen sprach ehren-krantz 187; er fodert alle gewesene, gegenwärtige und noch kommende deutsche dichter auf, in einer so schwankenden, unbiegsamen, breiten, gothischen, rauhklingenden sprache, als unsre liebe muttersprache ist, mit der feinen organisation und dem musikalischen flusz der lateinischen ohne nachtheil zu ringen. Schiller 6, 346; vom ästhetischen charakter: eine zierliche, schöne, liebliche, wollautende, flüssige, lauffende sprach. Kramer dict. 2, 879c: es gibt aber zeiten, wo die kunst des reimes ausstirbt, weil sich die sinnliche zartheit der wurzelärmeren sprache verhärtet. J. Grimm gramm. 12, vii; die unzerstörbare grazie und feinheit der griechischen sprache. Freytag bilder 1, 105; ietzund aber (ist) frantzösisch unter derselben italianischen und spanischen sprach die lieblichst und freundlichst, auch abgekürtzste. ... auch wil sie nun die gravitetische und mannliche italianische sprache verdringen; hispanisch helt unter diesen zweyen ... das mittel, iedoch etwas prächtig und im auszreden ernster. Kirchhof wendunm. 3, 147 Österley (4, 153). so sprichwörtlich: die spanische sprach ist die lieblichste; da der teuffel Evam betriegen wollen, hat er spanisch geredt. Lehmann bei Wander 4, 735, 2; die deutsche sprache heiszt terribilis (furchtmachend), die französische suavis (zierlich), die griechische compendiosa (zusammengefaszt), die italienische corrupta (verderbt), die polnische blanda (schmeichlerisch), die spanische majestatica (majestätisch, königlich). s. ebenda 1. mit bezug auf die menge der wörter und ausdrucksmöglichkeiten: eine reiche sprache die viel wörter hat, lingua copiosa, locupletior, uberrima. Frisch 2, 305c; inzwischen ist gleichwohl diejenige sprache die reichste und bequemste, welche am besten mit wörtlicher ubersetzung zurechte kommen kan. Leibniz unvorgreifl. ged. 62 Schmarsow; o, was ist die deutsche sprak für ein arm sprak! für ein plump sprak! Lessing 1, 570 (Minna 4, 2); die reinigkeit einer sprache entzieht ihrem reichthum. Hamann 2, 151. in hinblick auf den, der sie lernt: eine leichte sprach, un linguaggio, idioma facile ad imparare. Kramer dict. 2, 879c; eine leichte, eine schwere sprache. Adelung (2, 2); der mangel dieser lehrart macht sprachen so schwer, so trocken und verdrieszlich. Hamann 1, 160; ausz diser unwissenheyt und auch schwere der sprach ... kumpts ..., dz schier kein fluss, statt, volck etc. mehr sein alten nammen hat. S. Franck weltb. 22b. anderes: dazu wirstu das starcke volck nicht sehen, das volck von tieffer sprache, die man nicht vernemen kan, und von undeutlicher zungen, die man nicht verstehen kan. Jes. 33, 19; aber alles geschah, was je die stärksten der worte schreckliches nannten, oder was nie selbst der sprachen redendste nicht zu nennen vermöchte. Klopstock 2, 187. 7@nn) verbale ausdrucksweisen. eine sprache sprechen; einerley sprach reden, parlar' uno ò in uno stesso linguaggio. ... unterschiedene sprachen reden. Kramer dict. 2, 879b; eine fremde sprach vortrefflich, zierlich, eigentlich können, reden. 879c; eine sprach reden, uti aliqua lingua. Frisch 2, 305c: man gebrauchte die vorsicht, diejenigen beisammen wohnen zu lassen, die verschiedne sprachen redeten. Schiller 4, 160. eine sprache übel, elend reden oder übel aussprechen (radbrechen). Kramer dict. 2, 879b. eine sprache schreiben. auch: in einer sprach schreiben, reden, antworten, singen etc. 879c. sprichwörtlich scherzhaft: gewürfelter mann — er hört vier sprachen! Eiselein 575. eine sprach verstehen, nosse aliquam linguam; ejus haud rudem esse. Frisch 2, 305c: der herr wird ein volck uber dich schicken ..., des sprache du nicht verstehest. 5 Mos. 28, 49; ein volck des sprachen du nicht verstehest, und nicht vernemen kanst, was sie reden. Jerem. 5, 15; nur sind sie (die lateinischen autoren) schwer zu lesen, wer aber die sprache versteht, erfährt vieles. Freytag 6, 20; dazu: der sprachen unverstand, gibt oft einen gefährlichen misverstand. Butschky Pathmos s. 444. besonders eine sprache können, was in der regel auszer dem verstehen auch das gebrauchenkönnen (sprechen und schreiben) einschlieszt: vilerley sprachen können, varias linguas scire. Dasypodius; er kan fünff spraachen, parla cinque linguaggii. Hulsius (1618) 236a; eine fremde sprache können, reden. eine sprache nicht können, nicht verstehen. Kramer dict. 2, 879a; ich kan die sprache nicht, is non lingua. wer die sprach (landsprach) kan, der kömmt fort, chi lingua à Roma và. 879b f.; eine sprache können, linguam nosse, intelligere. eine sprache nicht können, nescire linguam, rudem esse alicuius linguae. Stieler 2103. so schon ahd.: linguam quam non noverat audivit. er gehôrta diê sprâcha, sô er ûʒʒer Egypto cham, diê er nechonda. Notker ps. 80, 6; und gab in ouch die gnâdi, daʒ si alle sprache kundin. spec. eccles. 79; warlich dz ist dennoch ein gelerter man, kan vileicht so vil sprach. Alberus wider Jörg Witzeln mammeluken G 8a; die sprâche kunde si alle wol. Wig. 334; Tristan, ich hôrte dich doch ê britûnisch singen unt gâlois ... kanstû die sprâche? Tristan 3691; he las de breve van swarer sake, wente he konde mannyghe sprake. Reinke de vos 3120. sprichwörtlich: einer, der vil sprachen kann, liebt und lobet jedermann. Lehmann bei Wander 4, 735, 8. eine sprach lernen, tempus alicui linguae dare. Frisch 2, 305c; (sie) red mitt ime, alls wann die sprach gleichwol verstünnde, innmasser das ers .. bald lernenn wird. Paumgartner briefw. 130 Steinhausen; man lernt ehe eine sprach in der küchen als in der schul. Lehmann 459, 67 bei Wander 4, 736, 15, vgl. Simrock sprichw. 