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schwefeln

nhd. bis Dial. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
9 in 9 Wb.
Sprachstufen
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12

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schwefeln verb.

Bd. 15, Sp. 2400
schwefeln, verb. mit schwefel versehen oder behandeln, erst nhd. zuerst belegt im 15. jh. (1429), auch bei Keisersberg, s. unten, lexicalisch gebucht bei Hulsius (1616) 292b: schwebelen, schwebel in etwas thun, soulfrer, ferner das schweblen bei Schönsleder (1618) Cc 3a, s. Weigand 2, 664. 11) mit schwefel versehen, verbinden, versetzen, überziehen und ähnliches, vgl. Hulsius, fast nur im particip geschwefelt schwefel enthaltend: luog das die flüss deiner gedancken lauffen durch geschwebleten berg, durch die feürigen berg der hellischen flammen. Keisersberg schiff der penitenz 50a; mein stahl ist gut, und der zunder geschwefelt. Voss 2, 44 (id. 3, 183); (er) nahm aus dem schön gemauerten wandloch feuersteine, zunder und stahl und geschwefelte spänlein. s. 141 Sauer (id. 16, 37). die lüfte schwefeln, mit schwefeldampf erfüllen: erzürnt euch, ihr geister der höllischen klüffte! eröffnet den abgrund und schwefelt die lüffte. Günther 364. freiere gebrauchsweisen: die flott' ist in die lufft geschwefelt auffgefahren. Lohenstein Sophonisbe s. 2, 19. 22) mit schwefel, d. h. mit schwefeldampf, schwefliger säure behandeln: schwefelen, geschwefelt, fumo sulphuris suffire, condire sulphure Stieler 1964; ich schwefele, sulphure inficio Steinbach 2, 538. 2@aa) ein verfahren zum bleichen von wolle oder wollenen stoffen, indem man entweder den feuchten stoff dem dampfe von brennendem schwefel aussetzt oder mit schwefliger säure in wässeriger lösung behandelt, s. Karmarsch - Heeren3 1, 630 f. 11, 285 ff. Jacobsson 4, 95a; ebenso zum bleichen von flor und spitzen. 7, 303b, von seide, s. ebenda; überziech in mit geschwibloten zwilichen tuchern. quelle vom jahre 1429, s. Schm. 2, 622. 2@bb) ähnliches: federn schwefeln, um ihnen eine schöne weisze farbe zu geben Jacobsson 4, 94b; strohhüte schwefeln, vergl. Campe: zwischen dem markthelfer, welcher die strohhüte schwefelte, und den arbeitern, welche über den hasenhaaren walteten, bestand glühender hasz. Freytag handschr. 1, 34. — die schuhnähte oder stiche schwefeln, insolfare ò macchinare i punti d'una scarpa Kramer dict. 2, 706b; handschuhe schwefeln: ich küsse ihnen die hände. sie haben doch keine geschwefelte handschuhe an? Rabener 6, 94. 2@cc) wein schwefeln, indem man in dem zum theil gefüllten fasse schwefelschnitte verbrennt (vgl. daselbst), oder schwefellaternen anzündet, um den wein haltbarer zu machen, um krankheiten des weins zu verhüten oder zu unterdrücken, gährung zu mäszigen, schlechten geruch zu zerstören, s. Adelung. Karmarsch-Heeren3 10, 592 f.; den wein schwefeln, solforare, insolforare il vino, conciarlo per la conserva, col profumo di solfo. der wein ist geschwefelt; starck, zu viel geschwefelt; zuviel geschwefelter wein machet kopfwehe. Kramer dict. 2, 706c; den wein schwefeln, alias dem weine einschlag geben, vino medicari, condire vinum. der wein ist alzusehr geschwefelt. Stieler 1964; und wenn ich wein fordere, so schicke mir vom dreimal geschwefelten. Pestalozzi Lienhard u. Gertr. 1, 36; 'ja', sagte die wirtin, 'scharf g'schwefelt musz er (der wein) werden, sonst halt't er sich nicht'. Anzengruber3 4, 195; wann dann einer ein stärckern wil, so ist er so geschwefflet viel, dasz einer meynt, ein solcher wein solt vom berge Aetna kommen seyn. Frischlin Susanna s. 315. so auch die lären fässer etc. schwefeln, ausschwefeln, profumare le botti vuoti con solfo per preservarle dalla muffa e dal tanfo. den keller ausschwefeln, profumare una cantina con solfo per correggerne l'aria putrida e l'humidità Kramer diction. 2, 706c; den keller, it. fässer ausschwefeln. Stieler 1964; nd. 'n wînfat swefeln oder ûtswefeln. ten Doornkaat Koolman 3, 374b. — ferner trauben schwefeln, tirol. swebeln Schöpf 659 f.; hopfen schwefeln, auf darren der einwirkung von schwefeldampf aussetzen, um ihn zu conservieren Karmarsch-Heeren3 4, 423. 2@dd) bienen schwefeln, durch schwefeldampf ersticken, zu tode räuchern: er konnte keine bienen schwefeln. J. Paul Tit. 2, 236. 2@ee) daran schlieszen sich freiere und bildliche verwendungen: aber manche eltern erbauen in jedem fremden zimmer rauchopferaltäre für dasselbe kind, das sie im eignen wie wein und bienen schwefeln. J. Paul Tit. 1, 107; unter allen dingen ist menschliche bescheidenheit am leichtesten todtgeräuchert oder todtgeschwefelt und manches lob ist so schädlich wie eine verläumdung. mumien 3, 8. vgl. auch: pack' ich euch recht, so schwefl' ich euren pelzrock. Shakespeare könig Johann 2, 1. folgende stelle scheint eher von 1 (oder von 2, c?) auszugehen: Viktor fand durch seine brittische brille ... die deutschen paradelarven (gesichter der hofleute) so abgegriffen und doch so gesteift, so matt und doch so gespannt, die blicke so verraucht und doch so geschwefelt. J. Paul Hesp. 1, 202. 33) mundartlich auch, nach schwefel riechen, so schweiz. schwebelen Stalder 2, 361; ebenso nd. et swëwelt, ein schwefliger geruch erfüllt die luft (bei heerrauch). Schambach 222a. 44) in der studentensprache 1) suitisieren, streiche ausüben; 2) viel trinken Kluge studentenspr. 125a. 55) über ein anderes schwefeln s.schwebeln 3 und die daselbst angezogenen stellen.
5189 Zeichen · 93 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schwêfeln

