schaum,
m. spuma. AA.
Formen. ahd. skûm,
mhd. schûm,
alts. zufällig nicht belegt, mnd. schûm, schûme.
in die neueren german. sprachen wol aus dem deutschen im engeren sinne übergegangen: isländ. skûm
neben skûmi Biörn Haldarson 2, 285
b,
schwed. dän. skum,
mittelengl. skum
neben skome Skeat 536
a,
neufries. sküm ten Doornkaat Koolman 3, 157
b,
mnl. schuem, schuym Kilian,
neunld. schuim.
in älteren dialekten hat sich der wurzelvocal sehr verschieden gestaltet: hd. nd. schum,
hd. schume, schaum, schuem, schym, schaim,
spuma Dief. 548
c, schume, schum, schaume, schaum, schuym,
despumarium 176
c, schaim, scheum,
spuma nov. gloss. 346
b, schum,
spuma voc. opt. 56
a Wackernagel; schem,
despumatorium voc. opt. Leipzig 1501, schoum (
östreich.) Lexer
handwb. 2, 816.
in neueren mundarten nd. schum, schuum
neben schüm, schuym Schambach 187
a. Woeste 234
a. Dähnert 418
a.
brem. wb. 4, 711. Schütze 4, 80
f. (
in zusammensetzungen wie schümkelle).
in oberd. idiotiken wenig angeführt, weil ohne abweichung und vielfach durch feim
ersetzt (
s. u.),
kärntisch der diphthong zu â
verengt schâm Lexer 215,
vgl.scham : tram H. Sachs
im Cyrus bei Weinhold
bair. gr. § 40,
alemannisch das alte û
erhalten schûm Hunziker 232.
soweit ein plur. entwickelt, schon früh umgelautet Lexer
handwb. 2, 816
b.
umlaut im singular schöum, scheum
ebenda, andere belege s. oben. die flexion hochdeutsch durchweg stark, im niederdeutschen und den verwandten dialekten auch schwach. Schiller-Lübben 4, 150
b. Franck 872.
die herkunft des wortes ist unsicher. Fick
3 3, 336
und Kluge
4 297
a führen das ahd. scûm
auf eine indogerm. wurzel sku '
bedecken'
zurück, schaum
die decke auf der oberfläche des wassers, und ziehen ahd. skûwo
schatten, nhd. scheune, scheuer
heran. oben theil 3, 1450
ist schaum
gleich feim (
ags. fâm,
engl. foam),
das in allen deutschen dialekten schon seit dem ahd. (Graff 3, 519
a)
neben schaum
gleichbedeutend und im oberd. herrschend einhergeht, angesetzt worden. anlautende consonanz und wurzelvocal stehen aber dieser annahme entgegen, ebenso das ablautverhältnis dem heranziehen von mhd. schîme, scheim (
glanz, schimmer). Lexer
handwörterb. 2, 687.
zusammenhang mit lat. spuma
ist nicht anzunehmen. BB.
Gebrauch. II.
im eigentlichen sinne. eine gröszere anzahl zusammenhängender, mit luft gefüllter blasen, aus einem an und für sich flüssigen oder in flusz gebrachten stoffe durch starke bewegung entstanden. I@11) schaum
auf der oberfläche des stoffes. I@1@aa)
allgemein einer wassermasse. hervorgerufen durch heftigen wind, starken fall, anprallen des wassers an den strand, klippen und ähnliche hindernisse. vom wasser überhaupt: das schnell das wasser durchschneidende schiff warf schaum auf; die rotte spielt er unde brach, reht als ein kiel den blanken schû
m. tr. krieg 26996; indem es (
das wasser), wie gepeitscht, des tages licht verhüllte, und mit ganz weiszem schaum die schwarzen lüfte füllte. Brockes 1, 119; die groszen fische wohl geborgen verblieben in des wassers schaume. Rückert
ges. werke 5, 144.
[] vom meer: verborgene klippen im meere verraten sich durch den schaum der brandung, wogenbrechung; es ist hier (
in der brandung des sees) ein schaum, wenn nur ein wenig wind geht, dasz er jedes schiff in sich begraben kann. Stifter
der hagestolz 80; das ufer laut erbrüllet, den luft er (
gott durch den wind) ganz in eifermut mit schaum und klang erfüllet. Spee
trutzn. 109
Balke; desz leichten glückes gunst ist, wie desz meeres schaum, der brauset und zergeht; ist, wie ein süszer traum. Opitz (1690) 3, 294; der alte Ocean empört sich auf einmal in dicker finsternisz mit allen seinen wellen, bedeckt das schif mit schaum. Pyra
u. Lange 165
neudruck; die liebe füllt mit seligem behagen der erde tiefen und der meere schaum. Rückert
ges. werke 5, 58; er (
der knabe) sprach: mein reich liegt fern so sehr, weit drüben im tiefen, dunkeln meer, dort steigt es aus dem schaume. G. Schwab
ged. 1, 186.
in freier übertragung: (
Cleopatra nennt) die wasserfarth der klugen aberwitz, die schiffe todten-nachen, das meer des Typhons schaum. Lohenstein
Cleopatra 51, 626.
von wogen, wellen: er (
Neptun) selbst ist nicht sein herr, wenn Eolus sich reegt, und ihn der wellen schaum in seine haare schlägt. P. Fleming 80; Alcione sucht ruh auf toller wellen schaum. Gryphius
trauersp. 291
Palm; aus der ergrimmten flut geschwärzten flächen sah man der wellen schaum wie weisze flammen brechen. Brockes 1, 118; dort aber, wo im schaum der strudel-reichen wellen die wuth des trüben stroms gestürzte wälder welzt. Haller
ged. 39
Hirzel; der Elb- und Muldeflusz ... beschützet, krönt und kühlt mit dem schilfreichen moosz und ihrer fetten wellen schaum des Jenischen gebietes raum. Hagedorn
versuch 78
neudr.; (
gott) sprüht im funken, grünt im baum, wiegt sich in der welle schaum. Stolberg 2, 249; es keucht der ruderknecht und quirlt zu schaum die wogen. Schiller 6, 413; die wogenungeheuer brechen sich zu schaum und rauch. W. Müller
ged. 2, 242; (
die riesenwelle, die) plötzlich, ein wüster meerwasserfall, in weiszem gekräusel zusammenstürzt und mich selbst mit schaum bedeckt. H. Heine 2, 70
Elster. vom meeresstrudel: doch endlich, da legt sich die wilde gewalt, und schwarz aus dem weiszen schaum klafft hinunter ein gähnender spalt, grundlos als giengs in den höllenraum. Schiller 11, 221.
