versinnen,
verb. ,
mhd. versinnen
mhd. wb. 2, 2, 309
b. Lexer
mhd. handwb. 3, 229. 230. Schmeller
bayer. wb. 2, 292; mis-
et versinnen,
rara sunt, et notant cogitando titubare, aberrare, labi; der menschliche verstand versinnet sich oft,
acies intellectus saepicule erroribus caecatur. versinnen,
tamen quoque idem est, quod besinnen,
reminisci. Stieler 2034; versonnen,
prät. ich versinne (mich),
recolligo mentem, ad me redeo. Steinbach 2, 612; versinnen, '
ist veraltet, im nidersächsischen hat man es ehmals sehr gebraucht ... anstatt dieses versinnen
hat man besinnen
bisher gebraucht, dasz man in dem lied: herr Jesu Christ wahr mensch und gott;
das sonst in einem versz stunde: wann mein verstand sich nicht versinnt.
anjetzt singt: wann mein verstand sich nicht besinnt'. Frisch 2, 279
c; sich versinnen
in der bedeutung '
sich besinnen, sich erinnern, an etwas denken'
gilt Campe
als veraltet. dagegen sich versinnen '
sich in nachdenken, gedanken verlieren'
verzeichnet er als gebräuchlich und belegt es aus Benzel-Sternau.
mnd. vorsinnen Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 445
b.
brem. wb. 4, 791 (
noch lebendig). Dähnert
plattd. wb. 528
a (
veraltet). Stürenburg
ostfries. wb. 315
b (
lebendig). ten Doornkaat Koolman
ostfries. wb. 1, 463
b (
lebendig).
nld. versinnen, bedencken,
deliberare, animadvertere, reputare apud se, cogitare, consulere, consultare, considerare. Kilian 2, 725
a (1777).
jetzt verzinnen.
das schöne wort, das im mhd. einen reich ausgebildeten gebrauch zeigt, im entwickelten nhd. aber fast ganz verschwunden ist, nur in eingeschränkter bedeutung sich wieder belebt, ist ein beleg für die auch sonst zu beobachtende erscheinung, dasz verba, bei denen der sinn des präfixes ver-
sich bis zur völligen neutralität abzuschwächen scheint, allmählich durch parallele bildungen in diesem fast neutralen sinne ersetzt werden (
hier durch besinnen);
das wort lebt nur weiter in der bedeutung, bei der ver-
eine deutliche färbung des verbalbegriffs hervorruft (sich versinnen,
sich in sinnen, nachdenken, grübeln, träumen verlieren);
vgl. unten das part. versonnen,
in gedanken verloren, eine bildung, die der sprache wohl nicht wieder verloren gehen wird. daneben hält sich das wort in der für die verba mit ver-
typischen verbindung mit zeitbegriffen: ganze stunden versinnen.
im mhd. und mnd. flectiert das verbum stark und schwach, ebenso wie das simplex (
vgl. sinnen I, 3
th. 10, 1,
sp. 1127);
beim compositum, das in der flexion der analogie des verbum simplex folgt, braucht man an sich nicht an ein schwach flectierendes denominativ zu denken, um die schwache flexion zu erklären, besonders da eine deutliche trennung der bedeutung nicht festzustellen ist. doch vergl. die stellen aus Veghe
und aus Tieck
unter 1.
erhaltung der alten bedeutung '
gehen'
in versinnen
vermutet Jellinek
zu Friedrich v. Schwaben 6114. 11)
nicht reflexives versinnen.
in älterer sprache bezeichnet versinnen
wahrnehmen, bedenken, erkennen, merken, die überlegung auf etwas richten, ausdenken, ersinnen: oft du dat rechte wult vorsinnen,
wenn du das recht bedenken willst. beleg bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 445
b; de maget genck myt kynde ... do Joseph dat versynde (
das bemerkte).
ebenda; de abbet dat wol vorsan dat de brôder was ên nutte man.
von Sunte Marinen 57;
in der bedeutung von ausdenken, aussinnen: dat het he versunnen,
das hat er erdacht. brem. wb. 4, 791; hê hed sük dat fersunnen,
sich das ausgedacht. ten Doornkaat Koolman
ostfries. wb. 1, 463
b.
eigenthümlich mit persönlichem object: wij lesen, dat god den koninck van Babilonyen dar to versynnet hadde, dat he de kynder van Israhel wolde loes laten uth syner ghevencknisse. Veghe 296, 3;
hier bedeutet das wort, einen mit dem sinn, mit der willensmeinung versehen, es scheint also ein vom subst. sinn
abgeleitetes versinnen
vorzuliegen. nld. mer die katief enversindes niet (
merkte es nicht), wær Reinaert die tale wende.