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schwêfeln , verb. reg. act. mit Schwefel bearbeiten, versetzen, welches doch nur in engerm Verstande von der Bearbeitung…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schwefeln

    Goethe-Wörterbuch

    schwefeln PartPrät mit Schwefel versetzen, Schwefel zusetzen; mehrf für ein in der Metallurgie übliches Verfahren; einma…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schwefeln

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schwefeln , das Räuchern eines Körpers mit Schwefliger Säure, um ihn zu bleichen, oder um anhaftende schädliche Pilze zu…

  4. modern
    Dialekt
    schwefeln

    Rheinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    schwefeln -Ew- usf. [im Schwegel- Geb. kaum -E:j-, bezeugt aus dem SNfrk] schw.: 1. etwas schw. a. mit Schwefel bestäube…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schwefeln

10 Bildungen · 3 Erstglied · 4 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von schwefeln 2 Komponenten

sch+wefeln

schwefeln setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schwefeln‑ als Erstglied (3 von 3)

schwefelnatrium

DWB

schwefel·natrium

schwefelnatrium , n. natriumsulfid, natronschwefelleber, Na 2 S, auch als hydrat, NaSH, s. Oken 1, 818 . Karmarsch-Heeren 3 6, 291.

schwefelnickel

DWB

schwefel·nickel

schwefelnickel , n. verbindung von schwefel und nickel, NiS, durch directes zusammenschmelzen der beiden bestandtheile hergestellt Karmarsch…

schwefeln als Zweitglied (4 von 4)

abschwefeln

DWB

abschwefeln , separare sulphur, des schwefels entbinden: kohlen abschwefeln; der kies ist abgeschwefelt.

anschwefeln

DWB

anschwefeln , sulphure suffumigare: das fasz anschwefeln; angeschwefelter wein.

ausschwefeln

DWB

aus·schwefeln

ausschwefeln , sulfure suffumigare, nnl. uitzwavelen. Stieler 1964 : den keller, die fässer ausschwefeln.

Ableitungen von schwefeln (3 von 3)

beschwefeln

DWB

beschwefeln , sulphure imbuere, schwefeln: und müstest du ewig da flackern, o hund, vom zeh bis zum wirbel beschwefelt. Bürger 81 a .

verschwefeln

DWB

verschwefeln , verb. , im übermasz mit schwefel versetzen, behandeln; das zimmer verschwefeln, mit lästigem schwefelgeruch anfüllen.