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vorlieb

nhd. bis Dial. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorlieb adv.

Bd. 26, Sp. 1290
vorlieb, adv. , s. fürlieb th. 4, 1, 1, sp. 768; vorlieb nehmen, aequi bonique facere rem aliquam Reyher thes. (1686) o 3a; vor ist erst allmählich an die stelle des korrekteren fürlieb getreten, Adelung und Campe verweisen auf fürlieb, von dem sie behaupten, dasz es nur im gemeinen leben üblich sei, vorlieb erklärt Adelung für unrichtig; vorlieb zu nehmen Urfaust 928, später (3076) fürlieb z. n.; die redensart 'ich bitte vorlieb zu nehmen' möchte zu brauchen seyn allg. dt. bibl. 29, 506. in der sprache der gegenwart ist zwar vorlieb vorherrschend, fürlieb aber noch immer daneben gebräuchlich.der ton liegt auf der zweiten silbe, daher wird vor- in älterer sprache und mundartlich zu ver- geschwächt: ihr misst halt verlieb nahma Rother d. schles. sprichw. 93b; verliebnehmen müssen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 4, 416; durch das licht gemacht und blieb, nimmt mit der krippen hier verlieb A. Gryphius (1698) 2, 245; nd. ferlêf ten Doornkaat-Koolman 1, 542a; weiteres s. unter verlieb th. 12, sp. 786. 11) v. wird im entwickelten nhd. ausschlieszlich mit nehmen verbunden, in der bedeutung: sich genügen lassen an, zufrieden sein mit, s. aber unten 5 a. in älterer sprache auch übergehend in den sinn: sich bei etwas beruhigen (s. z. b. unter 4). — häufig wurden früher vor und lieb in der schrift getrennt: damit vor lieb und vergut nehmen Frey gartenges. 152 B.; man mus vor lieb nemen, bisz es besser wird Eyering prov. copia (1601) 3, 199; mit ihrer armen herberg vor lieb zu nehmen Abr. a s. Clara etwas für alle (1699) 1, 398; mit der unfruchtbarkeit meines stils vor lieb nehmen Lichtenberg br. (1901) 1, 59; nimb vor lieb mit deinem gott P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 317. vorausstehendes adv. wird gelegentlich mit dem verb. zusammengeschrieben: vorliebnehmen mit dem schein Göthe 47, 310 W.; besonders fand er alles vorliebnehmen zerstörend Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 1, 12; wobei dann der cardinal mit solchen profanen abfällen vorliebnahm Justi Winckelmann (1866) 2, 1, 305; bitte, so vorliebzunehmen Fontane I 1, 415; wenn sie mit meiner tochter vorliebnehmen wollen W. Weigand d. ewige scholle (1927) 337. 22) alleinstehend ohne grammatische bezeichnung des gegenstandes: so müssen sie auch v. nemen, das sie mit den unterthanen in armuth gerathen Musculus hosenteuffel 26 ndr.; ich wil gerne v. nehmen Schupp (1663) 113; das [] publikum nimt v. — das ist gut und auch nicht gut Lessing 10, 123 M.; der eine nimt v., wenn du es ihm grade in das gesicht sagst Knigge umgang mit menschen (1796) 3, 102; v. nimmst du wie herkömmlich Göthe IV 41, 65 W.; wenn ihr mit uns gehen wollt, so müsst ihr eben v. nehmen G. Keller (1889) 6, 379; nehmt dieses mahl vorlieb, ich schriebe gerne mehr Rachel sat. ged. 138 ndr.; ohne gold nehm ich vorlieb; wer viel hat, hat viele grillen Gökingk ged. (1780) 3, 62; (ein glück) ansprechend anspruchslos, lieb, weil vorlieb ich nehme Rückert (1867) 8, 20. oft wird ein so zugesetzt: nehmen sie so v. Lessing 18, 90 M.; (die wirtin) freute sich, dasz die herren so v. genommen Hebel 2, 85 Behaghel; darum müssen sie so v. nehmen Hoffmann v. Fallersleben (1890) 7, 69; nehmt so vorlieb, das essen ist bereit Tieck (1828) 1, 214. ältere sprache: haben sie gesagt, sie sol also v. nehmen engl. com. u. trag. (1624) b 2a; nehmen sie als v. Viebig d. schlafende heer (1904) 1, 37. 33) näher bestimmt durch verbindungen mit präpositionen: 3@aa) bei ihm so lange v. zu nehmen (zu wohnen und unterhalten zu werden), als es ihm gefiele Immermann 1, 89 B.; form der einladung: möchten sie, bester freund, ... diesen mittag mit einigen freunden bey uns v. nehmen Göthe IV 34, 26 W. — sie solten in der wenigen bequemligkeit v. nehmen Chr. Weise erzn. 17 ndr. — wolten auff dem hew v. nemmen Guarinonius grewel d. verw. (1610) 1278. 