stoppeln,
verb. zu stoppel,
f. 11)
in den stoppeln verlorene ähren suchen: stoppeln
stipulare Diefenbach
gloss. 553
c (
voc. v. j. 1420); stoppelen
spicas legere Schottel,
spicas a messoribus relictas colligere Frisch 2, 340
a; ähren stoppeln Adelung; dazu soll sie mir am heiszen mittage stoppeln gehn, bis sie so trocken, so schwarz geworden, als ein löschbrand Lessing 10, 90; und es stoppeln dort die gänse, wo das korn die sichel las Rückert
werke 2, 571.
als eine freiheit genutzt von armen leuten, deshalb in gröszerer verdeutlichung nachstoppeln,
verb. (
th. 7
sp. 141):
messores sequi et spicas relictas colligere Frisch 2, 340
a; Adelung. 1@aa)
übertragen auf ähnliche einsammelnde thätigkeit, so an stelle von nachlesen (
th. 7
sp. 92
unter 1)
im weinberge: lesen
vel stuplen
vindemiare Diefenbach
gloss. 620
a; ich stoppele
racemor Steinbach; die weintrauben in den weinbergen stoppeln Campe;
und sonst: das obst von den bäumen stoppeln
ebenda (
s. auch den beleg bei W. H. Riehl
deutsche arbeit 186
oben unter stoppelfreiheit). —
vgl.nun sitze ich hier wie ein altes weib, das ihr holz von zäunen stoppelt Göthe 19, 152
Weim.; ich habe gestoppelt, da ist noch ein büschelgen IV 3, 72
Weim. 1@bb)
der begriff des sammelns wird weiter verdeutlicht durch zusammen: zusammenstoppeln
paucos nummos ad aliquid conferre et colligere Frisch 2, 340
a; so geht denn gleich hin (
zur trödelbude) und stoppelt euch in der geschwindigkeit etwas zusammen, das einigermaszen zu meinen farben paszt Thümmel
reise 5, 401; das ist noch ein kleiner schmaus, läszt sich leicht zusammen stoppeln Rückert
werke 2, 133. (
s. auch die belege in der bildlichen verwendung unten). —
daneben auch erstoppeln (
th. 3
sp. 1018): 1 scheffel gersten erstoppeln
modium granorum hordei conferre e spicis collectis Frisch 2, 340
a. 1@cc)
bildlich (
in geistiger sphäre)
für mühsame, aber wahllos zusammensuchende arbeit; zugleich die harmlosere deutsche wiedergabe des im 18.
jahrh. aufgenommenen fremdworts compilieren (
aus lat. compilare '
plündern, berauben'): ich stoppel
carptim lego Alberus (1540) Ae 3
a; drumb gibet er gelegenheit, noch einmal uns zu versamlen, damit wir im text stoppeln, und was hinterstellig ist, hernach holen können Herberger
traurbinden 2, 154; da unsere literatoren ... nicht anders als stoppeln konnten Herder 6, 449; der leichte Franzose, der noch weit ärger stoppelt, hat wenigstens eine art von witz, seine beute zu einem ganzen zu fügen Göthe 37, 150
Weim.; er stoppelte aus ... chroniken
allgem. deutsche biblioth. 83, 312; was hör von Sterkel ich, dasz er nur stoppeln kann! Brentano 2, 555.
neben sammeln: sie wollen immer nur stoppeln, sammeln G. Forster
schr. 8, 173. 1@c@aα)
mit deutlicher hervorstellung des objects: etwas aus büchern stoppeln Campe; unterdesz stoppelte H. die erklärungen seiner Ilias, die im jahre 1802 mit groszem geräusch hervortrat J. H. Vosz
antisymbolik 2, 87; (
sie) leiden ... alle schmach, weil höhers sie nicht kennen, als ihr machwerk, das sie sich gestoppelt Hölderlin 2, 201
Litzmann. —
noch deutlicher etwas zusammenstoppeln: so viel ist es, als ich aus des hn. Eberhard Julii manuscript zusammen stoppeln können
insel Felsenburg 4, 544; die unwissenden comödianten haben fast alle ihre stücke selbst zusammen gestoppelt Gottsched
beytr. z. crit. historie 3, 275; 'aus dieser beschreibung, die ich, wie man sieht, aus dem Homer selbst zusammen getragen habe' — wohl zusammen gescharrt, gestoppelt! Göthe 37, 201
Weim. (
gespräche 3, 214
Biedermann); ein buch aus hundert andern büchern zusammen stoppeln Adelung (Schelling 1, 487, Laube 8, 79). —
das bild weiter herausgearbeitet: eine handvoll blumen, ... spielend und im vorbeigehen gesammelt; nicht mit bebrillter nase gesucht, nicht mit gebücktem blutrothen gesicht zusammen gestoppelt Herder 2, 29. 1@c@bβ)
ungewöhnlich neben einander stoppeln
mit stärkerem hinweis auf die einzelheiten, welche zusammen gestoppelt
werden: wie er fremde, halbverstandne gedanken neben einander stoppelt Herder 3, 440. 1@c@gγ) durch stoppeln: und was dergleichen mehr war, durch alle feste, sontage und feirtage hindurch gestoppelt Herberger
hertzgrund quillt in mund (1610) 18. —
reflexiv sich durchstoppeln,
sich mit solcher arbeit des stoppelns
mühsam durchhelfen: sie werden sich schon mit dem Zinkgräf durchstoppeln müssen, welches auch um so viel besser seyn wird, da von Zinkgräfs poesieen nie etwas zusammengedrukt worden Lessing 18, 267. 1@c@dδ)
adject.: (
erklärungen,) mit überflüssiger, zusammen gestoppelter belesenheit überladen Winckelmann 2, 145;
danach auch einfach gestoppelte wissenschaft,
welche nur auf äuszerlichem citatenkram beruht; da das theater immer nur ein gestoppeltes und gestückeltes wesen bleibt Göthe 22, 157
Weim.;
sogar: sind grosze geister gestoppelte meister, verschnitten dazu 7, 102 (
concerto dramatico). 1@c@eε)
substant.: (
sich) an das stoppeln und zusammensetzen halten müssen IV 19, 19
Weim. 22)
in die (
frisch umgebrochene)
stoppel säen: (
im juli soll man) rubensaat verrichten im abnehmenden monden, entweder in die wintergersten stoppeln, oder in einen acker, darinnen man frühen flachs gerauft Hohberg
georgica 1, 126. 33)
das stoppelfeld zum ersten male pflügen Thär
grundzüge der ration. landwirthschaft 3, 95.
sonst auch stürzen (
s. unten)
und im gegensatz zum brachen,
verb. (
th. 2
sp. 282),
die durch das stoppeln (
subst. Adelung)
erzielte brachfurche zum zweiten male umbrechen. 44)
die stoppel abweiden (?),
im folgenden wohl '
die halme bis auf die stoppeln abnagen, abfressen': und schicket sein hauffen grosz der hungrigen heuschrecken, die das gottlose feld allenthalben bedecken, sie stopplen nach dem schlosz, und von dem morgen früh bisz zu nacht fressen sie des ganzen jahres müh Treuer
deutscher Dädalus 1, 776. 55)
entsprechend stoppel,
f., I 2 b (
mit umlaut) stöppeln '
die stoppeln ausziehen': ne gâs stöppeln Schambach 212
b;
bayr. intrans. stoppeln
federn ansetzen Schmeller
2 2, 775.