Reinaert II, 690;
nld. verzinnen,
ersinnen, ausdenken. hochdeutsche belege: versinnen,
bemerken, wahrnehmen, merken, erkennen: dô si daʒ versunnen,dô was in dannen gâch.
Nib. 1474, 2; dô er die güete dran versan.
Biterolf und Dietleib 2175; dâ sol ich nimmer niht an verdenken noch versinnen, wan gnâden unde minnen. Ulrich v. Lichtenstein 145, 4; do ich daʒ versan, die vil guoten ich gevienc.
minnes. 3, 270
a Hagen; und wer das selbe recht versint, das wär wol ain hoher hort genueg. Vintler
blumen der tugend 290. versinnen,
absolut, das wahrnehmen, dem verstehen gegenüber gestellt: er gab ir wesen mit dem stamb (stain?), leben mit den paumben, versynnen mit den tiern und versten mit den engeln.
gesta Rom. 68
Keller. das nicht reflexiv gebrauchte versinnen
tritt schon im älteren hochd. zurück und geht dann völlig verloren. neugebildet von sinn
ist versinnen
bei Tieck: aber möchtest dich bemühn, was du (
nachtigall) singend wollst beginnen, ihm in prosa zu versinnen (
zu erklären, den sinn des gesungenen darzulegen). 10, 151. 22) sich versinnen;
zwei völlig verschiedene gebrauchsweisen sind zu verzeichnen, die theoretisch zwei verschiedenen partikeln entsprechen, mit denen das verbum sinnen
sich verbindet. 2@aa) sich versinnen,
fehlen, irren; erhalten im nd. und nld.: sükk versinnen,
sich irren. Stürenburg
ostfries. wb. 315
b; du fersinst dî wol,
du irrst dich wohl. ten Doornkaat Koolman
ostfries. wb. 1, 463
b;
ebenso im nld. zich verzinnen: swâ ich mich versinnet hân, ich hân iʒ unwiʒʒent getâ
n. Rolandslied 294, 10; si verirrent mich und versûment sich. Walther v.
d. Vogklweide 110, 32 (versinnent sich
AC;
vgl. Haupt in d. zeitschr. f. d. alt. 15, 257,
s. unten versinnung). 2@bb)
entwicklung des gebrauchs in positiver richtung. 2@b@aα) sich versinnen,
zum bewusztsein kommen, das bewusztsein wieder erlangen, zur besinnung kommen, den verstand wieder erlangen, bewusztsein, verstand haben; im gegensatz zu zuständen der schwäche, krankheit, ohnmacht u. ä. (
vgl. unversunnen,
besinnungslos):
contra insaniam capitis, wenn sich der mensch nicht versun.
beleg bei Schmeller
bayer. wb. 2, 293; als sî ûf sehen began und sich widere versan. Hartmann v. Aue
Erec 8837; dô diu küngîn sich versan. Wolfram v. Eschenbach
Parz. 112, 21; die in dem houbte wâren siech, daʒ si niht versunnen sich.
bruder Philipp
Marienleben 5501; sô mac ir ein gedanc den lîp machen lîht sô kranc, daʒ er sich lützel versinnet. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 445; al die wîle was ir kraft mit solher krancheit behaft, daʒ si sich lützel versan. 1576; swer vor alter sich nicht wol versinne. Hadamar v. Laber
jagd 524; darna do he sik echt vorsan unde weder ein dêl der macht gewan.
