gemeinder,
gemeiner,
m. theilhaber oder glied einer gemeinde, gemeine,
mhd. Lexer 1, 839. 842,
auch auf allerlei gemeinschaft bezogen. 11)
gemeinder, 1@aa)
theilhaber, theilnehmer, zu gemeinde (
oder gemeine) 3,
d, gemeinschaft, '
mitgenosz, partiarius, consors' Maaler 167
a: durch daʒ du möchtist deste baʒ allein eʒʒen die spîse mîn, du woltest ân gemeinder sî
n. Boner. 45, 30 (gemeiner
C); wer aber, ob ir ainer hie belib, der sol kain lon (
frachtlohn) ansamlen, unz sin gemainder her wider kumpt. Mones
zeitschr. 9, 392,
von schiffern, deren zwei zusammen ein schiff von Constanz nach Schaffhausen befrachten, mîn gemeinder,
der mit mir teil und
gemein hat; welcher hand kouf und gemecht beschehend oder lüt ainander ze gmainder annement.
weisth. 1, 212. 5, 149; es sollend und mögind ouch die burger zuo Wil gemainlich und sonderlich ir guet, es si ligends und varends, fgen, machen und verschaffen oder darüber ze gemainder annemen wem oder wohin si wöllend. 6, 350; mein lieber schwager und gemeinder Johannes. Würtz
wundarzn. 478; do wurden also unser vier gmeinder, Oporinus, Ruprecht, Balthasar und ich, kouften dem herren Andres Cratander sin werchzüg ab. Th. Platter 90,
d. h. geschäftsgenossen einer druckerei, nachher gmeiner: do giengen iren meiner gmeiner zwen gan Frankfurt (
zur messe); Oporinus aber und Ruprecht bliben gmeiner. 93.
auch bildlich, z. b. von gemeinschaft mit Christo: dir verzeicht Christus die sünd, dich befilcht er ainem anderen, und machet uns zuo gemeinder, du würst bei im in dem paradis sein
u. s. w. Hans Zwick
christl. underricht, wie man sich zu ainem säligen stärben beraiten sölle Constanz 1545 A 4
a.
es sind alles oberrh. oder schweiz. belege. noch im 18.
jahrh.: gemeinder,
socius Denzler 2, 128
a,
meyer, so die nutzung mit seinem lehnherrn theilet. Rädlein 352
b;
bei Adelung
für compagnon überhaupt, als oberd., s. z. b. Tobler 227
a. 1@bb) gemeinder,
einer aus der gemeine, un du corps de la communauté. Rädlein 352
b,
unus e concione, e populo Weber 340
b,
auch bei Adelung,
als oberd., auf dem lande. im Luxemburgischen im 17.
jahrh. z. b. der pastor als gemeinder,
mit gleichem gemeindeanrecht an das gemeindeholz, wie die gemeinder,
s. u. gemeindebusch.
s. auch 2,
b gemeiner,
vergl. gemeindsmann.
entsprechend ist in form und sinn älter franz. communier,
engl. commoner. 1@cc)
bei Adelung
auch eine art vorsteher einer dorfgemeinde, dorfsgemeinder,
sächs. gemeindemeister,
thür. heimbürge.
in der Oberpfalz gemainer,
schulze Schmeller 2, 588. 22)
gemeiner, 2@aa)
gleich gemeinder 1,
a (
das z. b. bei Platter
dort damit wechselt),
theilhaber, in allerlei beziehungen des lebens: wir gemeinere und herrin zuo Waldecke, her Heinrich von Spygilberg
u. s. w. Höfer
urk. 243,
es sind sog. ganerben, vgl. einch unse gemeinere 244, an kein sins gemeiners schadin 245,
vergl. Haltaus 650
so von ganerben, lat. participes; Jorg Haller ... und sein gemeiner. Tucher
baum. 309, 3. 310, 1,
geschäftsgenosse, vergl. Platter
oben; viel wilderer schieszen etwan ein stuck allein von der haut wegen und lassen das wildbret iren gemeinern zustehen oder wol gar in den wälden verderben.
würt. ordn. von strafen der wilderer Stuttg. 1651
s. 22.
auch mit gen. des gegenstandes: zuoletzt hat er (
Octavian) Marcum Anthonium, sein gemeiner des reichs, überwunden. S.
