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rennen

ahd. bis spez. · 25 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

rennen verb.

Bd. 14, Sp. 807
rennen, verb. , causativ zu rinnen, rinnen oder gerinnen machen; dann besonders ein pferd oder sich selbst eilen machen, sodasz es mit auslassung des objects die bedeutung schnell reiten, laufen, concitato equo currere, currere, cursare, cursitare annimmt. rennen ist gemeingermanisches wort: goth. erhalten in ur-rannjan, prät. ur-rannida oriri facere, ahd. rennan, rennen, ranta, girennit, girant, volitare, fatigare (equos), cogere (mella pressis favis) Graff 2, 518; mhd. rennen, rante, selten rennete, gerant, alts. rennian, altfries. renna, mnd. rennen und ronnen, ags. irnan, irnde, engl. run, mndl. rinnen und rennen, altn. renna, rendi, schwed. ränna, n. rende. prät. und part. prät. gewöhnlich umlautlos rannte, gerannt, daneben aber auch häufig mit dem umlaute des präs. rennte, gerennt, besonders wenn es in der bedeutung flieszen machen, rinnen machen, gerinnen machen steht. formenentlehnung vom starken verb. rinnen sehr selten, nur bei reimnoth, 3. sing. präs. rinnt: strebt nach gwalt, wollust, er und gut, als sei er thöricht, dol und blint, dardurch in alle laster rinnt, darumb er vil streflicher wer. H. Sachs spruchged. 1, 178 Gödeke. 3. sing. prät. rann: als aber kaum das werk begann, sie wider einen sch—kerl rann. Gotter bei Göthe 56, 67. die umschreibung von präteritalformen des intrans. rennen erfolgt meist mit sein, mit haben nur dann, wenn auf die thätigkeit beim rennen, ohne berücksichtigung des zieles oder der ortsveränderung, das hauptgewicht gelegt werden soll. Bedeutung. II. rennen causativ, rinnen machen. I@11) von substanzen. I@1@aa) flieszen machen, schmelzen. diese bedeutung von rennen, ahd. belegt durch die glosse rennan cogere (mella pressis favis) Graff 2, 518, mhd. ohne beleg, ist fast völlig verloren gegangen, und bereits im älteren nhd. steht an stelle des einfachen rennen in diesem sinne meist sein compositum verrennen, da rennen schon mhd. sich fast ausschlieszlich auf die bewegung lebender wesen bezieht. nur selten begegnen uns ausdrücke wie pech, wachs, blei rennen, d. h. sie zum zwecke des löthens oder verschmierens schmelzen: renne schuesterbech mit einem liecht auff die rappen, und wann es hernach auffschrindet, so verrenne es wider wie zuvor. Seuter rossarzn. (1599) 255. erhalten hat sich rennen in dieser bedeutung als technischer ausdruck vom ausschmelzen des roheisens im frischfeuer: weil nun stahel und eisen ausz einem gesiferten wasser gemacht wird, würde nun bar lel, filius fluoris, nach hebreischer weise ein son des geflossenen heiszen, darumb das es ausz geflossener oder gesiferter materia geschmeltzet und gerent würde. Mathesius Sar. 78b; nun wollen wir kürtzlich reden vom eisenstein, und wie man den rennet, wellet, und zu gut machet. 78b. hierher gehört auch der in Baiern bis ins vorige jahrhundert hinein übliche, bildlich gebrauchte ausdruck gerennete heirath, d. h. das vereinigte, gleichsam zu einem ganzen verschmolzene vermögen der beiden brautleute. Schm. 2, 110. I@1@bb) schwimmen machen, flöszen. in Baiern von dem flöszer des holzes gebraucht: holz rennen Schm. 2, 109. I@1@cc) den wein rennen, d. h. ihn mit wasser mischen: der wein wird von den weinfälschern gerennt und geschmiert, vinum affusa aqua corrumpitur Frisch 1, 110b; die falschen prediger haben sie vermenget, wie die weinschenken die wein mengen, rennen unnd schmieren. Mathesius Sar. 66b; bildlich: hie höret jhr, wie der reine wein, der ausz dem lebendigen weinstock Jesu Christo geronnen, .. durch die henseliner vermenget unnd gerennet ist. 67a. I@1@dd) die milch rennen, d. h. sie gerinnen machen, coagulare: aber es sint vil ding diu die milch rennent. Megenberg 359, 36; ire speisz seindt schlecht unnd guot, ein frisches wildt, odder ein gestanden gerente milch. S. Franck Germ. chron. 