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krumme

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

krumme f.

Bd. 11, Sp. 2453
krümme, krumme, f. krümmung (vgl. 2, g). 11) die form. 1@aa) ahd. chrumpî, chrumbî tortitudo, anfractus, ambages, meandrus Graff 4, 610; mhd. krümbe und krumbe wb. 1, 889b; md. früh krumme Jeroschin, wie nd. krumme brem. wb., Rein. vos, vgl. unter krumm I, 2, e. dagegen noch bair. krümpen f. Schm. 2, 386, kärntn. krümpe (und merkw. krempe) Lexer 168, s. unter krumm I, 2, d. eine selbständige nebenform s. unter c. 1@bb) auch nhd. anfangs noch die krümb oder krumb: und gab die flucht ... ohn alle krümb, nach Cosino sach sich niemand umb. Fuchs mückenkrieg 3, 159; da sie denn durch ein weite krümb (umweg) unterm Schweizerland zogn herumb. postreuter 1591 D iijb; dann es ist eine grosze krumb, wenn man soll norden segeln umb. B iiijb, s. auch aus d. froschm. u. 2, c; diesz schwanken im umlaute (vgl.fünf mit funfzig) überliefert aus dem mhd., freilich kann ein umb auch ümb meinen. ebenso krumme, krumm' neben krümme: wolt ir die krum all machen slecht, die überal im land gen hin und her. fastn. sp. 77, 36, aus krumme als noch starkem plur., wie mhd. krümbe plur. Freid. 152, 2, noch bei Luther, Fischart, Micrälius krümme pl., s. 2, f. b und d; kurze und weite schiff, die führt man von wegen der engen und krummen. Fronsp. kriegsb. 3, 147a. 1@cc) eine selbständige nebenform krümbde, oberrh. 17. jh., setzt ein mhd. krümbede, ahd. chrumpida voraus: ein mit vielen krümbden (windungen) ausgehöltes langes rohr. Philander 2, 772. im 15. jh. krumde tortura Dief. 590a, md., rhein.; noch jetzt im rhein. gebiete, z. b. luxemb. krömmt f. krümme, biegung, kehr Gangler 257, wie nl. kromte. auch aus Livland gibt Hupel 129 krümde. 22) die eigentliche bedeutung. 2@aa) krümme der glieder (s.krumm II, 1): saufen sie sich .. doll und voll und überkommen dardurch .. das vergicht, gries, podagra, krümme und läme an händen und füszen. Albertinus narr. 237, zu krumm und lahm sp. 2444; von krümme des mundes. Dryander arzenei 77a; seht nur, mein knie verliert die alte krümme, schon fang ich im gelenke bewegung an zu spüren. Göthe 11, 139 (scherz, list u. r. 2). Auch von vorübergehender, willkürlicher krümmung; man siehet an den falten (bei Raphael), ob ein bein oder arm ... von krümme zur ausstreckung gegangen oder gehet, oder ob es ausgestreckt gewesen und sich krümmet. Mengs bei Lessing 6, 477 (Laokoon 179, Sturz 1, 51). Von ungestalt, ein verwachsener hiesz kurz krumm (s. d. II, 1, a), Adam sagt zum kamel: du solt mir heiszen kämmelthier, von diner ungstalt krümme wägen. Ruff Ad. u. Heva 775, dazu stimmt ostfries. krummhingst kamel, s. Stürenb. 126a. 2@bb) krümme eines stabes u. ä.: sehet da, dises näslein hat neun krümme (s. unter 1, b am ende) wie ein hirtenstecken. Fischart Garg. 248a (467 Sch.), in dem cap. von der mönch groszen nasen, man denke an die knotenstöcke von wanderburschen mit ihren windungen; wenn die bleischnur oder winkeleisen falsch oder krum solt sein .. da würde eine krümme die ander machen. Luther 7, 417b (26, 35); eine hakenkrümme, a crookedness like that of a hook Ludwig; krümme der klauen Aler. krümme der schrift, inaequalitas linearum Stieler 1044. von straszen: während die untere oder altstadt (in Cassel) mehr dem schmutze und der krümme anheimgefallen ist. Immermann Münchh. 1, 15. 2@cc) krümme des weges, pfades: er folgt dem pfade, der in krümmen gehet. Göthe 13, 178 (geheimn.). ein altes sprichwort sagt: an guoten wegen ümbe enschadet kein krümbe. Freid. 131, 9, hier schon sittlich gemeint, s. 3, c, es ist aber auch im eig. sinne noch allgemein, z. b. als rat beim wandern: guter weg um ist keine krümm. Cervantes D. Quixote Lpz. 1767 4, 228, mit zerstörung des reimes, den man doch z. b. in Sachsen noch hört: eine gute krümm geht nicht üm; henneb. e gut krömm get niss öm Fromm. 