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schaum

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schaum m.

Bd. 14, Sp. 2349
schaum, m. spuma. AA. Formen. ahd. skûm, mhd. schûm, alts. zufällig nicht belegt, mnd. schûm, schûme. in die neueren german. sprachen wol aus dem deutschen im engeren sinne übergegangen: isländ. skûm neben skûmi Biörn Haldarson 2, 285b, schwed.n. skum, mittelengl. skum neben skome Skeat 536a, neufries. sküm ten Doornkaat Koolman 3, 157b, mnl. schuem, schuym Kilian, neunld. schuim. in älteren dialekten hat sich der wurzelvocal sehr verschieden gestaltet: hd. nd. schum, hd. schume, schaum, schuem, schym, schaim, spuma Dief. 548c, schume, schum, schaume, schaum, schuym, despumarium 176c, schaim, scheum, spuma nov. gloss. 346b, schum, spuma voc. opt. 56a Wackernagel; schem, despumatorium voc. opt. Leipzig 1501, schoum (östreich.) Lexer handwb. 2, 816. in neueren mundarten nd. schum, schuum neben schüm, schuym Schambach 187a. Woeste 234a. Dähnert 418a. brem. wb. 4, 711. Schütze 4, 80 f. (in zusammensetzungen wie schümkelle). in oberd. idiotiken wenig angeführt, weil ohne abweichung und vielfach durch feim ersetzt (s. u.), kärntisch der diphthong zu â verengt schâm Lexer 215, vgl.scham : tram H. Sachs im Cyrus bei Weinhold bair. gr. § 40, alemannisch das alte û erhalten schûm Hunziker 232. soweit ein plur. entwickelt, schon früh umgelautet Lexer handwb. 2, 816b. umlaut im singular schöum, scheum ebenda, andere belege s. oben. die flexion hochdeutsch durchweg stark, im niederdeutschen und den verwandten dialekten auch schwach. Schiller-Lübben 4, 150b. Franck 872. die herkunft des wortes ist unsicher. Fick3 3, 336 und Kluge4 297a führen das ahd. scûm auf eine indogerm. wurzel sku 'bedecken' zurück, schaum die decke auf der oberfläche des wassers, und ziehen ahd. skûwo schatten, nhd. scheune, scheuer heran. oben theil 3, 1450 ist schaum gleich feim (ags. fâm, engl. foam), das in allen deutschen dialekten schon seit dem ahd. (Graff 3, 519a) neben schaum gleichbedeutend und im oberd. herrschend einhergeht, angesetzt worden. anlautende consonanz und wurzelvocal stehen aber dieser annahme entgegen, ebenso das ablautverhältnis dem heranziehen von mhd. schîme, scheim (glanz, schimmer). Lexer handwörterb. 2, 687. zusammenhang mit lat. spuma ist nicht anzunehmen. BB. Gebrauch. II. im eigentlichen sinne. eine gröszere anzahl zusammenhängender, mit luft gefüllter blasen, aus einem an und für sich flüssigen oder in flusz gebrachten stoffe durch starke bewegung entstanden. I@11) schaum auf der oberfläche des stoffes. I@1@aa) allgemein einer wassermasse. hervorgerufen durch heftigen wind, starken fall, anprallen des wassers an den strand, klippen und ähnliche hindernisse. vom wasser überhaupt: das schnell das wasser durchschneidende schiff warf schaum auf; die rotte spielt er unde brach, reht als ein kiel den blanken schûm. tr. krieg 26996; indem es (das wasser), wie gepeitscht, des tages licht verhüllte, und mit ganz weiszem schaum die schwarzen lüfte füllte. Brockes 1, 119; die groszen fische wohl geborgen verblieben in des wassers schaume. Rückert ges. werke 5, 144. [] vom meer: verborgene klippen im meere verraten sich durch den schaum der brandung, wogenbrechung; es ist hier (in der brandung des sees) ein schaum, wenn nur ein wenig wind geht, dasz er jedes schiff in sich begraben kann. Stifter der hagestolz 80; das ufer laut erbrüllet, den luft er (gott durch den wind) ganz in eifermut mit schaum und klang erfüllet. Spee trutzn. 109 Balke; desz leichten glückes gunst ist, wie desz meeres schaum, der brauset und zergeht; ist, wie ein süszer traum. Opitz (1690) 3, 294; der alte Ocean empört sich auf einmal in dicker finsternisz mit allen seinen wellen, bedeckt das schif mit schaum. Pyra u. Lange 165 neudruck; die liebe füllt mit seligem behagen der erde tiefen und der meere schaum. Rückert ges. werke 5, 58; er (der knabe) sprach: mein reich liegt fern so sehr, weit drüben im tiefen, dunkeln meer, dort steigt es aus dem schaume. G. Schwab ged. 1, 186. in freier übertragung: (Cleopatra nennt) die wasserfarth der klugen aberwitz, die schiffe todten-nachen, das meer des Typhons schaum. Lohenstein Cleopatra 51, 626. von wogen, wellen: er (Neptun) selbst ist nicht sein herr, wenn Eolus sich reegt, und ihn der wellen schaum in seine haare schlägt. P. Fleming 80; Alcione sucht ruh auf toller wellen schaum. Gryphius trauersp. 291 Palm; aus der ergrimmten flut geschwärzten flächen sah man der wellen schaum wie weisze flammen brechen. Brockes 1, 118; dort aber, wo im schaum der strudel-reichen wellen die wuth des trüben stroms gestürzte wälder welzt. Haller ged. 39 Hirzel; der Elb- und Muldeflusz ... beschützet, krönt und kühlt mit dem schilfreichen moosz und ihrer fetten wellen schaum des Jenischen gebietes raum. Hagedorn versuch 78 neudr.; (gott) sprüht im funken, grünt im baum, wiegt sich in der welle schaum. Stolberg 2, 249; es keucht der ruderknecht und quirlt zu schaum die wogen. Schiller 6, 413; die wogenungeheuer brechen sich zu schaum und rauch. W. Müller ged. 2, 242; (die riesenwelle, die) plötzlich, ein wüster meerwasserfall, in weiszem gekräusel zusammenstürzt und mich selbst mit schaum bedeckt. H. Heine 2, 70 Elster. vom meeresstrudel: doch endlich, da legt sich die wilde gewalt, und schwarz aus dem weiszen schaum klafft hinunter ein gähnender spalt, grundlos als giengs in den höllenraum. Schiller 11, 221. vom flusz, strom, wasserfall: die gegend war ein gebirge, aus welchem ein flusz in katarakten sich stürzte in feinem schaum und dampf von silberstaub, dann eine kleine ebene durchflosz, und in einem stillen see ruhig dahinwallte. Heinse Ardingh. (1787) 1, 75; leichte windstösze kräuselten lebhafter die säume des stürzenden schaumes (des Rheinfalls bei Schaffhausen). Göthe 43, 161; es hab' halb Africa den harnisch angelegt, der stolze Rhein den schaum für unser heil bewegt. Lohenstein Cleopatra 51, 626; (die Tiber spricht:) obgleich mein strom nicht tausend flüsz einschlingt, mein sand nicht gold, mein schaum nicht perlen führt. 