6a; man lipt oder rennt die milch mit lamms-, oder geyss-, oder hasenlippe. Sebiz feldbau (1580) 100. I@22) auf lebende wesen angewendet zur bezeichnung der eiligen bewegung, so viel wie zu lauf oder eile antreiben, jagen; ein ross rennen: wann man die türkischen ross rennet. Seuter rossarzn. (1599) 14; den hirsch rennen, ihn jagen: dienstag renten wir den hirsch zu St. Germain. briefe der Elisabeth Charl. 54. IIII. Intransitiv. da mhd. rennen überwiegend mit rosz verbunden gedacht wird, so hat sich hier die gewohnheit ausgebildet, das object als etwas selbstverständliches fortzulassen und das einfache rennen zu setzen II@11) für schnell reiten, sprengen. diese bedeutung ist im älteren nhd. noch lebendig, findet sich aber nur noch in spuren, da das gefühl für die ursprüngliche bedeutung von rennen verloren gegangen ist: in feyend rennen, concitare equum in hostes Maaler 330c; mit verhengtem zaum rennen, admittere equum, habenas et frenum laxare equo. 330d. in fügungen mit vor, auf, davon u. a.: den sie waren willens, darfür zu rennen, ob si den raisigen zeug, der darin lag, heraus bringen möchten und in was abbrechen. Wilwolt von Schaumb. 80; sie namen bei zwai hundert pferden, renten für die stat. 83; aber ein reuter aus Thracien rennet auff jn zu, und hieb jm den arm ab. 2 Macc. 12, 35; kondt den abgefallenen hut im rennen auffheben. Garg. 177a; dennoch so muszten sie entreiten, unnd stachen jhre pferde, unnd rennten darvon. buch der liebe 4c. II@22) mit auslassung des objectes hirsch, eber u. s. w. steht rennen in älterer sprache auch für jagen: es ist wol guot hie rennen swer hât des waldes kunde. Hadamar v. Laber jagdged. 8, 31. II@33) neben der bedeutung des einfachen reiten wird rennen, besonders in verbindung mit stechen, für turnieren gebraucht. in dieser bedeutung ist das wort im 17. jahrh., so lange man turniere veranstaltete, noch sehr lebendig, verschwindet dann aber allmählich und wird in der zweiten hälfte des 18. jahrh. in diesem sinne nicht mehr verstanden, sodasz Wieland, welcher das wort für turnieren wieder anwendet, im glossarium zum Oberon (23, 341) eine erklärung für nöthig findet. rennen, im turnieren, lanceis concurrere, incurrere lanceis adversis, von vielerley arten dieses rennens ... welche aber so veraltet, dasz man nicht viel davon weis. Frisch 2, 110b; sondern allein zu vermehrung diser allgemeinen frewd begehren fünf von uns auf jhr beschehene erforderung mit jhnen zu rennen. Weckherlin 865; so haben nach dem morgenimbisz acht graven und freiherren dem herzogen und grafen Jos Niclasen zu unterthenigen und freuntlichen ehren uf dem Bruel under Zollern gerennt und gestochen. Zimm. chron. 1, 272, 17; sollichs abzulainen, pot er aus, mit im zu rennen. 323, 16; do ist sovil adels und furnemer leut do gewest, das man gerent und gestochen. 2, 32, 6; er hat ime hievor etliche mal uf der ban zu Stutgart, als herr Gotfridt Wernher gerennt und gestochen, gedient. 