gottesdienstlich,
adj. ,
älter gotz-, gotsdienstlich (
s. unt.).
seit etwa 1500
nachweisbar neben gleichzeitig belegtem, später aussterbendem gottesdienstig (
s. d.).
im 16.
jh. nur gelegentlich, bei Luther
und im ganzen 17.
sowie im frühen 18.
jh. nicht belegbar; seither, vor allem im anschlusz an gottesdienst B,
kräftig auflebend, wenn auch im ganzen wohl auf literarischen gebrauch beschränkt. 11)
vornehmlich in der bedeutung '
kultisch',
zu gottesdienst B. 1@aa)
namentlich im bereich gottesdienst B 1,
auf den christlich-kirchlichen bzw. biblischen kultus in seinem ganzen umfang bezogen. allgemein zur bestimmung der zugehörigkeit: dasselb gesetz (
das mosaische) wirdt getailt in dreyerlay. als in sittliche, gerichtliche vnd gotzdienstliche gepot G. Alt
buch d. cronicken (1493) 30
b; von dem öffentlichen gottesdienste der ersten christen, und ihren gottesdienstlichen gebräuchen
anmuth. gelehrsamk. (1751) 2, 466
Gottsched; auszer der messe ... giebts noch eine menge gottesdienstlicher handlungen: vespern, completen Nicolai
reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 5, 57; meistentheils sind sie (
die kirchen) zu einem doppelten gebrauch bestimmt; zur anhörung der geistlichen reden und für feyer gottesdienstlicher ceremonien Sulzer
theorie d. sch. künste (1792) 3, 14.
soviel wie '
für den kultus bestimmt, im kultus verwandt': zu einer zeit ..., wo kein bischoff sein lateinisches gottesdienstliches buch verstund Haller
Alfred (1773) 65; Herder 16, 133
S.; (
die) kirche ..., welche die römische sprache als ihr gottesdienstliches ... idiom ... hatte Döllinger
akad. vortr. (1888) 1, 174.
so auch von personen, vgl. dazu noch gottesdienst B 4: dasz ihnen (
den Israeliten) gott selbst ... gewisse gottesdienstliche personen und mittel,
d. i. priester und opfer, verordnet habe
allg. dt. bibl. (1765) 1, 102; Zimmermann
einsamkeit (1784) 1, 120.
vereinzelt auch anders, etwa '
auf die innehaltung kultischer gebote bedacht': der heiland ist beschnitten worden ... seine mutter hat sich reinigen lassen ... der heiland ist sein lebtage ein sehr gottesdienstlicher mann gewesen Zinzendorf
einundzwanzig discourse (1748) 249. 1@bb)
entsprechend gottesdienst B 2,
die kirchliche versammlung der gemeinde betreffend; so namentlich im späten 18.
und im 19.
jh.; neben versammlung, zusammenkunft
u. ä. in umschreibungen für einfaches gottesdienst: so erschienen denn edicte, worin den reformirten ihre gottesdienstlichen versammlungen ... untersagt wurden K. Fr. Becker
weltgesch. (1801) 7, 238; G. Keller
ges. w. (1889) 2, 117; die christen muszten ... dahin sehen, dasz die zeiten und orte ihrer gottesdienstlichen zusammenkünfte verborgen blieben Krünitz
öcon. encycl. 19 (1780) 88; ich hatte in Berlin beantragt, alle diners u. dergl. zu unterlassen, und nur eine gottesdienstliche feier abzuhalten O. v. Bismarck
briefe a. s. braut u. gattin 394
Bism. wie unter a
als '
für die abhaltung von gottesdiensten oder für den gebrauch im gottesdienst bestimmt',
aber hier nur in sachlicher, nicht in persönlicher beziehung: so dasz in diesem ungeheuern bezirk (
London) dreyhundertundvierzehn gottesdienstliche gebäude sind Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 1, 138; allein die sammlung gottesdienstlicher lieder ist das 'lehrbuch des gemeinen mannes'
anh. z. allg. dt. bibl. 1/12 (1771) 48.
neben abstraktem beziehungswort: kleine kirchen, ... zum gottesdienstlichen gebrauch bestimmt Hirschfeld
theorie d. gartenkunst (1779) 5, 38; Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 3, 343; man fühlt, wie diese musik den gottesdienstlichen boden unter den füszen verliert Schweitzer
Bach (1948) 3. 1@cc)
in gleichen und ähnlichen verbindungen wie unter a
und b
auf auszerchristliche kulte und kulthandlungen bezogen, entsprechend gottesdienst B 3: jene feyerliche tänze ..., welche bey den alten mit unter die gottesdienstlichen handlungen gerechnet wurden Lessing 9, 135
L.-M.; Ratzel
völkerk. (1885) 2, 185; verhältnisz der iberischen Celten zu den Iberern und Galliern. sitten, charakter und gottesdienstliche gebräuche dieser stämme (
titel) W. v. Humboldt
ges. schr. 4, 182
akad.; festgesänge zum gottesdienstlichen gebrauch (
bei den Griechen) Fr. Schlegel
s. w. (1846) 1, 22. 22)
sehr viel seltener und namentlich älter von gottesdienst A
her, soviel wie '
fromm, auf die erfüllung des göttlichen willens bedacht'
als eigenschaftsbestimmung (
s. auch gottesdienstig);
so ohne beleg noch bei Campe 2 (1808) 430
b.
entsprechend gottesdienst A 2: das sie (
die mönche eines klosters) sich allwegen eines göttlichen, ehrlichen, züchtigen, gottesdienstlichen wesens gehalten haben biszher J. Nas
eins u. hundert 2 (1570) 159
b.
archaisierend: wer wollte noch oder wo sollte man noch (
nach der hochblüte des rittertums) von jener frauenliebe singen, von jener treue, von jenem gottesdienstlichen kriegseifer Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 2, 21.
mit 1 a
gekreuzt: alle vnser (
der pfaffen) handlung (
taufe, absolution etc.) ist gericht vff bösen gewinn ... vnd gottes namme wird dadurch gelestert, so man merckt vnseren geitz bekleydet vnder gotsdienstlichem schein Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 66
ndr.; vgl. ebda 1, 179.
vereinzelt als '
andächtig'
von gottesdienst A 3
aus: wenn sie, vor ihrer harmonika, Pergolesis 'Stabat' singt, ihre grossen schmachtenden augen ... gottesdienstlich aufschlägt ... ein begeisterndes urbild der heiligen Cäcilia Sturz
schr. (1779) 1, 33. 33)
gelegentlich im sinne klassifizierender begriffsbestimmung, in der entsprechung zu gottesdienst C 3
auf das religiöse, kultische als allgemeine erscheinung zielend: der zustand ihrer alten bürgerlichen und gottesdienstlichen welt verstattete (
im griechischen drama) noch solche tragische handlungen Herder 5, 253
S.; vgl. ebda 13, 417; ihre gesetze ... in bürgerlichen wie in gottesdienstlichen dingen Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 322.
substantiviert: hier (
bei den für das auge nicht erkennbaren kultsymbolen) tritt der fall ein, dasz das gottesdienstliche der kunst nicht auf einen effect berechnet ist, den es auf den menschlichen anblick machen soll Göthe I 32, 91
W.; Jhering
geist d. röm. rechts (1852) 1, 92.