wichsen,
vb. , '
mit wachs bestreichen',
auch '
blank machen, putzen'; '
prügeln'.
jüngere lautvariante von wächsen,
vb. (
ahd. wahsen),
s. teil 13,
sp. 126,
die sich im gegensatz zu schwirmen (
zu schwärmen)
und wirmen (
zu wärmen)
in der schriftsprache seit dem 18.
jh. durchgesetzt hat. zum nebeneinander beider formen vgl. wächsen a. a. o.; zum übergang des aus a
umgelauteten e
in i
s. noch Wilmanns
dt. gramm. 1, 2, 286; H. Paul
dt. gramm. 1, 195;
fernerhin vgl. auch trichter
teil 11, 1, 2,
sp. 423.
die annahme eines alten ablautverhältnisses zu wächsen (Kluge-Götze
17858)
scheitert an dem späten auftauchen von wichsen.
frühe lexikalische nachweise: wichsen
cerare, voc. theut. (1482) oo 1
b;
gemma gemm. Straszb. (1508) e 1
a; Frisius (1556) 210
b; Corvinus
fons lat. (1646) 179. 11)
mit wachs (
oder wachsähnl. stoffen)
bestreichen, einschmieren (
s. auch abwichsen, verwichsen, gewichst). 1@aa)
von gewebten stoffen, behältern u. dgl. (
meist um sie undurchlässig zu machen): vyngen yr blut ynn gewichste secke Joh. Rothe
dür. chron. 388; das bewerte sü domitte, das sü ein gewihsset hemede ane det und domit ging in ein für und bleib unversert (
Straszb., anf. 15.
jh.)
städtechron. 8, 414; mit grossen langen flechten, hohen winleitern und gewichsten plahen zehen wägen, das die zu Stuttgarten sien ... gerichtet brot zu laden und damit zu faren (
um 1459)
urk.-buch d. st. Stuttgart 232
Rapp; solche salben soll man streichen auff ein reins tuch, so mit newem vngentztem wachs wol gewichset sey Gäbelkover
artzneyb. (1595) 2, 293; kehr jhn (
den faden) vmb, vnd wix jhn innen wohl Fronsperger
kriegsb. 1 (1573) 142
a; ein bösz weib ist ... ein gewixter wettermantel, in dem das wasser der ermahnung nicht eingehet Abraham a
s. Clara
Judas (1687) 1, 17; von guter gewichster grüner leinwand Döbel
jägerpractica (1754) 2, 51. 1@bb)
von fäden, seilen u. dgl. (
um sie geschmeidig und haltbar zu machen): den wichst er (
der schuster) im ain zwiren — den spinet man aus hanff und flachs — mit ainem wachs Hans Sachs
fabeln 3, 3
Götze-Drescher; die (
schnur) musz wol gewixt oder gebicht sein Speckle
archit. v. vestungen (1589) 5
b; auch das stricklein starck umwunden, mit gewichsten faden (
ca. 1660)
fischbüchlein 162; haar ... steif wie ein gewichster zwirnsfaden Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 332; mein gutes weib hatte ein stück von einer wachsfackel ... in der tasche und pflegte, wenn sie nähte, ihren zwirn damit zu wichsen Brentano
ges. schr. (1852) 4, 244. 1@cc) (
einschmieren und das aufgetragene)
glätten, blank machen; der vorstellungsgehalt verschiebt sich meist vom auftragen des putzmittels u. dgl. auf die bewegung des glättens, putzens bzw. auf das ergebnis der handlung. insbesondere von schuhen: nicht jeder schön gewichste, sondern jeder wohlgemachte schuh zeigt die hübsche bildung eines fusses Bode
Montaigne (1793) 2, 208; als ein junger zweig des ... geschlechtes mit gewichsten stiefeln von universitäten zurückkehrte, ward im väterlichen hause ein ... bettag angeordnet Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 5; in unserm hause ist die ältere von den zwo zimmermannstöchtern an der wassersucht gestorben, die röck abgeneht haben und deren bruder dem Wolfgang und den edlknaben die stiefel gewixt hat (1778) L. Mozart in:
br. W. A. Mozarts 4, 13
Schied.; da darf man doch seinen gewichsten stiefel anziehen Jean Paul
w. 7/10, 232
Hempel; wenn des abends beim appell der hauptmann ... aus dem kasino kam, um für stiefel, die nicht geschmiert, sondern gewichst waren, mittelarrest zu verhängen: an Diederich fand er nichts auszusetzen H. Mann
d. untertan (1949) 52.
von hölzernen gegenständen: man schälete die linden und schriebe, was man wolt', in die gewichsten rinden mit groszer müh und kost Fleming
dt. ged. 1, 125
lit. ver.; in jenen milden septembertagen sahen nachbarn einmal eine blankgewichste, hochräderige bauernchaise ... vor das schusterhaus fahren O.