126, 766; der wassersturz, das felsenriff durchbrausend, ... hoch in die lüfte schaum an schäume sausend. Göthe 41, 7 (Faust 2. theil 1. act); was senket aus den wolken sich und taucht aus stromes schaum? Uhland ged. 306 (1864); leicht, wie schnee auf diesen felsenlagen, leicht, wie schaum, den hier die ströme schlagen, schmilzt das glück, und jeder musz entsagen. Platen 4b. vom mühlbach: und das mühlrad peitscht aufzischenden schaum in verdoppelter schnelle wie rasend. Platen 264. vom zarten gekräusel der quelle: tief, tief seine heisze seele in das kühle waldesdunkel, in den feuchten dunst bemooster felsen, in den begeisteten schaum springender quellen zu tauchen, danach lechzt er. Immermann 1, 196; da, wo sonst deine (des felsens) klare quelle auf schaum und moos herab sich stürzt. Geszner 3, 138; [] wann der frost gemach entflohen, ... suchten wir, die wanderfrohen, ... jedes blümchen weicher matten, jeder quelle zarten schaum. Platen 6b. vom brunnen: es quoll ein brunnen in des hofes mitte, ... schon war das mauerwerk halb eingesunken, doch standen rings uralte lindenbäume, die ihren schatten warfen in die schäume. 317a. am gestade: so fing sie (das fischermädchen) an zu waten hinein in schaum und sand und suchte bunte muscheln sich auf dem nassen strand. W. Müller ged. 2, 122; an meiner sohle zerfährt der schaum (beim wandern am ufer des sees). Droste-Hülshoff 1, 130; nach langem laufen sah sie das ufer und seinen schaum und setzte sich ermüdet auf einen gefällten baum. G. Freytag werke 1, 313. allgemein, für schäumende welle: heimweh jagt des abgrunds wilden schaum. Lenau 1, 337 Koch. übertragen von der thränenflut: (schönste) streich den trüben schaum der herben thränenflut und das vergif'te salz von deinen purpurwangen. Neukirch an Melinden, auf ihren namenstag. im bilde, blumen auf der meerflur: die gestirne ordneten sich am firmament zu wunderbaren schicksalsfiguren; azur war die luft und azur das gewässer, dessen schaum rosen waren und schmerzensblumen. Chamisso 2, 268; ein schmetterling ... schwebt der bewimpelte nachen (der liebe) ... durch gekräuselte blumen des schaumes über der grünen meerflur. Rückert ges. werke 1, 580. I@1@bb) schaum von getränken, flüssigkeiten durch schütteln des gefäszes, ausgieszen in ein anderes, rühren, plötzliches zu- und austreten von luft. namentlich von getränken mit starkem gehalt an kohlensäure: Selterswasser, most, champagner entwickeln viel schaum; das bier hat keinen schaum; wann dann (nach tüchtigem rühren) die milch einen gäst oder schaum über sich wirfft. Hohberg 3, 1, 285b; der blies in einen becher den schûm von dem biere. Helmbr. 1167; laszt den schaum zum himmel sprützen: dieses glas dem guten geist. Schiller 4, 4. ähnlich vom saft der weintraube: die treterknaben sieht man kaum (in der geisterkelter), so spritzt um sie der edle schaum. Uhland ged. 320 (1864). für den wein selbst: du (klein Roland) holst wie aus dem bronnen frisch meines rothen weines schaum. 335; giesz den schaum mir ins glas, schenk! Rückert ges. werke 5, 261; liebchen! gib mir nur den duft von des bechers schaume. 292. für schaumwein (s. d.) im übergang zum bilde: dem edelsten weine gleich und dir, o Rhein, ist unsre sprache, reich wie dein strom, mit geheimen tiefen; vom eitlen nachbar, der sich in schaum berauscht, verstanden nimmer, nimmer empfunden! laszt ihm seinen schaum im becher! ihm die sprache, die an der empfindung hinstreift. Stolberg 2, 294. hierher auch die kühne übertragung: es war der gute apfelbaum, (der wirt) bei dem ich eingekehret, mit süszer kost und frischem schaum hat er mich wohlgenähret. Uhland ged. 60. vereinzelt in alter sprache schaum, vom badewasser des kindes Jesu als heilmittel gegen krankheit: die vrowen tûchte gût getân, ob si den schûm vienge. pass. 35, 54 Hahn; swa si den schûm hin streich, alles leit von im entweich. 41, 89. I@1@cc) im engeren sinne: schaum von festen stoffen, welche durch schmelzen, sieden, kochen oder durch gährung in wallung gebracht, leichtere, unreine bestandtheile an die oberfläche ausscheiden (schaum auswerfen, spumare Stieler 1744), von der sie dann gewöhnlich, um den stoff rein zu erlangen, abgeschöpft, abgeschäumt werden (den schaum abnehmen, despumare Steinbach 2, 393). I@1@c@aα) von metallen schlacke, scoria, mnd. schume spuma, metallschlacke Schiller-Lübben 4, 151a, namentlich in älterer sprache [] technischer ausdruck: daʒ eisen dœnt haiserleichen und sein schaum haiʒt ze latein scoria und haiʒt ze däutsch sinder. Megenberg 479, 26; sein (des bleies) schaum behelt silber. 481, 19; des goldes überfluʒ, daʒ ist sein schaum, haiʒt ze latein cadmia. 475, 13; schlacken heiszet man bey den bergwerken alle unreinigkeit, so von den gengen ertzen oder gültigen metallen, im schmelzofen abgehet, oder abgezogen wird ... die deutsche bibel nennet es offt silberschaum, das es auff dem silber schwimmet, wie ein gescht auffm bier, oder schaum auffm wasser. Mathesius Sarepta 108a; auch von schaume rein musz die mischung seyn, dasz vom reinlichen metalle rein und voll die stimme (der glocke) schalle. Schiller 11, 306. als heilmittel: wer den selben schaum (des goldes) in diu augen träuft oder sust dar ein legt, dem peiʒt er diu mail auʒ den augen. Megenberg 475, 14. I@1@c@bβ) von mineralien, der durch zutritt von wasser erhitzte kalk entwickelt schaum: gypsum ist der schaum desz kalcks, sein ist vielerley. Lonicerus kreuterb. (1577) 343c. ähnlich vom salpeter: greiff mit einem löffel an den boden, thu die unsauberkeit herausz, faim den schaum darvon. Fronsperger kriegsb. 