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supplik

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

supplik f.

Bd. 20, Sp. 1249
supplik, f., bittschrift, schriftliches gesuch; vom frz. supplique und bis tief ins 18. jh. hinein besonders im plural noch häufig so geschrieben: supplie, mz. suppliquen: 'eine demüthige bittschrifft, das supplicat ... an humble address' Ludwig teutsch-engl. (1716) 1929; ähnlich curiöses bauernlex. (1728) 185; allg. haushalt.-lex. (1749ff.) 3, 454; Campe wb. z. erkl. (1801) 631a. im frühnhd. selten, da vom 15. bis 17. jh. die dem lat. entstammenden formen supplikation oder ihre verkürzung supplikatz (s. d.) herrschen: die supplic der gemeinen knappschaft (1529) mitt. d. ver. f. gesch. d. deutscht. in Böhmen 19, 118. den nährboden für die plötzliche durchsetzung der frz. wortform seit der wende des 17. und 18. jh. bildet die damals in Deutschland erfolgende übernahme der staatsform des absolutismus und seiner rechtsauffassung nach dem frz. vorbilde. infolge der ausschaltung der ständischen mitregierung vermögen der einzelne untertan wie jede körperschaft nur in der form von bittschriften dem absoluten fürsten ihr anliegen vorzutragen: supplic 'demüthiges bittschreiben', z. e. eine supplic machen J. Chr. Wächtler commod. manual (1703) 305; ein supplic bei einem eingeben Aler dict. (1727) 2, 1868a; der die suppliquen annimmt und fürtragt ebda; supplicationis remedium aber heiszt im reichs-hofrathe, wenn eine parthey, die sich durch ein urtheil gravirt befindet, eine supplique an kayserl. maj. abgehen läszt und unterthänigst bittet, dasz ... ein anderes urtheil (möge) gefället werden Chomel (1750ff.) 8, 1808; die finger waren geschäftig, in verschiedenen schreiben und suppliken zu wühlen Rabener s. schr. (1777) 3, 133; um selbigen (Friedrich d. Gr.) im namen unserer abgebrannten eine supplice zu mehrerer unterstützung zu unterbreiten ..., so übergab er die bittschrifft einem kleinen pagen (1785) bei El. Zimmermann Greiffenberger leinenkaufleute (1938) 81; die gesammte bürgerschaft von London liesz durch den grafen Percy eine ähnliche supplik an den könig gelangen, von welcher man sich, um der menge der supplikanten willen, gute wirkung versprach G. Forster s. schr. (1843) 5, 50; lies die überschrift dieser supplik F. M. Klinger theater (1786f.) 2, 179; ich halte diesen grund für den stärksten in der ganzen supplik Jean Paul 3, 110 H.; er hatte zu hause mit groszem fleisz eine supplik aufgesetzt, punkt für punkt, das himmelschreiende unrecht und seine forderung Eichendorff s. w. (1864) 3, 318; in der aufzählung neben anderen formelhaften schreiben: ja, memoriale, suppliken und strümpfe und hemder für mein kind! Caroline 1, 121 Waitz; ... die tische des fertigen schreibervolks, stets bereit zu bericht und suppliken und liebesbrief Platen w. 1, 264 Hempel. da die form der supplik für gewöhnlich devot und servil war, wird der begriff bei der überwindung des absolutismus durch die erweiterung der rechte und das zunehmende selbstgefühl des volkes seit der französischen revolution und durch die entstehung von verfassungen, die das verhältnis zwischen herrscher und staatsbürger grundlegend verändern, durch petition und durch eindeutschungen wie beschwerde, eingabe, gesuch, gnadengesuch ersetzt. deswegen seitdem in geschichtlichen dichtungen und anspielungen nur archaisierend verwendet, um die vorstellung zeitlicher ferne zu erwecken: eine bittschrift, an die durchlaucht des herrn, zu unsers führers, des prinz von Homburg, gunsten aufgesetzt. 'supplik, in unterwerfung eingereicht'. H. v. Kleist 3, 92 E. Schm.; und nachdem er die beschwerde ganz den forderungen gemäsz verfaszt, ... dasz der kurfürst die supplik seinem kanzler ... übergeben habe ebda 3, 158; dasz eine hohe regentschaft zu Stuttgart die demüthige supplik der guten stadt Weinsperg unerhört lasse Gaudy s. w. (1844) 3, 111; wer französisch verstand, wurde zur abfassung ... von suppliken gepreszt Holtei vierzig jahre (1843f.) 1, 81; für 'bitte': euer ehrbar ein gebührend devotion, mit supplik: mein gerings menschlichs vermügen nit gar zu verachten Kolbenheyer Paracelsus 3 (1926) 82; zu liebenswürdiger selbstverspottung: willst du meine supplik (um eine pfarrstelle für einen bekannten) allergnädigst berücksichtigen (1841) fürst Pückler briefw. u. tageb. 6, 192. vgl. supplikenmeister, -verbot, -überbringer.
4270 Zeichen · 98 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Supplik

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Supplik , plur. die -en, aus dem Franz. Supplique, die demüthige schriftliche Bitte an einen Höhern, besonders an di…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Supplik

    Goethe-Wörterbuch

    Supplik [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Supplīk

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Supplīk (lat.), Bittschrift (s. d.); Supplikant , derjenige, von dem eine solche ausgeht.