448, 28; ich nim mich umb den adel an, dem wirt solch grosz mue aufgetan mit hofeln, tanzen, rennen, stechen. fastn. sp. 380, 5; ich bin ein ritter wolgeborn, nach rennen, stechen steht mein sin. H. Sachs fastn. sp. 1, 14, 44; wer rennen will und stechen, musz noch wohl sein zu pferdt. P. Denaisius bei Opitz (1624) 169; mein gegner scheint vor ungeduld zu brennen, bis die trompete ruft.nun ruft sie, und wir rennen, und treffen so gewaltiglich zusammen. Wieland 12, 35. II@44) ebenso wie rennen für turnieren, wird es auch als stehender ausdruck für um die wette reiten bei den pferderennen gebraucht: die ir ros lassent lauffen umb gewin, als lauffen oder rennen umb den scharlach. bei Schm. 2, 109; nach dem ziel rennen, ad praestitutam metam decurrere, dicitur etiam wettrennen, cursu certare Stieler 1614; daʒ was ze verr von dem zil gerant. Megenberg 111, 22; nach dem ring rennen, annulum lancea petere Frisch 2, 110b. II@55) über die bedeutung reiten hinweg kann das einfache rennen, da das gefühl für die entstehung jener wendung sowol, wie überhaupt für den eigentlichen sinn des wortes nicht mehr lebendig ist, auf jede schnelle bewegung, selbst, wiewol selten, auf die von flüssigkeiten angewandt werden, so dasz es mit rinnen der bedeutung nach zusammenfällt. der sprachgebrauch hat sich dahin entschieden, dasz rinnen auf das flieszen von flüssigkeiten beschränkt ist, während rennen überwiegend von der eiligen bewegung lebender wesen gesagt wird: nos docendi causa ita distinguimus, ut rennen sit actio pedum, rinnen motus fluidorum. Wachter gloss. Germ. (1737) 128. wie früh schon das richtige verständnis für das wort rennen geschwunden ist, beweisen zahlreiche verbindungen im älteren nhd., wie zu pferde rennen, auf, mit dem pferde rennen Stieler 1613; wer kann mit rossen rennen, oder mit ochsen pflügen auff felsen? Amos 6, 12; mit wagen rennen: wolan, sitzt auff die rosse, rennet mit den wagen. Jer. 46, 9; lasz den fuhrmann nicht so sehr rennen, dic rhedario, ne currum adeo rapiat Stieler 1613. diese ausdrucksweise indessen ist nicht durchgedrungen. Campe führt solche wendungen als veraltete und verwerfliche ausdrücke an. dagegen ist rennen für eilig laufen oft in der verbindung rennen und laufen seit dem beginne der nhd. sprachperiode im gebrauch und wird bis heute vornehmlich in diesem sinne angewandt. II@5@aa) von lebenden wesen; von thieren: der hund, das pferd, das wild u. s. w. rennt: denn sie sahen ein pferd, das wol geschmückt war, darauff sas ein schrecklicher reuter, das rennet mit aller macht auff den Heliodorum zu. 2 Macc. 3, 25; das unbändige pferd eines salzburgischen reiters, Heinrich Schörlin, rannte, wie toll, auf die Böhmen los, und ward so zum zeichen des früheren angriffs. Pyrker (1839) 1, 347; ein arabisch pferd wird können nur zwey starcke läuffe rennen. langsahm seyn dem maule macht, dasz es gehet tag und nacht. Olearius pers. rosenth. 6, 4; da war mitten auch im rennen schon das laufend wild verletzt. Spee trutznacht. 175, 159. II@5@bb) dann besonders von personen. II@5@b@aα) einfach oder mit zusätzen der art oder der strecke: seht doch den alten narren, rennt zu fusz und läszt den rüstigen burschen reiten. Eichendorf graf Lucanor (1840) ...; sprichwörtlich: besser gerannt als verbrannt; er rennt als wenn er die hacken verlieren soll; rennt, was ihr rennen könnt! Schiller Fiesko 5, 3; so rennt und läuft nun ein jeder. Göthe 40, 233; alles rennet, rettet, flüchtet. Schiller 11, 311; so sprang er auf und rennte, als ob der kopf ihm brennte. Bürger 22b; unkenntlich, in wolken des staubes, seh' ich nur die waffen schimmern, hier ein drängen, dort ein rennen, welche von den unsern fliehen. Tieck Octavian. 2, 348. II@5@b@bβ) mit adverbialen und präpositionalen örtlichen verbindungen; mit angabe des zieles, zu jemandem oder nach, in etwas rennen. die zeit ist vorüber, wo man abenteuerlich in die weite welt rannte. Göthe 23, 127; wann sich einer vergreift ongfer, bald sie zum herren rennen, verraten gleich arm und reich, tun keines nit verschonen. Gödeke-Tittmann liederb. 