karg ,
parcus, tenax, mhd. karc (
gen. karges),
nd. karch (karges),
mnd. auch karich
parcus Dief. 412
c,
wie nrh. kaerich
das., nl. karig (karigh Kil.),
dän. karrig,
schwed. karig,
gewöhnlich karg;
auch md. früher so, z. b. karrich Dief. 412
c, karig
tenax 577
b (
beide vocc. scheinen rheinisch), carig Mones
anz. 7, 298 15.
jh. (
auch rhein.),
schon in der Straszb. und Würzb. hs. (14.
jh.)
des Freidank 87, 2. 24. 88, 1. 6,
noch jetzt am Rhein (Kehrein 216,
ebenso arig
arg),
auf dem Hundsrück kahrig;
auch bei Luther karrig (
sp. 214
med.),
selbst im reim: (
die bauern) so übermütisch, halsstarrig, prächtig, filzig und so karrig. Zach. Poleus,
trag. v. der belag. Samaríae B iiij.
wie fest die form war und wolbegründet, zeigt namentlich auch die form karigkeit
für kargheit (
s. d.).
das macht denn um so mehr wahrscheinlich, dasz ahd., wo das wort sonst fehlen würde (
die frühesten zeugnisse sind aus dem 11.
jh.), charag
lugubris Graff 4, 465
das da entsprechende wort ist, zu chara
klage (
s.karjammer).
die bedeutungen scheinen zwar weit auseinander zu liegen: ahd. traurig (
auch reuig, chara
reue),
mhd. listig (
das ist die da herschende bed.),
nhd. sparsam; aber wie von listig zum nhd. '
karg'
die brücke zu finden ist (
s. 2),
so wol auch vom ahd. worte aus. das ags. scheint sie zu bieten, da ist zu cearu (
engl. care
sorge) cearig
auszer traurig (Grein 1, 158)
auch besorgt, ängstlich (
selbst '
cautus' Ettm. 381),
und das alles ist noch heute im engl. volksm. chary
erhalten: careful, scrupulous, cautious Halliwell 241
b,
und sogar '
sparing',
sparsam, karg, so dasz die bed. sich dort drüben auf eignem wege entwickelt hat wie bei uns: angstvoll, ängstlich, vorsichtig, listig, auf den eignen vortheil bedacht. einen etwas andern eignen gang hat das wort im nord. genommen; für isl. kargr
gibt Biörn
auszer tenax auch piger, ignavus (
ganz wie unser arg
in alter zeit, s. 1, 545
fg.)
und contumax, hartnäckig; für dial. schwed. karg Rietz 309
a auch emsig (
das streift an nhd. karg 2,
a),
und streng, hart, scharf, er führt auch schon altschwed. karger
geizig, karughet
kargheit an (
diesz 'karug'
wie karig
vorhin).
die mhd. bed. schlau erhielt sich auf ital. boden, da ist gargo
noch verschlagen, tückisch, piemont. aber gargh
träge, wiei sl., s. Diez 406,
vgl. 306,
und dazu wol 'kargelaiche (
adv.)
pianamente' Schmellers
cimbr. wb. 134
b. 11)
Die bed. listig, klug zeigt sich noch im 15.
jh., z. b. im Neidhartspiel; da macht Neidhart den bauern einen schlaftrunk, den er für Sant Johanns minne ausgibt, gesegnet gegen alle krankheit, ein bauer sagt beglückt: got dank euch, herr, ir seit kark, der wein ist guot und auch stark, er gevelt uns allen wol.
fastn. sp. 432, 31,
etwa '
ihr seid ein tausendkünstler' (
vgl.klug 7
von zauberkunst)
; es wird bei gutem aufachten mehr zu finden sein. der übergang zur folg. bed. geschah ebenso bei kündig,
schlau und karg, und bei klug
selbst (8). 22)
Knauserig, unfreigebig. 2@aa)
den übergang wird die habsucht vermittelt haben, die schlauheit auf erwerb gerichtet; diesen übergang lassen manche mhd. stellen erkennen, z. b. wenn Berthold 49 (151, 37)
den Salomon als genauen wirtschafter 'wîse und karc'
nennt. von geschäftsmännern oft: si wâren zwêne mære karge wehselære, und entlihen ûʒ ir varende guot ...
Iwein 7190; liegen triegen sint sô karc, si machent von dem pfunde marc. Freidank 167, 20; ze koufe listic unde karc.