2, 219b. vom salz: so bald es auffseudt, wirfft es ein trefflichen schaum uber sich, wie ein siedend fleisch. Mathesius Sar. 127a. vom glas: die schlacken oder schaum so auffm glasz schwimmet, nennet man glaszgallen. 108a. I@1@c@gγ) von pflanzen, früchten u. ähnl. die gährung des weines erzeugt schaum: wird er (der wein) aber flugs von der kelter in einen frischen keller auf die väszer gefüllet, so lieget er wol zwey oder drey tage, ehe er zu gähren anhebet, alsdann wirfft er bläszlein ... also dasz viel schaum oder hefen mit einem groszen dampff und brausen zum spunde heraussteiget. Hohberg 3, 1, 284a; doch im (wein-)keller wirds bedenklich, dem gefäsz entquillt ein schaum, und erstickend ziehn verfänglich dünste durch den düstern raum. Göthe 56, 45. so von einer zusammengekochten mischung von kräutern, wurzeln: der schûm, der ab den würzen trouf. troj. krieg 10724; das bittere getränk, in dessen schaume verborgen ist, was je vom wolkensaume der mitternächte gift'ges niederthaute? Rückert ges. werke 1, 286. freier, schaum für gekochten kaffee: es liegt ein Araber an einem caffeebaume, ihm bringt in hellem gold von dem durchsüszten schaume, den man aus bohnen kocht, die die Levante schickt, ein nackter liebesgott, der lächelnd auf ihn blickt. Zachariä renomm. 3, 70. I@1@c@dδ) von kochenden speisen, namentlich von der fleischbrühe wird der schaum abgeschöpft; auf der milch entsteht ein schaum wenn sie zu sieden anfängt. Campe; im technischen betriebe (zuckersiederei) heiszt es den schaum fallend machen durch auslöschen des feuers, den schaum in die enge bringen, aus dem abgeschöpften schaume den brauchbaren syrup durch kalkwasser und pressen heraustreiben. Jacobsson 3, 557a; im bergbau, fettige materie, die sich auf den bergwassern sammelt. ebenda. I@1@dd) schaum auf dem körper von lebenden wesen. I@1@d@aα) von thieren. allgemein, schweisz infolge groszer anstrengung, schneller bewegung: mit blut besprengt, bedeckt mit schaum, nimmt jetzt des waldes nacht es (das wild) auf. Bürger 71a. namentlich von pferden: (ich spürte) derjenigen, derer wir gewartet hetten, frisch und sahe, dasz der schaum, wie die gäul geschäumt hetten, noch da lag. Götz v. Berl. 72; sein (des reiters) pferd ganz von schaum bedeckt. Eichendorff 3, 348; ûʒ sînem rosse dranc der schûm. troj. krieg 32716; führe den schecken zum stall, und futtr' ihn, Jürgen, mit haber; doch erst trockne den schaum, dasz er kühl werd' ehe du tränkest. Voss 2, 207; vom sattel tropft das blut (des reiters), vom zaum und spült hinunter staub und schaum. Lenau 1, 388 Koch. besonders vom speichel, der zu schaum verwandelt, vor das maul des thieres tritt, sowol aus übergroszer anstrengung, als aus innerer erregung, wut u. ähnl. (s. geifer theil 4, 1. 2 sp. 2564). schaum vor dem maule haben, spumas ore agere Steinbach 2, 393; ein wüthender eber, von wilden rüden gehetzt, mit den gefletschten [] hauern schaum und blut .. um sich schleudernd. Eichendorff 3, 189; mit sînem schûme solgete er (der geträumte eber) daʒ bette und al die bettewât. Trist. 13536; (vom Cerberus:) den skûm er ût den monde warp heit, bitter ende sûr. Eneide 3236 Behaghel; wîʒer schûm dem wurme ûʒ dem slunde schôʒ. Albr. v. Halberstadt 19, 184. übertragen von lasterhafter krankheit: da spritzt es (das laster) den eitrichten fressenden schaum aus stirn und wangen und mund. Schiller räuber 1, 3. auch hier besonders von pferden: das pferdt frasz das gebisz mit schaum, sah zorniglich und sprach (zum esel) 'gib raum!' Waldis Esop 1, 33, 11; ... seyd nicht so unverständig, wie gäul und mäuler seyn, die eh nicht werden bändig, als wenn ihr wildes maul ein scharffer zügel zwingt, dasz ihnen blut und schaum durch beyde leftzen dringt. P. Fleming 18; mein (des rosses) spielend maul voll schaum; mein wohlgewölbter rücken, trug jeden starken mann. Aszmann von Abschatz glückw. an gekr. häubter (1704) 65. I@1@d@bβ) von menschen, speichel, geifer, der als schaum vor den mund tritt, bei gewissen krankheiten, epilepsie, raserei u. ähnl. schaum vor dem munde eines kranken zeichen des nahen todes Paracelsus 2, 2, 12b, zeichen der tobsucht 483b. der wuth: blut! war mein erster gedanke, blut! mein letzter. schaum auf dem munde renn ich nach hausz, wähle mir einen dreyspitzigen degen, und damit in aller hast in des ministers hausz. Schiller räuber 3, 2; sie (die dichterlinge) krümmen sich im staub und lästern. ihr eignes gifft, ihr schaum, begeiffert sie. Pyra u. Lange 57 neudruck. bei drohender erwürgung: swenn der tiufel darzu schurget, daʒ vil manger wirt gewurget (im turnier), daʒ vor dem munde lît der schûm. renner 11554. nur vereinzelt auch vom schweisz des menschen: rôt und wîʒ geblüemettrüeg ich von rôsen kranz bî edelen kriuten, noch sanfter danne sie (die männer und ihre rosse) truogen den schûm (im kampfgewühl) sô wîʒ und rôten. jüng. Titurel 4088. I@1@d@gγ) schaum des pferdes als merkmal guter oder schlechter qualität des thieres: so werden auch die pferde, die ein feuchtes maul haben, darum gelobt, weil ein dicker weiszer schaum ein zeichen ist, dasz ihnen dasz gebisz angenehm, und dasz sie gesund sind. Hohberg 2, 133b; so musz auch der schaum nicht dünn, flüssig, bleyfarb oder gelb seyn, dann es bedeutet auch ein flüssiges hirn und böses temperament des kopfes. ebenda. ähnlich als krankheitszeichen: da ist sonderlich das haubtwehe oder siechthum der pferde, welches sehr hart zu erkennen, doch sind etliche umstände, die es etlicher maszen verrathen, als .. dünner schaum, so zähe aus dem munde fällt, und dergleichen. 