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supplikation

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

supplikation f.

Bd. 20, Sp. 1251
supplikation, f. , bitte, bittschrift, gesuch; rechtswort der fürstlichen kanzleien seit dem frühnhd.; vom lat. supplicatio. in den wbb. vom 16.-18. jh. bezeugt für libellus Dasypodius (1536) 435b; Maaler (1561) 396b; erläutert als 'demütige bitt, begeren vnd flehen, ergebung auff gnad vnd vngnad' S. Roth dict. (1571) p 3a; 'bittschrift' Hulsius (1618) 2, 404a; Duez dict. (1664) 505b u. s. w. vgl. noch die belege bei Schmeller-Fr. bair. 2, 319 (vom j. 1618); Fischer schwäb. 5, 1967. schrift, in der dem fürsten oder politischen herrn ein sachliches oder persönliches anliegen in form einer bitte vorgetragen wird: noch dem ich euch eyn supplicacion lange gesant habe (1462) script. rer. Siles. 8, 119; vgl. 131; so juw dat is bevalen unde gij ok in der copien der supplicacien beroren (1470) Lübeck. urk.-buch I 11, 624; haben wir ... beuolchen, sich zu ewr lieb mit sampt unser supplikation zu verfuegen (1512) Sinnacher beitr. z. gesch. Brixen u. Säben 7, 135; dannocht haben die parfoten (barfüszermönche) durch lang vngestyeme supplicacion so ferr die sach gebracht, das der bapst gschriben hat, diser sein heszlicher vnd hessyger stand sey ein euangelischer stand Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 50 ndr.; vgl. 1, 134; wenn sie die leute ansprechen oder jre kinder mit credentz brieffen vnnd supplicationen abfertigen Mathesius Sarepta (1571) 25b; deszhalben schickten sie ein supplication zu dem könig Jean de Serres, frantzös. history (1574) 2a; e. f. g. werden nimmermehr müdt gemacht von handelung der geschäfften, vom annemen vnd hören die supplicationen Nigrinus von zäuberern, hexen (1592) 249; gibt ein herr gut bescheid, man sol einem armen mann nach laut seiner supplication helffen Lorichius pädag. princ. (1595) 99; mit lat. flexionsendung: auff der gemeine eingebrachte supplicationem vndt seinen darauff gestelleten gegenbericht (1618) Schles. kirchen- u. schulordn. 221 J.-Schw.; nicht allein supplicationes zu fertigen (1661) corp. jur. Sax. (1672) 1035. die wortumgebung erweist häufig den umständlich-devoten ergebenheitscharakter: e. f. g. bitten wir armen mit undertäniger erbietung disz unser supplicacion gnediglich zuo vernemen (1514) dtsch. bauernkrieg, aktenband 79 Franz; als ich ... in eines vornehmen herrn hof ... aufwartete auff eine supplication, darinnen ich gar beweglich umb einen schreiberdienst gebetten Grimmelshausen 2, 10 lit. ver. die verschnörkelte formelhaftigkeit des kanzleistils läszt die abfassung durch juristisch geschulte personen rätlich erscheinen: Erasmus haist das männlein, das mir beim herrn Jacob Bonysius mein supplication gestellet hat Dürer tageb. 58 L.; als jener bawr dem schreiber zusprache, er sol jhm in seiner supplication nur viel et caetera hinein machen Guarinonius grewel d. verwüst. (1610) 236; es stehet besonders zu dem notario, ein instrument aufzurichten in obligationen, contracten, verpfändungen, cessionen, supplicationen Abr. a s. Clara etw. f. alle 2 (1711) 451; vgl. supplikationendichter; supplikationenmeister; supplikenmeister. selten tritt das wort durch übertragung aus dem scharf umgrenzten bereich der kanzlei- und rechtssprache heraus: und ist fürwahr jener kriegsofficier tausendfaches lobs werth, dasz er ... zu dem heylmachenden Jesum geeilt, ihme eine demütigste suplication überreicht Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 177. im frühnhd. begegnen gelegentlich andere formen wie supplikantie und supplikanz (s. d.). vom 15. bis ins 17. jh. wird die getreu die lat. lautgebung beibehaltende wortform gern zu supplikatz verkürzt (s. d.), besonders im 18. und 19. jh. durch die frz. modeform supplik (s. d.) fühlbar zurückdrängt; daneben tritt nicht allzu häufig die gelehrte bildung supplikat auf (s. d.). durch die grundlegende wandlung im staatlichen aufbau und verfassungsleben seit beginn des 19. jh., die die unabhängigkeit der richterlichen gewalt und die einschränkung der freien entscheidung des herrschers mit sich bringt, wird die supplikation in der alten form des absolutistischen fürstenstaats als normaler ausdruck rechtlicher selbsthilfe der untertanen hinfällig. über die weitere sachliche und wortmäszige ersetzung des begriffs vgl. supplik. im allgemeinen tritt das wort während des 19. jh., in historischen werken auch schon früher, nur noch als geschichtlich getreue bezeichnung aus vergangener zeit entgegen: wenn das geschäft durch eine darüber erhobenen klage oder durch eine supplication oder appellation an den päbstlichen stuhl gekommen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778ff.) 3, 489; auszerdem aber verstattete man auch die supplication beim landesherrn gegen ein beschwerendes erkenntnisz der höchsten gerichte Eichhorn dtsche staats- u. rechtsgesch.3 (1822) 3, 447; es giebt noch unzählige fälle, wo sie (die fürsten) im wege der revision, der appellation, der supplikation ... privat-sachen entscheiden K. L. v. Haller restaur. 2 (1817) 240; diesen meister erkannte er ... unter den grabschriften, die er sämtlich für supplicationen hielt Welcker alte denkmäler (1849ff.) 2, 273; da die königliche proclamation alle bisherigen versammlungen und ihre beschlüsse, supplicationen und eingaben für null und nichtig erklärte Ranke w.2 15 (1875) 307. zusammensetzungen in den formen supplikation-, supplikations- und supplikationen-:
5306 Zeichen · 128 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    supplikationf.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +3 Parallelbelege