Gerhard v. Minden 54, 30
Seelmann; wenn der siehtum den frawen kümt, sô vallent si dick hin und versinnent sich niht. Konrad von Megenberg
buch der natur 426, 29.
liebesverträumtheit: ich was sô verre an si verdâht, daʒ ich mich underwîlent niht versan, und swer mich gruoʒte daʒ ichs niht vernam.
minnes. frühling 46, 7.
zu verstande kommen aus der unbewusztheit der kinderjahre: si kunde wol getriuten ir sun. ê daʒ sich der versan, ir volc si gar für sich gewan: eʒ wære man oder wîp, den gebôt si allen an den lîp, daʒ se immer ritters wurden lût. Wolfram v. Eschenbach
Parz. 117, 19; sint ich von kinde mich versan, sô was ich arm des guotes. Ebernand v. Erfurt
Heinrich u. Kunegunde 4368.
in allgemeiner anwendung, sich besinnen, zur richtigen vorstellung gelangen, sich der verstandeskräfte, der überlegung bemächtigen, seine sinne, seinen verstand zusammen nehmen, überlegen, zu verstande kommen, verständig werden, seine aufmerksamkeit auf etwas richten, verständig sein, bewusztsein haben von etwas, an etwas denken; das kann unter umständen auch ein hoffen oder ein erinnern (sich entsinnen)
sein; dann verblassend: denken, meinen, wissen. häufig in nebensätzen wie: ehe er sich versinnt,
ehe er sich bedenken kann, als ich mich versinne,
so viel ich urtheilen kann, weisz. avisa te, versinn dich.
wörterb. bei Schmeller
bayer. wb. 2, 292
b; alzo yk my kan vorsynnen.
beleg bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 445
b; de sik nig versinnen kan,
der sich nicht besinnen kann, attonitus brem. wb. 4, 791; ich versinne mich,
recolligo mentem, ad me redeo. Steinbach 2, 612; sich versinnen,
sich besinnen, sich erinnern, an etwas denken. Campe (
als veraltet): och leive here, versinnet ju (
bedenkt doch!)
Theophilus 426; vil mannich wil dregen enen man, de weder wert, êr he sek kan vorsinnen, sulven jo bedrogen.
Gerhard v. Minden 81, 85
Seelmann; so verne alse ik mi vorsinne. 85, 28; dû begunde sich versinnen der heire. Kraus
ged. d. 12. jh. 10, 60 (
vgl. die anmerk.); als ich mîh versinnen kan. Lamprecht
Alexander 1174 (
vgl. die anmerk.); versinnet iʒ sih wol in der kinthait, iʒ grîfet an die frumchait.
kaiserchron. 3353; enphâ, hêrre, sprach er, dise minne! dâ bî maht dû dich versinnen, dir enbiutet unser maister; maht erʒ wol gelaisten, er diente dir nâch dîn chuniclîchen êren. 10963; of ich mic rechte versinnen kan, mich dunket gôt, hêrre, daʒ wir dese boden êren.
Rother 259; nu beitet eine wîle(ich kündiu mînen muot), unʒ ich mich baʒ versinne.
Nib. 146, 2; als ich mich versinne,si sint vil zornic gemuot. 1712, 4; als ich mich versinne,si wellent unsich bestê
n. 1776, 4; tûsent werten einem ungefüegen man, unʒ er schône sich versan; und muose sich versinnen: sô vil was der gefüegen dô. Walther v.
d. Vogelweide 64, 10; der sich baʒ denn ich versinne, der berihte mich. 69, 3; swen si minnet, der wirt liebes wol gewert, ob er rehte sich versinnet.
minnes. 1, 356
a Hagen; von disen selben schulden, als ich mich versinne, twanc in sîn hôhe minne.
pass. 81, 11
Köpke; daʒ ist bezeichent dâran, als ich mich versinnen kan, daʒ diu tûbe ûʒ drîstunt flouc. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 2518; daʒ der tôt uns zucket von hinnen, ê wir versinnen uns beginnen. Hugo v. Trimberg
renner 20951; ab sich mîn mût mit witze vorsinnet. Brun v. Schonebeck 1815; an der leit als ich mich vorsinne. karitas di wâre minne. 5928; ich gedacht, bis ich mich versan, was creatur es möcht wesen. Clara Hätzlerin 2, 53, 16; der spricht, als ich mich vorsinne.
Alsfelder passion 4607; es wär pesser, ich wär nie geporn, das ich mich het versunnen vor.
fastn. sp. 1, 414, 26; als ich umbsah und mich versan. H. Sachs
fabeln u. schwänke 1, 12 (5, 49)
neudruck; wann mein verstand sich nicht versinnt und mir all menschlich hilff zerrint. Wackernagel
kirchenl. 4, 4 (2, 3); ich sah ein todten-bild! .... das, eh ich mich versann die kleidung von sich risz. A. Gryphius 1, 243 (1698); und sullen ouch di selben funf man bey iren eyden als verre si sich versinnen, keinen zu in ein di verbuntnüʒʒe nemen, di an dem auflauffe und an der zweyung zu Nuremberch schuldig sein.
d. städtechron. 3, 329, 14; darup sich der raet von Collen versan und vunden einen breif in dem gewulf, we de stat belent is van eime keiser und van dem riche. 13, 106, 20; unde vorsan sich czu male tif.
