lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

gruse

mhd. bis Dial. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
13 in 9 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
Verweise rein
20
Verweise raus
22

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gruse f.

Bd. 9, Sp. 982
gruse, f. , mnd., rhein. und nl. daneben auch als m., mhd. gruose, mnd. grose und in vermischung mit grus vereinzelt grus(e), mnl. groese, nl. groeze; umlautsform grüsz ist unorganisch und selten, vgl. Schmeller-Fr. 1, 1014; mit wurzelerweiterung -s zur wz. *grō- wie ebenso gras, vgl. zur etymologie sp. 939; eine sicherlich alte bildung, doch ahd. bisher nicht belegbar; als frühe bedeutungen sind 'junger pflanzenwuchs, trieb' (s. u. 1) und 'pflanzensaft' (s. u. 2) zu bezeugen, die auf einen ursprünglichen bedeutungscomplex 'frische, im saft stehende vegetation' deuten können; zu den formen vgl. Verwijs-Verdam 2, 2156, nl. wb. 5, 879 ff., Schiller-Lübben 2, 154b, woselbst irrige vermengung mit grus; bis in das ältere nhd. lebendig, zieht sich gruse in jüngerer sprache in mundartlichen bereich zurück, besser im nl. erhalten, vgl. nl. wb. a. a. o. 11) concret für jungen, im saft stehenden pflanzenwuchs; bereits mhd. 'frisches gras': maneg ors daz sît nie gruose enbeiz Wolfram Parz. 387, 23; vgl. mnl. groese junges grün Verwijs-Verdam 2, 2156; mundartlich ist der charakter des jungen, treibenden vereinzelt noch im obd. bewahrt: gruesen das erste, frische grüne gras im frühling Staub-Tobler 2, 813; gruasa das erste frische gras, der erste stosz gras Bühler Davos 1, 276; grūse (pl. ?) 'die abgeschnittenen ... gipfelhalme einzelner dinkeläcker im frühjahr' Fischer schwäb. 3, 885; mit grus abschneiden, gras mehen ebda, aus e. quelle d. 16. jhs.; auch 'kurzes, dichtes gras' Staub-Tobler a. a. o.; für das nd. wird gruse als 'grüne saat, grünes gras, rasen' in wbb. des 18. jhs. angegeben, so Frisch teutsch-lat. 1, 380b, Krünitz 20, 291 u. a., doch weist hier die form in der gruse auf lit. entlehnung, wohl aus einer nicht nd. jagdordnung, also mit bedeutung 4; aber verniederdeutscht: welche in der setzzeit und auf der grose auf fremden feldern sich betreten lassen brem. jagdordn. v. 1692 art. 11; in den nd. dialektwbb. sonst zwar nicht bezeugt, vgl. jedoch grus, m., 'gras, grüner rasen' rhein. wb. 2, 1470 und nl. groeze 'begrünter erdboden, gras' nl. wb. 5, 880f.; anders: grôs 'grünes, unreifes' wie z. b. unreifes obst oder frische blätter von kohl u. ä. ten Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 696, vgl.grusen, grusig. 22) pflanzensaft, alt und bis in neuere mundart gehalten; so der durch ausquetschen von pflanzen gewonnene saft: des wilden crûtes gruose die Schyron mit sîner hant ûz den wurzen dike want Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 6072; briuwet man daz krut, daz man die grusen (mit schw. flexion) daruz muge geduhen (drücken) quelle des 14. jhs. bei Schmeller-Fr. 1, 495; ist guot, die gruose darauf gelegt (a. d. j. 1566) bei Fischer schwäb. 3, 885; wrink dor eynen dok dat sap ud unde do dar to se vele etikes alse der grose is bei Schiller-Lübben 2, 154, wo weitere belege; so noch mundartlich: grûse saft aus grünen gewächsen Vilmar kurhess. 139; Bauer-Collitz waldeck. 146; Schambach Göttingen 70a, hierzu: grôs grüner farbstoff aus saft von frischen grünen kräutern ten Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 696a; in älterer sprache auch die als träger des [] lebens gedachte feuchtigkeit in pflanzlichen oder überhaupt organischen körpern: (die haut) ... erwelket als ein krût dem diu gruose ist entwichen unt fluhtelôs erblichen die warnung 141 in zs. f. d. altert. 