wechsler,
m. nomen agentis zu wechseln,
bis ins 18.
jahrh. (Ludwig,
wie vorher Krämer
und Stieler)
auch noch in der vollen form wechseler
vorkommend, doch schon frühnhd. ganz überwiegend wechsler. 11)
herkömmlich ist die beziehung des wortes auf das geldwechseln. es fehlt noch im 9.
jahrh. (
im Tatian wird für '
nummularius' munizzeri
und fenningwantalari,
bei Otfrid munizari
gesetzt),
tritt aber in späteren ahd. glossen als wehselari, wehseleri, wehsilare, wesilare, wihsilar, wehslare
usw. (Steinmeyer-Sievers
gl. 1, 720, 44
f. 3, 139, 13
f. 271, 40. 328, 9. 416, 6)
auf; mhd. wehselære;
bei Diefenbach
gl. 93
c campsor, 356
a mensarius, 385
a nummularius, 593
c trapezeta, nov. gl. 266
b nummularius, wechseler, wesseler, weisseler, wisseler, wechsler, wissler
usw. entsprechend mnd. wesseler,
ndl. wisselaar,
schwed. växlare (
vgl. auch wechselier). 1@aa)
der wechsler
pflegte auf einem öffentlichen platz seine bude aufzuschlagen; in den städten war der geldwechsel früher mit der münze verbunden und wurde von der zunft der hausgenossen
in einem besonderen gewölbe (
s.wechsel II 4
a ε u. wechselbank)
unter aufsicht der behörde betrieben, daneben befaszten sich auch andere (
Lombarden, Juden)
auf eigene hand damit, bis er in die hand der groszen kaufleute gelangte: dort sitzt ein wehselære: des market muoʒ hie werden guot. W. v. Eschenbach
Parzival 353, 27; ouch sullen die wechselere, die husgenoszschaft haben und an der wechsilbang siczin, wechsiln mit nuwen pfenningin, die sie selbins machin
rathsgesetzgebung von Mühlhausen 85
Lambert; die münszer und wechseler die zuo bancke sitzent
Straszburger zunftordnungen 392
Brucker; wen ouch die münszere oder wehselere rgent, der uszewendig der münszen wihselt
städtechr. 9, 1000, 12 (
Straszburg 1393); als biszhere auszerhalb der geschworen wechszler manigfeltiglich golt und müntz eingekaufft und verwechszelt ist worden
Nürnberger polizeiordn. 146
Baader; ob man new phenning aufbürf, so schol der wechslär dem richter in dem markcht sechzikch newer phening geben und seinen knechten 12 . so schol er ein lad hin fuer setzen, da die newn phening inne sind, und schol iedem mann wechseln als recht ist
österr. weisth. 9, 216, 38 (
ob dem Wienerwalde 15.
jahrh.); die kröm von den reychesten als die wechsler die gold und silber haben A. Dürer
etl. underricht von bef. d. stett E 1
a; solt ein wechszler vergebens den wechselbanck aussetzen? Fischart
binenkorb 44
b.
im bilde: du bist ein tœrscher wehselære: du bist gewinnunge holt und gîst doch umbe kupher golt. Th. v. Zirclaria
d. wälsche gast 8120.
die bedeutung bleibt in der neueren sprache lebendig: noch nie hats einen wechsler gegeben, der gold unter bley bey einer falschen münze gesucht hätte Ch.
F. Weisze
lustspiele 3, 224 (
list über list 2, 1); wenn wir es den wechslern für eine kunst gelten lassen, dasz sie die falschen münzen von den ächten zu unterscheiden wissen Wieland
Lucian 1, 245; der wechsler musz durch silber erzt sehen können Heinse 2, 106
Schüddekopf. auf Matth. 21, 12 (Jhesus ... sties umb der wechsler tische
vgl. Marc. 11, 15.
Joh. 2, 15)
wird gern angespielt: wenn Christus jetzt käme und unsere kirchen visitirte, wie viele wechsler ... würde er da hinaus zu jagen finden! Jung-Stilling 4, 364; o dasz ich mich entschlösse, diese wechsler aus dem tempel meiner familie auszutreiben! Gutzkow
ritter vom geiste2 2, 142. 1@bb)
die wechsler
machten auch sonst geldgeschäfte, sie liehen geld aus auf pfänder oder gegen verschreibung: von sulher cleinott wegen, die der Czecko zu ainem wechsler in Wien verseczt hatt
quellen z. gesch. d. st. Wien 2, ii, 211 (1442); er ... besticht denselbigen mit einer groszen summa gelds, so er bey den wechselern auffgenommen Dannhawer
catechismusmilch 3, 77; ich habe mich ... auf einen hiesigen wechsler besonnen, mit dem ich, bey bessern umständen, ehemals verkehr hatte. er wird ... mir ohne anstand die nöthige summe vorschieszen Lessing 1, 428 (
der freygeist 3, 7); auszer dem diamanten, den er wegen einiger bedürfnisse an Genueser wechsler verpfändet ... hatte Göthe 43, 149
Weim. ausg. sie waren deshalb als wucherer verrufen: sî wâren zwêne mære karge wehselære und entlihen ûʒ ir varende guot ... sî nâmen wuocher dar
an. Hartm. v. Aue
Iwein 7190; wuocherer, fürkeuffer, wechsler, händler ... (
die) wider iren willen got und seiner gemeyn mit irem eygennutz gedient haben S. Franck
sprichw. 2, 177
b; bey ihnen (
den bauern) sind keine wechsler, die sie zum geldwucher bringen Agyrta
grillenvertreiber (1670) 3, 202; und treibet ein theil unter ihnen einen so gewinnsüchtigen wucher, als etwan die ärgeste Juden oder gewissenlose kauffleute und wechsler thun mögen Rist
das friedejauchz. Teutschland 29 (1, 3).