6344 und Gutzkow unter h. sich auf sprachen legen, applicarsi ad imparar linguaggi. in sprachen erfahren, perito nelle lingue. Kramer dict. 2, 879b; der einer sprache kundig ist, linguae alicujus peritus. Frisch 2, 306a; er wäre weder in den geschichten, noch in den sprachen erfahren. Lessing 11, 28. eine sprache lehren; man kann von zeit zu zeit die lehrmeister in sprachen ... zu ihm auf die stube gehen lassen. Gellert 4, 142. etwas aus einer sprach in die andere übersetzen, tradurre, trasportare da una lingua nell' altra. Kramer dict. 2, 879c. 7@oo) die eigenthümliche, unter dem namen glossolalie bekannte erscheinung des urchristenthums wird gewöhnlich durch den ausdruck mit zungen reden bezeichnet, s. z. b. 1 Cor. 14, 13. 14. 18 (γλώσσαις λαλῶν). doch gebraucht Luther dafür auch den ausdruck sprachen: einem andern (werden gegeben) mancherley sprachen (γένη γλωσσῶν). einem andern die sprachen auszulegen. 12, 10; es müssen auffhören die weissagungen, und auffhören die sprachen. 13, 8; denn so bald nach der apostel zeyt, da die sprachen auff höreten, nam auch das evangelion und der glawbe und gantze christenheyt yhe mehr und mehr ab. Luther 15, 38, 33 Weim. ausg.; und ist, synter (seit der) zeyt die sprachen gefallen sind, nicht viel besonders ynn der christenheyt ersehen, aber gar viel grewlicher grewol aus unwissenheyt der sprachen geschehen. 39, 2. vgl.: mit sprachen reden, parlare linguaggi. Kramer dict. 2, 879b. dieser ausdruck steht unter dem einflusz der schon vom verf. der apostelgeschichte (2, 6 ff.) getheilten auffassung, dasz die glossolalie ein reden in fremden, nicht gelernten sprachen ist; nach den hier entscheidenden angaben des Paulus dagegen handelt es sich um einen ekstatischen zustand, der sich in unartikulierten lauten, vielleicht untermischt mit einzelnen wörtern, äuszert, s. Schmiedel im hand-komm. zum neuen test. 2, 183 ff. 7@pp) sprache als subject: die sprachen verändern sich, barbara quaedam et soloeca disperguntur. Stieler 2101; von verenderung der sprachen. Kirchhof wendunm. 3, 146 Österley (4, 153). die sprache wird häufig in bildlichen ausdrücken wie ein lebendes wesen behandelt: in Luther gewann die deutsche sprache, nachdem sie von der früheren ... höhe herabgestiegen war, wieder das gefühl ihrer angebornen kraft. ... gleichmässig welkte (im 30jähr. krieg) die sprache und die blätter fielen einzeln von den ästen. W. Grimm kl. schr. 1, 509; alle sprachen, solange sie gesund sind, haben einen naturtrieb, das fremde von sich abzuhalten. J. Grimm, theil 1, vorr. xxvi. — schatz einer sprache u. a. s. s. 7@qq) nach dem biblischen bericht hatten die menschen ursprünglich eine und dieselbe sprache: es hatte aber alle welt einerley zungen und sprache. 1 Mos. 11, 1; sihe, es ist einerley volck und einerley sprach unter jnen allen. 6; die spätere vielheit wird auf das eingreifen gottes bei gelegenheit des babylonischen thurmbaus zurückgeführt: wolauff, lasst uns ernider faren, und jre sprache da selbs verwirren, das keiner des andern sprache verneme. ... da her heisst jr name Babel, das der herr daselbs verwirret hatte aller lender sprache. 7, 9; es hatte aber ... alle welt einerley, das ist, die aller ältest, nemlich hebraische sprache, und da sie ... einen thurn bawen wolten, des spitz an den himmel reichen solte, hat gott ... ihre sprache verwirret. ... nachdem sie seind zertheilet worden in mancherley sprachen, haben sie hin und her gewandelt. Kirchhof wendunm. 3, 146 Österley (4, 153); gleichwie gott zu Nimbrods zeiten durch zertheilung der sprachen die menschen voneinander trennet. Simpl. 4, 353, 5 Kurz (t. Michel 1); anfänglich nach der sündfluth ist nur eine sprache unter den menschen gewesen, weil sie alle von einem vater und aus einem haus entsprossen waren. den urheber und die ursache der verwirrung zeiget die heilige schrifft an. worin solche verwirrung bestanden, wird gefraget. die glaublichste meinung ist, dasz die menschen auf einmahl ein vergessen der gewohnten sprache ankommen. ... welche nun die erste und allgemeine weltsprache gewesen, und ob dieselbe heut zu tag noch übrig sey, ist eben so ungewisz. Jablonski 740b; vgl.: unz eʒ diu gotes râche geschiet mit manger sprâche. Stricker pf. Amis 668. 7@rr) die zahl der sprachen wird im mittelalter gewöhnlich auf 70 oder 72 angegeben, s. denkm.3 2, s. 306 (2 486). Wackernagel kl. schr. 3, 12, anm. 36. R. Köhler kl. schr. 3, 511 f. 70: duo her (gott) mit sînir gewalt gedeilti si sô manigvalt in zungin sibenzoch; sô steit iʒ in der werlti noch. Annolied 165; vgl.: nun lebte damals der rabbi Chanina, der 70 sprachen und die sprache der tiere verstand. R. Köhler kl. schr. 2, 333 (d.-deutsches märchen aus dem maase-buch v. 1602). gewöhnlicher 72: dannoch was ein zungain allem manchunne. do machote er dar uʒzuo unde sibenzich. fundgr. 2, 29, 28 (gen. 32, 21 Diemer); sît zwuo und sibenzec sprâche sint. Wolfram Willeh. 73, 7, vgl. 101, 22. 450, 20; zwô und sibenzic sprâche diu werlt hât. Tirol u. Vridebr. 20; ich mein der zwô und sibentzic sprâch alterre. jüng. Tit. 5163, 3; daʒ dû mit zwein und sibenzic sprâchen si teilte unde schiet. Ottokar reimchron. 49752; es wurden zwou und sübenczig sprach da Nemrot dort den turn hoch büt. Herm. v. Sachsenheim mörin 4374; von drîer hande sprâche, die diu werlt hât under zwein unde sibenzigen sprâchen. Berthold v. Regensburg 2, 76, 30; hi wil der meister setzen zwei und sibenzic lîder zû lobe unser frouwen, ... in zeichin daʒ si gelobit sal werden in allen zungen der erden, der zwei und sibenzic sint. Heinr. v. Mügeln bei Schröer Wiener sitzungsber. 