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kitz

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kitz n.

Bd. 11, Sp. 868
kitz, kitze, n. auch kütz (kutz), das junge der ziege u. ä., ein oberdeutsches, mehrfach merkwürdiges wort. ahd. kiz, kizzi, chizzi Graff 4, 537. gramm. 3, 328, mhd. kiz, kitze wb. 1, 822a. II. Bedeutung und gebrauch. I@11) die ahd. und mhd. glossen erklären zwar nur haedus damit, aber es kann nach den übrigen zeugnissen nicht das böckchen nur gemeint sein, in den gl. des 15. jh. wird das lat. wort auszer kitz ausdrücklich auch als junge geisz, ziege erklärt (Dief. 195b), man musz haedi für zicklein überhaupt gebraucht haben; als ziegen überhaupt faszt es Notker 47, 12, indem er oves ab hedis separas übersetzt scâf fone geiʒin gescidôst (s. 2, a). wenn der voc. inc. t. angibt kicz edus, geiszel n 2a, der voc. 1482 kitz edus, caprella q 4b, so soll offenbar der zweite zusatz die einseitigkeit des lat. wortes ergänzen, wie in Schönsleders erklärung von kitzle capella, hoedus. Die obige bed., die Schmeller 2, 347 aus dem heutigen Baiern für kitz gibt, wird die ursprüngliche sein; soll das geschlecht unterschieden werden, so sagt man da bockkitz und gaiszkitz; ebenso aus Kärnten Lexer 158, kütz, gaiszkütz (zur unterscheidung von rehkütz, gamskütz) aus Österreich Höfer 2, 185. auch das neutr. stimmt zur urspr. umfassung beider geschlechter (s. sp. 707), es ist wie bei kalb, lamm, füllen und kind. doch s. auch 2, b und II, 2. von kitzen carnes sind guet festo pentecostes. kalenderreim, Wack. leseb. 1030, 5 (1206, 18); so wolt ich lieber essen von eim kicze dann von eim schweinlein. A. v. Eybe ob eim manne u. s. w. 88; kam der wolf für die thür des kitzes. Steinhöwel Es. (1555) 38, s. weiter unter II, 3, a; s. auch die stelle weisth. 1, 352 unter II, 1. I@22) der begriff ist aber auch erweitert worden. I@2@aa) ziegen überhaupt musz es in folg. sein: auch Jacob dient dürch kält und hitz in huot seins schwehers schaf und kitz (gen.). Schwarzenberg 156b, das kann aus der hirtensprache sein, kitz vielleicht als lockname (giz! vorarlb. Fromm. 5, 486), von den jungen auf die ganze herde erstreckt (s. kitz! 3). ebenso wol in folg.: (gott) würt setzen di schof zu seiner gerechten, aber die kitzen zu der linken hand. Keisersb. post. 2, 15b; als der hirt scheidet die schaf von den kitzen. evang. 1517 42a, nachher: wirt die schaf stellen zu seiner rechten und die kitzlin zu seiner linken hand. 42b, nach Matth. 25, 32. 33, wo die vulg. hoedos hat, Luther u. a. böcke, s. aber vorhin schon Notkers auffassung, und Scherz unter II, 3, c. I@2@bb) ob doch auch böckchen zur unterscheidung von den zicklein? so kann es scheinen nach folg.: also ist haimgangen Gideon und hat gekocht ein kitze und hat gemachet matzkuchen. Keisersb. pred. 86a, richt. 6, 19, wo die vulg. hoedum hat (Luther ziegenböcklein), aber es wird wol vom geschlecht eben abgesehen sein; gang hin und waidne deine kützlin, ausz wölchen kützlin werden grosz böck. ders. granatapfel 1511 (geistl. spinn.) M 6a, d. h. es werden auch böcke mit draus. eine ahd. glosse allerdings lautet hircelli vel hedi, chizzi Dief. 278a, aber auch das könnte doch nach a zu verstehen sein. s. jedoch unter 4 und kitzlein 1. I@2@cc) auch vom schaflamm kommt kitzlein (3) vor, mit Keisersbergs kützlin vorhin könnten solche wol mitgemeint sein, ziegen und schafe werden ja viel zusammen geweidet. I@33) von dem hausthiere erstreckt auf ähnliches wild, wie kalb. I@3@aa) auch die jungen der gemse, des steinbocks (s. kitzlein 2) und des rehes heiszen bair., tirol., kärnt. kitz (vgl. Höfer u. 1), wie auch bock und geisz auf sie angewandt wird. schon ahd. rêchkizzi Graff 4, 538, mhd. (alem.) rêchkitze J. Haupts hohes lied 50, 25. 