  4. modern
    Dialekt
    Supplik

    Südhessisches Wörterbuch

    Supplik Band 5, Spalte 1665-1666

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit supplik

35 Bildungen · 35 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von supplik 2 Komponenten

supp+lik

supplik setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

supplik‑ als Erstglied (30 von 35)

supplikant

DWB

supplik·ant

supplikant , m. , bittsteller: ' der in vnterthenigkeit demüttigklich bittet, sich ergibt ' S. Roth dict. (1571) p 8 a ; ' ein demütiger bit…

supplikantenblick

DWB

supplikant·en·blick

supplikantenblick , m. : er sagts und heftete mit trauriger geberde den supplikantenblick voll thränen auf die erde Zachariä poet. schr. (17…

supplikantie

DWB

supplikantie , f. , bittschrift; frühnhd. ungewöhnlich statt supplikation, supplikatz: hochgeborner fürst, laszt ew die supplicantie ingeen …

supplikantin

DWB

supplikantin , f. , femininbildung zu supplikant; überbringerin einer bittschrift, bittstellerin: welchen preisz kann er auf eine menschlich…

supplikanz

DWB

supplikanz , f. , bittschrift; frühnhd.: wais auch nicht, wo oder wie ich mein begerung fürbringen mag anders dan durch ain supplicanz nach …

supplikat

DWB

supplikat , n. , bittschrift, schriftliches gesuch, ' dasjenige, worum man bittet, the petition ' Ludwig teutschengl. (1716) 1929 ; ' bittsc…

supplikation

DWB

supplikat·ion

supplikation , f. , bitte, bittschrift, gesuch; rechtswort der fürstlichen kanzleien seit dem frühnhd.; vom lat. supplicatio. in den wbb. vo…

Supplikationbuch

DRW

supplikation·buch

Supplikationbuch, n. auch dim. amtl. Buch zur Eingangsregistratur von Supplikationen (II) so soll auch ein eigen supplication-buch jedes rei…

supplikationdichter

DWB

supplikation·dichter

-dichter , m. , der berufsmäszige verfasser von amtlichen eingaben, gesuchen, bittschriften: damit solche unerfahrne und schädliche supplica…

Supplikationen

Meyers

Supplikationen (lat.), bei den Römern von den Behörden angeordnete Bitt- und Dankfeste, wobei das Volk in Prozession von Tempel zu Tempel zo…

supplikationmeister

DWB

supplikation·meister

-meister , m. : supplikazionmeister libellorum supplicum magister Stieler stammb. (1691) 2378 ; angemerckt, man den herrn von Chastelet, sup…

Supplikationsmeister

DRW

supplikation·s·meister

Supplikationsmeister, m. Amtsperson, zuständig für Entgegennahme und Bearbeitung von Supplikationen (II) bdv.: Supplikationsrat (II) bin ick…

Supplikationsrat

DRW

supplikation·s·rat

Supplikationsrat, m. I Gremium, zuständig für die Entgegennahme und Entscheidung von Supplikationen (II) bdv.: Supplikationsausschuß die sup…

Supplikationsschrift

DRW

supplikation·s·schrift

Supplikationsschrift, f. wie Supplikation (II) nachdem ... allerlei beschwerdt ... von denselben unterthanen wider und über gemelt pfandther…

Supplikationsweise

DRW

supplikation·s·weise

Supplikationsweise, f. rechtliche Form einer Supplikation (I) daß ein yder, der vor uns und unsern rethen an unser stat zu handelen ader anz…

supplikationweise

DWB

supplikation·weise

-weise , adv. : und geben hiemit unser nachanligent beschwerden in supplicationwyse articuliert ... zu erkennen (1514) dtsch. bauernkrieg, a…

supplikationzettel

DWB

supplikation·zettel

-zettel , m. : alda sind aller handwerk clag und supplicationzedeln nach ainander offentlich vor dem rat ... verlesen worden quellen z. gesc…

supplikatz

DWB

supplik·atz

supplikatz , f. , bitte, bittschrift; im frühnhd. geläufige eindeutschende verkürzung neben der die lat. ausgangsform genauer beibehaltenden…

supplikatzenweise

DWB

supplikatz·en·weise

supplikatzenweise , adv. : wie Gimnaste supplikatzenweisz vnd hinderlistig den hauptmann Wurststümpfling vnd sein volck vmbracht vnd also se…

Supplikenmacher

DRW

supplik·en·macher

Supplikenmacher, m. wie Supplikationschreiber allermaaßen auch derselbe, welcher die klagen sowohl der bauren als anderer ... anders, als si…

supplikenmeister

DWB

supplik·en·meister

supplikenmeister , m. , zu supplik, maitre des requestes Apinus gloss. nov. (1728) 522 ; suppliquenmeister magister libellorum supplicum Hed…

Supplikensteller

DRW

supplik·en·steller

Supplikensteller, m. wie Supplikationschreiber den advocaten und supplicanten-stellern [soll] ... befohlen seyn, daß sie ... auff alle ... s…

Supplikzettel

DRW

supplik·zettel

Supplikzettel, m. wie Supplikation (II) unser burger C.P., platner, hat uns dise innligende suppliczettel uberantwort, die eur kgl. maj. zu …

supplikāsse

KöblerMnd

supplikāsse , F. Vw.: s. supplicācie