1, 442; in der nacht wart gezogen sin stab zu eime baume. an vruchtigeme daume hete er gruse unde saf passional 350, 21 K.; von hier aus zu verstehen: âne mannes gruosen Konrad v. Würzburg gold. schmiede 272; im sinne 'lebenssaft': als daz gras uf der wisen winterzit virtirbet, swan im diu gruose irstirbet väterbuch 3921 Reiszenberger; ir (der fruchtbäume) gruse so vorroste (verdarb) Nicolaus v. Jeroschin 25777 Strehlke; mit manigerhande dampfe derret er (der teufel) des vleisches gruse väterbuch 835 R. 33) der zustand des grünens, wachsens, im saft stehens; auch das 'grün werden, sich begrünen' vereinzelt: darnach uber dru jar begonde ez lusteclich sich irgruen, nach der gruse schone bluen väterbuch 22150 R.; sonst der 'zustand der frische, der lebenskraft', vgl.groese vigor Kilian etym. (1605) 162a: dar enmitte stunt ein gras, daz wol in siner gruse stete bliben muse passional 35, 77 Hahn; (du Maria hast) beide gruze unde blut bewart, daz sich wol ougete passional 667, 3 K.; im genuget joch genuoc an eime melmuse, daz hielt im sine gruse an dem libe und die craft väterbuch 6062 R.; wol stend bein und spitzig füez, ir angesicht stet in gruoz meister Altswert spiegel 122, 30; vergleichbar, etwa 'üppiger wuchs': wann alsdann (im frühjahr) die sog. gruos an den winterfrüchten überhand nehmen wollte nach Fischer schwäb. 3, 885; ähnlich ist gr. für 'zwillingsobst' zu verstehen ebda. 44) temporal, die 'zeit des grünens, in saft tretens oder stehens, des üppigen gedeihens', vgl. bereits: darnach in der sumergrus brudir Huig von Almenhûs der voit von Samelande achthundirt man benande Nicolaus v. Jeroschin 24742 Strehlke; bisz dasz buchenlaup herusz komet, welche zeyt man die greusz (lies gruesz) nenet quelle d. 16. jhs. bei Fischer schwäb. 3, 885; da einer ... in der gruesz dem andern sein somen abgeschnitten (v. j. 1621) ebda; es ist ein hirsch von hinn nit ferr, der hat warlich groszen fusz; dieweil es ietz ist in der grus (in der zeit des möcht ir denselben fahen wol graswuchses) Teuerdank 33, 16 Goedeke; in der älteren jägersprache die frühjahrszeit als die schonzeit des wildes, so 'die hegezeit von Walpurgis bis Johanni' Schmeller-Fr. 1, 1014; Kehrein wb. d. weidmannsspr. 149, vgl. gruszzeit: der haas darf auch im frühling in der grüesz zum lust und kurzweil gesezt werden (v. j. 1609) nach Birlinger schwäb.-augsb. 205; in der grüsz und auf den samen soll man keine hasen schieszen oberpfälz. landesordn. v. 1657 bei Schmeller-Fr. 1, 1014; wird die grose verstanden und gerechnet von domin. judica bis den 10. august patent v. 11. dec. 1705 bei Kehrein a. a. o. 55) nicht sicher hier anzuknüpfen vereinzelt belegtes gruus kleine köderfische Mensing schlesw.-holst. 2, 502, dazu gruusslep kleines zugnetz; vgl. grusenetz, grusegarn fischereigeräte (zum fang der fischbrut?) Sanders 2, 430c u. 431a, s. auch grühnetz sp. 635; dazu grüseck, m., name des fisches asellus virescens Adelung 2, 836 ?
6351 Zeichen · 151 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    grûsestf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    grûse , grîuse stf. grausen. daʒ er dar ûf der vrîe vor aller grûse wære Kolocz. 249. von dirre welte grûse Mart. 79. da…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ²grûse