2, 197a. schaum von pferden aber auch als heilmittel bei gewissen menschlichen krankheiten: Marcellus sagt, dasz vor die schwindsucht, wann sie auch in der extremitet ist, das beste und gewisseste mittel sey, wann man den schaum oder speichel vom rosz in warmen wein 3 tage nach einander eingiebt. 2, 187a. ebenso niederd.: welk minsche vorghiftnisse an dem live hefft, de schal nemen eyn vet perd unde laten dat rennen, went id schume, unde nemen den schumen in eyn schottelen, unde do to deme schumen like vel soltes unde twie also vele etekes, unde drinck dat, so spiggestu de vorghiftnisse ut. quelle bei Schiller-Lübben 4, 150b. I@22) ein stoff kann durch fortgesetztes schlagen, quirlen, reiben oder durch starkes kochen, schmelzen vorübergehend vollständig aufgelöst und in schaum verwandelt werden. eiweisz wird zu schaum geschlagen. Campe. für gewisse speisen: der conditor schlägt sahne zu schaum für bestimmte backwerke. seife wird zu schaum zerrieben beim waschen, der barbier schlägt schaum vor dem rasieren. metalle und thierische stoffe können bei sehr hoher temperatur zu schaum zerschmelzen, zerkochen. bildlich, mnd.: dyn sulver ist vorkeret in schumen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 151a. I@33) selten, dichterisch schaum übertragen auf schaumähnlichen dunst von luftgebilden. vom regenbogen: ach! dasz man schimmernd glas für gold und perlen hält. dasz der gewölckte schaum gefärbter regenbogen dem schnecken-blutte wird desz purpers fürgezogen! Lohenstein Cleopatra 25, 871. [] vom wogenden morgennebel: nun breitet sichs, nun steht es überm schaume; was steigt herauf? ein bild aus kühnem traume, o Säntis, Säntis, deine maiestät! Droste-Hülshoff 1, 413. I@44) vereinzelt schon mhd., häufig und in den verschiedensten wendungen seit beginn des nhd. wird das wesen, die beschaffenheit des schaums durch beiworte oder sätze näher bestimmt. I@4@aa) nach dem eindruck auf das gesicht wird näher bestimmt: I@4@a@aα) farbe, in schönem bilde, weiszer schaum: sîn hâr was im brûn gevar, von wîʒem schûme drûffe gar als eʒ eins winders wære besnît. Wolfram v. Eschenbach Willeh. 59, 11; segel schwellen! grüne wellen, weisze schäume. Göthe 2, 45; silberner schaum: sie (die sonne) hängt dem fuhrmannspferd zum maule den weiszen schaum. Immermann 13, 189; Amalia, reitzend wie Cypria war, als sie eine welle des meeres gebar. sie schlüpfte aus silbernem schaume empor, begrüszt von der götter olympischen chor. Schubart (1829) 3, 29; himmel und erde verschwinden am donnernden felsenerschüttrer (dem Rheinfall); nur, o geliebte, dein bild malt sich im silbernen schaum. Matthisson 1, 132. die beschaffenheit und farbe des stoffes wirkt auf die färbung des schaumes auf der oberfläche: (er sah) wie jeder fallende (regen-)tropfen einen sich elastisch erweiternden kleinen kreis im schon stehenden wasser bildete, wie weisze blasen aufsprangen oder schwefelgelber schaum sich absetzte. Reichenau aus unsern 4 wänden 177; freier: lippen, die scharlach und rosen bedecken, welche der marmol der wangen umflicht, rühret von purpurnem schaume der schnecken, euere göttliche lieblichkeit nicht? Hoffmannswaldau auserles. ged. (1695) 274. umgekehrt: ihr felsen hart unnd raw, ihr klippen von schaum graw. Venusgärtlein 145 neudruck. I@4@a@bβ) die sichtbare beweglichkeit, das auf- und absteigen des schaumes: spritzender schaum; wie ein fester damm den sturm gedrungner wellen, wie sehr ihr schaum sich bläht, zurücke zwingt zu prellen. Haller ged. 91 Hirzel; laut mit jubelgeheul braust hin die entkettete welle, und den zerstäubenden schaum dampft sie als opfer des siegs. Kinkel ged. 178. in beziehung auf die schnelle auflösung des schaumes: ich neulich merkets toben (des meeres), währt etlich stunden kaum, da war all macht zerstoben, zerschmolzen aller schaum. Spee trutzn. 20 Balke. gern in vergleichen: o, schau mich an! ich zergeh wie schaum. wenn aus dem grabe die distel quillt, dann zuckt mein längst zerfallnes bild wohl einmal durch deinen traum! Droste-Hülshoff 1, 132; dort, wo die graue cathedrale, ein riesenhafter zeitentraum, entsteigt dem düstern trümmermale der macht, die auch zerrann wie schaum. 315. α und β verbunden: kaum hatt' er den (zauber-)kelch gegeben, als es in dem wunderding brausend an zu gähren fing und mit macht herauszustreben, gleich als ob der traube leben perlte drinnen; sich erheben thät alsbald der weisze schaum höher denn des kelches saum. Stolberg 1, 187. I@4@bb) nach dem gehör. der schaum zischt, rauscht u. ähnl.: die lippen nur kaum an jäsendem schaum des rothen safts (weins) zu nätzen. L. Schnüffis Mir. flötl. 219; wie schon Aurorens rosenhand des himmels schimmerndes gewand, umrauschet von der wogen schaum, in Thitons kühlen hallen webte. Stolberg 2, 33. I@4@cc) nach dem geschmack bestimmt: süszer schaum des weines; süsz schmeckt der schaum auf torten und anderm feinen gebäck. [] I@4@dd) nach dem gefühl, weich: ich möcht' vom höchsten baume mich stürzen in die flut! ich möchte zu weichem schaume verspülen meine glut! W. Müller ged. 2, 109. seidener schaum, zugleich a treffend, übertragen: das summt' und säuselt mir wie traum, wie surrender bienen lesen, als sei ich einst ein seidener schaum, eine spitzenmanschette gewesen! Droste-Hülshoff 1, 189. I@4@ee) nach seiner leichtigkeit: und wie? meine freunde! alle diese erworbenen göttlichen vollkommenheiten fahren dahin, wie leichter schaum auf dem wasser. Mendelssohn Phädon 3. gespr.; Rheinwein, von ihnen hast du die edelste (seele), und bist es würdig, dasz du des Deutschen geist nachahmst! bist glühend, nicht aufflammend, taumellos, stark, und von leichtem schaum leer. Klopstock 1, 113; ich werde