man übergab ihnen gelder zur aufbewahrung und um sie gewinnbringend anzulegen: argentarius, ein wächszler und zuo dem man gält in ein kaufmansgesellschaft oder gewärb legt Frisius (1556) 117
a; hart umb den platz sitzen die wesseler ind die der koufflude gelt under henden haven
pilgerfahrt des ritters von Harff 41; so soltestu mein geld zu den wechslern gethan haben, und wenn ich komen were, hette ich das meine zu mir genomen mit wucher
Matth. 25, 27; Plutarchus peschreibet mit fleis, wie Crates, Thebanus, der weis sein gelt eim wechsler hinterlegt mit dem geding ein zil im stegt ... so solt er in (
den unweisen söhnen) das gelt den geben, sie derften sein zw irem leben. H. Sachs 22, 244, 3
Götze; so soltest du .. mein geld zum wechsler legen. Günther
ged. 33; beym reichsten wechsler ist mein geld wohl angeleget.
d. neueste a. d. anmuth gelehrs. 4, 842.
sie vermittelten zahlungen, namentlich durch ausstellung von wechseln: haben ... mir umb die summ, laut des vertrags, ein gescheft auf e. k. mt. wechsler, mich mit der zeit der zu bezalen, geben
urkunden z. gesch. Maximilians I. 483.
so nimmt das wort auch die bedeutung '
bankier'
an: wisselaar
s. banckier Kilian 675
b; wechseler oder wechselherr (
ndl. wisselheer),
banchiere Krämer 1214; Ludwig 2401
unterscheidet: ein groszer wechsler, ein cambiist, der mit wechselbriefen handelt
und ein geldwechseler; was gehn dich wechsler an, durch die ein könig erst als könig leben kann? Neukirch
ged. 118; ein hungernder poet, der vor der harten thür des stolzen wechslers steht. v. Cronegk
schriften 2, 85; der wechsler flieht mit weib und kind, führt Fausts vermögen jetzt davon und läszt ihm gram und spott zum lohn. Fr. Müller 2, 29; ich hab' noch ein geschäft mit meinem wechsler. Immermann 16, 417; so hat man einen gespickten beutel zur zehrung vonnöthen, so am aller besten durch wechselbriefe an einem unterweegs wohnenden wechsler kan geschehen v. Hohberg
Georgica 3, 54
b; freylich könnte der reiche wechsler zur nothdnrft des staates von seinem überflusse einen theil abgeben v. Haller
Usong 114; wie der finanzminister doch eigentlich die erste stelle des reichs einnimmt ..., so verhält sich der wechsler zur bürgerlichen gesellschaft Göthe 44, 344
Weim. ausg.; mein bruder hatte einen groszen wechsler, der ihm stets auf treu und glauben das geld für laufende ausgaben bis zu einer festgesetzten summe lieferte Stifter 5, i, 123; reicher als die wechsler und mäkler und goldgewaltigen der welt Scheffel 2, 167.
während noch Adelung wechsler
als '
banquier, wechselherr'
kennt, ist Campe
reinigung d. d. sprache 44
der meinung, dasz es den begriff des fremden worts nicht ausdrücke, es ist in der that in dieser bedeutung jetzt der umgangssprache fremd geworden. 1@cc)
mit der bedeutung '
geldwechsler'
stehen noch folgende bedeutungen im zusammenhang: 1@c@aα)
zöllner: telonarius, zoller, wächszler Frisius (1556) 1292
a. 1@c@bβ)
münzmeister: argyrocopus ... ein wechszler, oder der das sylber auszsticht oder stempfft Calepinus
XI ling. 120
a,
vgl. oben über die doppelstellung des münzmeisters; item wurden unser herren yren munczemeister und wechseler eintrechtiglichen bestellin
urkundenb. d. st. Freiberg 2, 132, 17 (1449). 1@c@gγ)
bergbeamter, durch den die herrschaft ihr oberstes bergrecht ausüben und verwalten läszt (
vgl.wechsel II 4
a ζ) Unger-Khull 622
a,
vgl.: das wir ... zcu eynem wechseler gesaczt habin ... unsern bergschriber daselbis
urkundenb. d. st. Freiberg 2, 74, 12 (1412). 1@c@dδ)
einnehmer des fürstlichen wechselgefälles Unger-Khull
a. a. o. 1@c@eε)
der aussteller des wechselbriefs, trassirer Zedler 45, 30.
wechselinhaber: dasz nemlich der kreditor ... dem wechsler, oder so nur eine wechselforderung hat, vorgezogen wird
churpfälz. wechselordnung v. 1726,
art. 68. 22)
nur gelegentlich kommt wechsler
auch im anschlusz an andere bedeutungen von wechseln
vor. '
einer der abwechselt' (
vgl. auch wechslerisch 1): sie sint geheiszen wechseler ... etelich wip wolt sich ser schamen, e si mit vier buolen benügen wolt. Altswert 51, 15.
von gott, der den wechsel aller dinge regiert und herbeiführt: der wechsler aller sachen. S.
Dach 482
Österley. '
einer der tauscht(?)': wisler,
mutator Diefenbach-Wülcker 896
aus einem nd. glossar. 33)
concret von vorrichtungen, die zum wechsel dienen: das gas tritt ... in die untere abtheilung des wechslers ein Muspratt 5, 515; zu den anderen (
absperrvorrichtungen mit wasserverschlusz) gehören die sog. nassen wechsler Lueger 1, 79.