vom flusz, strom, wasserfall: die gegend war ein gebirge, aus welchem ein flusz in katarakten sich stürzte in feinem schaum und dampf von silberstaub, dann eine kleine ebene durchflosz, und in einem stillen see ruhig dahinwallte. Heinse
Ardingh. (1787) 1, 75; leichte windstösze kräuselten lebhafter die säume des stürzenden schaumes (
des Rheinfalls bei Schaffhausen). Göthe 43, 161; es hab' halb Africa den harnisch angelegt, der stolze Rhein den schaum für unser heil bewegt. Lohenstein
Cleopatra 51, 626; (
die Tiber spricht:) obgleich mein strom nicht tausend flüsz einschlingt, mein sand nicht gold, mein schaum nicht perlen führt. 126, 766; der wassersturz, das felsenriff durchbrausend, ... hoch in die lüfte schaum an schäume sausend. Göthe 41, 7 (
Faust 2.
theil 1.
act); was senket aus den wolken sich und taucht aus stromes schaum? Uhland
ged. 306 (1864); leicht, wie schnee auf diesen felsenlagen, leicht, wie schaum, den hier die ströme schlagen, schmilzt das glück, und jeder musz entsagen. Platen 4
b.
vom mühlbach: und das mühlrad peitscht aufzischenden schaum in verdoppelter schnelle wie rasend. Platen 264.
vom zarten gekräusel der quelle: tief, tief seine heisze seele in das kühle waldesdunkel, in den feuchten dunst bemooster felsen, in den begeisteten schaum springender quellen zu tauchen, danach lechzt er. Immermann 1, 196; da, wo sonst deine (
des felsens) klare quelle auf schaum und moos herab sich stürzt. Geszner 3, 138;
[] wann der frost gemach entflohen, ... suchten wir, die wanderfrohen, ... jedes blümchen weicher matten, jeder quelle zarten schaum. Platen 6
b.
vom brunnen: es quoll ein brunnen in des hofes mitte, ... schon war das mauerwerk halb eingesunken, doch standen rings uralte lindenbäume, die ihren schatten warfen in die schäume. 317
a.
am gestade: so fing sie (
das fischermädchen) an zu waten hinein in schaum und sand und suchte bunte muscheln sich auf dem nassen strand. W. Müller
ged. 2, 122; an meiner sohle zerfährt der schaum (
beim wandern am ufer des sees). Droste-Hülshoff 1, 130; nach langem laufen sah sie das ufer und seinen schaum und setzte sich ermüdet auf einen gefällten baum. G. Freytag
werke 1, 313.
allgemein, für schäumende welle: heimweh jagt des abgrunds wilden schaum. Lenau 1, 337
Koch. übertragen von der thränenflut: (
schönste) streich den trüben schaum der herben thränenflut und das vergif'te salz von deinen purpurwangen. Neukirch
an Melinden, auf ihren namenstag. im bilde, blumen auf der meerflur: die gestirne ordneten sich am firmament zu wunderbaren schicksalsfiguren; azur war die luft und azur das gewässer, dessen schaum rosen waren und schmerzensblumen. Chamisso 2, 268; ein schmetterling ... schwebt der bewimpelte nachen (
der liebe) ... durch gekräuselte blumen des schaumes über der grünen meerflur. Rückert
ges. werke 1, 580. I@1@bb) schaum
von getränken, flüssigkeiten durch schütteln des gefäszes, ausgieszen in ein anderes, rühren, plötzliches zu- und austreten von luft. namentlich von getränken mit starkem gehalt an kohlensäure: Selterswasser, most, champagner entwickeln viel schaum; das bier hat keinen schaum; wann dann (
nach tüchtigem rühren) die milch einen gäst oder schaum über sich wirfft. Hohberg 3, 1, 285
b; der blies in einen becher den schûm von dem biere.
Helmbr. 1167; laszt den schaum zum himmel sprützen: dieses glas dem guten geist. Schiller 4, 4.
ähnlich vom saft der weintraube: die treterknaben sieht man kaum (
in der geisterkelter), so spritzt um sie der edle schaum. Uhland
ged. 320 (1864).
für den wein selbst: du (
klein Roland) holst wie aus dem bronnen frisch meines rothen weines schaum. 335; giesz den schaum mir ins glas, schenk! Rückert
ges. werke 5, 261; liebchen! gib mir nur den duft von des bechers schaume. 292.
für schaumwein (
s. d.)
im übergang zum bilde: dem edelsten weine gleich und dir, o Rhein, ist unsre sprache, reich wie dein strom, mit geheimen tiefen; vom eitlen nachbar, der sich in schaum berauscht, verstanden nimmer, nimmer empfunden! laszt ihm seinen schaum im becher! ihm die sprache, die an der empfindung hinstreift. Stolberg 2, 294.
hierher auch die kühne übertragung: es war der gute apfelbaum, (
der wirt) bei dem ich eingekehret, mit süszer kost und frischem schaum hat er mich wohlgenähret. Uhland
ged. 60.
vereinzelt in alter sprache schaum,
vom badewasser des kindes Jesu als heilmittel gegen krankheit: die vrowen tûchte gût getân, ob si den schûm vienge.