seyn! wenn alles untergeht, ... und selbst der Montblanc in der wandlung strom, der tausendarmig sich durchs weltall windet, mit jeder spur, wie leichter schaum, verschwindet. Matthisson 1, 107; doch unser poet, seit jahren erwägt sein geist die gefährliche laufbahn: was andern ein spiel blosz dünkt, was leicht, wie den schaum, von der fläche sie schöpfen; — er findet es schwer, ihm liegt es so tief, ja, tief, wie die perle des tauchers! Platen 282b. I@55) wie nach 1, c der schaum von ursprünglich festen stoffen selbst feste bestandtheile aufweist, so enthält auch der schaum des unreinen, salzhaltigen oder sonst wie gesättigten wassers unlösliche theile, die sich nach dem zerplatzen der luftblasen als kruste niederschlagen: verherteter schaum der da an die ror ansitzt, adarca Maaler 348c; im vergleich: wo sand'ge höhn den sund umborden sanct Georgs, wie schaum, der starr geworden. Immermann 13, 98. der schaum des meeres, verkrustet und festgesetzt: aus dem haupt entrieb er den schaum der öden gewässer. Voss Odyss. 6, 226. der so durchsetzte schaum ist mit fruchtbaren bestandtheilen geschwängert, aus ihm wird nach griechischer mythe die schönheitsgöttin Ἀφροδίτη ἀναδυομένη geboren. häufig mit theilweise verworrenen und gesuchten bildern aufgenommen von der mythologisierenden dichtung seit dem 17. jahrh.: diese Venus steigt schon ganz vollendet aus dem schaume des meeres empor. Schiller über anmuth u. w. 6; man saget, Venus sey entsprossen nur blos her aus des meeres schaum. S. Dach 469 Österley; und wie aus einem schaume das geile Venus-weib in kalter meeres-schosz empfangen und gebohrn. P. Fleming 261; hat schaum und muschel dann mich (Venus) göttin lassen werden, dasz man mich itzt verlacht im himmel und auf erden. Hoffmannswaldau der aus d. himmel verb. Cupido; (es ist wahrscheinlich) das die geschwellte flut des blau-gesaltznen schaums, geschwängert durch das blut, des himmels saamen sey. auserles. ged. 231 (1695); allein es hat es selbst der götterfürst bekennet, die liebe, die zuvor in seiner brust gebrennet, disz feuer hätte sich wie staub und rauch verlohrn, nachdem die Paphie der schwangre schaum gebohrn. 235; ahndend, welch ein wunder werde, welch ein götterwerk aus schaum, träumten himmel, meer und erde tief der wonne süszen traum. Bürger 1b. anders gewendet: man sagt: die Venus sey, ihr wesen zu verstellen, nicht nach gemeiner art, besonders aus den wellen in einer muschel helm empfangen und gezeugt, wo sie des meeres schaum gewieget und gesäugt. Hoffmannswaldau auserles. ged. 171. eigenschaften des schaums mit dem wesen der liebe verglichen: gewiszlich, saltz und schaum kömmt deiner (Aphrodites) eigenschafft und würckung ziemlich bey. 231. in freier übertragung: aus solchen quellen (der liebe) strömt ein unergründlich meer, von diesem stieg und kam der heyden Venus her, als zwischen saltz und schaum ihr zuckerkand zerflossen. Günther 1060. scherzhaft übertragen: sohn vom schaume des meers, lieblich gebräunter (meerschaum-) kopf. Voss 3, 9. [] I@66) mundartlich schum niedriges gras Hunziker 232 (ob hierher gehörig?). technisch soviel als feinste art des zum flechten gebrauchten strohes Meyer convers.-lexicon (1851) 2, 7, 529. I@IIII. übertragung, übergang auf unsinnliches gebiet. namentlich in gehobener nhd. schriftsprache werden in zahlreichen bildlichen, auf geistiges und sittliches hinzielenden wendungen concrete eigenschaften des schaumes übertragen auf I@II@11) abstracte dinge, meist in vergleichen mit betonung des oberflächlichen, trügerischen, wertlosen des schaumes und mit tadelndem beisinne. I@II@1@aa) der schaum als blendend, prickelnd, aber wertlos; von oberflächlicher halbbildung, blendendem witz im gegensatze zum tiefen, klaren, prunklosen wissen: da, wo man berechtigt ist, eine strenge bestimmung der begriffe zu erwarten, gab das dichterische genie nicht selten bilder, auch wohl statt wahrhafter gedanken blendenden schaum. Götting. gel. anzeigen (1806) 495; begierig schlürfte er (Heinrich Heine) den schaum von jedem Pariser feuertranke. Treitschke d. gesch. 4, 422; er studirte vielerlei durcheinander, nippte von allem nur den schaum und nur das sonderbare vermochte ihn zu fesseln. Heinr. Seidel aus der heimath 169; gedankenwechsel ists, was gleich dem stosz und gegenstosz kämpfender wogen bricht, bricht den gelehrten schaum und hellet auf des tiefstudierers stehenden pfuhl. Herder zur schön. lit. u. kunst 4, 47; armer schlucker, du wähnst, du habest den Roszbach getrunken. was in dir sprudelt und braust, ist hippocrenischer schaum. gegengeschenke (1797) 5; o nein! er (der franz. feind) beschlich uns vorlängst in der sitten gift, in der gleiszenden sprache schaum. Stolberg 2, 310. in ähnlichen bildern, nach schaum I, 1, c: dies thät ich, als mein witz noch gar zu unreiff hiesz, und wie ein siedend fett den schaum voran verstiesz. Günther 376. von der erzählungskunst, ohne tadelnden nebensinn: ich hing an seines mantels saum, berauscht von seiner lippen süszem schaum. Rückert 11, 231. mit hefe zusammen: indesz werden (in mehr als einem sinne) deutsche hefe und französischer schaum bald sich senken, und das geistige ungetrübt nachlassen. J. Paul friedenpr. 