55, 471. in nhd. zeit regen sich zweifel: es haben auch von der zertheilung der zungen oder sprachen viele geschrieben, und sagen gemeiniglich, dasz zwo und siebentzig sprachen überall seind in der gantzen welt. etc. disz hat keinen grundt, denn wir könnens auch nicht wiszen, wie mancherley sprachen in der welt seyen. Kirchhof wendunm. 3, 146 Österley (4, 153); es wäre zu wünschen: dasz ... in der gantzen welt, wie es von anfange der welt gewest, ... eine sprache geredet würde. sintemal die siebenzig oder zwey und siebenzig sprachen, ohne ihre noch (nach?) gezeugte töchter, ... nichts als verwirrung und beschwerligkeit verursachten. Lohenstein Armin. 2, 389a; s. auch Jablonski 740b. — sonst finden sich stehende zahlen, um eine auswahl der vorzüglichsten sprachen zu bezeichnen, besonders 3, s. oben l, δ. — in sieben sprachen schweigen, ein witzwort Schleiermachers auf Im. Bekker, zum geflügelten wort geworden, s. Büchmann20 243. — verschiedene versuche und vorschläge sind gemacht, um der vielheit der sprachen abzuhelfen, und eine universal- oder weltsprache einzuführen, theils so, dasz eine vorhandene sprache zu dieser geltung erhoben, theils so, dasz eine künstliche sprache (früher auch allgemeine, philosophische sprache, vgl. Herder unter 8, f, J. Grimm unter sprachphilosoph: am bekanntesten darunter das volapük, ferner pasilingua, esperanto, blausprache, zahlensprache u. a.) eigens für diesen zweck geschaffen werden sollte, vgl. darüber Krünitz 161, 420 ff. Hans Moser grundr. einer gesch. der weltsprache (1888). G. Meyer essays u. studien 2 (1893), 37 ff. R. Kleinpaul leben der sprache (Leipzig 1893) 1, 3 ff. R. M. Meyer indogerm. forsch. 12, 80—92. vgl.: da man .. auf demselben weg .. von der national-sprache zur universal-sprache kommen musz, auf dem ... man von der individual-sprache, um die ersten stammelnden verständigungs- und mittheilungsversuche so zu nennen, zur familien-, provinzial- und national-sprache kam. Hebbel 11, 68 f. Werner. sie sind erfolglos geblieben. wol aber haben sich einzelne sprachen für bestimmte gebiete als (internationale) verkehrssprachen festgesetzt, dafür früher gemeine sprach; die malaische sprache wird wegen ihrer zierlichkeit, und weil sie am leichtesten zu lernen, unter allen sprachen des orientalischen und mittägigen Asiens fürgezogen, daher sie auch gleichsam als eine gemeine sprache gehalten, und bey allen völckern die an dem meer wohnen, gebrauchet wird. Jablonski 740b. 7@ss) sehr häufig steht die sprache im sing. ohne nähere bestimmung, sei es, dasz der zusammenhang ergiebt oder dasz es ohne weiteres klar ist, welche einzelne sprache gemeint ist, sei es, dasz überhaupt keine bestimmte sprache gemeint ist, und es gleichgültig ist, an welche sprache man denkt, indem sprache als gattungsbegriff genommen wird. in letzterem falle findet natürlich annäherung an die bedeutung 1 statt, doch geht sprache in den hierher gehörigen fällen nicht auf die thätigkeit des sprechenden, sondern auf den vorrat an ausdrucksmöglichkeiten, den er bereits vorfindet. so: neue worte zu künsteln, wo die sprache schon so an ausdrücken für gegebene begriffe keinen mangel hat, ist eine kindische bemühung. Kant 4, 105; ein apostel ... sagt uns, dasz unsere sprache und die begriffe und zeichen derselben nicht im stande sind, eindrücke von dieser seligkeit anzunehmen. Hamann 8, 5; die sprache ist zu arm, hat keinen namen für diese seligkeit u. ähnl. doch auch vereinzelnd oder pluralisch: die sprachen sind nie ärmer, als wenn man die gewaltsamen leidenschaften der liebe und des schmerzens ausdrücken will. Gellert 4, 273. bildliche wendungen, schatz der sprache u. dergl. so auch: einmal aber in jahrhunderten geschieht es, dasz ... ein menschenbild vom himmel fällt, bevollmächtigt, den öffentlichen schatz einer sprache mit weisheit ... zu verwalten, oder mit klugheit ... zu vermehren. Hamann 2, 152; es jagt der künstler allem nach, was zeichen und symbol der menschheit werden kann; er wühlt den schatz der sprachen durch. Schleiermacher monol. 45; auch die grundlagen unserer sitte sind so gut wie der goldschatz unserer sprache ein familienerbe der Germanen des Tacitus. Freytag bilder 1, 35; fällt von ungefähr ein fremdes wort in den brunnen einer sprache. theil 1, vorr. xxvi. ohne bild: hier sieht man dasz die sprache schon an und für sich productiv ist und zwar, in so fern sie dem gedanken entgegen kommt, rednerisch, in so fern sie der einbildungskraft zusagt, poetisch. Göthe 6, 104; dass doch die sprache gemeines gut ist für die söhne des geistes und für die kinder der welt! Schleiermacher monol. 94; du! huldigt dir gesang und sprach' allein? Stolberg 1, 156; lasz die sprache dir seyn, was der körper den liebenden; er nur ists, der die wesen trennt und der die wesen vereint. Schiller 11, 179 (tab. vot. 85. an den dichter); du blickst, um deiner mutter hals dich schmiegend, mich hold und lächelnd an, ein sel'ger stummer. ... du brauchst die sprache nicht, in lust dich wiegend. Hebbel 6, 321 Werner (an ein sch nes kind). ersten anlass hierzu (zur thierfabel) entdecken wir schon in der ganzen natur der ... auf einer poetischen grundanschauung beruhenden sprache. J. Grimm Reinh. fuchs s. i; zwischen recht und sprache waltet eine eingreifende analogie. das gemeinschaftliche wesen beider setze ich darin, dasz sie zugleich alt und jung. kl. schr. 8, 547; es dienet freilich der zauber der sprache auch nur der welt nicht uns. sie hat genug zeichen und schönen überfluss für alles was im sinn der welt gedacht ist. Schleiermacher monol. 