keule,
f. clava, fustis, femur, auch käule
geschrieben. ahd. nicht nachgewiesen, mhd. kiule,
mnd. kûle Dief. 126
a,
nnd. küle, kül (
mit langem ü).
auch älter md. kûle,
s. sp. 349
unten (
des Alberus kaul
dort ist aber wirklich eine kugel, vgl. bleikugel als waffe 2, 1150).
eigen nrh. der küll (
wie büll
m. beule)
Aachener mundart 135.
auszer hd. und nd. ist das wort nur noch neunordisch, dän. kölle,
schwed. dial. kölla, köla, kyla, kylla Rietz 376
a,
entlehnt? sicher entlehnt sind poln. kula,
litt. kule
als schlägel in handwerksgebrauch. weiteres unter 7. 11) keule
als waffe. 1@aa) kewl, kolb oder nagelkolb (
vgl. u. knüttel 1),
clava, cambuca. voc. theut. 1482 q 4
a; sie (
die alten Preuszen) hatten keulen manneslang, mit blei voll gegossen. Schütz
beschr. der lande Preuszen (1599) 3; die keule des Hercules; der bär wird (
auf der jagd) gebissen von den hunden und geschmissen mit der keule. Comenius
orb. p. 1, 109; und entreiszt die keule dem nächsten (
räuber) gleich. Schiller 62
b; einen wilden mann .. der eine grosze knotige keule trug. 709
a; schwingt wie die alten väter eure keule. Rückert 139. 1@bb)
sonst nur noch in redensarten: da möchte man mit keulen drein schlagen!
so bös ist die sache, oder so unzugänglich sind die gegner für geistige mittel; wenn wír gott wären, wir hielten so lang nicht an uns, dasz wir nicht flugs mit keulen drein schlü
gen. Luther 35, 320
Erl. ausg. (
vgl. u. c); o herr got, straf menschlich geschlecht! wie kanstu doch so gütig sein? ich schlüge fürwar mit keulen drein. Schades
sat. u. pasqu. 1, 162; mit keulen schlägt man nicht drein, wenn man mücken fangen will. W. Alexis
wärwolf 2, 3, 113; den (das) musz man mit keulen todtschlagen,
so ein zähes leben hat er; das stammt wol aus der zeit da man sich '
fest'
oder '
gefroren'
machen konnte (
besonders 17.
jh.),
denn die verfestigung schützte nur gegen metall, nicht gegen holz, knüttel, keule. ein sprichwort sagt: wer seinen kindern gibt das brot dasz er musz selber leiden not, den schlage man mit keulen todt. Simrock 5585. Körte 3366,
ein merkw. nachklang des uralten gebrauchs, kindisch gewordene alte zu tödten, s. rechtsalt. 486
ff., vgl. Göthe 41, 101 (1850 11, 267),
von keulen an thoren und rathäusern zu diesem zweck aufgehängt s. Rochholz
kind. 474. 1@cc) mit der keule hinter einem stehn,
drohend, zwingend: wie der blöden gewissen art ist, das sie imer meinen, der himel falle und gott stehe mit der keule hinter inen. Luther 4, 259
a (1556); das macht mein böse gewissen, welchs mir eitel gottes zorn fürbildet, als stehe er mit einer keulen uber mir. 3, 5
b; er wil dich auch nicht fressen noch mit der keulen hinter dir sein, wenn du zum sacrament gehest. 5, 212
a.
vgl. folgendes. 1@dd)
verwechselung mit keil,
wie diesz auch keul
geschrieben ward (
sp. 447
unten): da steht der knabe (
Karl Moor) schamroth und ausgehöhnt vor dem auge des himmels, der sich anmaszte mit Jupiters keule zu spielen und pygmäen niederwarf, da er titanen zerschmettern sollte. Schiller 121
a,
blitz, donnerkeil (
s. keil 4).