pass. 35, 54
Hahn; swa si den schûm hin streich, alles leit von im entweich. 41, 89. I@1@cc)
im engeren sinne: schaum
von festen stoffen, welche durch schmelzen, sieden, kochen oder durch gährung in wallung gebracht, leichtere, unreine bestandtheile an die oberfläche ausscheiden (schaum auswerfen,
spumare Stieler 1744),
von der sie dann gewöhnlich, um den stoff rein zu erlangen, abgeschöpft, abgeschäumt
werden (den schaum abnehmen,
despumare Steinbach 2, 393). I@1@c@aα)
von metallen schlacke, scoria, mnd. schume
spuma, metallschlacke Schiller-Lübben 4, 151
a,
namentlich in älterer sprache [] technischer ausdruck: daʒ eisen dœnt haiserleichen und sein schaum haiʒt ze latein scoria und haiʒt ze däutsch sinder. Megenberg 479, 26; sein (
des bleies) schaum behelt silber. 481, 19; des goldes überfluʒ, daʒ ist sein schaum, haiʒt ze latein cadmia. 475, 13; schlacken heiszet man bey den bergwerken alle unreinigkeit, so von den gengen ertzen oder gültigen metallen, im schmelzofen abgehet, oder abgezogen wird ... die deutsche bibel nennet es offt silberschaum, das es auff dem silber schwimmet, wie ein gescht auffm bier, oder schaum auffm wasser. Mathesius
Sarepta 108
a; auch von schaume rein musz die mischung seyn, dasz vom reinlichen metalle rein und voll die stimme (
der glocke) schalle. Schiller 11, 306.
als heilmittel: wer den selben schaum (
des goldes) in diu augen träuft oder sust dar ein legt, dem peiʒt er diu mail auʒ den augen. Megenberg 475, 14. I@1@c@bβ)
von mineralien, der durch zutritt von wasser erhitzte kalk entwickelt schaum: gypsum ist der schaum desz kalcks, sein ist vielerley. Lonicerus
kreuterb. (1577) 343
c.
ähnlich vom salpeter: greiff mit einem löffel an den boden, thu die unsauberkeit herausz, faim den schaum darvon. Fronsperger
kriegsb. 2, 219
b.
vom salz: so bald es auffseudt, wirfft es ein trefflichen schaum uber sich, wie ein siedend fleisch. Mathesius
Sar. 127
a.
vom glas: die schlacken oder schaum so auffm glasz schwimmet, nennet man glaszgallen. 108
a. I@1@c@gγ)
von pflanzen, früchten u. ähnl. die gährung des weines erzeugt schaum: wird er (
der wein) aber flugs von der kelter in einen frischen keller auf die väszer gefüllet, so lieget er wol zwey oder drey tage, ehe er zu gähren anhebet, alsdann wirfft er bläszlein ... also dasz viel schaum oder hefen mit einem groszen dampff und brausen zum spunde heraussteiget. Hohberg 3, 1, 284
a; doch im (
wein-)keller wirds bedenklich, dem gefäsz entquillt ein schaum, und erstickend ziehn verfänglich dünste durch den düstern raum. Göthe 56, 45.
so von einer zusammengekochten mischung von kräutern, wurzeln: der schûm, der ab den würzen trouf.
troj. krieg 10724; das bittere getränk, in dessen schaume verborgen ist, was je vom wolkensaume der mitternächte gift'ges niederthaute? Rückert
ges. werke 1, 286.
freier, schaum
für gekochten kaffee: es liegt ein Araber an einem caffeebaume, ihm bringt in hellem gold von dem durchsüszten schaume, den man aus bohnen kocht, die die Levante schickt, ein nackter liebesgott, der lächelnd auf ihn blickt. Zachariä
renomm. 3, 70. I@1@c@dδ)
von kochenden speisen, namentlich von der fleischbrühe wird der schaum
abgeschöpft; auf der milch entsteht ein schaum
wenn sie zu sieden anfängt. Campe;
im technischen betriebe (
zuckersiederei)
heiszt es den schaum fallend machen
durch auslöschen des feuers, den schaum in die enge bringen,
aus dem abgeschöpften schaume den brauchbaren syrup durch kalkwasser und pressen heraustreiben. Jacobsson 3, 557
a;
im bergbau, fettige materie, die sich auf den bergwassern sammelt. ebenda. I@1@dd) schaum
auf dem körper von lebenden wesen. I@1@d@aα)
von thieren. allgemein, schweisz infolge groszer anstrengung, schneller bewegung: mit blut besprengt, bedeckt mit schaum, nimmt jetzt des waldes nacht es (
das wild) auf. Bürger 71
a.
namentlich von pferden: (
ich spürte) derjenigen, derer wir gewartet hetten, frisch und sahe, dasz der schaum, wie die gäul geschäumt hetten, noch da lag. Götz v. Berl. 72; sein (
des reiters) pferd ganz von schaum bedeckt. Eichendorff 3, 348; ûʒ sînem rosse dranc der schû
m. troj. krieg 32716; führe den schecken zum stall, und futtr' ihn, Jürgen, mit haber; doch erst trockne den schaum, dasz er kühl werd' ehe du tränkest. Voss 2, 207; vom sattel tropft das blut (
des reiters), vom zaum und spült hinunter staub und schaum. Lenau 1, 388
Koch. besonders vom speichel, der zu schaum
verwandelt, vor das maul des thieres tritt, sowol aus übergroszer anstrengung, als aus innerer erregung, wut u. ähnl. (
s. geifer
theil 4, 1. 2
sp. 2564). schaum vor dem maule haben,
spumas ore agere Steinbach 2, 393; ein wüthender eber, von wilden rüden gehetzt, mit den gefletschten
[] hauern schaum und blut .. um sich schleudernd. Eichendorff 3, 189; mit sînem schûme solgete er (
der geträumte eber) daʒ bette und al die bettewât.
Trist. 13536; (
vom Cerberus:) den skûm er ût den monde warp heit, bitter ende sûr.