45. ähnlich meist mit tadelndem, ironischem beisinn, das seichte hervorhebend oder an die bedeutung 'blendwerk, prunk' streifend: (in Klopstocks liedern ist) wirklich etwas zu viel orientalischer schaum und christliche gegenstände (sind) orientalisch behandelt. Herder z. schön. lit. u. kunst 2, 30; und das grosze heer unserer süszen müssiggänger mit dem schaume der weisheit, dem papiergeld der empfindung, und galanten zoten zu bereichern. Schiller 2, 343; so denk ich, theurer freund, und lasse die geister von der höhern klasse den alten wein aus Rom und Griechenland mit ihres witzes schaum durchwässern. Gotter 1, 427. dem begriff 'einbildung' sich nähernd: wenn er (der frivole) die blase schaut in seinem schaume, scheint sie weltkugel seinem dünkeltraume. Lenau 1, 414 Koch. I@II@1@bb) schaum in bildern und vergleichen, welche die vergänglichkeit und nichtigkeit alles irdischen, seines leides und seiner lust veranschaulichen. allgemein vom leben, von der zeit: (ich) habe posto gefaszt, den schaum der zeit von mir weichen sehen und muth bekommen, mir ein liebes häusliches verhältnisz zu gründen. Immermann 1, 191; jüngling, o sieh, da ziehet hin spreu im strom (der zeit). prächtig ziehn die schäume. Herder zur schön. lit. u. kunst 3, 138; das leben schalt ein blöder mann, als schaum im bach, als wasserblase. Voss 6, 38; was ist leben? hohler schaum, ein gedicht, ein schatten kaum! Gries schauspiele Calderons 1, 281. schaum der sterblichkeit, das vergängliche am menschen: da unsre todtenasch' ein schaum der sterbligkeit, der winde gauckelspiel, wird heylig eingeweiht. Lohenstein Epicharis 125; was! sie (die woge) dröhnt? welch gräulicher schall! wo war's, wo ist es gewesen? wind und schaum! — was hab ich doch heut von der wasserhose gelesen? Droste-Hülshoff 1, 248. mehr das wertlose einer bestimmten lebenszeit betonend: sie (die junge) opfert blüth und kern, ich (der alte) nur den schaum der jahre. Lohenstein Epicharis (1665) 120. [] von einzelnen vorgängen und empfindungen im gefühlsleben des menschen: mancher schaum des lebens, der weisz und zart und leicht ihn sonst erfreut hätte, erkältete jetzt als graues schweres wasser seine brust. J. Paul Titan 5, 139. der oberflächliche, leichte lebensgenusz, die freude dem schaume des perlenden weines verglichen: dieses ist es, das höchste, zu gleicher zeit das gemeinste; nun das schönste, sogleich auch das abscheulichste nun. nur im schlürfen geniesz du das und koste nicht tiefer; unter dem reizenden schaum sinket die neige zu grund. Göthe 1, 386; auf den goldenen spiegelflächen perlt der freude frischer schaum. lasset oben ab uns zechen! ohne schaum kein schöner traum. W. Müller ged. 2, 29. die freude, das glück der schaum auf der oberfläche der stürmischen lebensfluten: der zucker unsers lebens ist nur ein schaum, der gall' und wermut deckt. Neukirch über das flüchtige glücke; ich will nicht länger thöricht haschen nach trüber (lebens-)fluten hellem schaum, hab' aus den augen mir gewaschen mit thränen scharf den letzten traum (vom glück). Lenau 1, 126 Koch. lust des lebens und das leben selbst zerrinnen dann wie schaum: veränderliches spiel und traum von trucknem schaum, was treugst du mich noch hier? ich kenne dich ja kaum, so musz ich dich alsbald tod, für das leben nennen. Mühlpfort 856; hienieden was ist lust und glück? .. ein wasser, das von bergen rinnt, ein schnee, ein nebel, schaum und wind: auf erden mag nichts bleiben. E. M. Arndt (1860) ged. 462; ach die bunten schäume jenes meers der lust sind zerronnen, und der blasse flecken blieb. Rückert (1882) 5, 50; sondern weil nun (im alter) selbst kein traum bringt, was jenem wachen (der jugend) gleiche, keiner lust so süszen schaum, der nicht jenen leiden weiche. 167. in anderem bilde: den kern (der nusz) heisz ich das ewig leben, die zeitlich freid den schum dor neben. den schum zuo kuwen sindt wir goch, dem kernen synnen wir nit noch. Murner schelmenz. 43 neudruck. freier, von der liebe: eine kleine weile nur schlegt doch diese liebes-uhr, die, wie flut verschwimmet, wie ein schaum der erstlich göscht, und ein füncklein bald verlöscht, ob es gleich erst glimmet. Venusgärtlein 19 neudruck. mehr verblaszt: und viele werden leben, die, wie mich, die liebe tränken wird mit ihren schäumen. Rückert 5, 82. entgegengesetzt, vom leid: auf unserm leben schwimmt wie schaum ein wenig müh und kummer; das leben ist ein morgentraum, der tod ein kurzer schlummer. Stolberg im musenalm. für 1787 s. 11; nicht senke im traum die verzagende brust; das leid ist der schaum, in der tiefe die lust. Kinkel ged. (1857) 392. I@II@1@cc) in weiteren, freieren übertragungen, immer das nichtige, flüchtige hervorhebend. vom eide: wer dieses duftes sog, es erscheinet flugs das schwarze weisz ihm! tugend, erbarmen sind ihm namen; eide, schaum der woge. Stolberg 2, 120. vom traume, dem wesenlosen schattenbild, ohne leben und erfüllung: traut nicht zu viel auf seinen (des deutschen Michels) traum, er träumet hart am morgenthore, ein solcher traum wird nimmer schaum. Arndt ged. 424; liebste! nicht den eitlen schäumen glaube, sondern glaube mir! mehr als blumen, mehr als träumen, glaub' ich, liebste, selber dir. Rückert 1, 387; da sprach sie (die maid im traumbilde) schnell: sei bald bereit, ich wasche dir dein totenkleid! und als sie dies gesprochen kaum, zerflosz das ganze bild wie schaum. H. Heine 1, 14 Elster. [] verblaszt, mehr nach II, 1, a weisend: wir (die dichtarten) sind verändert! stolzes thatgepränge zu keinem ziel und zweck ist uns ein schaum, verwirrtes wogen unverständ'ger menge, von allen träumen ists der schwerste traum. Göthe 4, 25. freier: und was er (Dürer) schaffet und schenket, sind bilder seines traumes, sind bilder aus fernen welten, dem land des goldenen schaumes. G. Freytag 1, 302. für traum selbst gesetzt: und leider ist auch sie wie jene (die gestalt der geliebten und Aphrodite) nur ein gebild der schäume. Rückert 5, 189. I@II@1@dd) sehr häufig wird schaum formelhaft verbunden I@II@1@d@aα) mit gleichbedeutenden ausdrücken: feim und schaum (s. belege bei feim); schöne seyn fliehet gleich wie ein traum, wie göscht und schaum. Venusgärtlein 14 neudruck. I@II@1@d@bβ) mit sinnverwandten worten, namentlich mit traum (s. oben unter c), im plural: wie sich die zeit des verstandes verschiebt, da doch die jahre nicht säumen; leider in träumen und schäumen sind mir so viele verstäubt und verstiebt. Rückert 5, 306; o hoffnung, hab' ich da gedacht, wie bald zerrinnen träum' und schäume! Droste-Hülshoff 1, 214. sprichwörtlich: träume sind schäume. Simrock 10449; der vater arbeitete emsig fort und sagte: träume sind schäume, mögen auch die hochgelahrten herren davon denken, was sie wollen. Novalis (1805) 1, 12. alliterierend mit schein, der trügt: wie sein ganzes thun nur schaum und schein ist. Schiller 14, 6; sie wuchs auf unter leuten, deren eigentliches geschäft es ist, alle ihre stunden in schein und schaum zu verzetteln. Immermann 5, 112; mit spreu, bei jedem windstosz verwehend: im kleinen leicht, im groszen schwer. so vergeht der Deutsche nimmermehr. hält er sich fest das wörtlein treu, zerstäubt vor ihm alles wie schaum und spreu. Arndt ged. 664; vereinzelt mit raum: des lebens raum und schaum gleicht einer tageslänge. Mühlpfort 28. I@II@1@ee) in sprichwörtern, redensarten: sihe dich für; schaum ist kein bier. Eiselein 545. so auch niederd. schum is neen beer. Schiller-Lübben 4, 151a; schaum ist kein bier. schein trügt. Schottel 1135b. mundartlich: dat vergêt as schûm oppem water. Woeste 234a. I@II@22) schaum übertragen auf lebende wesen und ihr verhalten. I@II@2@aa) in der bibelsprache nach I, 1, c. der sündhafte mensch, das sündhafte volk ist für gott wertlose metallschlacke; die sünde ist der schaum: dein (Jerusalems) silber ist schaum worden. Jes. 1, 22; (gott will sich an Jerusalem durch dessen feinde rächen) und musz meine hand wider dich keren, und deinen schawm auffs lauterst fegen, und alle dein zyn weg thun. 25. das bild vom schmelzofen ist durchgeführt: du menschenkind, das haus Israel ist mir zu schaum worden, alle ir ertz, zihn, eisen und bley, ist im ofen zu silberschaum worden. darumb spricht der herr herr also, weil ir denn alle schaum worden seid, sihe, so will ich euch alle gen Jerusalem zusamen thun, wie man silber, ertz .. zusamen thut im ofen, also wil ich euch auch in meinem zorn und grim zusamen thun, einlegen und schmeltzen. Hes. 22, 18—20. hierher auch: mit eur peicht tuet ir ab nuer den oberen schaim, aber die schwären sund beleibent an dem grunt. cod. Germ. mon. bei Lexer handwb. 2, 687 (unter scheim). I@II@2@bb) das von flüssigkeiten oben abgeschäumte unreine, übertragen auf schlechte menschen. jetzt ersetzt durch auswurf, abschaum (theil 1, sp. 96), das schon Adelung als hochd. üblicher bezeichnet. schaum in dieser bedeutung in quellen des 16. bis 18. jahrh. beliebt: in summa alle muoszige schlingel (unnütze vögel) vatter verderber und galgenasz der schaum von buben, halt in der statt Rom offentlich hausz. Fischart bienenk. 230b; du schaum von allen rechtschaffenen kerlen, hast du auch so viel hertze, dasz du mich provociren kanst. Chr. Weise erzn. 90 neudr.; unter andern umständen würde er ... vielleicht ein schaum der bösewichter, oder das muster eines thoren geworden sein. Lessing 1, 186; o rechter schaum der welt! o tadler ohne sinnen! was meinet ihr doch wol durch miszgunst zu gewinnen? Rist Parnasz 34; [] dich hat die freche rott, dich hat das tolle toben und leichter buben schaum an ehr und macht verletzt, eh' als an meinen hals das richt-beil ward gesetzt. Gryphius (1698) 1, 272; als leichter buben schaum gleich einer flut aufflieff, und frech, ich weisz nicht was, durch alle fenster rieff. 301; (die rache spricht zu dem tyrannen:) schaum der boszheit, pest der welt, erden-wurm, wen trotzest du? 632; ziht dieser buben-schaum nicht selber seinen köpffen kwal und verdammung zu? Lohenstein Epicharis 102; flieht ihn, er ist wie ich ein schwätzer und verräther, ein feind des freyen staats, ein schaum der übelthäter. Lessing 3, 354; dasz man ihnen (den negern), als dem schaum der erde, kaum noch luft giebt schwanger von der pest, dasz man schlimmer, als die schlechtste herde, wie insektenbrut, sie faulen läszt. Seume (1826) 1, 134. schaum und hefe formelhaft verbunden: kerl, den man mit recht den schaum und die hefen des adels nennen konnte. ehe eines weibes 77; verläugnungswort dir; hef' und schaum, du lügst! (word of denial: froth and scum, thou liest). Shakesp. lustige weiber 1, 1; milder: man kennt, man überlebt des nachruhms ewigkeiten, die der gelehrten schaum, die schmeichler unsrer zeiten, einander ohn erröthen weihn. Hagedorn 2, 47. I@II@2@cc) allgemein nach I, 4 eigenschaften des schaums mit dem lebenden wesen verglichen, auf sie übertragen, das vergängliche betont: denn der könig zu Samarien ist dahin, wie ein schaum auf dem wasser. Hosea 10, 7; auch den schlummernden (toten), die hier (auf erden) schnell wie schaum verschwanden. Matthisson 2, 240. das wertlose hervorhebend: den dein zorn schmettert sie all (die widersacher), als schaum der nichts wehrt, zu der erden. Weckherlin (1648) 274; man kan selbst Jupitern kein fetter opfer schlachten als fürsten, die ihr volk für schaum der Thetis achten. Lohenstein Epicharis 25. von körperlicher schönheit: der stirne taffelwerk, des halses helffenbein, der lichte carmasin der rothen mundcorallen, die alle dauchten ihr nur leerer schaum zu sein. Hoffmannswaldau auserles. ged. (1695) 114. im übergang vom vergänglichen zum trügerischen, vom teufel: der teufel selbst, dem jener (Faust) sich ergeben, ist nur des gottbewusztseins trübung, ein traum von gott, ein wirrer traum, des tiefen meers vergänglich bunter schaum. Lenau 2, 202 Koch. in den begriff 'falsch' übergleitend, mundartlich: he is so valsk, as schuum up dem water. brem. wb. 4, 711.
40077 Zeichen · 604 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schaum