92; ein wahrer künstler der sprache kann kein anderer werden, als wer freien blikes sich selbst betrachtet, und des innern wesens der menschheit sich bemächtigt hat. 98. die sprache beherrschen, in seiner gewalt haben, der sprache mächtig, ein meister der sprache sein. es haben sich zu allen zeiten menschen gefunden, welche durch die macht der sprache andere zu regieren gewuszt. Hamann 4, 451; die sprache darfst du also nie entweihen. Seume ged.5 26. nach den regeln der sprache schreiben. dies ist wider den geist der sprache. eine eigenheit, eigenthümlichkeit der sprache. ein fehler wider die sprache. Campe (3); zeigte er ihm an einer anzahl stellen, wo der text durch die schreiber verdorben worden und auf welche weise die fehler nach den gesetzen der kunst und der sprache zu verbessern seien. Keller 6, 54. 88) sprache bezeichnet ferner die gesamtheit der ausdrucksweisen und sprachlichen eigenthümlichkeiten innerhalb anderer, kleinerer kreise. 8@aa) von geographischen gebieten, landschaften: der hab in oberlendischer sprach .. geantwort. Zimm. chron. 2, 573, 30 Barack2; wiewol jener (Spanier) wenig deutsch, diser aber kain ander sprach, dann sein schwebisch konte. 4, 287, 24; so hatte das mensch bey nahe eine österreichische sprach gehabt. Simpl. schr. 3, 281, 22 Kurz (Springinsf. 26); alle Deutschen, welche nit nach ihrer sächsischen natürlichen Hammler (siebenbürg.) sprach reden. ungr. Simpl. bei Schröer 268a. gestern liesz sich — nach der Wiener sprache — der herr professor M. bey mir aufführen. E. König bei Lessing 13, 389. die jüdischdeutsche sprache. Avé-Lallemant 3, 41. so auch: in gemeiner sprach oberer teutschen landen. Helber syllabierb. 4, 3 Röthe. — sprache ist in diesem sinne nicht so fest und gleichsam officiell wie in der vorhergehenden verwendung. man redet wol von einer schwäbischen, bairischen sprache, würde aber nicht sagen: schwäbisch und bairisch sind 2 (verschiedene) sprachen u. ähnl. der genauere ausdruck für diesen begriff ist vielmehr mundart oder dialect. zwischen mundart und sprache (7) läszt sich nicht überall eine sichere grenze ziehen; doch nimmt man stets eine besondere sprache an, wo sich eine eigene schriftsprache (s. unten) ausgebildet hat, ferner wo eine scharfe sprachgrenze statt hat, wodurch die beiderseitige verständigung unmöglich gemacht oder wenigstens sehr erschwert ist. vgl. die gegenüberstellung: sie erkannten einander sämmtlich als stammgenossen, welche in vielen mundarten dieselbe sprache redeten. Freytag bilder 1, 38. 8@bb) auch die einzelnen stände, berufsclassen u. s. w. haben ihre besondere sprache, die in der regel in einem eigenthümlichen wortschatze, in besondern kunst- und handwerksausdrücken besteht: sprach. für gewisse redens-arten, wörter und besondere ausdrückungen einiger professionen, künste, handwerker etc. als die sprach der jäger, der bergleute u. d. g. die hof-sprach, lingua aulicorum. Frisch 2, 305c f.; sprache der hirten, jäger, vogelsteller, fischer u. s. w., s. theil 1, vorw. xxx. so in zahlreichen zusammensetzungen, so z. b. ammen-, berg(manns)sprache: idioticon der österreichischen berg- und hüttensprache von Scheuchenstuel (Wien 1856); man verstehet es aus der sprache der berg-leute, bey denen ist ort so viel als ende. Leibniz unvorgreifl. ged. 54 Schmarsow; druckersprache (von Klenz, Straszburg 1900); fuhrmannssprache (Musäus gärtnerm. 133); handwerks-, jäger- bezw. weidmannssprache; küchensprache (theil 5, 2510); künstlersprache Adelung (1, 2, d); schiffersprache (theil 9, 76) oder see(manns)sprache (s. oben sp. 59. 71; G. Gödel, etymol. wb der deutschen seemannssprache, Kiel 1902); soldatensprache (sp. 1443: P. Horn, Gieszen 1899); studentensprache (Fr Kluge, Straszburg 1895; J. Meier, Hallische studentensprache, Halle a. S. 1894, vgl. Günther recht u. sprache s. 70). so auch rechts-, gerichts-, advokatensprache. Krünitz 161, 89; sprache der gerichte, der juristen, vgl. Günther s. 78 ff. hierbei handelt es sich nicht allein um besondere technische ausdrücke, sondern um gewisse stilistische, z. th. auch grammatische eigenheiten. an diese denkt man besonders bei dem worte kanzleisprache (= kanzleistil, theil 5, 171). ebenso bei der kanzelsprache der geistlichen.besonderes interesse haben die sprechweisen gewisser niederer, unehrlicher oder vagabundierender volkstheile, die nicht sowol technische als geheimsprachen sind, und durch entlehnungen, entstellungen und neubildungen den zweck verfolgen, nichteingeweihten unverständlich zu sein. der allgemeine ausdruck dafür ist rotwelsch, s. th. 8, 1324 f.: diebssprache, alias etiam zigeuner- et rotwelsche sprache, lingua Venedica, Zygenis, furibus et aliis impostoribus propria. Stieler 2102; eine schelmen-, diebs-, bettler-, zigeuner- ò landstreicher-sprach, la lingua furbesca; il gergo, ... v. rotwelsch. Kramer dict. 2, 879b. jetzt gewöhnlich gaunersprache, th. 4, 1, 1586, vgl. Avé-Lallemant, bd. 3—4. Fr. Kluge, rotwelsch. quellen und wortschatz der gaunersprache und der verwandten geheimsprachen. 1 (Straszburg 1901). im einzelnen: die sprache der freudenmädchen. Avé-Lallemant 3, 156; die sprache der handwerksburschen. Kluge a. a. o. s. 451 u. a. m. — geheime sprachen auch sonst: diese letzteren (die Madingoer in Afrika) haben auch eine geheime, sogenannte ordenssprache, die nur von darin eingeweiheten verstanden und besonders vor den weibern verborgen wird. ... diese (Karaiben) haben nicht nur eine besondere sprache für das männliche und eine andere für das weibliche geschlecht, sondern auch eine geheime heldensprache, die den weibern gar nicht und den jungen männern erst dann mitgetheilt wird, wenn sie proben von ihrer tapferkeit abgelegt haben. Krünitz 161, 211. freier: dann giebts in der gemeinen noch eine heilige und geheime sprache, die der ungeweihte nicht deuten noch nachahmen kann, weil nur im innern der gesinnung der schlüssel liegt zu ihren charakteren. Schleiermacher monol. 