    supplikation , f. , bitte, bittschrift, gesuch; rechtswort der fürstlichen kanzleien seit dem frühnhd.; vom lat. supplic…

  2. modern
    Dialekt
    Supplikation

    Südhessisches Wörterbuch

    Supplikation Band 5, Spalte 1665-1666

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Wortbildung

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Zerlegung von supplikation 2 Komponenten

supplikat+ion

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supplikation‑ als Erstglied (13 von 13)

Supplikationbuch

DRW

supplikation·buch

Supplikationbuch, n. auch dim. amtl. Buch zur Eingangsregistratur von Supplikationen (II) so soll auch ein eigen supplication-buch jedes rei…

supplikationdichter

DWB

supplikation·dichter

-dichter , m. , der berufsmäszige verfasser von amtlichen eingaben, gesuchen, bittschriften: damit solche unerfahrne und schädliche supplica…

Supplikationen

Meyers

Supplikationen (lat.), bei den Römern von den Behörden angeordnete Bitt- und Dankfeste, wobei das Volk in Prozession von Tempel zu Tempel zo…

supplikationmeister

DWB

supplikation·meister

-meister , m. : supplikazionmeister libellorum supplicum magister Stieler stammb. (1691) 2378 ; angemerckt, man den herrn von Chastelet, sup…

Supplikationsmeister

DRW

supplikation·s·meister

Supplikationsmeister, m. Amtsperson, zuständig für Entgegennahme und Bearbeitung von Supplikationen (II) bdv.: Supplikationsrat (II) bin ick…

Supplikationsrat

DRW

supplikation·s·rat

Supplikationsrat, m. I Gremium, zuständig für die Entgegennahme und Entscheidung von Supplikationen (II) bdv.: Supplikationsausschuß die sup…

Supplikationsschrift

DRW

supplikation·s·schrift

Supplikationsschrift, f. wie Supplikation (II) nachdem ... allerlei beschwerdt ... von denselben unterthanen wider und über gemelt pfandther…

Supplikationsweise

DRW

supplikation·s·weise

Supplikationsweise, f. rechtliche Form einer Supplikation (I) daß ein yder, der vor uns und unsern rethen an unser stat zu handelen ader anz…

supplikationweise

DWB

supplikation·weise

-weise , adv. : und geben hiemit unser nachanligent beschwerden in supplicationwyse articuliert ... zu erkennen (1514) dtsch. bauernkrieg, a…

supplikationzettel

DWB

supplikation·zettel

-zettel , m. : alda sind aller handwerk clag und supplicationzedeln nach ainander offentlich vor dem rat ... verlesen worden quellen z. gesc…