180; sagt nicht, die ihr Dorinden kennt, dasz sie aus eitelkeit nur in die kirchen rennt. Lessing 1, 21; schwere ketten fürchtet man, rennt in leichte schlingen. Göthe 5, 51; schaum auf dem munde renn ich nach hausz. Schiller räub. 3, 2 schausp.; von etwas weg rennen: auf und davon rennen, proripere se, abripere se alio Stieler 1613; er rennt davon. Schiller räuber 4, 2 schauspiel; unglückseeligster der väter! lasz mich immer ewig davon rennen! 5, 2; aus dem walde, dem hause, der thür hervor rennen: aber der sauhirt, schnell mit hurtigen füszen verfolgend, rannt' aus der thüre hervor. Voss Od. 14, 33; durch etwas rennen, durch einander rennen: und wer durch alle die elemente feuer, luft, wasser und erde rennte. Göthe 2, 229; ich bin nur durch die welt gerannt; ein jed' gelüst ergriff ich bei den haaren. 41, 315 (Faust 2, 5); wenn andre durch einander rennen, sollst du's mit treuem blick erkennen. 13, 126; an, vor, gegen, wider jemanden oder etwas rennen: als ich an der ecke einer gasse umlenkte, rannte ich gegen meine Johanne. Schiller 4, 69; und leuchtet schlecht, dasz man bei jedem schritte vor einen baum, vor einen felsen rennt! Göthe 12, 203 (Faust 1); wider eine eiche rennend. Schiller räuber 5, 2 schauspiel; um die wette rennen: die handelsleute und handwerker ranten mit dem juden-spiesz gleichsam umb die wette. Simpl. 1, 88 Kurz. II@5@b@gγ) mit danebenstehenden accusativen zusätzen des wegs, seinen weg, lauf, seine bahn rennen: und wollt ich sie auch gern, die tausend schritte rennen, und jene hundert oben drein. Lessing 1, 15; ich verfluchte das gewäsche, rannte meinen alten lauf. Göthe 1, 157; seine bahn, die der glückliche rasch zum freudigen ziele rennt. 2, 64. II@5@b@dδ) mit angabe der wirkung, sich auszer athem rennen, sich müde, halb tot, tot rennen: und was soll mir geld? so viele haben dreimal mehr als ich; rennen nach der freude ziele täglich auszer athem sich. Gökingk (1780) 79; donnern werden bald die tennen, bald die mühlen rauschend gehn, und wenn die sich müde rennen, werden sich die keltern drehn. Uhland (1843) 72; sich die füsze wund rennen oder sich wunde füsze rennen, sich die stiefel entzwei rennen, sich einen wolf rennen u. s. w. II@5@b@eε) in der kriegskunst, drauf und dran rennen, soviel wie eine stadt berennen: umlagert es mit rosz und mann, und schosz und rannte drauf und dran. Bürger 25b. II@5@b@zζ) in übertragener bedeutung, dem schicksal entgegen rennen: ergeben sie sich in das schicksal, dem sie muthwillig entgegen rannten. Göthe 14, 234; in das laster, die gefahr, das verderben rennen: so scheint es ja wunderlich, dasz man noch ferner in seine eigene gefahr hinein rennen will. Weise erzn. 22 Braune; strebt nach gwalt, wollust, er und gut, als sei er töricht, dol und blint, dardurch in alle laster rint, darumb er vil streflicher wer. H. Sachs spruchged. 12, 180 Gödeke; wer wird den vater böse nennen, der seine rohen kinder schlägt, die zügellos in das verderben rennen. Geszner Ruth 66; nach dienst, ehre, glück, gut, vergnügen rennen: warumb seyt ihr, ihr junge bursch, oder von ferne halbgelehrte männer, so liederlich, ja so frevelich unnd vermessen, dasz jhr euch so schnell annemen lasset, ja selbst unersucht nach solchen diensten rennet und lauffet? Philander v. Sittew. 1, 496; sein muth, in ihren (der welt) weiten nach glück und befriedigung zu rennen. Göthe 18, 46; sieh die menschen an, wie sie nach glück und vergnügen rennen! 