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Schaum , des -es, plur. car. ein durch eine heftige Bewegung in zusammen hangende Blasen verwandelter flüssiger Körp…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schaum

    Goethe-Wörterbuch

    Schaum a konkr: lockere, leichte, weitgehend aus Luft- od Gasblasen bestehende (feuchte) Masse; einmal synekdochisch für…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schaum

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schaum , eine Ansammlung von Luftbläschen, die durch dünne Flüssigkeitshäutchen voneinander getrennt sind. Man kann S. e…

  4. modern
    Dialekt
    Schaum

    Lothringisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Schaum s. Schum.

  5. Sprichwörter
    Schaum

    Wander (Sprichwörter)

    Schaum 1. Es ist nicht alles Schaum, was das Meer ausspült. – Altmann VI, 408. 2. Man muss den schaum vom silber wäschen…

  6. Spezial
    Schaum

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Schaum m. (-[e]s, Schäume) 1 (auf der Oberfläche von brausendem Wasser) scaia (-ies) f. 2 scaioz m. 3 (Geifer) sbava (-v…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schaum

192 Bildungen · 129 Erstglied · 62 Zweitglied · 1 Ableitungen

schaum‑ als Erstglied (30 von 129)

Schaumguts

SHW

Schaum-guts Band 5, Spalte 215-216

Schaumwein

SHW

Schaum-wein Band 5, Spalte 215-216

schaumachtig

DWB

schaum·achtig

schaumachtig , schaumechtig , adj. spumosus, jetzt veraltete weiterbildung aus schaumecht, schaumicht ( s. d. ): spumifer vel spumiger, scha…

Schaumal

DRW

schau·mal

Schaumal, n. amtliches Kontrollzeichen vgl. Mal (I), Schauzeichen es soll ... der ain schawer das ordenlich steckenmeß vnd der ander das sch…

schaumartig

DWB

schaum·artig

schaumartig , adj. nach art des schaumes: kleine, schaumartige wassertropfen. Oken 5, 1599 .

schaumbecken

DWB

schaum·becken

schaumbecken , n. ein von den barbieren zum schlagen und aufbewahrung des seifenschaumes gebrauchtes behältnis.

schaumbedeckt

DWB

schaum·bedeckt

schaumbedeckt , adj. und adverb, mit schaum bedeckt. namentlich vom pferde: bang von leiser ahndung spornet Horst sein schaumbedecktes rosz.…

schaumberg

DWB

schaum·berg

schaumberg , m. bergeshohe schaummasse ( s. schaumgebirge): du herr der himmel und der erden! ach, lieszest gnädig du durch mich ein wunder …

Schaumberger

Meyers

schaum·berger

Schaumberger , Heinrich , Volksschriftsteller, geb. 15. Dez. 1843 in Neustadt a. d. Heide (Sachsen-Koburg), gest. 16. März 1874 in Davos, wi…

schaumbier

DWB

schaum·bier

schaumbier , n. ein flaschenbier, das beim ausschenken sehr viel schaum gibt. Campe.

schaumbild

DWB

schaum·bild

schaumbild , n. trügerisches schattenbild ohne wert, sich schnell verflüchtigend: die wohlgestalt, die mich voreinst entzückte, in zauberspi…

schaumblase

DWB

schaum·blase

schaumblase , f. mit luft gefüllter, durchsichtiger bestandtheil des schaumes. übertragen: ( ich, Verrina wollte ) mich erdrosseln, dasz mei…

Schaumburg

Herder

schaum·burg

Schaumburg , eigentlich Schauenburg , ehemals Grafschaft in Westfalen, 1619 Fürstenthum, nach dem Erlöschen des Mannsstammes (1640) zwischen…

Schaumburg-Lippe

Herder

schaumburg·lippe

Schaumburg-Lippe , deutsches Fürstenthum, ein Stück der alten Grafschaft Schaumburg, liegt zwischen Hannover, Preußen u. Kurhessen, hat auf …

schaumbusch

DWB

schaum·busch

schaumbusch , m. : schaumbüsche fahren auf ( beim rudern durch eine schlucht ) an den unnahbaren, unerbittlichen schroffen der ufer. Vischer…

schaumcylinder

DWB

schaum·cylinder

schaumcylinder , m. in papierfabriken maschine zum feinen zerarbeiten des papierstoffes ( s. DWB schäumer ).

Schaumdiehle

Adelung

Die Schaumdiehle , plur. die -n, an dem Steuerruder eines Schiffes, eine Diehle oder ein Bret, welches bis zum Schwerte des Ruders senkrecht…

schaum als Zweitglied (30 von 62)

Abschaum

RDWB1

Abschaum m übertr. (kein Bezug zu "пена") быдло груб. , отребье, отбросы общества идиом. , подонки общества устойч.

abschaum

DWB

abschaum , m. , was auf flüssigkeiten oben abgenommen werden kann, purgamentum supernatans, faex, τρύξ , auswurf, dann aber das schlechteste…

blasenschaum

DWB

blasen·schaum

blasenschaum , m. spuma bullarum: und von der erde siedets auf in blasenschaum. Stolberg 14, 128 .

eberschaum

DWB

eber·schaum

eberschaum , m. spuma, coitus apri: zeit des eberschaums. lasset die moren nicht eh ramlen, sie seien dan ein jar, der eber aber drei oder v…

eischaum

DWB2

eischaum , eierschaum m. : 1691 Stieler stammbaum 1744. 1975 Bieler mädchenkrieg 542.

erzschaum

DWB

erz·schaum

erzschaum , m. palea, spuma aeris, schlacken auf dem schmelzenden erz.

farbenschaum

DWB

farben·schaum

farbenschaum , m. da teuscht kein wahn, berauscht kein sinnentraum mit hofnungsbildern aus dem feenreich, an leer und unbestand dem farbensc…

flockenschaum

DWB

flocken·schaum

flockenschaum , m. sahst je du, wie im blauen himmelsraume ein klein gewölk kaum sichtbar erst entstehet, doch bald mit gröszeren zusammen g…

flutschaum

DWB

flut·schaum

flutschaum , m. spuma maris: des flutschaums blum im haar. Platen 128 a .

frühlingsschaum

DWB

fruehlings·schaum

frühlingsschaum , m. ein im april an weidenzweigen, der pechnelke und andern pflanzen sich zeigender speichelähnlicher schaum, der von den j…

geistesschaum

DWB

geiste·s·schaum

geistesschaum , m. schaum, schmutziger abschaum des geistes: vor lesern, die mich nur mit ihrem geistesschaume besudeln, schütze mich dein g…

giftschaum

DWB

gift·schaum

giftschaum , m. : ihr hertz von gifftschaum rauchet Schirmer Virgil (1668) 338 ; vgl. noch Droysen Äschylus (1841) 182 . —

glasschaum

DWB

glas·schaum

glasschaum , m. , glasgalle ( s. d. ), vgl. DWB glasschaum oder salzblüst spuma vitri Fischart onomast. (1574) 20 : glaszsaltz, glasztrüsen,…

goldschaum

DWB

gold·schaum

goldschaum , m. , ältere nebenformen goldscheim, -schein. 1 1) der schaum, rückstand, die schlacke, die beim schmelzen des goldes entsteht, …

hofschaum

DWB

hof·schaum

hofschaum , m. gesellschaft eines fürstlichen hofes unter dem bilde des schaums: in Frankreich stand sonst viel hofschaum auf dem bewegliche…

klebeschaum

DWB

klebe·schaum

klebeschaum , m. bei Tieck : oben mit dem weiszen klebeschaum im kopf, in dem der geist am liebsten herumplätschern soll. ges. nov. 4, 307. …

lügenschaum

DWB

luegen·schaum

lügenschaum , m. : nur eilig! du entschlüpfst nicht wieder. erprobe deine lügenschäume, und zeig uns gleich die edeln räume ( der kaiser zu …

meerschaum

DWB

meer·schaum

meerschaum , m. 1 1) schaum des meeres: da folgt er, als rissen stürme dahin, als wirbelten ihn orkane, wie meerschaum. Klopstock 6, 32 ( Me…

mostschaum

DWB

most·schaum

mostschaum , m. schaum auf dem moste: dicker mostschaum, floces Stieler 1744 .

Ableitungen von schaum (1 von 1)

urschaum

DWB

urschaum , m. ( desgl. ) Wolfskehl bl. f. kunst 1908 /9, 56. —