die keule
ward übrigens in alter zeit auch als wurfwaffe gebraucht: (
die heiden) wurfin kuilen unde sper. Jeroschin 161
d (
s. auch u. knüttel),
vgl. altn. kôlfr
speer, eig. kolbe, keule. der keil
des donnergottes findet sich geradezu in keulenform aufgefaszt (
Thors hammer als clava
bei Saxo, s. myth. 164,
vgl. Mannhardt
germanische mythen 230).
selbst Luthers keule gottes
unter b und c könnte wol, wenn die redensart alt wäre, eigentlich den donnerkeil meinen, an den noch Luther mit gedacht haben dürfte. auch eine redensart von keulen,
die vom himmel fallen, könnte urspr. so gemeint sein: und hätt' es .. keulen geschneit, ein ausdruck, durch den man in Schlesien das fürchterlichste unwetter bezeichnet. Holtei 40
jahre 2, 129. 22) keule
als werkzeug zu andern zwecken. 2@aa)
wanderstab: fustis, dicitur baculus peregrinorum, kewl. Diefenbachs
wb. v. 1470
sp. 136,
knotenstock? vgl. fustis, stange
vel kule Dief. 254
b.
dasselbe ist vielleicht in dem nd. liede Uhland 744 de kül,
womit der ertappte buhlerische mönch vom ehemann bearbeitet wird, denn '
die keule'
musz im hause bei dem kramer vorrätig sein, und die kramer waren wandernde leute. 2@bb)
ähnlich die keule
der schäfer, hirtenkewl, hutkewle,
nd. hirtenkule,
agolus, pedus Dief. 18
c. 421
a (
s. auch knüttel
so). Pan suchet die keule, die tasche, die schwegel, das schäfergerähte, den lidernen lägel, harrt mit verlangen des tages entstehn, wenn er sol hinter den herden hergehn. W. Scherfer 1, 141 (Gödeke 11
b. d. d. 1, 287
b, 69).
sprichw. jeder schäfer lobt seine keule. Simrock 8822. 2@cc)
zum tödten des schlachtviehs: wie eine junge kuh, wenn durch die schwere keule ihr kälbchen, das noch saugt, vor ihren augen fällt. Brockes.
zum aufschlagen der nüsse: (
der junge bauer soll bei der aufnahme in die bauerschaft, falls er kein bier gibt, zum besten geben) eine halbe tonne haselnüsse, und bei einer jeden nusz eine keule, damit er sie aufschlaget.
weisth. 3, 311.
rechtsalt. 954. 2@dd)
im spiele: das kügelein mit der keule schlagen durch den ring. Comenius
orb. p. 1, 281,
eine art pritsche. im 15.
jh. gab es ein spiel der keulen schlagen,
s. sp. 385
d. 2@ee)
als werkzeug zum schlagen, stoszen und reiben: kewl oder kolb oder stoszel
voc. theut. 1482 q 4
a. keule
im mörser, mörserkeule,
dann reibkeule, treibkeule Frisch 1, 504
c, kimmkeule, klopfkeule, kleidkeule, mandelkeule;
s. auch stämpfel. 2@ff)
bildlich: in dem augenblicke .. schlug die zeit an die keule des tiefsinnenden, ewig wachen schicksals. Klinger 7, 225; der stoizismus hält oft die keule der stunde, aber nicht den mückenstachel der sekunde ab. J. Paul
uns. loge 3, 53. 2@gg)
in md. und mnd. voc. d. 15.
jh. vischekule
contus Dief. 148
b,
fischerstange, '
fischerkolbe',
wie überhaupt kolbe
und keule
vielfach gleich sind. 2@hh)
brunnenschwengel, wie kolbe 1,
f: contus, pumpekule. Dief. 148
b,
mnd., es scheint aber auch hd. nach keulbrunn. 2@ii) keulen
an den flieszgarnen auf dem Rhein, stücken holz an welche in der mitte ein mauerstein befestigt ist und vermittelst deren das garn fortgezogen wird. Adelung.
ob hierher? 33)
der hinterschenkel, 3@aa)
von thieren, wie schlägel,
schweiz. stotzen,
jetzt haupts. als wort der küche, schweinskeule, hammelkeule, schöpskeule, kalbskeule, hirschkeule, rehkeule, vorder-
oder hinterkeule, froschkeule, keule
von einer gans, einem huhn: wann ich so über einen hammelskolben oder keul kam, der mit knoblauch gespickt war.
