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superfein

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

superfein adj.

Bd. 20, Sp. 1197
superfein, adj. , selbständige zusammenrückung des deutschen, bei der an kein unmittelbares vorbild im lat. oder frz. zu denken ist (frz. superfin ist nach Gamillscheg 822 erst seit dem 18. jh. belegt). über das engl. superfine s. u. 2. gelegentlich in der form suprafein, sieh unten 2 a, b. 11) 'lauter, rein'. ursprünglich fachausdruck der metallschmelzerei: von solchem edelmetall gesagt, das von allen andersartigen beimischungen und zusätzen vollständig gereinigt ist: wie man spricht: das ist fein silber, das ist superfein etc. nit dasz es vor nit also auch gesein sei, sunder es ist allemal also gesein, aber befinstert mit unflat. und das feur ... hats hinweg genomen. darum haiszts der gemain man fein und superfein (vor 1541) Paracelsus in: arch. f. reform.-gesch. 15, 152 f; zu vnsern zeiten ist solch silbergold nicht mehr im brauch, denn die güldigen silber werden alle geschieden, vnd vnser gold helt sein 24. gren, wenn es superfein ist Mathesius Sarepta (1571) 55b; gern in der verbindung mit rein: der fuszschemel aber ... musz von gantzem dichtem reinem superfeinem golde gegossen werden Herberger hertzpostilla (1613) 1, 164; in einer reinen, blancken, superfeinsilbern schüssel ders. trawrlieder (1617) 4, a 2b. der vorgang der edelmetallschmelze wird als bild für die himmlische verklärung des auferstandenen leibes genommen: also ist die glorificirung dermaszen auch zuverston in der uferstehung. dann die uferstehung wirt sein, nach dem und alle corper werden fein und superfein sein (vor 1541) Paracelsus a. a. o., häufiger für den seelischen läuterungsprozesz des menschen: nun fehet gott an ... ein newe vnd geistliche plat zu machen, ... die da gantz rein vnd superfein werden solle Mathesius Sarepta (1571) 183a; da wir aber nun sollen rein, lauter vnd superfein vnd zu gottes ewigen kleynoten vnd schawgroschen werden ... so musz vns gott durchs fewer gehen lassen ders. leichpred. (1569) 1, 115b; vgl. noch ders. Sarepta (1562) 162a. unter spürbarer beziehung auf die ursprüngliche sachverwendung auch übertragen gebraucht: also hat David ein fein geschlecht, noch ists nicht durchaus rein und superfein Pfuntelius d. schöne magnificat (1598) 37b; werden derwegen auch die gleiszenden widerteuffer noch wol ein bar tag müssen warten, bisz sie eine gar superfeine engelreine kirch erleben Artomedes christl. auszleg. (1609) 1, 758. vgl. superfeinen, vb. 22) 'überaus, äuszerst fein' Kramer teutsch-ital. 1, 355a. ohne verbindung mit der enggebundenen sachbedeutung 1, dagegen übereinstimmend mit den für das engl. superfine seit dem 16./17. jh. geläufigen anwendungen, vgl. Murray 9, 2, 179a, der den metallurgischen gebrauch 1 nicht belegt. 2@aa) zur sachlichen feststellung der ungewöhnlichen güte und beschaffenheit eines stoffs oder gegenstandes, vgl. s. f. als auszeichnende abkürzung von engl. superfine für waren a. d. j. 1682 bei Murray a. a. o.: superfeine sorte von waaren Ludwig (1716) 1927; superfein, '... von der besten art, doch nur im gemeinen leben, besonders von wahren' Adelung 4 (1780) 885; alle arten von feinen und superfeinen tüchern zumal von brillanten farben Ritter erdkunde 1, 465; manchmal auch mit gelehrter rückbildung in die lat. form: das tuch würde suprafein für die verlangten zwölf thaler seyn Kortum Jobsiade (1799) 1, 60; dieser knipste sie bedächtig ... von seinem suprafeinen hute Holtei erz. schr. 24, 94. 2@bb) bei der anwendung auf geistige fähigkeiten und seelische haltungen verurteilt der verfasser durch die wahl dieser zusammensetzung die übertreibung solches äuszeren oder inneren verhaltens als unnatürlich, maniriert, albern. dabei kann dies urteil von leiser ironie bis zu bissigem hohn getönt sein: die weltliche klugheit, so superfein witzig, sagt wol an, dasz ein gott sei Samson synopsis (1649) 3; gesetzt, sie hieszen engelrein und extra-fromm und super-fein Weichmann poesie d. Niedersachs. 