Griseldis 10, 20
Schröder. mit präpositionen wird angeknüpft, worauf sich das sich versinnen
bezieht. an: an swiu si sich versunnen, daʒ im nütze was aldar, daʒ wart im gewunnen gar.
Mai u. Beaflor 201, 18; schier het sich versunnen an Gâwein dirre wirt. Heinrich v.
d. Türlin 6167; sich versinnet ouch ein man, der mit den dingen umbe gêt, baʒ danne ein wîp dâran. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 2861; sô man sîn ie baʒ kunde gwinnet, sô man sich ie mêr versinnet. 3763.
auf: sich kunde wol darûf versinnen von Lavent bischolf Kuonrât. Ottokar
österr. reimchron. 54402; (
sich verstehen auf etwas): waʒ frumt der tag den blinden, oder liecht daʒ liecht brinnet? sô waʒ touc golt ze finden dem tôren der sich ûf gold nicht versinnet. Hadamar v. Laber
jagd 625,
vgl. minnes. 3, 433
a Hagen. gegen: hievür næme ich, daʒ ich mîn liep gegen mir lieplich versunne.
minnes. 2, 382
b Hagen. nach: des kan sich der karge villîhte versinnen nâch vliesen und nâch gwinnen. Heinrich v.
d. Türlin
krone 6164. sich versinnen
mit dem gen., mit mannigfachen färbungen des verbalbegriffes, die sich aus dem zusammenhange leicht ergeben (
vgl. versunnen eines dinges
unter 2,
b, γ): des versinne de wise sich unde wese milde des er kan.
Sachsensp. praef. rhythmica 162; we sik des kan vorsinnen. de spreke nummer vrûwen leit.
vruwenlof 30; (
seine aufmerksamkeit richten auf jemanden, sich seiner annehmen:) des louwen ser he sik vorsan: he loste en van des dornes we. Gerhard v. Minden 47, 18 (
vgl. die anmerk.)
Leitzmann; mac si sich doch mîner rede versinnen? nein si, niht, got enwelle ein wunder vil verre an ir erzeigen.
des minnesangs frühling 127, 28; dô sich der starke Sîfritder grôʒen wunden versan (
sie bemerkte, sich ihrer bewuszt wurde).
Nib. 923, 4; von des helmes dôʒeund von des swertes klanc wâren sîne witzeworden harte kranc, daʒ sich der degen küenedes lebens nicht versan. 1984, 3; da er sich schîmpfes nicht versan (
nicht darauf gefaszt war). Wolfram v. Eschenbach
Parzival 229, 3; und swes si sich versinnete, daʒ ime ze senfte und ze fromen und ze heile möhte komen, dâ was si spâte unde fruo beträhtic unde geschäffec zuo. Gottfried v. Strassburg
Tristan 7924; daʒ min sælden frîer sin noch stæte riuwe nie gewan sît ich mich sünden êrst versan. Winsbeke 66, 5; als sich diu ors versunnen der sporn in den sîten, si begunden schiere wîten die sprünge ûf der heide. Heinrich v.
d. Türlin
krone 7548; aller hande creatûre, die sich joch von natûre nihtes kunden versinnen. Lamprecht v. Regensburg
S. Franciskus 2475; daʒ man sich versinne der inren süeʒe in sîner minne.
tochter Syon 1734; da er sich ir triu versan, davon sein hertz grosz trauren gewan, er gund sich ir ergeben. Cl. Hätzlerin 1, 6, 21. Rückert
erneuert das verbum in dieser verbindung mit dem genitiv; in der bedeutung: etwas erwarten: er hat sich versonnen des besten von ihnen.
ges. ged. 4, 197 (1837);
dem gewöhnlichen gebrauch der alten sprache entsprechend: eh diese sich versannen der wehr in ihrer noth, der könig und die zwei mannen lagen von den heiden todt. 3, 486;
auch die in der ersten stelle angewendete gebrauchsweise ist alt: sît ich gein dem trage haʒ, den si von herzen minnent unt sich helfe dâ versinnent. Wolfram v. Eschenbach
Parz. 450, 20; ich was im diens undertân, sît ich genâden mich versan. 332, 6; nû bit ich mâge unt man und al die von den ich mich helfe ie versan.