18, 128; geiziges brennen, unchristliches rennen nach gut mit sünde, das tilge geschwinde von meinem herzen und wirf es hinaus. P. Gerhardt 294, 56; ihr rennet nicht nach hohen ehren. Hagedorn 3, 56; zum tode rennen: du läszt uns arme maden in dieser bösen zeit ausz deinem wort erkennen, dasz wir zum sterben rennen. Rist 4, 206. II@5@cc) bildlich gebraucht von der zeit, der nacht, den irrlichtern, der sonne: er sah es wie im traume, wenn bald eine dicke nacht über den garten rannte, bald ein lichtmeer ihr nachschosz. J. Paul 7, 119; er sah zwar melancholisch von den irrlichtern weg, die über thäler rennend, nur an der ernsten nacht und an den gräbern hinanhüpften. 272; die sonne rennt mit prangen durch jhre frülings-bahn. S. Dach in den ged. des Königsb. dichterkr. 20; was man nicht alles für leute kennt! und wie die zeit von dannen rennt. Schiller Wallenst. lager 5; eigenthümlich gebraucht Wieland das part. präs. mit rennenden zügeln für mit verhängtem zaum: da sprengt aus dem wald ein unwillkommener dritter mit rennenden zügeln ihn an. 4, 103; von eigenschaften, gefühlen, dem verstande, dem herzen: laszt den hochmuth hitzig rennen und nach hohem range brennen. Günther 1, 79; nicht liebe, die in bösem brennt, und nach der schnöden wollust rennt. Reinh. v. Freiental (1700) 24; die rasche that der heft'gen liebe rannte der zaudernden vernunft zuvor. Schiller Macb. 2, 10; haltet zu gnaden, prinz. ihr seid zu grad für diese falsche welt, das gute herz rennt mit dem kopf davon. Turandot 3, 4. II@5@dd) von flüssigkeiten, wo gewöhnlich rinnen gebraucht wird: der wein rennt vom tische; der schirm rennt (trieft) noch. Albrecht Leipziger mundart 192. von den wellen: unter mir, über mir (der brücke) rennen die wellen, die wagen und gütig gönnte der meister mir selbst auch mit hinüber zu gehn. Schiller 11, 256. II@5@ee) in weitestem sinne wird rennen in der schwäb. mundart angewandt auf das wachsen und keimen der frucht: das korn rennt. Schmid 431. IIIIII. Transitiv. III@11) aus der anwendung des wortes rennen auf das turnieren (II, 3) entwickelt sich die bedeutung 'den gegner beim anritt mit der lanze treffen und ihn vom pferde werfen': als sie nun rannten, begab sich durch unfall und sterke herrn Wörnhers, das er den von Furstenberg rant, das er fur tod lag. Zimmer. chron. 1, 323, 34; und von diesem gebrauche geht rennen in die bedeutung über III@22) jemanden über den haufen rennen so viel wie ihn überreiten: die schwedischen generale Stalhantsch und Willenberg werfen sich auf den noch nicht ganz in ordnung gestellten linken flügel der Österreicher mit solchem ungestüm, dasz die ganze ihn bedeckende reiterey über den haufen gerannt .. wird. Schiller 8, 392. III@33) dann überhaupt stoszen, jemanden vom throne, vom hohenpriesterlichen stuhl rennen: so gings mit dem Jason, der rennete seinen bruder Oniam vom hohenpriesterlichen stul mit dem silbern spiesz, und wurde von demselben hinwiederumb durch seinen legaten Menelaum herab gestoszen. Schuppius 643; jemandem das messer in die brust, den dolch ins herz, den degen in oder durch den leib, den spiesz in den rücken rennen: der herzog gab dir diesen warmen rock, und du, ein armer wicht, bedenkst dich, ihm dafür den degen durch den leib zu rennen. Schiller Wallenst. tod 5, 2; doch ihn ereilend, rannte Telemachos schnell den ehernen spiesz in den rücken. Voss Od. 22, 92. III@44) sich rennen, so viel wie sich stoszen: ich habe mich an der kante gerennt. Albrecht Leipziger mundart 192. III@55) technisches: rennen, wollenen tüchern, besonders aber baumwollenen barchenttüchern den strich geben, wodurch sie gekräuselt und geträubelt werden; ein ausdruck bei den tuchscherern. Schmid 431. über eisen rennen siehe oben I, 1, a sp. 808.
18057 Zeichen · 277 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    rennensw. v.