2, 407. als abweg, irrweg: derjenige, welcher der kühnheit gefolgt war, sasz schon an der schwelle des tempels, als der andre noch in einer zurückführenden krümme war und dort im sande watete. Klopstock 12, 136; wo wolt ihr hin? ihr reitet in die krümme! Gökingk 1, 110 (129), beidemal allegorisch. Diesz in die krümme, worin doch krümme schon mehr von der linie an sich steht, ist wie in 'in die runde' neben 'im kreise': er trat aber im platz herumb im haus die leng und in die krümb ... froschmeus. H iiija; (das pferd) hielt sich gar ungestüm, warf sich die quehr und in die krüm. Pp 1a, vergl. mhd. krumbe als kunstausdruck beim reiten Trist. 172, 40 (6838), vgl.de krumme nemen Rein. vos 1151, krumm herum kommen wie man nd. sagt; etwas in die krümme ziehen oder bilden, to form it arch-wise Ludwig. 2@dd) krümme eines flusses, thales u. ä.: cornua, krimme (pl.) an dem wasser. Dief. 152a; zwen mechtige flüsz in Moscovia, flieszen seltzam ein grosze krümme. Frank weltb. 33a, zugleich schon als linie an sich; die Rhone kam mit ihren mannichfaltigen krümmen .. vorbeigeflossen. Göthe 16, 261; der jüngling, der dort an der krümme des baches ernst das auge gen himmel erhebt, ist Jethro. Klopstock Messias 17, 577; durch manche krümme schlich ich gemach der leisen stimme des baches nach. J. M. Miller ged. 105; folg immer dem kühleren thale tief in der berge beschattete schosz, bis laubichte krümmen dich zu der wilden natur einsamen theater geleitet. Zachariä 2, 53 (tagesz.); er kehrte verspätet zwischen den gräbern am Ölberg' um. verirrendes dunkel war sein führer. er gieng in den tiefen krümmen und suchte. Klopstock Messias 15, 205. krümme des gestads, sinus Dasyp. 368d, des meers, sinus maris Aler 1246b: welches (meer) mit groszen krümmen breite inseln begreift. Micyll. Tac. 438a; weil er die meeresbusen und deren krümme (pl.) nicht erfahren. Micrälius 1, 30; des ufers krümme säuselt von weide, birk' und rohr. Voss 1825 4, 16. 2@ee) auch von reiner rundung, vgl. krumm II, 2, c, α. β. d, α: absis, die velgen an eim rad, oder krümme. Dasypodius 1d; krümme eines rads, curvatura rotae. Aler 1246b; krümme des schwibbogens, apsis. das., eines gewölbes Ludwig. mhd. krümbe gleich umkreis s. unter krumm II, 2, d, α; ähnlich in der wendung, womit im osterspiele der precursor platz macht für die spieler: wol umb, ir herren, und wol umbe (d. h. bildet einen kreis), die weite und auch die krumme, die breite und auch die firre (ferne), dasz uns niemant irre. Wackern. leseb. 12, 1013, fundgr. 2, 297, fast mit gleichen worten im Alsfelder passionsspiel Haupt 3, 483. 2@ff) auch unebenheit, erhöhung und vertiefung des bodens nannte man krümme, denn nur vom ebnen eines solchen weges kann folg. entnommen sein: denn des sacraments glaube macht alle krümb schlecht und füllet alle gründe. Luther 1, 66a, die krümbe als buckel, hügel den gründen entgegengesetzt. dazu stimmt krumber berg bei Maaler, s. krumm II, 2, e. auch die krümme des kamels unter a zuletzt enthält das mit. ähnlich meinte wol noch Voss folg., vom Parnass: und erreichten des bergs scharfluftige krümmen. Odyss. 19, 432, πτύχας ἠνεμοέσσας. 2@gg) für die entwickelung des gebrauches ist übrigens zu bemerken, dasz krümme im allgemeinen schon länger im zurücktreten ist; die dichter, wie man sieht, halten es mit recht geflissentlich fest. jetzt aber herscht krümmung vor, das in vielen der stellen unter 2 der gewöhnliche gebrauch allein zulassen würde, sicher überall wo an sich krümmen zu denken ist. s. auch krummheit. 33) bildlich, uneigentlich; man sehe krumm II, 3. 