Lohengrin 5282.
mit nachfolgendem abhängigen satze; ein genitiv kann überleiten: so wolden sich versinnendise degene (
sie würden meinen) daʒ ichʒ durch vorhte tæte.
Nib. 1719, 2; der junge sich versinte daʒ ime kein wer wære sô guot.
Virginal 174, 10; frowe, dû versinne dich ob ich dir zihte mære si. Walther v.
d. Vogelweide 51, 5; daʒ si niht versinnent sich waʒ liebe sî, des haben undanc. 49, 33; versinne | Minne | sich, wie si schône | lône | mîner tage. 47, 17; swer ein guot gewinnet, und sich des versinnet, daʒ erʒ niht gar vergolten hât.
sperwœre 192; Kâedîn sich wol vorsan, daʒ erʒ der vrouwen solde geben, mit swelcher vuoge im daʒ quême eben. Heinrich v. Freiberg
Tristan 5844; swenn er sich danne versinne, daʒ sich tempern beginne diu fluot und daʒ waʒʒer wenden. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 2296; wand si von witzen sich versan, daʒ si in die senenden swære von ir schulden komen wære. 3312; wand ich mich nicht versinnen kan, welch hie sî ûwer man.
pass. 47, 97
Köpke; zu hant sich iener dô versan, daʒ ê der tûvel zu im quam. 226, 72; daʒ ieglich wol versinnet sich, wie ir bôse lûte sît. 315, 62; si virsunnen sich des wol daʒ dâ icht gûtes mochte sî
n. pass. 336, 84
Hahn; wan er sich niht versinnete, wie er ze rehte minnete. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 45721; wan er sich des wol versan, daʒ niht trûwe was daran.
livl. reimchron. 9613; hiet er sich sîn baʒ versunnen, wieʒ umb die sach ze Rôme lac, er hiets gemacht ein andern tac. Ottokar
österr. reimchron. 9287; so hette wir uns billich da mit vorsunnen, daʒ ir got der eren wolde gunnen. Mone
altd. schauspiele 1, 1713; of he's sik nicht versint dat he't gedinge dar an jemande gelegen hebbe.
Sachsensp. lehnrecht 57, 2.
das subject des von versinnen
abhängigen satzes vorweggenommen und zum verbum sich versinnen
fast wie ein object gestellt: do nevorsan er sich niht alliʒ daʒ er da sach und horte daʒ daʒ ein truogene was. Schönbach
pred. 1, 132, 12.
mit abhängigem infinitiv: doch sô getânen genieʒ, als er gewinnen sich versan (
hoffte) dâ wart er versûmet
an. Ottokar
österr. reimchron. 40204.
infinitiv mit zu: swâ ein hund nâch gewinnet, und der sich doch ze jagen weidenlîch versinnet. Hadamar v. Laber
jagd 506. 2@b@bβ)
die wirkung der partikel ver
auf die bedeutung von sich versinnen,
kann sich so äuszern, dasz die handlung bis zu einer gewissen übertreibung fortgeführt wird, sich versinnen
heiszt also dann: sich in gedanken verlieren, vertiefen, so dasz der sinn nur in einer richtung beschäftigt, gefesselt ist, für anderes aber die aufnahmefähigkeit verliert; in dieser bedeutung besonders wird sich versinnen
von unserm sprachgefühl aufgefaszt, unter einwirkung des entsprechenden gebrauchs von sinnen. sich versinnen,
sich in nachsinnen, in gedanken vertiefen und verlieren. Campe;
hierzu ebenda ein beleg aus Benzel-Sternau: warum in so tiefen gedanken? — hier darf man sich nicht versinnen;
dabei wird also stets die vorstellung festgehalten, dasz der sinn befangen ist, dasz die gedanken sich mehr wie von selbst aneinander ketten, nicht verstandesmäszig streng verknüpft werden (
vgl. am schlusz von 2,
b, γ das citat aus G. Hauptmann);
in der folgenden stelle ist es anders, da bezeichnet sich versinnen
ein wirkliches nachdenken: als ich nun erhöret das, das wunder mich selber frasz, das sich die schön so ferr versan (
so weit ging in ihrem nachdenken). Cl. Hätzlerin 2, 68, 313. 2@b@gγ)
das part. versunnen
wird durchaus activisch verwendet, es kann im sinne von besonnen, verständig ganz zum adjectivum werden; der gegensatz ist unversunnen,
vgl. mhd. wb. 2, 2, 311
a. Lexer
mhd. handwb. 2, 1967. Schmeller
bayer. wb. 2, 393: als si begunden wachen und wurden versunnen (
ihrer sinne, ihres verstandes wieder mächtig, vgl. oben 2,
b, α zu anfang). Heinrich v.