31, 21, diu zwinelîn chitze der rêchgaiʒe (duo hinnuli caprae gemelli cant. 4, 5) 112, 14. vom reh hat sich das auch über die eig. heimat des wortes vorgeschoben: kitz junges reh gibt Kehrein 225 als mittelrh. aus der jägersprache; das kleine kitzchen. M. Waldau nach der natur 3, 282. doch auch kitzlein zicklein kommt auszer seinem eigentlichen gebiete vor. I@3@bb) auch auf den hirsch ist es angewandt worden: eine hirschkuh kommt mit ihren kitzen an den bach. Auerbach schatzk. des gevattersmanns 28. 35; an etlichen höfen und jägereien ... der hirsch ein tannbock, das thier eine tanngeisz und das kalb ein tannkützle benennet wird. Döbel (1754) 1, 23b. I@3@cc) als unterscheidung der geschlechter gibt Frisch 1, 517a kitzböcklin und kitzgeisz 'rehekitzlein'; östr. kützgoasz von einer gemse. A. Schosser naturbilder 57. I@44) schwäb. auch kitze, das da fem. ist, gleich knabe, unbärtiger jüngling Schmid 314; das macht doch die bed. böckchen wol notwendig. ähnlich tirol. kitz n. junges flatterhaftes mädchen Fromm. 6, 295, Schöpf 318 (vgl. gitsche mädchen). schwed. kidde m. zicklein ist auch vorlauter junge Rietz 317b. IIII. Formen und verwandtschaft. II@11) zunächst die nebenformen kütz aus Österreich vorhin, kützlin bei Keisersberg (s. mehr unter kitzlein); über das ü s. sp. 855 mitte. auch hier das unsichere u statt ü: wer ein geisz hat, der sol von (je) zwei kutzen ein pfening geben, von verlin sol man zehenden geben was billich ist. weisth. 1, 352, aus d. 15. jh. vom südl. Schwarzwald; hedus, ein klein geiszlin, ein kutzlin. Melber varil. l 1a. die schwäb. kitzbohnen, ziegendrecker (Schmid 314) heiszen nach Birlinger Augsb. wb. 279b aber wirklich auch kuzabonelen; also wirkliches echtes u neben i? II@22) es gibt neben dem vorherschenden neutr. doch auch ein fem. kitze (wie ja geisz, ziege f. sind), es ist die schwäb. form Schmid 314, von jungen ziegen, rehen ohne unterschied des geschlechts (sogar von knaben, s. I, 4). diesz fem. mag alt sein, schon ahd. bestand chizzila capella neben chizzili n. (s. kitzlein); isl. ist kida f. als weibliches zicklein von kid n. hoedus unterschieden. schwed. aber gibt es auch ein m. kidde (I, 4). II@33) die formen kitze, kitz, und kitzi, kitzin. II@3@aa) kitze n. ist der nachkomme des ahd. chizzi, wie küsse der von küssi sp. 852 mitte, und kitzi findet sich noch nhd. anfangs (wie küssi dort, vgl. mhd. kitzivel wb. 3, 294a): do ein geisz gekitzet het und usz wolte gen an die weide .. warnet sie ir kitzy, niemand uf zu thun die schlosz irer wonung ... kam der wolf für die thür des kitzes und begert von dem kitzy, im die thür uf zu thund. Steinhöwel Esop (1555) 38; aber das kitzy entran. 91. noch appenz. chitzi Tobler 101b. II@3@bb) diesz kitzi, chizzi ist aber, was ja zur bed. stimmt, nichts als ein demin., von der einfachsten art wie sie in alem. mundart noch herschend sind (z. b. unter 4, a gitzi), wie kessi gleich kessel (1, c); s. J. Grimm gramm. 