3@bb) am häufigsten wird das object des v. nehmens durch mit angeknüpft; einige verbindungen kehren öfters wieder; kost, bewirtung: die nachbarn nehmen mit käsz und brot verlieb Lehman floril. polit. (1662) 2, 545; der satan als nimbersat nimbt nit allein verlieb mit saufleisch, verstehe die sinder, sonder er greift auch an die lambl Abr. a s. Clara neue pred. 211 lit. ver.; die Niedersachsen können mit schlechter, grober kost v. nehmen v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 40; mit mäsziger bewirthung v. nehmen Göthe 24, 365 W.; wenn der ochse den kornwagen in die scheune gezogen hat, so mus er mit heu v. nehmen Schiller räuber 2, 1; (einladung:) sie nehmen v. bei mir mit einer suppe E. Th. A. Hoffmann 1, 231 Gr.; so nähm ich hertzlich gern mit trocknen brod vorlieb Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 433; nehmen sie gütig vorlieb mit der ländlichen kleinen bewirtung Voss ged. (1802) 2, 221; kommt, nehmt vorlieb mit dem, was unser spindelchen an speis und trank für euren gaumen hat Arent moderne dichtercharaktere (1885) 292. gehalt, bezahlung: wenn er absonderlich mit geringer besoldung v. nimmt Chr. Weise polit. redner (1677) 311; er nimmt des tages mit einem zechin v. Göthe IV 8, 378 W. — mit wenigem, mit dem guten willen v. nehmen, unbestimmte oder abstracte ausdrücke: man mus mit wengem v. nehmen Eyering prov. copia (1601) 3, 199; leicht einzusehen, dasz man, um etwas von allem zu haben, mit wenigem von jeder art v. nehmen müszte A. W. Schlegel 11, 6 B. — nehmen sie mit dem guten willen v. Heinse 10, 192 Sch.; lebe wohl und nimm mit dem besseren willen v. Göthe IV 29, 87 W.; die dummen und die verliebten nehmen schon mit dem guten willen v. Moltke (1892) 4, 238; (Jesus) nimm vorlieb mit treuem willen, gieb mir kraft, so hab ich lohn Zinzendorf teutsche ged. (1766) 250; (bitte,) diszmal mit diesem meinem wolgemeintem fleisz und mühseliger arbeit v. zu nehmen Binhardus thür. chron. (1613) vorrede d 3b; lieber leser, nimm so mit der willigen liebe for lieb Zesen rosenmând (1651) a 11a; wer desz guten genossen hat, der musz mit bösem auch [] v. nehmen Lehman floril. polit. (1662) 1, 381. — das object kann auch eine person sein: ein mädchen könnte immer noch mit ihnen v. nehmen Rabener (1777) 6, 141; einstweilen kann die mühle, denke ich, mit mir v. nehmen Dörfler d. lampe d. törichten jungfrau (1930) 381; verdien ich nun dein herz, so schwör und bleib mein eigen und nimm mit mir vorlieb Günther 1, 157 Krämer. besonders in dem sinne, dasz keine weitere gesellschaft beansprucht werden soll, z. b. bei einladungen: zugleich wünsche ich, du möchtest diesen mittag mit mir v. nehmen Göthe IV 9, 289 W.; so müssen sie denn mit mir allein v. nehmen Spielhagen (1877) 1, 74. 44) veraltet ist v. nehmen mit dem acc., auch in dem sinne sich beruhigen bei etwas, es hinnehmen, sich gefallen lassen, nicht widerstreben: de de hund targt (neckt), mutt de bät vörleef nehmen Kern-Willms Ostfriesl. (1869) 66; ein solches wiederschallen und echo muste der gute herr ... v. nehmen und nur verbeiszen Brandt bericht vom leben Taubmanns (1675) 49; (Debora) muste auf dem felde unter einer eiche ihre ruhestatt vor lieb nehmen Lindenborn Diogenes (1742) 1, 229; wolltest du wohl ... eine tracht schläge v. nehmen? Möser (1842) 9, 117; (ein armer theolog,) der gewisz den verdienst gern v. nimmt A. v. Droste-Hülshoff br. an Schücking (1893) 180; nehmt dieses (band) so vorlieb und tragt es unbeschwehrt S. Dach 717 Ö.; die klüger ist, nimmt gern vorlieb, was gott ihr gab bei Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 277; manchen streich vorlieb musz unser ritter nehmen A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 158 Cotta. 55) einzelnes: 5@aa) nehmen durch ein compositum variiert: ewer majestät wolle ... dieses mein geringe tractament v. auff- und annehmen schausp. engl. comöd. 50 Cr.; welches sie ja v. annehmen Hoppe gesch. d. ersten schwed.-poln. krieges (1887) 52. 5@bb) v. mit vorgut verbunden: gleich frew sich mit seins gleichen wol und nem ein teil in trewen muht mit dem andern vorlieb und gut H. Sachs 13, 82 K.-G. lieb als subst. liebe gefaszt wird durch willen verstärkt: (wollet) zur zeit mit dieser meiner wenigen arbeit vorlieb und willen nehmen Königsb. dichterkr. 146 ndr.; da das publicum so gut gewesen ist, auch mit dem zweyten büchel meiner 'sämmtlichen werke' vor lieb und willen zu nehmen M. Claudius Asmus 4, iii; Stieler 1359 verzeichnet vorwillennemung. 5@cc) eigenthümlich mit v. statt v.: wan es euch heut beliebt, zu nehmen mit vorlieb, was meine wohnung gibt D. v. d. Werder hist. vom ras. Roland (1636) 1, 60. 66) vorlieb haben in anderem sinne; vor ist hier zeitlich zu nehmen, vorher, eher (vgl. vorliebe 10 und vorlieben am ende): got ist würdig lieb zuo haben, wann er hat uns vorlieb gehabt A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) g 4b. 77) ableitungen zu v. nehmen: vorliebnehmer, m., in ungünstigem sinne: die v. und greifzu schämen sich nicht, nur durch ihre weiber zu stehen Fr. L. Jahn 1, 354 E.
8871 Zeichen · 221 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vorlḯeb