96. 8@cc) von der besonderen sprachweise innerhalb sozialer oder bildungsschichten. sprache des hofes, hofsprache: in welchen bücher (Wolframs v. Eschenbach) unserer altforder hoffsprach und ander ornatus der zungen. Zimm. chron. 2, 194, 29 Barack2; sprache des hofes, der feinern welt. Adelung 1, 2, d. sprache der gesellschaft, der vornehmen welt, s.sprachgemenge. sprache der höhern, niedern stände. sprache der gebildeten. Campe, sprache der bildung. Avé-Lallemant 3, 74. sprache des volks, des pöbels; der gemeinen volkssprache. Hamann 7, 12. — sprache des kindes, kindersprache. 8@dd) besondere spracharten für verschiedene zwecke und gebrauchsweisen. so zunächst für mündlichen und schriftlichen gebrauch: sprache des umgangs, des verkehrs, des täglichen lebens, des gemeinen lebens (Adelung 1, 2, d), der konversation; umgangs-, verkehrssprache: dasz eine verbindung nothwendig sei zwischen dem heimischen und neuen wesen ... auch in einer verkehrssprache, konnte sich ein Germane ... nicht verbergen. Freytag bilder 1, 122. das gegentheil heiszt zunächst schriftsprache, theil 9, 1748. dieser unterschied fällt zum theil mit dem unter a erwähnten zusammen, insofern als innerhalb eines bestimmten sprachgebietes, des deutschen z. b., die schriftsprache, die allerdings in neuerer zeit zugleich die sprache des gebildeten umgangs ist, einheitlich und die deutsche sprache schlechthin ist, während die volkssprache, die sprache des mündlichen verkehrs der niedern stände, nur in einer vielheit localer mundarten existiert: die schriftsprache ist also das gemeinsame, das alle stämme verbindet, und giebt den höheren klang an zu der sprache des täglichen verkehrs. W. Grimm kl. schr. 1, 512. allgemein gewöhnliche, gehobne, edle, niedre sprache: die sprache überhaupt in eine erhabne, edle, trauliche, niedrige und pöbelhafte zu unterscheiden taugt nicht. theil 1, vorw. xxxii. die schriftsprache ist vor allem die büchersprache, litteratursprache. weiter läszt sich unterscheiden: sprache der dichter oder der dichtung, der prosa; dichterische, prosaische sprache; sprache des dramas, der bühne, der tragödie, des (feineren) lustspiels, der posse u. s. w. sprache der zeitungen, der journalisten: die hüft- und marklose sprache der wochenblätter. Herder 2, 274 Suphan. sprache der wissenschaft, der gelehrsamkeit, der gelehrten: naturalisirte fremde, von denen unsre sprache der wiszenschaften voll ist. 350. die einzelnen wissenschaften haben wiederum ihre besondere sprache: meiner meinung nach ist die welt jezt in einem solchen delirio, dasz es kein wunder ist, wenn die sprache der theologen zuweilen seltsam klingt. Lichtenberg nachlasz s. 35; ein kleiner zusatz neuer begriffe hat allemal die sprache der philosophie geändert. Hamann 1, 388, vgl.: wie eine reihe neuer begriffe eine neue wendung der sprache hervorbringt. 414; ich besorge in ansehung dieser abhandlung nichts von dem vorwurfe, eine neue sprache einführen zu wollen. Kant 4, 105. 8@ee) hierbei trifft meistens ein vorrat besonderer wörter und ausdrücke mit bestimmten formalen (grammatisch-stilistischen) eigenthümlichkeiten zusammen; zuweilen handelt es sich auch nur um letztere. in diesem falle berührt sich diese verwendung mit 6, d. ähnlich gehören ausdrücke wie die sprache des liebhabers, der liebe, der pflicht (Adelung 1, 2, d) näher zu 6, e.auch dem einzelnen schriftsteller kann man eine besondere sprache als die gesamtheit seines wort- und formenschatzes zuschreiben (also leise verschieden von 6, f): die sprache eines dichters ist die sprache einer bestimmten nation zu einer bestimmten zeit. Rudolph Schiller-lex. 2, 347. 8@ff) es ist zu beachten, dasz in allen diesen fällen nicht nur gewisse modificationen innerhalb einer sprache, sondern auch verschiedene sprachen (im sinne 7) angewendet werden können, vgl. hofsprache 2, theil 4, 2, 1700; wenn im mittelalter das latein als staat-, als altar- und als katheder-sprache das deutsche nicht ausjagte. J. Paul nachdämm. 98; betrachtet eine philosophische sprache; wäre sie von einem philosophen erdacht: so hübe sie alle inversionen auf: käme eine allgemeine sprache zu stande: so wäre bei ihren zeichen nothwendig jeder plaz .. bestimmt, als in unsrer dekadik. so lange wir aber noch keine durchaus philosophische sprache haben, die blos für die weltweisheit erfunden wäre: so nehmt die, die am meisten zur weltweisheit gebraucht wird, die lateinische. Herder 1, 191 Suphan; französisch war im 18. jahrhundert die sprache der feineren konversation und der höfe, und ist noch die sprache des internationalen postverkehrs und der diplomatie u. ähnl. 8@gg) anderes wird nur scherzhaft als sprache bezeichnet: vier sprachen sind breuchig in der welt: lügen, schweren, viel verheissen, wenig halten und hinderreden. s. Wander 4, 736, 17; wer nicht die drei sprachen kann: gau, stau und blibe lau, soll nicht ins Schwabeland gau! Eiselein 560. 99) sprache wird zuweilen in einem weitern und freiern sinne verstanden, von einem gedanken- oder gefühlsausdruck, der nicht durch das mittel der rede, des worts geschieht: sprache, im weitesten sinne des wortes, ist der ausdruck unserer gedanken durch willkürliche zeichen. Fichte 8, 302. so 9@aa) sprache durch zeichen, geberden u. ähnl. zeichensprache ... 