Eneide 3236
Behaghel; wîʒer schûm dem wurme ûʒ dem slunde schôʒ. Albr. v. Halberstadt 19, 184.
übertragen von lasterhafter krankheit: da spritzt es (
das laster) den eitrichten fressenden schaum aus stirn und wangen und mund. Schiller
räuber 1, 3.
auch hier besonders von pferden: das pferdt frasz das gebisz mit schaum, sah zorniglich und sprach (
zum esel) 'gib raum!' Waldis
Esop 1, 33, 11; ... seyd nicht so unverständig, wie gäul und mäuler seyn, die eh nicht werden bändig, als wenn ihr wildes maul ein scharffer zügel zwingt, dasz ihnen blut und schaum durch beyde leftzen dringt. P. Fleming 18; mein (
des rosses) spielend maul voll schaum; mein wohlgewölbter rücken, trug jeden starken mann. Aszmann von Abschatz
glückw. an gekr. häubter (1704) 65. I@1@d@bβ)
von menschen, speichel, geifer, der als schaum
vor den mund tritt, bei gewissen krankheiten, epilepsie, raserei u. ähnl. schaum
vor dem munde eines kranken zeichen des nahen todes Paracelsus 2, 2, 12
b,
zeichen der tobsucht 483
b.
der wuth: blut! war mein erster gedanke, blut! mein letzter. schaum auf dem munde renn ich nach hausz, wähle mir einen dreyspitzigen degen, und damit in aller hast in des ministers hausz. Schiller
räuber 3, 2; sie (
die dichterlinge) krümmen sich im staub und lästern. ihr eignes gifft, ihr schaum, begeiffert sie. Pyra
u. Lange 57
neudruck. bei drohender erwürgung: swenn der tiufel darzu schurget, daʒ vil manger wirt gewurget (
im turnier), daʒ vor dem munde lît der schû
m. renner 11554.
nur vereinzelt auch vom schweisz des menschen: rôt und wîʒ geblüemettrüeg ich von rôsen kranz bî edelen kriuten, noch sanfter danne sie (
die männer und ihre rosse) truogen den schûm (
im kampfgewühl) sô wîʒ und rôten.
jüng. Titurel 4088. I@1@d@gγ) schaum
des pferdes als merkmal guter oder schlechter qualität des thieres: so werden auch die pferde, die ein feuchtes maul haben, darum gelobt, weil ein dicker weiszer schaum ein zeichen ist, dasz ihnen dasz gebisz angenehm, und dasz sie gesund sind. Hohberg 2, 133
b; so musz auch der schaum nicht dünn, flüssig, bleyfarb oder gelb seyn, dann es bedeutet auch ein flüssiges hirn und böses temperament des kopfes.
ebenda. ähnlich als krankheitszeichen: da ist sonderlich das haubtwehe oder siechthum der pferde, welches sehr hart zu erkennen, doch sind etliche umstände, die es etlicher maszen verrathen, als .. dünner schaum, so zähe aus dem munde fällt, und dergleichen. 2, 197
a. schaum
von pferden aber auch als heilmittel bei gewissen menschlichen krankheiten: Marcellus sagt, dasz vor die schwindsucht, wann sie auch in der extremitet ist, das beste und gewisseste mittel sey, wann man den schaum oder speichel vom rosz in warmen wein 3 tage nach einander eingiebt. 2, 187
a.
ebenso niederd.: welk minsche vorghiftnisse an dem live hefft, de schal nemen eyn vet perd unde laten dat rennen, went id schume, unde nemen den schumen in eyn schottelen, unde do to deme schumen like vel soltes unde twie also vele etekes, unde drinck dat, so spiggestu de vorghiftnisse ut.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 150
b. I@22)
ein stoff kann durch fortgesetztes schlagen, quirlen, reiben oder durch starkes kochen, schmelzen vorübergehend vollständig aufgelöst und in schaum
verwandelt werden. eiweisz wird zu schaum geschlagen. Campe.
für gewisse speisen: der conditor schlägt sahne zu schaum
für bestimmte backwerke. seife wird zu schaum zerrieben
beim waschen, der barbier schlägt schaum
vor dem rasieren. metalle und thierische stoffe können bei sehr hoher temperatur zu schaum
zerschmelzen, zerkochen. bildlich, mnd.: dyn sulver ist vorkeret in schumen.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 151
a. I@33)
selten, dichterisch schaum
übertragen auf schaumähnlichen dunst von luftgebilden. vom regenbogen: ach! dasz man schimmernd glas für gold und perlen hält. dasz der gewölckte schaum gefärbter regenbogen dem schnecken-blutte wird desz purpers fürgezogen! Lohenstein
Cleopatra 25, 871.
[] vom wogenden morgennebel: nun breitet sichs, nun steht es überm schaume; was steigt herauf? ein bild aus kühnem traume, o Säntis, Säntis, deine maiestät! Droste-Hülshoff 1, 413. I@44)
vereinzelt schon mhd., häufig und in den verschiedensten wendungen seit beginn des nhd. wird das wesen, die beschaffenheit des schaums
durch beiworte oder sätze näher bestimmt. I@4@aa)
nach dem eindruck auf das gesicht wird näher bestimmt: I@4@a@aα)
farbe, in schönem bilde, weiszer schaum: sîn hâr was im brûn gevar, von wîʒem schûme drûffe gar als eʒ eins winders wære besnît. Wolfram v. Eschenbach
Willeh. 59, 11; segel schwellen! grüne wellen, weisze schäume. Göthe 2, 45; silberner schaum: sie (
die sonne) hängt dem fuhrmannspferd zum maule den weiszen schaum. Immermann 13, 189; Amalia, reitzend wie Cypria war, als sie eine welle des meeres gebar. sie schlüpfte aus silbernem schaume empor, begrüszt von der götter olympischen chor. Schubart (1829) 3, 29; himmel und erde verschwinden am donnernden felsenerschüttrer (
dem Rheinfall); nur, o geliebte, dein bild malt sich im silbernen schaum. Matthisson 1, 132.
die beschaffenheit und farbe des stoffes wirkt auf die färbung des schaumes
auf der oberfläche: (
er sah) wie jeder fallende (
regen-)tropfen einen sich elastisch erweiternden kleinen kreis im schon stehenden wasser bildete, wie weisze blasen aufsprangen oder schwefelgelber schaum sich absetzte. Reichenau
aus unsern 4
wänden 177;
freier: lippen, die scharlach und rosen bedecken, welche der marmol der wangen umflicht, rühret von purpurnem schaume der schnecken, euere göttliche lieblichkeit nicht? Hoffmannswaldau
auserles. ged. (1695) 274.
umgekehrt: ihr felsen hart unnd raw, ihr klippen von schaum graw.