Simpl. 1, 227,
das keul
scheint aber gleichfalls masc., wie niederrhein. köll
oben, wieder an keil
erinnernd. aber auch sonst: wolle von der keule des schafs. 3@bb)
früher auch von menschen: cluniculus, dy kule. Trochus N 4
a unter andern menschlichen körpertheilen; denn wo er voller brunst fast jede schönheit küst, wo er mit allen will die süsze arbeit theilen, so braucht er warlich mehr als tausend guter keulen.
asiatische Banise (1738) 664.
jetzt nur noch in derber rede oder scherzhaft, auch nd., z. b. he kan de külen nig fortsleepen,
geht langsam. Dähnert 260
a. 3@cc)
die eig. bed. ist aber der knochen, das bein des schenkels. so noch bei pferden, keule
das ellenbogenbein und das schenkelbein. und urspr. gewiss auch von menschen so, 'der keulen spielen'
u. 2,
d ist ein zeugnis davon, s. dazu sp. 385
unter d. es ist mit schlegel
und kolben (
s. u. a aus Simpl.)
dasselbe, der schenkelknochen ward einst zur keule
benutzt. 44)
als schimpfwort, besonders für frauen, eine grobe keule,
femina sordida, rustica, impudica Stieler 909,
ein hache, un vilain, une vilaine Rädlein 533
b;
noch bei Adelung.
Ephialtes (
als frau verkleidet). leck mich im leibe.
Pickelh. du grobe keule .. Weise
überfl. ged. 1701 227; du närrische keule (
Nicolaea), mustu uns auch mit deinen possen verdrieszlich sein?
polit. redner (1684) 319.
ebenso wieder grober keil
sp. 448. 55) keule,
cancer, geschwür, s. sp. 350,
besonders die entsprechenden nord. formen dort, auch kolbe 6,
k. 66)
nach der ähnlichkeit der form heiszt eine flügelschnecke keule,
strombus clava; auch ein kürbis, Herculeskeule, keulenkürbis. 77)
die herkunft von keule
wird einmal zugleich mit der von keil
und kaule
kugel aufgeklärt werden. 7@aa)
vom verhältnis zu kaule
s. sp. 350,
in der sehr alten bed. geschwür treffen beide völlig überein (
auch gr. κορδύλη ist zugleich keule und beule, vgl. auch knopf),
in keulkopf
und kaulkopf
u. ä. gleichfalls. die urspr. bedeutung aber wäre darnach kugel (
skr. gula),
eine zweite erst die gewöhnliche, stock mit kugelartigem ende. diesz ende hiesz noch mhd. kiule
schlechtweg, und nach ihm als dem hauptstück der waffe ist also die keule
benannt (
vgl. sp. 349
unten): einen kolbn er in der hende truoc, des kiule grœʒer denne ein kruoc.
Parz. 570, 6.
wegen dieser beziehung zu kaule
schrieb man auch käule,
z. b. Frisch, Steinbach. 7@bb)
auch das verhältnis zu keil
aber ist nahe genug, s. u. 4
und bes. u. 1,
d, wo beide zusammenfallen; Stieler 909
behandelt sogar keil (keul)
und keule (keile)
völlig als ein wort, s. schon mhd. kiule
pl. für kîle
sp. 449;
in Pommern (
Cöslin)
ist kîl
f. keule, bumskîl
f. der rohrkolben u. ä. darnach müszte die wurzel in früher vorzeit sich in zwei schwesterstämme getheilt haben, kul
und kil,
aus denen auch die nahverwandten kugel (
aus kul)
und kegel (
aus kil)
begreiflich werden, wenn man die vermutung sp. 388
unten gelten läszt. die bedeutung freilich gibt noch fragen auf. s. weiter kiel.