M. Graf
unruhe (1948) 355.
weiterhin: wichsen
holzarbeiten mit wachspolitur versehen Bucher
kunstgew. (1884) 438
b; bohnen,
in Süddeutschland wichsen,
besteht in einem tränken ... von holzteilen ... mit wachs und glänzendreiben ... mittelst bürsten Lueger
lex. d. ges. techn. (1894) 2, 597; wärs vielleicht netter, wenn mir ... die kinder, wenn sie umkugeln, die g'wichsten böden ruinierten Nestroy
ges. w. (1890) 4, 64.
ohne nähere bestimmung: juheissa! jetzt krieg'n wir ein frau bald ins haus, drum heisst es recht wichsen und fegen Bäuerle
kom. theater (1820) 6, 3.
gelegentlich in freier verwendung, '
blank, geglättet': wenn ich von diesem männchen ... mit ... dem glatt gewichsten gesichte ... las H. Laube
ges. schr. (1875) 8, 34; was sind das für sonderbare parketten, über die es (
d. eichkätzchen) hinfliegt ... vom morgenthau gewichst und geglättet Brunner
erz. u. schr. (1864) 1, 262. 1@dd)
in ähnlichem sinne den bart wichsen (
s. auch aufwichsen): schon stand der grenadier und wixte seinen bart Zachariä
poet. schr. (1763) 2, 105; o wie verzerrst du den mund, nicht den panduren zu küssen, der seinen zottigten knebelbart wixt Löwen
schr. (1765) 2, 68; wie er sich aber seinen staubigen bart wusch, und dann mit der schuhbürste wichste Bettine
Brentanos frühlingskranz (1844) 54; der kohlschwarz gewichste schnurrbart Th. Storm
s. w. (1899) 6, 225. 22)
abgeleitete bedeutungen. 2@aa)
prügeln (
im anschlusz an 1 c),
vorwiegend umgangssprachlich ('
gehört nur dem gemeinen leben an' Weigand
synon. 3, 1086),
s. auch durchwichsen: der schlingel, der seine schuldigkeit unterliesz, wurde gewichset Lessing
die mätresse 45
lit.-denkm.; sonst wird die mutter, stets bereit, mich wichsen nach der schwerlichkeit Hertzberg
Till Eulenspiegel (1779) 2, 7; bist'n halber kerl nur; ich will dich wixen, sollst nicht so abgewixt seyn in dein'n ganzen leben Bode
Thomas Jones (1786) 2, 463; er wixt halt, was er wixen kann, schlagt alles krumm und lahm Hafner
ges. lustsp. (1812) 2, 78; ich muss es nachholen, dass es unter allen uebeln für erziehung und für kinder, wogegen das verschrieene buchstabiren und wixen golden ist ... keinen mehr zehrenden pädagogischen bandwurm giebt als eine hausfranzösin Jean Paul
w. 1, 45
Hempel; die leute dort genieszen den ruf, etwas kurz angebunden im umgange zu sein und als prima und ultima ratio das 'wichsen', vulgo prügeln zu beobachten Scheicher
erlebn. (1907) 134; groszvater, ich hab heute mein braunes hösle an, auf das mich der vater neulich gewichst hat Finckh
Rapunzel (1910) 22.
mundartl. allgemein verbreitet, vgl. Mensing
schlesw.-holst. 5, 616; Crecelius
oberhess. 911; Fischer
schwäb. 6, 750; Schatz
Tirol 703.
unbestimmter: auch weil alle übrigen socii rixä verdient hätten, das fiscus sie brav wixe, so hätte auch jeder von ihnen den lohn erhalten, nach gehöriger proportion Kortüm
Jobsiade (1799) 208. 2@bb)
tadeln, schelten: im fall, es gienge noch und würde nur belacht, weil alles brüder sind, die öfters mit bedacht und sonder eigensinn einander freundlich wicksen, denn keinem schadet doch ein scherz von jungen füchsen J. Chr. Günther
s. w. 3, 134
Krämer; halts maul, du loser kiel, sonst werden sie (
die jungfern) dich wicksen.
ebda 6, 79, 2@cc) gewichst '
durchtrieben, abgefeimt' (
vgl. teil 4, 1, 3,
sp. 5709): denn wer diesen gewichsten gauner betrügen wolle, sei hinterher gewisz selber betrogen P. Dörfler
tör. jungfrau (1930) 250.
nicht abwertend: flott, aufgeweckt, flink, schnell bei der hand, willig, bereit Martin-Lienhart
elsäss. 2, 786. 2@dd)
spendieren, auftischen, freihalten; wichsen
bezahlen Vollmann
burschikoses wb. 512: Curti sagt, er verreise künftigen dienstag nach hause und will deswegen noch einen commerce zusammenbringen, wird aber, im fall er nicht wichst, schwer halten, denn unter zehn Schweizern, die täglich im 'Wagner' kneipen, pumpen acht (1841) G. Keller
br. u. tageb. 2, 51
Ermatinger; sie sind mein sekundant, nicht wahr? ich wichse ihnen deshalb eine kleine flasche Champagner Spindler
s. w. n. folge (
o. j.) 19, 59.
mundartlich weit verbreitet (
meist mit präfix: aufwichsen,
s. auch Adelung 5, 197); de derns wichsen em banni up, he kreeg jeden middag, wat he gern mug Mensing
schles.-holst. 3, 900; aufwichsen
gästen etwas vorsetzen Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 662;
glänzend bewirten Hertel
Thür. 257; Fischer
schwäb. 6, 750; Schatz
Tirol 703. 2@ee)
lautnachahmend: wixte er wie eine eul, bellete wie ein hund Grimmelshausen
Simpl. 194
Scholte; wichsen
das winseln ... eines hundes Bühler
Davos 1, 208. 33)
von wichs III,
m. herzuleiten: sich putzen, seinen besten anzug anziehen Wegeler
Coblenz 60;
luxemb. ma. 489; gewichst ...
in vollem wichs Delcourt
argot allem. (1917) 174
b.
weiteres unter gewichst,
teil 4, 1, 3,
sp. 5709.