unschicklich,
adj. adv. ,
gth. v. schicklich.
mnd. unschiklik,
mnl. onscickelijc,
nl. onschikkelijk (
veraltet).
aschwed. oskikkeliga
adv., schwed. oskicklig.
mit unorganischem t unschicklicht Bellin
rechtschreibung (1657) i i j
b.
vgl. ungeschicklich. 11) ungeschicklich 1, ungeschickt 1, unschick b
entsprechend: unförmig, miszgestalt mnl. wb. 5, 906; in den kalköfen aber wird alles noch so unschickliche holz mit verbrannt
Bunzlauische monathschrift (1774) 1, 244;
Baubo zeigt u. gestaltet den leib J. H. Voss
antisymb. 1, 52; ohne die geringste unschickliche (
entstellende) verzerrung einer sehne oder eines muskels Bode
Tristram Schandi 3, 9;
im nl. unreinlich, unflätig, säuisch Kramer-Moerbeek;
nl. wb. 10, 1785;
vgl. ungeschickt 1 a.
in n. spr. nur undeutlich: eine elende unschickliche decoration Göthe 21, 158, 26
W., heute i. a. nach bed. 2
verstanden. 22)
ungelegen, unzweckmäszig, ungeeignet, unpassend, unangemessen, verkehrt u. ä.; vgl. ungeschicklich 3, ungeschickt 2/3; Staub-Tobler 8, 527, 1: zur unschicklichen zeit essen Hohberg
georg. 1, 95; Göthe 19, 296, 3
W.; gelegenheit Hippel
lebensläufe 3, 1, 98; ort E. Th. A. Hoffmann 10, 55
G.; worte Harsdörffer
secretarius 2, )( )( 1
b; namen Lessing 10, 165; fall
allg. d. bibl. anh. 38—52, 7; kirchenmusiken Göthe 25, 222, 14
W.; der hörer wird nicht zerstreut, weder durch schickliche noch unschickliche darstellung 41
1, 54, 22
W.; die unschicklichste verbindung beider sagen W. Grimm
an J. Grimm briefw. (1881) 410.
prädicativ: welcher mir erwäntes gedicht ... schlecht und u. vormahlete Birken
fortsetzung der Pegnitz - schäferey (1645) 72; ob es sonst ... nicht ganz u. seyn wird, meine meinung begreiflich zu machen Lessing 10, 175; A. G. Werner
gebirgsarten 4; unter allen festen ist das hochzeitsfest das unschicklichste Göthe 22, 213, 4
W.; mit näheren bestimmungen: u. zur küchenlehre Harsdörffer
gesprechspiele 5, 126; für die bewegung
F. Th. Schubert
verm. schr. 2, 9.
adv.: Hohberg
Ottobert a 8
b; leyern, die so eng und u. (
vgl. 1) gemacht waren Schubart
ästhetik 32; Körte
sprichw. 209.
subst.: das schickliche und unschickliche im ausdruck Herder 18, 160; blumentöpfe .. auf den dächern fallen ... in das unschickliche Hirschfeld
gartenkunst 3, 33; Göthe 7, 176
W. 33)
ungeschickt: Staub-Tobler 8, 527, 2;
vgl. unschicklichkeit 3; ungeschicklich 6.
nicht schriftsprachlich. 44)
rechts- u. geschäftssprachlich '
ungebührlich, unerlaubt, unangebracht, ungehörig'; Lübben-Walther 442
a;
vgl. ungeschicklich 5, ungeschickt 3 a/b: verschiedene gläubiger können bei verschiedenen gerichten keinen generalarrest nehmen; dies ist u. Möser 5, 63; äuszerung
[] Göthe IV 30, 167, 10
W.; IV 38, 278
W.; 38, 277
W.; H. v. Kleist 3, 231; die dritte parthie, welche die württembergischen landstände ergriffen, geradezu die königliche verfassung zu verwerfen ... ist wohl die ungeschickteste, unschicklichste, unverzeihlichste gewesen Hegel 16, 290; Mommsen
staatsrecht 1, 33.
rituell: reden u. aufsätze 272;
verblaszt: das u. (
ungebührlich) gepredigt wird Luther 26, 232
W.; es wäre u., ja sündhaft, das thier mit in die kirche zu nehmen Chph. v. Schmid 2, 128; die unschickliche (
vgl. 5) deutsche tracht J. Fr. Böhmer
an Passavant 2, 58
Janssen. 55)
unanständig, ungeschicklich 7, ungeschickt 5
γ entsprechend. Staub-Tobler 8, 527, 3. a)
taktlos mit bezug aufs schamgefühl: ein unschickliches hochzeitspaar Bräker 2, 114;
vom baden im freien Göthe 29, 94
W.; schriften ... u. bis zum erröthen Bauernfeld 4, 178; geberden Mommsen
röm. gesch. 2, 173. b)
in gesellschaftlicher beziehung: allein ietzt würde es u. seyn, der herrschaft beschwerlich zu fallen Petrasch
lustspiele 2, 6; ein eclat von unschicklicher art Göthe IV 24, 224, 6
W.; 23, 227, 4
W.; Holtei
erz. schr. 7, 202; Deinhardstein 4, 255; den wahren namen der geliebten zu nennen, galt .. für u. Uhland
schriften 4, 25; der hund .. gähnte auf die unschicklichste weise Holtei
erz. schr. 1, 5; sie lachten so herzlich, laut und u. (
nicht zimperlich), dasz es eine lust war Raabe
hungerpastor 2, 158. 66)
im allgemeineren sinne, was sich nicht schickt (
th. 8, 2653
unten),
was man nicht darf (
vgl. on ne peut pas),
verkehrt, unthunlich, aber in mischung mit bed. 5, 2, 4: es ist u., geschenke anzunehmen; es wäre u., hierauf zu schweigen; jedes hielt es für u., nur noch irgend einen groschen geld in der tasche zu behalten Göthe 21, 246, 23
W.; 21, 70, 3
W.; 21, 71, 28
W.; Göthes eulogismus entsprechend: so passionirt er (
der herzog) fürs gute und rechte ist, so wirds ihm doch weniger darinne wohl als im unschicklichen IV 5, 73
W. (
syn. albern); sie lernt nichts und beträgt sich u. G. Keller 2, 208;
zur syn. vgl. noch: das unschickliche, ja verbrecherische Göthe 24, 343, 7
W.; nie ward ein unsittliches, ja nur ein unschickliches wort vernommen Holtei 40
jahre 1, 386.
gesteigert: impertinent, grob Kinderling
reinigkeit 277,
rücksichtslos, unbescheiden, anmaszend, frech: wo denn Thersites ... auf die unschicklichste art der sache Achills erwähnet Herder 17, 165; die unschickliche sprache der päpstlichen allocution Treitschke
d. gesch. 4, 705. —