Venusgärtlein 145
neudruck. I@4@a@bβ)
die sichtbare beweglichkeit, das auf- und absteigen des schaumes: spritzender schaum; wie ein fester damm den sturm gedrungner wellen, wie sehr ihr schaum sich bläht, zurücke zwingt zu prellen. Haller
ged. 91
Hirzel; laut mit jubelgeheul braust hin die entkettete welle, und den zerstäubenden schaum dampft sie als opfer des siegs. Kinkel
ged. 178.
in beziehung auf die schnelle auflösung des schaumes: ich neulich merkets toben (
des meeres), währt etlich stunden kaum, da war all macht zerstoben, zerschmolzen aller schaum. Spee
trutzn. 20
Balke. gern in vergleichen: o, schau mich an! ich zergeh wie schaum. wenn aus dem grabe die distel quillt, dann zuckt mein längst zerfallnes bild wohl einmal durch deinen traum! Droste-Hülshoff 1, 132; dort, wo die graue cathedrale, ein riesenhafter zeitentraum, entsteigt dem düstern trümmermale der macht, die auch zerrann wie schaum. 315.
α und β verbunden: kaum hatt' er den (
zauber-)kelch gegeben, als es in dem wunderding brausend an zu gähren fing und mit macht herauszustreben, gleich als ob der traube leben perlte drinnen; sich erheben thät alsbald der weisze schaum höher denn des kelches saum. Stolberg 1, 187. I@4@bb)
nach dem gehör. der schaum zischt, rauscht
u. ähnl.: die lippen nur kaum an jäsendem schaum des rothen safts (
weins) zu nätzen. L. Schnüffis
Mir. flötl. 219; wie schon Aurorens rosenhand des himmels schimmerndes gewand, umrauschet von der wogen schaum, in Thitons kühlen hallen webte. Stolberg 2, 33. I@4@cc)
nach dem geschmack bestimmt: süszer schaum des weines; süsz schmeckt der schaum auf torten und anderm feinen gebäck.
[] I@4@dd)
nach dem gefühl, weich: ich möcht' vom höchsten baume mich stürzen in die flut! ich möchte zu weichem schaume verspülen meine glut! W. Müller
ged. 2, 109. seidener schaum,
zugleich a treffend, übertragen: das summt' und säuselt mir wie traum, wie surrender bienen lesen, als sei ich einst ein seidener schaum, eine spitzenmanschette gewesen! Droste-Hülshoff 1, 189. I@4@ee)
nach seiner leichtigkeit: und wie? meine freunde! alle diese erworbenen göttlichen vollkommenheiten fahren dahin, wie leichter schaum auf dem wasser. Mendelssohn
Phädon 3.
gespr.; Rheinwein, von ihnen hast du die edelste (
seele), und bist es würdig, dasz du des Deutschen geist nachahmst! bist glühend, nicht aufflammend, taumellos, stark, und von leichtem schaum leer. Klopstock 1, 113; ich werde seyn! wenn alles untergeht, ... und selbst der Montblanc in der wandlung strom, der tausendarmig sich durchs weltall windet, mit jeder spur, wie leichter schaum, verschwindet. Matthisson 1, 107; doch unser poet, seit jahren erwägt sein geist die gefährliche laufbahn: was andern ein spiel blosz dünkt, was leicht, wie den schaum, von der fläche sie schöpfen; — er findet es schwer, ihm liegt es so tief, ja, tief, wie die perle des tauchers! Platen 282
b. I@55)
wie nach 1,
c der schaum
von ursprünglich festen stoffen selbst feste bestandtheile aufweist, so enthält auch der schaum
des unreinen, salzhaltigen oder sonst wie gesättigten wassers unlösliche theile, die sich nach dem zerplatzen der luftblasen als kruste niederschlagen: verherteter schaum der da an die ror ansitzt,
adarca Maaler 348
c;
im vergleich: wo sand'ge höhn den sund umborden sanct Georgs, wie schaum, der starr geworden. Immermann 13, 98.
der schaum des meeres,
verkrustet und festgesetzt: aus dem haupt entrieb er den schaum der öden gewässer. Voss
Odyss. 6, 226.
der so durchsetzte schaum
ist mit fruchtbaren bestandtheilen geschwängert, aus ihm wird nach griechischer mythe die schönheitsgöttin Ἀφροδίτη ἀναδυομένη geboren. häufig mit theilweise verworrenen und gesuchten bildern aufgenommen von der mythologisierenden dichtung seit dem 17.
jahrh.: diese Venus steigt schon ganz vollendet aus dem schaume des meeres empor. Schiller
über anmuth u. w. 6; man saget, Venus sey entsprossen nur blos her aus des meeres schaum. S. Dach 469
Österley; und wie aus einem schaume das geile Venus-weib in kalter meeres-schosz empfangen und gebohrn. P. Fleming 261; hat schaum und muschel dann mich (
Venus) göttin lassen werden, dasz man mich itzt verlacht im himmel und auf erden. Hoffmannswaldau
der aus d. himmel verb. Cupido; (
es ist wahrscheinlich) das die geschwellte flut des blau-gesaltznen schaums, geschwängert durch das blut, des himmels saamen sey.