Frank chron. 1531 128
a,
der gen. ist mit von gemeine
übernommen, s. unter gemeinde 3,
d güter gemeine, lîbes gemeine,
d. h. gemeinschaft. auch für theilhaber einer schuld: (
brief) dar inne ich zuo einem gemeiner des geltes (
d. h. der geldschuld) geschriben bin. Mones
zeitschr. 3, 122, 14.
jh., auch gemeinder
so Lexer 1, 839.
selbst von einem nebenbuhler, eig. gewiss als bittrer witz: o du ungetrewer gemainer .. dasz dirs der teufel müesz gesegnen!
Zimm. chron. 4, 331. 2@bb)
mitglied einer gemeine,
gemeinder, der gemeinderecht hat: were es sach das ein gemeiner reusen in das wasser wolt legen, der sal sie eins fischerfachs lang von einander legen.
weisth. 3, 456,
aus der Wetterau; der in der gemeinden wettig worde ... solches solle under der gemeinden (
innerhalb der versammelten gemeinde) gestraft werden mit rat der herrn, die sie wisent als napar und gemeiner. 6, 665,
die mitbesitzer sind im gemeindegrund und gebiet, wie sie als solche auch gemeine herren
hieszen (
s. gemein 3,
f, β); sein gemeiner oder nachbar.
Frankf. reform. VIII, 4 § 4. 7 § 12; were sach, dasz die moelen (
gemeindemühle) gebrochen were und man da nit gemahelen mochte ... so sall ein iglicher gemeiner macht und gewalt haben ... auf einer andrer molen zu malen.
luxemb. weisth. 456,
nachher das. gemeiner und inwoener
unterschieden (
s. u. gemeinde 5,
c, ε),
daneben gemeinsman
das.; so wie drei gemeiner sint in dem hofe, dieselbige haben ire maszen und sestern, die sollen sie in irer gemein halten, dasz niemandt sich zu beclagen hab (
also den andern zu diensten). 344, in irer gemein,
in gemeinschaftlicher hut und handhabung, sie heiszen auch hofsgemeiner 431, die gemeinen hofsleute 433.
noch jetzt luxemburgisch gemenger,
einwohner einer gemeinde, der holzungs- und weideberechtigte (
zu gemeinde 2,
a) Gengler 173,
wie gemein
nun dort gemeng
heiszt. auch noch bair. mitgemainer
gemeindegenosse Schm. 2, 588,
in Gottschee gemoinar,
nachbar Schröer 91.
dagegen als gemeindevorsteher s. u. 1,
c. 2@cc)
auch von dem schiedsmann, der sonst ein gemeiner man
hiesz (
s. gemein 4,
a),
auch kurz ein gemeiner, der gemeine,
acc. gemeinen,
aber auch im pl. gemeinere Lexer 1, 842,
also zugleich zu diesem gemeiner
gezogen. 33)
bedeutsam aber auch in einfach schwacher bildung gemeine und gemeinde m., jenes z. b. im 14.
jh. alem.: als ich Hansen von Zimmern, minen lieben schwestersun, und sin erben ... genomen han zuo ainem gemainen und gemainschaft zuo Brunnen der vesti, dörfer und gtern.
mon. Zoll. 1, 288,
mitbesitzer, vgl. Zimm. chron. 1, 225 (zu ainem gemainer genomen).
ebenso gemeinde
m., mrh. 15.
jh.: sturbe ein erbar mann oder ein frauw hie, die da gemeinde hie weren, so weiset man das beste stück
u. s. w. weisth. 5, 578;
schwäb. 14.
jh.: Ulm ist Jäcklin dem juden und seinen gemeinden 25000 fl. schuldig. Schmid
schwäb. wb. 227,
also in beiden bedeutungen, gemeindeglied und geschäftsgenosse, gemeinschafter. das -d
ist wie in die gemeinden
für gemeinen,
the commons, d. h. durch vermischung der im leben vielfältig neben und durcheinander gehenden begriffe und formen entstanden (
s. u. gemein 12).
die rechte form ist glücklich ahd. bezeugt, gimeino,
theilhaber: thaʒ er (
der teufel) nist mîn gimeino. Otfr. III, 18, 16,
wie mhd. mîn gemeinder, gemeiner;
wenn aber die Freisinger hs. dafür mîn giteilo
setzt (
mhd. geteile),
so klingt damit die mhd. wendung teil und gemeine haben (
s. gemeinde 3,
e)
schon im 9.
jh. an. dem ahd. gimeino
aber entspricht goth. gamainja.