'hierzu gehören: die augen-, geberden-, mienen-, finger- und die blumensprache; dann giebt es noch eine sprache der freymäurer, und eine farben-, grimassen- und fächersprache.' Krünitz 161, 440 f.: der eintretende diener, die flügelthüren des speisesalons öffnend, meldete durch diese stumme sprache, dasz das frühstück servirt sei. Fontane vor dem sturm 3, 139; die sprache der verliebten ... wenn sie will ein gespräche führen, so brauchet sie die zunge nicht, und kan sich doch so gut erklären, als wenn es laute worte wären. ... was die verliebten sagen wollen, das legen sie durch zeichen dar. Picander 2, 241. sprache der blicke, der augen u. ähnl.: hintergangen von meiner blikke unvorsichtger sprache. Schiller 5, 1, 159 (dom Karlos 3, 2); doch bleibt die sprache des kusses, mit der sprache des blicks, nur den verliebten geschenkt. Göthe 1, 308; mein mund sei mund, der deine sei dein ohr! leih mir dein ohr für meine stumme sprache! Grillparzer4 6, 59; thränen, seufzer, ein händedruck sind dann unsre ganze sprache. Wackenroder herzenserg. 53. — die hände des schauspielers, redners führten eine beredte sprache u. ähnl. 9@bb) oft wird die musik als sprache bezeichnet: dasz, so wie die modulation gleichsam eine allgemeine jedem menschen verständliche sprache der empfindungen ist, die tonkunst diese für sich allein in ihrem ganzen nachdrucke, nämlich als sprache der affecten ausübt. Kant 7, 193; wir hangen noch steif an der alten kernmusik, und glauben, musik sei sprache des herzens. Voss 1, 206. von den instrumenten: so wie die sprache der blaseinstrumente und der automate ein scheinbar ungeschmeidiger ton ... ist. Krünitz 159, 728; wenn seraph Eloa vor gott singt, und der tönenden harfe die himmlische sprache gebiethet. quelle bei Schönaich ästh. in e. nusz 179, 35 Köster. der tanz: dieser pantomimische tanz — der, ohne hülfe der wortsprache, ... in einer allgemein verständlichen, unmittelbar zur empfindung und einbildungskraft redenden sprache, die feinsten schattierungen ... der zartesten gemüthsregungen, den augen ... vorzeichnete. Wieland 27, 253 (Peregr. Prot. 3). 9@cc) anderes: ihr herz denkt ganz anders. ... lassen sie mich einmal versuchen, ob ich seine stumme sprache verstehe. Lessing 2, 365 (Damon 1); drum weisz sie auch in leid und lust, was ich und meine brust auch ohne wort vor sprache führen. Günther bei Steinbach 2, 639; traurend senk' ichs (das samenkorn) in die erde, leg es an des kindes herz, dasz es eine sprache werde meiner liebe, meinem schmerz. Schiller 11, 202 (klage der Ceres). sprache des herzens, s. 6, e. vgl. auch: doch eine sprache braucht das herz, es bringt der alte trieb die alten namen wieder, und an dem sternenhimmel gehn sie (die götter) jetzt. Schiller 12, 142 (Piccol. 3, 4). 1010) sprache, deren hervorbringer nicht der mensch ist. 10@aa) sprache der thiere. die verschiedenen töne, die sie hervorbringen, werden als sprache bezeichnet, vgl.: '(sprache) im weitesten verstande, das vermögen, den innern zustand seines geistes durch töne auszudrücken, und in dieser bedeutung haben auch die thiere eine sprache. die thiersprache. ach! und o! sind die sprache des leidenden menschen.' Adelung (1, 1, a); sintemahl die thiere zwar keine sprache der menschen, aber doch eine solche hätten, dasz sie einander verstünden. Lohenstein Armin. 1, 609b; (ich) lasse mir bis dato noch nicht weisz machen, ... dasz der menschliche witz es so weit bringen könte, dasz derselbe aller thiere und vögel stimme und schrey (oder gleichsam ihre sprache) verstehen ... könne. Döbel 3, 175b; man höret des winters offtmahls die wölffe heulen ... allein dis ist mir von ihrer sprache nicht wissend, ob sie sprechen: ach, wie frieret mich! oder ob sie sprechen, ihre cameraden sollen zu ihnen kommen. 176a; ihr (der nachtigall) gesang ist spracho, sprache der leidenschaft und der bedürfnisz. Herder 4, 115 Suphan; die sprache der liebe ist im neste der nachtigall süszer gesang und im winkel der katze zetergeschrey. ders. bei Adelung (1, 2, d); lallet die junge brut der vögel sprache. Stolberg 2, 279. andere tröpflein lieszen die thiersprache verstehen. Birlinger volksthüml. 1, 1; die gänse haben ihre eigene sprache. da war einmal ein mann von Binzwangen, der verstand diese sprache und hörte grade, wie er bei der dorflinde am bach vorüber ging, dasz die gänse ahgemacht hatten, einem gewissen bauern 'an den samen zu gehen'. 561; nur im schlaf verstehen die menschen die sprache der thiere. Brentano 5, 39. 10@bb) die phantasie leiht auch andern gegenständen sprache; sie findet einen besondern sinn, gedanken, weisheitslehren, gefühlswerte darin ausgedrückt: die natur ist herrlich; wer kann sie übersehen? wer versteht ihre sprache? sie ist stumm, sie ist leblos für den natürlichen menschen. Hamann 1, 86; wodurch sollen wir aber die ausgestorbene sprache der natur von den todten wieder auferwecken? 2, 293; die sprache der natur. Brockes 8, 409 (überschr.); lehrreiche sprache der geschöpfe. 7. 618; betrachtest du sie so; so wirst du gleichsam hören, wie jegliche (creatur) zu dir, in sanfter sprache, spricht: ich zeige dir den schöpfer. 619. denn billig musz ... ein jedes kunstwerk eine doppelte sprache reden, eine des leibes und eine der seele. Wackenroder herzenserg. 70. vgl. auch: Spree. sprache gab mir einst Ramler und stoff mein Cesar, da nahm ich meinen mund etwas voll, aber ich schweige seitdem. Schiller 11, 111 (xenien 106 = 138 Schmidt). 1111) in folgenden stellen scheint sprach, als masc. gebraucht, die sonst nicht bekannte bedeutung 'dollmetscher' zu haben: vonn dannen zogen wir unnd name[n] ein sprach vonn denn Payhanas, der unns denn weg wisz. Schmidel reise nach Süd-Amerika 89, 4 Langmantel; do pliebenn wir einen tag unnd namen vonn diesen wiederumb ein sprach, denn weg zu weisenn. 9, ferner 13.
105888 Zeichen · 2216 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    sprâchestf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +6 Parallelbelege