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Vorlḯeb , adverb. S. Adelung Fürlieb .

  2. modern
    Dialekt
    vorlieb

    Schweizerisches Idiotikon · +1 Parallelbeleg

    vorlieb Band 3, Spalte 984 vorlieb 3,984 u.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vorlieb

8 Bildungen · 7 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von vorlieb 2 Komponenten

vor+lieb

vorlieb setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vorlieb‑ als Erstglied (7 von 7)

vorliebäugeln

DWB

vorlieb·aeugeln

vorliebäugeln , verb. , gelegenheitsbildung: der dem lieben gott was vorliebäugelt und im herzen gallenbitter auf ihn ist Hippel lebensläufe…

vorliebeln

DWB

vorlieb·eln

vorliebeln , verb. , gelegenheitsbildung: hat er sich unterfangen, dir was vorzuliebeln Kotzebue dram. w. (1828) 28, 223 .

vorlieben

DWB

vor·lieben

vorlieben , verb. , eine vorliebe zu etwas haben, ' nicht sehr gewöhnlich ' Campe mit einem beleg aus Kl. Schmidt : weil der vater diese art…

vorliebhaberei

DWB

vor·liebhaberei

vorliebhaberei , f. , gelegenheitsbildung nach vorliebe: ihre vorliebhabereien und bedürfnisse Jean Paul 55/58, 105 H.

vorliebig

DWB

vor·liebig

vorliebig , adj. , aus neigung vorziehend oder vorgezogen Kinderling reinigk. d. dt. sprache (1795) 435 ; blinde und vorliebige verehrung Gi…

vorliebnehmen

Pfeifer_etym

vorlieb·nehmen

vor-, fürliebnehmen Vb. ‘etw. für gut halten, sich damit begnügen, zufrieden geben’, Zusammenrückung der Präposition vor (16. Jh.), für (17.…

vorliebnehmung

DWB

vorlieb·nehmung

vorliebnehmung , f. , animus aequus, moderatio, temperatio animi Stieler 1359 : überdisz ergibt sich auch nach und nach eine gedultige under…

Ableitungen von vorlieb (1 von 1)

vorliebe

DWB

vorliebe , f. , eine bildung der neueren sprache: die vorliebe, la prédilection Schwan nouv. dict. (1783) 2, 991 b . es ist wohl dem französ…