auserles. ged. 231 (1695); allein es hat es selbst der götterfürst bekennet, die liebe, die zuvor in seiner brust gebrennet, disz feuer hätte sich wie staub und rauch verlohrn, nachdem die Paphie der schwangre schaum gebohrn. 235; ahndend, welch ein wunder werde, welch ein götterwerk aus schaum, träumten himmel, meer und erde tief der wonne süszen traum. Bürger 1
b.
anders gewendet: man sagt: die Venus sey, ihr wesen zu verstellen, nicht nach gemeiner art, besonders aus den wellen in einer muschel helm empfangen und gezeugt, wo sie des meeres schaum gewieget und gesäugt. Hoffmannswaldau
auserles. ged. 171.
eigenschaften des schaums
mit dem wesen der liebe verglichen: gewiszlich, saltz und schaum kömmt deiner (
Aphrodites) eigenschafft und würckung ziemlich bey. 231.
in freier übertragung: aus solchen quellen (
der liebe) strömt ein unergründlich meer, von diesem stieg und kam der heyden Venus her, als zwischen saltz und schaum ihr zuckerkand zerflossen. Günther 1060.
scherzhaft übertragen: sohn vom schaume des meers, lieblich gebräunter (
meerschaum-) kopf. Voss 3, 9.
[] I@66)
mundartlich schum
niedriges gras Hunziker 232 (
ob hierher gehörig?).
technisch soviel als feinste art des zum flechten gebrauchten strohes Meyer
convers.-lexicon (1851) 2, 7, 529. I@IIII.
übertragung, übergang auf unsinnliches gebiet. namentlich in gehobener nhd. schriftsprache werden in zahlreichen bildlichen, auf geistiges und sittliches hinzielenden wendungen concrete eigenschaften des schaumes
übertragen auf I@II@11)
abstracte dinge, meist in vergleichen mit betonung des oberflächlichen, trügerischen, wertlosen des schaumes
und mit tadelndem beisinne. I@II@1@aa)
der schaum
als blendend, prickelnd, aber wertlos; von oberflächlicher halbbildung, blendendem witz im gegensatze zum tiefen, klaren, prunklosen wissen: da, wo man berechtigt ist, eine strenge bestimmung der begriffe zu erwarten, gab das dichterische genie nicht selten bilder, auch wohl statt wahrhafter gedanken blendenden schaum.
Götting. gel. anzeigen (1806) 495; begierig schlürfte er (
Heinrich Heine) den schaum von jedem Pariser feuertranke. Treitschke
d. gesch. 4, 422; er studirte vielerlei durcheinander, nippte von allem nur den schaum und nur das sonderbare vermochte ihn zu fesseln. Heinr. Seidel
aus der heimath 169; gedankenwechsel ists, was gleich dem stosz und gegenstosz kämpfender wogen bricht, bricht den gelehrten schaum und hellet auf des tiefstudierers stehenden pfuhl. Herder
zur schön. lit. u. kunst 4, 47; armer schlucker, du wähnst, du habest den Roszbach getrunken. was in dir sprudelt und braust, ist hippocrenischer schaum.
gegengeschenke (1797) 5; o nein! er (
der franz. feind) beschlich uns vorlängst in der sitten gift, in der gleiszenden sprache schaum. Stolberg 2, 310.
in ähnlichen bildern, nach schaum I, 1,
c: dies thät ich, als mein witz noch gar zu unreiff hiesz, und wie ein siedend fett den schaum voran verstiesz. Günther 376.
von der erzählungskunst, ohne tadelnden nebensinn: ich hing an seines mantels saum, berauscht von seiner lippen süszem schaum. Rückert 11, 231.
mit hefe
zusammen: indesz werden (in mehr als einem sinne) deutsche hefe und französischer schaum bald sich senken, und das geistige ungetrübt nachlassen. J. Paul
friedenpr. 45.
ähnlich meist mit tadelndem, ironischem beisinn, das seichte hervorhebend oder an die bedeutung '
blendwerk, prunk'
streifend: (
in Klopstocks liedern ist) wirklich etwas zu viel orientalischer schaum und christliche gegenstände (
sind) orientalisch behandelt. Herder
z. schön. lit. u. kunst 2, 30; und das grosze heer unserer süszen müssiggänger mit dem schaume der weisheit, dem papiergeld der empfindung, und galanten zoten zu bereichern. Schiller 2, 343; so denk ich, theurer freund, und lasse die geister von der höhern klasse den alten wein aus Rom und Griechenland mit ihres witzes schaum durchwässern. Gotter 1, 427.
dem begriff '
einbildung'
sich nähernd: wenn er (
der frivole) die blase schaut in seinem schaume, scheint sie weltkugel seinem dünkeltraume. Lenau 1, 414
Koch. I@II@1@bb) schaum
in bildern und vergleichen, welche die vergänglichkeit und nichtigkeit alles irdischen, seines leides und seiner lust veranschaulichen. allgemein vom leben, von der zeit: (
ich) habe posto gefaszt, den schaum der zeit von mir weichen sehen und muth bekommen, mir ein liebes häusliches verhältnisz zu gründen. Immermann 1, 191; jüngling, o sieh, da ziehet hin spreu im strom (
der zeit). prächtig ziehn die schäume. Herder
zur schön. lit. u. kunst 3, 138; das leben schalt ein blöder mann, als schaum im bach, als wasserblase. Voss 6, 38; was ist leben? hohler schaum, ein gedicht, ein schatten kaum! Gries
schauspiele Calderons 1, 281. schaum der sterblichkeit,
das vergängliche am menschen: da unsre todtenasch' ein schaum der sterbligkeit, der winde gauckelspiel, wird heylig eingeweiht. Lohenstein
Epicharis 125; was! sie (
die woge) dröhnt? welch gräulicher schall! wo war's, wo ist es gewesen? wind und schaum! — was hab ich doch heut von der wasserhose gelesen? Droste-Hülshoff 1, 248.
mehr das wertlose einer bestimmten lebenszeit betonend: sie (
die junge) opfert blüth und kern, ich (
der alte) nur den schaum der jahre. Lohenstein
Epicharis (1665) 120.