3@aa) geistig, von verwickeltem gedankengange: er irrt in einem labyrinth voll metaphysischer sophismen, hypothesen, die noch verworrner als Mäanders krümmen sind. Gotter 1, 381, freilich nicht unmittelbar, s. aber krumm sp. 2451 als dunkel, rätselhaft, gedreht. ähnlich von dunkler rede, 'umschweifen', mhd., von einer beichtenden erzählt Hugo von Trimberg: diu vrouwe suochte manic krümme, wie sie die missetât umbzüge daʒ sie den priester doch niht trüge. Renner 4682, zugleich unredliche 'winkelzüge', zu d. 3@bb) auch von umschweifen in der rede überhaupt: done redete nicht lange Tereus die krumbe. Albr. v. Halberstadt, Germ. 10, 238, er gieng ohne grosze vorrede rasch zur hauptsache über (der acc. die krumbe wie bei gên, rîten u. ä.); dazu stimmt viel krumbs machen, wort krump gevlochten sp. 2451. 3@cc) vom menschlichen thun und treiben, krümmen als 'umwege' die man einschlägt, um schwierigkeiten 'aus dem wege zu gehen' u. ähnl.: der weg der ordnung, gieng' er auch durch krümmen, er ist kein umweg. grad' aus geht des blitzes, geht des kanonballs fürchterlicher pfad ... mein sohn! die strasze, die der mensch befährt, worauf der segen wandelt, diese folgt der flüsse lauf, der thäler freien krümmen ... Schiller 336a. 3@dd) besonders von unredlichkeit, die die geraden wege meidet, ungerechtigkeit, 'winkelzügen', schlimmer oder milder gemeint: wolt ir (der könig) die krum all machen slecht, die überal im land gen hin und her, es mocht euren gnaden sein zu schwer. fastn. sp. 77, 36, es ist deutlich an krumme wege gedacht, s. krumm sp. 2448; dasz eine jede frau eine geborne staatskünstlerin sei .. 'ja wenn man ihre winkelzüge nicht endlich durchgeforscht hätte!' .... es giebt aber doch eine menge krümmen, die sich nicht berechnen lassen. Sturz 1, 253, von diplomatie u. ähnl., die krümmen sind aber zugleich geometrisch gedacht, krumme linien, curven (curva, scil. linea); Heyne .. ist die schönste seele und der auch die entfernteste kleinste krümme wittert, ein todfeind der ränke. Herder in den erinn. aus s. leben 1, 217; wandel ohne krümme. Hippel lebensl. 4, 420. Wieland Ob. 2, 40; mit natürlicher aufrichtigkeit, welche jede krümme und jeden schein von falschheit verachtet. Schiller 1194a. 3@ee) sittlich im engeren sinne: o narr .. weistu nit die krüme deiner begirt und des wilens geneigt zu aller bosheit? Keisersberg narrensch. 52a, pravitas, was sich unter krümmen 4, c, β erklärt, vgl. krumm so sp. 2451 (γ). krümme des herzens: hier, spricht man, warten schrecken auf den bösen ... des herzens krümmen werdest du entblöszen. Schiller 20b (resign.), zugleich als falten gedacht, in denen sich das unreine, lichtscheue birgt (krümbe pl. von kleiderfalten mhd. Engelh. 3068); die krümmen, auf denen sich ... unser ungezognes herz betreten läszt. Thümmel 3, 309, da ist an krumme wege, abwege gedacht (vorher die post- und heerstrasze des menschlichen herzens daselbst). 3@ff) endlich in einer redensart: es kommt die krümme in die beuge (gedr. berge), unum et idem est, in nullo discrimine ponitur. Stieler 1044; heuer steigern sie den ingber, über ein jar den saffran, oder widerumb (umgekehrt), das ie allzeit die krümme in die beuge kome und keine verlust, schaden noch fahr leiden dürfen. Luther 2, 489b, von kaufshandlung, 'dasz es ja nicht besser werde'; dasz ich tausendmal mehr wider dich gesündigt hab, als mein nachbar gegen mich. drumb gebührt mir, die krümme in die beuge zu schlagen: o herr, vergib, ich wil auch vergeben! Schuppius 683, eins ins andre zu rechnen, ein böses mit dem andern aufzuheben. noch z. b. in Hettstedt bei Eisleben: die krümme geht in die beuge, aus einer arbeit gehts in die andere. es ist das witzige spiel mit verschiednen worten gleicher bedeutung, wie z. b. diu kraft vaht gegen der sterke sp. 1933, s. dort.
11265 Zeichen · 290 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    krummest. F.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    krumme , st. F. Vw.: s. krume