    Althochdeutsches Wörterbuch · +9 Parallelbelege

    rennen sw. v. , mhd. nhd. rennen; as. rennian ( s. u. ), mnd. mnl. rennen; ae. ærnan; an. renna; got. -rannjan ( nur ur-…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    rennenswv., part. adj.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +6 Parallelbelege

    rennen swv. BMZ prät. rante, rande: tr. rinnen, gerinnen machen. eʒ sint vil ding, diu die milch rennent Mgb. 360,1. die…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    rennensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    rennen , sw. V. Vw.: s. rinnen (1) L.: MndHwb 2, 2040 (rennen)

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Rênnen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Rênnen , verb. irreg. Imperf. ich rannte; Mittelw. gerannt; Imperat. renne. Es ist in doppelter Gestalt üblich. 1. Als e…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Rennen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Rennen Wettstreit, sportlicher Wettkampf; nur im Bild [ betr Veränderungen des freimaurerischen Systems der Strikten Obs…

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Rennen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Rennen , s. Wettrennen .

  7. modern
    Dialekt
    rennen

    Elsässisches Wb. · +9 Parallelbelege

    renne n , rënne n [rènə S.; rænə Su. M. Str. W.; renə Sulzern ; ranə Co. Metzeral Dü. Bf. U. ] 1. laufen, schell laufen.…

  8. Sprichwörter
    Rennen

    Wander (Sprichwörter)

    Rennen 1. Besser gerannt als verbrannt. – Sailer, 70; Simrock, 8075. Engl. : Rather turn, than burn. ( Gaal, 1315. ) 2. …

  9. Spezial
    rennen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    ren|nen (rannte, gerannt) I vb.intr. 1 (schnell laufen) salté (-ta), jí dlun saltan 2 (wettlaufen) garejé (-jëia), fá ga…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit rennen

208 Bildungen · 23 Erstglied · 179 Zweitglied · 6 Ableitungen

Zerlegung von rennen 2 Komponenten

ren+nen

rennen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

rennen‑ als Erstglied (23 von 23)

(rennen)blat

MNWB

rennen·blat

° (rennen)blat , rönnen- , n. ( Akk. Pl. -blēde ): Teil eines Abflusses, vȫr drê r.-blēde in K.s stōvene dô men dat wāter ûtledde (Reval KR …

rennendēle

KöblerMnd

rennendēle , F. nhd. „Rinnendiele“, Bohle für eine Wasserrinne Hw.: s. rennedēle Q.: Zs. Nds. 1871 167 E.: s. renne, dēle (3) L.: MndHwb 2, …

rennenholt

KöblerMnd

rennen·holt

rennenholt , N. nhd. „Rinnenholz“, hölzerne Wasserrinne Hw.: s. renneholt Q.: Hamb. KR 6 3 E.: s. renne, holt (1) W.: s. nhd. Rinnenholz, N.…

rennen II

RhWB

rennen II das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk -ę- u. -e- ; sonst -ę- ; im Geb. der Schärfung -ę·n.- [ Mörs-Neuk -an- ; in WSchleid , Monsch , …

Rennenkǟrl

WWB

Rennen-kǟrl m. Handwerker, der Dachrinnen bearbeitet (Frbg.) ( Alt Vs).

rennenkledinge

KöblerMnd

rennenkledinge , F. nhd. „Rinnenkleidung“, Auskleidung oder Abdichtung einer Wasserrinne Q.: Strals. Chr. 3 197 E.: s. renne, kledinge L.: M…

(rennen)klêⁱdinc

MNWB

*° (rennen)klêⁱdinc , rönnen- , f. ( Dat. Sg. -klê[i]dinc ) : Auskleidung, Abdichtung einer Wasserrinne (Strals. Chr. 3, 197).