[] von einzelnen vorgängen und empfindungen im gefühlsleben des menschen: mancher schaum des lebens, der weisz und zart und leicht ihn sonst erfreut hätte, erkältete jetzt als graues schweres wasser seine brust. J. Paul
Titan 5, 139.
der oberflächliche, leichte lebensgenusz, die freude dem schaume
des perlenden weines verglichen: dieses ist es, das höchste, zu gleicher zeit das gemeinste; nun das schönste, sogleich auch das abscheulichste nun. nur im schlürfen geniesz du das und koste nicht tiefer; unter dem reizenden schaum sinket die neige zu grund. Göthe 1, 386; auf den goldenen spiegelflächen perlt der freude frischer schaum. lasset oben ab uns zechen! ohne schaum kein schöner traum. W. Müller
ged. 2, 29.
die freude, das glück der schaum
auf der oberfläche der stürmischen lebensfluten: der zucker unsers lebens ist nur ein schaum, der gall' und wermut deckt. Neukirch
über das flüchtige glücke; ich will nicht länger thöricht haschen nach trüber (
lebens-)fluten hellem schaum, hab' aus den augen mir gewaschen mit thränen scharf den letzten traum (
vom glück). Lenau 1, 126
Koch. lust des lebens und das leben selbst zerrinnen dann wie schaum: veränderliches spiel und traum von trucknem schaum, was treugst du mich noch hier? ich kenne dich ja kaum, so musz ich dich alsbald tod, für das leben nennen. Mühlpfort 856; hienieden was ist lust und glück? .. ein wasser, das von bergen rinnt, ein schnee, ein nebel, schaum und wind: auf erden mag nichts bleiben. E.
M. Arndt (1860)
ged. 462; ach die bunten schäume jenes meers der lust sind zerronnen, und der blasse flecken blieb. Rückert (1882) 5, 50; sondern weil nun (
im alter) selbst kein traum bringt, was jenem wachen (
der jugend) gleiche, keiner lust so süszen schaum, der nicht jenen leiden weiche. 167.
in anderem bilde: den kern (
der nusz) heisz ich das ewig leben, die zeitlich freid den schum dor neben. den schum zuo kuwen sindt wir goch, dem kernen synnen wir nit noch. Murner
schelmenz. 43
neudruck. freier, von der liebe: eine kleine weile nur schlegt doch diese liebes-uhr, die, wie flut verschwimmet, wie ein schaum der erstlich göscht, und ein füncklein bald verlöscht, ob es gleich erst glimmet.
Venusgärtlein 19
neudruck. mehr verblaszt: und viele werden leben, die, wie mich, die liebe tränken wird mit ihren schäumen. Rückert 5, 82.
entgegengesetzt, vom leid: auf unserm leben schwimmt wie schaum ein wenig müh und kummer; das leben ist ein morgentraum, der tod ein kurzer schlummer. Stolberg
im musenalm. für 1787
s. 11; nicht senke im traum die verzagende brust; das leid ist der schaum, in der tiefe die lust. Kinkel
ged. (1857) 392. I@II@1@cc)
in weiteren, freieren übertragungen, immer das nichtige, flüchtige hervorhebend. vom eide: wer dieses duftes sog, es erscheinet flugs das schwarze weisz ihm! tugend, erbarmen sind ihm namen; eide, schaum der woge. Stolberg 2, 120.
vom traume, dem wesenlosen schattenbild, ohne leben und erfüllung: traut nicht zu viel auf seinen (
des deutschen Michels) traum, er träumet hart am morgenthore, ein solcher traum wird nimmer schaum. Arndt
ged. 424; liebste! nicht den eitlen schäumen glaube, sondern glaube mir! mehr als blumen, mehr als träumen, glaub' ich, liebste, selber dir. Rückert 1, 387; da sprach sie (
die maid im traumbilde) schnell: sei bald bereit, ich wasche dir dein totenkleid! und als sie dies gesprochen kaum, zerflosz das ganze bild wie schaum. H. Heine 1, 14
Elster. [] verblaszt, mehr nach II, 1,
a weisend: wir (
die dichtarten) sind verändert! stolzes thatgepränge zu keinem ziel und zweck ist uns ein schaum, verwirrtes wogen unverständ'ger menge, von allen träumen ists der schwerste traum. Göthe 4, 25.
freier: und was er (
Dürer) schaffet und schenket, sind bilder seines traumes, sind bilder aus fernen welten, dem land des goldenen schaumes. G. Freytag 1, 302.
für traum
selbst gesetzt: und leider ist auch sie wie jene (
die gestalt der geliebten und Aphrodite) nur ein gebild der schäume. Rückert 5, 189. I@II@1@dd)
sehr häufig wird schaum
formelhaft verbunden I@II@1@d@aα)
mit gleichbedeutenden ausdrücken: feim und schaum (
s. belege bei feim); schöne seyn fliehet gleich wie ein traum, wie göscht und schaum.