3, 684, Weinhold al. gr. s. 233. 449. II@3@cc) dazu stimmt denn der antritt eines n, wie al. kessi auch kessin heiszt (und wie in den dem. auf -ili): kizzîn hoedum, hoedos Graff 4, 537. 538; (das einhorn) ist deme chitzîne gilîch. fundgr. 1, 24, 14 (daneben dem chizze gelîch das. z. 41); got stellet diu schâf bî der zesewen und die (diu?) kitzîn zuo der winstern (gedr. vinstern). Scherz 791. selbst im nom.: hoedus chizzin Mones anz. 7, 595 (11. jh.), kytzin und kutzin Dief. 195b, 15. jh. auch das einfache kitz liesze sich als dem. denken, mit dem verkleinernden, kosenden z (sp. 367), das hier im stamme schon ein ʒ vorfand, welches dadurch zu z wurde. II@44) kitz, kitzi gehört nämlich doch wol zu geisz, mhd. geiʒ, trotz der abweichenden lautstufe des k. II@4@aa) alem., aber nur da heiszt es wirklich gitzi, dem. gitzeli; so schweiz., bei Hebel, vorarlb. Fromm. 5, 486, und so von jeher. schon Maaler gibt nur gitzlin, mhd. in Wackernagels voc. opt. 38, 30 gitzi, ahd. im voc. des h. Gallus (8. jh.) hedi gizi Hattemer 1, 14a. das steht mit seinem vocal zu geiʒ in ablautsverhältnis (î ei i), ganz wie ricke rehgeisz zu mhd. rêch reh (mit ê für ei vor ch); die endung ist gestaltet wie in zicke, ahd. zikki junge ziege im verhältnis zu ziege, ahd. zigâ, mit ableitendem i, j, das den wurzelauslaut steigerte (eig. giʒji, zigji?). wer will aber das gleichgebildete kitzi von diesem gitzi trennen? II@4@bb) die gemeinhd. form mit k findet sich aber in den nord. sprachen wieder, freilich wieder mit einer abweichung der lautstufe, im auslaute. das zicklein heiszt altnorw. kið n., altschw. kiþ, isl. kid (neben geit f. geisz), schwed.n. kid (neben get, ged, auch von den jungen des rehes und rennthiers), und engl. kid (neben goat), im Ormulum kide, sicher schon ags. II@4@cc) von solcher abweichung der lautstufe findet sich aber eine spur auch hd.: kittele n. weibliches zicklein, in Tirol Schöpf 318, schon aus dem 12. jh. bezeugt in einem glossar zu Insbruck: 'chapellae, chetele' Mones anz. 7, 595 (dicht neben 'hoedus chizzin'). es heiszt tirol. aber auch gittel f., ziege die noch nicht gezickelt hat, gittele n. weibliches zicklein Schöpf 192, Fromm. 3, 331. 5, 435. das ganze wort ist ein rechter beweis für das dasein der bewegung in den lautstufen auch auszer der lautverschiebung, im auslaut wie im anlaut (s. sp. 3). im anlaut fehlt auch die dritte stufe nicht: wetterauisch hitz, hetz f. ziege (lockruf hitz! hetz!), westf. hitte, bair. hett, hettel, huttel, vorarlb. hattla Fromm. 5, 486, mhd. hatele, d. h. es ist wie bei keichen sp. 438 unten, vgl. 661 mitte. II@55) zu erwähnen sind auch auswärtige anklänge, wie ehstn. kiddo junge ziege, kits ziege, finn. kuttu ziege (beide sprachen haben aber kein anlautendes G); lappisch gitze zicklein, ungr. gödölye. s. ferner bei Diefenbach goth. wb. 2, 385 alban. kidh junge ziege u. s. w. II@66) endlich s. auch kisel bock, kuse ziege, worin wie im sl. und bei katze (I, 3) ein s statt des dentals auftritt.
9656 Zeichen · 297 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    kitzsw. N., st. N.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    kitz , sw. N., st. N. Vw.: s. kitze