    sprâche stf. sprache. ahd. sprâcha Graff 6,382. sw. Anno 339. Bert. 496, 21. a. vermögen zu sprechen. hie mite was im ge…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Sprāche

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Sprāche , plur. die -n, von dem Zeitworte sprechen, ein in einer doppelten Hauptbedeutung übliches Wort. 1. Als ein …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Sprache

    Goethe-Wörterbuch

    Sprache [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Sprache

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Sprache , im weitesten Sinne jede Mittheilung geistiger Zustände durch äußere Zeichen. im eigentlichen die Mittheilung d…

  5. modern
    Dialekt
    Sprachef.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Sprache f. : 1. a. 'Redeweise, Fähigkeit eines Menschen, sich mit Worten auszudrücken', Sproch (šbrōx) [mancherorts ges.…

  6. Sprichwörter
    Sprache

    Wander (Sprichwörter)

    Sprache 1. Die deutsche Sprache heisst terribilis (furchtmachend), die französische suavis (zierlich), die griechische c…

  7. Spezial
    Sprachef

    Dt.-Russ. phil. Termini · +168 Parallelbelege

    Sprache , f язык , м [Sprachsystem, langue]

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit sprache

136 Bildungen · 93 Erstglied · 37 Zweitglied · 6 Ableitungen

sprache‑ als Erstglied (30 von 93)

spracheffekt

DWB

sprach·effekt

spracheffekt , m. : was Shakespeare durch sein individualisieren des dialoges .. hervorbringt, das erstrebte Schiller durch ideenfülle, sent…

spracheigenheit

DWB

sprach·eigenheit

spracheigenheit , f. , bei Campe als neubildung für idiotismus. eine deutsche spracheigenheit, germanismus u. s. w. häufig bei J. Grimm, z. …

spracheigenschaft

DWB

sprach·eigenschaft

spracheigenschaft , f. : sprach eygenschafft, dialectus. Dasypodius ; sprach-eigenschaft, sprach-art, f. proprietà d'una lingua. Kramer dict…

spracheinheit

DWB

sprach·einheit

spracheinheit , f. : noch ein wort über spracheinheit von K. W. Kolbe, Berlin 1815 ; so ist die grosze menge von sprachen entstanden, deren …

spracheinigung

DWB

sprach·einigung

spracheinigung , f. : wer die wunderbare geschichte unserer spracheinigung ... etwas genauer kennt, der steht da mit staunen vor der erschei…

spracheinseitigkeit

DWB

sprach·einseitigkeit

spracheinseitigkeit , f. : nicht mehr begriff ich die sprache seiner ( Jacobi's ) philosophie. ... sonderbar! dasz personen, die ihre denkkr…

spracheinsiedler

DWB

sprach·einsiedler

spracheinsiedler , m. : indesz wenn der verfasser diesz ( fremde sprachgut ) auch nicht so wie einige spracheinsiedler ausräumte, welche ...…

sprachelement

DWB

sprach·element

sprachelement , n. : die zweideutigkeit des phonetischen sprachelements. Avé-Lallemant 3, 84 .

spracheln

RhWB

sprach·eln

spracheln -x- Ottw-Illing schw.: viel sprechen; er sprochelt met sich selwer.

sprachempfindung

DWB

sprach·empfindung

sprachempfindung , f. , für das gewöhnliche, abgegriffnere sprachgefühl: die neue dichtung ... formt mit anmuthigem geschmack und sehr feine…

sprachenaff

DWB

sprachen·aff

sprachenaff , m. : demnach ihr teutschen sprachen-affen! ... seyd eurer edlen sprach nicht so griszgrämisch feind, verkehrt sie nicht, mit u…

sprachenbau

DWB

sprachen·bau

sprachenbau , m. , vgl. sprachbau : können wir nun zu den algemeinen künst- und śprachen-bau, keine grosse śteine beybringen, ... so tragen …

sprachenbilder

DWB

sprachen·bilder

sprachenbilder , m. : die sprachbildung ist in die schatten der schule gewichen, aus denen sie nichts mehr für die lebendige welt würket: dr…

sprachenerziehung

DWB

sprachen·erziehung

sprachenerziehung , f. erziehung durch das mittel der ( alten ) sprachen, in den ' lateinischen schulen ': wer sollte je auf den gedanken fa…

sprachenfolterer

DWB

sprachen·folterer

sprachenfolterer , m. linguarum excoriator, corruptor, et tortor. Stieler 2422 ( vgl. sprachfolterer und eine sprache radebrechen).

sprachenfreund

DWB

sprachen·freund

sprachenfreund , m. , vgl. sprachfreund: ihr wehrter sprachen frend, ihr wustet dasz zu geben was mich ergetzen kont'. es ist mein halbes l…

sprachengabe

DWB

sprachen·gabe

sprachengabe , f. begabung für ( fremde ) sprachen: leichte fassungskraft, vortreffliches gedächtnisz, sprachengabe besasz er ( Klinger ) in…

sprachengefühl

DWB

sprachen·gefuehl

sprachengefühl , n. , ungewöhnlich für sprachgefühl: wie kommts, dasz sie ( Abbt und Heinze ) in der ausübung, in ihrem styl selbst, so vers…

sprachengemisch

DWB

sprachen·gemisch

sprachengemisch , n. : welches sprachengemisch in diesem ( dem westfränkischen ) reiche! Giesebrecht kaiserz. 1 5 , 303 .

sprachenheld

DWB

sprachen·held

sprachenheld , m. : wir wissen, dasz es ... grosze griechische und lateinische sprachenhelden giebt, die von dem so berufenen nomen, pronome…

sprachenjoch

DWB

sprachen·joch

sprachenjoch , n. : dasz ... unsere ädle muttersprache, welche ... nachmals aber durch fremdes wortgepräng, wässerig und versaltzen worden, …

sprache als Zweitglied (30 von 37)

Körpersprache

RDWB1

Körpersprache f (Lakune) язык тела, манера держаться er machte es mit einer ~ als ob er ... - он проделал это с таким видом, как если бы он …

Rücksprache

RDWB1

Rücksprache f ~ mit j-m halten fest. - обсудить, обговорить с кем-л. что-л. (прежде чем действовать или принимать решение)

Zwiesprache

RDWB1

Zwiesprache f (Lakune) разговор с глазу на глаз, разговор наедине, разговор без свидетелей, разговор не для посторонних ушей идиом.

absprache

DWB

absprache , f. conventio, nnl. afspraak, mündliche übereinkunft, abrede. nach der absprache, abgesprochenermaszen.

aftersprache

DWB

after·sprache

aftersprache , f. was afterrede, dann aber auch conventus extraordinarius, wie afterding, und bei neueren falsche unechte sprache.

