Wossidia
faten fassen; Prä
s. faatst, föttst; fat't, fött; Prät. fat'te, föt, fot; faatst, föötst, footst; fat'ten, föten, foten;
Part. fat't Wigg. Gr. 61; Mi 21
a. 1. nach der Grundbedeutung von Fatt als 'Umschließendes' umschließen, in sich aufnehmen: as ... ick sei in den Arm fot (umarmte) Reut. 6, 209; übertr. auf Nahrung und Getränk: auf guter Weide kœnen dei Käuh wat faten GüGüstrow@SchwaanSchwaan; SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; der Trinker
heft ... wat fahtet Mantz. Ruh. 8, 36;
de Dunebütt hett einen fat't Heim. 2, 168; auf Geistiges: he fat't wedder Globen Sta; dei föt sick 'n Hart Mark. 15, 43; 'den Anschlag, den (die Brautleute) ... gefahtet hadden, lavden ... gode Fründe' (Ro 1706) Kohf. Hg. 7, 1; begreifen: dit Mallür künn'n wi nich faten Ro. 2. in einen Behälter tun; in der Spr. der Brauer das Bier aus den Gärbottichen in Fässer und Tonnen füllen: 'daß bier zu faten' (Wi 1672) Hans. Geschbl. 22, 231; 21, 332; 'ein jeglicher Brauer soll, sofort er sein Bier gefasset, das Quantum dessen bei den Licentbedienten aufrichtig angeben' (Gü Güstrow@BützowBütz 1702) Verord.; Korn oder Mehl in Säcke tun: 'Soll auch der Müller sein eigen zu mahlendes Korn in dergleichen Säcken fassen' ebda; 'Futter für die Pferde fassen' (1609) Bär. Ges. 2, 1, 1051; in einen Rand, eine Umrahmung fassen, einfassen: ne ... Brosch ut Barnstein, in Gold foat't Lehm. Ith. 100. 3. greifen, ergreifen, erreichen, packen, fangen a. trans. oft durch krigen erweitert: fat't oder tau faten krigen; im NW auch mit gripen: denn würd' ne Katt fat't gräpen SchöSchönberg@CampowCamp; grip s' fat't die Iltisse Grev; 'konde wy dat (das Schwein) tho vaten krigen, dat were Gelücken' Laur. im Nd. Jb. 3, 97; 'se kregen my dar fat' (1705) Kohf. Hg. 6, 2; gemischte Konstruktion: sei hebben em tau fat't krägen (1909) RoRostock@SülzeSülze; Hetzruf an den Hund:
fat em! HaHagenow@WittenburgWitt; oft in hd. Form fass em;
vgl. fasch; täuw, täuw, di heff 'ck bald fat't (sagt der Fuchs, wenn er hinter dem Hasen her ist) Wo.
V. 2, 455; reisen Lüd' möt 'n nich uphollen, säd' dei Voss, dor hadd' hei den Hasen nich fat't krägen öft.; ick will ... man blot wünschen, wat se em nich wedder fat't krigen Bri. 2, 264; dor hett se dat so bi fat't krägen dabei hat die Krankheit sie gepackt SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; denn' hett hei (dei Austbuck,
s. d. 1, 496) fat't Schö; Lu; Ma; dor kreg' dei Snei mi fat't HaHagenow@RedefinRed; hei ... harr dei Sößtig all stark fat't (war schon hoch in den Sechzigern) Wagtsm. Win. 15; nahsten föten wi de Passaten (erreichten wir die Gegend der Passatwinde) Bri. 2, 185; wi kregen Nurwägen fat't Wi; der Regenschauer hett de See fat't RoRostock@Nienhagen bei DoberanNHagD; denn krigen Sei dei Chaussee fat't WaWaren@PenzlinPenzl; argert hett em dat doch, dat em de Bur fat't krägen hett (übertölpelt hat) Meckl. 32, 89; wo hest du dei fat't krägen? gefunden GüGüstrow@GülzowGülz; stehlen: wat fahten Mantz. Ruh. 8, 36; Feuer fangen:
Füer faten Ro Rostock@BlankenhagenBlank; StaStargard@NeubrandenburgNBrand. Mit präpositionalen Zusätzen: scharfer Frost fött einen 'n bäten an de Näs' HaHagenow@RedefinRed; Hans, Fat dei Katt an 'n Swanz, Fat s' an 'n Hinnerbein, Smit s' an 'n Schostein Wo.
V. 4, 15a; beim Kartenspiel einen an de Läwer faten scharf gegen ihn vorgehen Wa; Meyer ... kreg Frohripen bi 'n Arm tau faten Stillfr. Köst. 2, 81; Alkinoos foat'te sinen Gast unnern Arm Lehm. Ith. 58; in ä. Spr. auch mit to und Infinitiv: eenen to brüden faten jem. zum Foppen, Ärgern voroder herannehmen; so bei Laur.: 'de uss ock noch moet tho brüen faten' Nd. Jb. 3, 92. b. absol. scharp faten
eig. scharf zupacken, seem. gegen den Wind kreuzen WaWaren@RöbelRöb; in präpositionalen Ausdrücken: Meihen Is man Noorsdreihen, Oewer Wullrad Fött ant Oorsgatt derb scherzende Betonung der Schwere weiblicher Arbeit (des Wollespinnens) gegenüber der männlichen HaHagenow@RedefinRed; Up den'n (den Eikbom) fött kein Bil nich un Äxt (greift nicht an) Reut. 5, 341. c. rezipr. miteinander ringen: achterher kregen sei sick noch fat't PaParchim@PlauPlau; allgem. Spiel der Erwachsenen und der Knaben, wer mit den Schultern die Erde berührt, hat verloren;
vgl. Jb. 2, 122; refl. mit der Präp. mit: dor kreg' ick mi dat Faten mit em geriet ich mit ihm in Rauferei Ha Hagenow@DöbbersenDöbb; ick bün so arg, ick künn mi fuurts mit 'n Düwel faten GüGüstrow@LaageLaage. 4. ä. Spr. rüsten, ausrüsten, vorbereiten: 'du wollest mit Knechten, Pferden und WAehren ... nach aller Notturfft gerst und gefaßt ... auff und fortziehen' (1573) Bär. Ges. 2, 1, 457; 950; 'vorgedachten Passagieren zu Dienste jederzeit sich gefast halten' (1710) Fuhrreglement; (1748) Spald. Verord. 4, 152; übertr. auf Geistiges: 'Se vatede ere Seele mit gedult' Gry. Wed. H 3
b; hierzu refl. sick faten in der heutigen Mda. das seelische Gleichgewicht nach plötzlicher Störung wiederherstellen: rasch hadd' hei sick wedder fat't HaHagenow@Kirch JesarKJes; Du möst di faten! Reut. 5, 122; Doch weet he sick to faten ... Doch fött he sick Bri. 1, 128. — Zss.: af-,
an-,
be-, bi-,
in-, nah-, œwer-, tau-,
üm-,
up-,
ver-,
vörtaufaten. — Mnd. vaten. — Br. Wb 1, 359; Dä. 114
b; Kü. 1, 441; Me. 2, 33; Schu. 83.