wortwechsel,
m. ,
nur ganz vereinzelt wörterwechsel (
s. u. 2).
die verbindung wordun wehslan
schon as. (
und ags.),
dazu mhd. wortwehselîh, wehselwort Lexer 3, 735,
s.wort I D 2 a
η.
nhd., wie worte wechseln,
seit dem 17.
jh. belegbar, lexikalisch seit Kramer,
aber in den zusammensetzungen wortwechsel,
wortwechseln (
s. d.)
und wortwechs(e)lung (
s. d.)
für das ganze 17.
jh. häufiger bezeugt als die verbindung worte wechseln. 11)
im 17.
jh. vereinzelt wie wortverwechslung (
s. d. 1), wortwandlung (
s. d. 2)
von bildlicher, metonymischer redeweise: aber gott sihet am creutz sein eygen blut, sein eygen blut, sag ich, in eygentlichem verstand, ohne wort-blum, wort-wechsel und vermischung Dannhauer
catech.-milch (1657) 9, 267. 22) '
ersatz bestimmter worte durch andere worte',
nur gelegentlich: obs gleich nur ein blosser wörter-wechsel ist, nur eine wiederholung vorhergesagter sach mit andern worten E. Weigel
wiener. tugendspiegel (1687) 114; die ... einschiebung des wörtleins redt, an statt denkt, schwächt ... den sinn der gantzen stelle ... durch den angeregten wortwechsel wird der gantze gedancke des poeten verderbt Bodmer
slg. crit. poet. schr. (1741) 1, 95. 33) '
gespräch, unterhaltung, redeaustausch',
von der frühesten bezeugung an und neben der später vorherrschenden bedeutung 4
bis in jüngsten gebrauch, entsprechend der verbalverbindung worte (mit jmd.) wechseln
unter wort I D 2 a
η.
auf den austausch weniger worte, aber auch auf längeres gespräch bezogen. bis zur wende vom 18.
zum 19.
jh. auch pluralisch, so schon in folgendem frühesten beleg, wenn dieser nicht zu wortwechseln,
vb. (
s. d.)
gehört: das gespräche aber an jhm selbst ist eingeführet, und lange zeit mit wortwechseln getrieben worden Wiesaeus
sieben gespr. (1625) 270; gespräch. das süsse gegenwort. die holde widerrede, ... der freundliche wortwechsel Harsdörffer
poet. trichter (1653) 3, 232; als er die äbtissin und den stiftsvoigt, in einem verstörten wortwechsel, unter das portal des klosters treten sah H. v. Kleist
w. 3, 171
E. Schmidt; Engländer, die sich von tisch zu tisch hin unterhielten, lachten, so dasz ich mitten in einem angeregten englischen wortwechsel ... mein abendessen verbringen muszte Rilke
br. 1902 —06 (1929) 73.
auf stichomythie bezogen: der schnelle wort- und verswechsel des griechischen theaters. uns scheinen sie affectirt, diese kurzen sätze Herder 23, 358
S. formelhaft ohne (ferneren, weiteren) wortwechsel,
namentlich im 17.
jh., gelegentlich auch jünger noch, manchmal soviel wie '
ohne weiteres': auf bestimmte zeit und ort finden sich diese viere, und streichen so bald, ohne fernern wortwechsel, zusammen Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 7, 415; worauff sie (
die schweine) ohne ferneren wortwechsel gedultig mit giengen Grimmelshausen
Simplic. 202
Scholte; also dasz man sie wie besessene leute alsbald ohne wortwechsel ... ausgestossen und geschent hat G. Arnold
unpart. kirch. —
ketzer. —
hist. (1699) 67
a; so habe ich ihn, nachdem er mich versichert, dasz er zu weiter nichts bevollmächtiget sey, ohne weitern wortwechsel. ..., sogleich wieder zurück geschickt Lessing 18, 442
M. gelegentlich in ausdrücklicher einschränkung auf den auch sonst vorwiegend gemeinten mündlichen, nicht schriftlichen austausch, vgl. wort I E 5 a: briefschreiber dieses ist daher gesonnen, in zukunft jährlich in ferne grosze, besonders nordische städte statt der briefe seine eigene person selber auf die post zu geben, ... um in einer solchen stadt den briefwechsel eines ganzen jahres durch bloszen wortwechsel auf einmal mit leichten kosten abzuthun Jean Paul
w. 48, 74
Hempel. auch in dem spezielleren sinne von '
disput, gelehrte unterhaltung': den ganzen wortwechsel ..., der zwischen dem Eudox und mir über den erheblichsten von Lindamours schlüssen vorgefallen
M. Mendelssohn
ges. schr. (1843) 1, 159.