rennenklēdinc

KöblerMnd

rennenklēdinc , F. Vw.: s. rennenkledinge*

(rennen)lôp

MNWB

rennen·lop

*° (rennen)lôp , rönnen- , m. : Wasserleitung, de wāterdroppe unde r. sô van B. v. A. sîner kāmer kümpt in ēren hof ... ân allen hinder vrî …

rennenlōp

KöblerMnd

rennenlōp , M. nhd. „Rinnenlauf“, Wasserleitung Q.: Kieler Denkelb. 115 E.: s. renne, lōp (1) L.: MndHwb 2, 2040 (rennenlôp), MndHwb 2, 2213…

Rennenmeªker

WWB

Rennen-meªker m. [verstr.] Handwerker, der Dachrinnen bearbeitet.

rennenpek

MNWB

rennen·pek

*° rennenpek , n. : Pech zum Abdichten einer Wasserrinne (Nd. Jb. 43, 79: Braunschweig 1569).

rennenpik

KöblerMnd

rennen·pik

rennenpik , N. nhd. „Rinnenpech“, Pech zum Abdichten einer Wasserrinne Q.: Nd. Jb. 43 97 (Braunschweig 1569) E.: s. renne, pik L.: MndHwb 2,…

rennen, ronnen

LW

rennen·ronnen

rennen, ronnen, sw. v. 1. intr. rennen, jagen, eilig laufen; einen Reiterangriff machen; im Turnier rennen. 2. trans. rennen machen; ohne Ob…

Rennensliᵉper

WWB

Rennen-sliᵉper m. Faulpelz, Müßiggänger ( Alt Al).

rennenstēn

KöblerMnd

rennen·stēn

rennenstēn , M. Vw.: s. rennestēn* L.: MndHwb 2, 2040 (rennenstê[i]n), Lü 298b (rennestên)

rennenthauw

KöblerMnd

rennenthauw , F. Vw.: s. rennentouw

rennentouw

MNWB

° rennentouw ( -thauw ), f. : Teil einer Wasserleitung , êne r. tô leggende in den nîgen stōven (Zs. Nds. 1871, 134).

(rennen)vôder

MNWB

rennen·voder

° (rennen)vôder , rönnen- , n. ( Akk. Sg. -vôder ): Material zum Auskleiden, Abdichten einer Wasserrinne (Zs. Hamb. Gesch. 7, 294).

rennen als Zweitglied (30 von 179)

brennen?

KöblerAnfrk

*brennen? , sw. V. (1) nhd. brennen ne. burn (V.) Vw.: s. an- Hw.: vgl. as. brennian*, ahd. brennen E.: germ. *brannjan, sw. V., brennen, ve…

drennen

KöblerMnd

*drennen , sw. V. Vw.: s. trennen L.: MndHwb 1, 475 (drennen) Son.: örtlich beschränkt

gegenrennen?

KöblerMhd

*gegenrennen? , V. nhd. „gegenrennen“, in feindlicher Absicht gegen jemanden anrennen Hw.: s. gegenrennen (2) E.: s. gegen, rennen W.: nhd. …

gibrennen?

KöblerAhd

*gibrennen? , sw. V. (1a) Vw.: s. ana- Hw.: vgl. as. gibrennian*

spērrennen?

KöblerMnd

*spērrennen? , sw. V. nhd. turnieren Hw.: s. spērrennen (2) E.: s. spēr (1), rennen (1)

trennen

KöblerMnd

*trennen , sw. V. nhd. trennen Vw.: s. dörch-, ent-, vör- Hw.: vgl. mhd. trennen (1), mnl. trennen E.: s. mhd. trennen, sw. V., trennen, sch…

vörtrennen

KöblerMnd

*vörtrennen , sw. V. nhd. trennen, entzweien Hw.: s. vörtrenninge; vgl. mhd. vertrennen E.: s. vör, trennen W.: s. nhd. (ält.) vertrennen, s…

vǖrbrennen

KöblerMnd

*vǖrbrennen , sw. V. nhd. verbrennen, anbrennen, durch Feuer schädigen Hw.: s. vǖrbrennet E.: s. vǖr, brennen Son.: langes ü