d. Türlin
krone 26810; das mir zu thunde dochte die kunst was mir zerunnen. doch eilte ich als ich mochte dem valken nach, do ich ward versunnen.
minnefalkner 139; der topeler was versunnen ûf allerhande wurfelspil. beide kleine unde vil warf er, diu kunst was im bekant.
pass. 408, 58
Köpke, er verstand sich auf das würfelspiel, vgl. oben Hadamar v. Laber
jagd 625
unter 2,
b, α.
mit dem genitiv, vgl. oben sich versinnen eines dinges
unter 2,
b, α: me daʒ her was so vorsunnen naturlicher vromicheyt, daʒ im dher armen lute leyt irbarmete und ir tot.
braunschweig. reimchron. 4133; versunnen wart ûf kamphes list der starke wandels frîe. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 29020 (
vgl. oben sich versinnen ûf
unter 2,
b, α). versunnen,
verständig, besonnen, rechte gedanken, rechten sinn habend; auch übertragen im sinn von verständig auf unpersönliches, das ein zeugnis rechten sinns, guten verstandes ist. discretus, versunnen, vorsonnen. Diefenbach
gloss. 185
a; mit vorsunnen rade unde wolghedachtem mude. Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 445
b; ir sprecht as ein versunnen getruwe man der uns goitz gunt.
d. städtechron. 13, 576, 36; ir helde wol versunnen. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 25794; diu hôchgeborne reine clâr unde wol versunnen. 28654 (
ebenso braucht er auch versinnet,
s. unten); we im sin vrowe gar vorsunnen Richkeze hette gewunnen eyne tochter sundher hone.
braunschweig. reimchron. 2244; ouch vur dher vurste gar vorsunnen, aller scandhen eyne, vor dhe stat zo Peyne. 7984; ir sprechet als ein versunnen man de uns godis und eren gan.
d. städtechron. 12, 81, 2055; im jach des manic guot kneht, er wære gar versunnen. Ottokar
österr. reimchron. 271; grâf Yban der versunnen kurzlîchen daʒ erkande. 25497; von dan so rait der wol versun mit ern an der selben stunt. Suchenwirt 7, 146; dar nach der wol versunnen tzu Münck stuormt mit vrecher hant. 13, 110.
das schwache partic. in gleicher anwendung: die wel versint is in sinen toren, daer is grote wijsheit in gheboren.
Reinaert 7273; do sprach diu wol versinte. Hugo v. Langenstein
Martina 153, 107; ob aller minne der geminte ob aller wisheit der versinte. 270, 90; dîn zunge wol versinnet kan vremede sache entslieʒen. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 27170. versinnt sein mit etwas,
seinen sinn beschäftigen mit, seinen sinn richten auf, schicken in etwas: ob er in der lieb prynnet, so sey er mit harren versynnet. Cl. Hätzlerin 2, 15, 12.
in der folgenden stelle wird versinnet
wie sonst verdâht
gebraucht, verloren in seinen gedanken: sag mir, ist daʒ diu minne, diu sô dîu liute kan tœren, daʒ sie die ûʒern sinne verrigelt, sehen, sprechen und ouch hœren, und sich inwendig mit gedänken wirret? swen siu ze recht begrîfet, der ist versinnet hie und dort verirret. Hadamar v. Laber
jagd 192;
die zusammenstellung mit verirret
zeigt, dasz der sinn des part. sich hier der bedeutung von sich versinnen,
fehlen, irren nähert (2,
a),
wenn er auch von einer andern vorstellung ausgeht. nhd. versonnen
schlieszt sich an den oben nachgewiesenen neueren gebrauch von sich versinnen
an (2,
b, β);
vgl. zeitschr. f. d. deutsch. unterricht 15, 380: Kramer versonnen in den anblick des toten und in die lichter. G. Hauptmann
Michael Kramer 129 (1900).