Flore 1539; dirre phaffe ist ein karc man daʒ er sus guot bejagen kan.
pf. Amis 803; Dienstumbsust ist gewinnes karc. Helbling 2, 102.
im Freidank 86, 10
ff. setzen die hss. des 14.
jh. gern karc
statt arc,
das mhd. diese bed. trug und sich dem arc
ja so leicht unterschob; auch werden gern arc
und karc
in dieser bed. verbunden, z. b. bei Frauenlob
spr. 194, 2 ir kargen argen zagen,
oder im reime, wie beim Meisner
MSH. 3, 102 (
leseb. 688, 23. 25),
im pass. K. 211, 15. 16,
bei Helbling: diu Milte sprach 'vrou Erge, waʒ hilfet iuwer kerge?' 7, 795.
aber karc
allein gilt schon für filzig z. b. im pass. K. 140, 33. 2@bb)
es ist nun gegensatz von mhd. milte,
zurückhaltend im geben, genau, haushälterisch, mit geizig
noch nicht völlig zusammenfallend: karg,
parcus, sparsimonicus. voc. inc. teut. m 8
a. karger, gnawer, 'unmilter'
voc. theut. 1482 q i
a. karg und häbig, vast kündig,
deparcus, avarus, tenax, parcens sumptui. Maaler 240
d,
er stellt aber auch schon zusammen geitig und karg, karger, geitiger und zäher mensch.
aber noch bei Stieler 930 '
frugalis, attentus ad rem',
dann auch '
avarus', erzkarg, blutkarg.
bei Frisch 1, 501
b: '
vor alters sorgfältig in ausgaben, rathsam, endlich da man mit karg
das häszliche geizig
gelinder geben wollte, ist es fast ein synonym mit geizig
geworden'. das ir seit der aller gröszt wuchrer und der aller kergst vilz genant.
fastn. sp. 650, 24; so ist einer ain filz kark. 653, 2; sint mir eur leib ist all zu kark (
mit liebesgunst), so musz ich zu einer milten gan. 661, 11; bist du von art oder gewonheit karg, ein zucher und hebig, so thuon dir gewalt an, gib almuosen, bisz rilich, so gewonst du sein und würt dir leicht. Keisersberg
irrig schaf (1510) C 2
a; und nit als der fuchs neidig und karig seiest. Steinhöwel (1555) 49,
der fuchs heiszt mhd. karc
listig z. b. welsch. gast 10923; der reiche karrige frasz der in wollust lebet. Luther
tischr. 384
a,
also von geizig
weit verschieden; eim lauser stehets nicht wol an das er reich ist, und was sol geld und gut einem kargen hunde?
Sirach 14, 3; einen kostfreien man loben die leute .. aber von einem kargen filze redet die ganze stad ubel. 31, 29; in ihrer begrebnis seind si fast karg (
sehr sparsam), in gschmuck irs leibs überflüssig (
verschwenderisch). Frank
weltb. 193
a; die theur zeit (in?) deren wir so karg solten sein. 23
a; und thut gleichwie die karge füchs, verwart das gold, und gnieszt sein nichts. Fischart
flöhhatz 786
Sch.; die reichsten seint die kärchsten zahler. J. Ayrer 2, 275
a; die junge Dorilis ist gar zu karch in gaben. G. Finkelthaus
bei Fleming 597; welcher ausgäbiger ist in einem, ist vonnöten dasz er mäszig, karg und häuslich in einem andern seie. Schuppius 739,
sparsam; dasz er in der gesellschaft nicht wollte vor karg angesehen werden. Chr. Weise
erzn. 19,
schäbig, lumpig. Grimmelshausen
unterscheidet es ausdrücklich von geizig: karg, genau, hausräthig und sparsam sein ist löblich und stehet einem christen sehr wol an, aber gar zu geizig sein .. ist eine gräuliche und abscheuliche sündenthorheit.
Simpl. 1, 352.
so noch Chr. Wolff: wer weniger ausgiebet als die nothdurft, der wolstand und ein zulässiges vergnügen erfordert, der ist karg.
vernünftige gedanken von der menschen thun und lassen Halle 1720
s. 353,
aber geizig
ist ihm s. 336
richtig noch geldsüchtig, s. 377
nennt er recht bezeichnend den geizigen
auch karg,
insofern er ausgaben scheut. das haushälterische ist jetzt darin vergessen, es näherte sich immer mehr dem geizigen,
das ihm seinerseits entgegenkam (
urspr. nur habgierig),
indem man es auch aufs ausgeben bezog. 2@cc)
jetzt ist karg
fast mehr dichterwort als ein wort des alltäglichen lebens, mehr bildlich gebraucht als eigentlich: so will mich auch so gar der karge tod nicht haben, aus furcht, er möcht an mir mehr schimpf als fleisch begraben. Günther 771,
offenbar ganz für geizig,
d. h. gierig, und das ist zu tadeln; ein betrübter esel heulte, weil des schicksals karge hand ihm nicht hörner zugewandt, die sie doch dem stier ertheilte. Hagedorn 2, 31,
diese 'karge hand' (
wie milde, freigebige)
ist sehr gewöhnlich: und wer weisz, ob aus des richters karger hand nicht schon die letzten tropfen für mich fallen. Schiller 294
a. an worten karg, verschwendrisch in gedanken. Hagedorn 1, 94,
jetzt meist kurz wortkarg.
schon bei Keisersberg
so: bis karg in worten, als ein karger in dem gelt uszgeben.