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    krummeAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +5 Parallelbelege

    krumme , Adj. Vw.: s. krum (1)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    krummef.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    krümme , krumme , f. krümmung ( vgl. 2, g ). 1 1) die form. 1@a a) ahd. chrumpî, chrumbî tortitudo, anfractus, ambages, …

  4. modern
    Dialekt
    (Krumme

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    ( Krumme im Demin. )

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit krumme

26 Bildungen · 22 Erstglied · 4 Zweitglied · 0 Ableitungen

krumme‑ als Erstglied (22 von 22)

krumme

KöblerMhd

krumme... , . Vw.: s. krumbe...

krummeisen

DWB

krumm·eisen

krummeisen , n. beim böttcher, ein krummes schnitzmesser, die faszdauben auf der schneidebank auszuzieken oder auszuschneiden. Krünitz 54, 1…

Krummeisenschiene

Campe

krummeisen·schiene

Die Krummeisenschiene , Mz. die — n , im Bergbaue, die oberste eiserne Platte des Krummeisens oder Krummses, womit die Zugstange mit dem Kol…

krummelig

SHW

krummelig Band 3, Spalte 1875-1876

Krummelke

WWB

krum·melke

Krummelke [ Mes Bri] 1. krummes Holzstück, an dem das geschlachtete Schwein aufgehängt wird. — 2. Stock mit Eisenringen zum Scheuchen der We…

Krummelkrœt

MeckWB

krummel·kroet

Krummelkrœt Heelechrist, du Krummelkrœt beten Kinder am Heiligabend Wa Noss ; Retz.

krummeln

DWB

krumm·eln

krummeln , 1 1) krabbeln, fingern o. ä.: mein herr amtsbruder krummelt gern mit den fingern im maule. Chr. Weise zweif. poetenzunft 10 . auf…

krummeln I

RhWB

krummeln I = in den Bart brummen s. grummeln.

krummeln II

RhWB

krummeln II -o·m.- schw.: 1. wimmeln; wat krommelt et em Bäromsehauf (Ameisenhaufen) ! Ahrw-Königsf . S. krimmeln. — 2. hintergehen, betrüge…

Krummenau

PfWB

krumme·nau

Krummen-au f. : FlN, amtl. In der Krummenau [ LU-Friesh ]; vgl. krumm 1 c, Krummacker .

krummeng

GWB

krum·meng

krummeng kurvig u schmal K-e Gäßchen 15 1 ,249 Faust II 10138 Elke Dreisbach E.D.

Krummenstösser

RhWB

krummen·stoesser

Krummen-stösser -u·m.ənšdē:sər Bernk-Zelting m.: Goldlaufkäfer (der die Gummen ‘Knospen der Reben’ abfrisst), auch Gummenst. S. bei Gimme.

Krummert

RhWB

krum·mert

Krummert -u·m.ət, Pl. -dən Wittl-Olkenb m.: Hase, in der Händlerspr.

Krummets

WWB

Krum-mets n. Messer mit 2 Griffen zum Ausbuchten der Innenseite der Dauben ( Bor Rd ); Krummschneidemesser (des Böttchers) ( Hal Bh).

krumme als Zweitglied (4 von 4)

de krumme

MNWB

dek·rumme

de krumme, m. , der Krumme, Bucklige; * ōlde krumme eine Münze (Klingged. 39 und 77), vgl. krumstērt.

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APA
Cotta, M. (2026). „krumme". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/krumme/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „krumme". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/krumme/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
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Cotta, Marcel. „krumme". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/krumme/dwb.
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