abbrennen

DWB

abbrennen , abbrannte , igne consumere, nnl. afbranden, in flamme setzen, entzünden. eine flinte abbrennen, los brennen. einen wald, ein hau…

abe brennen

MWB

abe brennen swV. tr. und (wie das stV. abe brinnen) intr., md. auch abe bornen ( Albrant ); das Part.Prät. mit sîn kann tr. oder intr. verst…

abe trennen

MWB

abe trennen swV. ‘(Besitz) abtrennen, rauben’ sus nam er widir in den roub, / den sî hattin abe getrant NvJer 8367 MWB 1 70,37; Bearbeiter: …

abebrennen

KöblerMhd

abe·brennen

abebrennen , sw. V. nhd. abbrennen, niederbrennen, zerstören, durch Feuer zerstören, verbrennen, absengen Hw.: s. mnl. afbernen, mnd. afbren…

aberennen

KöblerMhd

aber·ennen

aberennen , sw. V. nhd. „abrennen“, im Ansturm aus dem Sattel werfen Hw.: vgl. mnd. afrennen Q.: Lanc (1240-1250) E.: s. abe, rennen (1) W.:…

abrennen

DWB

abrennen , decurrere, von einem orte wegrennen: die rosse sind vom wege abgerannt. transitiv: ein pferd abrennen; einem den hut abrennen; sp…

abtrennen

DWB

abt·rennen

abtrennen , dissuere, der älteste sinnliche begrif scheint des losnähens, da ahd. zitrennan, intrennan dissuere glossieren ( Graff 5, 534 ) …

afbrennen

KöblerMnd

afbrennen , V. nhd. abbrennen? Hw.: s. afbernen; vgl. mhd. abebrennen E.: s. af, brennen W.: s. nhd. abbrennen, st. V., abbrennen, DW 1, 16,…

afrennen

MNWB

afrennen (-rönnen) , swv. , niederrennen, vom Pferde stechen.

anbrennen

DWB

anbrennen , n. incensio, von speisen combustura.

ane rennen

MWB

ane rennen swV. 1 ‘jmdn. angreifen’ 1.1 im Kampf, in der Regel zu Pferd1.2 übertr.2 ‘etw. in Angriff nehmen’ 3 Phras.: den habech → habech ;…

ane brennen

Lexer

ane·brennen

ane brennen vom anbrennen der speisen, sie durch geröstetes mehl schmackhaft machen anprents semelmuos Germ. 9,199 ;

ane rennen

Lexer

aner·ennen

ane rennen BMZ zu rosse angreifen, überhaupt feindlich angreifen Chr. 4. 90,27. 106,7 ;

anrennen

DWB

anrennen , incurrere, aggredi, ahd. anarennan ( Graff 2 , 518), mhd. ane rennen, eigentlich transitiv: und rennet die feinde wiederumb an un…

aschenbrennen

MWB

aschen·brennen

aschenbrennen swV. ‘aschenbrennen’, Holzasche herstellen: und sal werin eschinbürnen. wer das tede, der begriffen würde, den sülde ein forst…

Ableitungen von rennen (6 von 6)

berennen

DWB

berennen , n. incursio: das berennen des unglücks. Opitz Arg. 2, 137 .

entrennen

DWB

entrennen , citato cursu se proripere.

errennen

DWB

errennen , currendo assequi, erlaufen: mhd. daʒ tor si errantin. Jeroschin; nhd. und ich habe noch niemanden einen siegeskranz errennen gese…

gerennen

DWB

gerennen , verstärktes rennen. 1 1) rennen, zu pferd Lexer 1, 878 : beide si genanden, zesamene si geranden. Veldeke Eneit 324, 40 . 2 2) ge…

verrennen

DWB

verrennen , verb. durch rennen versperren, ( sich ) verirren, mhd. verrennen. die zum einfachen stamme gefügte vorsilbe hat die bedeutung de…

zerrennen

DWB

zerrennen , verb. , 1) bezeichnete das zweite schmelzen des eisens in den eisenhämmern unter hinzutritt von luft, um es weicher und geschmei…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „rennen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/rennen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „rennen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/rennen/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „rennen". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/rennen/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_rennen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„rennen"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
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  urldate      = {2026-05-12},
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