Angesprache

DRW

ange·sprache

Angesprache Klage, Einspruch angespreche umbe heimsuchunge gehaben nach 1358 Rb.n.Dist. II 3 Dist. 4 Faksimile (Abschnittsbeginn) 1379 Wasun…

ansprache

DWB

ansprache , f. actio, condictio, allocutio, nnl. aanspraak, in verschiednen bedeutungen des ansprechens: er bricht ein hader ab einem zun, d…

Aufsprache

DRW

auf·sprache

Aufsprache nd. upsprake, rh. upspraiche, nl. opsprake, fries. opspreeck I Anspruch, Einspruch vgl. Ansprache (I) zonder eeneghe upsprake of …

aussprache

DWB

aus·sprache

aussprache , f. pronuntiatio, nnl. uitspraak: aussprache der buchstaben, silben, wörter; er hat die rechte, richtige, wahre aussprache; eine…

bauersprache

DWB

bauer·sprache

bauersprache , f. colloquium, conventus civium, wiederum die verhandlung der einwohner, nicht der bauern. Haltaus 109. 110 . Möser 1, 20. 21…

büchersprache

DWB

buecher·sprache

büchersprache , f. sermo quo uti solent in libris scribendis, schriftsprache, im gegensatz zur mündlich lebenden volkssprache; ahd. puochisc…

Fǘrsprache

Adelung

far·sprache

Die Fǘrsprache , plur. die -n. 1) Die Handlung, da man für einen andern, in seinem Nahmen spricht, in welchem Verstande es besonders im Ober…

grundsprache

DWB

grund·sprache

grundsprache , f. , im 17. jh. geläufig werdend, mit dem 19. jh. gegenüber ursprache zurücktretend; die sprache, die die grundlage bildet ( …

hauptsprache

DWB

haupt·sprache

hauptsprache , f. 1 1) lingua mater multarum filiarum. Frisch 1, 426 c ; im 16. und 17. jahrh. zunächst von den beiden classischen sprachen …

haussprache

DWB

haus·sprache

haussprache , f. 1 1) auch die kleinen sprechen nunmehr geläufig deutsch, obgleich das italiänische meist noch die haussprache unter uns ble…

heldensprache

DWB

helden·sprache

heldensprache , f. so wurde im 17. jahrh. die deutsche sprache lobend genannt: die teutsche heldensprache, lingua Teutonum victrix Stieler 2…

jägersprache

DWB

jaeger·sprache

jägersprache , f. die besondere technische sprache der jäger; voces singulares quibus venatores utuntur. Frisch 1, 482 c .

kunstsprache

DWB

kunst·sprache

kunstsprache , f. 1 1) sermo artificiosus, oratio elegans et venusta Stieler 2102 , kunstgerechte, kunstvolle sprache. 2 2) die eigenthümlic…

landessprache

DWB

landes·sprache

landessprache , f. : so musz .. die literatur eines landes, die ursprünglich und national ist, sich so nach der originalen landessprache ein…

Mißsprache

DRW

Mißsprache, f. I Beleidigung vgl. Mißhandlung (II), Mißsprechung (I) mesprake contumelia 14. Jh. Diefenb.-Wülcker 762 Faksimile 15. Jh. Dief…

morgensprache

DWB

morgen·sprache

morgensprache , f. besprechung, beratung zur morgenzeit; mhd. morgensprâche von mitgliedern eines rates, von schöffen. mhd. wb. 2, 2, 536 b …

muttersprache

DWB

mutter·sprache

muttersprache , f. 1 1) von der mutter her überkommene sprache, heimatliche sprache; in mittellateinischen quellen des 14. jh. als lingua ma…

nachsprache

DWB

nach·sprache

nachsprache , f. nachrede, nd. naspraak Kramer 2, 151 b : nachsprach und hinterrede haben schon groszen schaden gemacht. Wander sprichw. 3, …

Ostermorgensprache

DRW

ostermorgen·sprache

Ostermorgensprache, f. Morgensprache (I 1) am Osterfest sollen die speise-herren, cämmerer undt andere ambtspersonen jährlich in der oster m…

Rǘcksprāche

Adelung

rack·sprache

Die Rǘcksprāche , plur. die -n, von Sprache, Unterredung, die Unterredung mit einem Obern, oder mit solchen, welche in einer Sache etwas zu …

Rechtsansprache

DRW

rechts·ansprache

Rechtsansprache, f. wie Rechtsanspruch (II) [Verkauf mit dem Versprechen,] alle rechtanspraiche van den vursc. gueden komende aff zu doin 14…

Ableitungen von sprache (6 von 6)

besprâche

BMZ

besprâche swv. bespreche. Gr. d. wb. 1,1639. ahd. bisprâchôm nhd. verkleinere, verleumde Graff 6,390.

ersprâche

BMZ

ersprâche swv. sich mit einem ersprâchen besprechen Gr. d. wb. 3,988. wie er es dar zu brêchte und sich mit im ersprêchte Keller 171,8.

Ge-Sprache

FiloSlov

Ge-Sprache , f язык , м же

unsprache

DWB

unsprache , f. sermo austerus, inconditus, absurdus Stieler 2102 : himmel, welche u.! Jean Paul 49/51 , 383 H. ungewöhnlich. —

ursprache

DWB

ursprache , f. , sprache 7 ( vgl. bes. 7 k) mit ur- C 4 c. die ahd. bildungen ursprachi conclamatus und urspracha eloquentia ( Graff 6, 383 …

versprâche

BMZ

versprâche swv. güetlîchen vein ward ich von im versprâchet angeredet, begrüsst Wolk. 12,3,12.