dabei leicht im übergang zu 4: gegen ende der abendmalzeit aber gerieten beyde in einen heftigen wortwechsel über die rechtmäszigkeit des geistlichen zehntrechts Knigge
roman m. lebens (1781) 3, 145; für mich ... war der wortwechsel (
über leichte und hohe, strenge musik) ein rasch aufspringendes duell zwischen gestrenger mittelmäszigkeit und leidender tieferfahrenheit im geiste gewesen Th. Mann
dr. Faustus (1948) 656. 44)
in der wort I D 2 b
entsprechenden bedeutung '
zank, streit mit worten'
vereinzelt schon im späten 17.
jh. (
doch s. dazu wortwechslung 2),
bis zur mitte des 18.
jhs. gelegentlich, seitdem als vorherrschende bedeutung des wortes, die bisweilen geradezu als einzige empfunden wird, vgl.: es stimmt schlecht mit dem sprachgebrauch, der unter wortwechsel den wechsel blos boshafter worte versteht, überein, dasz so viele worte gewechselt werden ohne allen zank Jean Paul
w. 45/47, 197
H.; Heynatz
antibarb. 2 (1797) 653.
zur engen nachbarschaft der bedeutungen 3
und 4
vgl. schon mhd.: sus huop sich durch des tôdes nît ein wortwehsellîcher strît Konrad Fleck
Flore u. Blancheflur 6766: wortwechsel
altercatio Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 951; leb wohl; dasz unser abschied nicht wortwechsel werde Meiszner
Alcibiades (1781) 1, 133; ein heftiger wortwechsel im dunkleren schatten einer kirche zog seine aufmerksamkeit auf sich W. Raabe
s. w. I 2, 62
Klemm. pluralisch: es setzte noch viele hitzige wortwechsel ab U. Bräker
s. sch. (1789) 2, 95.
in formelhaften verbalverbindungen: Silins ... geriehte auch deswegen mit ihr in harten wortwechsel A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 284; Benvenuto ... hatte einen wortwechsel mit einem edelmann Göthe I 43, 342
W.; dasz es gleich von anfang unsres ehejochs oftmals zum wortwechsel kam, versteht sich von selbst Laukhard
leb. u. schicksale (1791) 5, 23; sie sind mir zu gering, dass ich mich mit ihnen in einen wortwechsel einlassen sollte
neue schausp. (1771) 7, 119.
in nachbarlicher unterscheidung von den formen tätlicher auseinandersetzung, vgl. wort I E 1 c: einer von diesen gerieth mit einem andern indianer in wortwechsel, und ehe man sichs versahe, wurden sie handgemein G. Forster
s. schr. (1843) 1, 331; den wortwechsel steigerten die diener bis zu schlägen Raumer
gesch. d. Hohenst. (1823) 6, 100.
die abgrenzung gegen synonyma wie wortgefecht, wortkampf, wortstreit
u. ä. im sinne des hitzig-heftigen und des raschen wechsels von rede und gegenrede drückt sich namentlich in stehenden attributen aus. vor allem: ein heftiger wortwechsel — blut — die königin Schiller 5, 356
G.; während er schrieb, achtete er des heftigen wortwechsels nicht, der unweit ... geführt wurde Kolbenheyer
Paracelsus (1926) 3, 300.
daneben: nach einem harten wortwechsel Lichtenberg
verm. schr. (1800) 4, 57; einen scharfen wortwechsel Triller
poet. betrachtg. (1750) 2, 599; fand er Leontin im garten in einem lauten wortwechsel mit seiner schwester Eichendorff
s. w. (1864) 2, 37.