Venusgärtlein 14
neudruck. I@II@1@d@bβ)
mit sinnverwandten worten, namentlich mit traum (
s. oben unter c),
im plural: wie sich die zeit des verstandes verschiebt, da doch die jahre nicht säumen; leider in träumen und schäumen sind mir so viele verstäubt und verstiebt. Rückert 5, 306; o hoffnung, hab' ich da gedacht, wie bald zerrinnen träum' und schäume! Droste-Hülshoff 1, 214.
sprichwörtlich: träume sind schäume. Simrock 10449; der vater arbeitete emsig fort und sagte: träume sind schäume, mögen auch die hochgelahrten herren davon denken, was sie wollen. Novalis (1805) 1, 12.
alliterierend mit schein,
der trügt: wie sein ganzes thun nur schaum und schein ist. Schiller 14, 6; sie wuchs auf unter leuten, deren eigentliches geschäft es ist, alle ihre stunden in schein und schaum zu verzetteln. Immermann 5, 112;
mit spreu,
bei jedem windstosz verwehend: im kleinen leicht, im groszen schwer. so vergeht der Deutsche nimmermehr. hält er sich fest das wörtlein treu, zerstäubt vor ihm alles wie schaum und spreu. Arndt
ged. 664;
vereinzelt mit raum: des lebens raum und schaum gleicht einer tageslänge. Mühlpfort 28. I@II@1@ee)
in sprichwörtern, redensarten: sihe dich für; schaum ist kein bier. Eiselein 545.
so auch niederd. schum is neen beer. Schiller-Lübben 4, 151
a; schaum ist kein bier. schein trügt. Schottel 1135
b.
mundartlich: dat vergêt as schûm oppem water. Woeste 234
a. I@II@22) schaum
übertragen auf lebende wesen und ihr verhalten. I@II@2@aa)
in der bibelsprache nach I, 1,
c. der sündhafte mensch, das sündhafte volk ist für gott wertlose metallschlacke; die sünde ist der schaum: dein (
Jerusalems) silber ist schaum worden.
Jes. 1, 22; (
gott will sich an Jerusalem durch dessen feinde rächen) und musz meine hand wider dich keren, und deinen schawm auffs lauterst fegen, und alle dein zyn weg thun. 25.
das bild vom schmelzofen ist durchgeführt: du menschenkind, das haus Israel ist mir zu schaum worden, alle ir ertz, zihn, eisen und bley, ist im ofen zu silberschaum worden. darumb spricht der herr herr also, weil ir denn alle schaum worden seid, sihe, so will ich euch alle gen Jerusalem zusamen thun, wie man silber, ertz .. zusamen thut im ofen, also wil ich euch auch in meinem zorn und grim zusamen thun, einlegen und schmeltzen.
Hes. 22, 18—20.
hierher auch: mit eur peicht tuet ir ab nuer den oberen schaim, aber die schwären sund beleibent an dem grunt.
cod. Germ. mon. bei Lexer
handwb. 2, 687 (
unter scheim). I@II@2@bb)
das von flüssigkeiten oben abgeschäumte unreine, übertragen auf schlechte menschen. jetzt ersetzt durch auswurf, abschaum (
theil 1,
sp. 96),
das schon Adelung
als hochd. üblicher bezeichnet. schaum
in dieser bedeutung in quellen des 16.
bis 18.
jahrh. beliebt: in summa alle muoszige schlingel (unnütze vögel) vatter verderber und galgenasz der schaum von buben, halt in der statt Rom offentlich hausz. Fischart
bienenk. 230
b; du schaum von allen rechtschaffenen kerlen, hast du auch so viel hertze, dasz du mich provociren kanst. Chr. Weise
erzn. 90
neudr.; unter andern umständen würde er ... vielleicht ein schaum der bösewichter, oder das muster eines thoren geworden sein. Lessing 1, 186; o rechter schaum der welt! o tadler ohne sinnen! was meinet ihr doch wol durch miszgunst zu gewinnen? Rist
Parnasz 34;
[] dich hat die freche rott, dich hat das tolle toben und leichter buben schaum an ehr und macht verletzt, eh' als an meinen hals das richt-beil ward gesetzt. Gryphius (1698) 1, 272; als leichter buben schaum gleich einer flut aufflieff, und frech, ich weisz nicht was, durch alle fenster rieff. 301; (
die rache spricht zu dem tyrannen:) schaum der boszheit, pest der welt, erden-wurm, wen trotzest du? 632; ziht dieser buben-schaum nicht selber seinen köpffen kwal und verdammung zu? Lohenstein
Epicharis 102; flieht ihn, er ist wie ich ein schwätzer und verräther, ein feind des freyen staats, ein schaum der übelthäter. Lessing 3, 354; dasz man ihnen (
den negern), als dem schaum der erde, kaum noch luft giebt schwanger von der pest, dasz man schlimmer, als die schlechtste herde, wie insektenbrut, sie faulen läszt. Seume (1826) 1, 134. schaum
und hefe
formelhaft verbunden: kerl, den man mit recht den schaum und die hefen des adels nennen konnte.
ehe eines weibes 77; verläugnungswort dir; hef' und schaum, du lügst! (
word of denial: froth and scum, thou liest).
Shakesp. lustige weiber 1, 1;
milder: man kennt, man überlebt des nachruhms ewigkeiten, die der gelehrten schaum, die schmeichler unsrer zeiten, einander ohn erröthen weihn. Hagedorn 2, 47. I@II@2@cc)
allgemein nach I, 4
eigenschaften des schaums
mit dem lebenden wesen verglichen, auf sie übertragen, das vergängliche betont: denn der könig zu Samarien ist dahin, wie ein schaum auf dem wasser.
Hosea 10, 7; auch den schlummernden (
toten), die hier (
auf erden) schnell wie schaum verschwanden. Matthisson 2, 240.
das wertlose hervorhebend: den dein zorn schmettert sie all (
die widersacher), als schaum der nichts wehrt, zu der erden. Weckherlin (1648) 274; man kan selbst Jupitern kein fetter opfer schlachten als fürsten, die ihr volk für schaum der Thetis achten. Lohenstein
Epicharis 25.
von körperlicher schönheit: der stirne taffelwerk, des halses helffenbein, der lichte carmasin der rothen mundcorallen, die alle dauchten ihr nur leerer schaum zu sein. Hoffmannswaldau
auserles. ged. (1695) 114.
im übergang vom vergänglichen zum trügerischen, vom teufel: der teufel selbst, dem jener (
Faust) sich ergeben, ist nur des gottbewusztseins trübung, ein traum von gott, ein wirrer traum, des tiefen meers vergänglich bunter schaum. Lenau 2, 202
Koch. in den begriff '
falsch'
übergleitend, mundartlich: he is so valsk, as schuum up dem water.
brem. wb. 4, 711.