4, 183; er nimmt mit superfeiner grazie eine prise Lichtenberg Hogarth. kupferstiche (1794 ff.) 4, 22. im sturm und drang und in der romantik als ausdruck tiefer verachtung gern zu kritischen ausfällen benutzt. so nimmt es die bedeutung 'spitzfindig' an: der superfeine in der politik liegt oft schon in dem netze von gröbern fäden, während er an dem seinigen für andre noch strickt Fr. M. Klinger w. (1809 ff.) 12, 66; durch superfeine distinctionen die oppositionspartei ... einer abweichung vom echten politischen glauben der whigs zu beschuldigen G. Forster s. schr. (1843) 6, 132; kommen alle eure schwerfälligen, grundgelehrten, superfeinen deduktionen am ende auf etwas anderes heraus? H. v. Kleist 4, 184 E. Schmidt; dahin haben uns die superfeinen sophisten gebracht! J. v. Müller s. w. (1810 ff.) 6, 351; 'erklügelt, ausgetiftelt': nur schade, dasz er die subtilität im unterscheiden und eintheilen öfters bis zum ermüden treibt, ohne den verdrieszlichen leser durch die annehmlichkeit der anwendung und des nutzens, der aus dieser superfeinen eintheilung erwächst, wieder schadlos zu halten Nicolai lit.-br. 8 (1760) 337; daher kam es denn, dasz, so superfein auch anfangs ihre absicht bei der errichtung des karrenschauspiels war, sie diese absicht ... nicht erreichten J. F. Schink theater zu Abdera (1787) 1, 11; 'unnatürlich überfeinert': verzerrt durch krause schnörkeleyn die melodie und schleift die töne bis zum suprafein, dasz jeder lacht und pfeift S. G. Bürde poet. schr. (1803) 1, 34; die noch mehr verfeinerten zeiten werden diese superfeine und fast ganz geistige generation die kunst zu hungern erfinden lehren hannov. magazin (1773) 1037; die einzelnen seufzer, welche die superfeinen naturen über die entsetzlichen unnatürlichkeiten ausstoszen E. T. A. Hoffmann s. w. 6, 91 Grisebach; du superfeiner späher, phantast'scher geisterseher, nichts fühl' ich, nichts, schweig, schweig! J. Kerner lyr. ged. (1854) 69. 2@cc) die wachsende verbreiterung der wortverwendung führt zu fortschreitender verflachung des bedeutungsinhalts. im 19. jh. für gewöhnlich nur noch als äuszerste steigerung von fein empfunden: vivat! du feine gute prinzessin Mandelbisz, die sich mit heldenmuthe aus schlimmem handel risz ... 'prinzesz Sissi ist superfein!' Cl. Brentano ges. schr. (1852 ff.) 5, 179. entscheidend ist auch hier die absicht, eine unnatürlich überschraubte haltung zu verspotten: hin ist das talent, das der schmuck ihrer bühne war. andere minder begabte schauspieler werden nicht unterlassen, ihre ansicht durch allerlei wohlgemeinten rat, durch manche superfeine bemerkung zu nähren und sich leise in den platz zu schieben, den der gefährliche nebenbuhler verlassen E. T. A. Hoffmann s. w. 4, 44 Grisebach; Sternau war der beste platz in der ganzen welt für ihn, und herr Ewald, mein superfeiner herr Ewald, muszte mir dazu selbst die hand bieten! Hauff s. w. (1890) 3, 264; mein seel! es hätt mich basz verdrossen, wär mir der tintenfisch entwischt, den ich so superfein gefischt Grillparzer s. w. 11, 255 Sauer. im 20. jh. aussterbend.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Superfein

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Superfein , adj. et adv. dessen erste Hälfte das Lat. super ist; außerordentlich fein, von der besten Art, doch nur im g…

  2. modern
    Dialekt
    superfein

    Rheinisches Wb.

    super-fein  Adj.: 1. subərfęin sehr fein Rhfrk in Wend-Sien . — 2. sūpərfin sehr fromm, pietistisch Klevld in Mörs-Or…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit superfein

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Zerlegung von superfein 2 Komponenten

super+fein

superfein setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

superfein‑ als Erstglied (2 von 2)

superfeinen

DWB

super·feinen

superfeinen , vb. , ableitung von superfein 1; fachausdruck der edelmetallschmelze: das heist eigentlich superfeinen, wann ein metall rein i…

superfeinheit

DWB

super·feinheit

superfeinheit , f. , substantivbildung von superfein im sinne von 2 b: sie würden an diesem mischmasch von sarmatischer oder fast neuseeländ…