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kitz

    Campe (1807–1813) · +5 Parallelbelege

    Kitz , Mz. die — e , ein Fahrzeug, welches einen großen und Besanmast hat, die eben solche Raasegel führen, wie andere S…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kitz

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Kitz ( Kitzlein ), das Junge der Ziege, des Rehs, der Gemse.

  4. modern
    Dialekt
    Kitz

    Schweizerisches Idiotikon · +3 Parallelbelege

    Kitz Band 3, Spalte 598 Kitz 3,598

  5. Spezial
    Kitz

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Kitz n. (-es,-e) 1 (Zicklein) asó (asos) m. 2 (Rehkitz) asó de rehl m. 2 (Gemskitz) asó de ciamurc m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kitz

140 Bildungen · 138 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

kitz‑ als Erstglied (30 von 138)

Kitzfell

SHW

Kitz-fell Band 3, Spalte 1355-1356

Kitzauge

RhWB

kitz·auge

Kitz-auge -ō:x Bo-Friesd n.: A. mit Gerstenkorn, Verdickung am Lide.

kitzblau

DWB

kitz·blau

kitzblau , eine oberd. volksmäszige verstärkung von blau, wie blitzblau: hab mirs aber sagn laszn, die trut ( hexe ) soll kitzblau ( von erh…

Kitzblume

RhWB

kitz·blume

Kitz-blume , Kitz-blümchen (s. S.) kitsə- f. (n.): 1. Massliebchen, bellis perennis Verbr. nach Wk. V Madenblume in Sieg-Bergh , Bergh-Ahe A…

kitzbohne

DWB

kitz·bohne

kitzbohne , f. ziegendreck, auch graupel, schwäb. Schmid 314 , vgl. geiszbohne, s. bohne 9.

kitzbuch

Lexer

kitz·buch

kitz-buch stm. schlegel, keule von einer jungen ziege Urb. 296,15,297,27.

Kitzbühel

Meyers

kitz·buehel

Kitzbühel , Stadt in Tirol, 760 m ü. M., an der zum Chiemsee fließenden Kitzbühler Ache und der Staatsbahnlinie Bischofshofen-Wörgl gelegen,…

Kitzbühler Alpen

Meyers

Kitzbühler Alpen , Abschnitt der Salzburger Schieferalpen, vom Zillertal in östlicher Richtung bis zum Zeller See reichend, bestehen im S. h…

kitzbûch (?)

MWB

kitzbûch (?) stM. Bed. unklar, wohl ‘Bauch-, Rumpfstück von der jungen Ziege’ (vgl. Beleg StRAugsb unter kitzîn ; Glr.z.St. erwägt dagegen ‘…

kitzbūch

KöblerMhd

kitzbūch , st. M. nhd. Schlägel von der jungen Ziege, Keule von der jungen Ziege, Bauchstück von der jungen Ziege, Rumpfstück von der jungen…

kitzchen

DWB

kitz·chen

kitzchen , n. kleines kitz, s. sp. 869; gleich ' wenig ' s. keid 3.

Kitze I

SHW

Kitze I Band 3, Spalte 1353-1354

Kitze II

SHW

Kitze II Band 3, Spalte 1353-1354

Kitze I

RhWB

Kitze I (von Tieren) s. Kitz VIII.

Kitze II

RhWB

Kitze II -ts, gewöhnl. Pl. -tsə ; -i- Dinsl-Eppinghv Walsum ; -e- Rees-Hamminkeln , Klev-Stdt Rindern Warbeyen Wyler , Emmerich , Mörs-Birte…

kitzekeil

RhWB

kitze·keil

kitze-keil kitsəkīl  Sieg-ODollend Adj. präd.: allerletzter (viertletzter, Reihenfolge ān, n:p, kīl, k. ) im Klickersp.

kitzel

DWB

kitzel , n. zicklein, s. kitzlein .

Kitzelarsch

SHW

Kitzel-arsch Band 3, Spalte 1353-1354

Kitzelkern

SHW

Kitzel-kern Band 3, Spalte 1353-1354

kitzelader

DWB

kitze·lader

kitzelader , f. bei Frisch 1, 517 aus Ryff spiegel der gesundheit 132 , ader ' die man wegen der gebrechen der untern glieder ( genitalia ) …

kitzelarsch

DWB

kitzel·arsch

kitzelarsch , m. die hagebutte, mrh., in der hess. provinz Starkenburg; es ist gleich arschkitzel (1, 566, vgl. Dief. 103 a ), aber imperati…

Kitzelbeere

PfWB

kitzel·beere

Kitzel-beere f. : 'Frucht der Hagebutte', Pl. Kitzelbeere [ Wilde 84 (südl. VPf)]. —

Ableitungen von kitz (2 von 2)

kitze

DWB

kieze , kitze , f. korb, und ähnliche gefäsze. 1 1) eine art von körben Frisch 1, 514 b . so bei Frankfurt a. M. kieze rückenkorb, mrh. Kehr…

verkitzen

RhWB

ver-kitzen: -its-, hei het alle Kölsche (Klicker) verkitz verspielt Mörs-Utfort .