narrensch. 111
a,
s. auch karglaut; er hütet ihn (
den geldkasten) mit karger hand und wacht wenn andre schnarchend liegen. Gellert (1784) 1, 50; du hungerst karg, ich hab es durchgebracht. 1, 51; kein murren über karges glück. Gökingk 3, 125; bürgerglück wird dann versöhnt mit fürstengrösze wandeln, der karge staat mit seinen kindern geizen. Schiller 279
a,
hier noch (
wie geizen
auch)
haushälterisch, sparsam. 2@dd) karg (
wie freigebig) mit etwas: mein freund, sage ich, ich war immer karg mit diesem titel. Lessing 1, 516; so war er (
mein vater) dagegen nicht karg mit anschaffung solcher dinge, die bei innerm werth auch einen guten äuszern schein haben. Göthe 24, 239; jetzt bin ich selbst mit lob so karg, als ein geborner Aristarch. Gotter 1, 452; ich habe nie mit menschen karg gethan. Körner 1, 163; die götter thun mit dieser herrlichsten der herrlichkeiten gegen menschen karg. Schiller 15
a.
gewöhnlich so karg gegen einen: ihre reize zogen ihn an, sie war nicht karg gegen ihn (
mit ihrer gunst). Göthe 20, 67.
dichterisch auch mit dativ: du bist, o karger, mild und nicht karg deinem sohn, denn er kriegt desto mehr, wenn du must einst davon. Löber
Owenus 3, 127; (
ich bin) karg nur mir allein. Gökingk 3, 120; ihre (
der natur) kinder sind ohne zahl, keinem ist sie überall karg, aber sie hat lieblinge an die sie viel verschwendet. Göthe 50, 5. 2@ee)
sprichwörtlich: und werdent ie elter und ie erger und ie rîcher und ie kerger. Mone
schausp. des m. 1, 312; so wird die welt immer je lenger je erger und kerger. Mathesius
Sar. 24
b; je langer je ärger, je alter je kärger. Lehmann 16; karger arger Schottel 1144
a, arg
und karg
von jeher gern gebunden, s. 1, 546; besser ist dienen einem reichen kargen als willigen armen. Lehmann 146; die reichesten sind die kärgsten. Stieler 930. 33)
Vom geber übertragen auf die gabe, knapp, ärmlich, schlecht: da aber im etwas kärger, denn er wuszte gewöhnlich sein, gegeben wurde. Kirchhof
wendunm. 455
a,
das steht gerade auf dem übergange: karg sein im geben, karg geben, karge gabe.
vielfach im adv., wofür jedoch kärglich
beliebter, z. b. karg ausstatten, karg (
knapp) messen: hast du so eilig? wie? ist deiner jugend die zeit so karg gemessen dasz du sie an deinem alten oheim muszt ersparen? Schiller 525
a. '
karg zugemessen'
wird zu '
klein': dieser karge thautropfe zeit, schon ein traum von Ferdinand trinkt ihn wollüstig auf, ich entsag ihm für dieses leben. Schiller 184
a; so sauer ringt die kargen loose der mensch dem harten himmel ab. 47
a; läszt nun der fels sich angegrünt erblicken, die ziege nimmt genäschig kargen theil. Göthe 41, 225; was stutzt ihr? seht den schlecht verzierten sarg, auch das gefolg scheint euch gering und karg. 13, 139; bei der lampe kargem schein. Körner 1, 116; wie grosz war diese welt gestaltet so lang die knospe sie noch barg, wie wenig ach! hat sich entfaltet, dies wenige wie klein und karg! Schiller 48
b; mit karger rede kaum erwiderst du des bruders liebesworte. 494
b; sah über die gefurchte wange mir langsam herab die karge thräne quillen. Annette v. Droste
ged. 98; vertraut mit der welt seiner visionen wird Dante in seinen kargen (
knappen, wortkargen) beschreibungen oft unverständlich. Bürger; karge zeilen,
kurze, knappe. J. Paul
Fibel 206; karges lob,
sparsam ertheiltes; und überheben möcht ich mich des kargen menschenseins. Platen 54,
des beschränkten, kleinlichen, leeren. karge ausstattung, karge mahlzeit; karges auskommen, ein karges leben führen, kargen lohn bekommen,
doch ist auch fürs adj. kärglich
jetzt gebrauchter, oder man sagt knapp, schmal, ärmlich
u. ä., auszer in poesie. 44)
Endlich von der gabe übertragen auf den begabten, dichterisch zuweilen: derselbe war nun wol gar elend, arm und karg an herzen, aber reich an knochen, fleisch (
gedr. fleisz) und mark. Dietrich v.
d. Werder
Ariost 16, 34, 3, '
karg begabt',
zugleich die alte aussprache kark
im nom. (
vgl. unter kargheit); der tichter sind genug, was aber sind für sachen die sie durch ihren geist verewigt sollen machen? was gut, ist ziemlich karg an tichtern und an sachen. Logau 3, 10, 75,
das gute ist karg bedacht, ziemlich gleich '
arm'; so, wenn geschäftiger ameisen scharen, dem kargen winter nahrung aufzusparen, den weizenberg zu plündern glühn. Schiller 42
b; die zeit ist schlimm, die welt ist karg, die besten weggerafft, die erde wird ein groszer sarg der freiheit und der kraft. Körner
leier und schwert 28.
In der steigerung ist der umlaut schwankend, kärger
und karger,
jenes tadeln Adelung, Campe
mit groszem unrecht.