    Mittelniederdeutsches Wb.

    2 grûse , wie 1 grûs, mit g.-en.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gruse

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    † Die Gruse , plur. inus. in einigen Gegenden, besonders Niederdeutschlandes, grünes Gras, Rasen, die grüne Saat; die Gr…

  4. modern
    Dialekt
    Grūsen.

    Westfälisches Wb.

    Grūse n. Eiszapfen ( Kr. Waldeck u. Kr. Frankenberg (niederdeutscher Teil) Wal Ro).

Verweisungsnetz

18 Knoten, 24 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 8 Kompositum 5 Sackgasse 5

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gruse

44 Bildungen · 43 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

gruse‑ als Erstglied (30 von 43)

gruselbang

DWB

grusel·bang

gruselbang , adj. : manches märchen gruselbang W. Jordan in talar u. harnisch (1899) 207 .

gruselbeere

DWB

grusel·beere

gruselbeere , f. , ribes grossularia, stachelbeere; s. auch DWB kräuselbeere teil 5, 2097 und groszel-, grosselbeere teil 6, 1, 6, 532; zur …

Gruselbeerenheck

ElsWB

gruselbeere·n·heck

Gruselbeere n heck [Kryslpêrəhèk Lobs. ; Kríslspêrəhèk K. Z. ] f. Stachelbeerstrauch, ribes grossularia Lobs.

Gruselchopf

Idiotikon

Gruselchopf Band 3, Spalte 413 Gruselchopf 3,413

Grusele

ElsWB

grus·ele

PfWB LothWB RhWB Grusele [Krýsələ Sier. Geberschw. bis Ingersh. Rauw. ; Krýslə, Kræslə Pl. Lorenzen ; Krèslə Pl. Bettw. ] n. Stachelbeere, R…

gruselei

DWB

gruse·lei

gruselei , f. , von einem bild, das gruseln erregt: hier in diesem versuche, zeigt sich immer noch ein gewisses können; ein unerfahrener, ni…

Gruselement

RhWB

grus·element

Gruselement  Emmerich Sg. t.: wat in Gr. haue in Fetzen. — Zu Grus = Gris (s. d.).

grūselen

WWB

grus·elen

grūselen V. [verstr.] 1.1. (+ sik ) sich gruseln, sich fürchten; Grauen empfinden. Ek grussele mui (Lippe OESTERH). — 1.2. als Gefühl von Gr…

gruselgeschichte

DWB

grusel·geschichte

gruselgeschichte , f. , schauergeschichte: sie erzählten sich gruselgeschichten v . Ompteda Sylvester v. Geyer (1900) 1, 178 .

gruselich

LothWB

gruse·lich

ElsWB PfWB RhWB gruselich [gruZliχ Ett. Lix. Sgd. Sbg. u. s.; gruZəleχ D. Si. ; gruZiχ Fo. ; gruZəldiχ Av. Grt. Falk. ] 1. adj. gräulich, zu…

gruselig

DWB

gru·selig

gruselig , gruslich, grüslich , adj. u. adv. ; seit dem 15. jh. belegte ableitung von gruseln ( s. d. ); wie dort ist eine klare abgrenzung …

grūselik

WWB

gruse·lik

grūselik Adj. [verstr.] 1. Gruseln hervorrufend, furchterregend; schaurig, unheimlich. Dat häört sik so gruselig an ( Kr. Tecklenburg Tek Kr…

Grūsellecht

WWB

grusel·lecht

Grūsel-lecht n. „Irrlicht“ (Frbg.) ( Kr. Borken u. die krfr. Stadt Bocholt Bor Kr. Borken u. die krfr. Stadt Bocholt@Grütlohn Gl ).

gruseln

DWB

grus·eln

gruseln , vb. , grüseln, ein prickeln, einen schauder empfinden; erschauern vor kälte, vor furcht; meist unpersönlich es gruselt mich, mir, …

gruseln1

MeckWB

Wossidia gruseln 1 grusseln grauen, schaudern: mi gruselt bet upt Blot (1890) Wa; dat ... gruselt mi den Puckel dal Reut. 7, 454; den ierste…

gruseln2

MeckWB

Wossidia gruseln 2 s. grusseln 2 .

gruselnacht

DWB

grusel·nacht

gruselnacht , f. : nicht einmal eine regelrechte gruselnacht ( steht ) uns bevor Fontane ges. w. I 4, 351 . —

gruselstück

DWB

grusel·stueck

gruselstück , f. , schauerstück: ein kriminalroman, gekürzt zum lach- und gruselstück, gewürzt mit hasz und liebelzoten W. Jordan im talar u…

Grusementen

WWB

gru·sementen

Grusementen Pl. [WMünsterl] Stücke, Scherben. In Grusementen sln ( Kr. Borken u. die krfr. Stadt Bocholt Bor Kr ). Dat Dingen was an Grüsem…

grusen1

MeckWB

Wossidia grusen 1 grauen, schaudern: mi grus't so Wa @ AJab ; mi würd' grusen Pa Parchim@Barkow Bark ; Wa Waren@Minzow Minz ; mit Grusen un …

gruse als Zweitglied (1 von 1)

saugruse

DWB

saug·ruse

saugruse , f. polygonum aviculare Pritzel-Jessen 206 .